 | Info |
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| Autor | | 1 |
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 |   | | 1.5 |
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| Gesamt (1.197 votes) | | 1+ |
 |   | | 2 |
 |   | | 1.8 |
 |   | | 2.5 |
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| Name: | Gothic 2 |
| Genre: | Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2002/11 |
| Publisher: | JoWooD |
| Entwickler: | Piranha Bytes |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | World of Gothic |
| Hardware: | 700Mhz, 256MB RAM, 32MB 3D-Karte D3D, HD 2200 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX8 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | ja |
| Serie: | ja |
| Patch: | 1.30 |
| USK: | 12 |
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 | | Sightseeing |
 | | Alchemistenlehrmeister |
 | | Klostergang |
 | | Echsenmenschen |
 | | Die Suchenenden -gefunden |
 | | Troll-Angriff |
 | | Am Goldenen See? |
 | | Jäger-Stützpunkt |
 | | Ork-Attacke |
 | | Vollmond am alten Lager |
 | | Sumpf-Drache Pandrodor |
 | | Xardas alter Turm |
 | | Ehrengarde |
 | | Marktplatz in Khorinis |
 | | Sonnenuntergang an Bord |
 | | Hafenviertel |
 | | Audienz bei Pyrokar |
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| Gothic 2 (review von yak) |
Der Schläfer schläft...
Aber schläft er auch für immer oder war das Abenteuer des Namenlosen
nur der bittere Vorgeschmack für etwas viel Schlimmeres?
Nachdem er tapfer und unter Einsatz all seiner Mittel den Schläfer zur
Ruhe gebettet hatte und die Barriere des Gefängnisses nicht mehr existent
war, hätte für ihn alles so gut laufen können. Doch meistens kommt es
anders als man denkt.
Während der Namelose aus dem kollabierenden Tempel des Schläfers flieht,
wird er unter herabfallenden Steinen begraben. Wiederbelebt durch Magier
Xardas, der ihm schon bei seinem vorherigen Abenteuer zur Seite stand,
kommt gleich die Hiobsbotschaft hinterher.
Das Böse hatte lediglich Sekundenschlaf und unser Held wurde durch seine
Reinkarnation all seiner Fähigkeiten beraubt. Kurz gesagt- wir fangen
wieder bei Null an.
Die Stadt der Insel Khorinis, jenseits der alten Barriere, war nicht
gewappnet, als die Menschen aus dem Minental in ihre Welt drangen. Banditen
bedrohten die Bevölkerung und die dortige Miliz konnte dem kaum etwas
entgegenstellen. Umliegende Bauernhöfe, dessen Besitzer ebenso unter den
Banditen zu leiden hatten, verweigerten daraufhin der Stadt und dem König
ihren Tribut, verbündeten sich sogar oder bezahlten Söldner, um ihr Eigentum
zu schützen. Doch nicht nur durch die fehlende Nahrung geschwächt, auch
mangelnde Erzlieferungen aus dem Minental erschwerten den Kampf des Königs
gegen die Orks und zu alledem gab es auch noch Berichte, dass Drachen
dort ihr Unwesen treiben.
Mehr als genug für unseren Namenlosen, sich wieder als Held zu beweisen,
die Drahtzieher der Verschwörung zu entlarven und das Chaos zu vermeiden,
das ohne seine Hilfe unabdingbar die Insel Khorinis bedroht. Doch welchen
Weg geht unser Held? Schliesst er sich den Magiern an, wird er Paladin
und schützt die Bürger der Stadt oder schlägt sein Herz für die unterdrückten
Bauern und wird Söldner?
Vor knapp 1 ½ Jahren begeisterte das Action-Rollenspiel Gothic
durch eine gelungene Story, einer glaubwürdigen Spielwelt und einer eindringlichen
Atmosphäre, die ihres gleichen sucht, die Spielgemeinschaft. Die Fangemeinde
wuchs stetig und etablierte das Spiel für viele Gamer zum Non-Plus-Ultra
im Genre der Action-Rollenspiele, dessen Beliebtheit bis heute nichts
verloren hat. Mehr davon, war aus den Kehlen vieler Gothic-Jünger zu hören,
egal, ob sie Anhänger des Sumpflagers oder des Alten Lagers waren. Und
dieser Wunsch wurde nun mit der Fortsetzung erfüllt.
