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GC Konzert 2003
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| GC Konzert 2003 - putting it together ... ein Konzert entsteht (special von yak) |
Dass Filme ohne Musik nicht denkbar sind, merkte man bereits beim Stummfilm,
als der Mann am Klavier die Pointen für Harold Lloyd oder Buster Keaton
setzte und Valentino die Frauen noch schneller verführte, als ihren Ehemännern
lieb war.
Doch epische Werke eines D.W. Griffith wie "Birth of a Nation", Murnaus
"Nosferatu", Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" oder Fritz Langs "Metropolis"
benötigten mehr und aus dem Solopiano wurde schnell ein großes Orchester.
Der Film entwuchs der Kinderschuhen und der Jahrmarktsensation und entwickelte
sich zu einer neuen Kunstform. Heute ist Film ohne Musik nicht mehr denkbar,
vermag sie doch den Zuschauern das zu vermitteln, was Worte nicht aussagen
können. Musik ist nun mal die direkteste Form, Emotionen zu vermitteln.
Eine ähnliche Entwicklung findet man bei einem noch sehr jungen Medium
- dem Videospiel.
Die Beeps und Plonks aus den Gründerzeiten entwuchsen über rudimentäre
Soundchips und MIDI-Sounds nun zu einem ähnlich fulminanten Sound, der
sich hinter den Kinoproduktionen in Bezug auf Aufwand und Qualität kaum
zu verstecken braucht, auch wenn er oft zu einem Bruchteil der Produktionskosten
erstellt werden muss und damit zugleich eine höhere Anerkennung der Leistung
verdient.
Einige Publisher und Entwickler haben erkannt, dass gute Vertonung kein
"Zonenrandgebiet" mehr ist, sondern für ein gelungenes Endprodukt unumgänglich
und notwendig. Ein gutes Spiel lässt sich nicht mehr alleine an opulenter
Graphik oder guten Gameplay festmachen. Der Ton macht die Musik.
Und so gibt es Spiele, die mit brachialer Orchestergewalt den Held noch
tollkühner, die Gefahr noch aussichtsloser, Romanzen noch sinnlicher und
den Horror noch entsetzlicher gestalten- Spiele mit einem Orchestersoundtrack.
Mussten Filmbegeisterte Jahre warten, bis ihr Hobby salonfähig wurde
und mit in die Programme renommierter Konzertveranstaltungen aufgenommen
wurden, dürfen Fans für orchestrale Spielesoundtracks nun aufatmen. Gab
es bisher nur Orchesterkonzerte im Land der aufgehenden Sonne, machte
sich hierzulande ein Mann auf, um den Windmühlen gehörig eins um die Ohren
zu hauen - musikalisch natürlich.
Das erste europäische Konzert mit Game-Soundtracks findet zur Eröffnung
der diesjährigen Game
Convention in Leipzig statt und wir haben die Chance, mit dem Initiator
Thomas Boecker
zu sprechen. Die Vorbereitungen für so ein Event sind sicher Pionierarbeit
und verlangen akribische Vorarbeit, daher möchte ich nun beginnen und
ganz passend aus einem Sondheimsong zitieren "Putting it together...
bit by bit !"
Hallo Thomas, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein
Interview nimmst und uns einige Fragen zum Game Convention Konzert beantwortest.
Zuerst kurz zur Person. Wie und in welcher Form hast Du mit Game-Musik
zu tun, bzw. wie hast Du Deinen Fable zur Musik bekommen.
Ich arbeite seit 1999 in der Spielebranche, hauptsächlich
als Produzent. Musik hat schon immer eine entscheidende Rolle in meinem
Leben eingenommen, sie fasziniert mich unglaublich. Bezogen auf interaktive
Medien beginnend mit dem Commodore 64, über Amiga zu PC und diverse Konsolen.
