Die Jagd nach der Wirbelklinge (VII) Lost Frame? - YiYa's Home

Szene 36 Altnorden (Gold ist Trumpf)

Dem Einzug in Altnorden folgte sogleich die Suche nach einer geeigneten Herberge. Es war die vielleicht letzte Möglichkeit, in einem weichen Bett an einem warmen und trockenen Plätzchen ein wenig Entspannung zu finden, bevor man der Meierin oder den Dieben der Wirbelklinge gegenübertrat. Die Weggefährten lenkten gerade ihre Rösser durch die Hauptstraße des Örtchens, als ihr Fuhrmann seine Kutsche abrupt zum Stehen brachte.

Dingel stieg nun vom Kutschbock und kam seelenruhig zu Aldare herüber.

"Werte Amazone, ich werde von nun an nicht mehr mit dieser Elfe weiterreisen. Ich finde es äußerst schade, euch zu enttäuschen, doch eine Schmähung der Zwölfgötter in dieser Form will ich nicht länger ertragen. Ich muss wissen, wo ich stehe und dies ist immer noch die Seite des aufrichtigen Glaubens an unsere Zwölfe", erklärte der Wagenlenker.

"Nun denn, mir reißt ohnehin langsam der Geduldsfaden. Irgendetwas Lästerliches muss Dimeloé gesagt haben und wenn sie es bei jemand anderen gehört hat", meinte Aldare enerviert.

"Dann soll sie endlich damit rausrücken, sonst kann es sein, dass ich mich vergesse", polterte Sal.

"Ich finde nicht, dass wir sie bedrohen sollten", warf Falk ein, doch Dimeloé sprach schon freiwillig aus, was wahrscheinlich niemals jemand hätte hören sollen:

"Ich glaube nicht an Rondra,

Ich glaube nicht an Praios,

Ich glaube nicht an Götter,

Denn Götter sind das Chaos."

Einen Moment lang war alles still. Die meisten blickten die Firnelfe erstaunt und mit offenem Mund an. Nur Ilkarion dachte schon etwas weiter, er malte sich aus, was in den nächsten Minuten hier geschehen würde, und dies gefiel ihm ganz und gar nicht.

Das schabende Geräusch von Beorns Schwert, das aus seiner Metallscheide gezogen wurde, durchbrach die Stille. "Ich werde das frevlerische Verhalten dieser Elfenmetze nicht mehr länger dulden", sagte der Boronsdiener und schritt in Dimeloés Richtung.

Die Winterelfe zog ihrerseits eine Waffe. Nun sollte es zum Duell Schwert gegen Robbentöter kommen.

"Halt warte, Beorn! Wer weiß, woher sie diesen Spruch hat? Seine Bedeutung kennt sie bestimmt nicht", hielt Ilkarion seinen Kampfgefährten an.

"Es ist egal, Ilkarion. Unwissen macht Unrecht nicht ungeschehen, und nun tritt beiseite", forderte Beorn mit grausig ernstem Gesichtsausdruck.

Die Firnelfe machte sich gerade auf einen Angriff des Boronsdieners gefasst, als kurz vor dessen Füßen ein Pfeil in den harten winterlichen Straßenstaub schlug.

"Deckuuuuuuuuung!", brüllte Sal und warf sich zu Boden. Die anderen taten es ihm gleich oder knieten ab. Dingel tauchte unter der Kutsche ab, in der sich Legolant nun verkroch.

"Siehst du jemanden?", fragte Aldare den Hexer, der neben ihr kauerte.

"Nein, aber der Pfeil kam aus dieser Richtung. Der Schütze muss sich dort hinter die Häuserwand zurückgezogen haben."

Beorn überlegte, was er nun anstellen sollte. Ein weiterer Schritt nach vorne konnte seinen Tod durch eine Fernkampfattacke bedeuten. Irgendeiner seiner Freunde tippte ihn von hinten an.

"Ilkarion, wie nett, dass du mich als Deckung benutzt", meinte der Boronsdiener zynisch.

"Stell dich nicht so an! Das nächste Pfeilchen werde ich mit meinen magischen Kräften auffangen."

"Dein Wort in Borons Ohr!"

"Wart’s ab! He, Moment mal! Das ist ja ein Elfenpfeil", erklärte der Graumagier erstaunt.

"Dachte ich’s mir doch", spie Beorn aus.

Plötzlich näherte sich Hufgetrappel. Als Ilkarion und Beorn ihre Köpfe drehten, sahen sie nur wie Sal an seiner Armbrust herumnestelte. Ein Berittener war bisher noch nicht in Sicht.

Dann erhob sich die Firnelfe. Gespannt verfolgten die Gefährten ihre Bewegungen, doch es war offensichtlich, dass sie den Bogenschützen nicht zu fürchten brauchte.

Die Hufschläge wurden immer lauter, bis schließlich eine schneeweiße Stute mit einem Reiter in goldener Plattenrüstung um die Ecke bog. Der Krieger hielt auf Beorns Standort zu. Dimeloé ging ihm langsam entgegen. Als er nur noch ein paar Schritt von dem Boronsdiener und dem Magier entfernt war, klappte er sein Visier hoch. Der Mann hatte elfenhafte Gesichtszüge und auch seine eisgrauen Augen deuteten auf einen Langohrigen hin. Die Heroen waren sehr verwundert, denn nach ihrem Wissensstand führte keines der Elfenvölker Metallrüstungen. Bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, hob der Goldene zu sprechen an: "Welch unehrenhafte Recken erblicke ich hier auf den Straßen eines Bauerndorfes kniend? Solche, die sich an Schwächeren vergreifen? Oder täuschen eure Gesten über eure wahrhafte Intention hinweg?"

"Dürfte ich vielleicht euren Namen erfahren, so ihr hier aufrichtige Streiter im Namen der Zwölfe öffentlich anprangert?", antwortete Beorn.

Der Goldene sprach laut und selbstsicher: "Ja, das darf ER! Ich bin Simian Caylenheri Funkenflug, Krieger der Göttin Rondra, Offizier in der Garde von König Arion dem Dritten von Westak-Tiefhusen."

"Oh", brachte Beorn nur hervor.

"Sagt an! Wenn ihr ein Krieger seid, was treibt euch hierher und was habt ihr mit diesem Elfenweib zu schaffen?", fragte Aldare.

"Dieses Elfenweib, werte Amazone, ist meine Gefährtin. Die Beweggründe meines Hierseins brauche ich jemandem, der mit Fahrenden und Glücksrittern umherreist, wohl kaum erläutern. Eure Vorurteile gegenüber Elfen machen mich traurig, sind aber letztendlich kein Verbrechen. Von daher werde ich euch nun eurer Wege gehen lassen. Gehabt euch denn wohl!"

"Einen Moment noch! Wir können hier nicht einfach zulassen, dass mit Pfeilen auf uns geschossen wird", hielt Sal den Krieger auf.

"Ach ja, ihr meint Tarmolin. Er wollte nur verhindern, dass ihr euch an Dimeloé vergreift. Wartet!", hob Simian seinen Arm und winkte in Richtung des Hauses, aus dem allem Anschein nach das Geschoss geflogen kam.

