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Geheimakte Tunguska
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 | Info |
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| Autor | | 2+ |
 |   | | 0.5 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 3 |
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| Gesamt (40 votes) | | 2+ |
 |   | | 0.4 |
 |   | | 1.6 |
 |   | | 2.3 |
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| Name: | Geheimakte Tunguska |
| Genre: | Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2006/09 |
| Publisher: | Deep Silver |
| Entwickler: | Animation Arts |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Links: | Fusionssphere |
| Hardware: | 500Mhz, 128MB RAM, 16MB 3D-Karte D3D, HD 2000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/2000, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.03 |
| USK: | 6 |
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| Geheimakte Tunguska (review von ronin) |
Die Zeit des Adventures als Nischen- bzw. totes Genre ist längst vorbei. Glaubte man lange
Zeit, daß neben den guten Spielen dieser Art auch der Knobelgeist der Spieler verschwunden sei,
scheint beides derzeit wieder im Kommen zu sein. Der vierte Teil der Baphomets Fluch Reihe erscheint
in wenigen Wochen, und mit "Das Eulemberg-Experiment",
sowie dem zum Review vorliegenden "Geheimakte Tunguska", liegen gleich drei Genrevertreter für
den willigen Adventurefan vor. Ob letzteres auch einen mittlerweile zum Knobelmuffel mutierten
Altzocker wie mich begeistern konnte, soll das folgende Review zeigen.
Vorab ein paar Worte zur technischen Präsentation.
Grafik
Viele Adventures sahen die Zukunft in der dritten Dimension und so konnte man zum Beispiel
Baphomets Fluch 3 mit dem Gamepad steuern. Selbst das mittlerweile schon ältere Monkey Island
4 wagte den 3D Schritt. Die Folge war, daß viele Adventure-Fans vergrault wurden und trotzdem
keine neuen Anhänger dazu kamen. Sicher, die Umsetzung war teilweise ganz gut, aber irgendwie
hing man trotzdem an den detaillierten, Stilleben ähnlichen, vorgerenderten Hintergründen. Es
erinnerte den Spieler an die beruhigende Wirkung eines Bildes, welches in seiner vollen Intensität
wirkte. (Man merkt, ich habe erst vor kurzem die ersten beiden Baphomet
Teile gespielt ;) ). Bei Tunguska haben es die Grafiker geschafft, die Vorteile von 3D mit
der künstlerischen Wirkung eines 2D Hintergrunds zu kombinieren. Die Figuren sind vollständig
gerendert und bewegen sich glaubwürdig im 2D-Bild. Bäume wiegen realistisch im Wind, Schmetterlinge
flattern von Blume zu Blume und Wasser plätschert realistisch durch die Kanalisation. Eine so
hervorragende Umsetzung konnte mir nicht einmal das ähnlich designte Baphomet 4 (derzeit ist
nur die Demo anspielbar) vermitteln. Zwar wirken die Animationen der Figuren etwas zäh und hölzern,
aber die grafische Gestaltung der facettenreichen Locations ist perfekt gelungen und vermittelt
die für das Spiel typische beklommene Atmosphäre. Egal ob man in einem verregneten irischen
Schloß versucht einen verunglückten Lord aus seinem Brunnen zu retten, im Himalaja in düsteren
Höhlen herumschleicht oder in Moskau versucht, in einen Militärbahnhof einzubrechen, jederzeit
merkt man die Detailverliebtheit der Grafiker. Selbst die Baphomet-Teile konnten das nicht besser.
Klasse! Die Rendervideos sind in sehr guter Qualität und stellen keinen krassen Bruch zwischen
dem eigentlichen Spiel dar, ganz im Gegenteil, der Übergang wirkt fast fließend. Lediglich bei
den Gesichtern muß sich der Entwickler Kritik gefallen lassen. Mimik und Gestik sind fast nicht
vorhanden und es wirkt als würden sich zwei Schaufensterpuppen miteinander unterhalten.
Die musikalische Untermalung läßt sich schwer in Worte fassen. Man könnte den Einsatz von
Musik als spärlich bezeichnen. Hat man in Baphomet oft zarte Streicher oder Glöckchen zur Einstimmung
auf eine Szene, setzt Tunguska fast ausschließlich auf Ambientesounds. Das klingt negativ, ist
aber ganz im Gegenteil erstaunlich gut gelungen. Steht Nina zum Beispiel in Berlin im Hinterhof
ihres Familienhauses, hört man entfernt Straßengeräusche. Mal beschleunigt ein Motorrad, mal
hört man Sirenen oder die Katze des Nachbarn mauzt durch die Gegend. In der russischen Forschungsstation
knarzt und knackt es aufgrund der eisigen Temperaturen überall und in der Ferne hört man Schritte
und Maschinengeräusche. Mit diesem Stilmittel der Ambientesounds vermitteln die Entwickler eine
ganz eigene Art der Atmosphäre, welche den Spieler regelrecht versinken läßt. Man fühlt mit
den Charakteren und kann sich vorstellen, was sie gerade durchleben. Wie gesagt, es ist schwer
zu erklären. Einfach die Demo anspielen und das Ganze auf sich wirken lassen ;). Reine musikalische
Untermalung gibt es hauptsächlich in Zwischensequenzen oder an wichtigen Stellen im Spiel. Auch
diese ist gut gelungen und unterstreicht die meist dramatischen Szenen. Bleibt noch die Sprachausgabe.
