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Anachronox  


Info
Autor 1
 1.5
 1
 2.5
Gesamt (50 votes) 1+
 1.6
 1.8
 2.7
Name:Anachronox
Genre: Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2001/07
Publisher: Eidos
Entwickler: Ion Storm
Links: Planet Anachronox
Hardware: 266Mhz, 64MB RAM, 8MB Open-GL, HD 600 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win 95/98/ME, 2000, DX8
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch/Englisch
zensiert: nein
Patch: 1.2i
USK: 12
Anachronox (review von yak)

Vier Jahre hat es gedauert, bis die Welt von Anachronox den Weg ins Licht fand, gab es noch Zweifler, die dachten, dass das Programm nie fertiggestellt würde und still und heimlich mit den Büros von Ion Storm in Dallas in der Versenkung verschwinden würde, werden nun eines Besseren belehrt.

Gut Ding will Weile haben. Und das es gut ist, wird euch unser Review sicher vermitteln können. Die Story soll nur kurz angerissen werden, da ich nicht vorhabe, diese epische Story für euch zu "spoilern" und es auch viel zu weit gehen würde, die grandiose Geschichte auch nur ansatzweise erklären zu können. Sly Boots, euer Alter Ego, ist ein zurzeit ziemlich erfolgloser, verschuldeter Privatdetektiv in einer Weltraumstadt namens Anachronox. Von seiner Erfolglosigkeit berichtet auch gleich die Introsequenz, in der es "feste auf's Maul" gibt und es nun auch für jeden klar ist:

Euer Held ist kein Held, sondern ein Looser. Sly wird es schnell bewusst, dass er dringend zu Kohle kommen muss, um den eben erlebten Vorfall nicht zur Tagesordnung werden zu lassen. Also muss er sich dringend um einen Job kümmern und damit beginnt die aufregende und mitreissende Story von Anachronox. Wie Boots schon kurz danach feststellen muss, geht es um nichts Geringeres, als um die Rettung des Universums. Ok, wenn's sonst nichts Schlimmeres gibt, ziehen wir mal los und retten kurz das Universum, aber erst nach dem Drink in der Bar versteht sich. Boots ist natürlich kein kompletter Idiot, erstens sieht er gut aus, die Babes lieben ihn für sein cooles Lachen und irgendwie sieht er auch so aus, wie der Schauspieler Brendan Fraser, ja selbst sein Lachen und die Gestik stimmen fast überein, aber das war halt sein Trick und er wusste, dass er damit ankommt. Auch hatte er immer schon eine Begabung für Schlösserknacken, die er sogleich erfolgreich in seinem eigenen Büro anwenden kann, da er mal wieder die Schlüssel nicht finden konnte. Kaum schnappt er sich seine Digicam, da erscheint ihm auch schon seine holographische Sekretärin Fatima, die nach ihrem Tod per digitalem Brainscan ihr Dasein in einem Lifecursor (Neudeutsch für Mauszeiger) fristet und somit zu Boots ständiger Begleitung gehört, die sich auch mit moralischen Vorträgen, aber auch Tipps selten zurückhält. Da in der Ecke steht ja auch noch sein alter Roboter Marke PAL 18, jedoch leider ohne Energieblock und daher nicht einsatzfähig, ok, kommt Zeit, Geld und Energieblock, irgendwann wird Boots schon für den entsprechenden Energiedrink sorgen und wenn er noch ein paar Credits übrig hat, wird er auch sicher noch ein paar alte Module für seine APE-Spielkonsole im Hinterzimmer kaufen können, denn Spass muss ja sein. Anachronox spielt in einem Szenario, das am ehesten mit den Filmen Balderunner und Total Recall vergleichbar ist. Die Stadt ist düster, verkommen und dreckig. Hier herrscht das Gesetz der Strasse und wer überleben will, muss Sly Boots heissen, auf jeden Dialog eine dumme Antwort wissen, die selbst Al Bundy in Verlegenheit bringen würde und immer zweideutig versteht sich.

