Die Jagd nach der Wirbelklinge (IV) Lost Frame? - YiYa's Home

Szene 21 Baliho (Das Landgut)

Es war klar, dass Firnmar Runarlin nicht von selbst auf die Idee gekommen war, die Wirbelklinge zu stehlen, denn dieses Husarenstück schien für den Viehtreiber doch eine Nummer zu groß. Trotzdem beschloss man am nächsten Morgen kurz nach dem ersten Büchsenlicht aufzusteigen und dann dem Landgut von Firutin Gundelbach einen Besuch abzustatten. Die Informationen der Phexgeweihten waren bei den sechs Heroen höchst willkommen. Diese ermöglichten es ihnen den Viehtreiber sofort ausfindig zu machen.

Dennoch konnten sie auf Gundelbachs Gutshof beileibe nicht mit der Tür ins Haus fallen. Es bestand immerhin ein dringender Verdacht, dass der Kuhbursche im Auftrag seines Herren Firutin Gundelbach gehandelt hat. Es musste auf Vorsicht, Feingefühl und taktisches Geschick geachtet werden, sonst würde Gundelbach einfach die Stadtgarde anrücken lassen, was alle weiteren Unternehmungen durch Ëarissa Schönacker für eine ganze Weile zunichte machen würde. Eine Stippvisite am frühen Morgen, wenn ganz Baliho noch richtig verschlafen war, versprach den höchsten Erfolg. Ihren Trumpf, die listige Phexgeweihte, zu ziehen war im Moment auch nur wenig ratsam. Denn wenn erstmal andere einflussreiche Machtfaktoren bei der Jagd nach der Wirbelklinge mitmischten, konnte eine Dienerin des göttlichen Fuchses schon mal wankelmütig werden, und ihren Hals aus der Schlinge ziehen. Der Plan blieb jedoch unumstößlich und so trafen sie schließlich auf dem Landgut des Viehbarons Firutin Gundelbach ein.

Obwohl es noch sehr früh am Morgen war, herrschte schon munteres Treiben auf dem Gut und so konnten die Sechse nur hoffen, dass ihnen Firnmar irgendwo alleine begegnete, sonst könnte man ihn nur schwer ausquetschen.

Sal sprach einen der Viehburschen, die gerade aus einem Kuhstall kamen, an: "Kor zum Gruß, Kumpel! Wo kann ich denn den alten Firnmar finden?"

"Der muss heut später raus, wird noch auf seiner Stube sein", vermutete der Mann.

"Wo ist denn seine Bude?"

"Gesindehaus, erster Stock, dritte Tür links."

"Besten Dank", sagte der Söldner und ging schnurstracks in Richtung der Bedienstetenunterkünfte, seine Weggefährten folgten ihm kommentarlos.


Aldare pochte kräftig an die Tür des frevlerischen Viehtreibers: "Firnmar Runarlin, öffnet sofort eure Türe, im Namen Rondras!"

Keine Reaktion.

"Sofort aufmachen, wir wissen, dass ihr dort hinnen seid!", schlug Aldare erneut gegen den Eingang, dann schaute sie zu Legolant, der sein Ohr zum Lauschen an die Tür gepresst hatte. Dieser schüttelte aber nur den Kopf.

Die Amazone drückte die Klinke herunter und trat ein. Das Bild, das sich ihr bot, überraschte sie nicht sehr: der Viehtreiber lag in einer Blutlache in der Nähe des Fensters, offensichtlich hatte ihn eine große Klingenwaffe durchbohrt. Einige aus der Gruppe, die jetzt nach und nach in das Zimmer drängten, waren nicht ganz so gefasst wie Aldare. Als Ilkarion die Eingangstür hinter sich schloss und die Leiche sah, bemerkte er blasswangig: "Jetzt ist es soweit, wir sind an dem Punkt, wo wir niemals sein wollten."

"Keiner rührt etwas an, sonst macht man uns hierfür verantwortlich! Wir müssen den Vorarbeiter dazu anhalten die Stadtgarde zu rufen, wenn wir jetzt abhauen, sind wir für alle die Schuldigen", erklärte Beorn.

Niemand hatte Einwände und so ging Falk los, um den Vorarbeiter zu unterrichten.

Relativ unbekümmert begann der Söldner derweil Firnmars Leiche nach Habseligkeiten zu durchsuchen.

"Sal, hör sofort auf, die Leiche zu fleddern!", schrie der Boronsdiener.

"Warum denn? Da wo er jetzt ist, brauch er den Plunder nicht mehr", meinte Sal und tat sich an Firnmars Geldbörse gütlich.

"Du wirst auf der Stelle damit aufhören, sonst bist du ein Boronfrevler!"

"Es wäre idiotisch, mir das Geld entgehen zu lassen; außerdem hat es der Grabschänder verdient, dass er selber nach dem Tod beklaut wird."

"Sal, wenn du nicht sofort damit aufhörst, dann… Dann muss ich dich zum Duell fordern!"

"Ach, halt die Schnauze! Was willst du mir denn schon antun, Bauernbursche", Sal wandte sich bei diesen Worten nicht einmal zu Beorn um.

"Es reicht, keine weiteren Streitereien!", ging Aldare dazwischen.

"Von mir aus. Ich werde mir trotzdem nicht meinen Gewinn entgehen lassen, nur weil dieser Boronsdiener hier sich deswegen einnässt", erwiderte Sal.

"Oh, ich werde dich…", hob Beorn an, als er auch schon von dem Graumagier unterbrochen wurde: "Seid mal alle still und seht, was ich in der Kommode dort gefunden habe!"

"Moment, da kommt jemand", entfuhr es dem Schelm.

Ilkarion packte seinen Fund gerade noch rechtzeitig weg, als der Vorarbeiter mit Falk und zwei weiteren Bediensteten hereinkam.

"Verflixt, das darf doch nicht wahr sein, einer meiner besten Leute verreckt einfach", fluchte der Vorarbeiter.

"Die Garde?", fragte Ilkarion.

"Kommt", versicherte der Vorarbeiter.


Bevor die Garde eintraf, machten Sal und der Vorarbeiter noch eine weitere interessante Entdeckung. In einem Schrank war ein Beutel mit 180 Silbertalern. Dieser Fund sollte den Weggefährten den blanken Hintern retten. Denn als Weibelin Ëarissa Schönacker mit den Worten: "Immer die Gleichen", die Stube betrat, hatten sie etwas, um von dem Verdacht, der auf ihnen lag, abzulenken.

"Ja, und immer wieder unschuldig", entgegnete Beorn.

"WAS, habt IHR HIER gewollt?", fragte die Weibelin energisch.

"Den Dieb der Wirbelklinge dingfest machen", erklärte Falk.

"Soso, ihr wisst also von dem Diebstahl. Nun warum sollte ausgerechnet dieser Mann die Klinge von Leutnant Schoberbrück gestohlen haben?"

"Vielleicht wegen der Belohnung?", meinte Sal und warf Ëarissa den schweren Beutel mit 180 Silber vor die Füße.

"Ein bisschen viel Geld für ehrliche Arbeit, oder Weibelin?", bemerkte Ilkarion.

Die Weibelin zog eine nachdenkliche Grimasse und nickte nur. Auf eine ihrer schnippischen Antworten wartete man diesmal vergebens.

Serschant Falber Zeel hatte sich mittlerweile über die Leiche von Firnmar Runarlin gekniet und untersuchte dessen Todesursache.

