 | Info |
|---|
| Autor | | 1+ |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 2.5 |
 |   | | 3 |
 |  |  |  |
| Gesamt (1.042 votes) | | 1+ |
 |   | | 1.9 |
 |   | | 2.1 |
 |   | | 2.5 |
|
| Name: | Fallout 2 |
| Genre: | Rollenspiel rundenbasiert |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 1998/01 |
| Publisher: | Interplay |
| Entwickler: | Black Isle |
| Links: | supermutant.de |
| Links: | Vault 13 |
| Hardware: | 90Mhz, 16MB RAM, keine 3D-Karte nötig, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 95/98/ME, DX5 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | ja |
| Serie: | ja |
| Patch: | unofficial patch 1.02.27.1 |
| USK: | 16 |
|
|
| Fallout 2 (special von yiya) |
Die ersten Sonnenstrahlen tasten sich durch die Risse der halbverfallenen
Bretterwand hinter mir, fahren mir übers Gesicht und vertreiben den Schlaf. Leider
nicht die Müdigkeit, die nur träge und widerwillig weichen will. - An sich
eigenartig, denn derweil hat sich in vielen Situationen gezeigt, dass jeder aus meiner kleinen
Gruppe bei Annäherung einer Gefahr sehr wohl und ohne Einschränkung sofort hellwach
ist - anders wäre in dieser, durch atomare Verstrahlung karg und menschenleer gewordenen
Welt ein Überleben auch kaum möglich.
Begleitet von der Melodie des Windes, der praktisch allgegenwärtig über das
offene Land pfeift und mit den Ruinen einer verfallenen Zivilisation spielt, stütze
ich mich auf den Ellbogen und sehe nach meinen Begleitern. Nahebei türmen sich die
Massen Marcus auf, den Blick auf die anderen versperrend. Den 'Supermutanten' hatte ich
als Sheriff einer kleinen Gemeinschaften überlebender Minenarbeiter angetroffen und
dazu bewegen können, mit mir zu ziehen.
Das riesige Rockwell CZ53 Maschinengewehr sieht in seinen muskulösen Armen aus wie
ein Spielzeug. Ein Anblick, der an ein friedlich schlafendes Kleinkind erinnert aber täuscht.
Wenn es drauf ankommt und er einem an der Seite steht, wird kein Gegner noch irgend etwas
Kindliches in ihm sehen. Nur hinter einem stehen sollte er nicht, da die Streuung dieser
verdammten Kanone mir schon so manchen Streifschuss in den Rücken beschert hat. Ohne
effektive Panzerung würde der Wind wohl auch schon an meinen Gebeinen nagen.
Ich selbst bevorzuge die 30schüssige Bozar mit .223 FMJ-Munition - fürs Grobe.
Weit lieber ist mir aber mein Scharfschützengewehr, das aus grosser Distanz und mit
einem gezielten Schuss wahrhaft Wunder wirken kann. Ob nun bei einem gezielten Treffer ins
Bein, um den Gegner zu verlangsamen oder bei einem meist tödlichen Treffer in die Augen
(das Leben oder besser das Sterben in dieser Welt ist teils grausam doch ohne Schminke irgendwie
ehrlich).
Mal sehen, vielleicht wird gerade auch dieses Gewehr das richtige Mittel sein, die stationären,
noch funktionsfähigen Wachroboter am Eingang des alten Army-Depots auszuschalten, in
dessen Nähe wir kampieren. Für solch harte Ziele wäre eine Sprengladung zwar
besser geeignet, aber die Leichen derjenigen, die sich zu nahe an die Türme herangewagt
hatten, habe ich gestern gesehen - ein Schlachtfeld, auf dem ich nicht mein Ende finden
will (auch wenn mir Wright, der Anführer der Alkoholmafia in New Reno, fast Unglaubliches
über die HiTech-Einrichtung des Depots erzählt hat).
Fast so unglaublich wie das, was mir ein Händler über die Brahmins erzählt
hat, von denen ich eins in der Nähe des Lagers mit seinen beiden Köpfen grasen
sehe (vielleicht Fleisch für die nächsten Tage?). Angeblich sollen diese Tiere
früher nur einen Kopf gehabt haben, und im Norden will man nach Nachlassen der Radioaktivität
wieder einzelne solcher Exemplare gesehen haben! Hab ja nach dem Aufbruch aus meinem Dorf
vieles gesehen - fliegende, mit einem Schwertkranz gekrönte Maschinen, watschelnde
Pflanzenmonster, riesenhafte Todeskrallen und mutierte Tiere aller Art - aber das ist
ja wohl lachhaft!
