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Gothic 3 Score Session
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 | | Kai Rosenkranz |
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| Gothic 3 Soundtrack Session (special von yak) |
Computerspiele werden immer komplexer, technisch aufwendiger und nähern sich im Aufwand und
Etat schon kleinen Hollywoodfilmproduktionen. Erfreulicherweise trifft dies nun auch auf andere
Bereiche im Schaffungsprozess der Spieleentwicklung zu und das sonst eher in der Portokasse
versteckte Thema Musik hat nicht mehr den Beigeschmack von "Ach ja, Musik brauchen wir ja auch
noch... kann mal eben bitte jemand?"
Aufwendige und innovative Kompositionen zu Spielen werden mittlerweile mit gleich hohem Aufwand
eingespielt, wie bei Filmproduktionen: mit einem richtigen Orchester. Selten trifft dies bisher
jedoch für rein deutsche Produktionen zu, doch erfreulicherweise feiern dieses Jahr gleich zwei
hitverdächtige Spielefortsetzungen aus deutschen Landen "Orchesterpremiere". SpellForce 2
und Gothic 3.
Interessieren soll uns vorerst aber nur Gothic 3, denn KOCH Media, JoWooD und Piranha Bytes
haben zu den Orchesteraufnahmen nach Bochum ins Audimax geladen, wo an drei Aufnahmetagen der
orchestrale Soundtrack zu Gothic 3 eingespielt werden sollte. Hauskomponist Kai Rosenkranz,
Autodidakt und Filmmusikliebhaber, ist wieder für die Musik des neusten Teils verantwortlich.
Unterstützt durch Valery Voronov, der die Orchestrierung übernommen hat, spielen die Bochumer
Symphoniker unter dem Dirigat von Dr. Hans Jaskulsky.
Schon beim Betreten des Audimax konnte man die Musiker beim Einspielen ihrer Instrumente
belauschen und wer gut hinhörte, konnte bereits das aus den vorherigen Teilen bekannte Gothic
Hauptthema wiedererkennen... und auch wieder nicht, denn durch die Qualität eines echten Orchesters
darf man das Thema in einer ganz anderen Dimension erleben. Ein echtes Orchester ist mit den
bekannten, wenn auch technisch immer besser werdenden gesampelten Orchestern einfach nicht zu
vergleichen. Was ein echtes Instrument erzeugt, ist einfach nicht zu simulieren und so ging
ich, mehr als gespannt, in die erste Aufnahmesession.
Als Filmmusikliebhaber und -sammler seit mehr als 20 Jahren ist man ja einiges gewohnt, kennt
viel, besonders auch Komponisten, die sich mehr selbst zitieren als es ihnen gut tut oder Trends,
die von Produzenten von Film und Spielen als unverzichtbar angesehen werden. Warum alle World
War 2 Shooter sich musikalisch, wenn sie auch gut gemacht sind, am Americana Stil eines Copelands
und natürlich auch an Private Ryan von John Williams orientieren, ist nicht immer nachvollziehbar,
aber es ist halt das, was scheinbar "erwartet" wird. Daher hatte ich vorab recht gemischte Gefühle,
denn Spielmusiken im Bereich Fantasy unterliegen jetzt dem musikalischen Fluch, Segen und Erfolg
der "Herr der Ringe" Filme. Doch dabei habe ich eines ganz vergessen: Die Jungs von Piranha
Bytes kochen gewöhnlich ihre eigene Fleischwanzensuppe! Und genau das machen sie auch mit der
Musik, ohne sich scheinbar von äußeren Einflüssen beirren zu lassen, was sicher auch ein Grund
für ihren Erfolg ist und man es den fertigen Produkten einfach ansieht. Bis heute ist Gothic
in vielen Belangen anderen Games noch weit voraus.
