Die Jagd nach der Wirbelklinge (II) Lost Frame? - YiYa's Home

Szene 9 Baliho (Morenas Brief)

Das Licht eines neuen Tages kitzelte Ilkarions Gesicht. Der Magier murrte und sperrte die Augen auf. "Bei Hesinde, heute habe ich aber wirklich lange geschlafen", sagte der Graumagier zu sich selbst, streckte sich und stand auf. Nachdem er sich gewaschen und angekleidet hatte, wollte er vor dem Runtergehen noch schnell sein Bett aufschütteln, als er die Pergamentrolle halb unter seiner Decke versteckt liegen sah. "Wie ist denn das hierher gekommen?" grübelte Ilkarion und rollte das Pergament auseinander. ‚Für Falk Silbertatze’ stand in einer krakeligen Schrift im Pergamentkopf. Der Adeptus lies das Pergament sinken. "Schade, ich dachte es wäre vielleicht von meiner Selissa", seufzte er. Ilkarion ließ sich rückwärts aufs Bett fallen. Er schloss die Augen und rief sich ihr Gesicht in Erinnerung. Die saphirblauen Augen, die seidenweichen hellblonden Haare und das liebliche Lächeln, das sie meistens nur für ihn übrig hatte. Ja, sie liebte nur ihn, hatte sie gesagt. Sie liebte nur ihn allein. Die Trennung von ihr fiel dem Bewegungsmagier sehr schwer, aber er trug es nach außen hin mit Fassung. "Ein Pergament von ihr wäre mit einem Boten auf einem Ross gebracht worden, aber dieses…", überlegte der Magier.

"Hehe, wenigstens kann Selissa richtig schreiben", fuhr Ilkarion hoch und schaute sich die unleserliche Schrift an. Er war von Natur aus sehr neugierig, doch er wusste, dass es nicht Recht wäre, den Brief zu lesen, der für seinen Freund bestimmt war.

"Was macht es schon, Falk kann seinen eigenen Namen kaum richtig schreiben und nur ein paar Worte lesen", hörte er sein schlechtes Gewissen sprechen.

"Nein, nein und nochmals nein, ich werde den Brief nicht lesen", schalt sich Ilkarion. Dann gab er sich einen Ruck und stieg auf. Wenig später saß er im Schankraum des ‚Silbernen Pandlaril’ bei seinen Weggefährten zum Frühstück.

"Seht mal, was ich heute Morgen in meinem Bett gefunden habe!", bei diesen Worten kramte der Graumagier das Pergament hervor.

"Ist es weiblich?", lachte Sal laut los und schlug dabei Legolant auf die Schulter.

"Fast. Es ist ein Brief an Falk", erklärte Ilkarion.

"Also nichts, dem man unter den Rock gucken kann", sagte Sal.

"Ein Brief für mich?", fragte Falk ungläubig und nahm das Pergament.

"Ähem, kannst du mir den Brief mal vorlesen?", wandte sich Falk an den Magier.

Legolant spitzte die Ohren.

"Allein", fügte der Hexer hinzu.

"Ich hatte gehofft, dass du fragst, komm mit an den Nachbartisch!", freute sich Ilkarion.

"Große Geheimnisse in unseren Reihen", lachte Beorn. "Wahrscheinlich eine Frau", nickte Sal.

"Eine?", hob Aldare ihre Braue.

"Eine bestimmte", sagte Legolant.

"Meinst du, dass er von Shandrissa ist?"

"Das werden wir gleich sehen, die Schrift jedenfalls scheint eher von einem Kleinkind zu stammen", lästerte Ilkarion. "Hier sind lauter Farbkleckse auf dem Papier, merkwürdig. Naja, ich werde uns nicht länger auf die Folter spannen", meinte Ilkarion und begann zu lesen.

"Lieber Falk. Ich habe schon so oft von dir geträumt. Ohooo", grinste Ilkarion.

"Das klingt nach Shandrissa", entzückte sich Falk.

"Wann werde ich dich endlich sehen? Suche einfach die silberne Frau!", las der Graumagier staunend.

"Moment mal, Ilkarion, ich hatte heute Nacht einen merkwürdigen Traum. Darin bat mich eine Frauenstimme um Hilfe. Eine silberne Frau passe auf sie auf, aber jemand wolle sie gefangen nehmen", redete der Hexer hastig.

"Höchst interessant. Ich werde weiter lesen", Ilkarion kratzte sich am Kinn.

"Wenn du sie findest, dann wirst du auch mich finden. In Liebe, deine Morena."

"Wer ist Morena?", kam es aus beiden Mündern gleichzeitig.

"Du, ich kenne keine Morena", meinte Falk verwundert.

"Wirklich nicht?"

"Nein, wenn doch, kann ich mich nicht an sie erinnern", versicherte Falk dem Magier.

"Der Brief muss schon länger unterwegs sein", sann Ilkarion.

"Ja, als Morena den Brief geschrieben hat schien es ihr noch richtig gut zu gehen."

"Nun offensichtlich nicht mehr. Was meinst du, wollen wir die anderen hinzuziehen?", Ilkarions Blick war eindringlich bei diesem Satz.

"Das sollten wir tun!", nickte Falk.


Nachdem sie Legolant, Sal, Aldare und Beorn den Brief gezeigt und über den Traum unterrichtet hatten, war man dabei die weitere Vorgehensweise in dieser Sache zu planen.

Dass der Brief und der Traum von derselben Frau ausgingen, darüber waren sich alle im Klaren.

"Ich soll dieser Morena helfen bevor es zu spät ist", erklärte der Hexer.

"Dann müssen wir uns beeilen!", forderte Aldare.

"Nun gut, was wissen wir?", fragte Legolant.

"Wir suchen eine silberne Frau und ein kleines Mädchen", meinte Beorn.

"Kleines Mädchen? Morena?", schaute Aldare den Boronsdiener an.

"In der Tat. Schau dir diese Schrift an und diesen schwärmerischen Inhalt! Das ist ein junges Ding, das unseren Frauenhelden Falk verehrt", folgerte Beorn.

"Interessante Hypothese, Beorn", sagte Ilkarion anerkennend.

"Was für ein Esel?", plärrte Sal.

"Das ist so ein Fremdwort genau wie jenes, was er zu dem Ork gesagt hat. Pri-mi-tiv", äußerte Beorn stolz.

"Ach so eins ist das", nickte Sal.

"Wie auch immer. Unsere Bemühungen in Sachen Morena können nur schwieriger sein als die Suche nach der silbernen Frau", erklärte der Graumagier.

"Können wir uns da so sicher sein?", fragte Aldare in die Runde.

"Nun", mischte sich Falk ein. "Etwas Silbernes kann man sehen. Von Morena wissen wir nur ihren Namen und vielleicht ihr ungefähres Alter."

"Was ist denn alles silbern an der silbernen Frau? Haare? Augen? HAUT?", Aldare war skeptisch.

"Ich weiß, eine Rüstung", strahle Legolant, ob seines Einfalls.

"Keine schlechte Idee", meinte Sal beipflichtend.

"Und macht Sinn in einer Stadt, die eine Kriegerakademie beheimatet", fügte Beorn hinzu.

"Also, dann sollte ich mit Beorn die Krieger und Kämpfer prüfen. Der Rest kann sich ja an anderen Orten umsehen!", schlug Aldare vor.

"Zum Beispiel?", fragte Ilkarion.