Ein hoch gewachsener, schlanker Waldelf kam im Laufschritt zu Simian und Dimeloé gelaufen. Der Mann hatte pechschwarzes seidenglattes Haar und grün glänzende Augen. Seine Haut war zwar hell, doch sah sie sehr lebendig und gesund aus. Gekleidet war er in einen ärmellosen schilfgrünen Bauschumhang mit Pelzbesatz unter dem er noch ein Wildlederhemd anhatte. An jedem seiner Ärmel hing die weiße Schwanzquaste eines Firunshirsches. Seine Hose war ebenfalls aus eng anliegendem Bausch, diese war jedoch braun gefärbt. Alle Kleidungsstücke waren über und über mit bunten kleinen Mustern bestickt, so dass es Stunden dauern würde bis man sie alle einmal angeblickt hätte. Bewaffnet war der Waldelf mit einem langen, fein gearbeiteten Elfenbogen, mit dem er auch geschossen hatte. Auf dem Rücken hatte er eine Lederscheide mit einer dreikantigen Fechtwaffe. Die Klinge war Ilkarion unter dem Namen Wolfsmesser bekannt. Ein kleines, leicht geschwungenes Jagdmesser komplettierte das Arsenal des Waidmannes, den die meisten Menschenfrauen wohl als unglaublich gut aussehend beschreiben würden.

"Das hier ist Tarmolin Säuselwind, mein Späher", erklärte Simian und nahm nun seinen Helm komplett ab. Der Krieger war weißblond und hatte einen dünnen hellen Bart. Seine Ohren waren ganz leicht spitz, was darauf hindeutete, dass er zumindest einen Elfen in den letzten Generationen seiner Ahnenreihe hatte.

"Wir haben keine Repressalien gegen euch vor, ihr könnt daher beruhigt eurer Wege gehen, so wie wir es nun auch tun werden", erklärte Simian.

"Das werden wir, wichtige Aufgaben liegen vor uns", sagte die Amazone.

"Dieser Ort ist klein, wir werden uns bestimmt noch einmal sehen", vermutete der Krieger, dann hob er die Hand zum Abschiedsgruß und rief: "Rondra mit euch!"

Daraufhin wendete er seine Stute und trabte gemächlich davon.

"Rondra mit euch!", erwiderte die Amazone.

"Boron auf euren Wegen!", sagte Beorn.

Tarmolin nickte den Helden zu und ging dem Krieger hinterher. Die Firnelfe nahm Morena auf den Arm und streichelte die Katze innig. Dann setzte sie sie auf den Boden und sagte zu Falk in gebrochenem Garethi: "Pass gut auf meine Morena auf!"

Danach drehte sie sich ohne ein weiteres Wort zu sagen um und ging Simian und dem Waldelfen hinterher.

Die sechs Jäger nach der Wirbelklinge und ihr Kutscher blieben alleine auf der Straße zurück und schauten den Dreien konsterniert nach.



Szene 37 Altnorden (Hesindes Jäger)

Die Versuchung, eine Nacht in einer warmen Stube zu verbringen, war größer als das Verlangen nach einer sofortigen Weiterreise, und so quartierten sich Sal, Falk, Aldare, Ilkarion, Beorn, Legolant und Dingel im Gasthof ‚Haus Altnorden’ ein. Doch nicht nur die Herzlichkeit eines traviagefälligen Herdfeuers trieb die Sieben in die Arme des Herbergsvaters, sondern auch die Neugier auf das Woher und Wohin von Simian Caylenheri Funkenflug und seinen Leuten ermöglichte eine verlängerte Rast.


Der Wissensdrang der Helden wurde mehr als belohnt, denn das Elfenblut und seine reinrassigen Elfenbegleiter führten noch gleich drei weitere Mitstreiter ins Feld. Zwei von diesen hatten sie bereits flüchtig kennen gelernt: die reiche Dame Praioslieb von Albenhus und ihren Reisigen Rondrian Bärentöter. Der dritte im Bunde war eine eindeutig maraskanische Frau, was an ihren schlitzartigen Augen und der schwarzen Iris zu erkennen war. Sie hatte lange, schwarze, zu einem Pferdeschwanz zusammengebundene Haare und war im Vergleich zu Aldare eine zu groß geratene Zwergin. Auch Simian wirkte, so wie er nun an seiner Tafel im Schankraum der Herberge saß, nicht groß, was man daran sah, dass Dimeloé ihn deutlich überragte. Als Aldare und der Boronsdiener an den Tisch der Reisegruppe traten, bedeutete der in Gold gerüstete Krieger ihnen freundlich, Platz zu nehmen. Die Maraskanerin stellte er als Tashina Jaksemanìjin, eine vorzügliche Florettfechterin aus dem fernen Tuzak, vor. Aus Höflichkeit fragten die beiden nicht, was so eine bunt zusammengewürfelte Truppe wohl nach Altnorden trieb. Immerhin waren sie selbst eine Gruppe Abenteurer auf Abwegen. Doch Simian sollte schon bald die Neugierde der beiden unaufgefordert befriedigen: "Ich will ehrlich zu euch sein, nachdem mir meine Liebste von euren im Grunde guten Absichten berichtet hat. Nun ja, eigentlich waren eure Begleiter, der Magier, der Schelm und der andere junge Bursche damit gemeint, aber ihr zieht ohnehin an einem Strange, wie mir berichtet wurde."

"Das ist richtig. Bis auf den Kutscher sind wir schon lange eine eingeschworene Gemeinschaft, die das Böse bekämpft und die Schwachen beschützt, so wie es die Herrin Rondra gebietet", erklärte die Amazone.

"So habt ihr Firnmar Runarlin und Waidhart Plorin wahrscheinlich nicht gemeuchelt?", überlegte Praioslieb von Albenhus.

"Woher wisst ihr... Ich meine selbstverständlich nicht. Was hat dies zu bedeuten, Schwertbruder Simian?", dröhnte Aldare.

"Nun, ich sagte ja bereits, dass ich ehrlich mit euch sein will. Wir suchen genauso wie ihr nach der Wirbelklinge. Da wir für eine Kirche der Zwölfgötter arbeiten, nämlich für die der allwissenden Hesinde, mussten wir davon ausgehen, dass alle anderen Parteien unrühmliche Absichten mit der Waffe haben", entgegnete Simian.

"Werter Herr Funkenflug, bei allem Respekt vor den Dienern der Hesinde, muss ich euch berichten, dass es noch wichtigere Anwärter auf die Wirbelklinge gibt, nämlich die Kirche des Boron", erläuterte Beorn.

"Wie könnt ihr es wagen, die Beweggründe der Hesindianer anzuzweifeln?", fauchte Praioslieb und kämmte sich ihre dunkelrot gefärbte Strähne hinter das Ohr.

"Ich wollte nur zu denken geben, dass es eventuell Wichtigeres gibt, als das Tuzakmesser in einem Hesindetempel verstauben zu lassen", giftete Beorn zurück.

"Was die Geweihten mit dieser Waffe wollen, geht euch nichts an, ihr Flegel!"

