Die 15 Prophezeiten (I) Lost Frame? - YiYa's Home

Szene 1 - Die drei Kämpfer und der alte Tsageweihte

Sal war ein Söldner, das war keine Frage. Die abgetragenen Stiefel, die speckige Krötenhaut in der er gekleidet war und das Arsenal an Waffen vom Morgenstern bis zum Schwert zu anderthalb Händen. Aldare hielt nicht viel von ihm, er war zwar für einen Mann ein achtbarer Kämpfer doch mit seiner Wortwahl so göttinlos wie ein Echsling.

"Sie mal Aldare, dort die Kaleschka, ich glaube da sitzt ein Ork auf dem Kutschbock", sagte Sal.

"Was? So in Unsinn!"

"Doch sieh!"

Tatsache! Aldare sah eine große Kaleschka auf dessen Kutschbock ein stämmiger Mann und ein alter Ork saßen, dessen Fell schon von silbernen Schlieren durchzogen war. Sie ging langsam in die Richtung, während Sal schneller lief, um zu einem Rondrageweihten aufzuschließen, der sich auch in Richtung Kutsche in Bewegung setzte. Hinter ihm Schritt langsam eine Praiospriesterin einher, das Haupt erhoben, als ob sie die Herrin der Stadt sei.

Bevor die vier die Kaleschka erreichten, stieg ein schlanker bereits ergrauter Mann aus, als Kleidung trug er eine Art Regenbogenmantel und Sandalen. Der Rondrageweihte hielt sofort inne. Er und die Praiosgeweihte blickten sich fragend an, als der alte Tsageweihte auch schon freudenstrahlend und winkend in ihre Richtung kam, ihm folgte ein alter Goblin, der auch der Kaleschka entstiegen war.

"Freudenreicher Tag meine Kinder, nicht wahr?"

"Ja, es ist wahrhaft ein schöner Sommertag. Aber darf ich fragen warum ihr mit Orks und Goblins durch die Gegend zieht, eure Eminenz?", entgegnete Aldare instinktiv.

Die Augen der Praiospriesterin weiteten sich. "Ach mein Kind, es sind doch alles Geschöpfe der Tsa."

"Wie könnt ihr es wagen vor mir das Wort zu ergreifen, Amazone?", brüllte die Praiosgeweihte.

"Warum so laut und so feindseelig mein Kind?", lächelte der Tsageweihte "Schwester Dana, bitte lasst gut sein!" Der Rondrageweihte nahm die Praiosgeweihte beiseite und redete leise auf sie ein.

Kopfschüttelnd verließ Schwester Dana die Szenerie. Sollte sich doch Bruder Rondramir mit den ganzen Fremden rumärgern!

Während Sal dem immer freundlicher lächelnden Tsageweihten zu erklären versuchte, dass Orks und Goblins böse Mordbrenner seien, blickte Aldare zu Rondramir.

"Ich hoffe, ich habe euch nicht in Verlegenheit gebracht, Schwertbruder!"

"Aber nein, ich kenne Schwester Dana schon seitdem ich ein Kind war. Erlaubt mir, dass ich mich vorstelle, Rondramir Ginsburg, Ritter der Göttin. Und ihr seid?"

"Aldare Rondrawohl, Amazone der Göttin und dieses abgehalfterte Bürschchen ist mein Waffenbruder Sal Winterkalt."

Sal kam zu den beiden herüber, weil sich der Tsageweihte, nachdem er von Sal die Lage des Marktplatzes erfahren hatte, zum weiterfahren anschickte. "Oh je, seine Eminenz Angrond bringt mich noch zum verzweifeln, er bereist das Land mit einem Ork, einem Goblin und einem Norbardenhändler!"

"Tja, Kämpfernaturen wie wir werden die Diener der jungen Göttin nie verstehen!", sinnierte Rondramir, während der Norbarde seine Kaltblüter zum weiterfahren antrieb. Der Tsageweihte und ein kleines traurig aussehendes Mädchen winkten den Dreien, die ihnen noch lange nachschauten, um dann schließlich zur Abendandacht in Richtung Rondratempel aufzubrechen.


