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Kameo
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| Name: | Kameo - Elements of Power |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2005/12 |
| Publisher: | Microsoft Game Studios |
| Entwickler: | Rare |
| Offiz. Sites: | Game |
| Hardware: | Xbox360 |
| System: | Xbox360 |
| Multiplay: | Co-Op |
| Sprache: | Deutsch |
| USK: | 12 |
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| Kameo - Elements of Power (review von yak) |
Vor langer, langer Zeit, in einer fremden Elfenwelt, geschah eine abenteuerliche Reise. Irgendwie
war es der kleinen Kameo nicht vergönnt, Fuß zu fassen in der Welt Konsolentrolle. Lange dauerte
es, bis ihre müden Flüglein im Reich der Xbox360 zur Ruhe kamen, nachdem sie aus ihrer ursprünglichen
Heimat vertrieben wurde und scheinbar auch nur knapp dem Bösen Zauberer Cancel-Ot entkommen
konnte. So recht wollte sich scheinbar niemand mit ihr und ihren Elementarkräften anfreunden,
auch wenn ihre Geburtshelfer aus der renommierten Spielschmiede Rare stammten. Diese konnten
aber, nachdem Microsoft sie von Nintendo kaufte, keinen richtigen Hit mehr landen, was aber
eindeutig an der Spiele-Qualität lag. Die Nintendo 64 und Gamecube Klassiker haben die Erwartungshaltung
sicher hoch gesetzt und gegen Banjoe und Co war Grabbed by the Ghoulies einfach nur ein lauer
Aufguss. Auf der Games Convention 2003 konnte man das Elflein dann noch auf der ursprünglichen
Plattform Xbox durch die Wälder flattern lassen und schon da schien es, als ob der Titel die
nächste Präsentation nicht mehr erleben sollte, wenn man zumindest den wenig optimistischen
Äußerungen des damaligen PR Teams Glauben schenken sollte. Dieses Genre war und ist bis heute
leider immer noch Kassengift. Doch was tun, wenn die nächste Hardwaregeneration in den Startlöchern
steht? Ganz einfach, alle Titel werden neu evaluiert und auf die nächste hoffentlich nicht nur
graphische Evolutionsstufe gepuscht. Hauptsache es sieht erst mal gut und interessant aus. Man
ist schließlich lernfähig und kann ganz hollywoodlike auch aus einem Miss Marple Film einen
Trailer produzieren, der den Zuschauern suggeriert, die Fortsetzung von Kill Bill serviert zu
bekommen. Ob aber nach all den hungrig machenden Trailern zu Kameo - Elements of Power auch
ein schmackhaftes Gesamtgericht wurde, soll unser Review klären.
Technik
Zum Konsolenrelease der Xbox 360 kam neben Perfect
Dark Zero vom gleichen Entwicklerteam auch ein familienfreundliches Game in den Handel,
das mit Elfen, Trollen, Drachen und vielen weiteren phantasiereichen Geschöpfen Spielerherzen
aus dem Knuddellager auf Microsofts neue Konsole aufmerksam machen sollte. Parallelen im Design
mit den klassischen Nintendo Titeln kommen da sicher nicht völlig unbeabsichtigt, wenn die Heldin
auf einem wackeren Ross durch die Lande zieht. Die Designer haben sich alle Mühe gegeben, die
unterschiedlichen Orte farbenfroh und NextGen konform auf den Screen zu bringen, was ihnen auch
durchweg gelungen ist. Die Engine bringt massig Figuren und Objekte auf den Screen, ohne jemals
in die Knie zu gehen. Detailreich wurden die Charaktere umgesetzt, hübsch anzusehen animiert
und gestaltet watscheln, kriechen und stampfen sie durch die Locations, die von bezaubernd bunten
Feenreichen, über dunkle Höhlen, Eis- und Wasserwelten bis hin zu riesigen Luftschiffen für
