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Divine Divinity
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| Gesamt (211 votes) | | 1 |
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 |   | | 2.1 |
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| Name: | Divine Divinity |
| Genre: | Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2002/08 |
| Publisher: | CDV |
| Entwickler: | Larian Studios |
| Links: | planetdivinity.de |
| Links: | Locus Inn |
| Hardware: | 450Mhz, 128MB RAM, keine 3D-Karte nötig, HD 1800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX8 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.34 |
| USK: | 12 |
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Sprachpuristen bzw. alle Menschen, deren Muttersprache Englisch ist,
werden sich wahrscheinlich beim ersten Blick auf die Verpackung des vorliegenden
Spieles erst mal ab Kopf kratzen.
"Divine Divinity" klingt als Name zwar gut, ist dafür aber auch relativ
sinnfrei. :)
Zum Glück kann man das aber über das dahinter versteckte RPG nicht behaupten.
Zugegeben, die Hintergrundstory weicht zunächst auch kaum vom bewährten
"Einzelkämpfer rettet Welt"-Konzept ab.
Hintergrund ist die Bedrohung des Landes Rivellon durch den Herrn des
Chaos. Dieser wurde vor langen Zeiten durch eine Allianz aus allen 6 Rassen
(Menschen, Zwerge, Elfen, Imps, Orks und Echsenwesen) und der Gilde der
Zauberer besiegt. Dummerweise gelang es ihm, einen Teil seiner Lebensenergie
in dem Schwert, das ihn tötete, zu konservieren und so zu überleben, um
dann von einem menschlichen Körper Besitz zu ergreifen und die Welt zum
zweiten Mal in Furcht und Schrecken zu versetzen.
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die belgischen Entwickler von Larian
schon mal ein oder zwei Blicke in Tolkiens Bücher geworfen haben. :)
Zwar sind mit den Imps und den Echsen einige neue Rassen im Spiel, trotzdem
kommt einem auch das etwas hochnäsige Verhalten der Elfen gegenüber den
Menschen und ihr ewiger Streit mit den Zwergen etwas bekannt vor. Aber
macht ja nichts, es gibt in dieser Hinsicht sicherlich schlimmere Vorbilder.
Die Entwicklung des eigenen Charakters wiederum ist eng verknüpft mit
einer Selbstfindung der eigenen Person und Bestimmung, was ein wenig an
Baldurs
Gate erinnert. Auch in vielen anderen Bereichen sind Vorbilder deutlich
zu erkennen, aber, das will ich gleich hinzufügen, man hat es wirklich
glänzend geschafft, immer nur die Vorteile verschiedener Spielsysteme
zu integrieren.
Gleich die Steuerung ist dafür ein gutes Beispiel. Da man immer nur einen
einzigen Charakter befehligt (abgesehen von beschworenen Mitkämpfern),
lehnt sich sehr vieles an die bekannt einfache und praktische Steuerung
von Diablo2
an. Per Mausklick ist alles sehr schnell und intuitiv bestimm- und bewegbar,
auch die Informationen über die Umwelt erfährt man durch diese Weise.
Für den Kampf wurde eine sehr schöne Verbesserung eingebaut, da man durch
Tastendruck immer den nächsten Feind ins Visier bekommt und per Klick
angreifen kann. Zusätzlich ist es natürlich auch möglich, für wichtige
Fähigkeiten, Waffen, Tränke usw. Hotkeys zuzuweisen, um sich das Klicken
durch Menüs zu ersparen, was durch die immer mögliche Verwendung der Pausentaste
allerdings auch nicht wirklich umständlich oder gefährlich wird.
Der Hauptbildschirm versorgt den Spieler mit den nötigen Informationen
über Leben und Mana, Umgebung und verfügbare Spezialfähigkeiten. Bei diesen
offenbart sich auch gleich ein weiteres sehr wichtiges Feature des Spiels,
denn die Entwickler haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Spieler möglichst
viel Freiraum bei der Erstellung eines virtuellen Nachwuchses zu lassen.
