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Kinder des Nils
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 | Info |
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| Autor | | 2+ |
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| Gesamt (20 votes) | | 2+ |
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| Name: | Kinder des Nils |
| Genre: | Strategie |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2005/02 |
| Publisher: | Sega |
| Entwickler: | Tilted Mill |
| Hardware: | 800Mhz, 128MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.2 |
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Was heutzutage auf den Markt kommt, wird mittlerweile überwiegend von der Marketingabteilung
bestimmt. Ein Produkt muss möglichst international einen großen Käuferkreis finden, leicht zu
bedienen sein, Grafik ist das wichtigste "Feature" und neben möglichst Action muss ein Game
auch möglichst einfach, simpel und auf bekannte Elemente zurückgreifen. Die Siedler sind da
ein wunderbares Beispiel, wie sich der Schwerpunkt von Aufbau und Wirtschaft nach und nach zu
einem ganz normalen Echtzeitstrategiespiel wandeln kann, eben um einen internationalen Mark
anzusprechen. Wer somit im Bereich Aufbaustrategie nach neuen Games sucht hat es nicht leicht.
Abhilfe kommt nun in Form von "Kinder des Nils", das von Tilted Mill Entertainment entwickelt
wurde. Dahinter verbergen sich einige bekannte Köpfe, die auch schon an Aufbauklassikern wie
Caesar und Pharao mitgewirkt haben. Was das Spiel neben der ansehnlichen Grafik alles bietet
und wieso es ein Segen für alle Spieler ist, die etwas komplexere Games bevorzugen, soll das
folgende Review zeigen.
In der kleinen Pappbox verstecken sich die beiden Spiel-CDs und die Installation begnügt
sich mit heutzutage schon fast lächerlich geringen 800 MB. Dazu gibt es ein knapp 40 Seiten
dickes Handbuch. Aufgrund der Komplexität des Spiels wäre ein umfangreiches Handbuch sicherlich
keine schlechte Sache gewesen, doch zum einen findet man auf diesen 40 Seiten Wissen kompakt,
insbesondere in Form von Übersichtstabellen der Gebäude, Produkte, etc. und zum anderen gibt
es im Spiel eine extrem umfangreiche Hilfefunktion, wie sie beispielsweise auch in Age of Mythology
enthalten ist. Weder Bugs noch der Kopierschutz machten Probleme und der Patch 1.2 ist mit knapp
1,7 MB zudem auch sehr "modemfreundlich".
Kurz und Knapp
Im Gegensatz zu Strategiespielen, zu denen sich auch Siedler 5 entwickelt hat, liegt der
Schwerpunkt bei "Kinder des Nils" im Aufbaupart. Das bedeutet, dass der Spieler nicht
einfach nur Arbeiter in einem Haupthaus ausbildet und sie dann Rohstoffe abbauen lässt.
Bei einem Aufbaustrategiespiel liegt der Schwerpunkt, wie der Namen schon andeutet, beim durchdachten
und geschickten Aufbau eines immer größer werdenden Reiches. Die Leute sind nicht nur einfache
Arbeiter, sondern es gilt die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen mit ihren jeweiligen Ansprüchen
und Wünschen zu berücksichtigen. Handelsbeziehungen sind zu knüpfen, die Siedlung muss vor Überfällen
beschützt und die eigene Macht u.a. durch den Bau gewaltiger Monumente gezeigt werden. Ein Aufbaustrategiespiel
wie "Kinder des Nils" ist somit nichts, was mal eben für 20 Minuten gespielt wird
und dann ist eine "Mission" geschafft. Ganz im Gegenteil. Ein Szenario dauert mitunter Stunden
und alles muss wohl durchdacht sein. Doch gerade diese immer wieder aufkehrende Optimierung
ist auch etwas, was den Reitz des Spiels ausmacht.
Das Spielprinzip im Detail
Um aber nicht nur an der Oberfläche des Spielprinzips zu kratzen, hier nun eine längere und
etwas genauere Beschreibung der grundlegenden Spielmechanik mit der Hervorhebung von einigen
wichtigen Zusammenhängen und Möglichkeiten. Wie jedes durchdachte Spiel, so beginnt es mit einem
möglichst einfachen Start und je weiter sich das Volk unter der Führung des Pharaos entwickelt,
desto mehr Möglichkeiten kommen hinzu bzw. müssen bedacht werden. Mitunter steht noch kein einziges
Spiel-Gebäude auf der Karte, wenn das Spiel beginnt. Lediglich einige kleine Hütten zeugen davon,
dass hier Menschen leben. Zuerst gilt es einen möglichst guten Standpunkt für den Palast zu
finden, so dass dieser beispielsweise vom Hochwasser nicht überschwemmt wird. Kaum ist der Palast
gebaut kann sich der Herrscher um seine Untertanen kümmern. Der wichtigste Rohstoff ist Nahrung,
die auch als Zahlungsmittel eingesetzt wird. Zur Erwirtschaftung größerer Mengen werden Bauern
benötigt, deren Wohnungen natürlich möglichst dicht am Überschwemmungsgebiet gelegen sein sollten.
