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Hitchcock: Final Cut
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| Gesamt (2 votes) | | 2 |
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| Name: | Hitchcock: The Final Cut |
| Genre: | Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2001/11 |
| Publisher: | Wanadoo |
| Entwickler: | Arxel Tribe |
| Hardware: | 333Mhz, 64MB RAM, keine 3D-Karte nötig, HD 300 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 95/98/ME, 2000, DX7 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| USK: | 12 |
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| Hitchcock: The Final Cut (review von sera) |
"Adventures sind nicht wirklich innovativ" - das ist sowohl die vorherrschende Ansicht vieler
Gamer als auch Spiele-Entwickler und Publisher. Das liegt zum Teil daran, dass es in der Natur
des Genres liegt, dass viele Komponenten fehlen, die zum Spielen und auch zum Kauf animieren:
Multiplayer, Modifications, Interaktion mit anderen Spielern, Aufrechterhaltung der Spielmotivation
auch nach dem Durchspielen. Wie nun aus dem Schattendasein heraustreten?
Die französische Spieleschmiede Arxel Tribe versucht es mit folgender Idee: sie macht ein
klassisches Render-Adventure zu einer Hommage an Alfred Hitchcock und verbindet Game und unsere
Erinnerungen an dessen Filme zu einer Spielerfahrung, die ihren Zauber auch daraus bezieht,
dass die Lösungen der klassischen Adventure-Rätsel nicht nur aus dem Spiel selbst, sondern auch
aus den Filmen entstehen können. Adventure-Liebhaber und Hitchcock-Fans sind also gleichermaßen
angesprochen. Und dazu vergibt Universal Pictures International zum ersten Mal Lizenzen für
Filmausschnitte an einen Publisher - in diesem Falle für die sechs Hitchcock-Filme "Psycho",
"Frenzy", "Im Schatten des Zweifels", "Saboteure", "Topas" und "Der zerrissene Vorhang".
Das Spiel lässt sich relativ schnell und problemlos installieren, nach dem aufgeforderten
Reboot wird allerdings sofort ein großes Manko dieses Games ersichtlich. Legt man CD2 ein, die
eigentliche Spiel-CD, so heißt es "wrong disc inserted" und man ist gezwungen, CD1 zu verwenden.
Hat man den Autostart des CD-Rom-Laufwerks aktiviert, was die Regel sein dürfte, so startet
jedes Mal ein erneuter Installationsvorgang. Man bricht ihn daraufhin ab und wird mit dem Logo
von Arxel Tribes beglückt - und nun muss man doch CD2 einlegen. Bis zum Starten des Spiels vergehen
so locker ein bis zwei sinnlose Minuten. Vielleicht fällt Arxel noch etwas ein, um diesen umständlichen
Vorgang abzuschaffen - oder eine gute Erklärung dafür ;-).
Das Intro erzählt uns Vorgeschichte und Auftrag: Joseph Shumley ist Privatdetektiv und erwarb
übersinnliche Kräfte, nachdem seine Eltern am Tag der Beerdigung von Alfred Hitchcock bei einem
Autounfall ums Leben kamen. Er will gerade einen Angelurlaub antreten, als er auf ein stummes
blondes Mädchen trifft, das einen Auftrag für ihn hat, den er auch annimmt: er soll für ihren
Onkel, den Pharmakonzernbesitzer und Hitchcock-Fan Robert Marvin-Jordan, herausfinden, wohin
die Filmcrew verschwunden ist, die er dazu angeheuert hatte, auf seinem Privatbesitz einen Film
zu drehen. Gleich zu Beginn, während man Joseph Shumley durch die düstere Villa steuert, werden
Anleihen an Hitchcock sichtbar: an der Wand hängt ein großes Gemälde, das den Meister selbst
zeigt, das erste Rätsel lässt uns Hitchcock-Filmtitel sortieren, die Villa selbst sieht fast
aus wie das Psycho-Haus. Gesteuert wird unser 3D-Shumley mit den Cursortasten - und das ziemlich
präzise. Mit gedrückter Shift-Taste kann er sogar rennen, was sich auf dem weitläufigen Filmset
als sehr nützlich erweist. Sobald Shumley einen interaktiven Ort erreicht, erscheint links oben
auf dem Screen ein Icon, das anzeigt, ob man Gegenstände ansehen, mitnehmen oder bedienen kann.
Durch Drücken der Leertaste zoomt man in der Regel auf ein Standbild, das man mit der Maus untersuchen
kann. Hierbei sollte man sehr gründlich vorgehen, denn in The Final Cut ist es schwieriger,
die Rätsel zu finden, als sie zu lösen. Hin und wieder geschieht es, dass Shumley durch Anklicken
diverser Dinge Visionen hat, die in Form von Filmausschnitten vorgeführt werden. Und hin und
wieder beinhalten diese Visionen auch Hinweise, um Rätsel zu lösen (ich sage nur: Pi). Bald
wird Shumley auch auf die erste Leiche treffen - und es wird nicht bei einer einzigen bleiben.
Die Leichen selbst kann er mit einer sehr schön gestalteten Lupe untersuchen - und das ist nicht
immer appetitfördernd. Gehirnamputationen bei Schauspielern animieren ihn aber dennoch zu dem
einen oder anderen Witz. So sammelt Shumley nach und nach Informationen und Gegenstände. Um
die Übersicht zu behalten, besitzt er einen Organizer, der alle Infos automatisch speichert
und die Gegenstände verwaltet. Angaben zu einer bestimmten Person oder Gegenstände gleicher
Art werden effektiv in Gruppen zusammengefasst, so dass der Überblick immer gewahrt bleibt.