Auch hier gibt es nichts zu meckern. Alle Sprecher bringen ihre Charaktere professionell rüber
und es kommt auch nur sehr selten zu Wiederholungen der Sprecherstimmen. Leider krankt das Spiel
an einer recht schwachen Charakterzeichnung, denn selbst die beiden Hauptprobanten Max und Nina
kommen nicht so recht in Fahrt, was dann auch die Sprecher nicht ausgleichen können. Diese sprechen
schließlich auch nur ihren fertigen Text runter. Aber dazu später mehr.
Auch steuerungstechnisch ist den Entwicklern ein kleiner Meilenstein gelungen. Man blieb
dem Point & Klick treu, aber erweiterte das Ganze durch kleine aber feine Neuerungen. Genial,
aber nicht neu, ist das Anzeigen der Hotspots (die anklickbaren Aktionen auf den jeweiligen
Locations). Per Leertaste sieht man sofort was man anklicken kann, wodurch die nervige Absucherei
komplett entfällt. Dieses Feature habe ich schon bei Simon the Sorcerer 2 geliebt, warum man
erst so spät wieder darauf zurückkommt, ist mir ein Rätsel. Eingefleischten Adventurefreaks
wird durch diese Funktion eventuell das Spiel zu einfach, aber mir war es eine zeitschonende
Hilfe. Man muß sie ja nicht nutzen. Eine weitere Neuerung ist das Anzeigen, ob Gegenstände mit
dem jeweiligen Objekt benutzbar sind oder nicht. Damit entfällt das nervige: " Nein das geht
so nicht!" das dem Spieler bei anderen Genrevertretern sicher 1000 mal um die Ohren fliegt.
Sicher, manche Adventure haben daraus ein paar humorige Stellen gebastelt, aber trotzdem wurde
die sinnlose Ausprobiererei schnell nervig. Der Spieler kann nur kombinierbare Objekte benutzen.
Der Mauscursor zeigt an, ob hier eine Aktion möglich ist oder eben nicht. Auch hierdurch wird
das Abenteuer leichter, denn man kann, sollte man einmal nicht weiter kommen, durch einfaches
Ausprobieren schneller zum Ziel kommen. Aber dazu später mehr. Alles in allem ist den Entwicklern
bei der Steuerung die schwierige Gratwanderung aus nötigem Mainstream und immer noch genügend
Genretradition hervorragend gelungen.
Gameplay
Der Name Tunguska eignet sich ja eigentlich nicht für einen marketingkompatiblen Werbetitel.
Kein Mensch kann das aussprechen und niemand weiß worum es da eigentlich geht. Nichtsdestotrotz
kommt die hübsche Nina an der Arbeitsstelle ihres Vaters, einem russischen Wissenschaftler,
der an einem Berliner Museum arbeitet, an und findet ein heilloses Durcheinander vor. Und wie
soll es anders sein, der Vater ist verschwunden. Nach kurzen Nachforschungen stößt sie immer
wieder auf den Namen Tunguska und plötzlich wollen ihr auch seltsame Gestalten mit schwarzen
Kapuzen ans Leder. Kurzum, Nina wird bei der Suche nach ihrem Vater immer tiefer in eine gefährliche
Verschwörung hineingezogen. Dabei ist ihr der - zufällig gut aussehende- wissenschaftliche Mitarbeiter
Max Gruber behilflich. Die Geschichte läßt sich am besten als eine Mischung aus Baphomet, Indiana
Jones und Akte X vergleichen. Exotische Schauplätze, mystische Vorkommnisse, viele Kombinationsrätsel
(Marke Stange mit Henkel und Beutel = Handy vom Baum) und ein wenig Detektivarbeit, prägen die
Story. Das Setting ist ernster als zum Beispiel Baphomet und leider auch etwas sparsam mit humorigen
Einlagen. Die wenigen sarkastischen Bemerkungen sind leider arg flach und wirken etwas aufgesetzt.
