 |
King Kong
|
|
 |
 | Info |
|---|
| Autor | | 3 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 1 |
 |   | | 2 |
 |  |  |  |
| Gesamt (17 votes) | | 3 |
 |   | | 1.6 |
 |   | | 1.2 |
 |   | | 1.7 |
 |  |  |  |
| Team (2 votes, siehe hier) | 3 |
|---|
|
| Name: | King Kong |
| Genre: | Ego- Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2005/11 |
| Publisher: | Ubisoft |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Links: | Komponist Chance Thomas |
| Links: | King Kong.com |
| Hardware: | 1Ghz, 256MB RAM, 64 MB D3D T&L&PixSha., HD 1500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad |
| FFeedback: | ja |
| Sprache: | Multilingual |
| zensiert: | nein |
| Bemerkung: | auch für Xbox/ Xbox360/ PS2/ GC |
| USK: | 12 |
|
|
| King Kong (review von yak) |
Und da wären wir wieder beim Thema. Wenn den "Kreativen" nichts mehr einfällt, machen sie
Remakes. Hollywood scheint wirklich mit seinem Latein am Ende. Ein Remake zu bekannten Klassikern
jagt das andere, dazu in meist zweifelhafter Qualität, nur damit das junge Zielpublikum eine
für sie "verdaubare" Fassung eines mittlerweile in die Jahre gekommen Films serviert bekommt.
Sicher sind die eingesetzten Mittel heute ausgereifter. Monster werden nicht mehr in Stop-Motion
Technik Stück für Stück in Einzelbildaufnahme animiert, sondern per Computer. Das macht jedoch
die alten Filme sicher nicht weniger sehenswert. Analog verstecken wir ja auch nicht unsere
Großeltern, nur weil sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Mein Großvater konnte nämlich
besser Geschichten erzählen, als irgendjemand sonst...
Heute schiebt man jemandem, der einen Kassenknüller verbuchen konnte, mal eben 300 Millionen
Dollar über den Tisch und lässt ihn mal "machen". Dass dabei nicht zwingend ein Blockbuster
entstehen muss, zeigt das Remake des Klassikers King Kong von Peter Jackson, der in vielen Belangen
einfach maßlos überzogen und unrealistisch wirkte, zumindest, wenn man als Prämisse akzeptiert,
dass es Riesengorillas mit einer "Affi"nität zu Blondinen gibt. Wenn im Kino dann an den falschen
Stellen gelacht wird, sollte dem Regisseur spätestens in den heute zum Handwerk gehörenden Previews
deutlich werden, dass man etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Und wenn das Gezeigte selbst
durch erstklassige Tricktechnik den Unterschied zur Realität mehr und mehr erschwert, wirkt
das ganze Vehikel doch nicht mehr, als eine Trip in einem Themenpark. Von einer Actionszene
zur nächsten, wobei man jedoch niemals im Kino wirklich glaubt, es mit etwas Realem zu tun zu
haben, wenn der Suchtrupp zwischen dem Stampede der Brontosaurier von Raptoren verfolgt wird
und der Held selbige mit einem Faustschlag niederstreckt, hat das nicht mehr viel mit Realismus
zu tun, vom "Kong gegen drei Riesensaurier an Lianen-Fight" ganz zu schweigen. Hier die
Empfehlung, lieber das mittlerweile mehr als 70 Jahre alte Original anschauen.
Zu einer ordentlichen Vermarktung gehört heutzutage natürlich auch das entsprechende Spiel
zum Film und unter Beteiligung des Filmregisseurs hat das Ubi Soft Studio, das bereits das großartige
Beyond Good & Evil entwickelte, die
Versoftung des King Kong Films übernommen. Was dabei herausgekommen ist, soll unser Review verdeutlichen.
