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Rückseite ]

Info
Autor 1
 1.5
 2
 2.5
Gesamt (17 votes) 1
 1.7
 1.8
 2.2
Name:Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs
Genre: Rollenspiel rundenbasiert
Produkt: Vollversion
Release: 2006/04
Publisher: Square Enix
Entwickler: Level 5
Offiz. Sites: Game
Links: Dragon Quest Shrine
Links: Fansite
Hardware: Playstation2
System: Playstation2
Sprache: Multilingual
Serie: ja
USK: 6
Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs (review von yak)

Die Rollenspielhoffnungen der Next Gen Konsolen erwiesen sich für mich leider als Mogelpackung. Zwar lieferten sie unterhaltsame Spielstunden, konnten sich aber nicht in höhere Wertungsregionen erheben. Sowohl Blue Dragon, als auch Eternal Sonata zeigten im Spielverlauf Balancingprobleme, die einen durchgängig fordernden Schwierigkeitsgrad vermissen ließen. Hier trennt sich wirklich die Spreu vom Weizen und lässt erkennen, warum einige Rollenspiele zu Recht den Klassikerstatus verdienen. Um das zu erreichen sind nicht zwingend neue Gameplayelemente notwendig, auch das altbekannte Japan RPG System kann immer noch begeistern. Und deswegen gibt es, als Kontrastprogramm zu den letzten Next-Gen RPG-Reviews, jetzt ein Quasi-Re(tro)view zu Dragon Quest VIII - Die Reise des verwunschenen Königs. Das passt aus mehreren Gründen. Es beweist, dass Graphikoverkill nicht zwingend mit Spielspaß in Verbindung steht und das klassische Japan-Runden-RPG immer noch fesseln können. Das Review dient zudem zur Einstimmung der kurz vor Veröffentlichung stehenden Nintendo DS Titel der Serie.

Leider fristet die Dragon Quest Serie in PAL-Regionen eher ein Schattendasein. Nur zwei Titel der Serie wurden hier offiziell veröffentlicht und so konnten Japan RPG Freunde nur auf Importversionen zurückgreifen. Mein Erstkontakt mit der Serie liegt daher auch schon lange zurück - zur Zeit des SNES. Remakes gibt es zwar für die PS2, doch wieder nicht in der PAL-Region, obwohl Dragon Quest in der Neuauflage ein absoluter Verkaufsschlager war. Tröstend zumindest ist, dass es dazu auch Nintendo DS Varianten gibt, bzw. in Entwicklung sind.

Dragon Quest VIII - Die Reise des verwunschenen Königs brauchte dann auch wieder einige Zeit, bis es in Europa erschienen ist. Erst im April 2006 war der bereits Ende 2004 in Japan veröffentlichte Titel als PAL Version erhältlich. Doch das der Zahn der Zeit dem Titel keinerlei Schaden zufügen konnte und er zu einem Genrehighlight gehört, soll das Review hoffentlich zeigen.

Technik

Von technischer Seite bietet Dragon Quest das Rundum-Sorglos-Paket. Hier gibt es überhaupt nichts zu beanstanden und alles, von Graphik, Sound bis zur Bedienung wurde mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Im Cel-Shading Comic Look präsentiert sich die groß angelegte offene Spielwelt, die von einer vielfältigen Bewohnerriege zum Leben erweckt wird. Allen voran natürlich die Helden der Geschichte: Der junge Hero, die verwunschene Prinzessin Medea, der zum Yoda-Gnom verwandelte König Trode, der ehemalige Bandit Yangus, die Zauberin Jessica und der charismatische Templer Angelo. Alle Figuren in Dragon Quest sind so außergewöhnlich von Charakter und Erscheinung, dass man sich mit der bunt zusammen gewürfelten Truppe sofort anfreundet.

Die Welt von Dragon Quest bietet ein riesiges Spielareal, das in mehrere Kontinente aufgeteilt ist, in denen es große Städte, Burgen, kleine Dörfer, Verliese, Meere, Wälder, Berggipfel, Wüsten und Schneelandschaften zu erkunden gibt. Die Graphik wurde wunderbar umgesetzt. Die Sichtweite ist enorm und so kann man nach einer anstrengenden Bergtour ins zuvor durchwanderte Tal blicken oder auf das Dorf, in dem man kurz zuvor noch eine Rast eingelegt hat. Das Spiel bietet eine übergangslose Spielwelt, um muss nur kurz nachladen, wenn ein Dorf oder ein Gebäude betreten wird. In der Spielwelt selbst bemerkt man das Nachladen nie.