genügend Abwechslung und Eyecandy sorgen. Gegeizt wird auch nicht mit Spezialeffekten, wenn
Feuersbrünste die Luft flimmern lassen oder das Szenario sich während des Sonnenuntergangs in
satten Rottönen verliert, während die Nacht beginnt. Oder aber, wenn die kleine Elfe über Felder
und Wiesen flattert und sich unter ihr das Gras teilt. Höchst gelungen sieht es auch aus, wenn
Kameo in die Haut der Elementarkrieger schlüpft und sie in ihrem halbtransparenten Körper immer
noch leicht durchschimmert. Das sieht zwar alles prima aus, täuscht aber auch nicht darüber
hinweg, dass viel von dem Graphikfeuerwerk wenig zum allgemeinen Gameplay beiträgt und schlimmer
noch, einige Szenen und Spielabschnitte gameplaytechnisch keine Berechtigung haben und man hier
eindeutig nur vorführen wollte, was die neue Konsole so drauf hat. So z. B., wenn Kameo auf
einem Pferd ganz Herr der Ringe like durch die Hundertschaft an Trollen reitet. Das sieht eindruckvoll
aus, macht spielerisch aber kaum Sinn, weil man eigentlich dabei nie in Gefahr ist und diese
Szenen lediglich als Verbindung zwischen den Levelbereichen dient. Im Video sieht das sicher
toll aus, aber im Spiel selbst ist es mehr als überflüssig, weil man dabei so gut wie nichts
an Gameplay erleben darf. Viel in Kameo macht so leider den Eindruck, einfach nur Kulisse statt
erlebte Spielwelt zu sein. Technisch unausgereift: Es wird häufig nachgeladen. Betritt die Spielfigur
auch nur eine kleine unscheinbare und unaufwändig gestaltete Hütte, wird nachgeladen, ebenso
beim Verlassen. Unverständlich, weil ansonsten recht große Level problemlos in den Speicher
passen. Unschön wirkt das Ödland, besonders, wenn dort nicht mehr die Trollmassen ihr Unwesen
treiben. Dann wird der Locationname zum Programm. Die Hügel sehen ungewöhnlich eckig aus und
erscheinen wie aus einem Spiel, das bereits Jahre auf dem Buckel hat, von NextGen-Flair ganz
zu schweigen.
Der Soundbereich ist höchst gelungen umgesetzt und gibt keinen Anlass zur Beschwerde. Die
Geräusche im Mehrkanalton kommen beeindruckend herüber und unterstützen das Spielgeschehen stimmig.
Die Sprecher machen ihre Aufgabe gut und passen zu den Figuren, auch wenn manche Dialoge etwas
mehr Charme vertragen könnten, was aber nicht an den Sprechern, sondern eher an den etwas uninspirierten
Texten liegt. Gespart wurde ebenfalls nicht bei der Musik, die mit großen Orchester eingespielt
wurde und die phantasiereichen Umgebungen stimmig begleiten. Inspiriert hat sich der Komponist
aber merklich hörbar am Danny Elfman Stil und auch Klassiker sind hier vertreten. Nicht unpassend
erinnern einige Stücke an Ravel's Ballett Daphne und Chloe. Dazu kommt ein Chor, der für
das richtige Fantasyflair sorgt. Will man jedoch die Komposition als Ganzes bewerten (Was man
unweigerlich nach dem Hören der verfügbaren Audio-CD macht), relativiert sich dieser Eindruck
jedoch merklich. Es wirkt insgesamt zu episodenhaft und bildet zusammen keinen durchgängigen
Stil oder eine in sich aufbauende Komposition. Es wirkt eher wie eine "Best of" CD mit schönen,
aber nicht zusammengehörigen Themen. Da ist man von Spielemusiken wie z. B. Spellforce
2 besseres gewohnt, die einen viel "durchkomponierteren" Eindruck macht. Wie gesagt fällt
dieses Defizit beim Spielen selbst jedoch wenig ins Gewicht.
