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Gorasul
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 | Info |
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| Gesamt (8 votes) | | 2 |
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| Name: | Gorasul - Das Vermächtnis des Drachen |
| Genre: | Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2001/09 |
| Publisher: | JoWooD |
| Entwickler: | Silver-Style |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Links: | Komponist G. Vindigni |
| Hardware: | 350Mhz, 64MB RAM, keine 3D-Karte nötig, HD 2000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.06 |
| USK: | 12 |
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 | | Herstellerscreens |
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| Gorasul - Das Vermächtnis des Drachen (review von sera) |
Rollenspiele haben Hochkonjunktur. Seit den Ursprüngen der Pen&Paper-Rollenspiele bis hin
zu den seit Monaten aktuellen Blockbustern Diablo
2 und Baldur's Gate 2 ist die Fangemeinde
derer, die eine beinahe freundschaftliche Beziehung zu den von ihnen erschaffenen und hochgezüchteten
Charakteren pflegen, stetig gewachsen. Nun hat sich das deutsche Entwicklerteam Silverstyle
für JoWooD an dieses Genre gewagt und mit "Gorasul - Das Vermächtnis des Drachen"
ein Spiel auf den Markt gebracht, das nach eigenen Aussagen sowohl die diablotypischen Hack'n'Slay-Elemente
als auch die questorientierte Spielweise eines Baldur's Gate in sich vereinigt. Ob Gorasul diese
Prophezeiung zu erfüllen vermag?
Ausgeliefert wird Gorasul auf vier CDs in der traditionellen Pappschachtel und einem Handbuch,
das alles Notwendige knapp und präzise erklärt. Doch der positive erste Eindruck bekommt mit
der Installation auch den ersten Kratzer, geschlagene 20 Minuten wartet man darauf, dass die
mehr als 2 GB der Vollinstallation endlich auf der HD gelandet sind. Immerhin lassen sich Datenmenge
und Installationsdauer mit der angekündigten Spieldauer von 60-80 Stunden erklären. Noch kurz
gepatcht, und es kann losgehen.
Nach einem nicht sehr beeindruckenden, aber noch passablen Intro folgt ein Monolog des Sprechers,
welcher einem minutenlang vom Schicksal unseres Helden Roszondas berichtet. Schon beim ersten
Mal begann ich angesichts der Dauer mit den Fingern ungeduldig auf den Tisch zu trommeln, doch
was sich als wirklich nervig herausgestellt hat, ist, dass dieser Monolog bei jedem Starten
des Spiels anläuft. Das Intro kann man wegklicken, den Vortrag allerdings nicht anhalten. Bis
zum Laden des gewünschten Spielstandes hört man jedesmal die ersten beiden Sätze und bedingt
durch die markante Stimme und das gerollte "R" des Sprechers verlassen einen diese beiden Sätze
auch nicht mehr: "Gorasul - Das Vermächtnis des Drachen. Es ist nunmehr zehn Sommer her, als
die Hoffnung des Guten erstarb..."
Roszondas kehrt nach zehn Jahren aus dem Reich der Toten zurück (ob er dort den Protagonisten
von Planescape Torment getroffen hat?
;-)). Gefallen in einem Krieg, in dem letztendlich das Böse über das Gute im Lande Gorasul die
Oberhand behalten sollte, wiederauferstanden, um dem Guten doch noch zum wohlverdienten Sieg
zu verhelfen. Roszondas verfügt über besondere magische Fähigkeiten, die sogenannten Drachenfertigkeiten,
die er dadurch erlangt hat, dass ein Drache ihn als Kind mit dem Hauch des magischen Lebens,
der normalerweise nur Drachenjungen zuteil wird, vor dem drohenden Tod errettet hat. Die Magie,
die diesen Drachenfertigkeiten innewohnt, unterscheidet Roszondas von allen anderen Sterblichen,
und sie werden ihm im Verlauf des Spiels einige Male das Leben retten.