"Überall da, wo man Silber vermuten könnte. Wie wär’s denn mit dem Tempel des Diebesgottes?"

"Die sollen ja Silber zuhauf dort haben. Recht hast du, Aldare", nickte Sal.

"Gut, ich besorge mir noch eine neue Rüstung, dann geht’s los, Beorn", erläuterte die Amazone ihr Vorgehen.

Ein feines Lächeln schlich sich auf Legolants Lippen. "Endlich wieder Schurken jagen und Jungfrauen aus den Krallen von Monstern befreien", dachte er.



Szene 10 Baliho (Die Verfolgung geht weiter)

Die Sechs hatten ihre Herberge soeben verlassen. Ihr Ziel war der Tempel des Diebesgottes Phex. Beorn und Aldare planten sich unterwegs abzuseilen, um einen Rüstungsbauer und die Kriegerakademie zu besuchen. Sie schritten gerade über einen Platz, in dessen Mitte eine Greifenstatue stand, als der Amazone ein Mann, der sie eingehend musterte, auffiel. Als sie daraufhin zurückstarrte, sank der Mann auf alle Viere und machte sich so davon.

"Was bei allen Göttern ist das für ein Kerl", entfuhr es Aldare. Ihre Neugier trieb die Amazone voran und mit einem "Folgt mir!" lief sie los. Ohne zu zögern liefen einige der anderen hinterher. Falk und Ilkarion ließen es etwas langsamer angehen.

Der Mann verschwand aus Aldares Blickwinkel, da er um eine Häuserecke lief, um die hinter dem Haus liegende Gasse zu erreichen.


Die Amazone schoss im hohen Tempo um die Ecke, hinter der die Person verschwunden war.

Es war eine schmale Gasse in der sie nun stand, hinter sich hörte sie die hastigen Schritte ihrer Kameraden, aber vor ihr war nichts zu hören und zu sehen.

Doch, da saß jemand in einer unterdachten Nische. Es war ein Bettler. Aldare hielt auf den Vagabunden zu und ihre nachgerückten Gefährten folgten ihr.

"Heda Bettler, ist hier irgendjemand in der letzten Minute vorbeigekommen?", beugte sich Aldare zu dem in etliche Decken eingemummten Mann herab.

"Nein, hohe Frau. Ich bin als einzige arme Seele in dieser Gasse gewesen" erwiderte der Bettler.

"Jetzt hör mal zu, alter Mann! Hier hast du einen Silber und jetzt sag uns sofort, wo der Mann ist, der hier gerade in die Gasse hineingelaufen ist", forderte Beorn.

"Oh, ihr edlen Leute. Ich würde gerne das Geld haben, aber ich habe wirklich keine Menschenseele gesehen", meinte der Bettler traurig.

"Aber er kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben", lärmte Sal.

"Hier lief grad nur ein schwarzes Kätzchen vorbei."

"Das könnte er sein", bemerkte Ilkarion.

"Wie, das könnte er sein?", fragte Sal ungläubig.

"Es gibt einen alten Elfenzauber, der es erlaubt Tiergestalten anzunehmen", explizierte der Graumagier.

"Nicht schon wieder diese gottlosen Elfen", fluchte Beorn.

"Du darfst das Silber behalten, wenn du uns sagst, wo das Katzenvieh hin ist!", wendete Aldare sich erneut an den Bettler.

"Die ist dort in die große Küche rein gelaufen."

"Große Küche?", fragte Falk.

"Von der Taverne ‚Goblinwürger’, manchmal bringt mir der Koch Essensreste raus. Ist ein guter Platz hier für einen vom Schicksal geplagten Mann wie mich", erklärte der Bettler.

"Alles klar, Danke! Sal, Legolant ihr geht durch die Küche. Der Rest kommt mit mir durch den Haupteingang", befahl die Amazone.


"Was fällt euch ein ihr beiden Flegel. Raus aus meiner Küche!", empfing der Koch die beiden Besucher. Der Mann machte nicht gerade Lust auf Essen. Er trug eine blutbeschmierte Schürze, ein speckiges Hemd und hatte schmutzige Hände. Die Haare seiner Halbglatze glänzten vor Fett.

"Ach, halt die Schnauze, du Hornochse!", beschimpfte Sal den Koch.

"Wo ist bloß diese Katze?", stutzte Legolant.

"Welche Katze? Schwingt eure Ärsche endlich hier raus, ihr Matschbirnen!", drohte der Koch.

"He, du Nichtsnutz, siehst du das da?", Sal erhob seine Faust: "Das ist Friedhof, und jetzt sag endlich wo die Katze ist, sonst bau ich hier drin mal um!"

"Hier ist keine Katze", donnerte der Koch, dann hielt er sein Fleischerbeil hoch und schrie weiter: "Und wenn ihr jetzt nicht augenblicklich verschwindet, haue ich eure Dummköpfe in Stücke!"

"Komm Legolant, die Missgestalt dort kann uns nicht weiterhelfen", der Söldner packte den Schelm am Arm und sie verließen die Küche.

"Kommt ja nicht wieder, ihr Tagediebe!", rief ihnen der Koch noch hinterher.


Als die anderen Vier den Schankraum durch den Haupteingang betraten, waren, wie könnte es an einem Windstag Morgen anders sein, kaum Gäste anwesend.

Die Wirtin war eine stämmige, Tabak rauchende Mittvierzigerin. Sie hatte zu zwei Zöpfen geflochtenes braunes Haar und kleine weit auseinander liegende blaue Augen. Mit einer abgetragenen Lederweste bekleidet, die sie noch breiter machte, zapfte sie an der Theke. Während die anderen sich an einen Tisch setzten, steuerte Beorn den Tresen an.

"Boron zum Gruß, werte Wirtin. Darf ich euch eine Frage stellen?"

"Wollt ihr nichts trinken?", entgegnete die Wirtin flapsig.

"Natürlich, ich nehme einen Schoppen."

"Also, wer seid ihr?", fragte die Wirtin.

"Beorn von Narutil mein Name, ich diene der Boronkirche."

"Soso, nun ich bin Kupunda Bogenbauer", sagte die Wirtin.

"Werte Frau Bogenbauer, ich muss wissen, ob in der letzten Viertelstunde irgendjemand oder irgendetwas eure Taverne betreten hat", erklärte der Boronsdiener.

"Irgendetwas?", wunderte sich Kupunda.

"Nun, sagen wir irgendein Tier. Ein Kätzchen zum Beispiel."

"Nein, nun wirklich nicht. Kätzchen gehören eigentlich nicht zu meinen Kunden", schmunzelte die Wirtin.

In dem Moment wurde die Eingangstür aufgerissen und Sal betrat die Gaststätte mit den Worten: "Verdammter Mist, verdammter! Ich hab die Katze verloren."

"Hier scheinen alle einen Katzenfimmel zu haben", schüttelte Kupunda den Kopf und ging Ilkarion, Aldare und Falk bedienen.

Kurz nachdem der Söldner und der Schelm eingetreten waren, ging erneut die Eingangstür auf und ein Viehtreiber kam herein. Er strahlte über beide Backen und rief: "Welch wundervoller Tag doch heute ist. Kupunda, zapf mal ein paar Bier an!"

"Du kriegst hier nichts mehr, wenn du nicht endlich deine Schulden löhnst, Firnmar!"