Szene 2 - Die drei Zauberer und der schusselige Apothekarius

"Ach nein, ach das gibt’s doch nicht, o bei Phex. Der Schlaftrunk sollte doch für den Provinzfiskal sein und Hauptmann Arsteener wollte doch auch noch ein Elixier, ach herrje!" Gaelen schüttelte den Kopf und fing an, dass was den Sturz überstanden hatte wieder zurück in sein Zickwägelchen zu räumen.

"Kann ich euch helfen?", sagte eine helle sehr wohlklingende Stimme.

Gaelen nahm sein Bernsteinmonokel. "Ohh", sagte er nur. Vor ihm standen drei junge Männer. Der erste, der ihn angesprochen hatte, trug erdfarbene Kleidung, die dem Schnitt der eines Waidmannes nahe kam. Er hatte ein feminines Gesicht mit makelloser haut und strahlend blauen Augen. Der Zweite sah dem ersten von den Gesichtszügen leicht ähnlich, auch er wirkte leicht feminin und hatte blaue Augen und blonde kurze Haare, jedoch gepflegter, wie der Sprecher der drei, und dieser trug eine Magierrobe und hielt seinen Stab deutlich zu sehen in seiner rechten Hand. Der dritte im Bunde war ein kleiner Rotschopf mit vielen Sommersprossen im Gesicht, der seine Kleiderwahl anscheinend nur danach auslegte, um höchstmöglich aufzufallen. Alle lächelten ihn, einen schon weißhaarigen Endfünfziger, milde an.

"Danke, meine jungen Freunde, ich ich wollte gerade ein paar Heilmittel und Elixiere zum Schloss bringen, weil mein Gehilfe Abelmir krank ist, muss ich alles alleine erledigen, ah und da seht ihr mein, ähm, äh, Geschick. Aber erlaubt mir mich vorzustellen, Gaelen, Gaelen Lowanger, Apothekarius des Herzogs Waldemar von Weiden!"

"Sehr erfreut", sagte der Naturbursche. "Ich bin Falk Silbertatze, und dies ist mein Freund Legolant, das Koboldkind. Zu meiner Rechten sehr ihr..."
"Ah, ein Magier nicht wahr, nicht wahr. Ein potentieller Kunde, wie ich sehe!" Gaelen schnalzte mit der Zunge.

"Ja, Hesindes Gaben sind mir immer willkommen! Ich bin Ilkarion Hesindian Twillen, von der Schule des direkten Weges zu Gerasim, freut mich, euch kennenzulernen..."

Sie halfen Gaelen noch seine Waren zu überorten und er lud sie und ihre Gefährten in die Schenke eines alten Freundes ein.


Szene 3a - Falk und die Frauen

"Da bin ich aber mal gespannt, wer unser Wohltäter ist, ich hab nämlich einen Ogerhunger und keinen Taler in der Tasche!", stellte Sal fest.

"Es ist ein freundlicher alter Mann", sagte Falk nur.

Gesang und Lautenspiel drangen Falk, Sal, Ilkarion, Aldare und Legolant in ihre Ohren, als sie die Tür zur ’Die Axt und der Hammer’ öffneten.
Ein Bänkelsänger gab gerade eine bornische Weise zum Besten, als die fünf zu Gaelens Tisch schritten und die restlichen beiden mit Gaelen bekannt machten.

"Gurthag, schick doch bitte die Kleine mal her, meine Gäste sind hungrig!" rief Gaelen zu dem Zwerg, der hinter der Theke stand.

Der Sängerknabe ging gerade mit einem Hut herum und Falk beäugte erstmal die vielen seltsamen Leute hier in der Schenke. Ein Tisch mit Bauern, ein Tisch mit Zwergen und ein Tisch mit Zunftgesellen, "alles uninteressant", dachte er sich. Aber der nächste Tisch weckte seine Aufmerksamkeit. Dort saßen sechs Leute. Eine braungebrannte schwarzhaarige Efferdgeweihte, deren dunkle Haut zu ihrem hellblauem Gewand einen merkwürdigen Kontrast bildete. Ein schwarzhaariger Kämpe mit geschlitzten Augen, der sich auf eine Armbrust lehnte. Eine Zwergin in der Tracht irgendeiner Handwerkszunft neben der eine mächtige Wanderaxt lehnte. Eine missmutig blickende, aber recht niedliche Menschenfrau mit langen blonden Haaren bis zu den Knien, die eine weiße Robe trug, auf der ein rotes Pentakel prangte. Ein buntgekleideter Geck vom fahrenden Volk und zu guter letzt ein anderer Barde, der seine braunen Locken schüttelte und seine Laute stimmte, während ihm gerade der Auftritt vermasselt wurde.