Zu Beginn wählt man die Klasse, der Roszondas angehören soll, zur Auswahl stehen Krieger,
Priester, Magier, Bannwirker, Schwertrichter und Waldläufer. Sie unterscheiden sich nicht nur
in ihren Fähigkeiten, sondern bestimmen auch die Art des persönlichen Begleiters, der Roszondas
mit auf den Weg gegeben wird, einer Waffe, deren Namen man selbst bestimmen kann und die wie
jeder Charakter auch durch Sammeln von Erfahrungspunkten höhere Level erreichen kann. Der persönliche
Begleiter besitzt ein Eigenleben, er hat einen Hass- und einen Angstgegner, auf die er dementsprechend
reagiert und er unterhält sich zuweilen mit Roszondas, gibt ihm wertvolle Tipps, warnt ihn vor
Gefahren oder macht sich hin und wieder auch mal lustig. Nachdem alle Attribute verteilt worden
sind - rollenspieltypisch Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution, Intelligenz und Charisma -
kann man auch Punkte auf die verschiedenen Drachenfertigkeiten vergeben (beides ist bei jedem
Levelanstieg möglich). Die Drachenfertigkeiten aktivieren sich selbstständig, wenn Roszondas
in Bedrängnis kommt; unterschreitet seine Gesundheit einen bestimmten Wert, so können Drachenstärke
oder Drachenodem zum Zug kommen, die aufgrund ihrer Macht den gefährlichen Gegner doch noch
ins Reich der Toten schicken können. Der Wert der dritten Fertigkeit, Drachenfurcht, lässt Gegner
die Flucht ergreifen, die vierte Fertigkeit, Drachenauge, bestimmt, wie weit Roszondas die Karte
einsehen kann. Zu guter Letzt gibt es noch eine Besonderheit: Nicht nur, dass man den Schwierigkeitsgrad
frei wählen kann (leicht, normal, schwer) - man kann sich auch für ein kampf- bzw. questlastiges
Spiel entscheiden oder für eine Mischung aus beidem. Questlastig bedeutet, dass man die Antworten
auf Rätsel, die sonst im Multiple-Choice-Verfahren gelöst werden können, eigenhändig und ohne
Vorgaben eintippen muss, was in einigen Fällen ziemlich schwierig sein dürfte (ich habe mich
für die gemischte Spielweise entschieden).
Das Spiel kann nun also beginnen...
...und damit leider auch die ersten Ärgernisse. Die Auflösung ist nicht frei wählbar, 800*600
ist das Maß aller Dinge, wie auch die Gammaeinstellung, die im Freien durchaus akzeptabel ist,
in Verliesen und Dungeons jedoch definitiv zu dunkel erscheint. Die ersten Schritte mit Roszondas
enthüllen ein weiteres Manko: die Mausführung. Langsam, unpräzise und daher in Kämpfen fatal.
Zwar ist es möglich, die Geschwindigkeit zu erhöhen, aber ein zufriedenstellendes Ergebnis wird
auch damit nicht erreicht. Das Menü selbst ist logisch aufgebaut, die Bedienung nach einer kurzen
Eingewöhnungsphase leicht. Tränke und einsetzbare Gegenstände kann man im Gürtel aufbewahren
und mit den Zahlentasten auslösen, wie auch eine Auswahl an Zaubersprüchen, die man aus dem
Zauberbuch in die rechte Leiste des Gürtels ziehen kann. Die Mitstreiter, die man im Laufe des
Spiels in die Party aufnimmt (maximal drei), zaubern auch automatisch und angemessen - ist einer
in der Party schwer verwundet, wird ein Magier ihn sicher heilen (wenn er genug Mana zur Verfügung
hat). Jedoch geht auch hier einiges umständlich vonstatten: auf der Reise findet man viele unidentifizierte
Dinge, Identifizieren kostet eine Menge Mana und kann scheinbar nur manuell ausgelöst werden.