PAX Soldaten bevölkern die Strasse, Drogendealer und leichte Alien-Mädchen sind auf unsere "harte" Währung aus und dann gibt es noch nebenbei jede Menge Quests zu lösen. Zur zentralen Hauptaufgabe kristallisiert sich jedoch das Geheimnis um das sogenannte MysTech, eine Art Gestein, das unsagbare Kraft verleihen soll, wie wir von unserem ersten der sieben möglichen Begleiter erfahren, dem alten kauzigen Grumpos. Mit ihm beginnt Sly seine Reise durch das Anachronox Universum und wahrlich, es steht eine epische Reise bevor, die uns von den Slums in Anachronox, unterirdischen Alienhöhlen, einem Alien-Hive, alten Tempelanlagen, dem tollsten Vergnügungspark jenseits des Sonnensystems, dem demo-büro-kratischen Planeten Democratus, Eishölen, bis hin zum Ursprung des MysTechs führt. Aber seid gewarnt, es schlägt extrem auf die Lachmuskeln.

Zur Technik: Die Installation lief ohne Probleme. Man sollte aber unbedingt beachten, das Game nicht selbst zu "zensieren". Bei der Installation wir vorher gefragt, ob man die jugendfreie Textversion wünscht oder die, die ich lieben gelernt habe ;). Also schön die Adult-Version wählen, damit einem auch ja nichts Anstössiges entgeht. Buhhhhhhh, werden viele schreien, das nutzt ja Uralttechnologie. Klar können sie schreien, aber dann entgeht ihnen wirklich eine Spieleperle und dann sind sie es auch selbst Schuld, ich will dann nicht hören, "Hey hätten wir gewusst , dass das SOOOOO cool ist, dann hätten wir...." Hätte, Hätte, Hätte, ich kann es bald nicht mehr hören. Keiner sagt, " Hey Bruce Willis ist aber ganz schön alt, seine Gesichtstexturen sind auch nicht mehr so grob gefiltert, wie früher bei Die Hard, man kann ja jetzt Falten sehen.". Wichtig ist doch letztendlich das Gesamtkunstwerk und als solches will ich Anachronox eigentlich auch bezeichnen. Die Technik basiert auf der Quake 2 Engine, die jedoch für das Spiel aussergewöhnlich aufgebohrt wurde. Eigentlich sieht man es nur noch an den etwas groben Texturen und den im Vergleich zu den neueren EgoShootern, polygonärmeren Figuren. Ansonsten haben die Programmierer grossartiges geleistet. Die Locations wirken durch die Modifikation und die gute Levelgestaltung nicht mehr so "innenraumbeschränkt" wie andere Quake2 Produkte. Man kann sich beispielsweise an ein Fenster der Raumstation stellen und betrachten, wie riesige Raumschiffe in das Raumdock fliegen. Das gesamte Leveldesign in Verbindung mit der Graphikengine schafft ohne Probleme die Illusion, in den unterirdischen Höllen in kilometertiefe Abgründe schauen zu können oder einfach mal in den Himmel zu starren und das Firmament zu betrachten. Besonders hervorheben muss man die Charaktergestaltung. Komischerweise scheint es in anderen Reviews niemandem so recht aufgefallen zu sein, aber was Anachronox hier leistet, ist Pionierarbeit. Das erste Mal hatte ich in einem Computerspiel das Gefühl, das Polygone schauspielern können. Es gibt Mimik, wie man sie vorher in noch keinem Game zu sehen bekam. Doch dazu später mehr.