"Halt, halt, halt! Beruhigung! Wir sind hier alles vernünftige Diener der Zwölfgötter und allesamt nicht feindselig. Lasst mich euch einen Vorschlag unterbreiten!", sagte der Krieger.

"Ich höre", meinte Aldare nur.

"Es wird ein Wettstreit, ohne Kampf, ohne Blut. Nur unsere List, unsere Schnelligkeit und unser Glaube sollen uns zu der Klinge führen. Findet ihr sie zuerst, dann gehört sie euch und somit den Anhängern des Totengottes. Doch wenn wir es schaffen die Waffe vor euch an uns zu bringen, dann geht sie in den Besitz der Hesindediener über", lächelte Simian.

"Herr Funkenflug, in Baliho geht der Geist des verstorbenen Leutnant Leugrimm Schoberbrück umher, dem diese Waffe gestohlen wurde. Magisch hin oder her, ich kann sie nicht den Dienern der Hesinde überlassen. Es ist meine heilige Pflicht im Namen des Boron, der Seele des armen Leugrimm die ewige Ruhe zu schenken. Wenn ihr der große Krieger seid, für den ihr euch ausgebt und für den ich euch halte, dann müsst ihr uns die Wirbelklinge überlassen!", forderte Beorn.

"Das wirft die Sache in ein ganz neues Licht. Ich werde das Ganze noch einmal überdenken müssen", grübelte Simian.

"Was gibt es da für einen aufrichtigen Diener der Zwölfgötter zu überdenken?", wurde Beorn wütend.

"Bis jetzt können wir noch nicht mit Sicherheit beweisen, dass ihr nicht doch an den Morden in Baliho beteiligt wart, Herr von Narutil", stellte Frau von Albenhus fest.

"Das ist eure verkorkste Sicht der Lage. Doch ich warne euch eindringlich. Ich weiß, dass es nur einen Weg für die Wirbelklinge geben darf, nämlich den, der zurück zu Leugrimm Schoberbrück führt. Findet ihr die Wirbelklinge und nehmt sie als Tempelschatz mit, dann holen wir uns die Waffe eben mit Gewalt", daraufhin schlug der Boronsdiener mit der Faust auf den Tisch und stand auf. Aldare tat es ihm mit einem wehmütigen Gesichtsausdruck gleich. Sie überblickte die Runde ihrer Widersacher. Mit Ausnahme von Simian schien ihnen ein möglicher Zweikampf kein Kopfzerbrechen zu bereiten.

"Wir werden sehen, ob ihr am Ende immer noch so mutig seid, Bruderschwester", sprach Tashina leise, als sich die Amazone und der Boronsdiener von ihrem Tisch zurückzogen.


Falk und seine Gefährten konnten nun einen hitzigen Disput an der Tafel der anderen Gruppe beobachten. Er endete damit, dass Simian und Dimeloé sich an einen anderen freien Tisch setzten. Neugierig trat Aldare erneut an den Krieger und seine Firnelfenfreundin heran, Falk folgte ihr.

"Ihr habt eine Entscheidung getroffen, Schwertbruder?"

"Das habe ich, Schwertschwester Aldare, und es ist mir nicht leicht gefallen", antwortete Simian.

"Und?"

"Dimeloé und ich gehen nach Baliho zurück. Praioslieb wird ihre Suche ohne uns fortsetzten."

"Also ist sie nicht bereit, dem Toten die Klinge zu überlassen?", fragte der Hexer.

"Nein, das ist sie nicht. Sie glaubt euren Erzählungen kein Wort."

"Was ist mit ihren anderen Mitstreitern?", wollte Aldare wissen.

"Tarmolin ist mein Freund, ich denke, er wird sich Dimeloé und mir anschließen. Rondrian und Tashina stehen allerdings auf Praiosliebs Seite."

"Dann werden wir sie also notfalls bekämpfen müssen", fluchte die Amazone.

"Nicht, wenn ihr die Wirbelklinge als erstes in eure Gewalt bringen könnt. Sie sind euch unterlegen und müssen dreimal überlegen, ob sie euch angreifen", wusste der Krieger.

"Doch wie können wir die Waffe finden?"

"Wir verfolgen seit einer Weile einen maraskanischen Krieger. Wir hatten Hinweise erhalten, dass dieser die Wirbelklinge nach Maraskan zurückbringen will, doch vermutlich sind diese nicht richtig", erklärte Simian.

"Warum denkt ihr, dass sie falsch sind?", erkundigte sich Falk.

"Ganz einfach. Jemand, der die Waffe nach Maraskan bringen will, macht sich auch schnellstmöglich dorthin davon. Doch dieser hier hat nichts Besseres zu tun, als die Bauernkäffer Ostweidens abzuklappern."

"Da kommen unsere Informationen ins Spiel", warf Aldare ein.

"Da bin ich aber mal gespannt", sagte Simian.

"Die Meierin der Grafschaft Espen hat anscheinend eine hohe Summe auf die Wirbelklinge ausgesetzt."

"Ist das so? Dann will der Reisfresser wahrscheinlich das Gold einstreichen. Das macht ihn natürlich noch unehrenhafter als er von vornherein schon war. Es sollte euch also keine Bauchschmerzen bereiten, seinem schändlichen Treiben ein Ende zu setzten!", meinte Simian.

"Das tut es nicht. Aber sagt, wollt ihr nicht für diese Sache gemeinsam mit uns kämpfen?", fragte die Amazone.

"Danke für das nett gemeinte Angebot, doch ist dies jetzt euer Kampf. Nutzt euren Vorsprung an Informationen weise und holt den Maraskaner ein! Ich werde in Baliho den Ausgang des Geschehens abwarten."

"Wohlan, Simian, da kann man wohl nichts machen. Aber ich danke euch für eure Hilfe und wünsche euch eine gute Rückreise!"

"Danke, Schwertschwester Aldare! Rondra möge euch auf euren Wegen leiten!", verabschiedete Simian die Amazone.

Das Madamal stand bereits hoch am Himmel, als sich die Jäger nach der Wirbelklinge in ihren Schlafgemächern in der Herberge ‚Haus Altnorden’ einfanden. Das betraf sowohl Simians als auch Aldares Gruppe. Nun, da offensichtlich war, dass zumindest Praioslieb von Albenhus und ihre Vasallen gegen die borongefälligen Recken des Drachwill Schoberbrück in die Schlacht zogen, musste natürlich von Aldares Seite eine Aktion in deren Richtung erfolgen. Man konnte sich nicht darauf verlassen, dass die Hesindianer sich ausschließlich auf rondrianische Mittel im Wettkampf um die Wirbelklinge verließen. Darum wollte man sie im Auge behalten und darauf achten, dass man ihnen immer einen Schritt voraus war, um eine bewaffnete Auseinandersetzung zu verhindern. Solange beide Interessengruppen an ein und demselben Ort operierten, rechneten beide mit gegenseitigen Sabotageaktionen. Das Aufstellen von Wachen inmitten menschlicher Zivilisation war somit unumgänglich. Drachwills Verband bezog einen Schlafsaal mit der kompletten Mannschaft und beschloss, den Stall mit der Kutsche und ihren Pferden unter Beobachtung zu halten, denn durch ihre Tiere waren sie besonders verwundbar.

