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Evil Twin
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 | Info |
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| Autor | | 3 |
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| Gesamt (14 votes) | | 3+ |
 |   | | 2.4 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 1.6 |
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| Name: | Evil Twin - Cypriens Chronicles |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2001/10 |
| Publisher: | Ubisoft |
| Entwickler: | In Utero |
| Hardware: | 400Mhz, 64MB RAM, 16MB 3D-Karte D3D, HD 650 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 95/98/ME, DX8 |
| Steuerung: | Tastatur/ Joystick/ Gamepad |
| FFeedback: | nein |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.1 |
| Bemerkung: | auch für PS2 , Dreamcast erhältlich |
| USK: | 12 |
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| Evil Twin - Cypriens Chronicles (review von yak) |
Jump n Run Adventure Games sind auf dem PC eher eine Seltenheit. Um so
mehr freut sich das Springerherz in mir, endlich mal wieder das Joypad
herauskramen zu dürfen und fliegende Plattformen und düstere Schluchten
zu überspringen oder Gegnern mit federleichten Sprungeinlagen Paroli
bieten zu können.
Nun schickt uns Ubisoft und In Utero als Begleiter des kleinen Waisenjungens
Cyprien auf die Reise, um mit ihm jede Menge Abenteuer zu bestehen und
aussergewöhnliche Orte zu besuchen. Ob Evil Twin ein Konkurrent für das
eher konsolenübliche Genre der Kletter und Hüpf Helden ist und Mario,
Sonic und Co ebenbürtig ist, zeigt euch der Test.
Die Geschichte beginnt in einem Waisenhaus, in dem unser kleiner Held
Cyprien seinen Geburtstag mehr oder weniger unfreiwillig feiert, da seine
Freunde eine Überraschungsparty für ihn veranstaltet haben. Dem kann er
aber leider nichts abgewinnen und verlässt die Party, um auf sein Zimmer
zu gehen. Trost findet er dort nur bei seinem Teddy Lenny. Doch dann passiert
etwas Unglaubliches. Seine Freunde und er werden von einer dunklen Macht
entführt, deren Ursprung unter Cypriens Bett zu sein scheint. Cyprien
kommt in einer ihm fremden Welt namens Undabed (Unterbett?) zu sich und
trifft dort auf Wilbur, der sich als Freund von Lenny outet und Cyprien
erste Überlebensratschläge in dieser doch so fremden Welt erteilt.
Wilbur erzählt Cyprien von der grossen Welle, die der Dunkle Meister
verursachte, die ganz Undabed zerstörte und er das Volk von bösen Dämonen
unterjochen liess. Er berichtet, dass nur Cyprien Undabed retten kann,
nachdem bereits Lenny bei dem Versuch scheiterte. Cyprien erfährt auch
von den speziellen Fähigkeiten, die ihm in Undabed möglich sind. So kann
er z. B. seine "böse" Seite aktivieren und zum Evil Twin werden, der über
aussergewöhnliche Eigenschaften verfügt - und wer von uns wollte nicht
immer als Junge mal ein Superheld sein ... (ok, ich oute mich, ich war
nach meinem Honigbrot immer Spiderman).
Realisiert wurde Evil Twin mit einer aufgebohrten Engine, die In Utero
bereits für Jekyll & Hyde verwendete. Die Installation verlief problemlos.
Gespielt wird vorzugsweise mit einem Analogpad mit möglichst vielen Actionbuttons.
Tastatursteuerung ist zwar möglich, aber damit ist das Spiel so gut wie
unspielbar. Die Konfiguration des Gamepads erweist sich jedoch leider
als etwas umständlich, da eine Modifikation lediglich ausserhalb des Hauptprogrammes
erfolgen kann und bis man seine optimale Konfiguration gefunden hat, dauert
es schon eine Weile. Ein Nachteil ist auch die etwas überladene Steuerung.