Collectors Edition und HD Version
DVD Liebhaber kennen es schon länger, doch jetzt zieht der Collectors-Edition Wahn auch
verstärkt in die Computerspielwelt ein. Von zusätzlichen In-Game Equipment, besonderen
Haustierchen oder Bonus Maps kann jetzt auch der wohlhabendere Spieler seinen Status in die
bisher recht klassenunterschiedfreien Spielewelt einfließen lassen. Die Online-Alternative zu
Markenklamotten. Daneben locken noch zusätzliche Inhalte, wie "begehrte" Sammlerobjekte zum
Kauf, natürlich alles nur als streng limitierter Auflage. Richtig lohnende Sammlereditionen
gibt es in letzter Zeit jedoch selten. SpellForce
2 bietet da noch die positive Ausnahme. Spärlich verhält sich die Collectors Edition
zu King Kong, eine Blechverpackung, drei Postkarten und eine "Bonus-DVD", die dem Namen kaum
gerecht wird, außer einem selbstverliebten "Marketing-Making Of" war es das dann auch schon.
Schön hätte sich z. B. die erstklassige Spielmusik von Chance Thomas als Dreingabe geeignet.
Aber Ubi Soft treibt es noch ein bisschen weiter. So müssen Besitzer, die genügend Rechnerpower
besitzen und lieber die High-Definition Version spielen wollen, darauf verzichten, sie normal
im Laden kaufen zu können, bzw. sie auf der gleichen Spiel-DVD vorzufinden, auf der noch reichlich
Platz gewesen wäre. Diese "Exklusivfassung" für den PC darf man nur als Downloadversion
kaufen, was bei mir auch zur Kauf-Boykott des Games führte, bis es als Budgetversion erhältlich
war. Und das ging schneller, als es Ubi Soft und dem am Gewinn beteiligten Peter Jackson sicher
lieb war. Aber es gibt ja noch mehrfache Möglichenkeiten einer Neuveröffentlichung. Was bei
Filmen funktioniert, klappt sicher auch bei Spielen, oder vielleicht doch nicht? Dass es auch
anders geht, zeigte Eidos mit Tomb Raider
Legend, dessen DVD beide Editionen enthält und man sogar bequem während des Spielens zwischen
normaler und High-End Fassung umschalten kann.
Technik
Die aufpolierte Jade-Engine, die ihre Stärken bereits in der Prince
of Persia Reihe und in Beyond Good &
Evil zeigte, sorgt auch in King Kong für eine stimmige graphische Präsentation, auch wenn
im Vergleich zur High-End Version die Texturen manchmal sehr niedrig aufgelöst sind. Der Gesamteindruck
ist jedoch überwältigend. Schon zu Beginn hat man das "Mittendringefühl", während man sich im
Beiboot durch tosende Wellen und sturmgepeitschter Brandung vorbei an tödlichen Klippen Skull
Island nähert. Die Entwickler haben es einmalig verstanden, hier eine mehr als stimmige Atmosphäre
aufzubauen. Stilistisch einfallsreich hat man auch die Beleuchtung der Szenen umgesetzt, wenn
Lichtstrahlen durch Felsspalten in dunkle Höhlen dringen oder sich durch das dichte Blätterwerk
der Baumkronen schneiden. Obwohl man sich mehr oder weniger wie in einem Tunnel durch die Level
bewegt, wurden Randgebiete dennoch richtig in 3D modelliert und wirken nie wie angemalte Kulissen,
wie man es aus anderen Games zur Genüge kennt. Die Settings orientieren sich an den Filmkulissen,
wobei hier besonders eindruckvoll die große Mauer in Szene gesetzt wurde. Im Gegensatz zum Film
darf die Abenteuertruppe auch etwas mehr Abwechslung vertragen und rennt nicht nur ziellos durch
den Urwald, sondern auch durch Tempelanlagen, unterirdische Höhlen und Sümpfe. Auch eine Floßfahrt
steht auf der To-Do-Liste der Helden. Der Urwald wird seinem Namen durch die dichte Vegetation
mehr als gerecht und die alten verfallenen Tempel mit ihren riesigen Treppenanlagen wirken ebenso