"Holde Kriegerin darf ich es wagen, euch ein Liedlein anzutragen?", hörte er den Bänkelsänger der jetzt an ihren Tisch herangetreten war, aber er ließ sich nicht ablenken, denn er hatte einen weiteren sehr interessanten Tisch gefunden. Dort saß eine verschleierte Schönheit, na ja sie war bestimmt eine Schönheit. Schöne Frauen verschleierten sich doch gerne, hatte er gehört.

"Ich bin Jasko von Tiefhusen." Hörte er den Barden.

Am Tisch saß noch ein Thorwaler, der ein Wappen in Form eines großen Fisches trug. Wahrscheinlich wieder einer dieser zwölfgöttlichen Geweihten, dachte Falk.

Noch ein Verschleierter, dachte Falk. Nein, dass waren eher Lumpen und der Mann, der sie trug war ein Hüne, mit... Fell!

"Spielt ihr mal ’Mit Süderstrand geht’s nie an Land’?" brüllte der Thorwaler, zu dessen Linken ein rothaariger Mann mit einer Bärenkopfmütze saß, der mit unzähligen Talismanen und Schmuck behangen war. Er war wohl ein Nivese, genau wie die fünfte Person an diesem Tisch, nur sie war eher eine Jägerin, was Falk an dem Langbogen und dem Jagdspieß festmache.

"Ich will aber lieber ’Es klirren die Schwerter am blutigen Bach’ hören!" vernahm er Sals Stimme.

"Wo bleibst Du denn Shandrissa?" grollte Ghurtag, als seine Ziehtochter aus dem Schankraum kam.

Plötzlich fuhr Sal hoch hinter dem Tresen kam eine junge Elfe hervor und ging in Richtung ihres Tisches, noch niemals hatte er so ein liebliches Wesen gesehen. Als sie am Zwergentisch vorbei ging, streckte einer dieser sein Beinchen aus, so dass die Elfe strack hinfiel. Daraufhin verfielen die Zwerge in lautes Gelächter, das sogar ’Das Heilige Lied der Thalionmel’ von Jasko übertönte. Sal viel laut in das Lachen ein und prostete den Zwergen zu.

"Geschieht dem Spitzohr schon recht", dachte er.

Falk sprang auf und half der Elfe auf die Beine, auch der schlitzäugige Söldner erhob sich langsam von seinem Tisch.

"Oh einen Elfenfreund haben wir hier!"

"Was hat sie euch getan?" fragte Falk.

"Shandrissa, steh nicht rum, sondern bediene die Gäste!", rief Gurthag von hinter der Theke.

"Bübchen, verschwinde mit deiner Elfenmietze, sonst mache ich Dich einen Kopf kürzer!", grummelte der Zwerg, der Shandrissa das Bein gestellt hatte.
"Ihr seid wirklich sehr mutig zu einer einzelnen Elfe."

"Komm lass uns lieber zu dir an den Tisch gehen!" Shandrissa Blick war sehr bittend.

"Und ihr geht mir sehr mutig auf die Nerven, Bübchen."

"Preiset die Schönheit, Bruderschwestern. Was gibt es den hier für ein Problem?" Der schlitzäugige Kämpfer stand nun auch dabei.

Janko schaffte es, die Gemüter zu beruhigen, in dem er eine Runde Bier spendierte.
Nun konnte Gaelens Gesellschaft endlich essen oder in Sals Falle schaufeln.
Falk flirtete heftig mit Shandrissa und Ilkarion holte Janko an den ihren Tisch, weil er so gern das ’Nordlandlied’ hören wollte.
Nur Aldare war etwas mulmig zu Mute. Am Tisch gegenüber saß eine Firungeweihte mit einem langen schwarzen Zopf, die in edle Pelze gehüllt war. Das war an für sich nichts Schlimmes, aber ihr Blick wirkte so leer, als befinde sie sich in einer anderen Welt...