"Schau her, ich habe Gold", rief der Kuhbursche und kramte ein paar Dukaten aus seinem Geldbeutel.

"Bei Phex, der Junge steckt voller Überraschungen", staunte Kupunda und zapfte an.

"Sieh mal einer an, ein Viehtreiber mit Gold in der Tasche", wunderte sich Aldare.

Doch ihre Aufmerksamkeit wurde schnell von dem zu Reichtum gekommenen Kuhburschen abgelenkt.


"Schau mal Mutter, was ich hier für einen kleinen Strolch gefunden hab!", sagte eine junge Frau zur Wirtin, die aus einem der privaten Räume gekommen war. Sie trug eine schwarze Katze auf dem Arm.

Innerhalb von wenigen Sekunden war die verwunderte Frau von sechs ihr fremden Leuten umstellt, die alle die Katze haben wollten.

"Aber, aber warum wollt ihr alle die Katze haben?", stammelte die Frau.

"Die Katze, gib mir die Katze!", forderte Sal vehement.

"He ihr Rohlinge, lasst meine Tochter zufrieden!", polterte Kupunda.

Alle Blicke der wenigen Tavernengäste waren auf die seltsame Szenerie gerichtet.

"Lasst ab, Freunde! Das ist nicht das Kätzchen, das wir suchen. Geh, Mädchen, und gib ihr etwas Milch!", beendete Ilkarion die heikle Situation.

Die junge Frau ging mit der Katze verunsichert hinter die Theke und gab ihr ein Schälchen Milch.

"Warum um alles in der Welt soll das jetzt nicht unsere Katze sein?", stupste Beorn den Graumagier an.

"Weil sie nicht magisch ist, ich habe sie gerade untersucht", stellte Ilkarion fest.

"Dann ist sie, er oder es uns entkommen", äußerte Aldare nüchtern.

Sie tranken noch ihre Getränke aus, und nachdem Ilkarion gezahlt hatte, widmeten sie sich ihren ursprünglichen Aufgaben.

Falk brütete über seinen Gedanken. Immer wenn sich solch absonderliche Vorfälle zu häufen begannen, dann waren auch Leid und Blut nicht weit entfernt. Er musste sich sputen und die silberne Frau finden, dessen war er sich bewusst.



Szene 11 Baliho (Die gefallene Amazone)

"Da hinten muss es sein", zeigte die Amazone.

Der Boronsdiener nickte, als er das Eisenschild mit einer aufgemalten roten Torsopanzerung erkannte. Die beiden hatten sich bei Passanten nach einem Rüstungsbauer erkundigt, und waren an Farnlieb Harnischmacher verwiesen worden. "Ihr Name scheint wohl ihre Bestimmung zu sein", hatte Beorn erheitert gemeint. Aldare jedenfalls brauchte eine neue Rüstung. Ihre war auf einer Queste in der nördlich gelegenen Herzogsstadt Trallop von einer monströsen Gruftassel schwer beschädigt worden, und das Ausbeulen hatte auch nur das Nötigste an Rüstschutz wiederhergestellt. Eine Reise zu eine ihrer Amazonenburgen war jetzt im Winter ziemlich selbstmörderisch, so dass sie wahrscheinlich die nächste Zeit keine der vorzüglichen Amazonenrüstungen würde tragen können.

Während Aldare sich in ihrem Kopf Bilder von schönen Brustpanzern ausmalte, hing Beorn seinen Theorien über Morena und die silberne Frau nach. Er dachte darüber nach, wie wahrscheinlich es war, dass es sich bei der silbernen Frau um eine Kriegerin in silberfarbener Rüstung handelte. Einerseits war es neben dem ergrauten, silbern schimmernden Haar eines alten Weibes die denkbarste Möglichkeit, andererseits war es wenig vorstellbar, dass irgendjemand in Baliho es wagen konnte eine Kriegerin gefangen zu nehmen. Er hoffte, dass die spärlichen Hinweise ausreichten, um die Suche zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, bevor die Gefangennahme der silbernen Frau erfolgen würde.

Auch bereitete ihm das Auftreten des Gestaltwandlers Kopfzerbrechen. Ein unheiliges Wesen, das mit elfischer Magie aus dem Verborgenen agierte, konnte nur ein Werk von gottlosen oder gar dämonischen Mächten sein. Doch ihn konnte er erst zur Strecke bringen, wenn Morena und ihre Beschützerin in Sicherheit waren. Das Leben von Unschuldigen zu schützen, war in diesem Moment seine vorrangige Aufgabe.

Inzwischen hatten sie den Laden der Rüstungsbauerin betreten. Sie waren die einzigen Kunden im Laden, was nicht unbedingt verwunderte, da Panzerungen aller Art viel Gold kosteten. Ein Harnischmacher verkaufte nicht viel, aber wenn, war es oft das Monatsgehalt eines Bauern und mehr bei nur einem Rüstungsteil.

Farnlieb, die Ladenbesitzerin, war eine durchtrainierte Frau mittleren Alters mit blonden schulterlangen Locken. Sie trug die Lederkleidung, wie sie bei Schmieden üblich war. Hier und da konnte man kleine Narben erkennen, und von der Ausdefiniertheit ihrer Muskeln her vermochte man auf eine kriegerische Ausbildung der Rüstungsbauerin schließen.

"Rondra zum Gruß, werte Handwerkerin! Mein Name ist Aldare Rondrawohl, Amazone der Göttin. Ich suche eine Rüstung, die einer Kriegerin der heiligen Leuin würdig ist", begrüßte Aldare die Rüstungsschmiedin feierlich.

"Rondra mit euch, Waffenschwester! Ich bin Farnlieb Harnischmacher. Es freut mich eine Amazone in meinem Laden begrüßen zu dürfen", lächelte die Besitzerin.

"So seid ihr also eine Kriegerin?", fragte Aldare.

"Nein, ich bin, ich war eine Amazone", meinte Farnlieb etwas betreten.

"Ihr wart? Ich meine, du warst eine Amazone? Was ist geschehen?"

"Ich bin ausgestoßen worden, weil ich einen Mann liebte", erklärte Farnlieb.

"Das tut mir leid", sagte Aldare betroffen.

"Mir nicht. Ich bin heute glücklich verheiratet. Jeder erhält nun mal seine Bestimmung. Also, wie darf ich dir deine Bestimmung sicherer machen?"

"Sag, kannst du mir eine Amazonenrüstung fertigen?"

"Dir ist klar, dass ich dazu nicht die Erlaubnis der Amazonenkönigin habe, Aldare."

"Ja, aber du stellst sie ja für eine Amazone her, die noch unter Yppolitas Kommando steht", versuchte Aldare ihre Schwertschwester zu überzeugen.

"Ich denke, ich werde es tun. Es ist für eine gute Sache", nickte Farnlieb.

"Hab vielen Dank, Farblieb. Wie lange wirst du für die Rüstung brauchen?"

"Das dauert schon einen halben Mond, es ist eine aufwendige Arbeit. Mal ganz nebenbei, ich muss dich leider fragen, ob du sie auch bezahlen kannst. Selbstverständlich bekommst du sie günstiger als irgendein dahergelaufener Söldner", zwinkerte Farnlieb.

"Ich habe genug Gold", versicherte Aldare.

"Du bist doch bestimmt immer auf der Suche nach Heldentaten?", fragte die Rüstungsbauerin.