Im Moment kümmere ich mich als Music Director bzw. Music Consultant um
den Audiobereich von Projekten wie "Chicago
1930", "Knights
of the Temple" oder "Stalker
- Oblivion Lost". Als Audio Producer arbeite ich zudem zusammen mit
Petr Pycha, Music Contractor
in Prag, der verschiedene Orchester dort betreut. Ziel ist es, spezielle
Pakete, die auf die Spielebranche in Sachen Budget und Organisation zugeschnitten
sind, zu ermöglichen. Einspielungen für Titel wie zum Beispiel "Splinter
Cell" oder "Everquest II" resultierten aus dieser Idee und Initiative.
Was ist für Dich der entscheidende Unterschied von synthetischer
Musik zu einem Live-Orchester.
Immer wenn orchestrale Musik erzeugt werden soll, ist
der Unterschied natürlich grundlegend. Ich bin überzeugt davon, dass auch
der technische Fortschritt nie und nimmer mitsich bringen kann, dass die
transportierten Emotionen bei den Titeln gleichwertig sind. Es gibt hierfür
schlicht nichts Besseres als ein Orchester mit all den Individuen, die
für sich jeder noch einmal die Noten interpretieren. Trotzdem - verbannen
soll diese Aussage samplerbasierende Stücke nicht, ich bin kein Freund
von 'Entweder oder' - Denken: manchmal ist es gerade der Mix zwischen
Elementen, der eine spezielle Atmosphäre erschafft - und Experimente auf
diesem Gebiet finde ich sehr spannend. Frage muss immer sein, was erreicht
werden soll und welche Mittel dafür zur Verfügung stehen.
Was war für Dich der ausschlaggebende Punkt, ein Konzert
veranstalten zu wollen, bei all den Mühen, die sicher damit verbunden
sind.
Natürlich die Begeisterung für Musik. Sobald die ersten
Noten im Gewandhaus
gespielt wurden, sind die Strapazen vergessen. Ausschlaggebender Punkt
war die Tatsache, dass ich mir schon immer gewünscht habe, dass auch außerhalb
Japans ein solches Ereignis möglich wird. Die Zeit dafür war schon lange
gekommen - durch meine Erfahrungen und Kontakte auf dem Gebiet der Spielemusik
bot es sich schließlich an, den Versuch zu wagen. Veranstalter ist die
Leipziger Messe,
für die ich das Konzert organisiere - und die sehr offen für diese Idee
ist und es zum Teil der Eröffnungsfeier der diesjährigen GC - Games
Convention werden lassen hat.
Warum habt Ihr Euch für das Tschechische
Symphonie Orchester entschieden?
Das hat verschiedene Gründe, mit Sicherheit nicht nur
finanzielle. Zunächst stehe ich wie erwähnt in Kontakt mit Music Contractor
Petr Pycha. Ich habe
erfolgreich mit ihm vergangene Produktionen betreut - ähnlich positive
Erfahrungen hat unser Dirigent Andy
Brick gemacht. Das ist sehr wichtig, wenn man ein solches Projekt
startet: man benötigt viele sichere Komponenten und Mitarbeiter, damit
ein solches Novum realisiert werden kann: ein Team. Weiterhin ist auch
kein Geheimnis, dass viele Spielesoundtracks in der Tschechischen Republik
aufgenommen wurden. D. h. man kann bei den dortigen Orchestern schon von
Vorwissen bzgl. dieser Musik ausgehen und betritt kein Neuland, in manchen
Fällen sitzen sogar die Originalinterpreten der Titel im Leipziger Konzert.
Wie wichtig ist die Wahl des richtigen Dirigenten für das
Projekt gewesen?
Extrem wichtig. Es bedarf einer Person, auf die man zählen
kann. Andy Brick
hat eine immense Aufgabe. Er bekommt Partituren aus aller Welt, die von
verschiedenen Komponisten für verschiedene Orchester geschrieben wurden
- und muss sie für diesen Abend aufbereiten. D. h. er kontrolliert jeden
Titel bis ins Detail, äußert Änderungswünsche und sorgt dafür, dass alles
reibungslos aufgeführt werden kann. Andy Brick ist Perfektionist. Das
ist notwendig, da der kleinste Fehler sofort hörbar, Probezeit kosten
und das Projekt gefährden würde. Er hat für Produktionen wie "Sim
City 4" komponiert und dirigiert, Disney - Filme vertont und ist Preisträger
zahlreicher Auszeichnungen - und das alles zurecht und nicht zufällig.