Und der Zaubertrick "Kisten öffnen" kostet zwar Unmengen an Mana, ist aber ein Flop und hat
bei mir nie funktioniert, nach unzähligen erfolglosen Versuchen habe ich es aufgegeben. Leben
und Mana regenerieren sich langsam von selbst - jedoch auch bei den Gegnern: Von Orks über Barbaren
bis hin zu Drachen und Dämonen trifft man auf die ganze Palette des Bösen. Anfangs sind die
Kämpfe unverhältnismäßig schwer, später jedoch unverhältnismäßig leicht. Eine bessere Ausbalancierung
der Kampfstärke hätte nicht geschadet, das Monsterlevel hätte sich doch an den eigenen Charakterlevel
anlehnen können. Die Gegner fahren zudem eine ziemlich seltsame Taktik: meist sammeln sie sich
in einer Ecke der Map - sind sie unverwundet, greifen sie alle zusammen an, die einzige Taktik,
die hier hilft, ist, sie einzeln rauszulocken, was aber auch nicht immer gut geht, denn sobald
sie schwer verwundet sind, rennen sie wieder zu ihrer Sippe. Oft geschieht es auch, dass verletzte
Monster die Map einfach verlassen. Im Kampf kann man die Pausentaste drücken, eine sehr nützliche
Funktion, denn im angehaltenen Spiel kann man Tränke zu sich nehmen, im Inventar rumspielen
und jeden überhaupt möglichen Befehl an seine Charaktere geben. Bei den Kämpfen drängte sich
mir doch unweigerlich die Frage auf: worin bestehen die angekündigten Gemeinsamkeiten mit Diablo?
Diablo besticht durch eine Vielzahl von Kampftechniken, die die eigene Waffe verbessern, man
denke nur an Multishot bei der Amazone oder Wirbelwind beim Barbaren. In Gorasul kloppt man
mit der Waffe auf das Monster ein, das war's auch schon. Dasselbe Ergebnis erhält man auch,
wenn man Gorasul mit Baldur's Gate vergleicht. Rätsel ist Rätsel, aber Quest ist nicht gleich
Quest. In BG haben die Partymitglieder ein Eigenleben, das reicht vom Dickkopf bis zum schüchternen
Elflein, sie werden von ihrer Vergangenheit eingeholt, sie entwickeln Freundschaften und Hassgefühle
und daraus ergeben sich neue Quests. Gorasul bietet das nicht, Gorasul ist linearer, als man
es von einem Rollenspiel erwartet. Natürlich gibt es Quests, die mit dem Auftrag selbst nichts
zu tun haben, aber sie werden eher als lästig denn als bereichernd und unterhaltsam empfunden.
Wie bereits erwähnt kann die Bildschirmauflösung nicht selbstständig gewählt werden. Doch
das ist nicht der einzige Minuspunkt, den man für die Grafik von Gorasul verbuchen muss. Die
Iso-Perspektive empfiehlt sich nach wie vor für dieses Genre, jedoch hätte man die Details ein
bisschen liebevoller und in den Proportionen zueinander passender gestalten können. Gras, gepflasterte
Wege, Dächer, alles ist sehr schön gestaltet, aber warum sind Männlein und Weiblein optisch
nicht zu unterscheiden, warum sind Kinder oft so groß wie die Erwachsenen, warum bewegen sich
alle Lebewesen mehr oder weniger klobig, warum erreichen Hühner beinahe die Größe von Schweinen
und weshalb sind die Kampfanimationen so eindimensional (Arm rauf/Arm runter)? Immerhin kommen
die angewandten Zauber relativ farbenprächtig daher. Sehr lieblos sind auch die Läden gestaltet:
ein Bild eines zumeist grimmig dreinsehenden Händlers, das sehr schnell vom Angebot überdeckt
wird. Der Sound leidet an einem ganz großen Mangel: gesprochene Dialoge fehlen. Zwar spricht
Roszondas hin und wieder ein paar Sätze, wenn ihm auf seinen Reisen etwas Neues in den Sinn
kommt, aber der Rest der Unterhaltungen findet in Textfenstern statt. Sehr schade. Die vier
CDs ließen eigentlich auf eine Sprachausgabe hoffen. Die Musik hingegen ist sehr gut gelungen,
den Situationen angemessen und nie nervig, wie bei vielen anderen Spielen, die einen irgendwann
dazu zwingen, die Musik abzuschalten. Besonders die Tracks von Corvus Corax fügen sich wunderbar
ins Game ein, und man verweilt gerne auf der grafisch sehr ansprechenden Landkarte, einfach,
um der Musik zu lauschen.