Ob Gothic 2 nun besser, schöner und grösser als der Vorgänger geworden
ist, soll euch unser Review zeigen.
Die hauseigene Engine wurde aufpoliert und um einige Features erweitert,
deren Hauptaugenmerk jedoch eindeutig in Richtung Polygonzahl und Texturdetails
geht. Wie schon beim Vorgänger befindet sich die komplette Spielregion,
die riesige Ausmasse hat, ad hoc im Speicher, so dass ein Nachladen nicht
nötig ist (lediglich beim Wechsel in eine andere Region). So kommt es
niemals zum "Bruch" im Spielerlebnis und man beginnt richtig in der Gothic-Welt
zu "leben". Die Detailmengen sind atemberaubend. Man durchstreift dichte
Wälder, die mit Unterholz, Farnen, Pilzen und Baumstümpfen bedeckt sind,
erklimmt Berge oder Türme, von denen man die weit entfernte Stadt sehen
kann. Der Eindruck, den man bereits nach ein paar Spielminuten erfährt,
ist unglaublich. Limitieren bekannte Engines das Spielareal meist auf
kleine Bereiche, sind auf Nachladen angewiesen oder begrenzen den begehbaren
Bereich durch eine Texturmauer, sucht man dies bei Gothic vergebens. Hier
bekommt man das, was man sieht. In Gothic ist es möglich, auf einen Turm
zu klettern oder einen Berg zu besteigen, um sich eine Übersicht zu verschaffen
und so kommt es vor, dass man bei der Visite der Leuchtturmspitze eine
bisher verborgene Bucht samt Schiffswrack entdeckt.
Gothic 2 schafft dank der Engine eine lebende, aktive Welt. Tiere leben
in den Wäldern, Menschen verrichten in der Stadt oder auf dem Feld ihre
Arbeit, der Schmied stählt das Eisen, Alchemisten brauen ihr "Süppchen",
Händler verkaufen ihre Waren auf dem Markt und hungrige Wölfe machen Jagd
auf Schafe, zumindest solange der Hirte nicht eingreift. Das Verhalten
der NPC in Gothic2 wurde gegenüber Teil 1 stark verbessert und trägt zur
Glaubwürdigkeit bei. Waren viele Figuren aus Gothic 1 noch hauptsächlich
und ganztägig damit beschäftigt, ihr Namensschild an die Häuserfront zu
nageln, wirkt das Verhalten in Gothic 2 schon glaubwürdiger und abwechslungsreicher.
So trifft man sich gegen Abend in der Stadt schon mal bei einem Glas Bier,
frönt im Hafenviertel der Wolllust in entsprechenden Etablissements oder
bestaunt den Sonnenuntergang, bevor man sich zur Nachtruhe begibt. Nicht
nur Tag und Nachtwechsel sind zu bestaunen, auch ein ordentlicher Platzregen
oder ein Gewitter kann den gewillten Abenteurer überraschen. So kann ein
richtig fieses Gewitter in den oberen Bergwaldregionen mit Blitzeinschlag
schon angsteinflössend wirken, wenn sich zudem noch das Knurren hungriger
Warge dazugesellt.
Die Graphik wurde zum Vorgänger aufpoliert. So sehen Bäume nun realistischer
aus und nicht mehr so, wie aus dem Vorgänger bekannt, wie zusammengesetzte
Pappaufsteller :-). Die Texturen sind detailreicher und erreichen an vielen
Stellen Photorealismus, was mir besonders bei den Baumrinden aufgefallen
ist. Die Erhöhung der Details lässt so die Spielwelt noch glaubwürdiger
erscheinen, als im Vorgänger. So kann man das Unterholz in Waldregionen
auch wirklich als solches bezeichnen, wobei es an manchen Stellen oft
schon zu gut gemeint wurde, wenn man die Hand (sprich Spielfigur) nicht
mehr vor Augen sieht. Auch die Effekte wurden verbessert. Es gibt Bodennebel,
der Niederungen, Teiche oder Friedhöfe in unheimliche Atmosphäre taucht,
Sonnenstrahlen, die ihren Weg durch die dichten Baumkronen bis hin zum
Waldboden bahnen oder die Feuer und Zaubereffekte der Drachen und Magier.
