Die 15 Prophezeiten (III) Lost Frame? - YiYa's Home

Szene 9 - Wenn Liebe blind macht

Die beiden Adepten der magischen Künste hatten das Nachtlager fast wieder erreicht. Der Regen war inzwischen abgeebbt. Ilkarion wendete sich an sein neu gefundenes Herzblatt: "Denk bitte daran was ich dir gesagt habe! Falk ist mein Freund."

"Ja, mein Hübscher!" Selissa durchwühlte mit ihren langen Fingernägeln Ilkarions nasses Haar, während sie sich leidenschaftlich küssten.

"Gehen wir!", drängte Ilkarion.

"Moment noch! Wir sehen aus, als kämen wir aus einem Schweinekoben", stellte Selissa fest. Dann strich sie sich mit ihren nassen Händen sinnverwirrend über ihren Körper, und sprach: "SAPEFACTA!" Daraufhin verschwand jedweder Schmutz von ihren Gewändern und ihrem Körper.

Als Ilkarion sich ebenfalls dem SAPEFACTA ZAUBERSCHWAMM unterzogen hatte, gingen sie weiter.

"Da ist ja das Luder! Oh Ilkarion, was hat sie nur mit dir gemacht?" Falk ging den beiden wütend entgegen. Aldare, Janko und Ruwan eilten sofort zum Schlichten hinterher.

"Komm mir nicht zu nahe, sonst passiert etwas!", warnte Selissa.

"Bitte keinen Zank!", mäßigte Ruwan.

Ilkarion kam sofort auf Falk zu, nahm ihn bei der Schulter und ging mit ihm in eine ruhige Ecke. Gleiches tat die Amazone mit Selissa.

"Er ist ein Hexer, Aldare!"

"Sicher?" Die Amazone war skeptisch.

"Ja, sogar Ilkarion weiß es", erläuterte Selissa.

"Dann werden wir umso vorsichtiger sein, aber ich kann und will den Buben jetzt noch nicht verurteilen. Auch wenn er ein Mann ist, steckt vielleicht auch ein Funken Gutes in ihm!"

"Ilkarion, wie kannst du nur diese Frau anfassen. Sie hat so viele Vorurteile gegenüber Hexen und sonstigen Leuten, die den Praios- und Rondraknechten nicht in den Kram passen."

"Selissa kann bezaubernd sein, wenn man sie näher kennt!"

"Bitte? Ich hör wohl nicht richtig. Was soll den jetzt geschehen? Soll ich mich jetzt vor ihr verstecken?" Falk war über Ilkarions Gefühle gegenüber Selissa im höchsten Maße empört.

"Pass auf Falk, ich sorge dafür, dass Selissa nicht weitererzählt, wer du wirklich bist und du verhältst dich ihr gegenüber auch angemessen!"

Gesagt getan. Falk, Aldare, Ilkarion und Selissa teilten nun ein Geheimnis. Doch Falk blieb wachsam, nicht nur wegen der Warnungen Selissas, die ihn immer noch für einen heißen Anwärter auf den Posten des Verräters hielt.

Dann betteten sich endlich alle zur Nachtruhe. Die zweite Schicht wurde von Nivilaukaju, Alrech und Janko übernommen.

"So, Janko, mein Freund, dann will ich dich mal mit deiner Angebeteten alleine lassen. Ich bin ja nicht blind und Anstandsdame bin ich erst recht nicht", grinste Alrech.

"Aber wo wollt ihre denn hin, Alrech?", fragte Janko.

"Siehst du den Baum dort? Da werde ich drauf sitzen und so das ganze Lager überblicken und wenn irgendein Verräter oder Strauchdieb euch beide beim turteln stört, wird er sich noch im selben Moment einen kleinen Bolzen durch den Kopf gehen lassen", witzelte Alrech und spannte seine leichte Armbrust.

Janko legte seine Hand auf Alrechs Schulter: "Habt Dank, Alrech!"

Der Maraskaner zwinkerte nur und setzte sich in Richtung Baum ab.

Janko ging leise pfeifend zu Nivilaukaju. "Was für ein Haudegen von einem Beni Rurech, dieser Alrech", dachte Janko. "Er wird mir immer symphatischer!"

"Ich war sehr bewegt von deinem Gedicht." Nivilaukaju blickte ins Feuer, aber der Barde konnte ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen. Janko fühlte sich wieder richtig gut, die Nivesin war tatsächlich angetan von ihm. Und er erst von ihr!

"Niemand von den Prophezeiten ist so freundlich, so anmutig und so charmant wie sie", dachte Janko. Sie war sein leuchtender Stern, der auf diesen finsteren Pfad herab schien, auf dem sie wandelten.

Nivilaukaju schmiegte sich zärtlich an Janko. Es war eine selige Stille über dem Lager, der Himmel war wieder klar und eine wohlige Frische machte diese Sommernacht sehr angenehm.

Schließlich hatten sie ihre Pflicht erfüllt. Nivilaukaju weckte die nächste Wachschicht, während Janko den guten Alrech von seinem Ausguck zurückholte.

Blendend gelaunt schwang sich Janko den Baum hoch. "Alrech, wir sind fertig!", strahlte Janko zu dem Maraskaner hoch. Doch dieser antwortete nicht.

"Alrech?" Janko stieg noch höher, als er es sah.

Alrech hatte ein drei Finger dickes schwarzes Loch im Rücken. Seine gebrochenen Augen blickten auf das Lager und seine Armbrust war immer noch nach vorne gerichtet in Anschlag.