Zum Gameplay und Spiel insgesamt fallen auch noch einige Dinge negativ ins Gewicht: Der chronische
Geldmangel zum Beispiel. Die Waren in den Läden sind meist unglaublich teuer, man findet relativ
wenige Gegenstände, die im Verkauf Geld bringen, so dass man auch nur selten die Möglichkeit
hat, sich Heiltränke zu kaufen, die man zudem auch nur ganz selten findet. Die Reparaturkosten
für die Waffen, insbesondere den persönlichen Begleiter, sind im Verhältnis zu den Mitteln,
die man zur Verfügung hat, auch überhöht. Der rollenspieltypische Sammeltrieb wird in Gorasul
leider ziemlich kastriert. Doch es gibt auch Positives zu vermelden: wurden Gegenstände einmal
identifiziert und man findet sie wieder, so entfällt der umständliche Vorgang, sie werden gleich
erkannt und richtig gestapelt. Und das Beste an Gorasul - und hier muss ich ein dickes Lob aussprechen
- ist die hervorragende Wegfindungsroutine. Selbst in spiralförmig verschachtelten Dungeons
finden alle Partymitglieder wie von Wunderhand den am weitesten entfernten Punkt. Verwunderlich
ist daher aber, dass Magier automatisch auf Monster zaubern, die hinter einer Wand stehen. Einen
Pluspunkt gibt es auch für den nicht zu kurz kommenden Humor (besonders am Ende, als der neugierige
Rollenspieler eine Frage stellt und der Antwortende stante pede vom Blitz erschlagen wird) und
einige sehr schöne Ideen wie z. B. die Minigames im Spiel oder den Einfall, Roszondas Seele
zu malen. Außerdem erlebt Roszondas auf seinen Reisen zwischen den Orten auf der Map regelmäßig
Überraschungen, die per Textmeldung bekanntgegeben werden: Ein Sturm kann aufkommen und ihn
verletzen, er wird ab und zu beraubt, vergiftet, hin und wieder bekommt er Dinge geschenkt oder
er trifft auf zahlreiche Gegner. Die filmischen Zwischensequenzen hingegen sind oft enttäuschend,
nicht nur qualitativ, sondern auch, weil sie aus unerfindlichen Gründen, je weiter das Spiel
voranschreitet, zu ruckeln beginnen. Perspektive und Ruckeln ließen bei mir teilweise ein regelrechtes
Blairwitch-Feeling aufkommen. Schade finde ich auch, dass die meisten Häuser sich nicht betreten
lassen, dass die meisten Bürger nichts zu sagen haben und dass die Interaktion mit der Umgebung
insgesamt etwas zu dürftig ausgefallen ist. Außerdem ist die geschätzte Spieldauer von 60-80
Stunden viel zu hoch gegriffen, hat man einmal den "L-Knopf" entdeckt und seine Party zum Laufen
gebracht, anstatt sie wie Schnecken durch die Gegend wandern zu sehen, kann man das Spiel in
ca. 20 Stunden durchspielen.
Der Support von JowooD ist großartig. Sie haben sehr schnell auf von Spielern gerügte Bugs
reagiert und mittlerweile drei Patches programmiert, im Gorasul-Forum wird auf jede Frage und
jedes Problem reagiert, daher bedauere ich ein bisschen, dass Gorasul nicht die hohen Erwartungen
erfüllt. Allerdings sind auch nach dem zweiten Patch noch nicht alle Bugs beseitigt, die Belohnung
für einen Quest (Training beim Waffenmeister) habe ich trotz zahllosen Besuchen bis zum Ende
des Games nicht erhalten, und zweimal ist es passiert, dass ich Kräuter mit der Anzahl 0 eingesammelt
habe (alles nach dem zweiten Patch). Aber mit etwas Wohlwollen und mit Blick auf die nette Story,
die Einsteigerfreundlichkeit, die Musikuntermalung und die gute Wegfindungsroutine erhält es
von mir...
Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines bereits auf der Seite GUN veröffentlichten
Reviews.
Geschrieben am 01.10.2001, Testkonfiguration: keine Angabe
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