Lediglich der "Bindfaden-Regen" hätte zum Vorgänger eine Nachbesserung
erfahren können. Etwas Transparenz hätte hier Wunder gewirkt.
Die Figuren und deren Animationen sind glaubwürdig und besonders vielfältig
gestaltet. NPC sind schon durch ihr Aussehen voneinander unterscheidbar,
Orks ausgenommen, denn mit ihnen trifft man sich doch eher selten zum
5 Uhr Tee. Wer jedoch die eine so freizügige graphische Darstellung des
schwachen Geschlechtes aus Teil 1 erhofft, wird enttäuscht, denn Gothic
2 gibt sich diesbezüglich sehr zugeknöpft :-).
Sicher gibt es derzeit Engines, die pompösere Effekte liefern könnten,
doch Gothic 2 damit vergleichen zu wollen, ist eigentlich unmöglich. Die
hier simulierte Gamewelt lässt sich nicht von der graphischen Gestaltung
trennen und bildet eine einmalige Symbiose, die in meinen Augen bisher
keine andere Engine zu leisten vermag, was sicher auch an der Tatsache
liegt, dass die komplette Welt ohne lästiges Nachladen auskommt.
Leider hat die Schönheit auch ihren Preis, denn um Gothic 2 in all seiner
Pracht erleben zu dürfen, sprich hohe Sichtweite und viel Details, braucht
es schon ein gutes System.
Soundtechnisch wurden wieder alle Register gezogen. So hört man, dank
4 Kanal-Unterstützung das Grunzen der Orks oder das Knurren der Wölfe
schon aus der Ferne oder hinter sich, wenn der Feind sich unbemerkt angeschlichen
hat. Glaubwürdige Geräusche, Waffen und Ambientesounds wie Meeresbrandung,
Regen, Blitze, Vogelgezwitscher oder Grillengezirpe runden das Audioerlebnis
ab. Die Sprachausgabe ist gelungen, lippensynchron und professionell eingesprochen.
Auch wenn einem innerhalb des Spielverlaufs einige Stimmen bekannt vorkommen,
trübt das den Spielspass nie, da die Schauspieler ihr Möglichstes tun,
die Stimmen zu variieren. Bei der Vielzahl der NPCs und der Tatsache,
dass jeder Dialog vertont wurde, sicher ein akzeptabler Kompromiss. Da
sich NPCs auch untereinander unterhalten, wenn z. B. die Marktfrauen sich
über Vor- und Nachteile ihrer Ehemänner auslassen, trägt zur Glaubwürdigkeit
und Authenzität einer lebenden Welt bei. Einzig die Stimme der Drachen
und das böse wirken sollende Knurren fand ich ein wenig unpassend, da
es sich eher wie "Nase hochziehen" angehört hat :-)
Die Musik variiert von stimmungsvollen Ambientesounds, keltisch/irisch
angehauchten Themen bis hin zu orchestralem Kampfgetümmel mit Choreinlagen.
Sehr passend und professionell umgesetzt, unterstützt es das Spiel wie
eine gute Filmmusik, mit fliessendem Themenwechsel, abhängig von der Spielsituation.
Gespielt wird Gothic vorzugsweise mit der Kombination Maus/Tastatur.
Hier haben die Entwickler von Piranha Bytes auch einen der grössten Kritikpunkte
des Vorgängers ausgebügelt. Die etwas unkomfortable Steuerung ist nun
einer actiongenre-ähnlichen gewichen und jetzt auch für fast alle Funktionen
frei konfigurierbar. Wer will, kann jedoch auch auf die vordefinierte
Gothic 1 Steuerung zurückgreifen. Die Spielfigur lässt sich so problemlos
steuern. Das leidliche Thema "Leitern" gibt es nicht mehr, denn diese
wurde aus Gothic 2 komplett verbannt.