"Ganz richtig. Es gibt keine Gefahr, der ich mich nicht stellen würde. Ich kämpfe für die Gerechtigkeit, wo immer sie übertreten wird. Ich bekämpfe das Böse und beschütze die Schwachen."

"Recht so, Amazone! Helden werden überall gesucht, doch sie leben gar gefährlich, aber die Göttin wird dich leiten und ich werde ihr helfen", sinnierte Farnlieb.

"Wie meinst du das?", hob Aldare ihre rechte Augenbraue, was ihre Begleiter mittlerweile als typische Geste von ihr kannten.

"Das wird du herausfinden", bekräftigte die gefallene Amazone.


Nachdem Aldare und Beorn den Laden in Richtung der Kriegerakademie ‚Schwert und Schild’ zu Baliho verlassen hatten, meinte der Boronsdiener: "Habt ja ein schönes Schwätzchen gehalten unter meiner völligen Nichtbeachtung."

"Tja, lieber Beorn, du bist eben nur ein Mann und wenn du auch ein aufrichtiger Streiter für das Gute bist, gehörst du nicht zu den Legionen der heiligen Leuin", klärte ihn die Amazone auf.

"Aber es ist mir immer wieder ein Genuss, den Dienern der Rondra bei ihrem Wirken zuzuschauen", schmunzelte Beorn.

Aldare nickte lobend.

"Dass sie ohne uns Männer nicht bestehen können, scheinen einige Amazonen wohl nie zu begreifen", stellte er insgeheim fest.

Die beiden hatten noch einen strammen Marsch vor sich, deshalb legten sie ein beträchtliches Tempo vor und schwiegen den Rest ihres Weges.



Szene 12 Baliho (Die Hinrichtung)

Derweil waren Falk und seine Freunde Sal, Ilkarion und Legolant unterwegs zum Tempel des Diebesgottes.

Der Hexer mochte die meisten Geweihten der Zwölfgötter nicht. Das hatte Gründe, die mit seinem Leib und Leben zu tun hatten. Auf Hexerei stand in den so genannten zwölfgöttlichen Landen die Todesstrafe und wie sich in manchen abgelegenen Gegenden herausstellte, konnte man sich als rothaarige Frau gleich in ein Schwert stürzen, es sei denn, man gehörte zum Volk der Nivesen, die bekanntlich überwiegend eine rote Haarpracht aufwiesen.

Falks Schwierigkeit war weiterhin, dass Beorn und Sal nicht wussten, dass er ein Hexer war.

Die meisten Menschen hatten grundsätzlich ein schlechtes Bild von diesen Magiekundigen.

Aldare tolerierte den Umstand, dass Falk ein Hexer war, schweigend, weil sie sich ohnehin jedem MANN überlegen fühlte. Ilkarion und der Schelm schienen sowieso keine Vorurteile gegenüber irgendeinem Lebewesen zu haben. Aber das war nur ein kleiner Rückhalt für den Hexer, wenn ihm eine blutrünstige, fanatische Meute von Praiosanhängern gegenüberstand.

Falk fand es völlig unverständlich weswegen Hexer, Druiden, Schwarzmagier und Schamanen ohne Grund getötet werden durften, während Elfen, Grau- und Weißmagier nicht nur nicht ohne Anlass gejagt werden durften, sondern sogar Sonderrechte gegenüber einfachen Bürgern besaßen.

Ein schwacher Trost für ihn war es, als Ilkarion ihn darüber aufklärte, dass zumindest die Geweihten der Götter Hesinde, Phex, Rahja und Tsa keine Bedrohung für ihn darstellten.


Als die vier Gefährten eine Weggabelung erreichten, kam ihnen eine merkwürdige Prozession entgegen. Auf Legolants fragenden Blick antwortend, meinte Sal: "Wieder mal eine Hinrichtung."

Obwohl Baliho eine Stadt war, in der das Strafmaß hoch und die Anzahl der Bestrafungen beträchtlich war, schien es doch zahlreichen Bürgern immer wieder ein Erlebnis zu sein, wenn ein Verurteilter an der Stadteiche baumelte. In der Regel sprachen die Geweihten des Praios das Urteil über die Angeklagten aus. Bei eindeutigeren Fällen konnte aber auch ein einfacher Unteroffizier eine Hinrichtung anordnen. Hauptmann Menzheimer verließ sich dabei auf das Urteilsvermögen seiner Leute. Vor allem auf das von Weibelin Ëarissa Schönacker.

Diese stapfte mit einigem Abstand der Hauptgruppe ihrer Leute, die den Verurteilten in Gewahrsam hatten, voran.

Sie machte einen zufriedenen Eindruck. Ihr Einfluss und ihre hart durchgreifende Hand ließen die ärmere Bevölkerung erzittern und brachten ihr bei den Reichen Privilegien und Anerkennung ein.

Die Weibelin war gerade auf Höhe der Viere, als der Graumagier sie neugierig ansprach: "Hesinde zum Gruß, Weibelin Schönacker! Sagt an, habt ihr einen Mörder erwischt?"

"Nun nein, Herr Magus. Es wird auch, Praios sei Dank, keiner gesucht zurzeit", klärte ihn Ëarissa auf.

"Wessen hat der Mann sich dann schuldig gemacht?"

"Er ist ein Viehdieb und war so dumm, sich erwischen zu lassen. Jetzt", sie hielt kurz inne, "trägt er die Konsequenzen."

"Ein Viehdieb? Er hat eine Kuh gestohlen und wird wegen so einer Nichtigkeit gehängt?", brach es aus Falk heraus.

"Vorsicht, Bürschchen, solche Äußerungen will ich überhört haben!", ermahnte ihn die Weibelin.

"Und wenn ich ein Pferd klaue?", wollte Legolant wissen.

"Dann hängt ihr da oben", Ëarissa zeigte dabei auf die Eiche, der sie sich nun näherten.

"Hab ihr euch mal überlegt, ob die Bestrafung nicht ein wenig zu hart ist?", fragte Ilkarion.

"Solche Überlegungen sind überflüssig und stehen mir nicht zu. Der gute Ingerman hier wird jedenfalls kein Vieh mehr stehlen", bei diesen Worten zeigte sie auf den Schuldigen.

"Das glaub ich gern", Falk schüttelte den Kopf.

"Dann wollen wir euch nicht mehr länger von euren Pflichten abhalten", meinte Ilkarion und sie gingen schließlich weiter. Keiner hatte Lust zu sehen, wie jemand hingerichtet wurde.

Selbst der abgebrühte Sal kam mit den Sitten und Gebräuchen in dieser Stadt so gut zurecht, wie ein Elf mit einem Achaz.



Szene 13 Baliho (Im Tempel des Phex)

"Phex, mein ewiger Herr der Nacht, hier kniet dein verschlagener, listiger und durchtriebener Mondschatten Ulvane Menzheimer. Ich habe noch meine Schuld für deine beeindruckende Hilfe bei der Verfolgung des Wechselbalges zu begleichen", wisperte die Phexgeweihte, während sie einen Beutel voller Dukaten von ihrem Gürtel löste.

"Das habe ich einem Praiosgeweihten gestohlen, der in mir nur das anständige Hauptmannstöchterchen gesehen hat", kicherte sie. "Oh Phex, ich liebe es, die einfältigen, reichen Popanze in dieser Stadt auszunutzen, die sich für die Größten halten."