So unterschiedlich sich die eigene Heldentruppe präsentiert, zeigt sich auch die Gegnerriege. Hier wird eine unglaubliche Vielfalt geboten: keulenschwingende Trolle, Wölfe, Säbelzahntiger, Schleimkugeln, Werwölfe, Roboter, Drachen, Monsterkrokodile, Skelette, Zombies usw. Fast jede Region bietet hier neue Gegner. In Dragon Quest steckt eine unglaubliche Variationsbreite. Die Zwischensequenzen werden per Gameengine höchst eindrucksvoll und stimmig in Szene gesetzt, so dass es nie zu einem Bruch zwischen Film und Spielgraphik kommt.

Sound und Musik stehen der graphischen Präsentation nicht nach. Ein Großteil der Dialoge ist komplett mit englischer Sprachausgabe vertont und bietet deutsche Untertitel. Die Sprecher machen ihren Job ausgezeichnet und so hat König Trode selbst als verwandelt Gnom noch einen höchst herrischen Unterton, während Bandit Yangus seine Zeilen mit leichten Cockney Akzent zu Gehör bringt. Vor allem sind die Dialoge auch wirklich gelungen und witzig, so dass sie nicht zu einem reinen Pausenfüller werden. Besonders die Neckereien zwischen einigen Charakteren sorgen hier für witzige Einlagen. Die orchestrale Spielmusik, eingespielt vom Tokio Symphony Orchestra macht das Bild dann komplett. Heroische Kampfthemen, eine motivierende Musik in den Reisepassagen wurden mit eingängigen Stücken realisiert. Besonders schön wurde das Reisethema verwendet. Wenn man z. B. später auf dem Säbelzahntiger durch die Welt reiten darf, kommt das Musikstück viel schwung- und kraftvoller daher. Hier fühlt man sich schon durch die Musik allein viel mächtiger und schneller. Klasse! Dazu gibt es wunderbar melancholische Stücke, wenn z. B. Prinzessin Medea dem Helden im Traum erscheint oder eine fast schwerelos bezaubernde Musik, wenn man in Vogelgestalt über die Kontinente schwebt.

Die Steuerung ist eingängig und gut durchdacht. Es gibt nichts zu beanstanden und alles geht leicht von der Hand. Gespeichert wird genreüblich an Speicherpunkten. Diese beschränken sich in Dragon Quest jedoch auf Ortschaften. Man muss eine Beichte in der Kirche ablegen, was dem Speichern entspricht. Ein Speichern in den Dungeons ist nicht vorgesehen. Schön ist aber, dass man im Prinzip nie ein Game Over sehen muss. Man kann sich in der Kirche wiederbeleben lassen, was jedoch die Hälfte des in Besitz befindlichen Geldes als Spende einfordert.

Das Spiel lief problemlos auf der PS3, nur hin und wieder gab es in der Kirche im Speichermenü einige merkwürdige Tonknacker. Dafür sieht es aber in der Hochskalierung im Vergleich zur normalen PS2-Darstellung noch einen Tick schöner aus.

Gameplay

Nachdem der böse Magier Dhoulmagus das magische Zepter aus dem Schloss der Königreiches Trodain stahl, fiel das Land der Dunkelheit anheim. Riesige Ranken umhüllten das Schloss und die Bewohner verwandelten sich durch den Zauber Dhoulmagus zu erstarrten Dornenpflanzen, der König in einen krötenähnlichen Gnom und die liebliche Prinzessin Medea in ein Pferd. Doch eine Person im Reiche Trodain blieb von diesem Fluch unversehrt, eine Wache aus dem Schloss und zugleich Held der Geschichte, die sich natürlich unter dem Namen Andy den diabolischen Plänen des Magiers Dhoulmagus entgegenstellen wird. Doch um den Fluch zu beseitigen und das Böse zu besiegen, muss der Held die Reise nicht alleine antreten. Im Gefolge sind zunächst König Trode, der im Planwagen, gezogen von seiner über alles geliebten (Pferde-) Tochter Medea, hinter dem Helden herzieht. Dazu kommt der etwas einfältige, aber mehr als gutmütige Ex-Bandit und Haudegen Yangus, der dem Helden der Geschichte treu ergeben ist, sowie wenig später die Magierin Jessica, die ebenfalls mit Dhoulmagus ein Hühnchen zu rupfen hat, da er ihren Bruder ermordet hat. Abgerundet wird das Team dann noch vom charismatischen Templer Angelo, der ebenfalls ein Anliegen hat, mit Dhoulmagus abzurechnen. Das Abenteuer kann beginnen...