Bei meinem Logitech Wingman Rumblepad hatte ich alle 9 Knöpfe einschliesslich
des Digitalpads (für den Waffenwechsel) belegt, was sich im Spiel auch
als absolut notwendig herausstellte. Leider funktionierte die Belegung
der Tasten des Digitalkreuzes nicht mittels des Gamekonfigurationsprogrammes,
so dass ich dies erst mit der Wingmanprofilsteuerungssoftware vorprogrammieren
musste. Für mein Empfinden ist die notwendige "Knopfvielfalt" in Evil
Twin auch viel zu überladen. Vergleicht man das Game hier mit der Genrekonkurrenz
aus dem Hause Nintendo, kommt man dort effektiver und direkter zum Ziel.
Hat man aber einmal die Funktion für sich gefunden, sollte dies kein Problem
mehr darstellen.
Das absolute Highlight des Games ist jedoch die Graphik. Hier stellt
Evil Twin so ziemlich alles in den Schatten und muss sich auch vor hochgezüchteten
Egoshooterengines nicht verstecken. So eindrucksvolle Szenerien bekommt
man selten vor die Linse. Einfallsreich gestaltete Gegner und Orte, feinauflösende
Texturen, phänomenale Licht und Wassereffekte, die ihres Gleichen suchen.
So sieht man beispielsweise im Wald durch die Baumkronen das Licht strahlen,
das gruselig und fast romantisch den Bodennebel erleuchtet. Hier hat man
ganze Arbeit geleistet. Auch gefiel mir das Wasser und die Wellendarstellung
besonders gut. Die Sichtweite ist gross und nur selten fand man im Spiel
Pop-Up-Effekte. Das Szenario und die graphische Gestaltung erinnert zuweilen
sehr an American McGee's Alice, alles wirkt recht psychedelisch. Die graphische
Vielfalt, der Ideenreichtum und auch die gewollte Überzeichnung einiger
Szenen kommen dem filmischen Schaffen von Terry Gilliam sehr nahe und
man kann die Level ungefähr mit den Filmsets aus "Baron Münchhausen" ,
"Timebandits" oder aber auch mit "Die Rückkehr nach Oz" vergleichen. Wenn
wir gerade vom Land Oz sprechen, so finden sich im Spiel auch viele Charaktere
wieder, die den Büchern von Oz und Alice im Wunderland entsprungen seien
könnten. Komisch finde ich an dieser Stelle jedoch das Urteil einiger
Printmagazine, die hier mit mir zwar bezüglich der Graphik gleicher Meinung
sind, aber an dem Spiel Jekyll & Hyde kein gutes Haar liessen, obwohl
man die gleiche Engine benutzte und Jekyll & Hyde eine ähnliche hohe Graphikqualität
aufwies. Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich einer führenden PC Zeitschrift
kurz mitteilen, hätten sie Evil Twin wie ich bis zum Ende durchgespielt,
dass es dort KEINE DRACHEN gibt, die sie in ihrem Test erwähnten ;). Also
nicht alles glauben was geschrieben steht.
Die Engine unterstützt Auflösungen von 320 bis 1024 in 16 und 32 Bit.
Leider hat die Schönheit auch ihren Preis. So kam es selbst bei dem doch
im High End Bereich liegenden Testrechner öfters zu Performanceeinbrüchen,
besonders wenn Cyprien als Evil Twin mit Effektattacken wie Feuerbällen
um sich warf. Die vielen Zwischensequenzen werden mittels der Graphikengine
erzählt. Der Sound ist ebenfalls von hoher Qualität. Passende Ambientesounds,
zirpende Insekten, Meeresbrandung, Feuerknistern runden die tolle Atmosphäre
ab. Hier gibt es nichts zu meckern. Auch die Musik hat orchestrale Filmmusikqualität,
ist ohne Tadel und passt hervorragend zum On-Screen-Geschehen. Alles passt
hier perfekt zusammen. Hier zeigt sich einfach, dass die Franzosen ein
Volk der schönen Künste sind. Die Graphik, das gesamte Design und Szenario
ist im Vergleich zu amerikanischen Produkten so erfrischend anders und
unverbraucht. Etwas dürftig jedoch ist die deutsche Vertonung. Einige
Sprecher machen ihre Arbeit sehr gut, andere Rollen sind jedoch lustlos
und von der Stimmlage unpassend besetzt und an einigen Stellen wirkt es
oft so, als ob die Sprecher gar nicht wussten, wie sie den Satz betonen
sollten und die zu vertonen Situation/Handlung nicht kannten. Das wirkt
sich leider negativ auf die sonst sehr dichte Atmosphäre aus. Witzig sind
jedoch die Kommentare von Cyprien und die vielen vorhandenen Filmzitate.