Ulvane begann nun die Goldmünzen in den vor ihr stehenden Opferstock zu schütten, wobei sie geschickt einen Dukaten in ihren Ärmel gleiten ließ.

Die Phexjüngerin reckte sich und legte den Kopf in den Nacken. Sie schloss die Augen. "Leider habe ich den Gestaltwandler weder erwischen, noch seine genaue Absicht ergründen können, aber ich weiß mit wem er zusammenarbeitet", dachte Ulvane. Und in ihrer Stadt konnte man sein Tun nicht vor den Dienern des listigen Gottes verbergen, dies wusste sie. Früher oder später würde sie das Spiel des Magiers und seines animalischen Freundes durchschauen.


"Das also ist der hiesige Phextempel", stellte Sal, die Hände in die Hüften gestemmt, fest.

Er betrachtete die schlichte Konstruktion des Bauwerks. Das Gotteshaus war aus grauem Stein gehauen und hatte nur wenige Fenster, diese waren zum größten Teil verschlossen oder mit schwarzen Vorhängen, in die graue sechszackige Sterne eingewebt waren, verhangen.

Dem Söldner war bewusst, dass der Tempel zwar geweiht war, aber eigentlich nur der Repräsentation diente. Die Diener des Diebesgottes trafen sich meist an für gewöhnliche Menschen unzugänglichen Orten, um dort ihre Diebeszüge und sonstige praiosungefällige Unternehmungen zu planen.

Ilkarion schritt als Erster durch die mit phexgefälligen Ornamenten verzierte Doppeltüre am Eingang und staunte über die beachtenswerte Anzahl von Gläubigen im Heiligtum. Legolant, Falk und Sal folgten ihm. Nicht minder beeindruckt war der Graumagier von den imposanten Malereien im Tempel. Er hatte sich bis dahin nicht im Traum vorstellen können, dass es möglich war, den Glanz der Farbe Gold so plastisch in einem Fresko zu verwenden. Die gesamte Decke war schwarz gestrichen worden und dann mit goldener und silberner Farbe bemalt worden, so dass die Innenbedeckung des Gebäudes wie der nächtliche Sternenhimmel aussah. Der Künstler oder die Künstler hatten viel Zeit und Mühe in ihr Werk hineinsteckt. Ilkarion sah den Schelm neben sich mit geöffnetem Mund stehen, der Gute hatte wahrscheinlich nicht einmal etwas annähernd Ähnliches in seinem Leben gesehen.

Der Graumagier war selbst ein begabter Maler. In solchen Augenblicken war er froh, dass die Gerasimer Magierakademie solche Künste gefördert hatte. Auch in der Philosophie war er unterwiesen worden und nun war er schwermütig, weil er niemanden hatte, mit dem er solche Themen erörtern konnte. Seinen Begleitern fehlte es entweder an Interesse oder an Einfühlungsvermögen, oder gar an beidem, weswegen er natürlich nicht böse sein konnte. Das vieler orten die Todesstrafe auf philosophische Regsamkeiten stand, machte ihm nichts aus. Er war darin bewandert, Toleranz zu üben und Vorurteilen mit Verständnis zu begegnen; seine Menschenkenntnis half ihm dabei oft, die Situation richtig einzuschätzen. So übte er sein hesindegefälliges und praiosungefälliges Handeln unweigerlich nur in Gegenwart von Gleichgesinnten wie Hesindegeweihten, Nandusgeweihten und Magierphilosophen aus.

Seine Geliebte Selissa zählte er nicht zu seinen Gleichgesinnten. Die Weißmagierin hatte es sich zur Aufgabe gemacht, solch - wie sie sich auszudrücken pflegte - Gelichter wie Demokraten, Philosophen und Schwarzkünstler zu jagen und dem reinigenden Feuer zu übergeben.

Er würde noch einige Meinungsverschiedenheiten über Gut und Böse mit ihr haben, das war ihm völlig klar. Ihre sprichwörtliche Sturheit und ihre Charakterstärke waren einer Erfolg versprechenden Diskussion natürlich sehr unförderlich.

Sal sah sich unterdessen im Tempel um, nur zwei Diener des Diebesgottes waren in der Menge zu erkennen. Hier an diesem für jedermann zugänglichen Ort war man einigermaßen vor den Taten der Geweihten sicher, da zumindest die hiesigen Priester sich als Phexgeweihter zu erkennen gaben. Außerhalb des Tempels oder gar in einem anderen Ort konnte einem ein gewöhnlicher Balihoer Phexjünger als Abenteurer, Jäger, Bauer oder sonst irgendeinen Darsteller begegnen. Die Hauptsache war, dass man Phexens Diener nur dann erkennen konnte, wenn sie dies wollten. Der Söldner schaute in die Runde der Leute. Händler, Streuner, Glücksritter, Zureiter, Viehtreiber, jeder oder jede von ihnen konnte ein verkleideter Phexgeweihter sein.

"Na, Sal, haste die silbrige Frau schon gefunden?", tippte ihn Legolant an.

"Ach, glaubst du wir finden hier was? Blödsinn. Hier ist es für Leib und Leben völlig ungefährlich, aber für deine Geldbörse umso gefährlicher", drehte sich Sal zu dem Schelm um.

"Was meint ihr, wollen wir mal einen der Geweihten fragen?", trat Ilkarion dazu und zeigte auf einen Mann mittleren Alters, der wenige Schritt von ihnen entfernt stand.

"Da komm ich mir irgendwie blöde vor. Hier ist doch sowieso keine silberne Schlamp…"

"Sal!", ermahnte ihn Falk.

"Phantome jagen, ein starkes Stück ist das", schüttelte Sal den Kopf und schaute sich weiter im Tempel um.


"Phex steh mir bei! Das kann doch alles nicht wahr sein", erstarrte Ulvane. Die Farbe war komplett aus ihrem Gesicht gewichen, als sie Ilkarion erkannte, der sich gerade dem Vogtvikar näherte. "Wie kann das sein? Wie kann das sein? Er hat also nicht geschlafen, dieser vermaledeite Magier", fluchte sie leise.

"Aber selbst wenn er wach war, wie konnte er mich als Phexgeweihte erkennen?"

Ulvane ging vorsichtig in Richtung der Gläubigen. Sie setzte ihren Schlapphut auf und zog ihn sich tief ins Gesicht. Den Magier hatte sie seitlich im Augenwinkel. Jetzt sprach dieser ihren Hochgeweihten an. Doch noch hatte er sie nicht gesehen. Sie musste sich beruhigen. "Es könnte alles ein Zufall sein", sagte sie sich. Später, wenn die Luft wieder rein war, würde sie den Vogtvikar befragen. Doch nun stahl sie sich in einen der nur den Geweihten zugänglichen Geheimräume davon.


"Hesinde zum Gruß, Exzellenz! Mein Name ist Ilkarion Hesindian Twillen von der ‚Schule des Direkten Weges’ zu Gerasim. Ich weiß, es wird euch merkwürdig vorkommen, aber kennt ihr eine Morena?"

"In der Tat, es kommt mir merkwürdig vor. Aber ich denke, ich kenne die Frau nicht. Weshalb fragt ihr, mein Sohn?", erwiderte ihm der Hochgeweihte.

"Wenn ich mich einmischen darf. Ich hatte einen Traum, in dem eine Morena um meine Hilfe bat. Im Moment passe noch eine, wie sie sagte, silberne Frau auf sie auf", kam Falk dem Magier zuvor.