In der Grundeinstellung bietet das Spiel nur zwei Auflösungsalternativen (640 x 480 und 1280 x 720) was etwas benutzerunfreundlich ist, jedoch leicht durch Änderung in der INI-Datei umgangen werden kann. Zu Hochtouren läuft die Engine besonders in den Zwischensequenzen auf, die komplett mittels der Engine "erzählt" werden und bei den Spezialeffekten der Waffen und Mystechzaubereien in den Kampfsequenzen. Der Sound ist erste Sahne. Die Sprecher sind allesamt phantastisch und passen zu den jeweiligen Figuren (Tom Hall leiht übrigens dem Roboter PAL 18 seine Stimme und soviel wir wissen, ist er KEIN Kastrat *g*), die Geräusche sind immer stimmig und schaffen es, die jeweilige Welt atmosphärisch zu vertonen. Die Musik ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, die Intromusik ist ganz im Stile einer Hollywoodproduktion und braucht sich nicht zu verstecken, auch hier gibt es wieder Anleihen zum Film Total Recall und Robocop. Thematisch gibt es bombastische Orchestereinlagen und sehr passend als Hintergrundmusik auf dem Vergnügungsplaneten, verkaufsfördernde Fahrstuhl- Kaufhausmusik. Aber es passt immer alles optimal zur Szenerie und auch übernimmt die Musik hier einen Teil des ziemlich schrägen Humors, der sich durch das ganze Game zieht, wie es kaum besser vorstellbar ist. Sie übernimmt ähnlich wie in einem guten Film eine erzählerische Qualität und setzt dadurch einer eh schon komischen Situation somit das Sahnehäubchen auf. Leider gibt es auch einige unschöne Dinge, über die ich jedoch aufgrund der sonst überragenden Qualität hinwegsehen möchte. Das Spiel liegt nur in der englischen Originalversion vor, was für sprachunsichere Gamer sicher problematisch wird, da es sehr viel Text gibt und dadurch sicherlich viele der zweideutigen Dialoge nicht so zugänglich sind. Jedoch wäre es auch ein Schweres, den Stil und Wortwitz perfekt einzudeutschen, da müsste man schon richtige Sprachprofis, wie z. B. Andreas Brandhorst bemühen, der schon Aussergewöhnliches bei den Scheibenweltromanen geleistet hat.

Das andere sind die Bugs. Gespielt wurde das Spiel mit dem Patch 1.1, der bereits zum Release zur Verfügung stand. Wenn man die einschlägigen Foren durchsieht, macht das Spiel bei vielen Konfigurationen Probleme. Es ist jedoch sicher nicht leicht einzugrenzen, weil es bei vielen, einschliesslich bei mir, ohne besagte Schwierigkeiten lief. Ich hatte in der gesamten Spielzeit keinen Absturz oder Aufhänger des Systems. Probleme gab es nur bei einer Anzeige im Spiel, die eine Tafel der gefundenen Bonusgegenstände darstellt, die jedoch bei mir, trotz des Besitzes der Gegenstände, grundsätzlich leer blieb. Weiterhin habe ich zwei Logikfehler gefunden, von denen mich einer zwang, einen alten Spielstand zu laden. Ein böses Dead-End. Wer nach dem Erhalt des eigenen Shuttles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen will, muss danach immer auf Anachronox verbleiben. Dies passiert aber nur, wenn man vorher Fahrkarten hortet, denn nach Erhalt des eigenen Shuttles ist der Fahrkartenschalter geschlossen. Ein andere Fehler war, dass ich auf eine Person traf, die ich an anderer Stelle schon als Leiche begutachten durfte, was aber spielerisch nicht zu Problemen führt. Das Problem liegt an der Questverwaltung. Man kann viele der unzähligen Subquests anfangen, muss diese jedoch nicht zwingend beenden und kann sie später wieder aufnehmen, dadurch gibt es ziemlich viele Kombinationmöglichkeiten und daraus entstehende Spielsituationen. Diese Probleme haben aber meinen Spass an dem Spiel niemals beeinflusst, das postive Erlebnis ist hier viel ausgeprägter. Performanceeinbrüche hatte ich nie. Gespielt werden kann in 3 Schwierigkeitsgraden, wobei der erste viel zu einfach ist, jedoch die Möglichkeit bietet, überall zu speichern. Ansonsten stehen für die anderen Schwierigkeitsgrade Speicherpunkte zur Verfügung, die aber überall grosszügig verteilt sind und man daher keine Problem bekommen wird.