beeindruckend, wie Wasserfälle, die tosend aus dem Bergmassiv brechen, deren Wassermassen in
abgrundtiefen Schluchten verschwinden. Ein wenig amateurhaft wirken dann jedoch einige Pflanzen,
die scheinbar nur in zwei Animationsstufen vom Wind hin und her bewegt werden. Sie erscheinen
viel zu unnatürlich und fast mechanisch. Dafür gibt es aber andere stimmige Details. Fliegenschwärme,
die wild umherschwirren, sollte man durch das Buschwerk schreiten oder Vögelschwäre, die
an den Berggipfeln ihre Kreise ziehen. Die Figuren sehen ihren Filmversionen wie aus dem Gesicht
geschnitten, was auch für die Gegner gilt. Beängstigend wirken die Urzeitkolosse, wenn sie Jagd
auf ihr Futter machen und es zerfleischen. Die Animation der Dinosaurier ist ausgesprochen gut
umgesetzt, besonders, wenn sich z. B. die Raptoren durch enge Spalten zu quetschen versuchen,
sich mit ihren kleinen Krallen dort festklammern, um den Spieler zurück auf den Speisezettel
zu holen. Beängstigend wirkt es auch, wenn die Riesensaurier ihr Maul aufreißen und ihnen der
Geifer von den Zähnen tropft, während das Spiel in diesen Momenten in eine Art Schockzeitlupe
schaltet, was die Situation noch bedrohlicher wirken lässt. Highlights sind auch die Finishing
Moves, die Kong benutzt, um seine Gegner auszuschalten, wenn er ihnen z. B. den Kiefer auseinander
reißt oder ihnen das Rückgrat bricht. Etwas zu hölzern wirken dagegen die menschlichen Animationen,
bei denen es manchmal so aussieht, als ob sie über den Boden schweben würden. Graphisch ist
King Kong aber insgesamt außerordentlich gelungen umgesetzt, auch wenn man "nur" die normale
Version spielt.
Im Bereich Sound gehört King Kong sicher zur absoluten Referenz und tendiert für meinen Geschmack
schon ein wenig zu sehr in Richtung Reizüberflutung. Mit 5.1 Kopfhörer wird das fast schon zu
viel des Guten. Sicher durfte man auf die Soundbibliothek des Films zurückgreifen, was die Qualität
und den Aufwand im Bereich Ton erklärt. Die Atmosphäre ist im Dschungel dadurch schon mehr
als erdrückend. Überall knistert und zirpt es, und jedes Geräusch könnte schon ein nahender
Feind aus dem Hinterhalt sein. Durch diese dichte Soundatmosphäre ist man praktisch immer unter
Adrenalin. Wenn es auch wirklich schon fast zuviel ist, ist die Soundberieselung dennoch einmalig
gelungen. Dazu der mehr als stimmige orchestrale Soundtrack aus der Feder von Chance
Thomas, der stilistisch sehr an die Filmmusik von James Newton Howard erinnert. Ein Schelm
wer Böses dabei denkt, denn die Spielmusik wurde lange vor der Filmeinspielung aufgenommen.
Vielleicht hat die Spielmusik Mr. Jackson ja so gut gefallen, dass er deswegen die Musik vom
"Herr der Ringe" Komponisten Howard Shore aus dem Film geschmießen hat :-). Chance
Thomas Musik versteht es aber, jede Szene atmosphärisch zu verstärken, seien es die Tribal-ähnlichen
Rhythmen der Eingeborenen, die kraftgeladenen Themen, in denen Kong sich den Widersachern entgegenstellt
oder die sanften Töne, während man verwundet wird und traumgleich von einer sanften Frauenstimme
darauf vorbereitet wird, ins Licht zu gehen ;) . Die Musik wurde aufwendig mit großem Orchester
eingespielt. Leider gibt es jedoch keine Audio CD, verzichten muss man aber dennoch nicht gänzlich
darauf, denn Highlights gibt es als MP3 Download auf der offiziellen Spiele Site. Unbedingt
anhören! Für die Synchronisation konnte man fast alle deutschen Filmsynchronsprecher gewinnen.