Leider muss man immer noch auf eine Menue- und Inventarsteuerung per
Maus verzichten, wenn auch das Handling des Inventars zum Vorgänger verbessert
wurde.
Doch die elementare Frage bleibt. Ist Gothic 2 ein würdiger Nachfolger
und schafft man es auch diesmal, den Spieler vor den Bildschirm zu bannen
und dafür zu sorgen, dass man selbst noch um 4 Uhr früh sagt- den Orkstützpunkt
noch und dann geh ich ins Bett? (Was man aber danach sicher noch 2-3 mal
als "Ausrede" wiederholt)
Die Antwort darauf ist ein klares Ja, wenn auch der zweite Teil einiges
anders macht, als sein Vorgänger. Zuerst aber noch die Klärung der Frage,
ob man Gothic 2 ohne Einstiegsprobleme spielen kann, wenn man den Vörgänger
verständnisloser Weise ignoriert hat.
Da man Gothic 2 praktisch, von der Vorgeschichte einmal abgesehen, mit
einem "jungfräulichen" Charakter beginnt, ist es nicht notwendig, Teil
1 zu kennen. Empfehlenswert ist es trotzdem, da man auf viele vertraute
Figuren des Vorgängers trifft und diese daher ein wenig aus dem Kontext
gerissen werden, wenn auch die Figuren bereitwillig über gemeinsame, vergangene
"Schandtaten" mit unserem Helden Auskunft geben.
Die bei RPGs ansonsten übliche Charaktergenerierung entfällt. Lediglich
mit Minimalausrüstung wird man von Xardas auf die Reise geschickt. Welche
Charakterausbildung man im Spiel wählt, wird erst im weiteren Verlauf
entschieden. So gilt es erst einmal, möglichst unbeschadet zur Stadt zu
kommen, was einige Wölfe, Goblins und Banditen zu verhindern suchen. Die
Waffe gezückt und mutig ins Kampfgeschehen entledigen wir uns auch schon
von einigen lästigen "Begleitern". Schnell werden ihre Überreste durchsucht,
ob sich was Brauchbares bei ihnen findet. Die Goblins werden von ihren
Münzen befreit, die mir in der Stadt sicher dienlich sind. Mein Wissens-
und Forschdrang sollte aber zu Beginn möglichst auf den Wegen Erfüllung
finden. Zu weit weg vom halbwegs sicheren Pfad bringt mich nur mit unfreundlichen
Spezies in Kontakt, denen ich aufgrund meiner derzeit noch schwachen Konstitution
nichts entgegen zu stellen habe. Am Stadttor angekommen, treffe ich jedoch
auf äusserst unfreundliche Wachen, die mir den Eintritt verwehren, bzw.
mit Geld "überredet" werden wollen. So bleibt mir vorerst nichts anderes
übrig, als beim naheliegenden Bauernhof als Tagelöhner zu arbeiten und
mir so durch Rübenpflücken eine fesche Bauerntracht verdiene, die mir
den Zutritt zur Stadt ermöglicht.
Gothic 2 entführt den Spieler zu Beginn mit kleinen Quests ins Spielgeschehen
und macht ihn so mit dem Spielprinzip und den Möglichkeiten vertraut.
Man lernt, dass man durch das Besiegen von Gegnern oder dem Erfüllen von
Quests Erfahrungspunkte bekommt, mit denen man sich beim Erreichen der
nächsten Stufe Charktereigenschaften aneignen kann. So legt man in der
Stadt den ersten Grundstein. Durch die Wahl eines Ausblindungsplatzes
versucht man, ein ehrenwerter Bürger zu werden und damit das Privileg
zu erhalten, Zutritt in das obere Stadtviertel zu bekommen. Man muss um
die Gunst der Ausbilder buhlen, damit sie uns etwas lehren. Sei es der
Schmied, Alchemist oder der Fellhändler, wo man das Schmieden, Tränkebrauen
oder das Häuten der Beutetiere lernt. Ziel ist es aber, sich entweder
den Söldnern, der Miliz oder den Magiern anzuschliessen und dadurch die
Kenntnisse der entsprechend gewählten Laufbahn zu erlangen.