Wie kann man Anachronox nun Beschreiben? Es handelt sich in erster Linie um ein Adventure/ Rollenspiel Mix aus der 3rd Person Perspektive. Ihr steuert euren Helden mittels Kombination Maus und Tastatur, wobei die Tastatur hauptsächlich, bis auf einige Sonderfunktionen, zum Laufen benötigt wird. So gewappnet versucht man, die Rätsel zu lösen, fremde Wesen zu finden, Aufträge der Resistance zu erledigen, Detektivarbeit zu leisten und somit viele kleine Puzzlesteine dem Gesamtbild hinzuzufügen, um letztlich das Geheimnis um das MysTech und damit auch die Welt zu retten, wobei sicher niemand etwas dagegen hat, wenn Sly auch mal einen Abstecher in den Rotlichtbezirk macht, natürlich nur im Interesse seiner Kunden. Sowas geht natürlich niemals ohne Konflikte aus, also ist Kampf angesagt. Kämpfe finden ähnlich wie in der Final Fantasy Serie statt, was bedeutet, dass es "halbrundenbasiert" ist. Jeder Charakter hat eine bestimmte Refreshzeit, bis er wieder in Aktion treten kann, wartet man jedoch zu lange, holt der Gegner zum nächsten Schlag aus. Man kann im Kampf mit konventionellen Waffen, aber auch je nach Charakterausbildung Spezialangriffe und MysTech-Macht anwenden.

Kommen wir nun zum ultimativen Erlebnis, dem Gameplay, den Charakteren, der Vielfältigkeit, der Story und dem Humor. Hier bietet Anachronox eine völlig neue Kombination. Die Charaktere sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können, angefangen bei Sly Boots, dem runtergekommenen Privatdetektiv, Grumpos, dem alten kauzigen Wissenschaftler, Paco, ein abgehalfterter Superheld, der das Fliegen verlernt hat, Pal 18, der Roboter, der träumen kann (in Vektorgraphik!) , Dr. Bowman, eine Wissenschaftlerin mit Zerstörungsdrang (unter einem Planeten kommt ihr nichts ins Haus), Sera Stiletto, eine Jugendliebe von Sly und Democratus, ein geschrumpfter Planet. All diese Charaktere sind so verrückt, wie es sich anhört und jeder von ihnen hat eine unterschiedliche Eigenschaft. Sly kann z. B. Schlösser knacken, Pal 18 kann Computersysteme ausschalten, Grumpos hat die Yammer Attacke. Diese Spezialangriffe werden jeweils durch kleine Minispiele aktiviert. So muss Pal 18 beispielsweise Puzzlesteine zusammenbauen, um das Computersystem zu umgehen. An der Yammer Attacke sieht man, dass Anachronx anders ist, als andere Games oder habt ihr schon mal von einem Angriff gehört, in dem der Agressor versucht, durch einen Redeschwall seine "Opfer" auszuschalten? Nein, dann will ich mal kurz beschreiben, wie Grumpos das macht. Er fängt ein Gespräch an und labert sein Gegenüber dermassen zu, bis er freiwillig alles tut, nur damit Grumpos aufhört. Solche Abhandlungen können gut und gerne schon mal 15 Dialogboxen haben und beschreiben ausführlich, dass Grumpos seinen "Knüppel" nicht wie die Polizei zum Verprügeln hatte, sondern eher unter seiner Hose, dass seine Schwester eine Schlampe war, die es mit jedem im Universum trieb, einer ihrer Liebhaber auf einer Filmakademie war und dort bahnbrechende Innovationen im Bereich der Aufnahmetechnik entwarf. Wie gesagt, schön ausführlich das Ganze und immer mit versteckten zweideutigen Ferkeleien. Anachronox ist deswegen auch sicher kein Spiel für Kinder, daher ist die "Sprachbarriere" durch die englische Version schon eine Art Jugendschutz, spätestens dann, wenn man im Rotlichtviertel an einem Zeitungsautomatenroboter ein Schmuddelheft kauft und zum Abschied den Hinweis erhält, dass man sich gerne ein neues Heft kaufen kann, wenn das alte verklebt ist. Das sind bei Anachronox keine einzelnen Passagen, sondern dieser Stil hält sich durchgängig im ganzen Spiel, man kommt teilweise vor Lachen nicht mehr zur Ruhe und wundert sich wirklich, wessen Geistes Kind diese Dialoge sind. Hier haben wirklich Leute mit Herz, Humor und Liebe gewerkelt, um sowas auf die Beine zu stellen. Man nimmt die besten Bücher von Douglas Adams, Terry Pratchett, Christopher Moore, 3 der besten Videotapes von Al Bundy, rein in dem Mixer, gut durchgemischt und man erhält Anachronox.