Zum Glück jedoch ohne Thomas Kretschmann, der schon im Film bei seiner Selbstsynchronisierung
beweisen konnte, dass er sicher auch eine gute Sprecherwahl für X-rated Movies wäre. Da die
Spielinstallation multilingual erfolgt, sind ebenso die anderen Sprachfassungen anwählbar. In
der englischen Version stehen dann auch alle Originalsprecher von Adrien Brody bis Noami Watts
zur Verfügung. Die Dialoge der NPC verleihen dem Spiel dazu ein Plus an Atmosphäre, so z. B.,
wenn Filmemacher Carl Denham darüber lamentiert, dass er erst eine Aufnahme von den gefährlichen
Sauriern machen muss, bevor er sich in Sicherheit bringt. Zudem gibt es auch massig Dialoge,
Wiederholungen sind selten und es macht daher nicht den Dauerrecycling-Eindruck, wie man es
aus anderen Spielen kennt, in denen NPC einen Gesamtwortschatz besitzen, der maximal die erste
Seite eines Pixi Büchleins
füllen würde.
Gesteuert werden kann wahlweise mit Maus/Tastatur oder mit Gamepad, wobei mir eine Mischlösung
empfehlenswert scheint, die Egosichtpassagen shooterüblich mit Maus/Tastatur zu spielen und
die 3rd Person Kong Abschnitte mit Gamepad. Doch hier gibt es einige ärgerliche Details. Die
komplette Spielkonfiguration muss mit einem externen Programm durchgeführt werden. Dort ist
es möglich, für den Ego und 3rd Person Bereich jeweils drei unterschiedliche Steuerungskonfigurationen
einzugeben, auf die dann im Hauptprogramm zurückgegriffen werden kann. Ärgerlich aber, dass
man dort auch für die unterschiedlichen Profile identische Tasten belegen kann und das Programm
im eigentlichen Spiel nicht zwischen den Profilen unterscheidet. Hat man z. B. in Profil 1 Taste
X zum Ducken und in Profil 2 zum Zielen, dann hat es den Effekt, dass die Figur sich duckt und
zielt. So etwas dürfte eigentlich nicht durch die Qualitätskontrolle rutschen. Auch benötigt
man schon einige Versuche, die für sich optimale Einstellung zu finden, was bedeutet, dass man
mehrfach das Spiel wieder verlassen muss. Unpraktisch ist auch, dass die Hilfetexte sich nur
auf die Standardttastaturbefehle beziehen, auch wenn man per Gamepad spielt. Dass man bei jedem
Spielneustart wiederholt die gewünschte Frage nach der Sprachauswahl treffen muss, ist auch
nicht nachvollziehbar.
Gespeichert wird jeweils an bestimmten Checkpoints, die sehr fair verteilt sind. Es gibt
keinen wählbaren Schwierigkeitsgrad, was ein wenig schade ist, denn die Grundeinstellung bietet
geübten Spielern selten eine Herausforderung. Schwerwiegende Bugs waren nicht festzustellen,
jedoch wollte im Brontostampede-Level die Saurierherde plötzlich nicht mehr weiter und blieb
wie angewurzelt stehen, was aber auf den weiteren Spielverlauf wenig Einfluss hatte.
Boni lassen sich je nach Spielstand freischalten und gewähren z. B. Artworks in einer interaktiv
begehbaren Galerie.
