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Baphomets Fluch
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| Gesamt (73 votes) | | 1 |
 |   | | 0.9 |
 |   | | 1.2 |
 |   | | 2.5 |
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| Name: | Baphomets Fluch |
| Genre: | Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 1996/10 |
| Publisher: | Virgin Interactive |
| Entwickler: | Revolution Software |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | brokensword 2.5 |
| Hardware: | 4/86-66Mhz, 8MB RAM, keine 3D-Karte nötig, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 95 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| Serie: | ja |
| Bemerkung: | auch für PS1, Mac und GBA, nicht WinME kompatibel |
| USK: | 12 |
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| Baphomets Fluch (review von ronin) |
Waren es bis Mitte der neunziger Jahre Rollenspiele, die Computerspieler damaliger Tage
nur mit der Kneifzange anfaßten, war kurze Zeit später dem Adventure jenes Schicksal beschert.
Während erstgenanntes Genre bis heute ein immer größerer Fanzuwachs gelungen ist, so fristen
Adventures noch immer ein Schattendasein. Vorbei waren die glorreichen Zeiten in denen man von
Lucasarts' oder Sierras Abenteuern nie genug bekommen konnte. Ich glaube Indys viertes Abenteuer
wurde von mir mindestens zehn mal gelöst und mit jedem möglichen Lösungsweg ausgeknobelt. Heute
ist es schwer, den Spieler an das Lösen von Rätseln heranzuführen und dauerhaft, ohne den Einsatz
von Baller- oder Strategieaction, bei der Stange zu halten. Auch ich muss zu meiner Schande
gestehen, dass mir das stundenlange Rumtüfteln eher auf die Nerven geht und in mir das Gefühl
wächst, meine Zeit doch "sinnvoller" in einem Onlinerollenspiel verbringen zu müssen. So kam
mir der dezente Druck seitens meines "Chefredakteurs" anfangs etwas ungelegen ;-), als er mich
auf ein Re(tro)view eines Alt-Adventures aufmerksam machte.
Die Baphomet-Reihe des französischen Entwicklers Revolution-Software hat bis jetzt drei Abenteuer
um den sympathischen Amerikaner George und der taffen Französin Nico veröffentlicht und ein
viertes wurde gerade angekündigt. Ich habe alten Teile mit großer Freude gespielt, auch
in Zeiten, als mir das Genre schon zu altbacken und wenig innovativ erschien. Der Name des Entwicklers
ist auch in ihren Spielen Programm und man versuchte immer "revolutionäre" Elemente in das Genre
einzubringen, um ein intensiveres Spielerlebnis zu erreichen. Vor allem Teil drei, der vornehmlich
mit Gamepad gesteuert wurde und mehr an ein Action-Adventure erinnerte, machte dies deutlich.
Allerdings mit durchwachsenem Erfolg. Dass Revolution mit ihrer Revolte nicht immer erfolgreich
war, sieht man teilweise auch am ersten Teil der Serie, welcher Schwerpunkt in diesem Review
sein soll.
Bevor wir auf Gameplayaspekte zu sprechen kommen, wie immer ein paar Worte zur technischen
Präsentation. Da der Titel 1996 erschien, fällt es vor allem für den Bereich Grafik schwer,
eine zeitgemäße Einschätzung zu geben.
Grafik:
Für das heutige, grafikverwöhnte Auge fallen beim ersten Blick die vielen genau erkennbaren
Pixel auf. SVGA war 1996 eine tolle Sache und das Spiel dementsprechend auf technisch hohem
Niveau, aber heute tut es erst mal einfach nur weh. Durch die liebevolle Story, die tollen Charaktere
und der genialen Farbgestaltung der einzelnen Locations ist die grobkörnige Grafik sehr schnell
vergessen. Irgendwie scheinen es Franzosen bei der Farbgestaltung besonders drauf zu haben.