"Nein, nein, nein, nein. Ihr Götter, NEEEEEIIIIN!" Janko fiel die letzten Schritt vom Baum runter, er zitterte. Das was hier passierte, durften die Götter nicht gut heißen! Er jammerte und schrie, bis das ganze Lager aufgeschreckt war.

Nivilaukaju und Janko standen gesenkten Hauptes. Selissa ging mit wehenden Haaren auf und ab und ließ ihren Zorn freien Lauf. Ilkarion hielt sie ab und zu am Arm fest, doch sie schüttelte ihn immer wieder ab. "Ins Feuer geschaut? Während der Wache herumgeherzt? Jeder aus dem Lager und von außerhalb hätte Alrech umbringen können. Ihr zwei werdet nie mehr zusammen wachen, hört ihr?", tobte die Weißmagierin.

"Gewisslich nicht, werte Magierin!", sagte Janko nur niedergeschlagen.

Er war am Ende. Während er seinem Glück hinterher gejagt ist, musste ein guter Mann und achtbarer Kämpfer sterben. Jetzt erst wusste er, dass der Maraskaner nicht der Verräter war und seine schützende Hand ehrlich über die schwächeren Prophezeiten gehalten hatte.

Er hatte den Tod seines Lebensretters mitzuverantworten und das brachte ihn fast um den Verstand. Einer Sache konnte er sich nun aber Gewiss sein, der Unschuld Nivilaukajus.

Aldare betrachtete die famose Waffe des Maraskaners. Sie würde den Nachtwind als Grabstein in Alrechs Grab rammen. Ein wertvoller Prophezeiter war von ihnen gegangen. Sie bedauerte Alrechs Tod aufrichtig, er hatte für viel Zusammenhalt unter den Prophezeiten gesorgt und war der vielleicht wichtigste Kämpfer gewesen. "Wie hatte man ihn bloß so lautlos überwältigen können?", fragte sich Aldare.

"Grünschnabel hat er mich immer genannt", erinnerte sich Falk. Er hatte sich in dem Maraskaner nicht getäuscht. Traurig blickte er zu Thorescha, Sal und Tugrak, die bereits zum zweiten Mal ein Prophezeitengrab ausheben mussten. "Hoffentlich ist es das Letzte!", dachte sich Falk.

Derjenige, der für die beiden Morde verantwortlich war, musste unschädlich gemacht werden. Doch das Gesetzt des Handelns glitt immer mehr in die Hand der Gegenseite ab...


Szene 10a - Aldares Opfergang

Sie rasteten gerade am Rande eines Wäldchens, als Shandrissa darauf aufmerksam wurde. Sie drehte Falks Kopf in die Richtung, wo sie diese seltsame Blume erblickt hatte.

"Das war keine große rote Blume!", dachte auch Sal, der auf einem Baum die Umgebung beobachtete. "Das war einer der Scharlachroten, der dort im hohem Gras abkniete."

Nachdem alle alarmiert waren, setzen sich die Prophezeiten geschlossen in die Richtung des feindlichen Spähers in Bewegung. Aldare preschte mit ihrem treuem Ross "Donner" voran. Sie war fast bei ihm, als aus seitlicher Richtung ein weiterer Scharlachroter auf einem schwarzem Tralloper Riesen heran ritt.

"Nun sind es bereits zwei!", dachte Legolant, Als plötzlich Sal und kurz danach Tugrak aufschrieen. Bolzen flogen heran. Sie waren auch hinter ihnen.

Sal war durch die Rüstung seitlich in den Rücken getroffen. Wütend legte er Alrechs Armbrust an, und suchte den Schützen. Fast alle hatten sich ins hohe Gras geworfen. Er sah Rukjol mit gezogenem Florett vorsichtig in die Richtung gehen, aus der die Bolzen gekommen sein mussten.

Aldare überließ den abgeknieten Kämpfer den nachfolgenden Prophezeiten und ritt selbst dem Berittenen entgegen, der mit wirbelnder Ogerschelle auf sie zu jagte. Sie schwang den Reitersäbel, um ihn ihrem Gegner unter seiner Waffe hindurch in die Brust zu stoßen. Doch sie musste die wuchtige Kettenwaffe parieren und war zu einem neuen Angriff gezwungen. Sie wendete ihr Schlachtross um, doch der Scharlachrote hatte es ihr nicht gleich getan. Er hielt vielmehr auf Selissa zu, die dem abgeknieten Kämpfer, der sich mittlerweile erhoben hatte und zwei Langschwerter zog, entgegen eilte.

Rukjol wurde von dem Angriff des Scharlachroten zurück geschleudert. Dieser dreht sich um und pfiff nach seinem Pferd, das aus dem kleinen Wäldchen antrabte. Als der Kämpfer gerade aufstieg, traf ihn Sals Bolzen in die Seite. Er schrie gedämpft auf und galoppierte davon, ohne sich noch einmal umzuwenden.

Selissa warf sich in Deckung und die Ogerschelle fegte über ihren Kopf hinweg. Sie sah den Langschwertschwinger zu dem Berittenen aufs Pferd steigen, auch sie ergriffen die Flucht. Was hatten sie nur erreicht?

Aldare trieb ihren "Donner" an. Sie hatte das schnellere Pferd, als die beiden Scharlachroten, es würde vielleicht eine Meile dauern, aber dann hatte sie die beiden eingeholt.