So fand sich Sal als erster in seinem nächtlichen Aussichtsposten ein. Von dort aus konnte er ab und an Tavernengäste und Nachtschwärmer beobachten, von ihnen näherte sich jedoch niemand dem Stall und als es später und damit ruhiger wurde, begann er langsam einzunicken. Die harte Fensterbank konnte einen viel gewohnten Söldner von einem guten Schläfchen nicht abhalten. Nach ein paar Stunden schlug er etwas benebelt wieder die Augen auf. Instinktiv griff er nach seinem Wasserschlauch, den er mit Wein verlängert hatte, um sich den ranzigen Geschmack aus seinem Mund wegzuspülen. "Bei Heshthot dem Schwarzen, schon so spät?", dachte er, als er bemerkte, dass er für Aldare bereits mitgewacht hatte. Wütend verpasste er dem Boronsdiener einen Tritt, auf dass dieser wenigstens seine Schicht übernahm, danach torkelte er zurück zum Fenster.

"Du Haderlump", fluchte Beorn aus dem Hintergrund, als der Söldner sich weit aus dem Fenster lehnte um die frische, jedoch schneidend kalte Nachtluft zu schnuppern. "Das gibt’s doch nicht", entfuhr es ihm leise, als er die Gestalt erblickte, die sich geschwind dem Stall näherte und lautlos in ihm verschwand. "Kaum ist man mal kurz weg, schon kommen die Ratten aus ihren Löchern", meinte Sal zu dem gerade aufgestandenen Beorn und hielt ihm seine Armbrust hin.


"Meinst du nicht, dass wir den anderen bescheid sagen sollten?", fragte der Boronsdiener.

"Jetzt komm schon, Beorn, den einen können wir problemlos zur Strecke bringen. Ich weiß gar nicht was du hast? Bist doch sonst kein Kind von Traurigkeit."

"Ja, ja, schon gut. Wir werden uns den Bastard vornehmen", sagte Beorn und sperrte das Stalltor auf.

"Dunkel wie im Bärenarsch", stellte Sal fest.

"Moment, ich entzünde eine Fackel."

Beorn holte sein Zunderkästchen und eine Fackel aus seinem Rucksack und begann sie anzuzünden. Sal betrat derweil den Pferdestall. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen, die Armbrust im Anschlag. Einige der Tiere wurden unruhig, doch der Söldner konnte nicht sagen, aus welchem Grund. Vielleicht seinetwegen? Vielleicht auch wegen des fremden Eindringlings?

Dann begann die Fackel des Boronsdieners die Stallung zu erleuchten. Sofort blickte Sal in die smaragdgrünen Augen von Tarmolin Säuselwind, der in ein paar Schritt Entfernung von ihm stand. Er hatte seinen Bogen im Anschlag und zielte direkt auf Sals Herz. Die Armbrust würde er nicht schnell genug herumreißen können und Beorn hatte sowieso nur Nahkampfwaffen. "Mist", brachte der Söldner als einziges Wort heraus.

Doch der Waldelf ließ überraschend seinen Bogen sinken.

"Was machst du hier, Elf?", fragte Beorn.

"Ich bin hier in Frieden, doch frage ich mich, seid ihr es auch?"

"Wir wollten sehen, wer sich nachts zu unseren Pferden schleicht", sagte der Boronsdiener.

"Ja, wir befürchten, dass du ihnen etwas antust", provozierte Sal den Elfen.

"Das sagst du mir, Mensch? Ihr nehmt diese wundervollen Geschöpfe gefangen und reitet auf ihren Rücken, wo sie doch lieber in Freiheit leben. Nein, Menschenkrieger, ich könnte diesen Tieren nichts antun und ich könnte sie auch nicht versklaven, dann stünde ich dort, wo ich niemals hin wollte. Auf der Stufe eines von euch Rosenohren", erzählte Tarmolin.

"Vorsicht Elf, du stehst hier alleine gegen uns zwei!", warnte der Söldner.

"Meinst du ich fürchte mich vor euch zwei… Kindern, die nach Mächten streben, die sie nicht verstehen?"

"Hüte deine Zunge, Spitzohr!", drohte nun auch Beorn.

"Ich werde nichts mehr sagen, wenn ihr mich in Ruhe lasst und eure Waffen einsteckt", erklärte Tarmolin. Es war den beiden Helden ein unerträgliches Ärgernis, wie ruhig der Waldelf bei diesem Streitgespräch blieb. Trotzdem steckten sie ihre Waffen ein.

"Aber wir wissen noch nicht, was du hier suchst", stellte Sal fest.

"Ich verabschiede mich von meinen Freunden."

"Ja klar, von deinen Freunden, den Pferden", frotzelte der Söldner.

"Ist das für euch Menschen ein Problem, Tiere als gleichwertiges Leben zu akzeptieren?"

Während Sal nur verdattert dreinblickte, winkte der Boronsdiener ab.

"Nein, nein. Das ist schon in Ordnung was du da machst!", meinte er und zog Sal am Arm aus dem Stall. "Wir werden nicht weiter stören."

Kopfschüttelnd ließen die beiden den Elfen und ihre Pferde zurück.

"Merkwürdiges Völkchen, diese Elfen", meinte Sal und zeigte einen Vogel. Beorn nickte zustimmend.


Schon früh am nächsten Morgen sahen die Heroen, wie Tarmolin Säuselwind die Ortschaft Altnorden Richtung Norden in die Wildnis verließ. Nach dem Frühstück brachen Simian und Dimeloé auf der Straße gen Westen auf, sie reisten also zurück nach Baliho. Damit standen Drachwills Recken nur noch Praioslieb, Rondrian und Tashina gegenüber.

Man wartete den ganzen Vormittag, um zu sehen, wohin ihre letzten drei Gegenüber sich schlugen. Doch diese machten gar keine Anstalten weiterzureisen. Es schien so, als wollten sie die andere Gruppe durch ihre Ruhe und ihre Untätigkeit verspotten.

Da die Zeit drängte, wurde beschlossen, nach Osten Richtung Espen aufzubrechen. Beorn hatte einen Plan entwickelt, um ihre potentiellen Verfolger zu narren, dazu sollte Legolant kurz nach Verlassen des Ortes aus der Kutsche springen und sich verstecken. Danach sollte er sich vorsichtig dem Dorf nähern, um die Herberge ihrer Widersacher im Auge zu behalten. Man rechnete damit, dass diese irgendetwas taten, sobald sie sich allein wähnten. Sal sollte eine Stunde später auf Schleichwegen zurückreiten, um sich von dem Schelm Bericht erstatten zu lassen.


Die Stunde verging langsam und brachte nicht die geringsten Erkenntnisse. Es hatte den Anschein, als wollten die drei den Rest ihres Lebens in Altnorden fristen.

Als Sal zurückkam, gab sich der Schelm enttäuscht aus seinem Versteck zu erkennen: "Heda, Sal, komm hier rüber!"

"Schrei nicht so laut, wir sind hier nicht auf dem Balihoer Viehmarkt!"

"Ist doch sowieso alles egal, die anderen haben sich nicht aus dem Gasthof raus bewegt."