Gameplay
Das Spiel erzählt die Filmstory nicht originalgetreu nach, was positiven Freiraum und genügend
Überraschungen im Spielverlauf garantiert. Der Nachteil daran ist jedoch, dass die Story sich
nicht als Parallelhandlung zum Film zeigt, sondern in einigen Bereichen komplett andere Wege
geht, was darin endet, das bekannte Filmfiguren z. B. an völlig anderen Stellen der Nahrungskette
zugeführt werden und es zu recht abstrusen Situationen kommt. Doch dazu später mehr.
Das Spiel lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. In Egosicht darf man den Drehbuchautor
Jack Driscoll spielen und muss versuchen, mit Waffengewalt die Schauspielerin Ann Darrow zu
befreien, die nach der Opferung durch die Eingeborenen zum neuen Spielzeug des Riesengorillas
geworden ist. Im anderen Part, indem man in der 3rd Person Ansicht King Kongs Kontrolle übernimmt,
heißt es zumeist ordentlich Saurier vertrümmen, Zäune einschlagen und etwas hin und her hangeln.
Dabei verhält sich der Anteil ca. 2/3 Egoabenteuer zu 1/3 Button-Smashing mit Kong. Das Egosichtabenteuer
beginnt auch recht vielversprechend. An der Küste wird das Team in einem storyeingebundenen
Tutorial mit dem Wichtigsten vertraut gemacht. Schiessen, Waffenkisten aufsammeln, Feuer nutzen
und ganz wichtig, einen Hebel finden, mit dem man den Mechanismus einer Türe betätigen kann,
um den nächsten Bereich betreten zu können, nachdem man vorher ein paar Monsterkrabben auf links
gedreht hat. Es zeigt sich dann leider bereits nach kurzer Zeit, dass die Eingeborenen recht
fleißig waren, die benötigten Hebel möglichst weit weg von dem Türmechanismus zu deponieren
und die Spieledesigner leider etwas zu faul, sich mehr Variationen einfallen zu lassen, um das
Spiel ausreichend abwechslungsreich zu gestalten. So schön der Einstieg auch gemacht ist und
man in Hinterkopf hat, was das Team an Ideen in Beyond Good & Evil einfließen lassen konnte,
ist die Enttäuschung dann leider doppelt so groß. Im Prinzip gibt es nur drei Handlungs- und
Rätseloptionen. Dornenbüsche, die das Weiterkommen verhindern und nur per Feuer zu beseitigen
sind, Hebel, die in den entsprechenden Mechanismus eingeführt werden müssen und einige böse
Tierchen, wie Giftspinnen, die sich nur durch Köder vom Durchgang oder natürlich dem bekannten
Hebel vertreiben lassen. Hier pickst man mit einem umherliegenden Speer oder einem Saurierknochen
eine fette Wanze oder ein Rieseninsekt auf und wirft es als Köder an einen in der Nähe liegenden
Ort, um die Spinnen kurzzeitig fortzubewegen. Warum der dumme Jack nicht einfach einen der Tausend
Knochen als Hebel nutzt, wird wohl ewig das Geheimnis der Designer bleiben. Das Ködern lässt
sich dann noch bei anderen Sauriern nutzen, um sie kurzzeitig abzulenken. Ein Schuss auf einen
Flugsaurier kann schon mal für genügend Ablenkung sorgen, um sicher die Rexbande passieren zu
können. Dazu gibt es natürlich den Kampf. Waffen und genügend Munition vorausgesetzt, kann man
so die Angreifer dezimieren, wobei Schusswaffenmunition rar ist und ein Knochenhaufen, der so
gut wie unendlich Wurfgeschosse bietet, viel ergiebiger... und auch viel unglaubwürdiger. So
hastet der tapfere Jack Driscoll mehr mit Knochen als mit Karabiner bewaffnet durch den Urwald.