Dragon Quest spielt sich so "klassisch" wie der Klassiker aller Japan Rollenspiele. Das Gameplay beruht auf dem von Final Fantasy bekannten Prinzip. Eine recht offene und frei begehbare Welt, in der die Party den Gegnern per Zufallskampf entgegenzutreten hat, die im Rundenmodus bestritten werden. Das bedeutet, dass man Kämpfe (mit Ausnahme von Spezial- und Levelbossen) nicht gezielt beginnen kann und die Gegnerhorden im offenen Feld auch nicht sieht. Das mag zuerst antiquiert und nervig wirken, da die aufgezwungenen Zufallsbegegnungen sicher nicht mehr jedermanns Ding sind, doch in Dragon Quest geht das Prinzip noch wunderbar auf. Die Zufallskämpfe sind nicht so häufig und nervig, wie in den ersten Teilen der Final Fantasy Serie und so kann man noch genügend Wegstrecke zwischen den einzelnen Kämpfen zurücklegen, ohne das Gefühl zu haben, sich nur im Schneckentempo durch die Landschaft und Dungeons bewegen zu können. Hier haben die Entwickler ein gutes Balancing gefunden und für später auch Optionen geschaffen, die Zufallskämpfe zu reduzieren, wenn man sich z. B. per Säbelzahntiger wesentlich schneller durch die Level bewegen und somit zwischen den Kämpfen viel mehr Strecke hinter sich lassen kann, oder auch ein Zauber, der niedere Kreaturen ohne Kampf für eine gewisse Zeit in die Flucht schlägt, so dass man nur gegen stärkere Feinde antreten muss. Das macht Sinn, da die kleinen Ganoven später auch viel zu wenig Erfahrungspunkte einbringen.

Die Welt in Dragon Quest ist zu Beginn gleich recht offen und frei angelegt. Das Heldenteam kann durch Wälder laufen, Berge erklimmen, über Wiesen, Bäche und Felder marschieren und sich in den Ortschaften in einer Gaststätte zur Ruhe begeben oder zum Beichten Speichern die Kirche besuchen. Eingegrenzt wird die Welt zumeist durch Bereiche, die man besser noch nicht erkunden sollte, was durch die dort viel zu übermächtigen Gegner zu erkennen ist. Und so spielen sich die ersten 15-20 Spielstunden nur auf einem Kontinenten ab, bis man später dann per Schiff auf einen anderen übersetzten und somit die weitere Welt erschließen darf. Das genaue Erkunden der Welt ist elementarer Bestandteil, offenbaren doch oft gut versteckte Schatztruhen besondere Gegenstände und Waffen, die der Truppe höchst hilfreich sein können.

Die gut erzählte Story sorgt über die gesamte Spielzeit dafür, dass es niemals langweilig wird, was bei einem Titel, der locker 80 Stunden veranschlagt, keine einfache Aufgabe darstellt. Und so darf man in Dragon Quest mit vielen interessanten Figuren, Handlungsfäden und Nebenquests rechnen, bis man sich dem Finale nähert. Das ist mit sehr viel Witz inszeniert, wodurch Dragon Quest schon sehr von den ansonsten mit Pathos durchzogenen Japan-RPGs abweicht und viel Selbstironie zeigt, ohne dabei die notwendigen Komponenten wie Freundschaft, Liebe und Selbstaufopferung zu vernachlässigen. Dragon Quest macht das einfach nur ein bisschen lockerer. Das merkt man auch an einigen Gegnern und Magieangriffen, wenn z. B. ein Gegner zwei Kasperlehandpuppen vor versammelter Mannschaft spielt und einen Witz erzählt und sich die Truppe nicht wehren kann, weil sie sich vor Lachen den Bauch hält oder ein Teufelchen sich mal kurz umdreht, um dem Team den Allerwertesten zu zeigen, worauf diese dann ganz schockiert eine Runde lang sprachlos sind. Dragon Quest bietet hier so unglaublich viel an kleinen Details, die den Titel alleine deswegen schon zu etwas Besonderem machen. Der Troll, der mit liebevoll verdrehten Augen anmutig die schöne Jessica betrachtet oder auch mal mit gleichem Blick mit der Zunge über seine Keule leckt oder beim Angriff kurz vor dem Zuschlagen ausrutscht und sich auf den Hintern setzt oder Teufelchen, die an einer imaginären Glaswand emporklettern, um sich dann wie Kamikazeflieger auf die Helden zu stürzen. Hier macht schon das Zuschauen im Kampf Spaß.