Die Steuerung ist weitestgehend gut umgesetzt, wenn auch einige Figuren ein wenig zu große
Schritte machen, um sie präzise und punktgenau navigieren zu können, was aber auch an ihrer
Physiologie zu liegen scheint. Wann steuert man schon mal eine fleischfressende Pflanze durch
verschneite Bergpfade :-). Weniger überzeugend und leider etwas Rare typisch ist die Kameraführung,
die zuviel negative Eigeninitiative ergreift und so das Geschehen nicht immer optimal im Blickfeld
liegt. Das stört besonders, wenn man die Spielfigur z. B. punktgenau ausrichten muss, um mit
dem kugelförmigen General Schaden eine Bombe so wegzukicken, damit sie möglichst genau im Ziel
landet. Ärgerlich ist auch die Steuerung unter Wasser. Hier ist ein vernünftiges Navigieren
in engen Bereichen so gut wie unmöglich. Zum Glück gibt es aber nur sehr wenige Unterwasserpassagen.
Wünschenswert wäre auch eine komfortablere Direktanwahl oder ein Durchblättern der verschiedenen
Elementarkrieger. So kann man maximal drei Krieger auf Hotkeys programmieren oder sie aus einem
recht unpräzisen und unkomfortablen Ringmenü auswählen, das gerade in heißen Actionpassagen
kaum effektiv nutzbar ist.
Gespeichert wird automatisch und mehr als ausgiebig. Nach jedem kleinen Zwischenabschnitt
oder der Aufnahme eines besonderen Gegenstandes erfolgt ein Autosave. Diese liegen so dicht
beieinander, dass kaum Frust aufkommen sollte. Leider gibt es nur einen Schwierigkeitsgrad und
der ist für geübte Spieler kaum eine Herausforderung, womit auch der Wiederspielwert des Games
sich fast dem Nullpunkt nähert, es sei denn, man will alle Boni freischalten oder die unsinnigen
Xbox Live Errungenschaften sein Eigen nennen.
Gameplay
Trolle und Elfen sind sicher nicht die Stimmungsmacher auf einer Party. Nichtsdestotrotz
waren sie im Elfenreich jedoch gerngesehene Gäste. Das änderte sich aber bald und die Trolle
fühlten sich an Kraft und Aggression den Elfen mit ihrer Weisheit und Zauberkraft weit überlegen.
Es kommt, wie es kommen musste. Einer aus der Mitte der Trolle, der Größte und Stärkste namens
Thorn, stieg zum König auf. Thorn war zudem nicht dumm, was der Elfenkönig Solon bald leidlich
feststellen musste, als er auf der traditionsreichen Suche nach den Elementarkriegern war. Gerade
noch rechtzeitig kehrte er zurück, um Thorn mit der Kraft der Elementarkrieger noch in die Schranken
weisen zu können. Doch was ist schon ein rechter Bösewicht, der sich auf Lebzeiten mit dem Exil
zufrieden gibt? Die Zeit strich ins Land und Solons Frau Königin Theena übernahm die Herrschaft
über das Königreich. Die nächste Generation der Regenten wuchs in den Schwestern Kameo und Kalus
heran, doch Verrat und die Gier nach Macht über die Elementarkrieger ermöglichte Thorn die Rückkehr.
Die königliche Familie ist in Gefahr und es liegt an Kameo, sie zu retten.