"Interessant. Nun, das scheint ein Rätsel zu sein. Doch leider können Träume nur von den Geweihten des Boron oder der Hesinde exakt gedeutet werden", erklärte der Phexdiener.

"Diese Geweihten haben leider keinen Tempel hier in Baliho" seufzte Ilkarion.

"Dann bleibt euch nur eine Alternative. Hoffen, dass Phex euch wohl gesonnen ist und ihr Glück habt, das Geheimnis schnell zu ergründen!"

"Da habt ihr wohl Recht. Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit, Exzellenz", verabschiedete sich Ilkarion.

Sie verließen schließlich den Tempel ohne auch nur einen kleinen Schritt weiter zu sein.

Ihre Hoffnungen und Gedanken waren nun bei Beorn und Aldare.



Szene 14 Baliho (Die Wasserfestung)

Sechs Meilen hatten Aldare und Beorn, nachdem sie das Westtor der Stadt verlassen hatten, schon zurückgelegt, als sie endlich zu einem See kamen, in dessen Mitte eine sehr alt wirkende Festung stand.

Die Kriegerakademie war in dieser ausgedehnten, jedoch etwas heruntergekommenen Wasserburg untergebracht und weitgehend von Weideland umgeben.

Aldare hatte schon von der ‚Schwert und Schild’ gehört. Hier sollten über 40 Zöglinge zur gleichen Zeit ausgebildet werden. Dem Akademieleiter standen dafür fünf Fechtlehrer zu Verfügung. Die Akademie stand in dem Ruf, einen besonders harten Drill zu haben, dies hatte mehrere Gründe: einerseits wollte der Akademieleiter Ritter Storko von Nordhag natürlich, dass seine Krieger zu den Besten des Kontinents gehörten, andererseits wusste er, dass nur noch sehr wenige Staaten und Provinzen Ritter im klassischen Sinne ausbildeten. Während in anderen Nationen Leute aufgrund von Vetternwirtschaft und Speichelleckerei zu Rittern geschlagen wurden, musste man hier in Weiden wahre Heldentaten vollbringen. Man musste dem Tod ins Auge sehen und man musste Praios und Rondra gefällig sein.

Ein Weidener Ritter wusste noch, was Ehre und Tugend bedeutet, sein Leben war der Verteidigung des Guten und der Bekämpfung des Bösen gewidmet. Zu ihm konnten die Menschen aufblicken. Genau das waren Leute, die Geschichte schrieben und in Heldensagen ewig weiterlebten.

Die Burg war nicht nur ein militärisches und politisches Machtinstrument. Nein, sogar auf wirtschaftlicher Ebene spielte sie eine Rolle. Mehr als 300 Balihoer Bürger arbeiteten außerhalb der militärischen Hierarchie für Storko. Das konnten Pferdeknechte sein, welche die Gäule der Schüler und Lehrer pflegten, damit sie auf den Distanzen von manchmal mehreren hundert Meilen bestehen konnten. Da waren Bauern, die eine Selbstversorgung der Akademie sicherstellten. Denn ehe man sich versah, waren Heerscharen von Orks oder Goblins in die Weidener Lande eingefallen und dann war es hilfreich, wenn eine Kriegerakademie einer Belagerung standhalten konnte. Des Weiteren arbeiteten Handwerker, Dienstmägde und Waffenschmiede im Dienste der Kriegerschule.

Beorn war etwas deprimiert. Hier gab es eine akademische Kriegerausbildung, wie er sie gerne gehabt hätte, aber nun nie mehr bekommen würde.

Die Amazone und er überquerten nun den Karrenweg durch den See, der schließlich an der Zugbrücke der Festung endete. Diese war heruntergelassen, denn obwohl die Goblins vor kurzem im Osten des Reiches eingefallen waren, und sogar bei Beonspfort mehrere herzogliche Verbände in Hinterhalte locken und aufreiben konnten, hatte sich die Lage mittlerweile etwas entspannt, so dass man sich hier, wesentlich weiter südwestlich, keine Sorgen machte.

Die beiden blieben am mächtigen Tor der Feste stehen und betätigten den übergroßen Türklopfer. Eine Moment passierte nichts, doch nach etwa einer Minute erschien ein Diener auf der Brüstung und dröhnte: "Rondra zum Gruße, Reisende! Welches ist euer Ansinnen?"

"Rondra zum Gruß!", rief Aldare zurück.

"Boron zum Gruß, guter Mann, sind gegenwärtig Rittsleute in eurer Kriegerschule zugegen?", fragte Beorn.

"In der Tat. Rittmeister Storko hat zurzeit zwei Ritter zu Besuch."

"Sagt an, ist darunter eine Rittsfrau mit bereits silbernen Haar und einer schimmernden Rüstung?", erkundigte sich der Boronsdiener.

"Ah, ihr meint bestimmt Rittsfrau Efferdane Stenberger", erwiderte der Diener.

"Ja, das mag sie sein", sagte die Amazone.

"Einen Moment, ich werde euch das Tor öffnen und dann nach der Rittsfrau schicken lassen!"

"Habt Dank, guter Mann", rief Beorn und meinte dann leiser zu Aldare: "Na bitte, ein bisschen Phantasie und schon stehen wir ein ganzes Stück näher am Ziel."

"Ich frage mich bloß, wer eine Ritterin gefangen nehmen will", Aldare hob ihre rechte Braue.

"Das wird sich noch zeigen. Es können aber nur gottlose Frevler sein. Und wenn dies passiert, werden wir sie richten", erklärte Beorn selbstsicher.

Das Tor zum Innenhof wurde geöffnet. Und wie sie so auf die Rittsfrau warteten, konnten die beiden gerade bei einer Übungsstunde des jüngsten Jahrgangs zuschauen. Jedenfalls vermutete Aldare, dass es nur die Frischlinge sein konnten, weil man Mädchen und Buben vom Körperbau her in ihren Lederwämsen nur bei ganz genauem Hinsehen voneinander zu unterscheiden vermochte.

Die angehenden Krieger übten sich fleißig im Stockkampf. Wobei manche sich in Aldares Augen schon äußerst geschickt anstellten. Die Amazone erinnerte sich an ihre Ausbildung auf der Amazonenburg Kurkum zurück. Die drahtige Ausbilderin mit den hinter dem Rücken verschränkten Armen und der lauten befehlenden Stimme, welche die Übung betreute, hätte auch eine Amazone sein können, jedenfalls entsprach sie von Statur und Auftreten her voll und ganz der feministisch geprägten Vorstellung einer Rondrianerin. Nur die vielen Knaben in den Reihen der Schüler waren für Aldare ungewohnt, ja sogar fremdartig. Es war doch unsinnig Mannskerle zum Kampfe auszubilden. Erstens mangelte es ihnen an Ehre, in Aldares Weltsicht waren Verrat, Arglist und Unehre typisch maskuline Eigenschaften, zweitens konnten sie weniger Schmerzen ertragen und hatten mehr Schwachstellen als Frauen.

War es nicht ein unumstößliches Zeichen, dass Rondra, die Göttin des Krieges, auch eine Frau war?

Als eine Dame in schwerer Plattenrüstung mit silbergrauem, zu einem Zopf gebundenem Haar auf ihren Standort zuhielt, merkte Aldare auf. Das war eine wahrhaftige Kriegerin, selbst für eine Amazone eine Ehre, ihr zu begegnen. Sie hatte eine kleine Narbe auf der Stirn und ein entschlossen aussehendes Gesicht, ganz eine Ritterin eben.