Prinzipiell gibt es drei Grundvarianten, zwischen denen man zu Beginn
wählen kann: Magier, Krieger und Dieb. Jeder hat jeweils eine besondere
Spezialfähigkeit, der Krieger beispielsweise eine Wirbelwindattacke. Das
ist aber der wirklich einzige Unterschied zwischen diesen verschiedenen
Charakteren, denn jeder kann sich frei aus allen Spezialfähigkeiten der
drei verschiedenen Typen bedienen.
Hier verlässt man absichtlich die ausgetretenen Pfade von Diablo 2 oder
den D&D-Rollenspielen. Ähnlich wie bei Morrowind
entstehen also meistens Hybridcharaktere, da einige Fähigkeiten wie Schlösserknacken
oder Selbstheilung auch für die Krieger interessant sind, wobei man aber
durch die Vielzahl der angebotenen Fertigkeiten natürlich auch weitestgehend
reine Charaktere basteln kann. Prinzipiell ist es aber durch dieses System
problemlos möglich seinem Avatar gleichzeitig die höchsten Fähigkeitsstufen
beim Umgang mit Schwertern und Bögen sowie für das Beschwören von Monstern,
das Zaubern von Giftwolken und Taschendiebstahl zu verpassen.
Der Levelaufstieg resultiert in Punktzuwächsen auf verschiedenen Gebieten:
einmal kann man seine Charakterwerte (Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution
usw.) erhöhen und zum zweiten die eben erwähnten Spezialfähigkeiten kaufen.
Zusätzlich gibt es auch noch einige Quests, deren Lösung mit kostenlosem
Aufstieg in den Fertigkeiten belohnt werden. Die genannten Quests sind
zu einem sehr großen Teil optional, lohnen sich aber nahezu immer und
tragen aus zweierlei Hinsicht viel zum Spiel bei, da sie sowohl eine wesentlich
größere Rolle spielen und besser ausgearbeitet sind als beispielsweise
bei Diablo und außerdem oft auch ziemlich witzig. Beispielsweise darf
man zwei Abenteurern zur Hand gehen, die in der Stadt verzweifelt die
Begleitung lockerer Damen suchen, bei den diesbezüglichen Nachforschungen
belauscht man unter anderem einige Ehefrauen, die ihren untreuen Männern
das Abschneiden primärer Geschlechtsmerkmale androhen. Wenn man bei der
Suche nach dem Bordell erfolgreich ist, kann man auch noch einige zusätzliche
Erfahrungspunkte durch learning by doing "einfahren". :)
Überhaupt gibt es einige eher zweideutige Andeutungen in Divine Divinity,
dem man schon daher seine europäische Herkunft vielleicht etwas ansieht,
auch dies ist aber eine erfrischende Abwechslung im sonst so klinischen
RPG-Genre. Auch die Lösungen der Quests sind sehr unterschiedlich, manche
erfordern durchaus etwas Grips, andere hauptsächlich ein geschärftes Schwert.
Abgesehen von den für den Hauptquest wichtigen Subaufgaben kann man eigentlich
das gesamte Areal des Spieles auf eigene Faust erkunden. Dieses besteht
aus mehreren sehr großen Gebieten, zwischen denen man mit Hilfe verschiedener
Teleporter hin und herreisen kann, nachdem man sie aktiviert hat. Eine
andere Möglichkeit der Entfernungsüberbrückung bieten zwei Pyramiden,
die man an beliebigen Punkten plaziert und dann jeweils von einem zum
andern springt.