"Bei Rondra, bleibt stehen ihr Feiglinge!", donnerte Aldare, als sie dem schwarzen Tralloper Riesen der Scharlachroten schon sehr Nahe war. Die beiden Reiter hielten an, und einer der beiden sprang ab.

Aldare ritt einen Sturmangriff auf den letzten Reiter, der sein Pferd gerade noch herumreißen konnte. Der Fußkämpfer nahm seine Armbrust zur Hand.

Aldare schrie auf, als der Bolzen sie traf. Zuvor hatte sie die Ogerschelle des Anderen leicht erwischt. Ihre Säbelhiebe glitten zum Teil einfach am knielangen Kettenhemd ihres Gegenübers ab. Der Fußkämpfer hatte nun wieder seine beiden Langschwerter parat, mit denen er jetzt auf Donner eindrang. "Dreckiger Pferdeschänder!", gellte Aldare und hieb den Infanteristen ihren Reitersäbel in den linken Arm. Doch schon sauste wieder die Ogerschelle auf sie herab. Sie konnte nicht gegen drei Waffen gleichzeitig kämpfen. Wieder und wieder wurde sie getroffen.

Thorescha hieb mit ihrer Haselnussgerte auf das Hinterteil ihres Maultiers: "Schneller Dolgi, schneller! Jetzt musst du mal über deinen Schatten springen!" Das Maultier jaulte. Die Zwergin kam zu langsam näher. Noch 300 Schritt. Thorescha zog ihre Kriegsaxt. Jetzt würden ein paar hässliche Großlinge ihren Zorn zu spüren bekommen.

Das Langschwert stieß Aldare mitten durch die Brust, so dass es sie vom Pferd riss. Das Letzte, was sie sah, war, wie Thorescha in großer Entfernung zu ihrer Rettung heran ritt. Doch sie schaffte es nicht mehr. Aldare Rondrawohl, die Amazone der Göttin, war gefallen.


Szene 10b - Tugraks Ende

Sal sprang zu Selissa auf deren Vollblut auf und krallte sich an ihren Hüften fest.

"Hey vorsichtig, Freundchen!", ermahnte ihn Selissa.

"Jetzt reit schon los, oder willst du das die beiden dahinten verrecken?", räsonierte Sal.

Selissa trieb ihr Pferd also an. Sie faste das Maultier von Thorescha ins Auge.

Malzan stach sein Langschwert durch die Halsschlagader der Amazonenstute. "Ah, ein weiterer lebensmüder Prophezeiter naht!", grinste er. Ihm konnte es nur recht sein, wenn ihnen die Zwergin gleich noch mit in die Falle ging.

"Verflixt!", spie Malzan aus. Dort hinten kam die verdammte Magierin angeritten. Er stieg wieder zu seinem Kameraden aufs Pferd und sagte: "Hauen wir ab, Zwei sind erstmal genug!"

Thorescha sah die Großlinge davon sprengen.

"Um Angroschs Willen, Aldare!" Die Amazone war halb unter ihrem toten Schlachtross begraben. Thoreschas starke kleine Arme zogen sie schließlich unter dem Ross hervor. Sie war auf der Schwelle zwischen Leben und Tod. "Schnell Selissa, du musst ihr helfen, sie stirbt!", rief Thorescha, als die anderen beiden ankamen.

Die Weißmagierin kniete sich neben der Amazone ins Gras. "Sal, nimm ihr die Rüstung ab!", bat Selissa.

Als dies geschehen war, legte Selissa ihre Hand auf das Herz Aldares und sprach die Worte BALSAMSALABUNDE.

Aldare kehrte wieder in die 3.Sphäre zurück. Selissa, Thorescha und Sal blickten sie an.

Ihr Kampf war noch nicht verloren!

Legolant stierte zusammen mit Rukjol und Nivilaukaju ungläubig auf Tugraks Leiche. Ein Pfeil hatte ihm im Nacken getroffen. Ilkarion erklärte, dass es sich um einen Auelfenpfeil handele.

Falk stellte bei seiner Untersuchung fest, dass der Pfeil mit Gift bestrichen war und Tugrak wahrscheinlich mit purer Gewalt per Hand einfach in den Nacken gerammt wurde.

Ruwan stellte fest: "Es ist ein Auelfenpfeil, doch Nivilaukaju, unsere einzige Bogenschützin, verschießt andere Pfeile. Shandrissa unsere einzige Auelfe hat keinen Bogen. Und wer hätte die Kraft den Pfeil von Hand in Tugraks Nacken zu rammen?"

Wieder einmal standen die Prophezeiten vor einem Rätsel.

Thorescha und Sal durften wieder Gräber ausheben, diesmal waren es mit Tugraks und Donners sogar zwei.

Aldare schwor den Pferdemördern blutige Vergeltung, sie würden nicht mal mehr erwarten, dass sie noch lebte, wenn sie sie erwischte. Auch der Ork hatte sich als aufrichtiger Kämpfer erwiesen. Seinen Tod wollten die übrigen 12 Prophezeiten ebenfalls vergelten.


Szene 11 - Das Nachtgespenst

Legolant spielte mit einem Stöckchen zwischen seinen Fingern. Am nächsten Tag MUSSTEN sie etwas finden. Denn die Reiter konnten nicht aus einem zu großen Abstand zu Sonnenfurt operieren.