Leider gilt das auch für die Charakterzeichnungen. Nico und Max sind schwer zu charakterisieren,
weil sich wenig mit den beiden und ihrer Lebensgeschichte beschäftigt wird. Man weiß nicht so
recht, was Max am Museum macht, wo Nina herkommt und was ihr Beruf ist. Es gibt kaum zwischenmenschliche
Gespräche, die einem die beiden näher bringen. Auch die vielen verschiedenen Nebenfiguren werden
kaum näher beleuchtet. Zieht man den Vergleich mit Baphomet, wo sich George und Nico ständig
zoffen und knackige Sprüche an den Kopf werfen (nach dem Motto: Wer sich neckt der ...), bleibt
Tunguska hier leider weit zurück. Durch die intensive Atmosphäre und die vielen logischen Kombinationrätsel
gelingt es Tunguska aber aus diesem Tief herauszukommen. Man merkt die genannten Schwächen kaum,
weil man so mit der Lösung der Geheimnisse beschäftigt ist, daß einem die banale und nur schwer
nachvollziehbare Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptstars kaum auffällt. Eines der besten
Beispiele für diese Atmosphäre war für mich die verregnete Burg auf einer kleinen Insel in Irland.
Per Boot gelangt Max zur Burg und soll Lord Soundso aus seinem Brunnen befreien. Der Arme wurde
eingesperrt und weiß nicht, wie die zum Brunnen führende Geheimtür geöffnet werden soll. Die
recht überschaubaren Locations innerhalb der Burg vermitteln eine so dichte Atmosphäre, das
man erst aufhören kann, wenn man das Rätsel um den Schloßgeist und die Geheimtür gelöst hat.
Das Feuer im Kamin knistert, draußen herrscht typisch irisches Regenwetter und beim Erforschen
der Burg kommt man sogar in eine stilechte Folterkammer. Einfach nur Klasse!
Die Rätsel selbst bleiben durch die Bank logisch und nahvollziehbar, was dem eher düster-ernsten
Rahmen des Adventures auch gerecht wird. Rätsel Marke Metronom -> Banane -> hypnotisierter
Affe = Kneifzange, bleiben dem Spieler erspart. Durch die Kombination aus den eingangs erwähnten
Hilfen und den recht einfachen Rätseln, werden Adventureprofis allerdings etwas unterfordert.
Sogar ich, selbst etwas eingerostet, konnte fast ununterbrochen ohne große "Festhänger" durchspielen.
Zwar kann man manchmal zwischen den beiden Charakteren wechseln und mit ihnen gemeinsam Rätsel
lösen, aber sonderlich schwierig wird es deshalb noch lange nicht. Zusätzlich gibt es für die
Schalterrätsel, die mehrfach im Spiel vorkommen, eine Ingame-Hilfe, die erklärt was genau zu
machen ist. Natürlich muß man diese nicht nutzen und sie ist, ehrlich gesagt, auch nicht nötig,
aber wer partout nicht weiter kommt, findet selbst hier Hilfe. Die Gesamtspielzeit beschränkt
sich aufgrund des leichten Schwierigkeitsgrades auf maximal zehn Stunden. Ein verregnetes Wochenende
und man hat das Rätsel um die Geheimakte Tunguska gelöst - leider. Allerdings sollte erwähnt
bleiben, daß erfreulich wenige Dialogmarathons im Spiel vorkommen. Das Dauergequatsche eines
Baphomets Fluch bleibt erspart. Man ist fast ausschließlich mit dem Lösen von Rätseln beschäftigt.
Das ist auch einer der Gründe, warum die Charakterzeichnungen eher mäßig bleiben.
Nicht unerwähnt bleiben sollte der Inhalt der Spieleschachtel. In Zeiten von Stream und .pdf
Handbüchern, bildet Tunguska hier eine rühmliche Ausnahme. Neben einem Poster enthält die aufklappbare
Spielebox noch ein Handbuch (hier findet man auch Hintergrundinfos zur Tunguskakatastrophe),
sowie eine kleine Lösungshilfe, die etwa das erste Drittel des Spiels beschreibt. Für den vernünftigen
Preis von 35€ eine lobenswerte Zusammenstellung.
Fazit
Geheimakte Tunguska ist trotz seines seltsamen Namens für mich eines der besten Adventures,
die ich je gespielt habe. Die grafische Präsentation ist auf der Höhe der Zeit und bricht trotzdem
nicht mit liebgewonnen Traditionen, die musikalische Untermalung ist stilistisch so gut gelungen,
daß allein hierdurch ein Großteil der sowie so schon enormen Atmosphäre rüber kommt und die
kleinen aber feinen Steuerungsverbesserungen werden nicht nur Adventurefans hinter dem Ofen
hervorlocken. Die wenigen Schwächen, wie der eher platte Humor, die schwache Charakterzeichnung
und der zu leichte Schwierigkeitsgrad, sollten keinen Adventurefan und solche die es noch werden
wollen, davon abhalten, dieses grandiose Spiel anzugehen. So toll wurde man schon lange nicht
mehr unterhalten.
Geschrieben am 09.09.2006, Testkonfiguration: Athlon 64 3700+, 2GB Ram, Geforce 7800GT, SB Live 5.1
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