Neben den Außengebieten gibt es noch sehr viele Dungeons, Abwasserkanäle
und Grüfte, die der Erkundung harren. Hier sind jetzt vielleicht einige
Anmerkungen zur Grafik angebracht. Die isometrische Ansicht entspricht
zwar der von Diablo, die grafische Qualität ist jedoch ungleich höher
und es werden auch größere Auflösungen unterstützt. Die unterschiedlichen
Gegenden sind alle sehr schön mit einem ganz eigenen Flair versehen und
jeweils typischen Monstern bevölkert worden. Auch die NPC´s und eben die
Gegner sind nett, stellenweise lustig (im letzten Kapitel mit ganz starken
Diablo-Zitaten:)) animiert und natürlich leben Zwerge im Berg, Elfen im
Wald und die Menschen in Städten, wie es sich gehört.
Das bewährte Prinzip, einzelne Monstergruppen mit kleinen Bossen zu versehen,
die schwerer zu töten, dafür aber auch spendabler beim Fallenlassen von
Gegenständen sind, wird auch bei Divine Divinity benutzt. Insgesamt reicht
das Spiel grafisch zwar nicht an aktuelle und wirklich dreidimensionale
Spiele wie Neverwinter Nights heran, aber das stört während des Spielens
zu keiner Zeit, da die meist großflächigen und trotzdem nie langweiligen
Level durchweg eine eigene Atmosphäre besitzen.
Ein eigenes Kapitel verdient in jedem Fall die Musik von Divine Divinity.
Schon beim ersten Hören des Intros war ich erstaunt, wie clever hier ganz
verschiedene musikalische Komponenten zu einem tollen und ins Ohr gehenden
Titelthema verschmolzen wurden. Gleiches gilt auch für alle anderen Hauptthemen
der verschiedenen Level. Klassik, Folk, manchmal modernere Klänge ergeben
eine ganze Reihe durchweg hochklassiger Musikstücke, die manchmal auch
mit einem kleinen Augenzwinkern die jeweilige Umgebung charakterisieren,
so hört man beispielsweile im letzten, weitgehend aus Wüste bestehenden
Abschnitt, unverhohlen arabische Tonskalen. Ihr Schöpfer ist der aus Russland
stammende Kirill
Pokrovsky (Hörproben), dessen schillernde Vita unter anderem
die Mitgliedschaft in einer der wenigen auch international bekannten (und
sehr kultigen!) Rockbands namens Aria, aber auch klassischen Kompositionsunterricht
am Moskauer Konservatorium umfasst. Ich hoffe sehr, dass der gute Mann
weiterhin viele Gelegenheiten bekommt, solch phantastische Musik für PC-Spiele
zu schreiben, die allein eigentlich schon das Geld wert ist, auch wenn
man die einzelnen Tracks auch aus dem Netz laden kann. :)
Leichte Abstriche muss ich aber bei der deutschen Lokalisierung machen,
da die Synchronisation nur durchschnittlich gelungen ist. Manchmal kommt
es vor, dass während einer eigentlich gesprochenen Unterhaltung zwischendurch
ein oder zwei Wortwechsel auf einmal nur als Text erscheinen, auch die
Stimmen der Imps und Orks hätten ein wenig mehr Feinarbeit benötigt. Eine
der wichtigen Personen des Spiels ist ein Kind, das aber eindeutig von
einer Frau gesprochen wird, was man anhand der manchmal ähnlichen Verhaltensweisen
beider Personengruppen zwar nachvollziehen kann :), aber trotzdem ungewollt
komisch ist.
Wie es sich bei einer zünftigen Monsterschlächterei geziemt, ist man
während der gesamten Spielzeit damit beschäftigt, die vielfältigen Hinterlassenschaften
seiner Gegner und die Inhalte von Kisten oder Taschen anderer Leute an
sich zu bringen. Abgesehen von einigen wenigen Setgegenständen mit festgelegten
Fundorten, sind alle Drops reiner Zufall, was den Spieler natürlich ständig
dazu antreibt, jetzt doch noch ein weiteres Gebiet abzulaufen und auf
sein diesbezügliches Glück zu hoffen. Sowohl im Hinblick auf diverse Waffen
als auch Rüstungen ist die Auswahl vielfältig, einzig bei Ringen und Halsketten
habe ich relativ wenig sinnvolles gefunden, da waren Questbelohnungen
eindeutig das Optimum. Einige der Gegenstände lassen sich durch das Anbringen
von Runen verzaubern, wenn man den entsprechenden Skill etwas trainiert
und, ein ziemlich witziges Feature, man kann auch sehr viele eher unübliche
Gegenstände wie Töpfe oder Gabeln als Waffen beziehungsweise Rüstung verwenden.