Jedoch ist dies keine Entscheidung, die man früh im Spiel und ohne Recherche
treffen muss, kann man sich doch vorerst als normaler Bürger ohne Gildenanschluss
gut über Wasser halten und sich erst mit allen Vor- und Nachteilen der
jeweiligen Zunft vertraut machen.
Die Quests sind vielfältig und abwechslungsreich. Geht es anfänglich
noch eher um "Hausmannskost" wie z. B. Botengänge, steigert es sich vom
Ausheben einer Diebesbande bis hin zum Ork-Attentat, Drachentöten und
dem Retten der Welt. Meist sind die Quests sozusagen Gretchenfrage der
Charakterwahl, denn wir werden z. B. vor die Wahl gestellt, jemanden zu
Verraten, nur um dadurch finanziellen Vorteil zu erlangen. Da Verrat aus
monetären Gründen sicher nichts für einen geborenen Paladin ist, lehnen
wir dieses Angebot ohne Umschweife ab, müssen uns jedoch darauf gefasst
machen, dass es Spätfolgen haben kann.
Das unterscheidet Gothic 2 auch vom Vorgänger, da hier wesentlich mehr
Dialogoptionen mit Folgewirkung zu absolvieren sind und somit die Multiple
Choice Gespräche mehr an Bedeutung haben. Um Aufgaben zu lösen gibt es
keinen zwingend vorgeschriebenen Weg. So kann man z. B. versuchen, den
NPCs notwendige Gegenstände abzukaufen, zu stehlen oder aber sie im Kampf
zu besiegen und dann auszurauben, je nach Geschmack und Fähigkeit.
Fähigkeiten müssen durch das Verteilen von Erfahrungspunkten erlernt
werden. So lernt man z. B. den Taschendiebstahl bei der Diebesbande, Waffenfertigkeiten,
Stärke oder Geschicklichkeit bei einem erfahrenen Kämpfer, Magie bei einem
Magier usw. Betet man jedoch spendierfreudig vor einem Schrein der Gottheit
Inos, kann man mit ein wenig Glück auch ohne den Gebrauch von Erfahrungspunkten
seine Fähigkeiten aufbessern. Trifft man später die Wahl, für welche Zunft
man den Kampf gegen das Böse antritt, gibt es jedoch kein zurück mehr
und legt dadurch zumindest seine Grundtendenz und Fähigkeit fest. Dahingehend
sollte man auch seine Erfahrungspunkte verteilen. Dass ein Magier eher
Bedarf an Manaeigenschaften haben, sollte klar sein :-)
Von den jeweiligen Erfahrungspunkten Stärke und Geschick ist auch abhängig,
welche Waffe man benutzen kann. So verlangen schlagkräftigere Waffen einen
hohen Stärke- und Geschicklichkeitsgrad. Den Umgang und die Erfahrung
damit muss man jedoch gezielt bei Waffenmeistern verbessern. So kann man
sich an Einhand- oder Zweihandwaffen ausbilden lassen, bzw. zwischen Armbrust
oder Bogen wählen. Jedoch sind weiter Fertigkeiten erlernbar, die nicht
mit der Charakterlaufbahn verknüpft sind. So darf man das Schleichen,
Schlösser knacken, Taschendiebstahl, Tränke brauen, Waffen schmieden,Tiere
verwerten (sehr vielfältig z. B. Drachenblut zapfen, Herz rausreissen,
Horn abhauen, Zähne ziehen, Flügel stutzen usw), womit man vielfältige
Variationen zur Verfügung gestellt bekommt. So wird zumindest sichergestellt,
dass ein Magier-Fachidiot auch eine Waffe benutzen kann und in der bösen
feindlichen Welt überlebensfähig ist und ein Palladin auch mittels eines
gekauften Zauberspruchs etwas Magie versprühen darf.
Das Besiegen der Gegner ist zugleich noch ein notwendiges Zubrot, da
man deren "Erbschaft" bei den Händlern verkaufen kann und so
an Heiltränke oder bessere Waffen, sollte man selbst darin nicht ausgebildet
sein, kommt,wobei auch die Fähigkeit des Taschendiebstahls nicht ausser
Acht gelassen werden sollte.