So tritt Cyprien dem Liebespaar auf der Schiffswelt in den Allerwertesten,
weil er ihr "Leo ich liebe dich" Geschmachte nicht mehr ertragen konnte
oder als der Kapitän das reparierte Schiff starten wollte, fragt Cyprien
den Kapitän, ob er "den Satz" sagen darf, den er dann inbrünstig nach
der Erlaubnis mit "Bringen sie uns hier raus, Nummer 1" intoniert. Hier
gibt es viele kleine Anekdoten, die einen öfters zum Schmunzeln bringen,
spätestens wenn Arnies Stimme aus einem zweckentfremdeten Anrufbeantworter
mit "Asta la vista Baby" schallt.
Das Gameplay orientiert sich an den grossen Vorbildern der Sektion Jump
n Run mit Puzzleeinlagen. So ist es z. B. Cypriens Aufgabe, ein Insektenvolk
von einer bösen Wurzel zu befreien, eine Spinne vor dem Verhungern zu
retten, ein Flugzeug zu bauen, eine Fabrik zu zerstören, die Meeresabsauger
produziert, die vorher alles Leben von der Oberfläche absaugten, zwei
Völker zu vereinen oder grosse Meeressäuger vor einer Krankheit zu heilen.
Dazu kann sich Cyprien bestimmte Gegenstände besorgen, die er mittels
seines Inventars auch zur Anwendung bringen kann. Die Geschichte wird
gekonnt und spannend erzählt, wenn auch die Zwischensequenzen etwas zu
lang geraten sind und dadurch den Spielfluss etwas stören. So findet sich
Cyprien in einem Wald wieder, einer Stadt in den Wolken, oder eine Schiffswelt,
die von riesigen Meerestieren durch das Meer gezogen wird. Im Spielverlauf,
der 8 Level beinhaltet, erhält Cyprien dann auch unterschiedliche Waffen
mit besonderen Eigenschaften, die er braucht, um Undabed und seine 4 entführten
Freunde zu befreien. So kann er seine Steinschleuder tunen und damit besondere
Gegenstände abfeuern. Damit kann er z. B. Transporter aktivieren oder bestimmte
Stellen auf dem Boden damit zu "überreden" Dampf abzulassen und durch
den Aufwind in höhere Regionen zu gelangen. Hier heisst es: Immer schön
die Augen offen halten und versuchen, einen geeigneten Weg zu finden.
Die Puzzle sind nicht allzu schwer, allerdings kann es passieren, dass
man sich an mancher Stelle etwas "schimmelig" sucht, da bestimmte Schalter
in der Graphikvielfalt untergehen und zu schlecht zu sehen sind. Die Grundlagen
bekommt man zu Beginn jedoch von Wilbur in einem Tutorial beigebracht.
Dort erlernt Cyprien auch die Methode, sich für bestimmte Zeit in den
Evil Twin zu verwandeln.
Als Evil Cyprien kann er höher und weiter springen, schneller laufen,
Feuerattacken und Spezialangriffe ausführen und somit bestimmte Levelbereiche
erlangen, die er als Normalo niemals erreichen könnte, was auch für bestimmte
Puzzleeinlagen notwendig ist, um einen Level abzuschliessen. Sollte man
eine neue Waffe bekommen, kann man deren Funktion im Dorf der Demis in
einer kleinen Arena direkt ausprobieren. Unverständlich ist es mir, wie
man jedoch bei einem Spiel dieses Genres ein Tutorial anbietet, in dem
man mit seinem Alter Ego in die ewigen Jagdgründe einkehren kann. Gerade
hier sollte man doch die Freiheit haben, ungestört zu üben und zu experimentieren,
ohne in Gefahr zu sein. Dies ist aber leider nicht möglich und wird noch
dadurch verstärkt, dass man nur eine begrenzte Lebenszahl hat und ein
Speichern nur an speziellen Speicherpunkten möglich ist, die zudem noch
limitiert sind. Ob eine derartiges Speichersystem in der heutigen Zeit
noch Sinn macht, stelle ich eher in Frage. Spielzwang bis zum nächsten
Speicherpunkt ist nicht jedermanns Ding, besonders, wenn diese auch noch
rar sind. So sass ich des öfteren bei dem Spiel zwangsweise länger vor
dem Screen, als es für Normalsterbliche gut ist und bedenkt man, dass
Kinder dieses Game spielen, werden geplagte Eltern sicher den Spruch kennen"
KEVIIIIIIIN, mach jetzt mal die Kiste aus, du hast jetzt lange genug gespielt!!!"