"Eine breite, gebogene Waffe", erklärte er seiner Vorgesetzten. Daraufhin ging die Weibelin herum und schaute sich oberflächlich die Waffen der sechs Gefährten an. Bei der Amazone blieb sie etwas länger stehen und begutachtete den zweimal gebogenen Amazonensäbel. Dann winkte sie jedoch ab und ging zur Tür.

Dort wendete sie sich noch einmal um: "Ihr werdet die Stadt nicht verlassen, solange die Wirbelklinge nicht wieder dort ist, wo sie hingehört!"

"Das hatten wir auch nicht vor", rief Beorn der forteilenden Gardeunteroffizierin hinterher.


Nachdem sich die Gardisten verzogen hatten, verließen auch die Heroen das Anwesen von Firutin Gundelbach.

"Die Stadtgarde weiß also von dem Diebstahl, dann kommen sie uns also von jetzt ab immer wieder in die Quere", sagte Aldare.

"Aber wir sind ihnen einen Schritt voraus", lächelte Ilkarion.

"Sind wir?", hob Aldare ihre Braue.

"Und ob", Ilkarion reichte der Amazone die Nachricht, die er in Firnmars Kommode gefunden hatte:


"Werter Firnmar, wenn ihr die Wirbelklinge zu mir bringt, werde ich Euch selbstverständlich höher entlohnen, als dies all meine Nebenbuhler gemeinsam vermögen! Gez. W. Plorin"


"Ich werd’ nicht mehr. Waidhart Plorin, der Krämer, also noch einer, der auf unserer Liste steht", freute sich Aldare.

"Denkst du, was ich denke?", grinste der Magier.

"Ja, wir brauchen mal wieder ein paar Gemischtwaren", scherzte Aldare.


Nun hatten sie endgültig ihre heiße Spur.



Szene 22 Baliho (Der Gipfel der Willkür)

Die Sechs trotteten gemächlich durch die Gassen Balihos. Sie hatten den Standort von Plorins Krämerladen bei einem Passanten erfragt und überlegten, wie man den Gemischtwarenhändler friedlich dazu bringen könnte, die Wirbelklinge herauszugeben.

Die Amazone überlegte sich, dass es ja nicht schadete, wenn man dem Krämer durch ein paar kleine Hiebe auf die Sprünge helfen würde.

Sie waren schon fast da, als Aldare ein Aufsehen erregendes Pärchen bemerkte. Der Mann war ein schwer gerüsteter Fußsoldat, der in einen Kettenmantel, eine Kettenhaube und Kettengamaschen gekleidet war. Aufgrund seiner Panzerung konnte man nicht viele Merkmale seines Aussehens erkennen; nur soviel stand fest, der Kämpfer war sehr kräftig. Die Frau saß auf einem gepflegt wirkenden kleinen, schwarzen Ross. Sie wirkte fast wie eine blaublütige Dame, denn ihre Garderobe war alles andere als billig. Ein weinrotes Kleid aus feinstem Samt schmückte ihren schlanken Körper. Fast unpassend wirkte der schwarze Waffengürtel um ihre Hüften, an dem ein Degen hing. Auffällig an ihr war noch ein leuchtend grünes Amulett um ihren Hals, das bei ihrer Blässe besonders gut zur Geltung kam. Die edle Frau hatte schulterlange dunkelblonde Haare, die sie mit einem schwarzen Filzbändchen fest zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Nur eine lange Strähne, welche in einem dunklen Rot gefärbt war, hing ihr über dem rechten Auge seitlich ins Gesicht. In ihren hellbraunen Augen blitzte etwas, das die Frau elitär und überheblich wirken ließ.


"Keine Sorge, werte Praioslieb! Hier wird euch niemand etwas tun", sprach der in Ketten gerüstete Söldner lauthals.

"Dann bin ich ja beruhigt, Rondrian. Denkt daran, was uns alles erwarten könnte!", ermahnte ihn die Frau.

Doch dieser Rondrian johlte nur: "Ich hab noch jeden klein gekriegt."

"Verzeiht, edle Dame! Aber habt ihr Probleme, bei denen ich euch helfen könnte? Mein Name ist Aldare Rondrawohl, eine Amazone der Göttin Rondra", mischte sich die Rondrianerin ein.

"Ein löblicher Vorsatz, Amazone. Doch ist es nicht von Nöten, dass ihr mir eure Hilfe in solch friedliebenden Zeiten zur Verfügung stellt. Ich bin übrigens Praioslieb von Albenhus und so edel wie ich aussehe bin ich leider mitnichten", erklärte die Angesprochene.

"Ich dachte, ich hätte da einen Hauch von Sorge in eurem Gespräch vernommen", grübelte Aldare.

"Rondrian hier kann mich ausreichend vor den Tücken dieser stinkenden Stadt beschützen", sagte Praioslieb und deutete auf den Söldner.

"Ihr solltet euch aber besser mal selber vorsehen, ihr werdet gerade von der Garde umstellt!", warf Rondrian ein.

"Was?", entfuhr es Aldare nur. Doch dann sah sie ihre angespannten Begleiter, die die nähere Umgebung misstrauisch beäugten. Hinter einer Häuserecke sah die Amazone einen Gardisten mit einem Langbogen in Stellung gehen. Auf der anderen Straßenseite stand die junge, beträchtlich vernarbte Gemeine mit dem Hölzchen zwischen den Zähnen und der Repetierarmbrust, die ihnen schon einmal begegnet war. Ein kleines Grüppchen aus drei Gardisten, angeführt von einer Korporalin kam jetzt in ihre Richtung, besser gesagt in Beorns Richtung.

Die Amazone hob beschwichtigend die Hand. Es durfte hier nicht grundlos zu einem Blutbad kommen, dann wäre die Wirbelklinge verloren und die silberne Frau sowie Morena Geschichte.

Die Korporalin trat nun an den Boronsdiener heran: "Beorn von Narutil, euch wird vorgeworfen unzüchtige Laute von euch gegeben zu haben."

"Was? So ein Unsinn, ich…", begann Beorn mit seiner Verteidigung.

"Beorn von Narutil, bekenne!", schrie die Korporalin.

"Moment mal, ich habe keine unzüchtigen Worte gerufen und werde deshalb auch nicht mitkommen", erklärte der Boronsdiener.

"Herr von Narutil, ihr WERDET die Stadtgarde begleiten!", sagte Praioslieb und schaute strafend zu Beorn herüber.

"Darf man erfahren, warum ihr mit solch schwerem Kriegsgerät ankommt, um jemanden zu inhaftieren, der nur unzüchtige Laute gerufen haben soll?", fragte Ilkarion.

"Ihr dürft, gelehrter Herr! Dieser Mann", sie zeigte auf Beorn und fuhr fort, "ist in so ziemlich alle Verbrechen der letzten Zeit verwickelt gewesen und ist mir als bewaffnet und sehr gefährlich beschrieben worden."

"Ich verstehe, dann seid ihr also Korporalin Eslebon", meinte Beorn.

"Korrekt! Und nun, Abmarsch", befahl Ilme Eslebon.

Legolant schaute der Soldatin hinterher. Wenn man nur ihren Kopf mit den schwarzen Augen, den harten Gesichtszügen und den kurzen blauschwarzen Haaren sehen würde, konnte man Ilme Eslebon auch getrost für einen Mann halten.