Szene 3b - Die Firungeweihte und das Mädchen

"Bist Du eine Amazone?" Die Stimme des kleinen Mädchens riss Aldare aus ihren Gedanken.

"Ja, mein Kind! Aber darfst Du um die Uhrzeit eigentlich noch auf sein?", lächelte Aldare.

"Onkel Ergjew ist mit mir hier, hohe Frau!"

Sina wusste, dies war die Person, die sie suchte. Sina stand auf und ging zu dem Tisch gegenüber. Eine Amazone sah sie fragend an, als sie sich neben das Mädchen kniete. "Mein Kind,...", doch als Sina die Kleine berührte wurde ihr schwarz vor Augen und sie brach zusammen.

"Selissa kommt!" Aramina war aufgesprungen, als sie die Firungeweihte zusammenbrechen sah.

"Macht Platz für die Efferdgeweihte, Gesindel, macht Platz für ihrer Gnaden Aramina!", rief Selissa und strich über ihr schneeweißes Gewand. Sie waren etwas Besseres, als der Pöbel hier. Die Leute mussten ihnen Platz machen.

Ilkarion merkte auf. Eine anmutige Frau mit knielangen blonden Haaren kam auf ihn zu. "O je, vom Bund des weißen Pentagramms", dachte er. Hinter ihr ging eine sehr tulamidisch ausschauende Efferdpriesterin.

Als Selissa bei ihm war, musterte sie Ilkarion knapp. Sie ergriff seine Handfläche, schaute sie kurz an, und ging mit einem verächtlichen Blick an ihm vorüber zur Firungeweihten.

Aramina schaute die Amazone an, die über der Firungeweihten kniete, aber sie zuckte nur mit den Schultern. Aramina berührte vorsichtig die Stirn der Dienerin des Wintergottes.

"Eine Vision, sie hat eine Vision!"

"Bei den Göttern, dann können wir nur abwarten!", rief Jasko.

"Das wohl!", meinte der Thorwaler.

Sinas Lider zuckten, dann schlug sie die Augen auf. "Tod und Zerstörung", flüsterte sie, stand auf. "15 Recken, der Grimmige will 15 Recken, nur sie können das Unheil besiegen!"

"Unheil, euer Gnaden?", fragte Aramina.

Sina nahm die Hand des kleinen Mädchens. "Das Unheil, dass in dem Dorf der kleinen Isida hier seinen Lauf nimmt."

"Wer will Firuns Wunsch folgen, den uns seiner Tochter Ifirn kund getan hat?"

Kein Laut war mehr zu hören in der Taverne. Nur die leisen Schritte einer Person, die jetzt auf Sina zuging. Es war die nivesische Jägerin.
"Ich Nivilaukaju von Maenans Stamm folge Firuns Ruf!"

"Eins", zählte Sina.

"Ich, Alrech Narbeggin, werde das Unheil aufhalten!" Der schlitzäugige maraskaner Söldling trat nun an Sinas Seite.

"Zwei"

"Ich, Janko von Tiefhusen, folge Firuns Ruf!"

"Drei"

"Ich, Aldare Rondrawohl, folge Firuns Ruf!"

"Vier"

"Ich, Ilkarion Hesindian Twillen, folge Firuns Ruf!"

"Fünf"

"Ich Tugrak von den Mokolash kämpfe an eurer Seite" Der verschleierte Kämpfer war also ein Ork, dachte Falk. "Na ja, dann muss es wohl sein, ich, Falk Silbertatze, mache mit!"

"Sechs und sieben"

"Ihr werdet Efferds Hilfe benötigen können. Ich, Aramina Nicolasina Sarasin, folge Firuns Ruf!"

"Acht"

"Och kommt schon, das könnt ihr doch nicht ernst meinen. Doch? Naja, vielleicht springen dabei ja wenigstens ein paar Silber für mich raus. Das Böse wird es nun mit Sal Winterkalt aufnehmen müssen!"

"Und mit Legolant, dem Koboldkind!"

"Neun und Zehn"

"Auch wenn diese Runde schon einen Barden hat, ein Duett kann nie schaden. Ich, Ruwan Pauspieraken, folge Firuns Ruf!"

