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Dungeon Siege
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| Name: | Dungeon Siege |
| Genre: | Action Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2002/05 |
| Publisher: | Microsoft Game Studios |
| Entwickler: | Gas Powered Games |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | Planet Dungeon Siege |
| Hardware: | 333Mhz, 128MB RAM, 8MB 3D-Karte D3D, HD 1000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 95/98/ME, NT/2000/XP, DX8 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.11.1462 |
| USK: | 12 |
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In einem der vielen überaus seriösen Zeitungsberichte über PC-Games,
die gerade in der letzten Zeit die Computerspieler beglückten, fand sich
der Hinweis darauf, dass die brutalen Ego-Shooter inzwischen ein wohl
noch gräßlicheres Subgenre namens "Hack and Slay" hervorgebracht haben.
"Nomen est Omen" werden sich da wohl die meisten der unbedarften Leser
gedacht haben, ungeachtet der Tatsache, dass Spiele wie Diablo 2 oder
eben Dungeon Siege mit Ballerspielen soviel gemeinsam haben wie die Vier-Buchstaben-Zeitung
mit Journalismus.
Mit Dungeon Siege von Microsoft/GasPowered Games haben wir nun den neuesten
Vertreter dieses Spielegenres vor uns, der dessen Prinzip, sich allein
oder in Gruppen durch Gelände und Monster zu hacken, auch perfekt repräsentiert,
will sagen: viel mehr passiert auch nicht.
Ähnlich wie vergleichbaren Spielen wurde auch DS eine Prise RPG spendiert,
denn man kann zum einen im Verlaufe des Spieles eine Gruppe von Abenteurern
zusammenstellen, die man anführt und ausserdem bekommt man Erfahrungspunkte,
mit denen die Fähigkeiten verbessert werden können. Prinzipiell gibt es
4 Fertigkeitsbäume, nämlich Nahkampf und Bogen für die Freunde des eher
rustikalen Vorgehens und zusätzlich Natur- und Kampfzauber für die Feiglinge,
die kein Blut sehen können und sich lieber hinter dem breiten Rücken der
Nahkämpfer verstecken.
Allerdings ist der Einfluss des Spielers auf die Entwicklung des Charakters
sehr beschränkt und konzentriert sich darauf, dass man durch das reine
Anwenden der 4 Fähigkeiten darin von Zeit zu Zeit eine Stufe aufsteigen
kann. Es gibt also keine Fertigkeiten, die man selbst mit Skillpunkten
ausbauen kann oder ausgefeiltes Charakterdesign, von daher kann man sagen,
dass der Rollenspielanteil sogar noch rudimentärer ist als der von Diablo
2.
Gut, es gibt ausserdem noch die Charakterwerte wie Stärke, Geschicklichkeit
und Intelligenz, die im bekannten Maße den entsprechenden Schaden bei
den Fertigkeiten beeinflussen und ebenso automatisch beim Kämpfen gesteigert
werden. Von daher ist es auch recht einfach, Hybridcharaktere zu erstellen,
indem man erstmal mit dem Bogen auf einen Gegner schießt, wenn er näher
kommt dann zum Schwert wechselt und sich dann im Kampf heilt, womit man
dann sowohl im Nahkampf als auch als Bogenschütze und Naturzauberer aufsteigt.
Für bekennende D&D-Freaks sicher kaum ein Grund, die Ork- oder Elfenfüße
unterm PC-Tisch hervorzuziehen, aber sie werden im Moment mit anderen
Spielen sicher sowieso besser verdient.
Auch bei der Story kann DS, wenn man ehrlich ist, nichts wirklich Interessantes
bieten. Unser Held führt ein Leben als einfacher Bauer im jungen Königreich
Ehb, bis eines Tages ein alter Freund tödlich verwundet daherwankt (ich
vermisse bei diesen und ähnlichen Zwischensequenzen in PC-Spielen bisher
irgendwie immer die klassischen Filmsätze wie "Es wird alles wieder gut!"
oder "Lass mich hier, ich bin nur eine Last für dich".....sehr bedauerlich!)
und ihn mit einer Botschaft in die nächste Stadt schickt. In diesem Stil
geht es eigentlich das ganze Spiel über weiter, es gibt im Prinzip recht
wenige Quests, die stellenweise auch nicht wirklich für das Spiel wichtig
sind, was natürlich prinzipiell kein Problem wäre, wenn es einen guten
und mitreissenden Hauptplot geben würde. Aber das ist leider nicht der
Fall, was sich auch daran zeigt, dass die Persönlichkeit des Helden nicht
wirklich wichtig ist. Genauso verhält es sich übrigens auch mit den anderen
Charakteren, denen man im Laufe des Spieles begegnet und die man in seine
Gruppe aufnehmen kann. Keine dieser Personen hat einen wirklich bemerkenswerten
Hintergrund, es findet keine Kommunikation statt, sie sind halt einfach
da. Sollte daher der Begriff Partei abgeleitet sein?
