yiya.de / reviews
Walkthrus..
Interviews
Specials
Reviews von A-Z
A B C D E F G H I
J K L M N O P Q R
S T U V W X Y Z #

GTA Liberty City Stories
GTA San Andreas
GTA Vice City
Gear Grinder
Gears of War
Gears of War (PC)
Geheim. d. Spiderwicks
Geheimakte 2
Geheimakte Tunguska
Geheimnis d.v. Höhle
Geheimnis der Druiden
Gemini Rue
Gene Troopers
Geometry Wars Gal.(DS)
Gifty
God of War
God of War 2
God of War Collection
Goldene Kompass, Der
Gooka: Geh.v. Janatris
Gorasul
Gore
Gorky Zero
Gothic
Gothic 2
Gothic 2: N. d. Raben
Gothic 3
Gottlieb Pinball Classics
Grand Theft Auto 4
Grandia 2
Grom
Grouch
Ground Control 2
Guild Wars
Geheimakte 2  

Rückseite ]

Info
Autor 2
 0
 1
 2
Gesamt (9 votes) 2+
 0.3
 1.5
 2
Name:Geheimakte 2 - Puritas Cordis
Genre: Adventure
Produkt: Vollversion
Release: 2008/09
Publisher: Deep Silver
Entwickler: Animation Arts
Offiz. Sites: Game, Demo
Hardware: 800Mhz, 256MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 2000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/2000/Vista, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.02
USK: 6
Geheimakte 2 - Puritas Cordis (review von ronin)

Totgeglaubte leben länger! Ich gebe es zu, diese Einleitung im Jahre 2008 ist weder neu noch sonderlich kreativ. Selbst der letzte Amiga Besitzer weiß, dass nach dem Revival der Rollenspiele, kurz darauf das Genre der Point&Click Adventure seine Wiedergeburt feierte. Zwar war der Vorgänger Geheimakte Tunguska nicht unbedingt ein Pionier des "Neo- Adventuretums" (es lebe die Wortneuschöpfung!), aber in Sachen Komfort, Story, Atmosphäre und Rätseldesign sicher wegweisend für die neue Generation der Rätselei. Mich als Adventure-Muffel konnte der Titel jedenfalls dermaßen begeistern, dass ich dem Genre gegenüber weitaus aufgeschlossener entgegentrete. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den kürzlich erschienenen Nachfolger. Der Name von Teil 2: Puritas Cordis klingt ähnlich geheimnisvoll und lässt Großes hoffen. Schauen wir also was Nina und Max diesmal so anstellen, um in große Schwierigkeiten zu geraten.

Déjà-vu?!

Steuerung sowie die grafische und musikalische Präsentation werde ich diesmal in einem Abschnitt zusammenfassen. Aus journalistisch-ethischen Gründen (gibt es so was überhaupt noch?) verzichte ich darauf das Geschriebene aus Teil 1 komplett zu übernehmen. Allerdings sei vorgewarnt, an der Technik hat sich nicht viel, ich würde meinen, gar nichts geändert. Aber warum sollte man? Die Optik ist gewohnt stimmig und Atmosphäre fördernd, ob ich mich mit Max durch den indonesischen Dschungel rätsele, oder mit Nina versuche einen havarierten Ozeandampfer zu verlassen, der Detailreichtum und die wunderschönen Farbkompositionen sind toll und vermitteln dem Spieler immer die gewünschte Grundstimmung. Dabei setzen die Entwickler wieder auf dezent eingesetzte Hintergrundanimationen, die dem ganzen Ambiente mehr Leben einhauchen. Nichtsdestotrotz gibt es auch so manches zu bemängeln. Die etwas unbeholfenen Animationen aus Teil 1 haben es auch in den Nachfolger geschafft und auch die Schauplätze sind nicht mehr ganz so abwechslungs- /umfangreich und interessant ausgefallen. So mancher hässlicher Strandabschnitt vermiest hier die Stimmung.