"Elf"

"Eine Heldentat ohne einen Gaukler vom fahrenden Volk, das darf nicht sein. Ich, Rukjol Alrik Eslam Perainerich Medani, folge Firuns Ruf!"

"Zwölf"

"Nun ich, Thorescha, Tochter der Torkissa, werde mit Angroschs Hilfe an eurer Seite kämpfen", sagte die einzige Frau vom kleinen Volk, die im Moment anwesend war.

"Dreizehn"

"Ich, ich... Ich werde auch mit kommen!"

"Shandrissa, du wirst das schön bleiben lassen!", tobte Gurthag.

"Schweig, Wirt!", unterbrach ihn Sina.

"Wie heißt du Elfe?"

"Shandrissa Dickichtzauber."

"Du bist die Vierzehnte!"

"Euer Gnaden ich bilde hiermit die Letzte im Bunde. Ich, Selissa von Bethana, vom Bund des weißen Pentagramms werde im Dienste der Göttinnen Rondra und Hesinde für den Wintergott alle Feinde eines kleinen Mädchens, eines Dörfchens und der Zwölfgötter dem Feuer übergeben!"

"Also sind wir komplett", stellte Rukjol fest.

"Doch bedenkt:", hob Sina an, "Einer von euch 15 wird ein Verräter sein, durch ihn werdet ihr die Queste von Neuem beginnen müssen!"

Sie reisten am nächsten Morgen los. Ihr ziel war Sonnenfurt, ein 40 Seelen Dörfchen. Und es ward viel Angst, Aberglaube und Misstrauen in ihren Reihen...


Szene 4 - Die alte Frau und der Luchs (auf dem Weg nach Sonnenfurt)

Ilkarion starrte auf die gegenüberliegende Seite des Nachtlagers. Durch das Lagerfeuer geborene Schatten tanzten auf Selissas Gesicht, das ihn unentwegt anblickte.

"Warum ladet ihr sie eigentlich nicht zu einem Wein ein?", durchbrach Janko die Stille.

"Weil sie mich nicht leiden kann UND außerdem mich gerne, als den Verräter entlarven würde." Er hielt kurz inne. "Ich bin doch von einer anderen Magiergilde, als sie."

"Nun dann gönnen wir beide uns eben ein Weinchen!" Janko reichte Ilkarion seinen Weinschlauch.

"Puh Elenviner, ein übler Fusel!", meinte Ilkarion nach einer Geschmacksprobe.

"Jaaa, aber er belebt die Geister!" Janko grinste und starrte zum Madamal.

"Ich glaube es ist Zeit die zweite Wache zu Wecken!"

"Nun gut", meinte Ilkarion. Er ging los und weckte Falk.

Janko war schlau, weil er Alrech mit einem langen Ast weckte. Söldner eben!

Er zuckte gleich mit seiner Waffe hoch.

Selissa verpasste Legolant im Vorbeigehen einen kräftigen Fußtritt.

"Donnerlitchen, ich glaub mich tritt ein Darpatbulle. Ach, ’s Blondchen isses nur." Legolant ignorierte Selissas Grimmfrostödenblick und stolzierte zu seinen Wachgefährten Falk und Alrech herüber.

"Nivilaukaju hat mir erzählt, dass die kleine Isida aus Sonnenfurt entkommen ist, dass von Geistern, Dämonen oder Schlimmeren heimgesucht, ja gar belagert werden soll." Legolant lief es bei Falks Ausführungen eiskalt den Rücken runter. Sphärenwesen hatten ihm zu seinem Glück nämlich gerade noch gefehlt.

"Ammenmärchen. Das Geschwätz von alten Weibern und kleinen Kindern, wenn ihr mich fragt!" Alrech wirkte wirklich sehr abgebrüht.

"Also ihr beiden, haltet euch an mich, dann lebt ihr länger, in meiner Heimat ist Verräter aufspüren der größte Volkssport. Neben Königsmord!"

Falk und Legolant schauten sich an. Dann schauten sie Alrech wieder an und meinten gleichzeitig: "Königsmord???"

"Genau, aber im Moment haben wir keinen König auf Maraskan, weil diese nichtsnutzigen Mittelreicher uns überfallen haben, aber wir werden unserer Heimat schon wieder befreien. Es ist nur eine Frage der Zeit!"