Der Gang zur Stadtgarde wurde für Beorn von Narutil langsam, aber sicher zur festen Gewohnheit. Da es die Weibelin scheinbar primär auf ihn abgesehen hatte, beschloss er dem Hauptmann diesmal alleine gegenüber zu treten. Die anderen fünf mussten die Suche nach der Wirbelklinge so rasch wie möglich vorantreiben, damit man sich danach der silbernen Frau und Morena widmen konnte. Es fehlte ihnen an Zeit, und wenn es im Moment etwas gab, das ihren eigenen Uhrzeiger mit Fleiß in eine ungünstige Richtung drehte, dann konnte man es wahrscheinlich Ëarissa Schönacker nennen.

Beorn wurde in das ihm schon allzu gut bekannte Schreibzimmer des Offiziers Thordenan Menzheimer geführt. "Vielleicht sollte ich mich doch in einer Zelle einkerkern lassen, das würde der Garde eine Menge Arbeit ersparen und obendrein wären alle Verbrechen sofort aufgeklärt", ging es dem Boronsdiener durch den Kopf.

Am Schreibtisch saß diesmal nicht Hauptmann Menzheimer, sondern in seiner Vertretung die ehrenwerte Frau Weibel Ëarissa Schönacker.

"So, Herr von Narutil, da werden wir nun also schon stündlich anstatt täglich bei der Garde vorstellig", scherzte die Weibelin.

"Hört zu, Frau Weibel! Ich weiß nicht, was ihr gegen mich persönlich habt, doch ich kann euch versichern, dass ich bei keinem der Vergehen, deren ich beschuldigt werde, der Schuldige bin", wehrte sich Beorn.

"Das sehe ich anders. Das Auftreten von euch und euren Spießgesellen hat zu einer Unruhe in der Stadt geführt, wie ich sie bisher selten erlebt habe. Da ich pflichtbewusst und vom Wille, der Stadt die notwendige Sicherheit zu geben, beseelt bin, habe ich in euch einen der Rädelsführer gefasst, um dadurch euren negativen Einfluss, den ihr und eure Kameraden auf Baliho ausübt, zu schmälern."

"Ich kann nicht glauben, dass ihr das ernst meint, immerhin bin ich ein Diener des Boron und unter meinen Begleitern befinden sich Rondrianer, gelehrte Herren,…"

"Papperlapapp, ihr seid mir bisher noch nicht durch irgendwelche glanzvollen Taten aufgefallen", unterbrach ihn die Weibelin.

"Es ist schwierig, einer Heldenrolle gerecht zu werden, wenn man sein Tagwerk in einer Amtstube leistet", bemerkte Beorn ungeniert.

"Eure vorlauten Antworten bestätigen mir nur mein Unbehagen euch gegenüber, von Narutil", erklärte Ëarissa.

In diesem Moment ging die Tür auf und Hauptmann Menzheimer betrat das Zimmer. Er legte seinen Mantel ab und meinte: "Ah, von Narutil schon wieder."

"Hauptmann, diesmal ist es erwiesen, dass er…"

"Frau Weibel, ich habe mir nun endlich Erkundigungen aus Trallop über Herrn von Narutil und seine Gefährten einholen können. Sie liegen in einem krassen Gegensatz zu euren Anschuldigungen", erzählte Thordenan.

"Aber…", stakste Ëarissa.

"Eminenz Voltan Rogel, der Hochgeweihte des Tralloper Borontempels, spricht in den höchsten Tönen von Herrn von Narutil, er hätte sich schon des Öfteren im Kampfe gegen unheilige Schergen hervorgetan. Seine fünf Begleiter gehören zu einer Gruppe von Leuten, die man in Trallop und Umgebung als ‚Die 15 Prophezeiten’ bezeichnet. Diese seien erfolgreich gegen dämonische Mächte in die Schlacht gezogen. Ëarissa, wir werden den Mann frei lassen, denn nicht nur der Borontempel, sondern auch die Tempel von Praios, Rondra und Firun lobten die Taten dieser Leute, die wir nun anklagen, in gemeine Verbrechen verwickelt zu sein", tat Thordenan kund.

"Ich danke euch für euren Beistand, Hauptmann. Es freut mich, dass unsere guten Taten doch noch bis hierher durchgedrungen sind. Ja, Eminenz Voltan hat uns einiges zu verdanken und wir ihm", erklärte Beorn.

"So gehet denn und tut weiterhin euer gottgefälliges Werk!", sagte der Hauptmann.

"Doch bedenkt, dass auch Helden auf den Pfaden des Gesetzes wandeln müssen", hielt ihn die Weibelin noch einmal an.

"Jederzeit, Weibelin", lächelte Beorn die ihm verhasste Weibelin an und meinte dann mehr zum Hauptmann: "So gehabt euch denn wohl!"


Er beeilte sich seine Gefährten noch einzuholen, doch den kommenden Ereignissen würde er ohnehin nicht vorgreifen können. Langsam wandte sich das Glück auf der Suche nach der Wirbelklinge wieder ihm und seinen Freunden zu. Doch würde das Schicksal sie zu der Waffe führen ohne noch einmal einen Haken zu schlagen?



Szene 23 Baliho (Waidharts Laden - Der Griff nach der Klinge Teil 1)

Waidhart Plorins Krämerladen war nicht schwer zu finden. Das hatten solche ehrbaren Geschäfte nun mal so an sich. Doch mochte der Gemischtwarenhändler verruchter sein, als es nach außen hin den Anschein hatte. Die unwissende Bevölkerung konnte seine ungesetzlichen Geschäfte aber höchstens erahnen. Für die sechs Gefährten stand jedenfalls eines fest: da der Mann wusste, dass die Wirbelklinge eine Grabbeigabe war, und sie trotz alledem hat entwenden lassen, konnte er nur ein schlechter Mensch sein. Schlecht im Sinne von gottlos. Gottlos zumindest in den Augen der Diener des Boron, der Rondra und des Praios.

Es mochte vorteilhaft sein, dem Händler nicht sofort mit blanker Waffe zu begegnen. Daher war Beorns Ausscheiden in dieser Sache nicht ungünstig. Der Boronsdiener hätte nicht mit sich reden lassen, und so vielleicht ein schnelles Auffinden von Leugrimms Waffe verspielt. Der Krämer war möglicherweise auch nur ein Strohmann, der die Waffe lediglich weiterverkaufen wollte; wenn es sich so verhielt, dann war ein Schwertstreich das Letzte, was die Helden brauchten. Jetzt sollte es an gemäßigten, wenig streitsüchtigen Leuten wie Falk, Legolant und Ilkarion liegen, den Krämer von seiner Schuld zu überzeugen. Schafften sie dies nicht, konnten Sal oder Aldare immer noch Plorins Lebensfaden durchtrennen.