"Rondra zum Gruß, junge Recken! Ihr habt nach mir schicken lassen, doch mit welchem Grund ist mir nicht bekannt. Ich bin Efferdane Stenberger, Ritterin der Göttin Rondra und des Gottes Praios", verkündete die Rittsfrau.

"Seid gegrüßt, Schwertschwester. Ich bin Aldare Rondrawohl, Amazone der Göttin Rondra und das ist mein Begleiter Beorn von Narutil, Laienbruder der Boronkirche. Ich habe eine ernste Frage an euch. Kennt ihr eine junge Frau namens Morena?"

"Das ist nun aber wirklich mal eine ungewöhnliche Frage, die ihr mir darbringt, doch will ich sie trotzdem nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Nein, ich fürchte, ich kenne das junge Ding nicht. Doch weshalb wird die Frage einer fremden Rondrianerin an meine Wenigkeit gerichtet?"

Aldare erzählte Ritterin Efferdane von Falks Traum und dem Brief, der ohne einen Boten plötzlich bei Ilkarion auf der Stube gelegen hatte. Die Rittsfrau hörte aufmerksam und ohne zu unterbrechen den Ausführungen der Amazone zu. Ihre Gesichtszüge zeigten aber keinerlei Regung. Nachdem Aldares Bericht beendet war, meinte sie: "Offenkundig wird den Schwächeren ein Leid geschehen und euer Freund steht als einziger zwischen dem Schicksal der beiden Traumgestalten. Ihr tut gut daran, nach der silbernen Frau und nach Hilfe für die Bedürftigen zu suchen. Ich enttäusche euch auch nur sehr ungern, dass ich nicht diese Frau sein kann", bedauerte Efferdane.

"Sagt an, edle Ritterin. Gibt es vielleicht eine Schülerin an dieser Akademie, welche den Namen Morena trägt?", warf Beorn ein.

"Die mag es geben, oder auch nicht. Ich bin nicht von hier. Ich weile als Gast meines alten Kampfgefährten Storko von Nordhag auf der Feste", meinte die Ritterin.

"Woher kommt ihr?", wollte Aldare wissen.

"Aus Ilsur im schönen Tobrien."

"Nun, dann müssen wir nun geschwind nach der echten silbrigen Frau suchen, bevor wir sie nicht mehr retten können", stellte der Boronsdiener hintergründig fest.

"Das solltet ihr tun! Geht mit meinen besten Wünschen und mit dem Segen der heiligen Leuin!", sagte Efferdane.

Aldare und Beorn nahmen schließlich Abschied von Efferdane Stenberger und der Wasserburg und machten sich auf den langen Rückweg.

Es würde später Nachmittag sein, wenn sie wieder auf ihre Gefährten trafen. "Vielleicht waren sie ja erfolgreicher als wir?", überlegte Aldare.

Wie hold das Glück ihnen am heutigen Tag wirklich war, sollte sich noch zeigen.



Szene 15 Baliho (In Rondras Namen)

Die Amazone und der Boronsdiener hatten nun wieder den Schutz Balihos erreicht. Schutz ging im Falle dieser Stadt nur von der Stadtgarde, den Kriegern und sonstigen Waffenkundigen aus, denn eine Stadtmauer besaß Baliho nicht. Zwar wäre sie bei einer Einwohnerzahl um die 3000 Seelen durchaus üblich, doch würde dies in einer Stadt, die überwiegend von der Rinderzucht lebt, Probleme wegen Platzmangel und verstopfter Straßen nach sich ziehen. Da die Weidener jedoch ein rauer und wehrhafter Menschenschlag waren, würden etwaige Angreifer in keinem Falle leichtes Spiel mit der Eroberung der Stadt haben.


Sie hatten nur noch wenige Sträßchen bis zum ‚Silbernen Pandlaril’ und waren daher schon in Vorfreude auf eine die Stärkung, die sie dort einnehmen wollten.

Doch soweit kam es nicht, denn unvermittelt wurde die Amazone im Vorbeigehen von einem Bürger angesprochen: "Entschuldigt die Belästigung, junge Dame, doch seid ihr vielleicht eine Amazone?"

Aldare und Beorn drehten sich um und musterten den Mann, der sie soeben angesprochen hatte. Er hatte graues, schütteres Haar und ein bereits stark von Falten gezeichnetes Antlitz, seine Haltung war leicht gebeugt, was eher von einem hohen Alter, als von überschwerer Knochenarbeit herrührte. Gekleidet war er in Hemd und Hosen aus karmesinrotem Fischgrättuch, welches in südlicheren Gegenden auch als Baumwolle bezeichnet wurde. Aufwendige himmelblaue Verzierungen aus Bausch waren am Hemd angebracht. Darüber trug der alte Mann eine braune Weste aus gewalkter Wolle. Ein erwartender Ausdruck lag auf seinem kantigen Gesicht, als die Amazone zu einer Antwort anhob.

"Ich bin Aldare Rondrawohl, eine göttingefällige Amazone so wahr ich hier stehe. In Rondras Namen, was ist euer Begehr?"

"Mein Name ist Drachwill Schoberbrück. Ich möchte euch bitten, mir in einer ehrenvollen Angelegenheit zu helfen", erklärte der alte Mann.

"Sprecht, wenn es eine Begebenheit ist, die einer Dienerin Rondras würdig ist!", forderte ihn die Amazone auf.

"Seht, mein Sohn Leutnant Leugrimm Schoberbrück, war Soldat und ein großer Kriegsheld! Er besaß ein magisches Schwert mit Namen ‚Wirbelklinge’. Er hatte sie vor 13 Jahren auf Maraskan in der Schlacht am Jerganer Tor erbeutet", begann Drachwill zu erzählen.

"Interessant, fahrt fort!"

"Vor einem dreiviertel Mond kam er ums Leben, als sein Halbbanner bei Beonspfort von Rotpelzen in eine Falle gelockt wurde", seufzte Drachwill.

"Diese feigen, praiosverfluchten Goblins. Möge der Namenlose sie holen!", fluchte Beorn.

"Jedenfalls brachten die Überlebenden seiner Einheit den Leichnam meines Jungen nach Baliho, wo er vorgestern bestattet wurde", greinte Drachwill.

"Mein herzlichstes Beleid, wünsche ich euch", sagte Aldare bewegt.

"Möge Boron ihm gnädig sein!", bat Beorn.

"Genau hier liegt mein Problem. Irgendein dreizehnmal verfluchter Frevler hat die Wirbelklinge aus meines Sohnes Grab entwendet."

"Nein!", zürnte der Boronsdiener.

"Leider doch. Der Geist meines Sohnes ist mir letzte Nacht erschienen und ersuchte mich tapfere Recken zu dingen, um den Grabräuber zu bestrafen und sein Eigentum zurückzubringen…"

"…auf dass er in Frieden ruhen kann", ergänzte Beorn.

"Ja, das wollte ich sagen", sprach Drachwill.

"Werter Herr Schoberbrück, es wird uns eine Ehre sein, den göttinlosen Grabschänder zu finden und ihm die Waffe zu entreißen", bei diesen Worten schlug Aldare mit der rechten Faust auf ihre Brust in Herzgegend.

"Der Dieb oder die Diebe müssen gerichtet werden!", beschloss Beorn.