Zum Schutz vor den größeren Sauriern gibt es in den Levelbereichen meist ausreichend sichere
Unterstände und es kommt nur darauf an, beharrlich zu bleiben und eventuell ab und zu schnell
zum Knochendepot zu rennen, um Waffennachschub zu holen. Etwas Abwechslung bringen da schon
die NPCs mit sich, so am Anfang z.B. Ann, die im Prinzip die viel bessere Heldin ist als Jack,
denn sie klettert an Wänden empor, öffnet Türen und zündet Feuerchen an, um...? Richtig, Dornenbüsche
in Brand zu setzen! Jack wäre dazu auch weniger geeignet, er kann nämlich nicht einmal springen.
Nach der ersten Stunde hat man eigentlich alle Varianten gesehen, die in Verbindung mit Feuer,
Wanzen und Hebeln möglich sind.
Die Höhepunkte des Spiels liegen eindeutig in den Sonderauftritten mächtiger Riesendinos,
die dem Team nachstellen. So z. B. ein Monster-T-Rex oder die Entführung von Carl Denham durch
Flugsaurier, deren Ober-Flugi der Held auf der Bergspitze zur Strecke bringen muss. Toll auch
die Floßfahrt, in der das Team von einer ganzen Horde T-Rex sabbernd verfolgt wird und dazu
auch noch Eingeborene die Jagd eröffnen. Dazu gibt es die üblichen Geleitmissionen, in denen
die Freunde per Sniper bewacht durch Gefahrenzonen geleitet werden müssen. Auf ein übliches
Userinterface mit Auskunft über Munition und Gesundheit muss verzichtet werden. Wird Jack verletzt,
fängt er an zu taumeln und kann sich nicht mehr richtig bewegen und sehen. Wird er erneut in
diesem Zustand angegriffen, ist es bald mit ihm vorbei. Er erholt sich jedoch auch wieder schnell,
ohne bleibende Schäden (außer vielleicht eines Dornenbuschtraumas). Munitionsvorräte kann man
per Tastendruck abfragen. Merkwürdig aber, dass der Vorrat an Munition von Spiel zum Teil geskriptet
wird. So z. B. im Sumpf, den man mit 2 Magazinen betreten kann und dort dann während der gesamten
Zeit plötzlich unlimitiert Nachschub besitzt, bis man wieder eine bestimmte Stelle überschreitet.
Auch sollte man mit gezündetem Speer vorsichtig sein, im hohen Gras herumzufuchteln, das könnte
schnell zur Selbstentzündung führen. Dieser Effekt lässt sich aber auch bequem mit Feinden veranstalten.
Das "Ho(h)le-Feuer-Prinzip" geht jedoch spieltechnisch eindeutig zu weit und wirkt
mehr als blödsinnig. Sich durch Brontoherden kilometerlang bis zu einer Feuerstelle durchschlagen
zu müssen, um auf dem Rückweg gegen Raptorenhorden anzutreten, nur um mal wieder ein Feuerchen
zu machen, ist sicher nicht das Maß der Dinge. Vielleicht hätte man einfach mal irgendein Artefakt
oder etwas Ähnliches (vielleicht einen Hebel?) zum Einsatz bringen können.
Die King Kong Einlagen sind im Gegensatz zu den Shooterleveln am besten mit einen Prügelspiel
zu vergleichen. Ein paar Ohrlaschen für die Gegner, greifen, rempeln und der Finishingmove,
um ihnen den Kiefer auseinander zu brechen gehören zum Handwerlszeug. Das sieht zwar eindruckvoll
aus, ist im Prinzip aber nur Buttonakrobatik, die vom Anspruch her dem Öffnen einer Knack
& Back Packung gleichkommt. Oft weiß man auch gar nicht so recht, was man gerade
wo beim Wickel packt. Dazwischen schnappt man sich die schöne Ann, setzt sie irgendwo ab oder
hastet von Ast zu Ast und an Bergklippen entlang, um im nächsten Sauriernest zu landen. Später
hilft die gute Ann dann dem König des Urwalds noch dabei, überhaupt weiter zu kommen (natürlich
mit Feuer Büschen anzünden). Hier fragt man sich dann spätestens, wie der gute Kong überhaupt
so lange ohne Frau im Haus überleben konnte. Storytechnisch fraglich ist auch die Tatsache,
warum die Eingeborenen ihre Gottheit dann auf einmal angreifen. Viel KI gibt es nicht, denn
die Handlungen der Saurier sind größtenteils geskriptet, was spieltechnisch aber auch an vielen
Stellen notwendig ist, wenn man z. B. die Spinnen weglocken muss oder den Riesen-T-Rex von dem
übrigen Team weglocken muss.