Zuletzt viel mir das beim Spiel Beyond Good
& Evil auf. Auch hier war jeder Abschnitt perfekt an die Situation, in welche der Spieler
geriet, angepaßt. Man stellte sich schon allein durch die Farbgebung gefühlsmäßig auf die Umgebung
ein. Genauso geht es einem in Baphomets Fluch. Vor dem Test musste ich oft mit einer gewissen
Wehmut an das 1996 schon einmal durchgespielte Adventure zurückdenken. Anfangs tat ich das als
die übliche Nostalgie vergangener Tage ab, aber beim erneuten Durchspielen viel mir auf, dass
es den Entwicklern einfach durch ihrer Farbgestaltung und der tollen Sounduntermalung gelungen
war, den Spieler mit Herz, Auge und Ohr an die Story zu fesseln. Ein Beispiel: Im Laufe des
Spiels muss man oft in der Wohnung von Nico, die in einem Viertel von Paris liegt, vorbeischauen.
Vor der Wohnung sitzt eine alte Frau die Blumen verkauft, dabei strickt und etwas seltsam daher
quasselt. Laub fällt von den Bäumen, alles ist in herbstlichem Orange gehalten, die schwache
Sonne beleuchtet die Szenerie. Man fühlt sich wie an einem sonnigen frühherbstlichen Tag. Es
ist zwar kühl und man will sich den Jackenkragen hochklappen, aber irgendwie fühlt sich alles
friedlich und gut an. Bei dem ganzen Trubel den George immer wieder erlebt, ist Nicos Appartement
immer ein Ort, an dem er Atem schöpfen kann und an dem sich die Romanze zwischen beiden so langsam
entwickelt. Oder der Besuch in einem kleinen Pariser Museum läßt einem beim Anblick der dunklen,
heimeligen Museumsatmosphäre förmlich den Staub auf den Lippen schmecken. Man verzeihe mir das
unübliche poetische Geschwätz ;-), aber das Spielerlebnis läßt sich schwer beschreiben und ist
mir bisher bei anderen Adventures nie in dieser Form aufgefallen.
Sound:
Ähnlich wie die Grafik des Spiels, wird die Musik eingesetzt. Immer unterstützend im Hintergrund,
nie aufdringlich und auf Krampf permanent präsent. Nähert man sich durch Rätsel oder Dialog
der Lösung einer Aufgabe ertönt Musik, um den Spieler zu motivieren in diese Richtung weiter
zu knobeln. Betritt man eine neue Location ertönt die von den Entwicklern gewollte Musik zur
Einstellung auf die Szenerie. In Irland hat man den üblichen Geigenspieler gemixt mit einer
Thin-Whistle, in einem vornehmen Pariser Hotel spielt eine englische Lady ein eingängiges Klaviersolo
und in Syrien denkt man im nächsten Moment eine Schlange vor sich aufsteigen zu sehen ;-). Oftmals
habe ich mich ertappt, einige Momente zu verharren und die Umgebung nebst musikalischer Untermalung
auf mich wirken zu lassen. Die Sprachausgabe ist über jeden Zweifel erhaben, zwar wiederholen
sich teilweise die Sprecher, was aus finanziellen Gründen sicher nachvollziehbar ist, aber dies
geschieht relativ selten und dann mit genügend Professionalität, so dass es nicht unangenehm
auffällt. Auch die oftmals furchtbaren Dialekte sind bei Baphomet sehr gut gelungen und wirken
nicht aufgesetzt. Als einzige bekannte Stimme ist mir Scully, Fox Mulders Akte-X Kollegin, aufgefallen,
die mit ihrer tiefen, angenehmen Stimme die selbstbewußte, manchmal etwas zickige, Nico spricht.
Toll!
Dieser Mix aus perfekter Farbgestaltung und musikalischer Untermalung zeichnet die Spiele
von Revolution Software aus. Der Spieler wird unwiderstehlich ins Geschehen hineingezogen und
motiviert, immer weiter zumachen. Dabei darf man sich das Gefühl nicht wie den üblichen Zwang
vorstellen, unbedingt noch das oder jenes zu erledigen, sondern eher wie einen guten Film, der
angenehm und genüßlich auf den Betrachter wirkt. Nicht Streß ist die Devise, sondern Erholung
und Ausgleich.