Langsam geht es los, der Saal füll sich und noch einmal, wie bereits mehrfach erwähnt, bat
der Komponist während der Aufnahmesession um absolute Stille, da selbst die Auslöser der Photoapparate
zu hören sind. Es handelte sich nämlich nicht um eine reine "Vorführaktion", sondern man durfte
an der aktuellen Einspielung teilhaben und entsprechend bekam man auch die Rehearsals des Orchesters
mit. Dass sich dann ein nicht näher genannter Games-Reporter einer großen deutschen Computerspielzeitschrift
mit seiner Bazooka-liken Digi-Cam direkt unter ein Mikro stellte und während der Aufnahme dann
freudig unter lauten Klicks Photos schoss, sorgte bei ihm zumindest für ein erstauntes Gesicht,
denn mit soviel allgemeiner Aufmerksamkeit hat er sicher nicht gerechnet. "Scheinbar haben mich
alle sofort erkannt!" muss er wohl gedacht haben. Ach, einmal so im Mittelpunkt stehen ;). Demnächst
besser mal pünktlich kommen. So jedenfalls ein Clicktrack der etwas anderen Art.
Das erste Stück, das als Ausschnitt auch als Demo-Mp3 zum Download zur Verfügung steht, sorgte
dann auch gleich für entsprechende Gänsehaut, die irgendwie immer aufkommt, wenn die geballte
Kraft eines Orchesters den Saal mit Musik füllt. Die knappe Minute Musik zeigt eindrucksvoll,
was den Spielern von Gothic 3 musikalisch bevorsteht und ebenso, welches Potential in Kai Rosenkranz
schlummert. Der kurzen Komposition "Divine Powers" gelingt es geschickt, ein breites Spektrum
an Emotionen zu erzeugen. Die wehmütig, dennoch heroisch klingenden Hörner, begleitet durch
den eleganten Einsatz von Röhrenglocken, wandeln sich thematisch langsam in das bekannte, düstere
Gothic Thema, das daraufhin mystischer wird, kurz optimistische Züge annimmt, um dann in einem
großen Finale, jedoch mit offenem Spannungsbogen, den Spieler in ein noch ungewisses Abenteuer
entlässt. In der vorliegenden Vorababmischung des Stückes wirkten die Glocken jetzt viel passender
in das gesamte Orchester integriert - bei der Liveeinspielung hörte sich das für meinen Geschmack
noch etwas problematisch an. Ich bin jedenfalls auf die finale Abmischung höchst gespannt.
Das Stück hat meine Vorurteile, die ich wirklich mit in den Saal brachte, sehr schnell beseitig.
Vielmehr zeigte sich hier, dass der Komponist und ebenso der Orchestrator sich eher auf die
alte Schule beziehen und nicht dem Hans-Zimmer-Media Venture Wahn unterliegen, bei dem sich
alles nach "The Rock" anhören und möglichst jeder Musiker zu gleichen Zeit beschäftigt sein
muss, so dass die Komposition unter einer hoffnungslos überladenen Orchestrierung nicht mehr
genießbar ist. Mehr ist bekanntlich nicht immer besser und daher macht es mich als Anhänger
klassischer Filmkomponisten sehr froh, dass man sich bei der Komposition des Gothic 3 Soundtracks
eher auf alte Tugenden beruft, als dem Mainstream nachzuhängen. Das Stück "Divine Powers" zeigt
wirklich Qualitäten, wie man sie zum Teil aus den Goldenen Hollywoodjahren kennt. Der Einsatz
der Glocken wirkt so majestätisch wie in den Werken von Waxman, Friedhofer, Steiner, Newman
oder Korngold, die die Filmmusiken der 30er und 40er Jahre prägten. Und nicht nur das hat das
kleine aber feine Stück mit den alten Hollywoodmusiken gemein. Beendet wird die Musik in einem
kurzen, dafür aber mit allen Kalibern gewappnetem Finale, das die gesamte Kraft des Orchesters
noch einmal bündelt. Eigentlich dachte ich, dass es eine gelungene Musik für das Intro oder
den Startscreen werden würde, doch sie wurde für eine Ingame Sequenz komponiert, die ich nicht
weiter erwähnen darf :-).