:)
Divine Divinity ist ein reines Singleplayerspiel, was angesichts des
zugrundeliegenden Systems auch nicht sehr verwundert, denn im Multiplay
sind eingeschränkte und strengere Regeln sicher sinnvoller als die in
Spielen wie Morrowind oder DD präsentierte Freiheit, da sich die erstellten
Charaktere wohl zu sehr ähneln würden. Das ist also für mich auch kein
Kritikpunkt.
Wesentlich beeinträchtigender stellten sich allerdings die leider überaus
häufigen technischen Bugs dar. Obwohl ich von Anfang an eine bereits mit
einem 25 MB großen Patch verbesserte Version gespielt habe, gab es kaum
einen Tag, an dem mir das Spiel nicht mehrfach abgestürzt ist und das
ist ein sehr verbreitetes Phänomen und liegt fraglos an der Programmierung
und nicht an den jeweiligen Systemen der Spieler. Erschwerend kommt noch
hinzu, dass bestimmte Einstellung aus mir nicht erklärbaren Gründen nicht
fest gespeichert werden, so dass nach jedem Absturz beispielsweise die
Grafikoptionen wieder neu justiert werden müssen, was auf die Dauer natürlich
sehr nervig ist. Auch im Spiel selbst gab es Probleme beim Anwenden verschiedener
Fähigkeiten. Wenn ich einen meiner Ausrüstungsgegenstände direkt im Inventar
reparieren wollte, verwandelte sich das Steuerungsmenü plötzlich in einen
regenbogenfarbenen Strich, der das Weiterspielen unmöglich macht. Es klappte
nur, wenn ich die Teile für die Reparatur auf den Boden legte. Ursprünglich
hielt ich es für einen Bug, dank eines netten Hinweises von Larian :)
kann ich jetzt allerdings nachreichen, dass es sich hier vielmehr um ein
undokumentiertes Feature und nicht um einen Grafikbug handelt, da das
Spiel jetzt noch mit Hotkeys steuerbar und nur die Anzeige auf Leben/Mana/Ausdauer
reduziert ist. Wenn man das nicht weiß, ist es trotzdem sehr nerven- und
zeitraubend. :)
Trotzdem sind die erwähnten und nicht nur bei mir, sondern auch bei relativ
vielen anderen Spielern stattfindenden Abstürze für mich der einzig wirklich
gewichtige Kritikpunkt an diesem ansonsten für sein Genre wirklich perfekten
Spiel.
Divine Divinity beweist, dass sich ein mit viel Liebe und Humor geschaffenes
Spiel locker gegen die übermächtige, oftmals gehypte Konkurrenz behaupten
kann. In nahezu jeder Beziehung, sowohl grafisch als auch musikalisch
und vor allem im Bereich des Spielspaßes ist DD ein absoluter Geheimtip
für Fans im Hinblick auf die Charakterentwicklung offener und trotzdem
wesentlich questbetonter Diablo-Lookalikes. Für mich vielleicht die Überraschung
des Jahres 2002, der ich nur wegen der Bugs und einiger -andererseits
auch wieder liebenswerter- Klauereien bei anderen Spielen die absolute
Höchstwertung versage. Das Ende der Story lässt auf eine Fortsetzung hoffen
und ich appelliere daher an alle Leser, sich wenigstens ein Original des
Spieles zuzulegen um diese zu ermöglichen und nehme dafür sogar die Wiederverwendung
des etwas unglücklichen Namens in Kauf. :)
Geschrieben am 09.02.2003, Testkonfiguration: AMD2000, GeForce3, 512MB Ram
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