Irgendetwas stimmte hier nicht. Es war, als wäre die nächtliche Wildnis heute besonders bedrohlich. Ihn beschlich ein grausiges Gefühl. Er guckte zu Aldare rüber, die seitlich vom Feuer saß. Sie grinste ihn hämisch an. Legolant schüttelte den Kopf und spähte zu Ruwan rüber. Der Barde war mit seiner Laute beschäftigt, doch wie auf Kommando blickte er auf und grinste ihn genauso verschlagen wie die Amazone an.

Der Schelm erschrak. Was ging hier vor.

"Legolant! Legolant!", hörte er die Amazone. "Ich werde dich töten, Legolant!"

Legolant lief es eiskalt den Rücken runter. Er stolperte in Ruwans Richtung. Der Barde näherte sich ihm ebenfalls und lachte dreckig. "Mach es dir doch nicht so schwer, Legolant!"

Aldare sah den Schelm plötzlich wie besessen umherirren. Sie ging in seine Richtung, da begann er sie gehässig anzugrinsen.

"Setz dich hin und hör auf mit dem Unsinn!", tadelte ihn Aldare. Dann sah sie die Gestalt.

"Aldare, hör auf göttliche Zeichen!", sagte die Lichtgestalt. Es war der Geist von Aramina. Aldare ging in die Richtung der Erscheinung.

"Schnell Aldare, bevor sie kommen!"

"Die Scharlachroten?"

"Ja, die Scharlachroten!", meinte die Erscheinung nur.

Aldare ging ihr hinterher in Richtung Wald.

"Wo will sie bloß hin?", dachte Ruwan. Er stand auf, um zu Legolant zu gehen.

"Legolant, wo will denn Aldare hin?"

Legolant sah den Barden auf sich zu kommen. Er lächelte ihn dämonisch an: "Legolant, komm her, du kannst nicht entkommen!"

Der Schelm sprang darauf auf und lief schreiend in den Wald.

Und Ruwan fragte sich was hier bloß vorging.

Sal wachte wie die Anderen auf. Er hörte Ruwans Stimme: "Schnell Aldare und Legolant sind wahnsinnig geworden, sie laufen beide in den Wald!"

Sofort setzte er dem Schelm nach. Ruwan, Rukjol und Nivilaukaju taten es ihm gleich, während Janko, Falk und Shandrissa der Amazone hinterher hechteten.

Legolant war wie von Sinnen, es schien, als wollten sie ihm alle ans Leder. Doch hier im Wald würden sie ihn nicht kriegen. Hinter einem großen Baumstumpf tauchte plötzlich ein scharlachroter Kämpfer auf, der zwei Langschwerter gezogen hatte. Panisch rannte der Schelm immer tiefer in den Forst hinein.

Malzan lies den Schelm an sich vorbei laufen. Der Zauber hatte ihn für diesen Kampf ausgeschaltet. Aber da vorn kam der Söldling. "Na, der wird eine kleine Überraschung erleben", freute sich Malzan.

Sal stand alleine gegen den Langschwertkämpfer. Warum wunderte ihn das nicht?

Von seitlich stürmte noch sein alter Bekannter mit der Ogerschelle heran.

"Wenn Legolant wegläuft, dann kann Sal Winterkalt das auch!", und schon war Sal wieder auf dem Rückzug.

"Wo führst du mich hin Aramina?", fragte Aldare die Erscheinung.

In dem Moment packte ihr Janko auf die Schulter.

"Was ist?", wollte die Amazone wissen.

Dann ein höhnisches Lachen. Die Erscheinung Araminas löste sich in einer Schreckensfratze auf. Aldare war nun wieder klar im Kopf, doch die Falle hatte schon längst zugeschnappt.

Sal ging in Stellung. Er erwartete die beiden mit der Armbrust in Anschlag. Doch aufhalten können, würde er sie nicht. Als Ilkarion und Selissa bei ihm eintrafen, hatte sich das Blatt wieder gewendet.

"Ein scharlachroter im Lager!", hörte er Thoreschas Stimme.

Dann hörte er den Schrei des Gauklers aus einer anderen Richtung: "Bei Hesinde, das darf nicht sein!"

"Ich kann nicht überall zugleich weilen", fand Sal und entschloss sich nun zu einem Sturmangriff auf die beiden Roten.

Malzan hielt seinen Kameraden an. Beide Magier kamen dem Söldling zu Hilfe.

Dieser stürmte nun in seine Richtung. Sein Kamerad schoss einen Bolzen auf ihn ab, während er diesen Ruwan aufs Korn nahm.

Darauf wand er sich zur Flucht, sie hatten wieder einen erwischt, auch wenn ihre Bolzenschüsse fehlgegangen waren.

Thoreschas ging vor der Wucht des Zweihänders in die Knie. Sie drückte die mächtige Waffe mit ihrer Kriegsaxt nach oben, als sich ihr Gegner unerwartet abwendete und entschied dem Kampfe zu enteilen.

Ilkarion erschrak. Rukjol starrte totenblass auf etwas, was dort auf dem Boden lag.

Bei Näherkommen konnte der Graumagier den Grund für Rukjols Marbogesicht erkennen. Nivilaukaju!

Er kniete ab, wobei er den Gaukler einfach stehen ließ. Sie war tot!

"Mörder! Du Dämon, sterben sollst du!" Mit diesen Rufen sah er Janko mit gezogenem Dolch heraneilen. Ilkarion stürmte los.

Fast gleichzeitig warfen sich Falk und er auf den Svelttaler Barden.

"Lasst mich, seht ihr den nicht was er getan hat? Seid ihr geblendet?" Janko tobte.