Ich möchte behaupten, dass es keinen besseren Leiter für dieses Konzert
gibt.
Welche Kriterien waren für die Titelwahl des Programms
ausschlaggebend?
In erster Linie natürlich persönlicher Geschmack. Wichtig
war mir, auch Pioniere der Live - Orchester - Einspielungen zu würdigen,
wie z. B. "Outcast" - und auf der anderen Seite einen der bekanntesten
deutschen Spielekomponisten: Chris
Hülsbeck. Hierfür wurde extra ein Medley aus dem Amiga - Klassiker
"Apidya" erstellt. Das Programm soll abwechslungsreich sein und die besten
Titel der letzten Jahre präsentieren. Zugute kommt uns, dass Topproduktionen
in den meisten Fällen von vornherein auf Live - Instrumente gesetzt haben.
Hier zeigt sich deutlich, wie schon von Beginn an durch die Verantwortlichen
klassifiziert - und welchen Spielen ein hohes Potential zugetraut wird.
Inwieweit besteht die Angst, dass man den Originalen nicht
gerecht wird?
Diese Angst besteht nicht. Man muss erkennen, dass ein
Konzert aus verschiedenen Gründen immer ein einmaliges Erlebnis darstellt,
mit einmaligem, eigenen Klang. Zudem besteht der Großteil des Programms
aus Titeln, die in dieser Form - also als Medley oder Suite - nie zuvor
aufgeführt wurden. Trotzdem - der Dirigent kennt natürlich alle Originalversionen
der Kompositionen - und wird dafür sorgen, dass die gewünschte Atmosphäre,
das gewisse Etwas auch im Konzert erklingt und die Zuhörer begeistert.
Wurden extra für das Konzert Partituren erstellt, die der
Orchesterzusammensetzung entsprechen?
Ja, alle Partituren mussten für das Konzert speziell
angepasst werden. Viele der Titel waren ursprünglich für ein kleineres
Orchester geschrieben worden, d. h. für den Abend im Gewandhaus
wurde viel zusätzliche Feinarbeit geleistet.
Ein so wichtiges Event für eine mittlerweile so wichtige
Messe vorzubereiten kostet sicher Zeit und Nerven. Wie lange hat die Vorbereitung
gedauert und hat Dein eigenes Projekt, Merregnon
2 darunter leiden müssen?
Ab dem Zeitpunkt, als mit der Leitung der Games Convention
alles abgesprochen war, hat es nur wenige Wochen gedauert, bis sämtliche
Bestätigungen der Publisher, Entwickler, Komponisten etc. eingeholt waren.
Die Konzeptphase lief jedoch zuvor schon mehrere Monate. Vorteil war natürlich,
dass die Kontakte zu Dirigent und Orchester schon bestanden - und ich
viele der Komponisten durch meine Projekte kenne. Merregnon 2 wurde davon
beeinflusst, jedoch nicht so erheblich, dass große Verzögerungen entstanden.
Grosse Spiele, grosser Sound und grosse Namen. Zum Konzert
erleben wir die Top Class der Spielekomponisten, von Jeremy
Soule (siehe
Interview) über Richard
Jacques (siehe
Interview), Andy
Brick, Lennie
Moore, Nobuo
Uematsu, Fabian
Del Priore , Chance
Thomas, Kenta Nagata, Bill
Brown und vielen mehr gibt es das Beste vom Besten zu Gehör. Themen
aus Splinter
Cell, Harry Potter, Meregnon 2, Final Fantasy, Spellforce, Medal of
Honor, Legend of Zelda, Primal, Outcast, Mafia
und Headhunter stehen auf dem Programm. Wen von den Komponsiten werden
die Fans denn auf dem Konzert zu Gesicht bekommen?