"Ich sage dir, wann etwas egal ist!", lärmte Sal.

"Ich dachte, wir sollen leise…"

"Ach, zum Namenlosen damit. Die blöden Pläne unseres Möchtegernboronspfaffen stehen mir bis hier, wenn das so weitergeht, krieg ich noch was an mich."

"Sal, ist alles in Ordnung?"

"Verdammte, dreimal verfluchte Mistkerle!"

"Sal?"

"Äh, ja, alles bestens. So, und jetzt steig aufs Pferd, wir müssen rasch weiter!"

"Du weißt doch, dass ich nicht reite", erklärte der Schelm.

"Jetzt heul nicht rum und steig auf den Zossen! Männer haben keine Angst vor Pferden."

"Ich steige nicht auf dein bösartiges Pferdemistvieh, ich laufe", meinte Legolant stur.

"Oh nein, ich lass mir die Wirbelklinge nicht entgehen, nur weil du dich wie ein kleines Mädchen benimmst", donnerte der Söldner.

"Was willst du denn tun? Ich verzaubere dich, wenn…"

"Vorsicht, der irre Elfenbogenschütze", unterbrach Sal den Schelm und warf sich zu Boden.

Legolant tat es ihm gleich.

"Dieser Unhold, wo steht er?", fragte der Schelm, und im selben Moment schlug ihm Sal einen abgebrochenen Ast mit solcher Wucht auf den Kopf, dass er zerbrach.

Legolant schwanden die Sinne.


Szene 38 Espen (Erkenntnisse)

Ein Hammerschlag dröhnte durch den Kopf des Schelmes, so dass dieser leidend murrte. Irgendetwas rauschte hier. Ein Augenblick verging, und der Schmerz begann sich auf ein ertragbares Niveau einzupendeln.

"Bumm", erneut schlug ihm etwas auf das Innere seines Hauptes. Es kam ihm vor, als sei alles um ihn herum in Bewegung. Legolant war wie ein einzelner Zahn in dem Uhrwerk in der Werkstatt eines Feinmechanikus. In regelmäßigen Abständen schlug der Zahn eines anderen Rades gegen seinen Kopf, wenn die beiden Zahnräder ineinander griffen. Die Qualen kamen periodisch, so dass er sich schon kurz vorher auf die Lippen biss.

Dann schlug er die Augen auf. Er lag im Inneren ihrer Reisekutsche. Irgendetwas rauschte hier. Sein Kopf tat von dem Schlag, den er abbekommen hatte, heftig weh. Eines der Kutschenräder hatte eine Unwucht und verursachte so wiederkehrend die Schwingungen, die Legolants Kopfschmerzen verstärkten. Er musste hier raus.

Benommen tastete er sich zum Fenster der Kutsche und spähte hinaus. Er erkannte Falk und Ilkarion im abendlichen Dämmerlicht. Nichts deutete auf ein ungewöhnliches Verhalten ihrerseits hin.

"Falk! Ilkarion! Was ist geschehen?", rief der Schelm aus der Kutsche.

Der Graumagier lachte: "Sal musste dich niederstrecken, sonst hätte er dich zurücklassen müssen."

"Dieser grobe Klotz. Alles wegen dieser blöden Pferde. Warum können wir keine anderen Reittiere benutzen?"

"Du hättest ja Tarmolin fragen können, ob er dir einen Elch fängt!", witzelte Ilkarion.

Der Hexer lachte daraufhin lautstark los. Von hinter der Kutsche war die lärmende Lache Sals zu hören.

"Irgendetwas rauscht hier, ist das mein Kopf?", fragte Legolant in die Runde.

Falk hörte auf zu lachen, um dann einen Atemzug später wieder loszulachen.

"Du hörst das Rauschen des Rotwasser", erklärte Ilkarion ruhig.

"Es wird dunkel", stellte der Schelm fest.

"Wir sind in zehn Minuten in Espen. Burg Eichenbach liegt noch etwas weiter östlich. Das packen wir heute nicht mehr. Wir suchen uns daher eine Bleibe und warten bis morgen. Ich denke, das ist dir recht, so strapaziert wie du aussiehst."

"Danke Ilkarion. Hauptsache, das Zimmer, in dem wir schlafen, wackelt nicht hin und her."

Falk wischte sich eine Freudenträne aus dem Auge und meinte: "Nein, ich denke, es wird sich gerade noch beherrschen können."

Diesmal musste Ilkarion lachen.


Das Licht des Tages verlosch immer mehr, als die sechs Freunde und ihr treuer Fuhrmann das 600-Seelen-Dorf Espen erreichten. Wie üblich bei der Ankunft einer berittenen Abenteurergruppe scharten sich kleine Gruppen von neugierigen Dörflern um die Ankömmlinge. Die meisten wandten sich jedoch schnell wieder ab, um miteinander zu tuscheln. Unter den ganzen Dorfbewohnern bemerkte Falk jedoch eine Gestalt, die ihm viel interessanter vorkam als alle Einwohner des Ortes zusammen. Sie hatten dieses Wesen schon einmal gesehen. Doch damals in Baliho war es ihnen entgekommen. Falk riss die Zügel seines Pferdes herum und preschte auf den Katzenmenschen zu, der zwischen zwei Fachwerkhäusern lauerte. Sofort setzte sich das Wesen in Bewegung. Sein Ziel war es, hinter dem rechten Haus in Deckung zu gehen oder einfach nur aus dem Sichtfeld der Helden zu verschwinden.

"Los, setzt ihm nach!", riet der Hexer seinen teilweise sichtlich verwirrten Begleitern und verschwand zwischen den beiden Häusern. Beorn reagierte als erster und war unmittelbar hinter ihm. Sal und Aldare versuchten dem Katzenartigen den Weg abzuschneiden.

Wie ein geölter Blitz schoss der Hexer um die Häuserecke, doch der Gejagte war nicht mehr zu sehen. Wenig später war Beorn bei ihm, und im selben Moment trafen der Söldner und die Amazone einträchtig nebeneinander reitend ein.

"Verdammt, er muss im Haus sein", entfuhr es Sal.

In diesem Augenblick sprang das Wesen schon wieder auf der anderen Häuserseite vom Dach und spurtete auf die Kutsche zu, in der Legolant und Morena saßen. "Bei Praios, was ist das für ein Geschöpf?", platzte es aus Dingel heraus.

Nur Ilkarion versperrte der Bestie jetzt noch den Weg. "Wir sind nicht deine Feinde", rief er. Doch der wilde Mann tauchte in einer geschmeidigen Bewegung unter dem Tobimora Falben des Magiers hindurch und stand nun vor der Kutsche. Während Legolant ihn ungläubig musterte, ergriff das Wesen Morena und nahm sie auf den Arm. Mittlerweile trafen nach und nach die anderen Heroen an der Kutsche ein.

"Er hat Morena", schrie der Schelm.

"Nehmt sie ihm weg!", flehte der Hexer.

"Nein, tu ihm nichts! Das ist Baltrir, er ist ein Freund", hörte Falk die Stimme seines Hexentiers.

"Den kauf ich mir", meinte der Söldner und zog sein Schwert zu anderthalb Händen.