Im Crashkurs und actionreichen Tutorial geht es dann auch gleich los und der Spieler erfährt
die grundlegenden Kenntnisse und Eigenschaften des Spiels. Kameo, die Elfenprinzessin, kann
die Gestalt von Elementarkriegern annehmen und ihre speziellen Eigenschaften im Kampf gegen
das Trollimperium nutzen. In der Einleitung verfügt sie über drei Elementarkrieger, die sie
in ihrer ersten Schlacht nutzen kann, nur um dann beim ersten Levelboss in einen Hinterhalt
zu geraten und sämtlicher Kräfte beraubt wird. Die Einleitung sorgt zumindest dafür, dass der
Neueinsteiger direkt mit knallharter Action konfrontiert wird. Nicht unbedingt eine glückliche
Entscheidung für Spieler, die sich lieber langsam mit dem Spiel und der entsprechenden Spielmechanik
vertraut machen wollen, dafür ist das Anfangstutorial schon fast zu schwer und nachdem man dann
wieder auf "Null" gesetzt wird, bekommt man nochmals eine Lightvariante über das Spielprinzip
geboten. Da fühlt man sich dann schon etwas vereimert, wenn man dafür gelobt und als Held anerkannt
wird, weil man kurz in der Luft umherflattert oder einen Kürbis verprügeln durfte. Da waren
die Monsterhorden im Einstiegslevel schon ein anderes Kaliber. Hier scheint man wohl nachträglich
ein wenig umdisponiert zu haben, damit die Spieler direkt einen graphisch eindruckvollen und
actionreichen Einstieg erleben. Man muss ja zeigen, was die Xbox 360 auf Lager hat. Eigentlich
ist so etwas nicht nötig. Wer Zelda The
Wind Waker gespielt hat, weiss, wie viel Spaß es macht, erst mal die Omi zu besuchen oder
ein paar kleine Ferkel einzufangen, bevor es daran geht, die Welt zu retten. Kameo selbst ist
im Prinzip ein zerbrechliches Elfenpflänzchen, das sich besser in der dicken Haut eines Elementarkrieges
versteckt. Sie selbst hält nicht soviel aus, wie die klauen und panzerbewährten Genossen und
auch ihre Angriffstechnik beschränkt sich auf einen simplen Fusstritt. Grazil und anmutig sieht
es jedoch aus, wenn sie mit ihren kleinen Flügelchen über die Felder, Wiesen und Seen - knapp
über dem Boden- flattert. Ihre Aufgabe besteht jetzt darin, die entführte Familie aus den Klauen
des Obertrolls Thorn zu befreien. Dass sie das nicht ohne die Hilfe der Elementarkrieger schafft,
wird ihr schnell klar, spätestens nach dem Gespräch mit der alten Mysteria, die ihre Visionen
per Glasauge empfängt, nicht ganz unähnlich der alten Aughra aus Jim Henson's Film "Der
dunkle Kristall". Doch ganz ohne Hilfe muss die Elfin nicht durch die Lande ziehen. Im
Buch Omnikon ist der Zauberer Ortho magisch gefesselt. Er steht ihr oft mit nützlichen Tipps
zur Seite, auch wenn sie bisweilen recht nervig werden können, weil er schon nach ein paar Fehlversuchen
nichts mehr bei sich halten kann... ein Preis, den das Alter scheinbar einfordert. Jedoch lässt
er sich auch per Optionsauswahl zum Schweigen bringen.
Die Elementarkriegersuche ist dann auch Kameos Hauptaufgabe. Wurden die Krieger einmal vom
magischen Omnikon getrennt, werden aus den mächtigen Wesen nur kleine, niedliche und verletzliche
Kobolde, die für die bösen Schattenkrieger ein leichtes Opfer darstellen und entführt wurden.