und die Antwort, die Mamis und Papis bisher nur von Sohnemanns Playstationeskapaden
kannten " Ich muss erst noch zum Speicherpunkt!", was durchaus 2 Stunden
dauern kann, machen so auch auf dem PC Schule und sichert Juniors Ausredenwortschatz
jenseits des Gameboys.
Die Waffen haben unterschiedliche Eigenschaften, wenn man bestimmte Munition
findet. So kann man z. B. mit einer Bubblegum-Waffe den Gegner in eine
Kaugummiblase einsperren und kurzzeitig Gewalt über ihn erlangen, um nicht
erreichbare Schalter durch ihn zu aktivieren. Dann gibt es noch den Papierflieger,
den man "losschicken" kann, um nicht einsehbare Bereiche zu erkunden oder
Gegner auszuschalten, die für eine Nahattacke zu gefährlich sind. Der
Papierflieger ist sozusagen das Pendant zu einer steuerbaren Fernlenkrakete
mit Verfolgerkamera. Auch darf man in die Egoperspektive schalten, die
zwar dann zur Bewegungsunfähigkeit verdammt, aber ein genaueres Zielen
ermöglicht. Ideen für den Spielspass stecken also genügend in Evil Twin,
auch wenn sie Anleihen aus anderen bekannten Titeln haben, wurden sie
dennoch passend ins Spiekonzept eingewoben.
Jetzt denkt man sicher, hört sich alles nicht übel an, scheint ein tolles
Games zu sein, aber Evil Twin krankt schon wie In Uteros Vorgänger Jekyl
& Hyde an vielen Kleinigkeiten, die eine Spielempfehlung doch stark einschränken
und einen Kardinalsfehler für Jump & Run Games darstellt. Es wurden die
gleichen Fehler wiederholt wie im Vorprodukt, obwohl man aus Fehlern bekanntlicherweise
lernen sollte, wie man uns immer in der Schule gesagt hat.
Der Schwierigkeitsgrad des Games ist viel zu hoch angesetzt. Jeder Sprung
muss millimetergenau sitzen, ansonsten darf man sich von einem Cyprien
aus der Bestandsliste trennen. Gepaart mit einer miserablen Kameraführung,
die nicht in der Lage ist , das Geschehen übersichtlich auf den Screen
zu bringen und somit Gefahren oder notwendige "Einblicke" viel zu spät
erfolgen. Zwar kann man die Kamera selbst nachjustieren, aber in vielen
Sektionen wird einem diese Option verweigert, da nicht überall ein Kameraschwenk
möglich ist. Diese Stellen finden sich aber oft in Abschnitten, in denen
eine gute Übersicht zwingend notwendig ist, um Entfernungen richtig abschätzen
zu können. So landet oft genug ein Cyprien im digitalen Himmel, nur weil
es nicht möglich war, sich eine vernünftige Übersicht zu verschaffen.
Die Steuerung ist auch nicht besonders gut abgestimmt. So bewegt sich
Cyprien, trotz analogem Steuersignal viel zu schnell und ein präzises
Handling ist nicht einfach, da man oft über sein geplantes Ziel hinausschiesst/springt.
Dies Problem wird bei Cyprien nach der Verwandlung zum Evil Twin noch
extremer, was einen oft genug veranlasst, die Wechselbalgfunktion nur
in zwingenden Notfällen zu benutzen, damit man zumindest halbwegs die
Kontrolle über die Spielfigur behält. Zwar hat man sich nach den fast
25-30 Spielstunden etwas daran gewöhnt, was jedoch für eine Lernphase
viel zu spät ist und die Motivation und den Frustfaktor bei weitem ausreizt.