Der Hexer und der Graumagier konnten ihn nicht festhalten. Schließlich packte Aldare ihn auch noch am Haaransatz, so dass er keine Chance mehr hatte zu entkommen.

Die Prophezeiten fanden sich nacheinander bei Nivilaukajus Leiche ein.

Aldare forderte nun eine Erklärung von Rukjol.

"Ich war es nicht, aber ich habe jemanden von ihrer Leiche weglaufen sehen!", versuchte der Gaukler seine Unschuld zu begründeten.

"Wen hast du weglaufen sehen?", verhörte ihn Selissa.

"Es war ein Mann vielleicht von Falks Größe, mit schwarzem Umhang. Auf jeden Fall lief er schnell und war ungerüstet. Eigentlich hätte es auch eine Frau unter dem Umhang sein können", folgerte Rukjol.

"Warum hast du ihn nicht verfolgt?", fragte Selissa.

"Ich war wie gelähmt, ich wollte Nivilaukaju helfen, aber es war zu spät."

"Er lügt. Er hat sie getötet. Lasst mich los, ihr Narren!", krakeelte Janko.

"Janko, hast du mit eigenen Augen gesehen, dass Rukjol ihn getötet hat?" Sal stand nun vor dem Barden und wirkte stark ungeschmeidig.

"Nein! Aber..."

"Nichts aber! Du versprichst jetzt dem Gaukler nichts zu tun, bis wir seine Schuld bewiesen haben, sonst verpass ich dir eine Tracht Prügel, dass dir Hören und Sehen vergeht!", polterte der Söldner.

"Na schön!" Janko erkannte den Vorteil des Söldners für den Augenblick.

"Ich glaube bei dieser Kuttengestalt können wir also nur mich ausschließen, oder?", stellte Thorescha fest.

"Ja, du bist eindeutig zu klein!", nickte Rukjol.

"Moment, wo ist eigentlich Legolant?", platzte es aus Ilkarion heraus.

Sie fanden den Schelm etwas später in seinem Buschversteck. Total verängstigt lies er sich von Sal an der Hand zurück ins Lager führen. "Ein Beherrschungszauber hat ihm finstere Gestalten vorgegaukelt", erklärte Selissa.

Im Lager winkte Sal schon Thorescha so unscheinbar wie möglich mit ihrer Schaufel.

"Oh, da war ja noch so einiges", erinnerte sich Sal und nahm eine Tätigkeit auf, die langsam aber sicher zu seinem und Thoreschas Tagwerk wurde.


Szene 12 - Zwei unter Verdacht

Nun waren sie nur noch zu elft. Shandrissa rührte in ihrem Süppchen, das außer Falk, Ilkarion und Legolant ohnehin keiner essen würde.

Ruwan stolperte in einiger Entfernung rückwärts zu Boden. Jetzt erst bemerkte sie, wie die Zwergin mit blanker Axt auf ihn zuging. Sie sprang auf. Dem Barden musste geholfen werden. Die Zwergin konnte sie nicht leiden.

"Sie ist die Verräterin!" Ruwan zeigte auf die Zwergin.

"Nein, er ist der Verräter, die Zeit der Suche ist vorbei!", verdeutlichte Thorescha.

"Ich verlange sofort eine Erklärung für dieses Theater!" Aldare blickte die Zwergin und den Barden ernst an.

Thorescha hob an: "Er hat dort am Rande des Wäldchens mit der alten Frau gesprochen, die uns schon mal als Illusion begegnet ist und uns gewarnt hat nicht nach Sonnenfurt zu gehen."

"Und ihr seid natürlich gleich auf ihn losgestürmt", meinte Falk.

"Selbstverständlich!", bejahte Thorescha.

"Was habt ihr zu berichten?" Aldare wendete sich an den Barden.

"Ich wollte zum Austreten in das kleine Wäldchen gehen. Da sah ich die Zwergin zum Gebet niederknien und habe mir erst nichts dabei gedacht. Doch im Vorbeigehen hörte ich, wie sie von einem Meister Widar sprach, dem sie den Fokus bringen will. Ich weiß nicht, was sie damit meinte. Aber sie sagte deutlich "der Fokus". Als sie mich bemerkte griff sie mich sofort an", erzählte Ruwan.

"Meister Widar?", hakte Selissa nach.

"Irgendeine Silbe fehlt noch", überlegte Ruwan.

"War es vielleicht Widharcal?" Selissa schlug ein Bannzeichen gegen Dämonen.

"Ja richtig, so hieß er!", bejahte Ruwan.

"Wer ist dieser Widharcal?", wollte Aldare wissen.

"Psssssscht! Sag den Namen nicht so laut! Das ist der Knechter der Wildnis", flüsterte Ilkarion.

"Widharcal, der Schänder der Elemente. Er ist die erzdämonische Verballhornung des Ingerimm", referierte Selissa leise.

"Ruwan ist es, er kennt den Namen des Dämons! Er hat sie getötet, er hat sie alle getötet", kreischte Janko.

Diesmal war Ruwan das Opfer für Jankos Tobsuchtsanfall.

"Nicht schon wieder!", dachte Falk, ehe er mit Sal den Wüstling festhielt.

"Er kennt den Dämon! Rafft ihr das nicht? Du hast Nivilaukaju umgebracht, hängen sollst du!", kochte Janko.

"So Freundchen, heut Nacht war’s noch der Gaukler, jetzt ist es Ruwan, ich habe langsam keine Lust mehr auf deine ständig wechselnden Anschuldigungen." Sal packte Janko an der Gurgel.