Fallout... Eine eigenartige Spielbesprechung? Nun, als Betreiber einer Fallout-Webseite
bin ich gebeten worden, etwas über das Phänomen Fallout zu berichten und bei allen
Details, die das Spiel auszeichnen, seine besondere Stärke liegt in seiner Atmosphäre.
Dem Bann, in den der Spieler geschlagen wird; die Intensität und Faszination, die nun
schon seit drei Jahren von Tausenden empfunden wurde und den Wunsch nach einem dritten Teil
genährt hat (woran wohl auch das aktuell erschienene Fallout Tactics nichts ändern
wird).
Im Bewusstsein aller Subjektivität: Fallout ist das beste RPG seit Beginn der Computerära!
Die Gründe dafür sind vielschichtig. So erlaubt die Zeit, in der das Spiel angesiedelt
wurde eine Vielzahl von Bezügen, die teils bissig humorvoll, teils einfach spassig,
bis hin zu 'nachdenklich stimmend' die Reise durch ein Amerika nach dem Krieg der Kriege
zu einem Genuss machen.
Ausgangssituation... Ob nun im 1. oder im 2. Teil, Fallout spielt in einer
Welt, die weitgehend durch einen atomaren Krieg zerstört wurde, und in der die Menschen
über Generationen hinweg nur als kleine Gemeinschaften in den verstreuten, strahlungssicheren
Bunkern überleben konnten. Durch meterdicke Betonwände geschützt vor der
langsam abnehmenden radioaktiven Verstrahlung der Erde. So geriet über Jahrzehnte manches
in Vergessenheit, während sich ausserhalb der Bunker das Land verwandelte und die noch
verbliebenen Zeugnisse menschlicher Zivilisation zerfielen. Bis dann auch die Lebenserhaltungssysteme
der Bunker versagten und die Rückkehr der Menschen ans Licht der Welt erzwangen.
Im Spiel wirst du für deine Gemeinschaft den ersten Schritt in diese Welt unternehmen
müssen. Dich mit den spärlichen Mitteln der Vergangenheit an und gegen die unterschiedlichsten
Gruppierungen Überlebender wenden müssen.
Spielfigur... Dazu ist zuerst ein Spielcharakter auszuwähen. Einige vorgefertigte
stehen für Eilige direkt zur Verfügung, doch effektiver ist die Erschaffung einer
individuellen Spielfigur. Vorbildlich für Spiele wie z. B. Baldurs Gate: das Glück
spielt bei der Erschaffung eines Charakters keine Rolle. Man verteilt eine vorbestimmte
Anzahl an Primärpunkten auf Eigenschaften wie Stärke, Ausdauer, Wahrnehmung, Charisma,
Intelligenz, Beweglichkeit und Glück - wobei jede dieser Eigenschaften spielrelevante
Auswirkung hat! Teils direkt, über die Anfangswerte der Fähigkeiten (Skills) des
Charakters (im Kampf, dem Umgang mit Maschinen und Menschen), teils indirekt, was seine
Lern-/Regenerations- und Handlungsfähigkeit oder die Zahl der möglichen Begleiter
betrifft.
Ferner wählt man drei Primärskills, die beim Stufenaufstieg im Spiel mit doppelter
Geschwindigkeit gesteigert werden können und zwei Zusatzeigenschaften (Traits), die
aus einer wachsenden Palette alle 3 Stufenanstiege gewählt, dem Charakter seine Individualität
geben, ganz nach Geschmack.
Tutorial, oder ein wenig Geduld... Das Spiel (Fallout 2) beginnt dann mit dem Weg
durch den 'Tempel der Prüfungen'. Hier wird man mit dem rundenbasierten Kampfsystem
und weiteren Möglichkeiten, wie dem Entschärfen von Fallen oder dem Sprengen von
Hindernissen vertraut gemacht. Für manche sicher eher langweilig, aber wie derweil
bei vielen Spielen: Gib dem Spiel eine Chance, es braucht evt. ein wenig Zeit, bis der Funke
überspringt (und zum Feuer der Leidenschaft wird;).
Die Welt... Ist der Einführungsteil erstmal geschafft, geht es in die weite
Welt. Eine virtuelle Welt, die eine überraschende Komplexität bei uneingeschränkter
Spielweise besitzt! Fast alle Aspekte menschlichen Lebens haben hier ihren Platz. Ob man
nun den Weg des Guten oder den des Bösen wählt (ausgedrückt durch das 'Karma'
der Spielfigur), zum Ranger oder zum Leichenplünderer, Preisboxer, Mad Man, Pornodarsteller
oder gar Kinderschänder wird - es liegt in der Hand des Spielers. Ebenso wie die Entscheidung,
ob man bereit ist, das Risiko von übermässigen Alkoholgenuss, von Drogen oder
ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf sich zu nehmen.