"Warte!"

"Warum? Eben hast du noch gesagt, wir sollen ihm die Katze wegnehmen."

"Ich glaube, er ist uns freundlich gesonnen", meinte Falk.

"Wie können wir das wissen?", fragte Aldare.

"Ich bin Baltrir, bin kein Gefahr für euch. Helfen ich Morena tue", sprach das Wesen. Nun konnten die Gefährten den Katzenmenschen endlich einmal genauer betrachten. Von weitem erschien er wie ein gewöhnlicher Mann. Doch bei näherer Betrachtung war er übermäßig mit schwarzer Körperbehaarung bedeckt. Jetzt erst erkannten sie, dass der Mann unter seinen langen schwarzen Haaren die Ohren einer Katze hatte. Auch glich sein kurzer Bart eher den Schnurrbarthaaren eines Kätzchens, ganz zu schweigen von den animalisch geformten Wangenknochen.

"Was seid ihr?", wollte der Boronsdiener nun wissen.

"Betrachtet mich als einen Feenfreund, einen Katzenmann, einen wandelbaren Biestinger!", sagte Baltrir.

"Höchst interessant, doch seid ihr dadurch mitnichten ungefährlich", entgegnete Ilkarion.

"Ich bin Baltrir, bin kein Gefahr für euch."

"Das sagtest du bereits. Warum willst du Morena helfen?", fragte der Hexer.

"Ich Morena helfen, ich euch helfen", sagte Baltrir.

"Wenn ihr uns helfen wolltet, dann müsstet ihr uns schon die Wirbelklinge suchen!", scherzte Aldare.

"Den Ort der Wirbelklinge ich nicht kenne. Doch weiß ich, wo sie zu finden."

"Na das soll mal einer verstehen", grübelte Sal.

"Wie meint ihr das?", wunderte sich auch der Magier.

"Die Waffe hat ein großer schwarzer Mann und eine grüne Frau."

"Der Maraskaner! Und eine grüne Frau", erkannte Beorn.

"Hast du die beiden gesehen?", fragte Falk.

"Ja, das habe ich. Abseits von Häusern sie wandeln", erklärte der Biestinger.

"Wäre es möglich, dass du uns zu ihnen führst?"

"Ja Falk, das kann ich tun. Doch werde ich alleine suchen müssen, ihr würdet von ihnen schnell entdeckt werden."

"Woher weißt du meinen Namen?"

"Baltrir weiß Vieles. Im Morgengrauen komme ich zurück", verabschiedete sich das Feenwesen und lief eiligst aus der Ortschaft heraus. Als Baltrir kaum noch in Sichtweite der Helden war, begab er sich auf alle Viere, um noch schneller entschwinden zu können.

"Die Anzahl der außergewöhnlichen Ereignisse steigt in einem Maße, wie es uns nur sehr unlieb sein kann", bemerkte Ilkarion.

"Ich würde es so ausdrücken: es riecht nach Ärger", sagte Sal.

"Das tut es."

"Denkt ihr, dass wir dem Biestinger trauen können?", fragte Legolant.

"Unter diesen Umständen würde ich nicht einmal meiner eigenen Mutter trauen. Nun ja, das würde ich auch unter anderen Umständen nicht, aber was bleibt uns anderes übrig?", erkundigte sich Sal.

"Das weiß nur die Herrin Hesinde", meinte Ilkarion.

In Espen war noch weniger los als in Altnorden. Zwischen den Häusern war gerade mal eine kleine Herberge zu finden, die nur einen einzigen Raum mit drei Betten zur Verfügung stellen konnte. Die übrigen Vier mussten mit einer Scheune vorlieb nehmen. Diese Unglücklichen waren Sal, Dingel, Beorn und Legolant. Das einzig einigermaßen Interessante an Espen waren der Tempel der Peraine und ein Rahjaschrein.

Nachdem die Pferde versorgt worden waren, fand man sich noch zu einem gemeinsamen Plausch im Schankraum der Herberge ‚Zauberhaftes Espen’ ein.

Es war schon später am Abend, als man von draußen leises Hufgetrappel hörte. Die Neugierde trieb einige der Gefährten an die Fenster, wer da noch so spät des Nachtens anreiste.

"Ja das hat mir zu meinem Glück noch gefehlt. Balihoer Stadtgardisten", fluchte Sal, als er die beiden Dragoner auf den Gasthof zukommen sah. Einer der beiden band ihre Pferde vor der Herberge an, während der andere in den Schankraum trat. Als nach einer Weile beide, von ihrer Reise erschöpft, an der Theke saßen, wagte der Boronsdiener den Versuch eines Gesprächs.

"Boron zum Gruß, tapfere Recken! Sagt an, was treibt euch Städter denn soweit ins Niemandsland?"

"Wir sind hier in der Ausübung unserer Pflichten", sagte der Eine.

"Ja, wir suchen 'nen Mörder", erklärte der Andere.

"Potzblitz, das ist fürwahr ein starkes Stück. Wie oft hat dieser Bastard denn schon zugeschlagen?"

"Zweimal. Hat einen Viehtreiber und einen reichen Gemischtwarenhändler in Baliho auf dem Gewissen."

"Nein, das ist ja schrecklich", verstellte sich Beorn. Er plauderte noch eine Weile mit den Gardisten über dies und das, um danach seinen Gefährten zu berichten, dass ihnen Weibelin Ëarissa Schönacker wieder einmal auf den Fersen war.


Sie wollten gerade die abendliche Runde auflösen und zu Bett gehen, als sie das Wiehern mehrerer Pferde aus dem Stall des Gasthofes hörten. Sofort war jedem der Anwesenden klar, was das zu bedeuten hatte. Die Gefährten rannten in Windeseile hinaus ins Freie, doch es war schon zu spät. Ein Unbekannter hatte die Pferde aus dem Stall gelassen und sie so erschreckt, dass sie geschlossen auf der Hauptstraße rahjawärts davonpreschten. Sal heulte vor Wut, als er in den Stall trat: "Diese Halunken haben kein Pferd dagelassen, nicht eines."

"Doch seht", zeigte Falk auf die beiden Rösser der Balihoer Gardisten.

Geistesgegenwärtig rannte Beorn zu den Waffenkundigen herüber und rief: "Bitte leiht mir eines eurer Pferde, ich habe in früheren Zeiten als Zureiter gearbeitet! Bei meiner Ehre, ich werde es heil zurückbringen."

"Nun gut, aber ich werde mit euch reiten", meinte der eine.

"Habt Dank, werter Dragoner!"

Der Boronsdiener saß auf den ihm zugewiesenen Kaltblüter auf und sprengte der flüchtenden Herde hinterher. Der Gardist wendete sein Reittier in eine seitliche Richtung, offensichtlich wollte er ihnen den Weg abschneiden.