Eine brennende Frage, die in einigen Köpfen herumspukte, war immer wieder, warum man nicht einfach die Stadtgarde handeln lassen sollte. Ihre Angelegenheit war es, für Recht und Ordnung in Baliho zu sorgen, sei es auf weltlicher oder spiritueller Ebene. In letzterem Fall waren bestimmt geschwind einige Priester der Zwölfgötter zur Stelle, um die Garde bei der Jagd nach einem Boronfrevler zu unterstützen. Es war wohl die Vermutung, Ëarissa Schönacker würde auf der Suche nach der Wirbelklinge auch da Köpfe rollen lassen, wo es gar nicht nötig war, die die Helden davon abhielt, sich entspannt zurückzulehnen und der kommenden Dinge einfach zu harren. Jedenfalls waren die Gardisten für dieses Unternehmen nur wenig geeignet. Weibelin Ëarissa tauchte überall mit Pauken und Trommelwirbel auf, so dass es einem gerissenen Dieb ein Leichtes war, sich in den Gassen Balihos zu verbergen und sich mit der Klinge aus der Stadt zu stehlen. Wenn man bedachte, dass die Weibelin auch noch die Praioskirche um Hilfe bitten konnte, dann war abzusehen, dass eine stille Jagd von dem Moment an unmöglich war. In dieser Sache brauchte es eine phex’sche List, um die Waffe zurückzubringen. Die Hilfe von Ulvane Menzheimer würde man wohl kaum in Gold aufwiegen können. Doch wie weit sollte Ulvanes Beistand gehen? Immerhin war sie die Tochter des Gardehauptmanns. Andererseits waren die beiden so verschieden wie Eis und Humus. Einmal in Sachen Aussehen: Ulvane musste wohl nach der Mutter geschlagen sein, da sie ihrem Vater ungefähr so ähnlich sah, wie Legolant einem Orken. Außerdem kam hinzu, dass Thordenan die Verbrechen bekämpfte, während Ulvane welche beging und sich obendrein noch damit brüstete. Solange die Beziehungen zwischen den ganzen einflussreichen Leuten in der Stadt noch nicht durchschaut waren, musste aus dem Bauch heraus entschieden werden, wem man vertraute und was die Gefährten näher an die Wirbelklinge bringen sollte.

Die Sorgen über Morena und die silberne Frau rückten immer mehr in den Hintergrund, nur Falk hatte ob der beiden Frauen ein flaues Gefühl in der Magengegend. Ihm wollte nicht so ganz einleuchten, warum man zuerst den Toten und dann den Lebenden helfen wollte. Doch er fügte sich, denn im Moment war man der Wirbelklinge so nah wie noch nie zuvor. Die Heroen konnten sich jetzt nicht aufhalten lassen oder ihre Kräfte verzetteln. Sie MUSSTEN zuschlagen.

Falk atmete noch einmal tief durch, dann sperrte er die Eingangstür des Krämerladens auf. Die imaginären Pranken des Hexers begannen sich um den Griff der Wirbelklinge zu legen.


"Herzlich willkommen in Plorins Gemischtwarenladen! Mein Name ist Nolle Firuner, was kann ich den Herrschaften denn gutes tun", begrüßte die Fünfe ein jugendlicher Bursche hinter dem Tresen des Ladens. Nein, das war kein gestandener Händler, der dort den Verkauf machte, das war ein Lehrling oder ein Geselle in den ersten Arbeitsjahren.

Nolle war noch kaum grün hinter den Ohren, doch er hatte ein freundliches Wesen und einen gewissen Geschäftssinn, der ihn keine allzu großen Dummheiten machen ließ. Er war aber mehr darin bewandert, auf seine Kunden zuzugehen, als irgendwelche Einkäufe und Geldgeschäfte zu tätigen. Nolle war eben einer der Leute, die richtig ran an die Kunden gingen. Solche Verkäufer konnten manch Wankelmütigen umstimmen oder einen Interessierten noch ein Komplementärgut aufschwätzen. Deshalb mochte Waidhart Plorin den jungen Mann und hatte ihn gerne um sich, denn er hatte sein angeborenes Talent erkannt.

Wenn man den Verkäufer so betrachtete, konnte man ihn auf einige Schritt Entfernung für einen Verwandten von Ilkarion halten. Die beiden Männer hatten eine ähnliche blonde Kurzhaarfrisur, waren alle zwei schlank und waren beide um die 180 Halbfinger hoch.


Bei näherem Hinsehen erwies sich aber der Magier als etwas blasser und von den Gesichtszügen her zarter. Während Nolle grüne Augen hatte, erstrahlten sie dagegen bei Ilkarion in einem hellen, geheimnisvollen Blau. Alles in allem wirkte Nolle etwas kräftiger und von frischerer Gesichtsfarbe, während Ilkarion etwas elfenhaft Zerbrechliches hatte.

"Hallo, guter Mann! Wir sind auf der Suche nach Herrn Waidhart Plorin", erwiderte Falk Nolles Begrüßung.

Ein Sammelsurium der unterschiedlichsten Handelsgüter stand in den Regalen hinter Nolle und an den Seitenwänden des Ladens zur Auswahl. Legolant konnte sich über den tiefgehenden Sinn einiger der hier angebotenen Waren nur wundern. Wieder einmal wurde der nutzlose Kaufwahn der städtischen Bevölkerung im Gegensatz zur krassen Armut auf dem Land offenkundig. Der Schelm verstand die Stadtbevölkerung nicht wirklich, aber letztendlich war ihm das auch egal, solange man ihn seine Scherze treiben ließ. Seine Gefährten zog es jedoch immer wieder in solche Läden wie diesen. Hier konnte man alles erwerben, von der Angelrute bis zum Zunderkästchen, vom Brotbeutel bis zur Drachenjägerausrüstung, vom Vorschlaghammer bis zur Nähnadel. Obgleich das meiste für einen gestandenen Abenteurer uninteressant war, konnte man so einen Krämerladen stundenlang durchforsten und würde immer wieder etwas finden, das man in der Form noch nicht kannte. Teilweise waren diese Läden für manchen Käufer die letzte Rettung, da es ein fähiger Händler verstand, auch seltene Waren zu organisieren.

Legolant sah den Söldner mit seinen Fingern über eine Spitzhacke streichen. Doch dem Schelm war klar, dass Sal keineswegs an Bergarbeitertätigkeiten dachte. Viel eher malte sich der Söldner aus, wie man damit ein paar Köpfe einschlug. Ein echter Söldling eben, alles ist interessant und nichts wertlos. "Sal, du bist echtma eine bewaffnete Krämerseele", dachte sich der Schelm.

"Meister Plorin ist im Moment nicht im Laden, kann ich euch eventuell weiter helfen?"

"Nun, es geht um ein Geschäft von höherer Summe, deshalb wäre es uns lieber, wenn wir Herrn Plorin persönlich sprechen könnten", entgegnete Ilkarion.

"Der Meister ist heute den ganzen Tag unterwegs, deshalb führe ich zurzeit das Geschäft", erklärte Nolle stolz.

"Wann ist er denn wieder zu sprechen?", fragte Aldare.

"Ich bin heute Abend beim Meister zuhause in der Uferstraße und mache mit ihm die Tagesbilanz. Wenn ihr wünscht, sage ich ihm bescheid, dass ihr zwischen der zweiten und der dritten Abendstunde vorbeikommt?"

"Das wäre wirklich sehr zuvorkommend von euch! Sagt ihm einfach, Herr Ilkarion Twillen möchte ihm ein lohnendes Geschäft vorschlagen!"

"Das werde ich, gelehrter Herr. Der Meister hat immer ein offenes Ohr für so etwas", meinte Nolle.

"Recht so, Bursche! Dann werden wir Meister Plorin heute Abend aufsuchen", meinte Aldare und wandte sich zum Gehen.

"Wollt ihr denn nicht noch…", begann der Verkäufer.

"Nichts für ungut, Junge, aber uns steht der Sinn nach größeren Geschäften", klopfte ihm Sal auf die Schulter, bevor auch er sich zum Gehen anschickte.