Im Vergleich zu Gothic 1 hat man die Charakterlaufbahn etwas gradliniger
gestaltet und somit einen zu starken Charaktermischmasch und die Verskillungsgefahr
verhindert, wobei das alte System sicher reizvoller war und mehr Freiraum
zum Experimentieren gelassen hat. Dafür gibt es jetzt mehr separate Eigenschaften,
auf Akrobatikfähigkeiten hat man jedoch in Teil 2 komplett verzichtet.
Die Welt in Gothic 2 hat sich von der Grösse sicher verdreifacht und
die Anzahl der Quests proportional dazu. So auch die Locations. Es gibt
dichte Wälder, eine belebte Stadt samt Hafengebiet, Schneelandschaften,
Bergpässe, Vulkane, Felder, Wiesen, Bauernhöfe, eine Schatzinsel, Opferstätten
und ein altes Kloster. Sogar grosse Teile aus dem Vorgänger darf man erneut
besuchen, auch wenn dort nun die Starke Hand der Orks regiert und fast
alles einem Kriegsschauplatz gleicht. Für melanchonische Erinnerungen
an Teil 1 reicht es aber allemal :-)
Hier findet man auch einen grundlegenden Unterschied zum Vorgänger, der
atmosphärisch eine etwas andere Richtung einschlug. So waren für mich
die Highlights von Teil 1 das Durchforsten der gruseligen, dunklen Minen
und Dungeons, immer mit der Angst im Nacken, von Minecrawlern überrascht
zu werden. In Teil 2 hat man weitesgehend auf Dungeons verzichtet. Gothic
2 ist eher ein "Oberwelt-Abenteuer". Dunkle, tiefe Verliese oder Höhlen
findet man, abgesehen vom Finale, nicht. Dafür bekommt man jedoch düstere,
tiefe, undurchdringliche und unheimliche Wälder geboten, die ebenso angsteinflössend
sind. Atmosphärisch und bezogen auf die Storydichte bietet mir Teil
1 etwas mehr.
Das Kampfsystem wurde aufgrund der nun verbesserten Steuerung zugänglicher,
wenn auch eine einmal eingeleitete Animation nicht mehr abzubrechen und
somit ein schnelles Reagieren nicht möglich ist. Hier ist es nun wichtig,
den Rhythmus seines Gegners zu erkennen und auch seine Angriffsstrategie.
Bei menschlichen Gegner ist das Blocken und Ausweichen oft Pflicht. Tierisches
Eiweiss kann oft ohne Betablocker denaturalisiert werden. Taktik ist jedoch
dabei nicht zu unterschätzen, da viele Bestien gerne im Rudel angreifen
und sie somit zur tödlichen Gefahr werden. So sollte man sie möglichst
von der "Truppe" trennen und rauslocken, um sie für eine Einzelbehandlung
vorzubereiten. Bei Untoten oder magischen Gegnern sollten schon Waffen
wie der Heilige Pfeil zum Einsatz kommen, der auch bei Orks durchschlagenden
Erfolg verspricht. Trotzdem sind Blutfliegen mit ihren jämmlichen 60 Erfahrungspunkten
noch meine meistgehassten Gegner, weil sie kaum zu treffen sind. Die Gegner
KI ist gelungen, lediglich bei den Wegfindungsroutinen gab es Probleme
und eine kleine Anhöhe oder ein Fels sorgte öfters dafür, dass der
Gegner die Verfolgung einstellte und auf der Stelle lief. Einen Patzer
haben sich die Entwickler jedoch bei der Rampe geleistet, die den Weg
ins alte Lager ermöglichte. Dort konnte man fast alle Orks anlocken und
in Ruhe mit der Fernwaffe erledigen, da sie es strikt unterliessen, auch
nur einen Schritt auf den Holzbalken zu wagen. Leider empfand ich das
Balancing des Schwierigkeitsgrades wie schon beim Vorgänger für etwas
unausgeglichen. So gab es im letzten Spieldrittel kaum noch einen Gegner,
der eine ernsthafte Gefahr darstellte. Drachen und der Endgegner waren
selbst für einen durchwachsenen Mischcharakter viel zu leicht. Auch
hätten für die Egoperspektive Kämpfe ermöglicht werden
sollen. Schilde und Reittiere, die nach Teil 1 bei vielen Fans auf der
Wunschliste standen, fanden auch keine Realisierung.