Kameos Ziel ist es, die Schattenkrieger aufzuspüren und die Elementarkobolde (eigentlich eher
Babyvarianten der Krieger im Bambi-Look) zu befreien. Und so wartet die erste Schattenzone auch
schon direkt im Elfenreich. Mutig stürzt sich Kameo in die Gefahr. Der erste Schattenkrieger
ist auch kein ernstzunehmender Gegner. Einen seiner Schergen wird mit einem mutigen Tritt umgelegt
und so kann die Elfin in seinen Astralkörper schlüpfen und ihn praktisch als Lichtgeschoss entfremdet,
auf den Schattenkrieger feuern. So befreit Kameo den ersten Elementarkobold aus der Gefangenschaft
und aus der kleinen zarten Pflanze wächst einer der sympathischsten Elementarkrieger namens
Kampfkraut. Einmal befreit, kann Kameo beliebig in die Haut der Elementarkrieger schlüpfen und
ihre einzigartigen Fähigkeiten nutzen, die es ihr ermöglichen, bestimmte Gegner zu besiegen
oder auch in den Leveln weiter zu kommen. Kampfkraut ist die ökologische Variante aus Rocky
und Rambo und sicher der beste Sparringspartner aller Zeiten, wenn er mit seinen Boxhandschuhen
ausholt, um den Gegnern einen Hacken zu verpassen. Ohne weiteres wäre Kampfkraut die ideale
Ergänzung für Asterix und Obelix, wenn es darum ginge, Römer zu vertrümmen. Eine andere wichtige
Eigenschaft von Kampfkraut ist das Einbuddeln, das auch dafür verantwortlich ist, dass Kameo
den nächsten Level betreten kann. So tief eingegraben, dass nur noch der Grünschopf zu sehen
ist, kann sich Kampfkraut z. B. durch Türgitter hindurch wurschteln, um sich dahinter wieder
auszubuddeln. Auch im Kampf ist das eine beliebte Methoden, unter Schutzpanzern versteckte Gegner
auszuhebeln oder zu einem schlagkräftigen Überraschungsangriff durchzustarten, wenn man einen
Riesentroll, der sonst nicht zu besiegen ist, kurzzeitig ausknockt, um ihn dann im taumelnden
Zustand an seinen jetzt offenbarten Schwachstellen zu bearbeiten. Und so macht sich Kameo auf,
die Elementarkrieger der Reihe nach zu befreien. Zehn insgesamt an der Zahl, die auch nicht
alle im Detail erwähnt werden sollen. Ihre Eigenschaften sind aber höchst unterschiedlich und
erlauben Kameo differnenziertes Vorgehen, obwohl die Level stets so aufgebaut wurden, dass man
ohnehin keine andere Alternative hat. So kann General Schaden wie eine Kugelblitz durch die
Level rollen, stachelbesetzt Gegner aufspießen und mit Schwung Rampen emporspringen. Chilla,
das Fellgetüm, kann Eiszapfen gezielt werfen und sich zudem Gegner auf den stachelbesetzten
Rücken tackern, um sie dort auch je nach Bedarf wieder herunterpflücken, um sie als Keule oder
als Geschoss zu verwenden. Trümmerschleuder ist eine lebende Geröllhalde, Greifer der Tiefe
kann sich unter Wasser begeben und Torpedos abfeuern. Feuerechse kann Feuer spucken, Beißer,
die fleischfressende Pflanze, kann Gegner in einem Happen verschlucken oder auch durch die Gegend
werfen und Thermit kann Lavabomben werfen. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Methoden
und Angriffsarten, die für bestimmte Gegnerarten notwendig sind. Gegner, die sich hinter Schilden
verbarrikadieren können mit ein paar Steinchen aus Trümmerhaldes Hüfte eines Besseren belehrt
werden. Flugdrachen haben Chillas Eiszapfenwurf nichts entgegenzusetzen und Flex kann besonders
fiesen Gegnern mit seinen Fangarmen die Schilde entrauben. Mit seinen Fangarmen kann er sich
aber ebenso an bestimmten Stellen im Level emporziehen und so Abschnitte erreichen, die mit
den anderen Elementratkriegern nicht zu erreichen sind. Oftmals ist auch eine Kombination von
zwei Kriegern notwendig. So muss man sich öfters als Kugelgeschoss in Form von General Schaden
in Richtung Wand schießen, um sich dann schnell in der Lift in Chilla zu verwandeln, dem es
möglich ist, sich an bestimmen Oberflächen festzuklammern und emporzuklettern. Bestimmte Eigenschaften
sorgen zudem für den "Schaltereffekt". Ausreichend angezündete Gegenstände durch den Feueratem
von Feuerechse öffnen Türen oder ein gut gezielter Steinwurf von Trümmerhaufen aktiviert einen
Hebemechanismus. Im Prinzip spielen sich daher alle Level recht ähnlich, nur das die entsprechend
gerade "aktuelle" Elementarkriegerkraft jetzt der Schlüssel zum Erfolg ist. Richtige Kopfnüsse
gibt es selten. Es wird für meinen Geschmack zuviel gekämpft und zu wenig Rätselkost geboten,
die einen wirklich fordernden Einsatz der Elementarkriegerkräfte notwendig macht.