Obwohl also die Vorgehensweise, das Zusammenstellen einer Gruppe von
Nahkämpfern, Bogenschützen und Magiern stark an Rollenspiele erinnert,
fehlen doch Interaktion und weitgehend auch Identifizierungsmöglichkeiten.
Es wird sicher in jedem Review zu lesen sein, aber es stimmt halt auch
einfach: grundsätzlich kann man sagen, dass DS eine Mischung aus Rollenspielen
wie Baldurs Gate/Icewind Dale und dem klassischen Hack and Slay-Game Diablo
ist. Aus beiden Genres wurden Elemente entnommen und neu zusammengestellt.
Sehr deutlich wird das bei der Steuerung. Man kann DS einmal nach dem
bewährten "Click and forget"- Prinzip spielen, markiert also den Gegner
und die Party stürzt drauflos, wobei es auch möglich ist, einzustellen,
dass immer der stärkste Gegner automatisch angegriffen wird und ob die
Charaktere eher offensiv oder defensiv spielen sollen. Zusätzlich lassen
sich Hotkeys für verschiedene Waffen oder Zauber programmieren, die dann
im Kampf blitzschnell gewechselt werden können. Andererseits ist es wie
bei manchen Rollenspielen möglich, per Tastendruck das gesamte Spielgeschehen
einzufrieren um das Inventar der Helden neu zu sortieren oder einem naseweisen
Zauberer, der sich zu weit vorgewagt hat, einen Heiltrank zu spendieren
oder ihn ins Glied zurückzuschicken. Das hat einen schönen Nebeneffekt:
da man das Spiel aus einer Art 3rd-Person-View spielt und seine Party
meistens von hinten sieht, die Kamera aber auch immer um 360 Grad drehen
kann, kann man mitten im Kampf das Spiel anhalten und dann wie in Matrix
um das Geschehen herumfahren, was -zumindest bei den ersten 100 Versuchen-
sehr unterhaltsam aussieht.
Und damit sind wir schon beim absoluten und herausragenden Pluspunkt
des Spieles: der Grafik. Ich habe selten ein so schönes, detailreiches
Spiel gesehen. Die Animationen, die Texturen, das Monsterdesign alles
wirklich in atemberaubender Qualität. Die verschiedenen Level haben alle
einen sehr unterschiedlichen Look und es lohnt sich wirklich, jede Karte
bis ins entlegenste Gebiet zu erforschen. Es macht auch einfach Spaß,
den Charakteren die neu gefundenen Klamotten, Rüstungen oder Waffen anzulegen,
um die wirklich wunderschön designten Sachen zu betrachten. Das Spiel
ist in mehrere größere Kapitel unterteilt, die durch Quests miteinander
verbunden sind und jedes dieser Kapitel verfügt, wie schon angeklungen,
jeweils über ein eigenes Set an Monstern und ein individuelles Aussehen.
Absolutes Highlight war für mich die Burg, in die man gegen Ende des Spieles
kommt, aber auch die anderen Gegenden, wie die Eishöhle, der Sumpf oder
die Mine sind einfach phantastisch umgesetzt. Man könnte zwar kritisieren,
dass innerhalb eines Levels recht oft dieselben Gegner auftauchen, aber
ich fand es stimmig und abwechslungsreich genug. Dieser aufwendige Look
hat natürlich auch seinen (Hardware)Preis. Um das Spiel mit voller Party
komplett ruckelfrei spielen zu können, ist wohl ein Rechner im Gigaherzbereich
samt neuester Grafikkarte erforderlich. Auf einem schwächeren System (meinem
:)) ist es aber durchaus noch spielbar und gut anzusehen, selbst in 1024er
Auflösung.
Die Jäger und Sammler (auch als Diablo2-Spieler bekannt) werden zu Recht
mehr über die Items wissen wollen. Zunächst ist es so, dass man sich auf
keine bestimmte Waffenart spezialisieren muss, jeder Nahkämpfer kann jede
Waffe benutzen, er kann mit oder ohne Schild, mit Armbrust oder Bogen
kämpfen, die einzigen Voraussetzungen sind genügend hohe Werte bei den
Attributen wie Stärke und Geschicklichkeit. Entsprechendes gilt natürlich
auch für Zauberstäbe bei den Magiern und für Rüstungen und jegliches Kleidungsstück.