Das zweite präsentierte Stück, das uns leider bisher noch nicht als MP3 Demo zur Verfügung
steht, ging da ganz andere, zum Teil auch moderne kompositorische Wege. Hierbei handelte es
sich um ein spannungsaufbauende Suspense-Musik, wie man aus der Feder Bernhard Herrmann (für
die jüngeren Leser gerne auch Danny Elfman, der ja laut eigener Aussage Bernhard Herrmanns größter
Anhänger ist ;) ) oder Jerry Goldsmith's Basic Instinct Ära vermuten würde. Dennoch immer höchst
eigenständig, mit ausreichend Fantasy Flair und niemals Plagiat. Als Bonus gibt es dafür aber
ein Gothic 3 Medley, das mehr als anschaulich zeigt, wie wandlungsfähig das Gothic Hauptthema
zum Einsatz gebracht wird. Von einer heroischen Interpretation, bis hin zu einem an einen Kampfesmarsch
ähnelnden Einsatz.
Schön war es mit anzusehen, wie der Komponist bei der Interpretation durch das Orchester
richtig mitgeht und die Musik wirklich durch ihn durch zu fließen scheint, wenn man seine Bewegungen
beobachtet, naheliegend für Menschen, die Musik lieben. Es muss schon ein besonderes Gefühl
sein, wenn die eigenen Noten, die zuerst nur im Kopf, dann vielleicht als MIDI-Mockup auf dem
Rechner, letztendlich zu wirklichem Leben erwachen.
Die drei Aufnahmetage sind aber noch lange nicht das Ende der Soundtrackproduktion. Bereits
im Vorfeld wurde die japanische Taiko Band GOCOO aufgenommen, um mit brachialen Percussion-Stücken
den Orks zu noch mehr Böswilligkeit in den Kämpfen zu verhelfen, der SAM Gospel Choir & Joyful
Voices steuern demnächst den für Fantasy Werke fast zwingend notwendigen Choreinsatz bei und
die US-Sängerin Lisbeth Scott besorgt die Solo-Voice Overs. Dazu gibt es noch Solomusiker, die
den Soundtrack im September 2005 mit Instrumenten wie Didgeridoo, Bawu mit Ethnostimmung bereichern.
Das verfügbare Demostück sollte daher auch eher als "Work in Progress" angesehen werden,
denn erst durch das Zusammenfügen all der vielfältigen Elemente des Soundtracks wird es sich
zu einem einheitlichen Ganzen vereinen. Und das kann bereits vor dem Release des Spieles Anfang
2006 genossen werden, denn geplant ist der Release einer Audio CD mit dem Gothic 3 Soundtrack
wahrscheinlich noch in diesem Jahr.
Die Aufnahmesession verursachte in mir in jedem Falle den Wunsch nach mehr und das Team um
den Komponisten Kai Rosenkranz hat bewiesen, dass sie die Hürde zur Großproduktion mit aufwendigem
Soundtrack, zumindest nach außen hin ;), ohne Probleme zu nehmen wussten. Ich gehe auch sicher
davon aus, dass die Jungs von Piranha Bytes dies für das gesamte Projekt realisieren. Warum?
Sie machen ganz einfach den Eindruck, dass es daran nichts zu wackeln gibt und für mich gab
es auf dem Event daher auch keine Frage zum eigentlichen Spiel. Ok, bis auf eine, die sich aus
Angst in Verbindung mit der neuen Gameengine stellte. Gibt es ein atmosphäretötendes Nachladen
innerhalb der Level ? "Nein, so einen &%$§%& machen wir nicht!". Keine weiteren Fragen, was
soll da dann noch schief gehen :-).
- Divine Powers MP3
- Gothic 3 Medley MP3
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