Ansonsten bleibt Gothic 2 seinem Vorgänger treu. Eine grundlegende Erweiterung
der RPG-Elemente oder Charakterdifferenzierung findet man, bis auf einige
neue Spezialfähigkeiten, die meist nur der Geldbeschaffung (Tiere verwerten)
dienen, jedoch nicht.
Bugs konnte ich kaum finden und auch Abstürze, wie man sie vom Vorgänger
kannte, blieben aus. Lediglich ein Fehler trat in Gesprächen auf. So bekam
man öfters die Aussage, dass man nicht genügend Geld hätte, obwohl genug
vorhanden war. Dieses Problem wurde aber durch den bereits erhältlichen
Betapatch beseitigt. Waghalsige Sprungeinlagen und Kletterpartien "entführten"
dafür manchmal zum "Where no man has gone before...", sprich
Leveldesignende, aber das lag eindeutig nur an meiner "Da will ich
unbedingt hin auch wenn es 100 Versuche kostet Spieleinstellung".
Ein Preis, den Secretsuchfetischisten nun einmal bezahlen müssen.
:-)
Das Handbuch ist vorbildlich, ausführlich und erleichtert auch Anfängern
den Einstieg.
Was macht Gothic 2 nun zu einem aussergewöhnlichen Spielerlebnis. Das
ist gar nicht so einfach zu beschreiben, denn man muss es erlebt haben,
sehr ähnlich, wenn man jemandem erklären will, wie sich eine Achterbahnfahrt
anfühlt.
Gothic 2 lässt den Spieler für mehr als 50 Stunden in eine lebendige
Spielwelt eintauchen und eine spannende Story erleben. Grenzen werden
meist nur durch übermächtige Gegner gesetzt, die den Blick auf das Hinterland
verwehren. Das gibt dem Spieler jedoch eher das Gefühl der Freiheit,
als dass es ihn einschränkt. So kann man für sich selbst entscheiden,
wann der "Zeitpunkt" gekommen ist, es zu wagen. Aber man kann
(fast) alles machen, was man will. Warum dann nicht einfach mal per Zauberspruch
in einen Wolf verwandeln und sich durch das feindliche Gebiet schleichen,
nur um mal einen Blick ins Hinterland riskieren zu können? Oder beim Lagerfeuer
in der Pfanne einen Stück Fleisch vom frisch erlegten Molerat braten?
Einen Wettkampf mit dem besten Söldner? Eine Einbruchserie für die Diebesgilde
im oberen Stadtviertel durchführen und an schlafenden Bewohnern vorbeischleichen?
Einen Mord aufklären? Oder sich einfach nur dabei ertappen, die Landschaft
zu bewundern? Sich daran erfreuen, eine neue Charakterstufe erreicht zu
haben und neue Fähigkeiten zu erlernen? Die Masse an Zaubersprüchen,
Gegenständen oder Waffen ausprobieren? Jedes Quest und Geheimnis
zu erforschen oder einen neuen Zaubertrank zu mixen, dessen Rezept man
in einem verborgenen Buch gefunden hat? Den Kampf mit dem fast unbesiegbar
scheinenden Schwarztroll zu riskieren? Es gibt also Gründe genug,
Gothic 2 zu spielen und definitiv keinen, dies nicht zu tun.
Gothic 2 gehört für mich zusammen mit Arx
Fatalis zu den besten Spielen des Jahres. Die Detailtreue, die Menge
an Quests und die unterschiedlichen Lösungswege sorgen für langanhaltenden,
fordernden, ja süchtigmachenden Spielspass und wer danach noch nicht genug
hat, spielt einfach statt Paladin den Söldner oder Magier, benötigt
ihr Weg zur Rettung der Welt doch einige andere Quests.
Geschrieben am 30.12.2002, Testkonfiguration: AMD2100+, Geforce-3, 512MB Ram, SB Audigy
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