Musik und Sprachausgabe sind grandios. Nichts, aber auch nichts wurde hier verschlimmbessert, oder wurde am falschen Ende gespart. Die Sprecher sind durch die Bank professionell und verstehen ihr Handwerk. Die Musik wurde sparsam und richtig dosiert verwendet und die Kombination aus Ambientesounds und dem genau richtigem Einsatz der tollen Musik, machen einen Großteil der stimmigen Atmosphäre von Puritas Cordis aus. Ich weiß nicht wie oft ich einfach die Musik aus dem Eingangsmenü auf mich wirken ließ ;-).

Die Steuerung eines Adventures ist so eine Sache. Gibt man zu offensiv Hilfestellungen vergrämt man Profirätsler und nimmt auch gemächlichen Naturen wie mir den Ansporn. Es greift hier einfach das Komplettlösungsphänomen. Einmal angefangen zu lesen, sucht man suchtartig wieder danach. Teil eins hatte es damals geschafft, genau dies zu verhindern und trotzdem ein frustfreies Spielen zu ermöglichen. Tunguska war eines der wenigen Adventures, bei dem ich wirklich nie in eine Lösung schaute. Teil 2 setzt hier an und macht eigentlich wieder alles genauso wie im Vorgänger. Hotspotanzeige, dezente Rätselhilfen (optional!) bei Kombinationsrätseln und die genial einfache Cursoranzeige bei benutzbaren Gegenständen sind auch im zweiten Abenteuer wieder mit von der Partie. Wer Teil 1 nicht kennt sei hier kurz eingewiesen. Das nervige "Das geht so nicht!" Geplapper entfällt hier komplett, da man Gegenstände, die nicht miteinander benutzbar sind gar nicht anklicken kann. Das Spiel zeigt per Cursoranzeige, ob das Gegenstandspaar einander zugetan ist. Diese kleine aber feine Neuerung macht das Spiel, neben der in Adventures schon fast obligatorischen Hotspotanzeige, zu einer flüssigen Angelegenheit. Es ist als ob man ein gutes Buch oder Film interaktiv miterlebt. Grandios! Problematisch im zweiten Teil sind leider die viel zu vielen "hps" (Hotspots per Screen :-) ), aber dazu gleich mehr.

Sam?! Wer ist eigentlich Sam?

Wer denkt sich in der Storyabteilung eigentlich immer diese Ein-Silben-Namen aus? Bedenkt man den zungenbrecherischen Namen Tunguska kann im Entwicklerteam ja nicht grundsätzlich die Meinung vorherrschen, der gemeine Adventure-Spieler kommt über die Verarbeitung eines mehr als vier Buchstaben umfassenden Namen nicht hinaus. Naja, wie auch immer. Zu Beginn von Teil zwei ist jedenfalls alles aus! Wie das bei solchen Abenteuerbeziehungen so üblich ist, zerbröckeln sie, sobald der "braune" Alltag aus Kochwäsche nebst Bremsspuren die erfolgsverwöhnten Rätselhelden eingeholt hat. Nina macht, um Max zu vergessen, eine Kreuzfahrt und Max der alte Schwerenöter, besucht seine Jugendliebe Sam (geht so was echt als Name durch?!) im Dschungel - wobei Dreibuchstaben-Max aussieht wie ein Indiana Jones für Arme. Das ganze Storygedönse beginnt diesmal also tief im Klischee-Dschungel und weitaus ruhiger als dazumal in Teil 1. Aber warum nicht?