Daher bleibt der Ärger darüber, dass man sich auf Schwerter spezialisiert
hat und dann nur noch Hämmer findet, erfreulicherweise (zumindest für
Leute, die bei der Charaktererstellung in Rollenspielen nicht tagelang
würfeln) aus. Optisch sind alle Items, wie schon gesagt, tadellos und
so raffiniert umgesetzt, dass man sie auch wirklich voneinander unterscheiden
kann. Man findet sowohl normale Gegenstände wie auch sehr viele mit magischen
Eigenschaften, Attribut- und Fertigkeitenerhöhung sind wohl am häufigsten
anzutreffen, aber es gibt auch Bonusschäden durch Blitz oder Feuer. Da
gibt es eigentlich keine bemerkenswerten Unterschiede zu bekannten Spielen.
Allerdings scheinen mir überproportional viele Items für Mischklassen
vorgesehen worden zu sein, man findet ständig Stäbe, die zwar als Zweihandwaffen
zu gebrauchen wären, aber eine für reine Nahkämpfer unerreichbar hohe
Intelligenz erfordern und für Magier auch kaum brauchbar sind. Vergleichbares
spiegelt sich in Rüstungsteilen wider, die Naturzauberfähigkeiten erhöhen
aber eine bestimmte Stärke voraussetzen, die ein Magier, der keine Riesenschwerter,
sondern höchstens mal ein Zauberbuch oder eine beschworene Waldelfe hochstemmt
nun einmal nicht haben kann. Aber das kann auch daran liegen, dass ich
eigentlich eher reine Klassen bevorzuge.
Recht lustig fand ich die Tatsache, dass es in einem speziellen Dungeon
voller technikverliebter Goblins für die Bogenschützen nette modernere
Waffen wie Flammenwerfer oder MG gab. Darüber kann man zwar geteilter
Meinung sein, da es aber wirklich nur sehr eingeschränkt benutzbar ist,
zerstört es auch nicht den Flair des Spieles oder ist zu sehr aus dem
Fantasy-Rahmen herausgerissen.
Ähnlich wie in Diablo2 werden auch in DS die magischen Gegenstände mit
unterschiedlichen Farben gekennzeichnet, neben den häufigsten blauen gibt
es dann noch seltenere orange, gelbe oder violette. Die sind zwar alle
ganz nett, ein rechtes Jagdfieber auf spezielle Super-Items wollte sich
bei mir aber nicht einstellen. Das hängt vielleicht auch damit zusammen,
dass nicht alle von toten Monstern geerbten oder in Truhen gefundenen
Gegenstände zufällig auftauchen, sondern an bestimmten Orten eben jedesmal
gefunden werden. Das ist wohl vor allem der Tatsache zu verdanken, dass
man in DS im Singleplay zu jeder Zeit speichern und laden kann. Wenn es
hier ein rein zufälliges Dropsystem wie in Diablo 2 geben würde, könnte
man theoretisch vor jeder Kiste speichern und dann so oft wieder laden,
bis irgendein tolles Gimmick erscheint. Man muss allerdings fairerweise
sagen, dass die Änderung im Kampf durch das Benutzen eines neuen Items
natürlich in einer Gruppe von 8 Leuten (wenn man das Spiel denn so bestreitet)
weit weniger auffällt als in einem Spiel mit nur einem Charakter. Man
kann übrigens, wenn man das möchte, Partymitglieder gegen Maultiere austauschen,
um damit mehr Gegenstände mitzunehmen, nach meiner Erfahrung ist das aber
eher unnötig, da auch durch die Charaktere genügend getragen werden kann.
Da man in DS eigentlich ständig umherzieht und daher keine Stadt oder
Siedlung als Basis, zu der man immer wieder zurückkehrt, vorhanden ist
(man reist eigentlich permanent von einer Stadt zur nächsten), werden
die Gegenstände auch nicht beschädigt, d.h. man muss nie irgendetwas reparieren.
Auch die Bögen verschießen unendlich viele Pfeile, die man daher auch
nicht kaufen muss. Es gibt aber an einigen Stellen Händler, bei denen
man unter Umständen etwas kaufen und vor allem auch verkaufen kann. Im
Laufe der Zeit sammelt man sich eine ganze Menge Gold zusammen, das man
eigentlich auch nicht unbedingt braucht, aber hin und wieder findet man
schon etwas Brauchbares.
Natürlich vererben die Monster nicht nur Waffen und Rüstungen, sondern
auch magische Schriftrollen der beiden Zauberschulen Natur- oder Kampfzauber.