Das Charakterupgrade erfolgt durch das Erzielen von Erfahrungspunkten im Kampf. Besiegte Gegner füllen, je nach Schwierigkeitsgrad, das Erfahrungskonto der Heldentruppe. Ist eine bestimmte Punktzahl erreicht, steigen die Figuren einen Level hoch, was ihnen automatisch eine Verbesserung in den Bereichen Angriffskraft, Abwehr, Magie, Agilität und Lebenspunkte verschafft. Ebenso erhalten sie, levelabhängig, neue Fähigkeiten. Pro Level-Up gibt es zudem noch Talentpunkte, die vom Spieler selbst verteilt werden dürfen und pro Charakter auch unterschiedlich ausfallen. So kann der Held sich z. B. in der Waffengattung Bumerang verbessern, Yangus in Keule, statt sich aufs Axtschwingen zu spezialisieren usw. Dazu gibt es noch eine "menschliche" aufwertbare Komponente pro Charakter. Jessica kann ihr Sex-Appeal verbessern oder Angelo sein Charisma. Mit den Talenten erzielen die Figuren dann spezifische Eigenschaften pro erreichter Talentstufe. So z. B. den Doppelschlag mit dem Schwert oder Verführungskünste, um den Gegner abzulenken. Einige Waffenarten können nur von speziellen Figuren genutzt werden. Der Held ist ausschließlich in der Lage, den Bumerang zu schwingen, Jessica die Peitsche oder Yangus die Keule, sie können aber nebenher auch "Allroundwaffen" benutzen.

Magie steht allen Teammitgliedern - in unterschiedlicher Ausprägung- zur Verfügung, jedoch benötigt ihr Einsatz, ebenso wie einige Spezialtalentangriffe, Magiepunkte. Je nach Figur gibt es dann auch Variationen im "Zauberbuch". Yangus ist nicht der Hellste und daher bewegt sich sein Magiespektrum nicht auf höchster Ebene, ein paar Heilsprüche und dann hat es sich auch fast schon, die anderen Teammitglieder haben hier schon mehr Durchschlagkraft, Jessica beherrscht z.B. Feuer- und Eiszauber, Angelo fungiert eher als Heiler und Wiederbeleber, während der gute alte Andy sich mit Blitzangriffen über Wasser hält. Hinzu kommen noch Teleportationssprüche, die das Reisen erleichtern und damit lästige Zwangskämpfe verhindern. Mit dem Levelaufstieg der Figuren erweitern sich auch die Magiefähigkeiten. So kann ein Feuerspruch, der vorher nur einen Gegner versengen konnte, in der höchsten Ausprägung ein reines Flammeninferno auf eine ganze Gegnergruppe entfachen.

Ausrüstung und neue Waffen können in den Schatztruhen gefunden oder aber in entsprechenden Läden innerhalb von Ortschaften erworben werden. Das Geld erhält man durch Kämpfe, das von besiegten Gegnern zurückgelassen wird. Man kann neue Kleidung, Schilde, Rüstungen, Items wie Heiltränke oder Entgiftung, eigenschaftsverbessernde Ringe usw. erwerben. In den Shops wird man das Geld schneller los, als es einem lieb ist. Die Ortschaften sind auch ein Ort für Kommunikation. Hier wird viel von der Geschichte vermittelt und man erhält Hinweise und neue Aufgaben. NPCs sind hier nicht einfach nur Lückenfüller. So erfährt man, warum der König im Schloss sich kaum noch sehen lässt oder der Prinz in Arcadia ein Feigling ist.