Entsprechend behäbig beginnt die Geschichte auf dem Kreuzfahrtschiff, auch wenn das kurze Anfangsintermezzo mit dem Bischof Lust auf mehr macht. Zwar kommt vor Antritt der Fahrt ein Mann auf unglückliche Art ums Leben, aber direkt scheint das Vierbuchstaben-Nina nicht zu betreffen. Auch ihr Koffer wurde vertauscht, aber so was passiert. Erst nachdem sie gehörig einen über ihren hübschen Schädel bekommen hat und das blonde Bordblödchen seltsam verrenkt in der Krankenstation gefunden wurde, beginnt es unangenehm zu werden. Nina ist also wieder mittendrin und damit auch der Spieler. Die Rätsel auf dem Schiff sind gewohnt logisch und machen einfach Spaß, vor allem Nina hat eine ironisch-melancholische Note dazu gewonnen, was sie noch sympathischer macht als noch im ersten Teil. Überhaupt hat man die größte Schwäche des ersten Teils, die doch zu altbackenen Charaktere und den zu braven Humor, konsequent verbessert. Max ist selbstbewusster geworden und bringt nicht ständig seine lahmen Sprüche und mit Sam hat man versucht eine Art Dreiecksbeziehung aufzubauen. Leider ist das meines Erachtens nach völlig in die Hose gegangen. Sam ist nur im Dschungelabschnitt spielbar und hat hier kaum die Chance, Sympathien zu wecken. Ihre Dialoge wirken viel zu schnippisch und unglaubwürdig, vor allem in Anbetracht ihrer prekären Lage. Auch verschwindet sie nach diesem kurzen Intermezzo von der verbleibenden Spielfläche. Lediglich im sehr witzig gemachten Abspann findet sie wieder kurz Erwähnung. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sich Nina und Max früher im Spiel wieder gesehen hätten und mehr Gemeinschaftsrätsel dabei gewesen wären. Allerdings muss man wohl auch die Entwickler verstehen, die schließlich auch eine Charakterentwicklung in ihre zukünftigen Projekte einbauen wollen. Leider hat das mit Sam nicht ganz funktioniert. Weitaus interessanter ist die Figur des Vikars. Der graumelierte Kirchenmann spielt zwar keine so aktive Rolle wie Sam, aber ergänzt sich gut mit der praktisch veranlagten Nina. Kurzum, die beiden Hauptstars haben eine positive Entwicklung erfahren und die Neuschöpfungen eher eine zweischneidige Rolle erhalten.

Leider lässt sich der leichte Negativtrend auch im Rätsel- und Storydesign feststellen. Ich werde versuchen im Folgenden sowenig wie möglich zu spoilern, aber so manche Rätselkreation muss einfach angesprochen werden, um die, wenn auch wenigen aber vorhandenen Schwächen im Rätseldesign von Teil 2 zu verdeutlichen. Puritas Cordis hat das Problem weitaus fragmentarischer im Storyaufbau zu sein, was vor allem an der Parallelhandlung von Nina und Max liegt, die mehr als die Hälfte des Spiels nichts von ihrem gemeinsamen Problem wissen, aber unvermeidlich aufeinander zusteuern. Das Ergebnis ist ein etwas bemüht wirkender Storyfaden, worunter die Rätsel und die Schauplätze leiden. Ein besonders krasses Beispiel: Nina landet nach dem erfolgreichen Verlassen des Ozeandampfers an einem hässlichen Strand. Damit sie an dem abfallverseuchten Ufern auch etwas zu tun hat, bricht just der gute Vikar zusammen. Unterzuckerung! Tja was tun? Gutgläubig naiv betätigt man die Hotspotanzeige und fragt sich wenige Schrecksekunden später, ob man nicht selber an besagter Mangelerscheinung leidet. Über zwanzig Hotspots prasseln allein an Strandabschnitt Eins auf den Spieler ein. Witziger Weise findet Nina nach zwei Klicks einen Schokoriegel, der dem guten Vikar bei seinem Problem helfen sollte. Leider ist der mittlerweile ohnmächtig und kann die feste Schokolade nicht aufnehmen. Ab hier beginnt ein Kombinationsmarathon der MacGyver wie einen stümperhaften Amateur aussehen lässt. Ich erspare mir Einzelheiten, aber selbst ich mit meinen zwei linken Maushänden hätte den Schokoriegel auf weniger umständliche Weise verflüssigt. Nach der Aktion würde ich Nina sogar das Erschaffen eines Atomsprengkopfes mit nicht mehr als einem Stück Blech und einer ausgetrockneten Autobatterie zutrauen. Solche Stilblüten gibt es nicht oft, aber sie sind vorhanden und fallen besonders auf. In Paris gibt es einige ähnliche Stellen. Dem gegenüber stehen neue Ideen, wie etwa die Suche nach einem Grabstein auf dem riesigen Pariser Friedhof. Per Dialogoption muss man sich seinen Weg durch das Labyrinth Hinweis für Hinweis erarbeiten. Toll! Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Überhaupt ist der Parisabschnitt einer der schönsten und komplexesten im Spiel. Es gibt sogar eine Übersichtskarte, die den Fortschritt beim Steinchensuchen anzeigt. Auch die zahlreichen Rätsel Marke Myst, bei denen man mittels Codezettel oder ähnlichen die richtige Kombination erarbeiten muss, sind in Puritas Cordis hervorragend gelungen. In den Ruinen einer französischen Stadt aus dem Mittelalter muss Nina an einem Weinfass die richtige Buchstabenreihenfolge eintippen. Die vorab gegebenen Hinweise und etwas logisches Überlegen führen hier zum Ziel, auch ohne die angebotene Lösungshilfe zu nutzen. Sehr befriedigend! Davon gibt es etliche weitere Beispiele, welche im Gegensatz zu Teil Eins weitaus sinnvoller und logischer erscheinen.