Beide Schulen haben jede Menge offensiver wie auch defensiver Zauber,
deren Animationen locker das sehr hohe grafische Niveau des Spieles halten.
Die Zauber setzen nur eine bestimmte erreichte Stufe voraus und können
dann problemlos eingesetzt werden, das System ist auch hier viel weniger
restriktiv als das der D&D-Regeln. Es gibt eine Unmenge Zauber, aber leider
ist es nicht ganz so einfach, schnell zwischen ihnen zu wechseln. Man
kann insgesamt 4 globale Quickbars programmieren, davon zwei mit Waffen
und zwei mit Zaubern. Im Endeffekt kann man in Echtzeit dann also nur
diese beiden Zauber relativ unproblematisch benutzen, will man einen anderen
auswählen, muss man erst pausieren und den Zauber in das entsprechende
Auswahlfenster ziehen. Bei Nahkämpfern macht sich das kaum bemerkbar,
weil diese ja nicht ständig zwischen 20 verschiedenen Waffen wechseln
müssen, sondern einfach die beste nehmen und behalten.
Gut gelöst finde ich die Benutzung von Heil- und Manatränken, da sie
nicht unterbrochen werden kann, auch wenn der Charakter in der Zwischenzeit
getroffen wird, er trinkt den Trank trotzdem komplett aus. Die Musik des
Spieles ist meiner Ansicht oder besser meinem Gehör nach unbedingt ein
weiterer Kaufanreiz (siehe
Interview mit dem Komponsiten Jeremy Soule). Gerade das Hauptthema
ist so eingängig, dass ich mich schon beim Nachsummen unter der Dusche
ertappt habe. Sprachausgabe gibt es nicht allzuviel, die Kapitel werden
mit gesprochenen Zwischensequenzen überbrückt und es gibt ein paar wenige
Gespräche, wobei es mir so schien, als ob fast alles nur von Alfs Synchronstimme
gesprochen worden wäre. Nerviger war eigentlich nur noch, dass ich DS
insgesamt dreimal installieren musste, weil beim Zugriff auf bestimmte
Dateien ein Fehler auftrat, ein Bug, der beim Hersteller bekannt und in
den FAQs erläutert wird und bis zum Zeitpunkt des Reviews auch nicht behoben
wurde. Allerdings wird es wohl nicht auf allen Systemen passieren und
ansonsten wurde ich auch vor weiteren Bugs verschont.
Im Multiplayermodus hat man die Auswahl zwischen der Singleplayermap
und einer zusätzlichen Karte "Halbinsel Uträa". Dort gilt es zu 8 Städten
zu reisen und deren Stadtsteine zu finden. So macht man sich also auf
und kämpft sich durch teilweise endlos scheinende Maps und Dungeons, die
teilweise sehr an die der Singleplayermaps erinnern, um in die nächste
Stadt zu gelangen. Da man manche Orte öfter aufsuchen muss, wird die Reise
durch ein Transportsystem erleichtert, das es einem erlaubt, sich zu den
verschiedenen Städten teleportieren zu lassen. Um eine Stadt mit dem "HUB"
erreichen zu können, muß man jedoch erst ein gewisses Level erreicht haben.
Gespielt werden kann in einem Team bis zu je 8 Spielern oder in Teams
gegeneinander. Auch hier stehen mehrere Schwierigkeitsgrade zur Verfügung.
Allerdings ist das LAN-Spiel zu zweit im normalen Schwierigkeitsgrad schon
recht anspruchsvoll, da man sich alle vorhandenen Erfahrungspunkte und
Gegenstände, vorallem Heiltränke, teilen muß.
Eine abschließende Bewertung des Spieles fällt im Falle Dungeon Siege
gar nicht so leicht und die allgemein gebrauchten Vergleiche führen hier
auch meines Erachtens etwas in die Irre. Geht man tatsächlich von Baldurs
Gate 2 oder Diablo 2 als Maßstäben aus, dann kann Dungeon bei den jeweiligen
Stärken dieser Spiele (Spieltiefe und befriedigtem Sammlertrieb) sicher
nicht mithalten. Allerdings wartet es mit einer zum Verlieben schönen
Grafik auf und ich würde es eher mit einem Shooter vergleichen, den man
mal nebenbei eine Stunde spielen kann um dann wieder etwas anderes zu
machen und nicht mit Spielen, für die man eigentlich Urlaub nehmen muss.
Trotz der erläuterten Abstriche hat es mir beim Spielen Spaß gemacht und
das ist ja letzten Endes, worauf es wirklich ankommt.
Geschrieben am 03.08.2002, Testkonfiguration: Duron850, GeForce2 MX, 256MB Ram
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