Steuerung:
Steuerungstechnisch gehört Baphomets Fluch eher zur neuen Generation der Adventures. Ein
Menü, aus dem umständlich jeder auszuführende Befehl ausgewählt werden muss, entfällt. Man geht
über das Objekt und kann per Links-Klick Benutzen ausführen. Je nachdem, um was es sich dabei
handelt, spricht betrachtet oder benutzt George das Objekt. Mit Rechts-Klick betrachtet er prinzipiell
jeden Gegenstand bzw. Person. Schiebt man den Mauszeiger an die obere Bildschirmkante erscheint
das Inventar. In wenigen Fällen kann man auch Objekte aus dem Inventar mit der Spielwelt benutzen
oder kombinieren. Alles in allem eine angenehme Klickerei, bei der ich der sogenannten SCUMM-Engine
(Script Creation Utility for Maniac Mansion: Ein von Lucasarts mit Maniac Manson erstmals eingeführtes
Steuerungssystem, bei dem die manuelle Eingabe von Wörtern wegfiel und man über vorgefertigte
Befehle Aktionen auslösen konnte) keine Träne nachweine.
Gameplay:
Alles begann in einem lauschigen kleinen Cafe in Paris, mit einem ulkigen Clown und einer
kurz darauf erfolgenden Explosion. George, der als amerikanischer Tourist Urlaub in Paris macht,
wird durch dieses Ereignis aus erster Hand quasi in die Geschichte hineingeschleudert. Hier
trifft er die hübsche Reporterin Nico und beschließt, seinem Gerechtigkeitssinn entsprechend,
den bombenlegenden Clown auf die Schliche zu kommen. Mit Hilfe von Nico reist George nun durch
Paris, Syrien, Spanien und Irland, um bald darauf festzustellen, dass die Ereignisse doch umfassender
und vor allem gefährlicher sind, als anfangs vermutet. Die Templer, eine Verschwörung und Weltherrschaftspläne
spielen eine große Rolle in den Ereignissen um den sympathischen Amerikaner und seiner französischen
Freundin. Mehr sei hier nicht verraten. Fakt ist, die spannende Story geizt nicht mit gewollt
überspitzten Klischees (die Pariser Polizei und der wohl allgegenwärtige Klassenkonflikt in
der französischen Hauptstadt werden permanent auf die Schippe genommen), dezenter Romantik und
interessanter Historie. Die umfangreichen Charakterzeichnungen und die geistreichen humorvollen
Dialoge stellen den Hauptschwerpunkt von Baphomets Fluch dar. Zu jedem Objekt im Inventar kann
man sein Gegenüber befragen, was zwar meisten ziemlich sinnlos ist, aber mit so witzigen Kommentaren
belegt wurde, dass man zwangsläufig alle durchklicken muss. Nur selten wiederholt sich etwas
oder wirkt wie aus der Schablone. Liebevolle Einzelheiten standen bei den Entwicklern im Vordergrund.
Die Dialoglastigkeit stellt allerdings auch ein großes Problem dar. Baphomets Fluch gehört ganz
sicher nicht zur Sorte der stark rätsellastigen Adventures. Man muss sich das Spiel eher als
eine Art Detektivarbeit vorstellen, bei der man durch das Ausfragen von Personen langsam zum
Ziel kommt und neue Locations freischaltet. Zwar sammelt man auch den einen oder anderen Gegenstand
ein, allerdings benutzt man diesen oftmals gleich an Ort und Stelle oder schleppt sie ewig mit
sich herum, nur um sie zu einem völlig unverhofften Moment benutzen zu müssen. Die "Benutze-abgebrochenen-Hebel-mit-Loch-in-Statue"
- Rätsel sind in Baphomet zwar immer mal wieder vorhanden, aber sicher nicht die Hauptaufgabe
des Spielers. Manchmal werden einem die vielen Gespräche allerdings auch zuviel. Wer lieber
Rätseln will und nicht ständig einem geistreichen und witzigen Dialog lauschen will, für den
ist die Baphomet-Reihe definitiv nichts. Zumal der Schwierigkeitsgrad des ganzen Spiels eher
unter einfach zu verbuchen ist. Schwierig wird's nur dann, wenn man mal wieder umsonst irgendwo
gestorben ist, einfach vergessen hat etwas zu betrachten oder ein Dialog zum Freischalten fehlt.