Nur muss man überlegen, was man tut. Evt. wollen einige Personen sonst nichts mehr
mit einem zu tun haben und aufputschende Drogen können einen z. B. abhängig
oder zu einem zeitweilig kommunikationsunfähigen Idioten machen und wie ich herausfinden
musste, ist z. B. das Wegsprengen einer Verschüttung in einer Fäkaliengrube
überhaupt keine gute Idee.
RPGs - Nein, danke?... Bei aller Komplexität und Handlungsfreiheit bleibt
das Spiel dabei einfach, unbelastet von den teils zahllosen aber nichtssagenden NPCs und
Locations anderer Rollenspiele (die mir ursprünglich diese Gattung von Computerspielen
verleideten).
Action und Strategie... Auch kommen Action und Kampfstrategie nicht zu kurz (wodurch
Fallout Tactics seine Rechtfertigung findet). Im rundenbasierten Kampfmodus stehen jedem
Kontrahenten eine bestimmte Anzahl an 'Actionpoints' zur Verfügung, die er für
Bewegungen, dem einfachen oder gezieltem Abfeuern einer Waffe, dem Nachladen oder der Verwendung
von Inventaritems benutzen kann. Durch dieses Repertoire an Möglichkeiten sind die
unterschiedlichsten Kampfstrategien denkbar, und Schuss-Rückzug, Schuss-Deckung, bis
hin zu 'dem Gegner eine Sprengladung mit Zeitzünder unterzuschieben' sind durchaus
gute Alternativen zu einem einfachen 'drauflos'.
Waffen... Natürlich spielen dabei auch die Waffen eine grosse
Rolle, ob nun im Nah- oder im Fernkampf. Fast alle können in verschiedener Weise gebraucht
werden. Als Hieb-/Stichwaffe, geschwungen oder mit verschiedenartiger Munition (z. B.
panzerbrechend oder mit höherem Schaden) im Einzelschuss oder im Feuerstossmodus. Neben
futuristischen Modellen wie Laser-, Plasma- oder Gauss-Gewehren kommen dabei vorrangig real
existierende Waffen zum Einsatz. Vom einfachen Messer, über allseits bekannte Modelle
wie eine Dessert Eagle bis hin zu kleineren Maschinengewehren (was evt. den regelmässigen
Besuch meiner Seite durch das amerikanische Militär erklärt;).
Rüstungen unterschiedlichster Art sind dabei natürlich unverzichtbar, wobei
auch hier deren differenzierter Schutz gegen unterschiedliche Schadenssarten von Bedeutung
ist.
Storyline... Aber so wenig man die Kämpfe auch missen mag (viele Kämpfe
sind vermeidbar), die Hauptsache im Spiel bleibt die Storyline. Das Steigern seiner Fähigkeiten
und das Überleben in einer lebensfeindlichen Welt, auf der Suche nach dem so dringend
benötigten Wasserchip bzw. dem G.E.C.K (Garden Eden Construction Kit), der Weg zu Fuss
oder mit dem reparierten 'Chrysalis Highwayman'.
Verblüffend dabei, dass bis heute immer noch unbekannte Spieldetails gefunden werden
und ebenso, wieviel unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten die Programmierer für
einzelne Phasen des Spiels vorgesehen haben. So sind mir z. B. derweil gleich 6 Wege
bekannt, Einlass in das fremdenfeindliche 'Vault City' zu bekommen. Und diese, in einer
kommerzialisierten Welt geradezu verschwenderisch wirkende Fülle von Varianten ist
keineswegs ein Einzelfall. Ebensowenig wie die zahlreichen Bezüge auf reale Vorkommnisse,
Legenden, Bücher und Filme (sollten sich da einige Programmierer in ihr eigenes Spiel
verliebt haben?)
Nun zum Verlieben ist das Spiel jedenfalls. (yiya)
P.S. Für die, die Spiele eher schematisch vergleichen: in Bezug auf zeitgemässe
Grafik ist die Note bestenfalls 3-4; für Fehlerunanfälligkeit eher 4-5 (trotz
des unverzichtbaren Patch 1.02), für den Rest aber 1+
Serie: Fallout, Fallout
2
|