Da bieten vielleicht noch die wirklich prima in Szene gesetzten Levelbosse noch die größte
Herausforderung, auch wenn sie im Prinzip einfach zu bekämpfen sind. Einen angriffslustigen
Baum so mit Wackersteinen zu füllen, bis er Bauchweh hat, sollten noch alle aus Rotkäppchen
kennen. Ärgerlich ist jedoch, dass die Spielmechanik nicht konsequent umgesetzt wurde. Bestimmte
"Aufgaben" erfordern auch eine ganz bestimmte Elementarkriegerkraft, was nicht ganz nachzuvollziehen
ist, so z. B. bei einem Levelboss, einem riesigen mechanischen Roboter, der Kameo mit einem
monströsen Hammer attackiert. Danach fummelt er an seiner Bauchlade, um neue Energie zu tanken.
Klar, da muss man ans Werk, doch zwingend ist hier der Einsatz von Chillas Eisgeschoss. Thermits
Lavagranate richtet hier unverständlicherweise nichts an. Genau wie an einer Stelle, an der
man mit Beißer kleine Krabbeltiere einfangen muss, um sie an eine Wand zu werfen. Obwohl eigentlich
auch Chilla Gegner aufnehmen und werfen kann, funktioniert das hier nicht. Hier wäre etwas mehr
Spielraum sicher nicht schlecht gewesen.
Spielraum gibt es aber noch durch Bonusaufgaben. Man kann den Einwohner der Level helfen,
was sie mit besonderen Früchten entlohnen, die man zum Aufrüsten der Elementarkrieger nutzen
kann. So z. B ein Haus von Eindringlingen säubern oder Pflanzenkinderbabies befreien. Die Früchte
können die Fähigkeiten der Elementarkrieger ausbauen. Ihre Energie für Spezialattacken und Eigenschaften
kann ausgebaut oder gänzlich neue Angriffe erlernt werden. So wird aus Thermits Lavabombe ein
ganzer Bombenschauer oder Beißer kann seine Gegner in einem Happen verspeisen. Das ist zwar
nett, wird aber so gut wie nie vom Spiel eingefordert, da es viel zu leicht ist. Warum sollte
man es sich komplizierter machen, besondere Specialmoves auszuführen, wenn es auch ohne funktioniert.
Zusätzlich kann Kameo auch noch das aufgesammelte Geld in Läden versilbern und sich z. B. eine
größere Geldbörse oder auch hier und da einige Tipps erkaufen. Richtig rund ist das System aber
nicht, da der Ansporn und die Notwendigkeit durch den schon erwähnten leichten Schwierigkeitsgrad
kaum von Relevanz ist.
Ebenso unsinnig und hauptsächlich zur Vorführung der Leistungskapazität gedacht wirken die
Abschnitte, in denen sich Kameo zu den jeweiligen Levelabschnitten bewegt, wenn sie z. B. auf
einem Pferd durch die Trollhorden reitet. Spielerischen Sinn macht dies leider kaum. Für mich
unmotivierend war auch die Punktevergabe für bestimmte Kombomoves im Massenkillwahn. Hier gab
es Boni wie "Brutal", die die Punktzahl in die Höhe schießen lassen und die Levelbewertung
nach oben treiben (Level können später beliebig wiederholt werden). Hier kommt man sich
eher wie in einem Capcom Streetfighter Prügler vor, als in einem Action Adventure. Die Motivation
besonders hohe Punktzahlen zu erkämpfen, um bei Xbox Live zu glänzen, näherte sich an dieser
Stelle bei mir auf den Nullpunkt. Ebenso wie das Auffinden aller Bonus-Gegenstände, da sie spielerisch
wenig Sinn machen. Das Spiel würde dann noch leichter. Hat man z. B. das Kristallauge gefunden,
das automatisch die Lebensenergie regeneriert, ist man so gut wie unsterblich. Warum man auch
keine zusätzlichen Skins für Elementarkrieger aufnehmen kann, die man bisher noch nicht befreit
hat, ist auch nur eine künstliche Gameplayverlängerung, die es erzwingt, später noch einmal
zurück zu kehren.