Falk und Legolant hörten Alrech noch lange bei seinen promaraskanischen Erzählungen zu, bis sie schließlich die Dritte Wache weckten.

Falk ging zu Sal und rüttelte ihn an der Schulter. Dieser griff sofort zu seiner Waffe.

"Ich bin’s nur."

"Tschuldigung, Falk. Ich wünsch dir einen ruhigen Schlaf!"

Als Legolant sich Tugrak näherte grunzte dieser schon etwas Unverständliches und erhob sich. Alrech weckte unterdessen Aldare.

Sal ging immer wieder auf und ab, was Aldare ungemein nervös machte. Sie saß am Lagerfeuer und stocherte mit einem Stöckchen die Glut auf, während sie die Umgebung aufmerksam beobachtete. Tugrak stand am Lagerrand wie ein schwarzer Schatten, sein Gruufhai war vor ihm in den Boden gerammt. Hoffentlich würde Tugrak diesen schweren mit Stahldornen besetzen Streithammer nicht gegen ihre Interessen einsetzen, dachte sich Aldare. Mit ihrem Reiterschwert würde sie ihn nur schwer aufhalten können. Aber noch war die Schuld von niemanden bewiesen.

"Kann der Zappelalrik nicht endlich mal still stehen?" Aldare plante demnächst mit jemand anderen zu Wachen.

"Was war das jetzt um Rondras Willen?" Alrech stand von seinem Nachtlager auf und ging Richtung Wald.

"Wo willste hin, pinkeln?", zischte Sal zu Alrech herüber.

"Ist doch nicht verboten, oder?" Alrech schüttelte den Kopf, in Sinoda wäre dieses Bürschchen schon zu Parderfutter verarbeitet worden.

Sal behielt Alrech halbwegs im Auge, als dieser flüsterte: "Dort steht jemand!"

"Wo?"

"Dort hinten, im Wald!"

Sal strengte sich an etwas zu erkennen. "Zu dunkel", dachte er sich, aber irgendetwas Menschengroßes stand da.

"Die Armbrust!"

Sal schleppte Alrechs Armbrust heran, spannte und schoss.

Vorbei, irgendwo in den Wald. Die Gestalt bewegte sich keinen Halbfinger weit.

"Ach was soll’s?" Alrech zog langsam seinen Nachtwind aus der Scheide, während Sal Tugrak heranwinkte.

Sal und Alrech drangen langsam in den Wald ein. Tugrak behielt sie vom Waldrand aus im Auge.

Die Gestalt blieb immer noch stehen. Dann ein Rascheln, es kam aus einer seitlichen Richtung. Sofort fuhren beide herum, Sal seinen Anderthalbhänder und Alrech seinen Nachtwind fest gepackt. Vorsichtig näherte sich Sal der Geräuschquelle.

"Sieh mal, es war nur ein Luchs!", stellte Sal fest.

"Alarm, ALARM, aufwachen, da ist jemand!", gellte Aldares Stimme aus dem Lager.

Alrech nahm Sal die Armbrust ab und nestelte gerade einen Bolzen aus dem Köcher, als er sie sah. Eine recht alte Frau in schwarzer Robe und mit roten langen Haaren, die schon zum großen Teil mit grauen Strähnen durchzogen waren. Sie richtete das Wort an die Prophezeiten: "Verlaßt dieses unheilige Gebiet, meine Kinder! Tod und Verrat ist in Eurer Mitte. Lauft so schnell ihr könnt, verstreut euch in alle Winde. Noch könnt ihr euch vor dem Malmkreis der Seelenmühle retten, doch sobald das erste Blut fließt, seid ihr ALLE verdammt. Hört auf meine Warnung, und leeeeeeeeeebt!"

"Hah, ich lasse Dich mein Eisen spüren, du Hexe" Sal rannte mit erhobener Waffe in Richtung der alten Frau. In diesem Moment schoss Alrech einen Bolzen auf sie ab, doch er ging einfach durch sie hindurch. Die Frau löste sich danach einfach in Luft auf.

Rukjol hatte zusammen mit Ruwan und Thorescha die Hundswache übernommen.

Er warf gelangweilt Steinchen ins Feuer und kaute auf einem Stück Dörrobst.

Es wurde schon wieder hell und er war hundehundemüde.