Neben Nobuo Uematsu (Final Fantasy) werden Fabian
Del Priore (Cultures 2), Markus
Holler (Cold
Zero - The Last Stand) oder auch Christopher
Lennertz (Medal of Honor) anwesend sein. Desweiteren sind Komponisten
wie Jonne Valtonen
(Rally Trophy),
Allister Brimble (Rollercoaster Tycoon), Olof Gustafsson (Battlefield
1942), Andrew Barnabas
(Primal), Vladimir Simunek (Mafia), Richard
Jacques (Headhunter) oder auch Pierre
Langer (Spellforce)
im Konzertsaal anzutreffen. Weitere Zusagen gibt es - natürlich möchten
sich die Künstler diese große Chance nicht entgehen lassen!
Wie konntet ihr es schaffen, eine "Lebende Legende" wie
Uematsu San nach Leipzig zu ködern ;-)?
Für Square - Enix nimmt die Musik in Spielen eine wichtige
Rolle ein - und Nobuo
Uematsu ist mit Sicherheit einer der einflussreichsten Männer der
Final Fantasy - Serie. Fans lieben seine Arbeiten nicht ohne Grund. Er
ist begeistert, außerhalb Japans orchestrale Spieletitel in einem Konzert
hören zu dürfen. Ich bin sicher er genießt den Gedanken, diesen Abend
im Leipziger Gewandhaus zu verbringen und noch einmal bewiesen zu bekommen,
dass sein Werk weltweit gemocht und geschätzt wird.
Die Auswahl der Soundtracks ist gewaltig und deckt viele
Genre damit ab. Gibt es etwas, was Du gerne noch ins Programm aufgenommen
hättest, es aber nicht mehr "geschafft" hat, aus welchen Gründen auch
immer ?
Am Beispiel ist dies schwer festzumachen - aber natürlich,
es gibt immer Titel, die eine Bereicherung dargestellt hätten. Allerdings
bin ich sehr zufrieden mit dem jetzigen Programm, alle meine Wunschkandidaten
sind vorhanden.
Was verspricht man sich von dem Konzert?
Das variiert sicherlich - ich persönlich verspreche mir
davon, dass erneut gezeigt wird, wie wichtig Musik in unserem Leben ist
- und welche Qualität im Speziellen Spielemusik heutzutage erreicht hat.
Welche Zuschauer werden erwartet? Gibt es auch Prominenz
aus den Entwicklerstudios?
Das Publikum wird gemischt sein - von jung bis alt, was
mich sehr freut. Insbesondere wenn mehr Menschen an orchestrale Musik
herangeführt werden können, ist das Konzert schon ein Erfolg. Aus den
Entwicklerstudios und Publisherbereichen werden selbstverständlich viele
Zuschauer erwartet.
Was würdest Du Dir am meisten nach dem Konzert wünschen.
Dass alles reibungslos klappt, dass die Auftraggeber zufrieden sind oder
dass Du erlebst, wie ein Zockerkid, eines der gespielten Themen pfeifend,
das Konzert verlässt :-) ?
Schwere Frage - am besten natürlich alles zusammen! Hauptziel
ist es, einen unvergesslichen, unterhaltenden Abend zu organisieren, der
allen Beteiligten Spaß macht und sie die bekannten Melodien genießen lässt.
Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg dahin.
Vielen Dank Thomas, dass Du Dir die Zeit genommen hast,
uns trotz des Vorbereitungsstresses ein paar Fragen zu dem wohl wichtigsten
Event dieses Jahres im Bereich der Spielmusik beantworten konntest. Wir
wünschen viel Erfolg und hoffen bereits jetzt, dass das Konzert zur Standardseröffnungszeremonie
einer jeden Game Convention wird.
Das Konzert fand am 20.08.04
zur offiziellen Eröffnung der Game Convention
um 20.00 Uhr im Gewandhaus zu Leipzig
statt.
Weitere Beiträge zum Thema Musik in Spielen findet Ihr in unseren Interviews (dt./engl):
- Richard Jacques (u. a. Headhunter)
- Jeremey Soule (u. a. Morrowind,
Icewind Dale, Neverwinter Nights)
- Jesper Kyd (u. a. Hitman 1&2,
Brute Force)
- Christopher Stone (Dragon's Lair
3D)
- Don Bluth (über Dragon's Lair,
Filme & Musik)
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