"Aufhören! Wir werden ja sehen wer von beiden die Wahrheit spricht. Ilkarion, wer von den beiden ist magisch?" Aldare hatte demonstrativ ihre Waffe gezogen und empor gereckt.

"ODEM ARCANUM!", murmelte der Graumagier.

"Und?", neugierte Legolant.

"Sie sind beide..."

"Ja?"

"Nicht magisch!" Nun trug Ilkarion endgültig zu Verwirrung bei. Wie sollte einer der beiden ohne magische Hilfe der Verräter sein, nachdem Alrech so präzise übernatürlich überwältigt worden sein musste.

Aldare und Selissa, die mehr und mehr die Anführerinnen der Prophezeiten wurden, trieben ihre Mitstreiter voran. Nur wenn sie den Stützpunkt der Gegenseite erreichten, musste der Verräter die Scharade beenden.

Zwei Stunden später kam eine kleine Holzhütte auf einem mit teilweise blühenden Bäumen bewachsenen Hügel in Sicht. Dort oben sollten die Prophezeiten ein neues Kapitel ihre Queste aufschlagen.


Szene 13a - Sefina

"Halt!" Falk war neben seinen vordersten Kampfgefährten getreten.

Sal hielt instinktiv inne, bevor er den Türknauf der etwas windschief eingehängten Holztür betätigte, und drehte sich zu Falk.

"Ich werde vorgehen, und niemand zieht eine Waffe!", befahl Falk.

Klopf, klopf.

Der Hexer wartete einen Moment und öffnete behutsam die Tür.

Die Welt, die er nun betrat, kam ihm eigenartig vertraut vor. Ja, dies sah wie das Reich einer Hexe aus. Es roch nach Kräutern und fremdartigen Gewürzen und auf der Feuerstelle dampfte ein vielleicht magisches Gebräu. Einige Kräuter waren eingelegt in Alkohol, andere wuchsen in kleinen Kübeln, teilweise waren sie getrocknet, zu Salbe oder Tee verarbeitet. Hier verstand jemand sein Handwerk.

Nacheinander kamen die Prophezeiten Falk hinterher.

Falks Blick schweifte weiter durch den Raum. Dort war ein Tisch mit allerlei bizarren Reagenzien von Mäuseschädeln über getrocknete Eidechsen bis hin zu Schrumpfköpfen.

Ilkarion wurde mulmig als er ein paar Dukatengroße Spinnen sah und er hatte das Gefühl, dass ihn diese Kröte auf dem Fenstersims anstarrte.

Falk bemerkte, wie eine Gestalt aus dem Dunkel des Raumes trat, es war eine Frau vielleicht zwischen 50- und 60 Götterläufen. Er hatte sie schon einmal auf dem Weg nach Sonnenfurt gesehen.

"Wer seid ihr gute Frau?", begann Falk die Konversation.

"Die wenigen, die mich kennen, nennen mich Sefina."

"Ich bin Falk Silbertatze. Meine Begleiter und ich suchen nach einer Gruppe von Kriegern, die sich in scharlachrote Gewänder hüllen. Kennt ihr diese Leute?"

"Ich kenne sie. Und ich weiß auch um euch und eure Prophezeiung!", lächelte Sefina.

"Woher wisst ihr?", warf Janko ein.

"Ich weiß so vieles, junger Bursche!"

Falk starrte Sefina nun starr in die Augen für den HEXENBLICK.

Sie war tatsächlich eine Hexe. Sefina nickte nur kurz in Falks Richtung.

Von draußen hörte man leises Hufgetrappel näher kommen.

"Das sind sie!", meinte Aldare nur und verließ mit Sal in Erwartung die Hütte.

"Wisst ihr auch von dem Verräter!", Selissas Augen funkelten dämonisch.

"Gewisslich, kenne ich ihn", bejahte Sefina.

"Wer ist es, wer ist es?", stockte die Weißmagierin.

"Nun, diese Antwort wird wahrscheinlich viel Unruhe in eure Reihen bringen. Aber ihr werdet ohnehin nicht nachgeben, bis ihr es wisst. Wohlan, der Verräter ist..."

Malzan war wie sein Kumpan vom Pferd abgestiegen. Nur die Amazone und der Söldling traten ihnen entgegen. Er zog seine beiden Schwerter und zischte zu Sal: "Nun wird es Zeit für dich zu Boron zu fahren, Söldling!"

Einen Augenblick später trafen seine Klingen klirrend auf den Anderhalbhänder Sals.

"...der Hexer!", durchbrach es die kurz eingetretene Stille, und Sefina zeigte auf Falk.

"Ein Hexer, aber doch nicht Falk?", fragte Janko skeptisch.

"Doch, sie hat recht. Ich habe mich nicht geirrt. Den braven Ilkarion habt ihr zu täuschen vermögt, aber nun hat eure Maskerade ein Ende!" Selissa wendete sich Falk zu und deutete mit der offenen rechten Hand auf ihn. Dann schrie sie "CORPOFESSO" heraus und ballte ihre Hand zur Faust.

Falk brach auf der Stelle zusammen und windete sich vor Schmerzen am Boden.

"Oje, was tue ich nur?", dachte Ilkarion. Er wusste, dass sein Freund Falk nicht der Verräter war, aber er spürte auch, dass seine Liebste Selissa ebenfalls nicht die Verräterin war. Er war gerade dabei zu überlegen, wem er am Besten Einhalt gebieten solle, da sah er die geballte Faust von Sefina in seine Richtung zeigen. "HORRIPHOBUS!", brüllte die Hexe.