Die konsolenübliche Steuermethode, die sich nach der momentan dargestellten
Bildschirmrichtung justiert, tut noch ihr übriges dazu. So ist es gerade
bei schwierigen Sprungsequenzen fast die Regel, dass die Kamera ihr Eigenleben
aktiviert und man im Sprung befindlich die Richtung nachjustieren muss.
Für Ungeübte und Genreneulinge eine nicht zu bewältigende Aufgabe.
Nach meinem Jekyll & Hyde Review war ich bei einem Game nie wieder so
oft an der "ICH HÖRE JETZT AUF UND SPIELE DAS NIE, NIE WIEDER" Grenze
wie bei Evil Twin, und das, obwohl ich für meine Ausdauer bekannt bin.
Oft war es dann auch der Fall, dass nach einer absolut mörderisch, schweren
Sequenz kein Speicherpunkt zur Verfügung stand, sondern man dann evtl.
sogar mit einem Endboss konfrontiert wurde, der auch nicht unbedingt im
ersten GO besiegt werden konnte. Durch die unzureichende Speicherfunktion
beschneidet sich das Game von einer Option, die ich immer an diesem Genre
geliebt habe: Dem Erforschen, Rumprobieren und Suchen von Secrets. Sowas
wird man sich mehr als einmal bei Evil Twin überlegen, da die Leben dafür
einfach zu kostbar sind und der Frustfaktor, erneut bis zu dieser Stelle
zu gelangen, einfach zu hoch ist. Dazu kommen auch noch zeitabhängig zu
lösenden Puzzles, die so eingestellt sind, dass sie fast auf eine 1/10
Sekunde genau gelöst werden müssen, was bei der doch etwas unpräzisen
Steuerung oftmals unmöglich ist, dem Spielspass nur schadet und für das
Spielkonzept in dieser Ausprägung auch unnötig ist. Man hat hier oft das
Gefühl, dass die Programmierer den Spieler als ihren Feind ansehen, weil
es wirklich zu unfair gestaltet ist. Erklärung hierfür kann nur sein,
dass man keine Tests mit Normalspielern durchgeführt hat, sondern die
Testphase nur In-House absolvierte und die Designer, die täglich mit dem
Spiel umgehen sicher viel mehr Erfahrungswerte und Praxis mit ihrem eigenen
Produkt haben und damit auch den Massstab für den Schwierigkeitsgrad anders
einschätzen werden, denn sonst wäre es sicher aufgefallen, dass es
hier ein Defizit gibt.
Zwar hat Ubisoft den Release um 2 Monate verschoben, um am Feintuning
zu arbeiten, was sich nach meiner Einschätzung jedoch lediglich darin
äussert, dass man vor besonders schwierigen Passagen oder Endgegnern eine
Vielzahl von Freileben findet und das Spiel zusätzlich ein dreimaliges
Continue anbietet. Dies wirkt eher wie Schadensbegrenzung, statt Feintuning.
Obwohl man zumindest honorieren muss, dass man hier Handlungsbedarf gesehen
hat und auch daran gearbeitet hat.
Es gibt jedoch noch weitere Kleinigkeiten, die sich negativ auswirken
und den Spielfluss bremsen. Cyprien kann genreüblich an Vorsprüngen hangeln
und sich daran hochziehen. Problematisch wird es jedoch bei beweglichen
Plattformen. Versucht unser Held dies, bei einer sich aufwärts oder nach
hinten bewegenden Plattform, wird er mit einem Absturz in die Tiefe belohnt.
Dann passiert es häufig, dass nach Umschalten von Ego auf die 3rd Person
Sicht die Kamera festhängt oder sich die Kamera bei der Verfolgung des
Geschehens an anderen Gegenständen im Level festbeisst und es verhindert,
dass Cyprien sich weiterbewegt. Auch kam es vor, dass die Spielfigur im
Polygonnirvana hängen blieb und man das Spiel nur durch einen Freitod
weiterspielen konnte.