Zum schon angesprochenen Humor noch ein paar Worte. Das altbackene Gewitzel aus dem Vorgänger wurde Gott sei Dank weitestgehend abgeschafft. Kleinere Frivolitäten sind genauso mit von der Partie wie immer wieder Anspielungen auf den Vorgänger oder auf andere Genrekollegen. Dabei wirkt die Veränderung nicht so abrupt, dass es wieder unglaubwürdig erscheinen würde. Lediglich Sam ist hier mal wieder das "blonde" Schaf. Ihr schnippisch arrogantes Gequassel wirkt einfach nur peinlich, aber eventuell ist das auch nur Geschmackssache ;-).

Abschließend noch das Thema Spielumfang. Die 15+ Stunden aus Teil eins sind Geschichte. Der Rätselspaß ist leider nach neun Stunden vorbei. Selbst ein Genre-Quereinsteiger (ich zähle mich mittlerweile dazu) schafft das Spiel in dieser Zeit. Schade, selbst für 35€ war mir die Welt zu schnell gerettet.

Fazit:

Tja, bleibt zum Abschluss die schwierige Bewertung. Teil zwei hat sich technisch nicht weiterentwickelt, was bei der tollen grafischen und musikalischen Präsentation auch kein Manko sein muss. Die Steuerung war schon im Vorgänger konkurrenzlos gut und wurde konsequent beibehalten ;-). Lediglich die hölzernen Animationen ließen hier etwas rummäckeln. Leider muss sich Puritas Cordis den Vorwurf gefallen lassen, dass Story, Rätseldesign und auch die neuen Charaktere einen kleinen Rückschritt darstellen. Die Geschichte um Ökoterrorismus gepaart mit religiösem Fanatismus mag aktuell und bedrohlich wirken, aber spätestens nach den ersten zwei Stunden Spielzeit weiß man, wo das Ganze hinführt. Das bemühte Rätseldesign stellt einen weiteren Kritikpunkt dar, der mir persönlich besonders aufstößt. Sinnloses Kombinieren war in Teil eins niemals nötig, immer konnte man sich die Lösung "herbeidenken". Die Schwächen bei den neuen Charakteren wiegen weniger schwer, müssen aber erwähnt werden. Unterm Strich bleibt ein tolles Adventure mit dem höchsten Komfort im Genre, einer tollen technischen Präsentation und leider ein paar Patzern in oben genannten Bereichen. Diesmal nur eine gute 2, ich hoffe, dass die Entwickler im nächsten Teil mehr Mut zur Veränderung zeigen und vor allem die Geschichte wieder spannender gestalten wird.




19 Leser bewerteten diesen Artikel im Durchschnitt als: Sehr gut (4.6 von 5 Punkten)
Ihre Bewertung dieses Artikels:
Bitte hier nur auf den Artikel selbst eingehen (nicht auf das Thema oder ggf. die Autorenwertung). Anmerkungen zu Thema/Artikel oder eine Ansprache des Autors sind im Besprechungs-Board unseres Forums möglich.

Druckversion | Seitenanfang © Copyright bei ronin, Nutzungsrechte bei yiya.de / walkthru.de