Beorns Pferd schob sich wie bei einem Wettrennen Position um Position nach vorn, doch er kam nicht schnell genug voran. Noch vielleicht 15 oder 20 Herzschläge, dann wäre das Ortsende erreicht und die Tiere könnten in alle Richtungen ausschwärmen. Im allerletzten Augenblick sprang der Dragoner mit seinem Gaul über den Zaun eines Gärtchens, das schräg vor dem vordersten Pferd lag und versperrte somit diesen Fluchtweg. Instinktiv machte das vordere Tier, das dem Hexer gehörte, eine Drehung und galoppierte in eine Seitenstraße hinein. Die anderen Pferde taten es ihm gleich. Nur Aldares Schlachtross behielt seine Laufrichtung bei.

Rahja sei Dank endete die Gasse vor einem Hof, so dass die aufgebrachten Pferde von einem Moment zum anderen in einer Traube zusammenhingen und nicht weiter davonlaufen konnten. Beorn stieg nun ab und beruhigte die Tiere. Eine Minute später traf der Dragoner mit Aldares Ross im Schlepptau ein.


Sie hatten den Diebstahl ihrer Pferde verhindern können. Die Stadtgarde erwies sich dieses Mal als bodenständiger Verbündeter. Leider war der Verursacher der Tragödie nicht aufzufinden, das Schlimmste aber war abgewendet. Doch konnte die Freude über die vereitelte Sabotageaktion die Gefährten nicht darüber hinwegtrösten, dass ihre Feinde anscheinend fast überall und zu jeder Zeit unbemerkt zuschlagen konnten.



Szene 39 Espen (Die Ruhe vor dem Sturm)

Das lang gezogene Quieken einer Ratte ließ Ilkarion aufmerken. Verschlafen blickte er in die gelben Tieraugen von Baltrir. Rondra sei Dank war der Biestinger nicht ihr Feind, denn weder der Hexer, noch die Amazone hatten das Wesen beim Betreten ihrer Herbergsstube bemerkt. Den Lichtverhältnissen nach musste es kurz vor dem Morgengrauen sein. Der Magier rieb sich die Augen und flüsterte dann: "Was habt ihr uns zu dieser frühen Stunde zu berichten? Und vor allem, nehmt die Ratte hier weg!"

"Für mich es nicht früh ist, ich liebe die Finsternis. Ratte gutes Essen"

"Aha, das dachte ich mir, doch sagt mir nun, was ihr herausgefunden habt!"

"Was bei der heiligen Leuin ist hier los?", wurde Aldare wach.

"Sshht, Aldare! Es ist nur Baltrir. Er bringt neue Erkenntnisse", erklärte der Graumagier.

"Ja, ich die Spur des großen Schwarzen und der Grünen gefunden habe", sagte Baltrir.

"Los, sag schon! Wo führen sie hin?", fragte die Amazone laut, so dass jetzt auch der Hexer wach wurde.

"Führen zum großen Steinzelt außerhalb von diese Ort."

"Stein… Zelt?", erfragte Aldare.

"Wahrscheinlich Burg Eichenbach", vermutete Ilkarion.

"So ist es."

"Wie lange brauchen sie noch?", wollte Falk wissen.

"Ich nicht sagen kann. Sie reiten abseits der Menschen, wollen nicht gesehen werden. Doch wer das Steinzelt betritt, man schon von weitem sieht", meinte der Biestinger.

"Sie haben also Pferde. Dann müssen wir uns möglichst bald aufmachen", sagte Aldare.

"Nur ein Pferd", sagte Baltrir.

"Was willst du mit der Ratte?", fragte Falk.

"Ah pfui, packt endlich dieses Viech hier weg!", forderte der Magier.

"Baltrir jetzt gehen, ihr euch der Gefahr alleine stellen müsst", meinte das Wesen und schickte sich an den Schlafraum durch das Fenster zu verlassen.

"Warte wir könnten deine Hilfe geb…", setzte Falk an.

"…euer Kampf", unterbrach ihn Baltrir und stieg aus dem Fenster.

"Wenigstens hat er das Rattenvieh mitgenommen", stellte Ilkarion zufrieden fest.


Burg Eichenbach lag auf einem Hügel über einer Talschleife. Die an drei Seiten vom Rotwasser umflossene Höhe wies keilförmig von der rahjawärts gelegenen Basis mit der Spitze nach Nordwesten, wo sie zu einem Flussknie hin abfiel. Ein Vogel hätte erkennen können, dass die Festung auf einem ovalen Grundriss lag. Der Weg, der zum Haupteingang führte, verlief vom Tal her kommend auf der Nordwestseite durch einen in den Fels gehauenen Hohlweg, dann über eine Felsterrasse durch ein doppeltmannshohes Tor auf eine dreibogige, gepflasterte Brücke. Rechts unterhalb dieser Brücke befand sich eine bepflanzte Grünfläche, ein geschützt gelegener Teil des Burggrabens, der nach Aldares Vermutung als Weide und Viehkoppel, aber auch als Nutzgarten dienen könnte. Auf der linken Seite der Brücke konnten die Heroen zur Oberburg und zu einer dreifach gestaffelten Vorbefestigung hinaufschauen. Zur Oberburg führte als steilste, aber kürzeste Verbindung eine Felstreppe empor. Für die Amazone, die selber auf einer Festung aufgewachsen war, war dies alles eine Augenweide.

Wenige Schritt neben der Treppe folgte ein mit Flusskieseln gepflasterter Weg, der an einem großen Burgbrunnen vorbei über den oberen Burggraben führte. Der Hauptweg führte weiter zu einem prächtigen Torbau. Kurz vor diesem Tor mündete ein steiler, auf der südlichen Hangseite vom Tal hinaufführender zweiter Weg auf den Hauptweg ein. Dieser Weg war dort, wo der Untergrund nicht felsig war, mit gestrecktem Schiefer förderlich befestigt. Diese hangseitig gelegene Route war für Reiter gedacht, also mussten die Gesuchten hier entlang. Vorsichtshalber blockierten die Gefährten aber alle Anreisewege zu der Burg, man konnte ja nie wissen. Doch gingen sie dabei auch in Deckung, sonst würden die Gejagten möglicherweise vorzeitig das Weite suchen.

Jedoch würde keiner die Festung unbemerkt betreten oder verlassen, da waren sie sich sicher.


Sie warteten also auf die Diebe der Wirbelklinge, und obwohl die Sonne schon hoch am Himmel stand, tat sich nichts.

"Vielleicht haben sie sich’s anders überlegt?", grübelte Legolant.

"Vielleicht hat uns unser tierischer Informant auch gefoppt?", meinte Sal.

"Das kann ich nicht glauben, was hätte er davon?", warf Aldare ein.

"Vielleicht sind sie auch schon eingetroffen, bevor wir uns hier positioniert haben?", überlegte Ilkarion.

"Alles nur Mutmaßungen", winkte Aldare ab.

"Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden", meinte der Magier.

"Und die wäre?", fragte die Amazone.

"Ich gehe rein."

"Ha, und wenn du drin bist, was dann?", rief Sal aus.

"Dann werde ich mich umschauen und euch Bericht erstatten", entgegnete der Magier.

"Warum willst ausgerechnet du um Einlass bitten?", fragte Aldare.

"Einem einzelnen Mann von Stand wird man Durchlass gewähren ohne unangenehme Fragen zu stellen", Ilkarion warf sich in die Brust.

"Wo er recht hat, hat er recht", stellte Sal fest.