Fazit
King Kong ist sicher der bisher beste interaktive "Spiel-Film" mit beeindruckenden Szenen
und Action ohne Ende. Das soll aber nicht als Kompliment verstanden werden, denn das Spiel hat
bereits nach einer Stunde sein gesamtes Potential verbraten und danach folgen nur noch Wiederholungen
nach dem gleichen Prinzip. Wanze picksen, Feinde weglocken, Hebel finden, T-Rex Mäuler stopfen
und ganz wichtig: Busch anzünden. Wenn man dem Helden statt einer Waffe ein Feuerzeug mit auf
die Reise gegeben hätte, wären die ca. 8-9 Stunden Spielzeit locker auf die Kinofilmlänge reduzierbar
gewesen. King Kong kann man maximal eine Stunde an Stück spielen, dann mag man einfach nicht
mehr, auch wenn es toll aussieht. Das ist etwa mit einer Achterbahnfahrt vergleichbar. Welcher
halbwegs normale Mensch steigt schon für 3-4 Stunden freiwillig am Stück in eine Achterbahn.
Jeden Tag ein Stündchen ist da schon besser zu verdauen und dann wirkt das sich ständig
wiederholende Spielprinzip auch nicht so langweilig. Alternative Lösungsansätze oder
Routen gibt es ebensowenig wie richtige Herausforderungen im Kampf, wie auch bei den "Rätseleinlagen",
die eigentlich keine sind. Ein Spielkonzept mit eingebauten Megaspoiler, in dem man eine Figur
spielt, die unweigerlich am Ende die Haxen hoch macht, ist zudem sicher nicht sonderlich motivierend.
Dabei ist zu sagen, dass man als King Kong im Finale NICHT in den Strassen von New York sterben
darf, dann hat man nämlich verloren, man muss vom Empire State Building fallen und sterben,
DANN hat man gewonnen. Vielleicht wären die Designer besser beraten gewesen, sich das 10 Minuten
New York Finale zu sparen und das Spiel beim Verlassen der Insel zu beenden. Das hätte mehr
Sinn gemacht, aber da Hollywood und die Spieleindustrie ja schlaue Füchse sind, kann man das
King Kong Spiel nach dem einmaligen Beenden noch auf Bonuspunkte spielen und sich mit ein wenig
Geschick ein positives Ende herauszocken. Kong lebt! Da können wir nur hoffen, dass Ubi Soft
nicht bei der nächsten Jesus Verfilmung das Spiel zum Film lizenziert. Wie wäre es mit einem
positiven Ende, wenn man z. B. das letzte Abendmahl in 10 Minuten schafft oder Judas 60 Silberlinge
bietet? Im Dornbusch anzünden sind die Designer ja schon bestens geübt. Das Review ist zwar
überwiegend negativ, aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht. King Kong ist aber nicht mehr
geworden als ein Spiel, dass man abends mal kurz eine Stunde zocken kann und das technisch eindrucksvoll
präsentiert wird, mehr aber wirklich nicht. Für 10 € von der Pyramide sicher ein Versuch wert
und so rutscht es gerade noch mit Ach und Krach in den Bereich "Befriedigend". Im Prinzip ist
es dann also doch eine gelungene Kinoumsetzung, denn auch der Film muss sich eine ähnliche Kritik
gefallen lassen. Technisch ausgreift aber irgendwie auch blöd.
Geschrieben am 18.06.2006, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 2GB Ram, Creative X-Fi Extreme
|