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In Sachen Rollenspiel konnten PC-Zocker 2006 nicht klagen. Mit Oblivion, Neverwinter Nights 2 und Gothic 3 buhlten gleich drei große und bekannte Serien um die Gunst der Käufer. Erstaunlich – oder eher schon erschreckend – ist jedoch auch der Zustand, in dem diese „Mammut-Spiele“ in die Läden gekommen sind. Bei Oblivion versaute insbesondere die Übersetzung vielen Spielern die Freude, bei Neverwinter Nights 2 gab es auch zahlreiche Unstimmigkeiten und Gothic 3 stand gar als Alpha-Version in den Läden. Die Veröffentlichung von Gothic 3 in diesem Zustand war eine Frechheit und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Kunden, der für den Datenträger den Vollpreis bezahlt hat. Was erwartet man auch von einer Collectors Edition? CDs in Papiertüten? Ein unvollständiger Inhalt? Aber auch ein Großteil der kommerziellen Presse hat den letzten Funken Glaubwürdigkeit im Monat Oktober 2006 verspielt, als Spiele in solchem Zustand mit hohen Wertungen im 80iger Bereich belohnt oder gar „Potentialwertungen“ vergeben wurden. Aber die exklusive Heft-Sonderausgabe mit Gothic 3-Fanbeilage ist ja in Planung und dann wird einfach noch ins Editorial was bezüglich transparenten und fairen Bewertungen geschrieben. So viel zur Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit. Jetzt aber endlich zum eigentlichen Spiel: Es war wirklich spannend am 13. Oktober. Viel war im Netz zu lesen und der Hersteller versprach natürlich ein astreines Spiel. Wenige Augenblicke, nein genau genommen viele Minuten nach dem elendig langen Ladeschirm, ging es endlich ins Abenteuer. Doch schon sehr bald stellte sich heraus, dass die doch sehr reißerischen Berichte bezüglich Gothic 3 zum Großteil Recht gehabt hatten. Es war kein Spiel, sondern ein Bughaufen installiert worden. Auch die nachfolgenden Updates haben nicht so viel verbessern können. Zwar wurden Plotstopper behoben, Abstürze beseitigt, Speicherlöcher geschlossen und die Zerstörung von Spielständen abgestellt, doch das eigentliche Gameplay ist nahezu unangetastet geblieben. Es fällt mir schwer sich nach der langen Spielzeit von Gothic 3 an schöne Momente erinnern zu können. Am Gelungensten ist sicherlich die Welt. Gerade die Wälder / bewaldeten Gebiete wirken sehr stimmig und man hat – mehr als in Oblivion – Lust, die Gegend zu erkunden. Doch leider hält diese Freunde nie lange an, weil der Rest einfach unfertig und nicht bis zum Ende durchdacht wirkt. Steuerung und Kampfsystem sind fern jeglichen Spielspaßes und eine Mischung aus Glückssache, Balancingfehlern und „Schnellklickorgien“. Wenn den Entwicklern keine sinnvollen Ideen mehr eingefallen sind, dann haben sie einfach zahlreiche Gegner platziert, die dank nicht vorhandener KI und sehr schlechter Kollisionsabfrage für einen weiteren, stetigen Abfall der Motivation sorgen. Die Lust am Erforschen wird einem außerdem durch zufallsverteilte Gegenstände in den Kisten vermiest. Vergisst der Spieler ja vielleicht alles, wenn er verzweifelt den nicht vorhandenen roten Faden sucht oder versucht den Hauch eines Physikeffekts zu entdecken. Das Aegia-Logo auf der Packungsrückseite ist wohl nur ein Werbegag, da die Physikengine per Patch nachgereicht werden soll. Im Gegensatz zu yak war ich von der Optik auch nicht so angetan. Gothic 3 sieht zwar nicht schlecht aus, aber bei den Hardwareanforderungen ist die Optik dann doch eher nur Durchschnitt mit extremen Grafikpatzern (Wandtexturen und Wasserdarstellung beispielsweise). Wie auch bei einigen anderen Spielen so hatte die endgültige Fassung eine merklich schlechtere Optik als die ersten, gut zwei Jahre alten, Screens. Insgesamt bleibt in der Summe extrem wenig über, was den Kauf ansatzweise rechtfertigen würde. Gerade im Vergleich zu aktuellen Titeln wie Oblivion und Neverwinter Nights 2 oder dem Vorgänger fällt mir kein Grund ein, wieso ein Käufer zum neusten Produkt aus dem Hause Piranha Bytes greifen sollte. Vielleicht richtet es ja noch ein AddOn und krempelt die ganze Welt um, behebt die KI-Fehler, passt das Balancing an und sorgt für eine Grundüberholung der Steuerung. Bis dahin sind Rollenspieler mit anderen Titeln ganz klar besser bedient. Gothic 3 ist aber auch nach sechs Monaten Flickarbeit ein Spiel ohne „Seele“ und in vielen Bereichen extrem unfertig. Ein Spiel, das ich froh bin, wieder losgeworden zu sein. Für solche Spiele ist mir mein Geld dann doch zu schade und mehr als eine 4+ ist dann auch wertungstechnisch nicht drin.
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