"Ich werde herausfinden, was dort vor sich geht und gegebenenfalls gottgefällig intervenieren."

"Inven, was? Ach egal, geh rein und gib dein Bestes! Wenn du innerhalb einer Stunde nicht rauskommst, stürmen wir das Ding", meinte Sal euphorisch.

"Ich wusste, dass er das sagen würde", sagte Dingel zu Legolant.


Der Graumagier blickte auf das Guckloch des Haupttores. Es war schon einige Augenblicke her, dass er zum Einlass gepocht hatte. Doch nun meinte er ein leises Schlurfen hinter den alten Mauern von Burg Eichenbach wahrzunehmen. Sein Gehör trog ihn nicht. Es war kaum ein Wimperschlag vergangen, als ein Paar braune, von Falten umrandete Augen aus dem Sehschlitz des Eingangstores blickten.

"Praios zum Gruß! Wer seid ihr und was ist euer Begehr, Reisender?", fragte der Burgbewohner.

"Mein Name ist Adeptus minor extraordinarius Ilkarion Hesindian Twillen von der Schule des direkten Weges zu Gerasim. Ich bitte um die Gewährung von Unterkunft auf meiner Forschungsreise durch die Weidener Lande!"

Nach diesen Worten war es eine Weile still, dann meinte der Burgbewohner: "Wir bekommen normalerweise selten Besuch und schon gar nicht zur Winterszeit, doch darf man einem gelehrten Herrn solch einen Wunsch nicht abschlagen. Also seid willkommen in Travias Namen!"

"Habt Dank!", sagte Ilkarion nur, als das schwere Eingangstor auch schon geöffnet wurde.

Der Magier betrat als erster von Drachwills Recken Burg Eichenbach. Freundlich nickte er dem alten Diener zu, der ihm Einlass gewährt hatte. Der Mann ging etwas gebeugt, was bei seiner beachtlichen Körpergröße allerdings nicht weiter ins Gewicht fiel. Er hatte einen grauen Pagenschnitt und einen Dreitagebart. Gekleidet war er in einen dunkelgrünen Wollmantel, unter dem man eine dunkelgraue Leinenhose und ein weißes Rüschenhemd erkennen konnte.

"Ich werde euch in euer Zimmer geleiten und danach Meierin von Eichenbach um eine Audienz für euch bitten", erklärte der Diener Ilkarion.

"Gut, ich werde der Meierin dann sofort meine Aufwartung machen, sofern sie nicht indisponiert ist."

Der alte Diener führte den Graumagier durch den imposanten Wehrbau. Ilkarion ging mit seinem Führer an einer Burgkapelle vorbei, die, wie er vermutete, dem Gott der Sonne geweiht war. Der Weg teilte sich hier in einen Pfad rechts hinunter zur Unterburg, und einen geradeaus durch eine Pforte zum Inneren der Festung. Davor stießen sie links auf einen kleinen Stall, der zwei Türflügel und gepflasterte Zugänge aufwies. Kurz bevor der Magier wieder einen überdachten Teil von Burg Eichenbach betrat, blickte er noch neugierig über die Brüstung der Burg. Ein paar Schritt unter ihm führte ein Weg mit breiten Felsstufen über eine Felsrampe. Etwas weiter entfernt meinte er die Rüstung des Boronsdieners hinter einem immergrünen Busch aufblitzen zu sehen, neben diesem musste irgendwo der Hexer in Stellung gegangen sein.

Dann bewegten sich die beiden auf einem ausladenden Gang durch die erste Burgebene. Ilkarion hatte bisher nur zwei Wachen gezählt, davon war nur eine am Haupttor. Ob er später gegen sie kämpfen musste, wollte er gar nicht wissen. Schließlich wies ihm der Burgbewohner einen Schlafraum zu und bedeutete ihm zu warten, bis die Meierin Zeit für ihn haben würde. Das Zimmer wirkte so schlicht, wie man es bei so einem Bauwerk erwarten konnte. Sein einziger Inhalt waren ein knorriger, großer Eichenschrank, ein Himmelbett mit ein paar dünnen Decken, ein zerzauster orangefarbener Teppich, ein tönerner Nachttopf und einige teilweise angeschlagene Waschschüsseln.

Während der Magier sein Vorgehen überdachte, schwang die Türe auf und eine junge Maid mit einer dicken Federdecke auf dem Arm betrat den Raum. Sie machte einen Knicks und ging wortlos zum Bett. Der Magier wollte hinter dem Zimmermädchen höflich die Tür zumachen, als er einen schwer gerüsteten Mann, offensichtlich ein Maraskaner, im Flur sah.

"Nanu, noch ein Besucher?", sprach der Fremde Ilkarion an.

"In der Tat, Herr Krieger. Ilkarion Hesindian Twillen mein Name. Ich bin ein Adept der magischen Künste und gehöre der großen grauen Gilde des Geistes an, für die auch eure maraskanischen Bruderschwestern arbeiten."

"Das ist eine erfreuliche Nachricht, einen Dualistenfreund zu treffen. Mein Name ist Ibarnjabiel Hariskjatat. Doch sagt mir, was führt einen Magier zu dieser Jahreszeit hier in diese abgelegene Gegend?"

"Ich bin ein Forscher und befasse mich zurzeit mit den konvergenten Translokationen bei verschiedenen Sternenkonstellationen, aber das gleiche könnte ich euch fragen!"

"Ich bin geschäftlich hier", meinte Ibarnjabiel nur.

"Was für Geschäfte betreibt ihr, wenn ich fragen darf?"

"Ich verkaufe Waffen."

"Damit müsst ihr euch bei eurem Stand fürwahr auskennen. Aber sagt an, Herr Hariskjatat! Die Waffe auf euren Rücken, das ist nicht zufällig eines dieser legendären Tuzakmesser?"

"Doch, das ist es, vielleicht sogar das legendärste."

"Soso, dann gehe ich davon aus, dass es sich dabei um die Wirbelklinge handelt", lächelte Ilkarion.

"Na sieh mal einer an, Bruderschwester. Und was habt ihr nun vor?", entgegnete der Krieger.

"Übergebt mir einfach die Waffe, und ich werde euch von meinen arkanen Kräften verschonen!"

"Nur über meinen kalten Leichnam", sagte Ibarnjabiel und zog die Wirbelklinge aus ihrer Scheide, um mit einer flüssigen Bewegung das ungeschützte Haupt des Magiers zu treffen, doch aus dessen Mund kam nur: "MOTORICUS!"

Ein paar Finger vor Ilkarions Gesicht blieb die Waffe des Kriegers in der Luft hängen und so sehr sich Ibarnjabiel auch anstrengte, er konnte sie nicht bewegen.

"Kommt schon, es hat keinen Sinn! Einen Magier könnt ihr mit eurem archaischen Kriegsgerät nicht überwinden."

In dem Moment tippte ihm das Zimmermädchen mit ihrem Zeigefinger auf die Stirn und sprach: "Was du jetzt wirklich brauchst, ist… Fleisch!"

Ilkarions Augen wurden leer und er begann zu grinsen.

"Fleisch", meinte er nur, dann verließ er abrupt den Raum.



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