 |
Aiken's Artifact
|
|
 |
 | Info |
|---|
| Autor | | 2 |
 |   | | 2 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 1.5 |
 |  |  |  |
| Gesamt | | 2 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 2 |
|
| Name: | Aiken's Artifact |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2000/10 |
| Publisher: | Electronic Arts |
| Entwickler: | Monolith |
| Hardware: | 300Mhz, 64MB RAM, 8MB Open-GL, HD 400 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 95/98/ME, DX7 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| Sprache: | Deutsch/Englisch |
| zensiert: | nein |
| USK: | 12 |
|
|
| Aiken's Artifact (review von yak) |
Im Jahr 2028 wurde im Mittleren Osten ein Artefakt gefunden, welches nach eingehender
Analyse der Genforscherin Dr. Joan Aiken benutzt wurde, um ein Serum zu erstellen,
mit welchem die Menschen nach Injektion ungeahnte parapsychologische Fähigkeiten
entwickelten.
Doch irgendwie lief es nicht so, wie geplant, denn alle Versuchspersonen verfielen
nach einiger Zeit dem Wahnsinn.
Dr. Aiken begründete diesen Misserfolg damit, dass die Gehirne eines Erwachsenen
nach der Verabreichung des Serums nicht mehr in der Lage waren, den Anforderungen
entsprechend mitzuwachsen. So beschloss sie, das Serum in-utero zu verabreichen.
Die ersten beiden Probanden nannte sie sehr passend Cain und Abel. Diese hatten
nun ihre mentalen Fähigkeiten besser unter Kontrolle, doch das sollte nicht lange
so bleiben.
Die Gesellschaft splittete sich in zwei Parteien.
Die Psioniker, so nannte man die Menschen mit starken mentalen Fähigkeiten, die
normale Menschen als Abschaum bezeichneten und die Welt regieren wollten und die
Partei, die in Frieden mit allen, auch Nicht-Psionikern, leben wollte. Abel schloss
sich der Bösen Seite an, nachdem er die DNCP, eine Organisation zur Bekämpfung
des Psionikterrorismus, verlassen hatte. Cain blieb jedoch der DNPC treu.
Und hier beginnt das Spiel Aiken's Artifact. Die Story erinnert etwas an die X-Men
Comics und bringt dessen Charme auch angemessen auf den Screen. Ein Kampf gegen
Gut und Böse, mit Superkräften, einer tollen Handlung, stetigen Wendungen und Überraschungen
im Spielverlauf, böse Gegenspieler und eine mysteriöse ungeklärte Vergangenheit
des Protagonisten.
Das Spiel hat alle Komponenten, um einen an den Bildschirm zu fesseln. Ob man
nun wirklich gefesselt wird, soll euch mein Review zeigen.
Realisiert wurde das Spiel von Monolith / EA und nutzt die bereits mehrfach eingesetzte
Lithtech Engine in Versionsnummer 1.5. Diese Version kam auch schon eindrucksvoll
bei Kiss Psycho Circus zum
Einsatz. Der Unterschied ist jedoch, dass die Engine hier erstmals nicht für eine
Egoshootersicht genutzt wurde, sondern in einer Iso-Rollenspielähnlichen-Draufsicht,
was die vielfältige Einsatzmöglichkeit dieser Engine für die unterschiedlichsten
Genres zeigt.
Aiken's Artifact ist damit der Konkurrenz weit voraus und zeigt mit eindrucksvollen
Szenerien, dass man Action-Rollenspiele nicht zwingend mit vorgerenderten Hintergründen
realisieren muss, wie es die Baldur's Gate Reihe und Diablo2 vormachen, sondern
auch komplett mit einer frei dreh- und zoombaren Engine (obwohl man diese im Spiel
höchstens einsetzt, um sich Graphikdetails anzusehen, ansonsten bleibt man aus Übersichtsgründen
meistens in der Totalen).
Auflösungen von 640 bis 1600 werden, leider nur bis 16 Bit Farbtiefe, unterstützt,
wobei es niemals störend aufgefallen ist, dass nur in 16 Bit gerendert wurde. Farbtreppeneffekte
sind nirgends störend aufgefallen. Die Graphik ist abwechslungsreich gestaltet,
niemals langweilig und bringt den Comiccharme, den das Spiel verbreitete, immer
passend auf den Screen. Die Animationen sind gelungen, die Gegner einfallsreich,
skurril und abgedreht, die Waffeneffekte eine Augenweide. Es gibt hier wirklich
nichts zu meckern.
Die Szenerien reichen von Forschungslabors, verfallenen Städten mit brennenden
Mülltonnen inkl. Zombieattacken, einem Hafengebiet, Katakomben, einem alten Landsitz
bis hin zu einer riesigen Fleischfabrik, wo das Finale stattfindet. Genauso abwechslungsreich
sind die Gegner. Da wären normale Sicherheitswachen, Dämonen, Zombies, mutierte
Rinderhälften, Voodoopriester, verrückte Go-go-Girls und vieles mehr. Man kommt
hier mehrfach auf seine Kosten.