"Ich hätte beim Zirkus bleiben sollen!", seufzte Rukjol nur...


Szene 5 - Der Wolf und der Leu

"Die zwei unglücksseeligen Dorfbewohner, die wir gefunden haben, werden sich um unsere Queste und über irgendeinen Verräter keine Gedanken mehr machen müssen." Stellte Janko fest.

"Ich frag mich nur was das für ein Raubtier war, dass die beiden getötet hat und wieso ein kleines Mädchen entkommen ist, während zwei erwachsene Männer es nicht geschafft haben Trallop zu erreichen.", meinte Sal.

Ruwan nickt bloß. Der Tag war bis auf die beiden Leichen ruhig verlaufen. Sie hatten noch ein paar Pferdespuren entdeckt, aber diese nicht weiter beachtet.

"Was hatte diese beiden getötet und würde es in Sonnenfurt auf sie lauern?"

"Nein, nicht ich will nicht!" Nivilaukaju drehte sich auf ihrem Nachtlager hin und her. Als Janko es sah, gab er seinen beiden Wachgefährten einen Wink und ging zu ihr.

Er weckte sie vorsichtig, und sie starrte ihn mit großen Augen an: "Etwas wird kommen!"

"Was?", fragte Janko.

"Ein Wolf!" Sal zeigte auf den Waldrand und gab Alarm. Mit blanker Klinge trat er in die Richtung des Wolfes.

"Nein! Lasst mich zu ihm gehen!", rief Nivilaukaju.

Sie ging vorsichtig näher, bis sie vor dem Rauhwolf stand. Die anderen warteten gespannt ab. Nach einer Weile zog er sich in den Wald zurück.

Nivilaukaju wurde sofort staunend umringt. "Kannst Du mit Wölfen sprechen?", fragte Janko.

"Nein, aber ich kann sie verstehen. Dieser hier wollte uns warnen."

"Wovor? Und was hast du eben eigentlich schlimmes geträumt?"

"Ich habe meinen Tod gesehen!" Nivilaukaju wirkte äußerst ernst.

"Das darf nicht geschehen! Ich werde euch beschützen.", gab ihr Janko zu verstehen.

"Irgendetwas wird kommen, um uns zu holen. Doch was es ist kann ich nicht sagen."

Nivilaukaju wirkte verstört, so dass Janko sie erstmal in Ruhe ließ.

Ilkarion hatte die Wache übernommen. Er blickte zu Selissa und Aldare rüber. Die beiden Frauenzimmer verstanden sich für seinen Geschmack doch etwas zu gut.

Doch was war das? Hatte sich da nicht etwas bewegt? "Nicht schon wieder!", dachte Ilkarion.

"Aldare, ich glaube dort ist irgendjemand."

Aldare packte ihren Amazonensäbel und ging vorsichtig zum Waldrand. Es war ein Löwe, ein Waldlöwe der dort umherstrich.

"Ein Löwe ist im Lager!" Aldare näherte sich dem Tier mit Obacht. Falk kam nach einer Weile zu ihr. Der Löwe schien sehr friedlich und begann zu sprechen: "Geht nach Sonnenfurt doch seid gewarnt, dort hinnen lauert der Tod!"

"Das Vieh kann sprechen?", meinte Alrech ungläubig, als er sich auch schon wieder in den Wald davonmachte.

"Schon wieder eine Warnung?", fragte Rukjol in die Runde.

"Die Dritte!", wusste Nivilaukaju.

"Lasst euch von diesem Humbuk nicht einschüchtern, Bruderschwestern! Morgen erreichen wir Sonnenfurt und werden die Lage dort ein für allemal klären." Aber nicht jeder war so selbstsicher wie Alrech.

Vor allem Shandrissa, Ruwan, Falk und Legolant wirkten leicht eingeschüchtert, als sie sich wieder zur Ruhe legten.

Sal nahm lächelnd ein Schluck aus Nivilaukajus Pulle. "Auf euch, Werteste!"

"Ich hoffe, dass wir beide dieses Unternehmen hier überleben!", entgegnete Nivilaukaju und nahm auch einen Schluck.

Sal nickte nur. Morgen sollte sich zeigen welche Gefahren ihnen wirklich gegenüberstanden.

 



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