Szene 24 Baliho (Warum musste Firnmar Runarlin sterben? - Der Griff nach der Klinge Teil 2)

Ulvane kniete auf dem Steinboden vor einem Schrein des Gottes der Diebe in einem Hinterzimmer ihres Heimattempels. Sie war nur in eine hellbraune Tunika gekleidet und die Kälte des Bodens hätte ihr sehr zu schaffen gemacht, wenn sie nicht eine warme Wolldecke an der Stelle, wo sie niederkniete, ausgebreitet hätte. Die Phexjüngerin mochte für einen unwissenden Betrachter eher wie ein leichtes Mädchen aussehen, denn es war ja Winter. Doch Ulvane schreckte die Kälte im Zimmer nicht. Sie war so sehr in einen gedanklichen Disput mit ihrem Gott vertieft, dass sie nicht darauf achtete. Ein einzelner Lichtstahl fiel durch den fast völlig zugezogenen Vorhang auf die Phexjüngerin herab und kitzelte ihren zarten Hals.

Ulvanes dunkelblondes Haar fiel diesmal glatt auf ihre Schultern herab und bedeckte halbwegs eine Tätowierung auf ihrem linken Oberarm, welche die Konturen eines Fuchses zeigte. Obwohl der Bilderstecher nur die Farbe Schwarz bei seinem Kunstwerk verwendet hatte, sah es teilweise so aus, als hätte er auch in Grau tätowiert, so geschickt waren die Schattierungen des Fuchsbildes auf die Haut gestochen.

Der Fuchs war allgegenwärtig. Sogar das Standbild des Phexschreins war ein Fuchs. Wie üblich war der Diebesgott auf allen Vieren dargestellt. Der Steinmetz hatte ein dunkelgraues Gestein verwendet und zwei Türkise als Augen der Statue eingefügt.

Der Türkis galt den Dienern des Phex als heilig. Gläubige Phexanhänger trugen aus diesem Grunde gelegentlich ein Türkisamulett als Glücksbringer. Man erzählte sich, der Edelstein könnte einem Glückspieler überirdisches Geschick verleihen oder seinem Träger vor einer Gefahr warnen, indem er die Farbe wechselte. Auch glaubte man zu wissen, dass der Türkis das Gold magisch anzöge.

Ulvane dachte aber im Moment nicht über die Symbolik ihres Kultes nach. Sie wollte vielmehr wissen, ob sie sich näher in den Mordfall Runarlin und die Suche nach der Wirbelklinge einschalten sollte. Immerhin ging es darum, ein geklautes Objekt zurück zu stehlen. Aber war es nicht vielleicht eher die Aufgabe von anderen Leuten, mit Mördern um diese Waffe zu streiten? Ulvane war zwar ungemein listig, doch auch sie konnte das Intrigenspiel um Leugrimms Klinge nicht einmal annähernd durchschauen.


Die Tür zur Ulvanes Betkammer wurde langsam geöffnet und ein kräftiges junges Mädchen mit rotblonden Haaren und Sommersprossen trat hinein. Ein Lächeln stahl sich auf ihre vollen Lippen, als sie der Phexgeweihten ansichtig wurde. Sie war eine Tempelnovizin, doch das wussten nur Ulvane und der Vogtvikar. Die Priesterin mochte das Mädchen, denn sie war eine bemerkenswerte Rednerin. Eine alte Dorfvettel würde sie wahrscheinlich eher als ein Flittchen mit frechem Mundwerk bezeichnen. Aber die Überredungskunst war eine gar phex’sche Gabe. Glück für den, der sie hatte.

"Mondschatten Ulvane, jemand wünscht dich zu sehen", erklang die heisere Stimme der Novizin.

"Wer wird es denn sein?", fragte die Geweihte.

"Es ist eine Kriegerin. Ich glaube sogar, eine Amazone."

"Moment, ich ziehe mir noch etwas an, dann werde ich kommen", sagte Ulvane und stand auf.

Sie fuhr in ihre Leinenhose und zog darauf geschwind ihr graues Leinenhemd an. Zuletzt streifte sie ihren Sternenmantel über und knöpfte die beiden oberen Knöpfe zu, so dass man nicht sah, dass sie sich nur eiligst bekleidet hatte. Nach kurzem Überlegen griff sie noch nach dem Waffengürtel mit dem Degen. Man konnte ja nie wissen.


"Na wie soll ich das nun finden, die ehrenwerte Amazone kommt die noch ehrenwertere Dienerin des Phex besuchen", Ulvanes Worte strotzten vor Hohn.

"Spart euch euren Spott für bessere Zeiten auf, euer Gnaden! Es ist nun an der Zeit, dass auch wir beide an einem Strang ziehen", trat Aldare auf die Phexpriesterin zu.

"Dagegen habe ich keine Einwände, doch der Preis, den Phex für seine Hilfe fordert ist hoch. Ich werde euch nur im geringen Maße unterstützen können, doch seid euch meines Wohlwollens gewiss", erklärte die Geweihte.

"Es wäre auch zuviel verlangt, wenn ich euch in die erste Schlachtreihe gegen die frevlerischen Unholde stellen würde, die nach der Wirbelklinge streben."

"Das wäre es", lächelte Ulvane.

"Ich muss mich bei euch für die Ohrfeige entschuldigen, ich wusste nicht…"

"Vergesst es! In Zeiten wie diesen kann man Gut und Böse sowieso nur schwerlich voneinander unterscheiden. Wer weiß schon, ob sein Gegenüber wirklich der ist, der er zu sein scheint?", fiel ihr Ulvane ins Wort.

"Ich danke euch", nickte Aldare.

"Ist noch etwas?"

"Firnmar Runarlin ist tot."

"Ich weiß", sagte Ulvane nur.

"Ist das alles, was ihr dazu zu sagen habt? Der Hauptverdächtige ist tot und die Waffe ward nicht gesehen", monierte die Amazone.

"Sein Mörder hat jetzt die Waffe. Wir haben es nun mit einem noch größeren Boronfrevler zutun, als zuvor", mutmaßte die Phexgeweihte.

"Der Mörder hat die Waffe nicht."

Ulvanes Augen weiteten sich: "Nicht? Aber wer hat sie dann, Aldare?"

"Ein Krämer mit Namen Waidhart Plorin."

"Plorin? Den hatte ich immer für harmlos gehalten", sinnierte Ulvane,

"woher habt ihr diese Informationen?"

"Wir haben eine Nachricht von ihm an Runarlin, die besagt, dass er die Waffe von ihm kaufen wollte."

"Na bitte, Plorin wollte nicht zahlen und hat auf Mord gesetzt", sann die Phexpriesterin.

"Falsch, Ulvane, wir haben das Geld bei Runarlin gefunden. Plorin hat die Waffe geholt, bevor der arme Firnmar dahingeschlachtet wurde", erläuterte Aldare.

"Warum musste Firnmar Runarlin dann sterben?"

"Das weiß nur Hesinde. Jedenfalls ist Plorin im Moment nicht aufzufinden und irgendwo in Baliho läuft ein Mörder umher."

"Wir müssen Plorin finden!", forderte Ulvane.

"Und ob wir das müssen! Wir bemühen uns nach vollen Kräften; ich bin nur hier um euch einzuweihen", sagte Aldare.

"Ausgezeichnet, ihr habt mein volles Vertrauen."

"Ich werde mich dann wieder auf die Suche begeben. Gehabt euch wohl, Schwester Ulvane", wandte sich Aldare ab.

"Ihr ebenfalls, Amazone! Und bedenkt, helft euch selbst, dann hilft euch Phex!"