Die Story verliert nie den roten Faden und das Ganze läuft ab, wie ein episches, jedoch skurriles Abenteuer im Weltraum. Die Spannung wird immer gehalten und im Finale darf man sogar in mehreren Teams arbeiten, damit alle Teammates ihren Auftritt haben. Aufgepeppt wird alles noch durch die kleinen, vielfältigen Möglichkeiten, die zusätzlich vorhanden sind. So gibt es jede Menge Subquests, in denen man seine Charakterfertigkeiten steigern kann, Minispiele, wie die APE Spielkonsole, oder die Spieltische in den Kneipen, dann sind kleine Actionsequenzen eingebaut, wie eine Schnellbootfahrt oder der Flug durch ein alienverseuchten Asteroiden. Verdient euch Geld mit verschiedenen Jobs, um im einschlägigen Fachhandel euer Equipment aufzubessern, werkelt an dem programmierbaren Waffensystem herum, das später im Spiel verfügbar wird, um selbst eine ultimative MysTech-Puste zu entwickeln. Anachronox ist mit so vielen Kleinigkeiten gesegnet, die es zu erforschen gibt, dass ein einmaliges Durchspielen niemals reicht, um alles gesehen zu haben. Damit ist der Wiederspielfaktor gesichert. Was, ihr habt das Moos, das ihr in einigen Levelabschnitten gefunden habt, nicht in der Pumpstation auf Senderstation mit den kleinen, putzigen MugMugs getauscht ? Ihr habt im Rotlichtviertel euer Taschengeld nicht mit einem kleinen Erektionstanz (vor Seeleuten, pfui!) aufgebessert? Ihr wollt keine Gegner sehen, die euch mit Fischen verprügeln, um sie danach wieder zu liebkosen? Ihr habt KEIN Merchandise-T-Shirt von den Mönchen im Kloster erworben? Ihr wollt nicht erleben, wie sich ein ganzer Planet, auf dem ihr zuvor einige Quests gelöst habt, zusammenschrumpft und euch fortan als Partner begleitet? Auch die vielen Zitate aus Filmen bieten absolulte Situationskomik, so steht ein Passant am Abgrund und jammert nur, dass er schon Madeleine verloren hat (Vertigo lässt grüssen) oder nachdem Dr. Bowman einen Planeten pulverisiert ("kann ich nun kochen?" aus Star Trek 2, leider nur im umgekehrten Sinne), das sind zwar zum Teil Insidergags, aber daran erkennt man, wieviel Detailliebe in dem Programm steckt. Sowas kannte man bisher nur aus Fallout 1 & 2. Ein anderes Beispiel: Der geschrumpfte Planet (auf dem auch geschrumpfte Leute leben) betrachtet das gesamte Adventure als eine Soap Opera und die Bewohner stehen vor der Aussichstplattform, wie vor einem Fernseher und bewundern ihre Helden. Echt abgedreht. Auch alleine die Tatsache, dass auf dem Planeten Democratus TÄGLICH gewählt werden muss, sorgt für komische Dialoge. So bietet das Spiel auch einige persiflierte, sozialkritsche Ansätze, aber mehr zu verraten, wäre spoilerhaft und ihr sollt das Spiel ja selber geniessen. Andere Reviews warfen dem Spiel vor, dass die Wege innerhalb des Adventureteils zu lang waren. Das stimmt nicht, denn das sieht nach Spielen mit Walkthru aus. Gerade dieser Aspekt war einer der schönsten im Spiel, da man von den sieben spielbaren Figuren durch die unterschiedlichen Eigenschaften immer neue Möglichkeiten hatte, in Bonusräume zu gelangen und Secrets zu finden. Etwas negativ fiel dies nur gegen Ende des Spieles aus. Was mich gestört hat war, dass man seine Crew nur in der Bar tauschen konnte (es ist nur möglich, zeitgleich mit drei Figuren zu reisen), was teilweise etwas ärgerlich war. Das Shuttle wäre als Tauschpunkt wesentlich besser geeignet. Auch hätte ich mir etwas mehr Kämpfe gewünscht. Obwohl das Ion Studio in Dallas aufgelöst wird, arbeitet man dennoch "privat" an einem Patch, der auch dieses Problem lösen soll. Man will eine Taxi-Option einbauen. Hier sieht man wirklich, dass das Spiel ein wahres Baby der Entwickler und keine Auftragsarbeit ist, denn wer würde nach dem Jobverlust noch daran weiter arbeiten wollen. Designer aus Leidenschaft und das sieht man dem Produkt auch an. Leider hat man jedoch von dem Status des versprochenen Patches nichts mehr gehört. Die neusten Informationen findet ihr jedoch unter dem Link: Planet-Anachronox.