Gepaart mit der Speicherfunktion kann einen dies schon in den Wahnsinn
treiben. Ein weiteres Manko ist, dass eine Waffenbenutzung im Rennen oder
Springen nicht möglich ist. So ist es fast bei allen Waffen notwendig
,dass Cyprien kurz stehenbleibt. Das bremst den Spielfluss aus und verhindert
so, dass man Gegnern mittels Ausweichsprung mit gleichzeitiger Attacke,
wie es andere Spiele ermöglichen, an die Wäsche rückt, was die Kämpfe
etwas langweilig und unnötig unfair macht. Auch kommt die Notwendigkeit,
sich zum Evil Twin zu machen im Spiel eigentlich wesentlich zu kurz. So
wird sein Auftreten eher zu einer Gastrolle, als zu einem notwendigen
Spielinhalt. Hier hätte man mehr daraus machen können. Interessant hingegen
sind die Endbosse, bei denen man sich meist eine besondere Strategie erarbeiten
muss, um zum Ziel zu gelangen. Etwas nervig war es jedoch bei dem ersten
Endgegner, da man dort auf Egosicht wechseln musste, um empfindliche Wurzelteile
zu treffen. Da man in der Egosicht jedoch bewegungsunfähig ist und man
automatisch bei einem Feindkontakt oder Geschoss wieder in die 3rd Person
wechselt, kam schnell unnötiger Frust auf, da man diese Situation so gut
wie nicht beeinflussen konnte und es eher zum Glücksspiel wurde, einen
gezielten Schuss abfeuern zu können. Geärgert hat mich auch an einigen
Stellen, dass die Gegner automatisch nach einiger Zeit wieder erscheinen,
obwohl man den Bereich schon "gesichert" hatte, was keinen spielerischen
Sinn machte. Positiv ist jedoch bis auf ein paar kleine Ausnahmen, dass
das Programm absolut stabil und fast bugfrei lief. Lediglich einige Clippingfehler
und ein Logikfehler sind mir aufgefallen. So wurde Cyprien, den ich sicher
auf einem grossen Pilz plazierte, von einer Riesenheuschrecke gekillt,
deren Kopf das Raum/Zeitgefüge in Form eines Pilzhutes ohne Probleme durchdringen
konnte. Gewünscht hätte ich mir auch noch eine Unterstützung für Rumblepadfunktionen,
die sicher nicht schwer einzubinden gewesen wären, da das Spiel auch für
Konsolen entwickelt wurde. Geliefert wird das Programm in einer Eurobox,
in der eine kurze, jedoch ausreichende Anleitung und die 2 Spiele-CDs
in einem Jewelcase ohne Inlay und Cover. Hier wäre eine DVD Packung in
meinen Augen sinnvoller gewesen.
Abschliessend kann man sagen, dass es leider zu viele Kleinigkeiten gibt, die den Spielspass,
den ich trotz aller aufgeführten Mängel hatte, reduzieren und das Spiel so nur für Vollprofis
empfehlenswert macht, die Donkey Kong 64 und Mario 64 in der Frühstückspause beim Zeitungslesen
inhalieren. Wer Nerven und Ausdauer wie Stahlseile hat, wird sich nicht abschrecken lassen,
andere jedoch seien gewarnt. Hätte man etwas mehr Sorgfalt bezüglich der oben erwähnten Punkte
in das Programm einfliessen lassen, wäre es sicher ein Referenzprodukt geworden . So kann man
gewillten Spielern, die sich am Jump & Run erfreuen wollen nur die Konkurrenz aus eigenem Hause
empfehlen, denn Ubisofts Rayman 3D ist immer noch ein Genrehighlight. Wer sich jedoch nicht
vom hohen Schwierigkeitsgrad abschrecken lässt und seinen Spielstand eh nie speichert, weil
er denkt, dass das was für Mädchen, Warmduscher und Bravoleser ist, der wird den kleinen Cyprien
sicher mögen, zumal er immer einen frechen Spruch auf Lager hat und wer genau hinsieht, weiss,
von wem Freddy Krueger sein Streifenrollioutfit abgeguckt hat.
Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines Reviews, das bereits auf der Seite
GUN veröffentlicht wurde.
Geschrieben am 27.10.2001, Testkonfiguration: AMD1200, Geforce-3, 512MB Ram, SB Audigy
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