Aldare schmunzelte: "Ich hoffe doch, dass es bald an der Zeit ist, dass zur Abwechslung Rondras Gaben auf unserer Queste zum tragen kommen. Diese Namenlosigkeit muss sobald wie möglich ein Ende haben!"

"So soll es sein", meinte Ulvane.


Die Amazone verließ den Tempel des Diebesgottes. Ihre Ehre hatte ihr geboten mit der überheblichen Phexgeweihten ins Reine zu kommen. Und gegen die Stadtgarde und ihre anderen Widersacher im Kampf um die Wirbelklinge konnte ihnen jede Hilfe nützlich sein.


Eine Sache machte Aldare nebenbei die ganze Zeit über noch Kopfzerbrechen. Der Mörder hatte die Wirbelklinge anscheinend nicht, trotzdem war Firnmar von einem großen Zweihandsäbel überwältigt worden. So eine südländische Waffe konnte man hier soweit im Norden nicht verbergen. Früher oder später würde ihnen ein Kämpfer mit Zweihandkrummschwert auffallen.



Szene 25 Baliho (Die Schlacht um Plorins Haus - Der Griff nach der Klinge Teil 3)

"Hund, da geht er!" rief Sal gedämpft aus, als er sah, wie Nolle das Haus seines Arbeitgebers verließ. Der junge Geselle wirkte voller Tatendrang und pfiff ein fröhliches Liedchen. Wer konnte es ihm verübeln? Immerhin war ein langer Arbeitstag vorüber.

"Sal, lass das! Du kannst doch nicht im Ernst glauben, dass der Verkäufer auch in den Diebstahl der Wirbelklinge verwickelt ist", ermahnte ihn der Hexer.

Die sechs Freunde saßen hinter einer Hecke mit Plorins Haus im Blickfeld. Praios sei Dank, war es schon sehr dunkel. Und obwohl sich Aldare bei dieser Heimlichtuerei dämlich vorkam, hielt man diese Strategie für die beste Vorgehensweise.

"Wer weiß? Jedenfalls ist der Händler jetzt allein", meinte der Söldner und betrachtete Waidhart Plorins Anwesen. In den Augen der sechs Gefährten musste der Gemischtwarenhändler ein überaus reicher Mann sein. Sein Haus war in den Maßstäben eines Abenteurers gigantisch. Nicht nur, dass es mehr als ein Stockwerk hatte, es wies obendrein noch ein reich verziertes Mauerwerk aus weißen Steinen auf. Das Beste aber war, dass in dem Gemäuer echte Glasfenster eingebaut waren. Allein diese Investition hätte manch gestandenen Adligen an Geldmitteln überfordert. Obwohl es noch gar nicht so spät des Abends war, hatte der Krämer nur im Erdgeschoss Licht brennen, welches gerade, als Sal aufmerksam spähte, auch gelöscht wurde.

"Der kann doch jetzt nicht schon schlafen gehen", überlegte Aldare.

"Vielleicht hat er gemerkt, dass wir ihn beobachten?", grübelte Ilkarion.

"Dann müssen wir jetzt zupacken! Er darf nicht entkommen", forderte Sal.

"Nur mal ruhig mit den jungen Pferden, wir können da nicht alle in das dunkle Haus reinstürmen! Wir müssen uns aufteilen!", schlug Beorn vor.

"Also gut, Beorn. Wir beide werden mit Sal durch die Haustür eindringen. Falk, du wirst das Haus rechts umrunden, während Ilkarion eine Linksrunde dreht! Wenn ihr euch getroffen habt, wartet ihr am Hintereingang!" beschloss die Amazone.

"Und ich?", fragte der Schelm.

"Bleib hier und behalte das Ganze im Auge, wenn Plorin irgendwie durchs Fenster oder Schlimmeres entkommen sollte, hältst du ihn auf!"

"Das hört sich gut an", nickte Legolant. Wenn der Krämer Faxen machte, würde ihm der Schelm einfach einen Streich spielen.


Leise wie eine Schlange, die durch die windstille Wüste gleitet, schritt Ibarnjabiel Hariskjatat durch die Empfangshalle von Waidhart Plorins Haus. Ein paar geschickte Handgriffe, und die zwei Öllampen, welche die Halle erhellten und je neben einem Gobelin standen, waren gelöscht.

"Heda, wer ist dort, wer hat das Licht gelöscht? Ich… Ich… Ich bin bewaffnet", erklang die zittrige Stimme des Gemischtwarenhändlers.

Ibarnjabiel hörte wie eine große Waffe hastig aus einer Metallscheide gezogen wurde. "Die Wirbelklinge", vermutete er.

Die Augen des Kriegers gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit, er musste handeln, bevor der Krämer irgendwelche Hilfe holen konnte. Vorsichtig näherte er sich dem Händler. Mit einem bedachten Knaufhieb seines Sichelmessers konnte er ihn vielleicht niederstrecken. Doch plötzlich knarrte eine Bohle unter Ibarnjabiels Füßen. Waidhart fuhr herum und schlug im gleichen Moment mit der Wirbelklinge nach dem Krieger. Dieser ließ sich auf die Knie fallen und legte den Kopf zur Seite, so dass die messerscharfe Schneide der Wirbelklinge in einem nur papyrusdicken Abstand über ihn hinwegfegte. Instinktiv riss Ibarnjabiel sein Sichelmesser mit voller Wucht nach oben. Er traf die ungedeckte Stelle zwischen Waidharts Beinen und hieb dem Krämer eine so tiefe Wunde, dass er nur noch Sekunden leben würde. Waidhart fiel tödlich getroffen nach vorne, während der Krieger sich wegrollte, um nicht unter dem fallenden Körper begraben zu werden. Dann hörte er ein Rumpeln aus dem oberen Stockwerk. Hier war noch jemand im Haus. Der Krieger packte die Wirbelklinge und lief mit je einer Zweihandwaffe pro Hand schwer beladen zum Hinterausgang. Er trat die Tür einfach auf und rannte los. Gegenüber dem Hintereingang war eine unbebaute Fläche mit Schwarzdornsträuchern. Der Krieger machte einen großen Satz und landete in dem Buschwerk. Dann schaute er sich um. Gerade bog eine Person um die Häuserecke. "Du liebe Güte, ein Magier", dachte Ibarnjabiel, als er Ilkarion sah.

Der Krieger legte sein Sichelmesser als überflüssigen Ballast im Gebüsch ab, gürtete die Wirbelklinge auf seinen Rücken und begann militärisch durch das Dickicht zu gleiten. Er peilte einfach das nächststehende Haus in der Gegenrichtung von Plorins Heim an. Einfach nur weg. Er hatte keine Ahnung, wie viele Verfolger ihm noch auf den Fersen waren, doch stünde er gegen sie auf verlorenem Posten.


Aldare sperrte die Tür des Haupteingangs auf und betrat Waidhart Plorins Anwesen. Sal folgte ihr direkt und Beorn, der letzte im Bunde, schloss die Tür hinter sich.