Tag und Nachtwechsel sind ebenso Spielelement. In der freien Umgebung sind nachts nicht nur gefährlichere Monster unterwegs, auch in den Städten unterscheidet sich das Nachtleben vom Tagesablauf. Bars und Casinos sind dann besser besucht und man trifft Leute, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt. Auch einige Rätsel lassen sich nur beim Mondschein lösen, dann nämlich, wenn der Schein des Mondes auf einem Berggipfel den Zugang zum Mondportal sichtbar werden lässt. Das alles sorgt dafür, das die Welt von Dragon Quest wie aus einem Guss wirkt und man sich richtig darin verlieren kann. Die Entwickler haben es immer wieder geschafft, die Motivation des Spielers aufrecht zu erhalten. Wenn man langsam denkt, dass es zu Fuß doch ein wenig zu langweilig wird und lange Wegstrecken nerven, steht kurz danach ein neu gewonnener Freund in Form eines Säbelzahntigers bereit, um den Trupp schnell auf dem Landweg zu befördern, er erscheint einfach auf Pfiff einer besonderen Pfeife und steht ab dann fast überall zur Verfügung. Per Schiff kann man dann auch neue Kontinente bereisen, sich durch Meerengen lotsen und geheime Höhlen oder kleine Inseln erkunden. Die Krönung ist dann im letzten Drittel noch die Möglichkeit in Form eines Vogels über alle bereits erkundete Gebiete fliegen zu können und selbst noch einige bisher nicht zu erreichende Berggipfel zu erkunden. Hier merkt man letztendlich, wieviel Feintuning die Entwickler eingebracht haben.

Feintuning und stimmige Gamebalance kann man den Entwicklern auch bei den Kämpfen bescheinigen, die wirklich einmalig umgesetzt wurden. Hier stimmt das Balancing absolut und niemals hat man das Gefühl, über- oder unterfordert zu werden, etwas, das fast alle neueren RPGs wie Blue Dragon oder Eternal Sonata auf den Next-Gen Konsolen nicht hinbekommen haben. Dragon Quest fordert taktische Überlegung und gezielte Planung von Ressourcen. Die Gegner agieren gut und besonders auch mit unterschiedlichen Taktiken. Während man bei Blue Dragon oder Eternal Sonata fast alle Gegner mit der selben Hau-Ruck Methode besiegen konnte, was sicher auch am schlechten Gamebalancing lag, geht das bei Dragon Quest keinesfalls. Hier muss gut überlegt werden, wie der Gegner angreift, seine Schwächen müssen ausgenutzt und die Angriffsstrategie auch teamübergreifend bedacht werden. Erst ein Spruch, um das Team von speziellen Angriffen zu stärken, dann ein Heilspruch vorab, um beim fatalen Erstschlag des Gegners nicht gleich Teammitglieder in der zweiten Runde zu verlieren, je nach Gegnerteam die momentan am gefährlichsten erscheinende Gruppe zuerst auszuschalten usw. oder erst die schwächeren, um sich dann gemeinsam mit dem Stärksten anzulegen. Hier ist Taktik gefragt und gerade bei den Endbossen sind die Kämpfe so packend und gehen oft soweit, dass die letzte gut geplante Runde über Sieg oder Niederlage entscheidet. Soll man jetzt noch schnell den gefallenen Kameraden wiederbeleben und hoffen, die nächste Runde noch zu überleben oder lieber zum wohl letzten ultimativen Schlag ausholen, um damit vielleicht den Gegner in die Knie zu zwingen. Selten frustrierend, immer aber spannend. Und das zieht sich durch die gesamten 80 Stunden Spielzeit. Hier merkt man, was Gamebalancing und stimmiger Schwierigkeitsgrad ausmachen.

Die Dungeons sind abwechslungsreich vom Aufbau und den Locations. Mal durchstreift man dunkle Verliese, alte Schlösser, unterirdische Grotten oder eisige Höhlen. Sie sind zumeist in mehrere Etagen aufgeteilt und bieten auch ein paar alternative Wege oder Sackgassen, in denen dann oft besondere Gegenstände zu finden sind. Eine Karte, die zumeist in einer der Kisten im Levelanfang zu finden ist, erleichtert die Orientierung. Kleine Rätseleinlagen sorgen für Abwechslung, wenn man z. B. Brückenschalter in der richtigen Folge umlegen muss oder Stalagmiten als Brücke benutzen muss, nachdem man sie zuvor hat abbrechen lassen. Jedoch nichts, was auch ungeübte Spieler vor Probleme stellen sollte.