Im Organizer kann man auch Dinge kombinieren, er dient sogar als eine Art Translocator, um sich
an verschiedene Orte des Filmsets zu beamen (leider nur im Außenbereich). Zudem beinhaltet er
das Menü (Speichern/Laden/Beenden). Mit den Tasten F1 bis F4 lässt sich der Organizer einfach
benutzen.
Shumley bewegt sich durch vorgerenderte 3D-Kulissen. Und hier muss man ein dickes Lob aussprechen,
die Detailverliebtheit der oft handgezeichneten Locations sind perfekt durchdesignt, Farbwahl,
Proportionen und Komposition verraten, dass hier wirklich Künstler am Werk waren. Hingegen sind
die Polygoncharaktere weniger beeindruckend. Die Mimik bleibt meist starr, die Gesten spärlich.
Die düstere Atmosphäre bleibt dennoch gewahrt: die Augen des im Raum Anwesenden verfolgen Shumley,
wohin er sich auch bewegt. Shumley selbst sieht in manchen Einstellungen unfreiwillig so aus,
als würde er schielen, immerhin eine menschliche Komponente in diesem Komplott aus Verrat, Diebstahl,
Intrigen und Mord.
Die Dialoge bieten leider nicht viel Spielraum, der Organizer gibt Begriffe vor, die man
anklicken kann, mehr nicht. Dennoch sind die Dialoge nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam
und z. T. sogar humorvoll, außerdem findet sich darin hin und wieder so ein netter Ausdruck
wie "postkoitale Depression" :-). Die Untertitel sind abwählbar, beim Ton kann man Hintergrundgeräusche
und Sprache regeln. Die Synchronisation ist ein Kapitel für sich: Der Sprecher von Shumley klingt
in Stimme und Betonung wie der Sprecher aus der Sendung mit der Maus. Schon nach dem Intro war
er für mich nicht mehr der coole Typ, der er eigentlich sein sollte. Ansonsten ist die Soundkulisse
gut geglückt, allein immer wiederkehrende Musikpassagen nerven zuweilen.
Die Rätsel sind alle lösbar, wenn man die dazu nötigen Informationen bzw. Gegenstände gefunden
hat - und ich denke, hier wird es den einen oder anderen geben, der sich die Haare raufen wird.
Selten wurden Gegenstände in einem Adventure so gut versteckt wie in diesem. Hat man alles Nötige
gefunden, kann man die klassischen Rätsel angehen, die da wären: Zahlenschlösser kombinieren,
Gegenstände richtig anordnen etc. Einmal gibt es gar eine "Jump & Run"-Einlage, Joseph muss
auf Balken über einen Abgrund wandern und darauf achten, dass er nicht von in Bewegung gesetzten
Scheinwerfern heruntergestoßen wird. Ein anderes Mal muss er unter Zeitdruck eine Bombe entschärfen.
Für Abwechslung ist also gesorgt.
Nun zu den Hitchcock-Anleihen: ich bin kein großer Hitchcock-Kenner, aber wir alle sind mit
seinen Filmen aufgewachsen, und so erkennt man doch viele Anspielungen auf sein Werk. Alicia,
das stumme Mädchen, ist Vogelforscherin, in der Schlusssequenz flattert ein Schwarm aufgebrachter
Vögel gegen die dunkle Villa, Alicias sprechender Beo heißt Alfred und begrüßte mich doch tatsächlich
einmal mit meinem Namen "Que Sera, Sera" - Doris Days Lied aus "Der Mann, der zuviel wusste".
Der Glockenturm der Familienkapelle erinnert stark an "Vertigo", eine Schauspielerin wird "Psycho"-like
in der Dusche ermordet, ein Rätsel hat mit Norman Bates zu tun, Filmplakate hängen in den Hotelzimmern,
doch mehr möchte ich nicht verraten, die Hitchcock-Fans sollen sich überraschen lassen.
Das Spiel ist ruckel- und erstaunlicherweise auch bugfrei. Zwar gab es zwei kleine logische
Fehler, die mir aufgefallen sind, aber die sind spieltechnisch nicht von Bedeutung. Für eine
Questlösung muss man eine Vogelscheuche zerlegen - steigt man aber auf das Dach des Hotels,
kann man sie von oben in intaktem Zustand wieder sehen. Auf dem Set sieht man von weitem auch
eine Art Wagen, kommt man aber näher ran, ist er verschwunden. Und Fragen in der Art "Warum
steht in einer Sakristei ein einarmiger Bandit?" stellen Adventure-Liebhaber sowieso nicht.
Das Game macht über die Spieldauer von ca. 30 Stunden Spaß, die Story ist so doppelt- und
dreifachbödig, dass die Spannung bis zum Ende erhalten blieb. Zwar gibt es ein paar kleine Schönheitsfehler
(Synchronisation, Animation der Figuren, Starten des Games), aber die fallen nicht allzu sehr
ins Gewicht. Allerdings sind manche Gegenstände fast unauffindbar, ein bisschen mehr Transparenz
wäre hilfreich. Aber was das Wichtigste ist: man muss kein Hitchcock-Spezialist sein, um das
Spiel genießen zu können - allerdings dürfte es für wahre Hitchcock-Fans ein etwas größerer
Leckerbissen sein.
Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines bereits auf der Seite GUN veröffentlichten
Reviews.
Geschrieben am 01.12.2001, Testkonfiguration: keine Angabe
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