"Spinnen! SPINNEN! SPINNEEEEEEEEEN!" Ilkarion suchte das Weite. Nein, diese Riesenspinne mit Frauenkopf sollten die Anderen bekämpfen. Diesen Feind konnte man nicht überwinden.

Legolant sah seinen Freund Ilkarion von düsterer Beherrschungsmagie getroffen die Flucht ergreifen. Aber nun war er am Zug...

"Ahhrgg!" Sal schrie auf, als ihn Malzans linkes Schwert am Bein traf.

Fast gleichzeitig wurde Aldare von der Ogerschelle ihres Gegners am Arm gestreift.

Malzan sah den Magier weglaufen und drosch zufrieden weiter auf Sal ein.

Legolant stockte. Sein Zauber wirkte nicht, aber das konnte doch nicht?

Wo war er plötzlich? Wie kam er ins Gebirge? Oh, hier musste er vorsichtig sein, dass er nicht ausrutschte und abstürzte.

Selissa sah, wie Legolant, von der Halluzination beeinflusst, nicht mehr kampfbereit war.

Die alte Vettel hatte sie zum Narren gehalten. Falk, über dem Shandrissa kniete, war auch ausgeschaltet. Wenigstens war ihr Schatz erstmal außer Reichweite.

Aber wer war jetzt bloß der Verräter? Draußen wurde erbittert gekämpft. Sie durfte die letzten fünf nicht mehr aus ihrem Blickwinkel lassen.

Selissa machte sich gerade bereit einen Zauber zu wirken, als sich ihre Fragen zu klären begannen. Ruwan riss seine Laute in zwei Teile. Ein Kurzschwert kam zum Vorschein, dass mit einer Art Gel bestrichen war. Er hieb damit mit voller Wucht auf den Boden. Das Schwert entzündete sich darauf.

Ruwan, der Verräter, packte den Gaukler und warf ihn mit Wucht gegen die Wand. Dann drehte er sich zu Thorescha und meinte: "So, dann wollen wir beide mal unseren kleinen Streit endgültig austragen, du Krötengezücht!" Er trieb die Zwergin mit seiner Flammenklinge vor sich her ins Freie. Janko versuchte, der Zwergin zu helfen.

Nun standen sie nur noch zu Zweit gegen Sefina.

Irgendein Zauber glitt an Selissas magischer Willenskraft ab.

Nun reichte es ihr, sie deutete mit ihrer linken Faust auf Sefina. In dem Moment sprang die Elfe auf und deutete ebenfalls mit ihrer Linken auf die Hexe.

"Fulmen!", sprach Selissa auf Bosparano.

"Fial Minniza dao’ka!", kamen die elfischen zweistimmigen Worte aus dem Munde Shandrissas.

Die Hexe sackte nach den zwei magischen Blitzen tot zusammen, die Wende zu Gunsten der Prophezeiten war vollzogen.

Malzan hatte Sal schon mehrere Wunden beigebracht. Er sah diesen Barden, Janko, wie er auf sein Pferd stieg, um damit in Ruwans Richtung zu reiten. Wenig später kamen die Elfe und die Kampfmagierin aus der Hütte. Sie mussten Sefina überwunden haben. "Wo bleibt nur Ugo mit der Verstärkung?", dachte Malzan.

Aldare war schon erheblich verletzt, als sie die blonde Mähne von Selissa hinter ihrem Gegner auftauchen sah. Sie hieb ihm ihr Rapier in den Rücken.

Ruwans Flammenklinge versengte die Lederkleidung von Thorescha, ein weiterer Hieb traf sie in die Seite. Sie schrie: "Helft mir aus!"

Janko galoppierte in dem Moment heran und warf sich auf Ruwan. Doch der Verräter wich aus, so dass Janko zu Boden fiel. Jetzt war er dem Verräter wehrlos ausgeliefert. Ruwan trat Thorescha wuchtig gegen den Kopf, sodass sie nach hinten umfiel. Nun setzte er an, um Janko zu durchbohren. Doch kurz zuvor traf ihn ein stechender Schmerz, der immer stärker wurde. Rukjol war herbei gesprungen und hatte sein Florett in Ruwans Hüfte getrieben. Der Barde drehte sich, um den Gaukler aus der Bewegung heraus zu enthaupten. In dem Moment riss Janko seinen Dolch heraus und trieb ihn Ruwan durch den Fuß. Ruwan brüllte unmenschlich, dann hieb er auf Janko ein.

Janko rollte zur Seite, noch einmal würde er dieser Todesfalle nicht entkommen. Er machte sich bereit zu sterben. Doch er starb nicht. Ruwan, der Verräter, fiel mit einem Kriegsbeil in der Brust zu Boden. Die Zwergin ließ sich daraufhin geschafft zu Boden fallen.

Malzan sah, dass sein Kamerad soeben vom Säbel der Amazone und dem Rapier der Magierin gleichzeitig durchbohrt wurde. Als auch noch Ruwan fiel, beschloss er wenigstens das Leben des Söldners auszulöschen. Doch Sal schlug ihm eine seiner beiden Waffen aus der Hand. Er stieß den Söldner ein paar Schritt weg, um sein zweites Langschwert aufzuheben. Als er sich herabbeugte, durchbohrte ihn Shandrissas Speer.