Das bisher Gebotene macht Dragon Quest schon zu einem Ausnahmetitel. Doch es gibt noch viel an erwähnenswerten Details, die das Spielerlebnis noch vervollständigen. So darf man z. B. das kleine Haustier des Helden namens Munchy steuern, wenn man in einem Haus nach Geheimnissen sucht und durch kleine Ritzen klettert oder man den feigen Prinzen, der sich im Turmzimmmer eingesperrt hat, das Fürchten lehrt. Auch im Kampf wird Munchy, angelockt mit einem Stück Käse, zur Kampfmaus. Dazu gibt es noch viele Nebenaufgaben: z. B. das Aufsammeln von speziellen Medaillen, die man im Schloss von Prinzessin Minnie gegen seltene und nützliche Gegenstände oder Waffen tauschen kann. Warum nicht einmal in einem der Casinos auf's Ganze gehen und sein Vermögen verprassen oder vermehren, locken doch so besondere Gegenstände wie die Flüssigmetallrüstung. Also warum nicht mal eine Runde Bingo spielen oder den Roulettetisch unsicher machen. Und damit Krötenkönig Trode nicht ganz untätig bleibt, werkelte er heimlich abends im Planwagen an einen Alchemiekessel. In ihm kann man, entsprechende Rezepte oder Selbstexperimente vorausgesetzt, Gegenstände miteinander kombinieren und so bessere Waffen schaffen oder sie unter Zugabe von Heiligenasche von ihrem Fluch befreien.

Ein besonderes Goodie ist die Monsterarena, die selbst schon so viel Spaß macht, um als Stand-Alone Game durchgehen zu können (was sicher einige Publisher auch getan hätten). Die Monsterarena erlaubt es, spezielle Monster, die in der Spielwelt gefangenen genommen werden können, in einer Arena gegeneinander antreten zu lassen. Sind sie für drei Runden siegreich, geht es eine Klasse rauf. Hier ist es wichtig, gut harmonierende Monster zusammen in eine Gruppe zu nehmen. So können z. B. drei Schwertkämpfer eine Komboattacke vollführen, aber auch Gegner der gleichen Monsterrasse sind nicht zu unterschätzen. Das Schöne daran ist, dass man das Monsterteam auch außerhalb der Arena in der Spielwelt als Spezialattacke des Helden in den Kampf schicken kann. Das richtige Team für die gegnerische Truppe in der Arena zu finden ist das Geheimrezept und es macht schon ein wenig stolz, wenn die eigene Monsterbrut als Sieger hervorgeht. Preisgelder gibt es natürlich auch.

Dragon Quest bietet, für "faule" Spieler, noch die Option, die Begleiter per KI-Skript nach vorgegebenen Verhaltensmustern agieren zu lassen - aber wer will das schon :-).

Hat man das Spiel einmal erfolgreich beendet, kann man zudem einen neuen Spielstand anlegen, der den Spieler kurz vor dem Endgegner erneut in die Welt entlässt, jetzt aber einen neuen und wirkliche harten Extradungeon bereithält.

Fazit

"Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs" ist ein wunderbares Spiel. Es vereint eine gelungene Story mit viel Humor und Selbstironie, eine offen angelegte, zum Erforschen einladende Spielwelt, wunderbare Charaktere, ein breites Gegnerspektrum und ein absolut gut ausbalanciertes, forderndes und spannendes Gameplay. Viele Rezensenten haben dem Spiel vorgeworfen, viel zu viel "Old School" Gameplay zu beinhalten. Das stimmt zwar, ist aber sicher kein Nachteil, denn das Spielkonzept geht immer noch auf, besonders, wenn es um so viele stimmige Kleinigkeiten ergänzt und modifiziert wurde, die dafür Sorge tragen, dass die Nachteile des "alten" Prinzips kaum noch Relevanz haben. Dragon Quest ist ein rundum gelungenes Spiel, das den Spieler in der gesamten Spielzeit von ca. 80 Stunden vor den Screen fesselt, auch wenn die ersten 10 Stunden ein wenig Eingewöhnungszeit erfordern. Graphik, Sound, Gameplay, Balancing, Story, Humor und Vielfalt sorgen für uneingeschränkten Spielspaß. Hier zeigt sich, dass besonders das Feintuning in der Gamebalance das A und O eines Rollenspiels ausmacht und so verweist das schon in die Jahre gekommene Dragon Quest die Wanna-Be Vorzeige RPGs der Next-Gen Konsolen ohne Probleme auf die hinteren Plätze. Wer das Spiel bis jetzt noch nicht in seiner Sammlung hat, sollte das schleunigst ändern! Ein absolutes Vorzeige-Japan-RPG!


Geschrieben am 11.02.2008, Testkonfiguration: Playstation2
 



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