Die Empfangshalle lag im Dunkel, doch ließ das Mondlicht die wahre Pracht des Domizils und den Reichtum des Gemischtwarenhändlers erahnen. Von der Halle führten zwei gebogene Treppen nach oben auf eine Empore, hinter der drei Türen waren. Unter der Erhebung befand sich noch eine Tür, und dieser gegenüber ebenfalls eine. Letztere führte zum Arbeitszimmer, das wussten sie von ihren Beobachtungen. Obwohl der Saal voll gestopft mit Kunstwerken und anderen Kulturgütern war, hatten die drei Eindringlinge nur wenig Sinn für die Schönheit des Anwesens, denn zu ihren Füßen lag der Leichnam eines Mannes. Er hatte graues kurzes Haar mit einem Linksscheitel und gebrochene stahlgraue Augen. Seiner Kleidung nach zu urteilen konnte es nur Waidhart Plorin sein. Er trug ein violettes Hemd, das mit silbernen dünnen Fäden durchzogen war. Neben dem edlen Brokat trug der Mann noch eine schwarze Hose aus feinem Bausch. Ein kleines Mondsilberamulett hing dem Toten um den Hals. Dieses seltene Material, das von den Zwergen aberwitzigerweise ‚Platin' getauft worden war, wäre ein lohnendes Ziel für einen Einbrecher gewesen. Doch derjenige, der Plorin auf dem Gewissen hatte, war nur auf eines aus: Leugrimms magisches Tuzakmesser.

"Rondra, steh mir bei! Der Krämer ist tot. Jeder, der mit der Wirbelklinge Kontakt hat, stirbt", entfuhr es Aldare.

"Der Geselle ist erst vor ein paar Minuten gegangen, der Mörder muss noch hier sein", sagte der Boronsdiener.

"Verdammt, ich wusste es! Aber den kriegen wir", fluchte Sal.

"Sal und ich suchen oben. Schau du dich hier unten um, Beorn!", bat die Amazone.

"Mach ich. Seid vorsichtig, wer weiß, welche Fähigkeiten ein Mann hat, der die Wirbelklinge führt!"

Die drei Kämpfer zogen ihre Klingen und machten sich auf das Schlimmste gefasst.

Aldare setzte sich in Richtung der linken Treppe in Bewegung und bedeutete Sal, die rechte Treppe hinaufzugehen.


Der Boronsdiener betrat derweil das Arbeitszimmer des Krämers. Hier mochte er vielleicht Hinweise auf dessen unrechtmäßigen Geschäfte finden.


"Du, Ilkarion, warum ist die Hintertür so weit aufgesperrt? Hier ist doch irgendwas faul", überlegte Falk.

"Geheuer ist mir das jedenfalls nicht", stimmte der Magier zu.

"Moment… Hörst du das? Schritte… Von vielen Leuten", spitzte Falk die Ohren.

"Warte hier, Falk, und pass auf, dass keiner abhaut. Ich werde nachsehen", hielt Ilkarion seinen Gefährten an.

"Warte, es sind zu viele!", ermahnte ihn der Hexer.

"Keine Sorge, ich habe da so eine Ahnung", sagte der Graumagier und ging in die Richtung der Schritte, die eindeutig von außerhalb des Hauses kamen.


Legolant kniete immer noch in seinem Versteck. Unerwartet hörte er ein Rascheln hinter sich und wandte seinen Kopf um. Er blickte genau auf die Schneide eines Kurzschwertes. Als er die Person erkannte, die ihm die Waffe an den Hals hielt, grinste er stupide.


Beorn begann den Schreibtisch in Waidharts Arbeitszimmer zu durchwühlen. Hesinde sei Dank, konnte er lesen. Immer wenn ihm ein Schriftstück in die Hände fiel, hielt er es am Fenster ins Mondlicht. Das meiste waren Rechnungen von Großeinkäufen, aber keine illegalen Waren. Vielleicht hatte Plorin über solche Geschäfte auch kein Buch geführt, falls ihm mal die Praiospfaffen oder Ëarissa Schönacker auf den Leib rückten. Beorn hatte gerade ein Pergament entdeckt, dass ihm sehr interessant erschien, als er von draußen in der Empfangshalle ein Poltern hörte.


Stufe für Stufe schritt Aldare die Treppe empor. Alles um sie herum war still, nur die ebenfalls behutsamen Bewegungen Sals, der auf der anderen Treppe ging, waren zu vernehmen.

Plötzlich sprangen hinter einem Mäuerchen hoch oben auf der Empore drei Gestalten hervor. Alle waren in dunkle Farben und weite Roben gekleidet und das Fatale war, sie hatten Schusswaffen im Anschlag. Aldare und Sal waren so verdutzt, dass sie nicht ausweichen konnten. Ein Bolzen schlug in Aldares Bein, und ließ sie in die Knie gehen. Sal schlugen ein Bolzen und ein Pfeil durch die Panzerung und bohrten sich leicht in seine Brust. Im nächsten Atemzug zerbarst eine Fensterscheibe an der Wand, wo sich die Eingangstür befand.


Ilkarion presste seinen schlanken Körper geflissentlich an die Hauswand, als wollte er sich an seine Selissa schmiegen. Doch der innige Kontakt mit der Mauer hatte wahrhaftig einen anderen Grund. Das was der Magier sah, versetzte ihn in höchste Alarmbereitschaft und sein Gefahreninstinkt gebot ihm, nicht entdeckt zu werden. An der Front des Wohnhauses postierten sich zahlreiche Stadtgardisten. Einer von ihnen zerschlug mit seiner Hellebarde eine Fensterscheibe und das Kommando drang nach und nach in Waidhart Plorins Wohnhaus ein.


Sal bekam einen Tobsuchtsanfall. Mit Schaum vorm Mund rannte er trotz seiner Wunden die Treppe weiter hoch und hechtete den sich nun hastig zurückziehenden drei Angreifern hinterher. Die gehbehinderte Aldare konnte nur beobachten, wie eine Gardistin mit Armbrust durch das zerschlagene Fenster sprang, in ihre Richtung zielte und rief: "Waffen runter, alle!"


In Windeseile durchmaß der Söldner nun das Obergeschoss. Er heulte fast vor Wut, als er sah, dass die drei Kämpfer, die er verfolgte einfach aus dem Fenster sprangen. "Ach was soll’s!", Sal biss sich auf die Lippen und sprang hinterher. Der Schmerz beim Aufprall war furchtbar, nicht jedoch in seinen Beinen, sondern in seinen Schusswunden. Er sah die Drei geschlossen eine Gasse entlang flüchten. Mit dem Mut der Verzweiflung hastete er hinterher.


Beorn war derweil durch einen schmalen Flur vom Arbeitszimmer in noch unerforschte Bereiche des Erdgeschosses vorgedrungen. Doch er hielt sich nicht in den Räumlichkeiten auf, sondern peilte sofort den Hinterausgang an. Dort angekommen flüsterte er dem Hexer zu: "Falk, schnell, wir müssen fliehen! Plorin ist tot und die Garde wird denken, wir waren’s!"

Der Hexer fackelte nicht lange und lief los. Er schaffte es, sich zusammen mit dem Boronsdiener genauso davonzustehlen wie kurz zuvor Ibarnjabiel.


Ein großer Rabe, der sich auf dem Dach des Hauses niedergelassen hatte, konnte mit anschauen, wie sich Waidhart Plorins Anwesen mehr und mehr in ein Tollhaus verwandelte. Auf der Frontseite stürmte gerade eine Gruppe Gardisten das Gemäuer. Auf der Rückseite liefen Falk und Beorn so schnell sie ihre Füße trugen außer Reichweite des Geschehens. Gleiches tat Sal auf der rechten Hausseite, nur dass er nicht flüchtete, sondern Verfolger war. Links hielt Ilkarion einsam Wache. Er konnte genau wie der Rabe beobachten, dass sein Freund Legolant von einer Soldatin zur Hauptmasse der Gardisten geschleppt wurde.