Abschliessend will ich noch auf die genialen Filmsequenzen eingehen. Nicht nur die grandiosen Kamerafahrten während der Kämpfe und den Leveltranscriptionen sind eine Augenweide. Was mich total begeistert hat, sind die Zwischensequenzen, die Quests auflösen und die Story weitererzählen. Sowas gab es noch nie in einem Spiel. Ich habe Polygone gesehen, die besser agieren und ihre Gesichtstexturen, verschieben, als manche Schauspieler. Ein Beispiel: Sly guckt in die Kamera, er wird ungesehen von einem Typen vollgebrabbelt, verzieht das Gesicht, rollt mit den Augen und spricht das Gebrabbel tonlos nach. Dann der Spruch vom Gegenüber:" Hey, ich weiss , dass du mit den Augen rollst!" Auch die Sequenz, in der Grumpos und Sly eine stinkende, qualmende Socke besorgen müssen, um einen Guru damit zu inspirieren, in die Zukunft zu sehen. Sowas kann man schlecht vermitteln, das muss man einfach gesehen haben. Abschliessend kann ich nur sagen: "And the Oscar goes to... Anachronox". Wer das nicht spielt, ist selber schuld.

Update: Chinaman, einer der Ex-Ion-Stormer, hat in seiner Freizeit an einem Patch gearbeitet, der nun fertiggestellt wurde (siehe Patchlink). Damit wurden jede Menge Bugs entfernt, der versprochene Taxiservice hinzugefügt und ein komplett neues Filesystem integriert. Wem das noch nicht reicht, der findet nun auch einen Fanmade Sprachpatch, der das Programm komplett ins Deutsche konvertiert.

Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines bereits auf der Seite GUN veröffentlichten Reviews.


Geschrieben am 06.10.2001, Testkonfiguration: AMD1200, Geforce-3, 512MB Ram, SB Audigy
 



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