Multiplay:
Die Actionlevel (ohne das Ödland) können im kooperativen Modus gespielt werden und so darf
man auch gemeinsam mit Kampfkraut, General Schaden und Konsorten aufmachen, das Elfenreich zu
retten. Voraussetzung ist jedoch, dass man die Level bereits im Einzelspielermodus freigeschaltet
hat. Nach dem neusten Update über Xbox Live wurde der vorherige Splitscreen Coop-Modus um die
Variante Xbox Live erweitert. Insgesamt eine unterhaltsame Erweiterung, auch wenn der zum Einzelspielerpart
nicht verschärfte Schwierigkeitsgrad dadurch noch leichter wird.
Fazit
Kameo war für mich mit der Auslöser, die Xbox360 auf den Einkaufzettel zu schreiben. Das
Gamekonzept schien für Entwickler Rare wie geschaffen und wäre sicher das entsprechende Vehikel,
zu alten Donkey Kong 64 und Banjoe Kazooie Zeiten zurückzukehren. Doch daraus wurde leider nichts.
Die Ansätze waren gut, das Szenario sagt mir zu und die Idee mit verschiedenen Figuren und ihren
unterschiedlichen Eigenschaften die Level unsicher zu machen, versprach viel. Aber irgendwie
bleibt das Spiel im Ansatz stecken und kommt leider nicht über ein gesundes Mittelmaß hinaus.
Die Figuren, so charmant manche auch sind, bleiben dennoch blass. Vielleicht hat man es mit
den zehn Charakteren auch einfach ein wenig überreizt. Man fiebert nicht richtig mit und
die Story vermag nicht zu fesseln, was sicher an dem einfachen Strickmuster liegt, das sich
prinzipiell darauf beschränkt, einen Elementarkrieger nach dem anderen zu finden. Und ist der
Letzte gefunden, ist es, nach einem wenig herausfordernden Endgegner, auch schon nach ca. 10-12
Stunden vorbei. Das Spiel schafft leider nicht die Hürde dem Spieler das Gefühl zu geben, in
einer Spielwelt zu versinken, vielmehr macht es den Anschein, dass man sich nur durch Kulissen
schiebt, bzw. geschoben wird, auch wenn man die Welt recht frei begehen kann. Das Spielkonzept
und letztendlich die Realisation von Kameo hat sicher an der verzögerten Entwicklungszeit und
den damit scheinbar konzeptionellen Umgestaltungen gelitten. Die Spielfiguren ändern sich
zwar, der eigentliche Spielablauf jedoch kaum. Bis Microsoft/ Rare den Charme und eine erlebbare
Welt erreicht, wie Nintendo es mit der Zelda Serie realisierte, ist es noch ein langer Weg.
Kameo ist dennoch ein gelungenes Spiel für Zwischendurch, das graphisch und akustisch höchst
gut präsentiert wird, ihm fehlt aber eindeutig ein Stückchen Seele. Hier wird erkennbar, dass
man an sich stimmige Elemente wie Gameplay, Graphik, Sound und Geschichte auch zu einem stimmigen
Gesamterlebnis zusammenfügen muss, doch hier scheitern die Entwickler von Rare leider. Somit
ist Kameo eher als Budgettitel empfehlenswert, als Vollpreisspiel bietet es mir zu wenig.
Geschrieben am 13.07.2006, Testkonfiguration: Xbox360
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