Der Ton weiss genauso zu überzeugen. Abwechslungsreiche Musikstücke, die perfekt
zum jeweiligen Szenario passen, die Sprachausgabe ist gelungen (engl. Sprache,
deutsch untertitelt), die Sprecher sind allesamt Profis und mit gekonntem Dialekt.
Cain wird sogar von ICE T gesprochen, der auch im Abspann einen Song beisteuert.
Das vereint sich alles gekonnt mit den guten Soundeffekten. Die Waffengeräusche
und Psionikattacken hauen einem in 4 Kanal Stereo um die Ohren. Auch hier gibt
es nichts zu beanstanden. Einzig die Stimme eines Jungen ist etwas unpassend, zwar
gut eingesprochen, aber leider durch einen Erwachsenen mit verstellter Stimme,
was etwas lächerlich wirkt (die einzige gute Ausnahme ist wohl die deutsche Stimme
von Bart Simpson :-)).
Gesteuert wird vorzugsweise in Kombination mit Tastatur und Maus, was auch ohne
Beanstandung gut und präzise funktioniert. Lobenswert ist auch, dass von Electronic
Arts alle spielerelevanten Graphiken wie Türschilder, Warntafeln usw. eingedeutscht
wurden. Sowas findet man sehr selten und sollte an dieser Stelle positiv erwähnt
werden. Electronic Arts hat dies auch bei System Shock 2 schon realisiert! Eine
Arbeit, die sich sonst viele Publisher sparen.
Wie kann man nun das Gameplay von Aiken's Artifact beschreiben. Es ist ein netter
Genremix aus Rollenspiel, Actiongame, Adventure mit einem Hauch der beliebten Tradingcard-Games
mit linearem Handlungsablauf und dem Charme eines guten Arcadegames. Ihr steuert
euer Alter-Ego durch die unterschiedlichsten Level, gewinnt durch das Besiegen
der Monsterhorden, Endbosskillen und gefundene Secrets zusätzliche Stärkepunkte,
die sich in Lebensenergie und Psionikkraftreserve aufteilen. Man startet das Game
mit minimalen Charaktereigenschaften und einer handelsüblichen Schusswaffe, die
sich jedoch im weiteren Spielverlauf als völlig überflüssig erweist.
Ein Handbuch ist eigentlich überflüssig, weil ein sehr gutes Tutorial fliessend
in die Geschichte eingebaut wurde und zugleich wichtige Storyelemente enthält.
Man beginnt in der DNCP Haupzentrale, wo man zugleich ein paar Psi-Kräfte erhält.
Diese kann man im Testlabor auch direkt ausprobieren. Das Charakterupgrade erfolgt
im Stile von Tradingcardgames. Man erhält eine Eigenschaftskarte, die einen befähigt,
eine bestimmte Psi-Attacke auszuführen. Insgesamt sind im Spiel 80 Fähigkeiten
versteckt, aufgeteilt in 10 Unterrubriken wie z. B. Technologie, Dämonologie, Sonne,
Feuer usw. Man erlangt so die Kontrolle über unterschiedlich starke Beschwörungen,
vom Feuerstrahl, zur Laserattacke bis hin zu Zombiebeschwörungen, die dann tapfer
an eurer Seite Kämpfen. Der Totenbeschwörer aus Diablo2 lässt schön grüssen. Die
Fähigkeitskarten verbrauchen jedoch unterschiedliche Psireserven, je stärker der
Spruch, desto höher der Verbrauch an Psienergie. Jedoch richten die starken Sprüche
auch einen weitaus grösseren Schaden an und nicht alle Gegner sind mit allen Waffen
verwundbar. So sind Dämonen nicht unbedingt mit einem Spruch aus der Dämonologie
zu befriedigen. Hier heisst es ausprobieren und Psienergie sparen, denn neue bekommt
man erst, wenn man Gegner erledigt hat und deren verbliebene Energie aufnimmt oder
man einen "Reservekanister" findet.
Euer Charakter kann nur zeitgleich acht Sprüche verwenden, die er jedoch in Untergruppen
speichern und abrufen kann. Will man auf eine andere Konfiguration zurückgreifen,
benötigt Cain erst eine "Anlernzeit" um die neu eingefügten Sprüche zu lernen.
Das ist ein nicht zu unterschätzender, strategischer Punkt im Spiel, Vorbereitung
macht da viel aus, ansonsten heisst es öfters Fersengeld geben und hoffen, dass
man schnell dazulernt ;).
Die Kämpfe sind wirklich spassig gemacht, Es erinnert mich, nicht nur wegen der
Spielansicht, etwas an das Arcadegame Gauntlet, jedoch ist hier nicht reines Metzeln
gefragt, sondern gezielter und richtiger Einsatz der zur Verfügung stehenden Waffen.
Die Spielbalance ist ausgezeichnet. Kämpfe stehen in einem gesunden Verhältnis
zu den doch oft recht knackigen Adventure- und Puzzleeinlagen. So hat man zwischen
den Schlachten genügend Erholungszeit und kann sich mit einigen Kopfnüssen auseinandersetzten.