Hier kommen wir zu den Schwächen. Ein Beispiel: George will in eine Tür vor der ein Wachmann
steht. Nach längerem Rätseln schafft es George, eine Kopie des Schlüssels herzustellen, der
Austausch des Originals ist jedoch schwierig, da die Kopie nur aus Gips besteht. Er muss also
irgendwie den Wachmann "desensibilisieren". Da steht man nun in dieser Kammer und kann bis auf
den Wachmann nichts weiter machen, außer ein Thermostat zu benutzen. Hm, Heizung abdrehen ->
es wird kalt -> Wachmann zieht Handschuhe an. Ok, wir haben schon sinnlosere Rätselkombinationen
gelöst. (Monkey Island2: Affe per Banane und Metronom hypnotisieren und den nun erstarrten Affen
als Rohrzange benutzen ;-) ) Das Problem ist allerdings, dass George beim Benutzen des Thermostats
immer wieder sagt, er wüßte nicht, warum er das benutzen soll. Nach ewigem Rumprobieren klicke
ich zufällig auf Betrachten des Thermostats (Rechts-Klick), wodurch ein neuer Dialog für den
Wachmann freigeschaltet wird und der uns nun von seinen Handschuhen erzählt. Auf solche Sackgassen
stößt man im Spiel leider recht häufig. Nervig und Spielfluß hemmend! Des weiteren sind so kleine
Aktionsspielchen integriert, denen innerhalb der Trilogie immer mehr Gewicht beigemessen wird.
Zum Beispiel einen Ziegenbock austricksen, so dass er sich an einem Stock verhäddert und uns
nicht mehr angreifen kann. Oder rechtzeitig vor einer umstürzenden Mauer zurückspringen, was
man sich wie einen Reaktionstest vorstellen muss. Recht unverhofft muss im richtigen Moment
in die richtige Richtung geklickt werden. Versäumt man dies, kommt es zum Tod der Spielfigur.
Man kann zum Sterben in Adventures stehen wie man will, ich finde es in Baphomets Fluch ziemlich
sinnlos und mir ist nicht klar, warum Revolution Software auf dieses spielspaßhemmende Mittel
in einem klassischen Adventure zurückgegriffen hat. Da man in Spielen dieser Art selten speichert,
muss man mit etwas Pech einige Spielminuten oder gar Stunden vorher neu anfangen, weil man nach
dem Ableben nicht direkt vor der Todessequenz starten kann. Sieht man über diese Mängel hinweg,
ist Baphomets Fluch ein phantastisches Adventure mit einer toll erzählten Geschichte, hervorragender
Musik und atmosphärischer Grafik, die selbst Nichtfans in ihren Bann zieht.
Fazit:
Für 5-10€ bekommt man mit Baphomets Fluch eine kleine Adventureperle zum günstigen Preis.
Auf meinem XP System lief das Spiel problemlos und ich hatte nur sehr wenige Abstürze. Das intensive
Spielerlebnis durch die tolle Musik und die grafische Gestaltung, sowie die geistreichen, sarkastischen
Dialoge heben Baphomets Fluch von anderen klassischen Adventures ab. Man hat es eben nicht mit
schrägen Comicfiguren der Marke Day of Tentacle oder Monkey Island zu tun, sondern ist in eine
realistische Story eingebunden, die sich wie ein spannendes Buch liest bzw. spielt. Allerdings
darf man die Schwächen des Titels nicht vergessen. Die starke Dialoglastigkeit ist nicht jedermanns
Geschmack und geht zu Lasten der Rätsel. Diese kommen sehr einfach daher und führen oftmals
in Sackgassen. Auch die Möglichkeit des Sterbens und die hemmenden Reaktionsspielchen sind recht
unpassend, wodurch der erste Teil von Baphomets Fluch nur knapp den Sprung auf die Note 2 schafft.
Für den Preis kann ich Adventurefans und solche die es vielleicht noch werden wollen, das Spiel
nur empfehlen, ist es doch eine entspannende Möglichkeit vom üblichen Action- und Rollenspieleinerlei
Abstand zu gewinnen.
Geschrieben am 20.08.2005, Testkonfiguration: AMD2400+,Radeon 9800, 1024MB Ram, SB Audigy
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