Ilme hatte den Schelm am Schopfe gepackt und schleifte ihn nun zu Weibelin Ëarissa Schönacker.

"Sehr gute Arbeit, Korporalin Eslebon! Wir haben drinnen schon die Amazone erwischt, sie ist von einer Armbrust angeschossen worden. Weiß der Namenlose, was in dem Haus los war", sagte die Weibelin.

"Der Schelm sollte wohl Schmiere stehen", vermutete Ilme Eslebon.

"Was hattest du hier vor, Taugenichts?", fragte Weibelin Schönacker.

"Wenn’s blökt wie ein Schaf und grunzt wie ein Schwein, so ist’s doch kein Getier, es muss Ëarissa sein", kicherte Legolant.

"Das findest du wohl lustig, he? Mal sehen, ob du das auch lustig findest?", höhnte Ëarissa und holte mit ihrer Knute aus.

"Haltet ein, Frau Weibel! Ihr züchtigt den Falschen. Lasst mich mit euch kommen und mit eurem Offizier sprechen", hallte Ilkarions Stimme durch die Dunkelheit.

"Fein, gelehrter Herr, fein! Ich hätte ohnehin nach euch suchen lassen. Auch wenn ihr vielleicht nicht für die Morde verantwortlich seid, so verwandelt ihr doch MEINE Stadt in ein Schlachtfeld", keifte die Weibelin.

"Nicht wir, die Diebe der Wirbelklinge tun das", sagte die Amazone schwach, als sie gerade zur Tür herausgeführt wurde.

"Das wird sich alles zeigen", meinte die Weibelin.

"Wir haben nichts zu verbergen, Frau Weibel. Warum sollte ich mich sonst freiwillig stellen, wenn ich etwas mit dem Diebstahl und den Morden zu schaffen hätte?", stellte der Graumagier in den Raum.

"Ihr vielleicht nicht, doch was ist mit von Narutil und euren anderen zwei Komplizen?", fragte Korporalin Eslebon.

"Sal verfolgt die drei Gestalten, die uns angegriffen haben. Was mit Falk und Beorn ist, kann ich nicht sagen, da wir getrennt waren", erklärte Aldare.

"Weibelin! Korporalin! Ihr müsst sie finden, die Gegenseite könnte ihnen etwas getan haben", bedrängte Ilkarion die beiden Gardistinnen.

"Na schön!", knirsche Ëarissa mit den Zähnen. "SERSCHANT, lasst alles absuchen! Verdächtige Personen werden sofort zu mir gebracht. Ich gehe mit unseren Möchtegernvolkshelden hier ins Wachlokal."

"Jawohl, Frau Weibel", antwortete Serschant Zeel von innerhalb des Hauses.


Die drei Flüchtenden erreichten schließlich eine Kreuzung. Hier trennten sie sich. Einer lief nach links, der zweite nach rechts und der Letzte geradeaus. "Verdammt! Die sind gewitzter als ich dachte. Verdammt noch mal!", fluchte Sal und stürzte weiter geradeaus dem Bogenschützen hinterher, weil er so die höchste Geschwindigkeit bewahren konnte. Immer noch einen furchtbaren Zorn im Bauch, holte er mehr und mehr zu seinem Opfer auf. Er war schon auf ein paar Schritt heran, als der Bogenschütze sich plötzlich mit einer dämonisch ungestümen Schnelligkeit davonmachte. Der Söldner blieb stehen. DAS war Zauberei. Dieser Zauberspruch, den der Bogenschütze soeben verwendet hatte, war einer der liebsten von Ilkarion, das wusste Sal haargenau. "Ein zaubernder Bogenschütze. Das kann nur ein Elf sein", dachte sich der Söldling, dann holten ihn die Gedanken an seine Schmerzen ein und er schrie laut auf.


Phex war mit den drei letzten noch freien Gefährten, denn Beorn und Falk gelang es, den verletzten Söldner aufzusammeln und mit Mühe in den Stall des ‚Silbernen Pandlaril’ zu schaffen.

"Diese vermaledeiten Bastarde haben mich doch glatt überrascht. Die hatten Elfen mit dabei, diese Unholde", zeterte Sal.

"Jetzt lass bitte einmal die Elfen aus dem Spiel und bleib sachlich", bat der Hexer, der gerade Sals Wunden versorgte.

"Naja, so wie unser guter Sal noch schimpfen kann, muss er bald wieder wohlauf sein", grinste der Boronsdiener.

"Doch wirklich, Falk, diesmal irre ich mich nicht und das wird dir sogar unser Magier bestätigen!", erklärte der Söldner selbstsicher.

"Was redest du da nur wieder für einen Unsinn? Am Kopf bist du doch gar nicht getroffen worden", zweifelte Falk.

"Der Bogenschütze hat diesen Schnelligkeitszauber verwendet, den Ilkarion immer spricht, den er so gerne mag. Dieser Dingsbumszauber halt."

"Ein zaubernder Bogenschütze, das könnte…", sprach Beorn.

"…ein Elf sein", ergänzte ihn Ulvane, die gerade aus der Dunkelheit der Scheune trat.

"Schwester Ulvane", platzte es aus Beorn heraus.

"Ssshhh", legte ihm die Phexgeweihte ihre Finger auf die Lippen.

"Die Stadtgarde sucht euch drei, wegen des Mordes an Waidhart Plorin."

"Kor möge diese Stümper ausbluten lassen!", verdammte Sal die Gardisten.

"Ulvane, wir sind unschuldig!", sagte der Boronsdiener.

"Ich weiß das, und mein Vater Thordenan weiß das auch", versicherte Ulvane.

"Warum durchkämmt man dann die Stadt nach uns, wenn ich fragen darf?", mischte sich Falk ein.

"Mein Vater hat irgendetwas mit euch vor, ich weiß aber nicht genau was."

"Ich habe ein interessantes Dokument im Arbeitszimmer des Gemischtwarenhändlers gefunden. Das könnte auf der Suche nach Leugrimms Waffe enorm wichtig sein", sagte Beorn und gab Ulvane das Pergament, das ihm so wichtig erschien:


"Sehr geschätzter Herr Plorin,

Seinen Brief habe ich dankend erhalten. Ich bedauere den Tod des Helden Leugrimm Schoberbrück zutiefst, doch würde ich gerne dessen famose Waffe in meiner Sammlung wissen. Wenn Er sich mit der Familie des Hingeschiedenen einigen kann, dann erwarte ich Seinen Sendboten oder auch Ihn persönlich mit Freuden in Gräflich Espen.

Mit freundlichem Gruße

Farlgard Meiler von Eichenbach, herzogliche Meierin"


"Das ist ein interessanter Hinweis. Möchte wissen, was die Meierin für die Waffe hingeblättert hätte. Mein Vater MUSS dieses Dokument erhalten. Ihr dürft nicht länger durch die Stadtgarde behindert werden. Wenn Ëarissa und ihr weiterhin gegeneinander arbeitet, dann ist die Wirbelklinge bald für immer verloren.", sinnierte Ulvane.

"Dann müssen wir uns also stellen, doch wer garantiert für unsere Sicherheit?", fragte Beorn.

"Nur ich allein. Ihr müsst mir glauben, dass mein Vater euch nichts tun wird!"

"Als dann, Ulvane. So wollen wir denn gehen, auf dass wir Gerechtigkeit finden", äußerte der Boronsdiener voller Tatendrang.



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