"Dann helft ihr mir also?", strahlte Drachwill.

"Selbstverständlich! Es geht hier um einen Verstoß gegen die zwölfgöttliche Ordnung. Im Namen Rondras, die Suche nach der Waffe darf keinen Aufschub dulden", antwortete Aldare.

"Oh ihr Götter, endlich seit langen wieder mal eine freudige Nachricht. Meine Bekannte hat sich nicht in euch getäuscht, als sie euch mir empfohlen hat", frohlockte Drachwill.

"Eure Bekannte?", Aldares Augenbraue hob sich wieder einmal.

"In der Tat. Farnlieb Harnischmacher, ihr werdet sie kennen?", zwinkerte Drachwill.

"Heureka! Nun weißt du was die Rüstungsschmiedin meinte, als sie sagte, sie wird der heiligen Leuin helfen, dich zu leiten", stellte Beorn fest.

"Sie weiß eben doch noch einige Dinge, die einer Amazone ehrsam sind", nickte Aldare.

"Bevor wir hier weiter auf der Straße in der Kälte stehen, sollten wir doch in mein trautes Heim einkehren. Meine Gemahlin Erdlinde wartet sicherlich schon mit dem Abendessen. Es gibt Schweinespeck mit Baburiner Rüben."

"Nun, wäre es euch recht, wenn wir etwas später des Abends vorbeikommen? Mit uns beiden habt ihr nämlich noch vier weitere Recken geheuert. Es wäre doch eine Schande, wenn wir als Duo anstatt als Sextett gegen die Boronfrevler ins Gefecht ziehen würden", erläuterte Beorn.

"Ihr seid zu Sechst. Das ist noch viel besser, dann können sogar mehrere Grabräuber kommen und ihnen wird trotzdem das Handwerk gelegt. Wohlan, kommt also zur dritten Abendstunde in mein Haus in der Unteren Grafengasse, gleich links neben der Hufschmiedin. Ihr seid natürlich meine Gäste."

"Das werden wir tun, bis dahin gehabt euch wohl!", sagte Aldare.


Die Praiosscheibe war schon längst untergegangen, als die sechs Heroen vor Drachwills Haustüre standen. Falk war wenig begeistert von dem Unternehmen Grabräuber zu jagen, ihm erschien die Suche nach Morena im Moment wichtiger. Nach einem kleinen Disput war man schließlich zu der Übereinkunft gekommen, dass beide Aufgaben, die Suche nach Morena und der silbernen Frau sowie die Jagd nach der Wirbelklinge, sehr wichtig waren. Da aber niemand auch nur den geringsten Anhaltspunkt hatte, wo sich die silberfarbene Frau aufhalten könnte, blieb nur der Weg zu Drachwill. Schweren Herzens versicherte Falk den anderen seine Hilfe in Drachwills Angelegenheit, doch waren seine Gedanken bei Morena, er wusste nicht wieso, denn er kannte sie ja nicht. Der Hexer lebte seine Gefühle aus wie kein anderer der Gruppe, sei es nun Liebe, Angst oder Sorgen. Vor allem Sal und Aldare reagierten meist gegenteilig. Während der Söldner dieses Verhalten ein dickes Fell nannte, sprach die Amazone von Selbstbeherrschung.

Nachdem Beorn den Türklopfer betätigt und Drachwill geöffnet hatte, wurden erstmal allgemeine Begrüßungsfloskeln ausgesprochen. Aldare stellte ihre Kampfgruppe vor, während Drachwill sich selbst und seine Gemahlin Erdlinde mit seinen Helfern bekannt machte.

Als sie im Innern in der wohlig warmen Küche bei winterlichen Getränken beisammen saßen, kam der pensionierte Schneider jedoch rasch zur Sache: "Werte Aldare, ich vermute, dass mein hinterlistiger Bruder Tannfried den Diebstahl der Waffe veranlasst hat. Vielleicht hat er sie sogar persönlich aus dem Grab entwendet, dieser Schuft."

"Ihr bezichtigt euren eigenen Bruder? Das ist hart", meinte Ilkarion.

"Er ist ein steinreicher Antiquitätenhändler, der ständig auf der Suche nach irgendwelchen seltenen, magischen und kostbaren Relikten ist", zeterte Drachwill.

"Weißt du, was Relikten sind?", flüsterte Legolant.

"Ich glaube, das müssen Schätze sein", malte sich Sal aus.

"So hat er an der Klinge Interesse gezeigt?", fragte der Magier laut.

"Ja, das hat er. Er wollte sie mir abkaufen, sagte ich würde ein reicher Mann sein. Aber nein, habe ich gesagt. Es ist nicht richtig", äußerte Drachwill.

"Da habt ihr völlig Recht, dem Toten gebührt seine Grabbeigabe und vor allem seine Ruhe", bemerkte der Boronsdiener.

"Sagt an, lieber Drachwill, wäre es vielleicht möglich, dass ihr den Adeptus diejenigen Leute diktiert, die bei Leutnant Leugrimms Bestattung zugegen waren, vielleicht gibt uns dies einen Hinweis auf andere in Frage kommende Täter", bat die Amazone.

"Das ist eine gute Idee. Immerhin gibt es noch mehr Gelichter hier in Baliho. Erdlinde komm doch mal bitte und sag dem Buben, wer so alles auf Leugrimms Beerdigung war, du hast ja ein beinahe eidetisches Gedächtnis", rief Drachwill.

Erdlinde begann zu erzählen, während Ilkarion fleißig die Feder schwang und die anderen gut zuhörten. Das meiste was Drachwills Gemahlin zu berichten hatte, war zwar der Klatsch und der Tratsch der Nachbarinnen, doch waren auch durchaus brauchbare Informationen wie Berufe der Trauernden und Intentionen gegenüber Leugrimm zu Lebzeiten dabei. Als sie fertig referiert hatte, standen auf der Liste des Graumagiers 17 Namen, von denen er Drachwill, Erdlinde und seine Exzellenz Jergan Fuxfell sofort wieder strich. Damit blieben immer noch 14. Der Magier reichte seine Mitschrift in die Runde.


Tannfried Schoberbrück (ein Antiquitätenhändler; Onkel von L.)

Alrik Ehrenstein, Korporal

Bernhelm Plötzbogen, Hauptmann

Matissa Sivering, Oberschützin (Alle drei Kameraden von Leugrimm)

Birsa Duthleitner (eine Gardistin; Jugendfreundin von L.)

Efferdin Melltheuer (Tannfrieds Leibwächter)

Waidhart Plorin (ein Gemischtwarenhändler)

Firnmar Runarlin (ein Viehtreiber)

Harmwulf und Neunhild Rundarek (Schustern; Nachbarn von Drachwill)

Praida Großheiler (Hufschmiedin; die andere Nachbarin von Drachwill)

Holdtraude Barnenbrück (eine Tagelöhnerin)

Karfang Graubuckler (ein Waffenhändler)

Kupunda Bogenbauer (Wirtin der Schenke ‚Goblinwürger’ )


Die sechs Streiter in Rondras Namen machten lange Gesichter, sie standen vor einer schweren Aufgabe. Mit solch spärlichen Hinweisen sollten sie nun Heldentaten vollbringen?

Hätten sie gewusst, dass sie noch tiefer im Dunkel tappten, als sie selber annahmen, hätte ihr Kampfgeist wohl einen herben Dämpfer bekommen.



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