Jeder Level hat im Finale einen schönen Endgegner, der jeweils eine bestimmte
Strategie erfordert, um ihn in die Knie zu zwingen. Einfach drauflosballern bringt
da nicht viel, vielmehr muss man sich aufmerksam das Umfeld ansehen und Schwachstellen
ausfindig machen. Die Adventureparts machen es z. B. nötig, Psikräfte wie Telekinese
anzuwenden, eine Kraft zu benutzen, Dinge zu sehen, die vorher im Verborgenen lagen
oder auch Flugkräfte zu aktivieren. Meistens lenkt einen das Spiel bei der Lösung
in die richtige Richtung, bzw. NPC verraten einem wichtige Details. Jedoch wird
nie zuviel verraten und es bleibt trotzdem eine Herausforderung. Es gibt insgesamt
3 Schwierigkeitsgrade, die jedoch nur die Kämpfe erleichtern und nicht die Puzzles.
Hier hätten die Designer auch an zwei Stellen im Spiel bei gewähltem leichtem Schwierigkeitsgrad,
leichtere Logikpuzzles einbauen sollen, denn diese Puzzles waren teilweise recht
schwer (Rubiks Cube lässt grüssen) und für Leute mit wenig Knobelambitionen eine
mittelstarke Motivationsbremse.
Auch gab es in einigen Bereichen etwas unfaire und psi- und lebenstranksarme Abschnitte
(speziell Dr. Aiken's Labor). Hier hätte man einige "Tankstellen" einbauen können.
Ansonsten habe ich selten ein so ausgewogenes und faires Gameplay erlebt.
Einen Kritikpunkt gibt es noch. Die Fähigkeiten lassen sich nicht wie z. B. bei
Diablo ausbauen, was sicher am Hintergrund des Tradingcardsystems liegt. So werden
Fähigkeiten, die man relativ früh im Spiel erhält, später ziemlich nutzlos, da
sie einfach zu schwach sind.
Jedoch wurde nicht an Humor gespart. So gibt es sehr oft witzige Dialoge zwischen
den Protagonisten. Cains Handy schellt immer im ungünstigsten Moment, wir treffen
auf einen ausserirdischen Kopf im Einmachglas, mit hochbritischem Akzent, der sich
beschwert, wenn er, während er auf dem Rücken getragen wird, dadurch das Schönste
nicht sehen kann und seinen Träger auffordert, sich doch bitte einmal umzudrehen.
Auch die Teilnahme an einer TV Quizshow, dessen Einsatz das eigene Leben ist, sorgt
für gesunde Lacheinlagen.
Das Spiel hat dadurch einen ganz aussergewöhnlichen Charme und auch ein Suchtpotenzial,
was einem sagt: "Hey, den einen Level spiel ich auch noch mal an... " und schwupps
ist man wieder beim nächsten angelangt und denkt wie zuvor. Auch die Zwischensequenzen
sind gut erzählt (und überdecken so zumindest die ziemlich langen Levelladezeiten).
Wie in den alten Cliffhangerserien (Zorro/ Batman TV Serie) hört man eine Off-Stimme,
die den weiteren Verlauf erklärt und die unmögliche, schwierige Lage, in der sich
unser Held befindet beschreibt und ob er es auch diesmal wieder schaffen wir, zu
entkommen.
Aiken's Artifact verfügt zusätzlich über einen Multiplayer Deathmatch Modus, den
man aber leider nicht sonderlich empfehlen kann. So findet man kaum Server, auf
denen Aiken's Artifact gespielt wird. Dazu hat der Spielmodus einfach zu wenig
Potential, da helfen auch nicht die zusätzlichen Eigenschaftskarten, die man als
Download erhalten kann und nur im Multiplayerpart nutzen und auch damit handeln
kann. Ein Coop-Story-Mode hätte dem Spiel sicher besser zu Gesicht gestanden, ist
aber sicher bei dem Handlungsablauf mit vielen Adventureeinlagen schlecht zu realisieren.
Abschliessend kann man sagen, dass Aiken's Artifact eine gelungene Genremixtur
ist, die man nur empfehlen kann. 25 Stunden Spielspass sind gewiss und wenn man
einmal den Endboss besiegt hat, darf man auch mit seinen erworbenen Waffen alle
Level nocheinmal direkt anwählen und darin sein Unwesen treiben. Das Spiel wird
in einer DVD Hülle geliefert, das Handbuch ist ausreichend und erklärt alle notwendigen
Funktionen. Es ist wirklich schade, dass ein so schönes Produkt total in der Masse
untergegangen und daher kaum bekannt ist. Ich hoffe mein Review hat euch Lust auf
mehr gemacht und euer Interesse geweckt. So gibt es dafür, auch weil das Programm
bugfrei ist und bisher keinerlei Patche notwendig waren, eine verdiente 2.
Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines bereits
auf der Site 'GUN' veröffentlichten Reviews.
Geschrieben am 22.10.2001, Testkonfiguration: AMD1200, Geforce-3, 512MB Ram, SB Audigy
|