"Verdammt!", dachte Malzan. "Wo bleibt nur die Verstärkung?"

Aldare reckte ihren Säbel gen Alveran. "Herrin Rondra, wir danken dir für diesen grandiosen Sieg!"

Der Kampfzauber fiel von Falk ab. Selissa reichte ihm die Hand. "Entschuldigt, ich habe mich wohl doch getäuscht!"

Falk zog sich wuchtig nach oben: "Danke!", dann wendete er sich zu Shandrissa und umarmte sie zärtlich.

"Ilkarion!", entwich es Selissa. Sie lief raus, um ihn zu suchen.

Obwohl Sal und Thorescha einige Wunden hatten, ließen sie es sich nicht nehmen, die Hütte zu plündern. Sal schleifte die gefallenen Feinde daraufhin in die Hütte und fackelte sie ab.

"Ilkarion, wo bist du? Bitte hab keine Angst, ich würde dir niemals wehtun!", rief Selissa.

"Bist du auch wirklich keine Spinne?", hörte sie von einem Baum.

"Nein Dummchen, tragen Spinnen einen Zauberhut? Komm schon runter, Zimperalrik!", lächelte Selissa zu Ilkarion hoch.

Er stieg schließlich herunter. Selissa erzählte ihm auf dem Rückweg davon, dass der Verräter nun tot sei und die böse Hexe ebenfalls. Doch es schien, als habe Ilkarion nur noch das Thema Spinnen parat.

Als der Zauber von ihm abfiel, nahm er die Weißmagierin inniglich in den Arm und schlenderte mit ihr in Richtung der großen Rauchwolke, die von Sefinas Hütte aufstieg.


Szene 13b - Vormarsch zurück

Sie machten sich auf den Weg zurück, um Sonnenfurt von ihrem Erfolg kund zu tun.

Aldare hatte nun ein neues Ross. Es war der schwarze Tralloper Riese des Kämpfers mit der Ogerschelle. Sal hatte sich das gescheckte Svellttaler Kaltblut von Malzan unter den Nagel gerissen.

Der Rückweg der Zehn war geprägt von gegenseitigen Entschuldigungen für das Misstrauen, dass man sich bisher entgegenbrachte. Ruwans Tod hatte eine große Last von den Helden genommen.

Nur Aldare war immer noch zweiflerisch. "Doch bedenkt, einer von euch 15 wird ein Verräter sein, durch ihn werdet ihr die Queste von Neuem beginnen müssen!", hatte Sina Leska prophezeit. Doch war dies wirklich ein Neubeginn der Queste?

Immerhin war mindestens einer der scharlachroten Krieger noch am Leben. Es war ein Kämpfer mit einem Bihänder, wie sich Thorescha erinnerte.

Die Zwergin schritt bei einer kleinen Rast in die Richtung der Magier, die beide schmusend beisammen saßen.

"Na, seid ihr zwei wieder am rumschnuckeln?"

"Was kann ich euch Gutes tun, Thorescha?", lächelte Ilkarion.

Thorescha trat an ihn heran. Sie hatte zwei Bücher gefunden, mit denen sie nichts anfangen konnte und gab sie den Magiern.

"Jaja, wer wie ein Ork nicht lesen kann, schaut sich nur die Bilder an!", lästerte Legolant. Thorescha blickte ihn grimmig an.

"Potzblitz, der Folianth der Kreutherkunde!", meinte Ilkarion. Er begann freudestrahlend in dem Wälzer zu schmökern.

"Ich habe hier Sefinas Tagebuch!", erklärte die Weißmagierin, die das zweite Buch erhalten hatte.

Selissa gelang es beim Lesen die Intention von Sefina nun etwas näher zu ergründen.

Sefina war anscheinend die Tochter der Hexe Farika, von der der Perainegeweihte in Sonnenfurt gesprochen hatte.

Sie suchte ein Amulett, das sie als den "Fokus" bezeichnet. Dieses solle die Macht des Widharcal heraufbeschwören können. Ihre Mutter Farika tat gescheit daran, dieses Artefakt verschwinden zu lassen. Wohl wissend, es könnte irgendwann bei ihr gefunden und für finstere Machenschaften missbraucht werden, versteckte es die Mutter tief unter Sonnenfurt. In der Hoffnung, niemand würde ein dämonisches Artefakt in einem Bauerndorf suchen. Doch sie hatte nicht mit der Verschlagenheit ihrer Tochter gerechnet.

Die Suche nach dem Fokus erklärte die Löcher, die Sefinas Schergen gegraben hatten. Sefina schrieb in ihrem Tagebuch, dass man von der Stelle, an dem der "Fokus" vergraben war, alle Häuser Sonnenfurts sehen konnte.

Aldare ließ ihren Haufen einen halben Tag lang Zeit, um sich von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Aber danach ging es wieder unerbittlich voran. Auch wenn nur noch ein Feind gegen die Prophezeiten stehen sollte, konnte sein Wissen über den Fokus verheerend sein. Denn Selissa und Ilkarion wussten, welchen Wert das Artefakt für einen skrupellosen Magier hatte.

Ohne Zwischenfälle erreichten sie schließlich Sonnenfurt, dessen Dächer friedlich in der Nachmittagssonne erstrahlten. Kein weiterer Scharlachroter war seit ihrer Abreise in dem Dörfchen aufgetaucht.

Jetzt blieb nur eine Frage. Wo und wann würde die Gegenseite wieder zu einem Schlag gegen die Prophezeiten ausholen?

 



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