Verständlicherweise kann sich ein Pharao natürlich nicht um alle Bauern kümmern. Will man mehr
als sechs Hütten bauen, so werden entsprechend Adlige benötigt, die wiederum über weitere Bauern
wachen. Doch wenn es lediglich einige Bauern gibt, dann strömen die reichen Leute nicht gerade
und werden es auch nicht lange im Reich des Spielers aushalten. Im Gegensatz zu den Bauern,
die schon zufrieden sind, wenn sie etwas Nahrung und ein Dach über den Kopf haben, gehen die
adligen Frauen gerne normale und Luxusgüter einkaufen. Dazu am Besten einige Diener, um die
Sachen zu tragen, egal ob einfache Matten, Körbe oder Schmuck. Die Reichen wollen ein umfangreiches
Angebot. Entsprechende Läden müssen also in Auftrag gegeben werden. Ein weiterer wichtiger Bereich
ist die Religion. Je nach Person und Beruf möchten die Leute den unterschiedlichsten Gottheiten
huldigen. So sollte es im späteren Verlauf möglichst für alle Gottheiten von Osiris bis
Hapi entsprechende Tempel geben. Groß oder klein, für alle Götter oder nur einen speziellen,
alles ist möglich. Doch im Gegensatz zu den kleinen Hütten werden für größere bzw. Staatsgebäude
Ziegel benötigt, wozu Ziegeleien notwendig sind und dort aus Ton, Binsen und Schilf hergestellt
werden. Ein Maurer bringt diese Steine dann zur Baustelle und errichtet das Gebäude. Egal ob
es nun eine Bäckerei ist, die für die Staatsdiener Nahrung herstellt oder bis hin zu Gräbern
und Gruften, Steine werden in rauhen Mengen benötigt. Nicht nur für die Tempel benötigt man
"Absolventen", sondern auch für die Schule oder das Krankenhaus. Nichts ist schlimmer als ein
Ausbruch der Pest und kein Priester/ Krankenhaus befindet sich in Reichweite. Ein Schreiber,
der aus einem Besucher der Schule hervorgeht, kümmert sich des weiteren um viele kleine Details.
So muss er Felder zu Steuerzwecken einschätzen, Zölle eintreiben und Tauschbörsen betreiben.
Dazu kommen noch Baracken für das Militär, Waffenwerkstatt für die unterschiedlichsten Waffen
& Rüstungen, eine Schiffswerft und Kommandantenquartiere. Was natürlich in Ägypten gar nicht
fehlen darf, sind die gewaltigen Monumente, die auch heutzutage eindrucksvoll zeigen, welche
Leistungen "damals" vollbracht wurden. Selbstverständlich wird nicht mal eine kleine Pyramide
vom Maurer gebaut. Dafür müssen schon mehr Arbeitskräfte anpacken und außerdem wird auch kein
300m Monument nur mit Ziegeln gebaut. Für den groben Bau werden entsprechende Kalksteine gebraucht,
wovon durchaus mehrere Hundert Stück angeschafft werden müssen. Für die "äußere Verkleidung"
werden zusätzlich Massen an Feinkalksteinen benötigt. Genauso wie Basaltsteine, die für Statuen
verwendet werden, können diese Steine in entsprechenden Steinbrüchen von Arbeiterskollonen unter
Kontrolle eines Aufsehers abgebaut werden oder per Schiff von außerhalb der Karte importiert
werden. Wer neben einer Anlegestelle auch entsprechende Kontakte auf der "Weltkarte" geknüpft
hat, bekommt die Steine direkt vor die "Tür" geliefert. Doch dies ist nicht immer
so einfach. Neben den Kosten für eine Expedition wollen solche Orte auch entsprechende "Instandhaltungskosten"
haben, wie z. B. regelmäßige Nahrungslieferungen. "Fremde Orte" handeln mit dem Spieler auf
gegenseitiger Basis, wie z. B. Nahrung gegen Gold (für Schmuck). Die Händler kommen direkt in
die Stadt des Spielers und verkaufen dort Luxusartikel an gehobene Bürger, während der Staat
die Zölle kassiert. Doch nicht alle Orte auf der Weltkarte sind dem Reich wohlgesonnen. Es gibt
auch immer wieder Plünderer, die sich beispielsweise in einer Festung verschanzen und ggf. Überfälle
durchführen. Neben einer guten Stadtwache und Mauern wäre es hier früher oder später an der
Zeit, eine Streitmacht zu entsenden, damit der Ort geschlossen werden kann. In dieser Ausführung
fehlen natürlich noch einige Sachen, wie die unterschiedlichen Arten Prestige zu bekommen, unterschiedliche
Materialien für Güter, Totenbestattung, Bildhauer für Statuen, etc., doch es soll ja nur ein
etwas detaillierter Überblick und kein Handbuch fürs Spiel werden.
Kampagne & Editor
Wie man im Text bereits lesen konnte ist das Spiel nichts, was man eben in 10 Minuten vollständig
erfasst hat. Doch dank einer ganzen Reihe umfangreicher und informativer Tutorials kommt auch
jeder Einsteiger wunderbar ins Spiel. Des weiteren gibt es eine sehr umfangreiche und mit vielen
Querverweisen ausgestattete InGame-Hilfe. Leider gibt es keinen Mehrspielermodus. Dafür ermöglicht
jedoch der Editor, insbesondere für die Weltkarte, etwas Einarbeitungszeit vorausgesetzt, dass
es auch in einigen Monaten noch neue Fan-Szenarien im Netz gibt. Bislang sind einige durchaus
sehr spaßige und komplexe Missionen zu haben. Doch bis man anfängt sich mit Userkreationen zu
erfreuen, kann man sich auch erst mal an die im Spiel enthaltene Kampagne machen. Dabei wird
jedoch leider keine "dolle" Story präsentiert. Der Spieler erlebt dabei fünf Zeitabschnitte
vom Alten bis zum Neuen Königreich. Im Spiel verläuft dies dann folgendermaßen: In jedem
Zeitabschnitt gibt es drei Missionen in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Hat man
eine davon geschafft, so gibt es im nächsten Zeitalter wieder drei Missionen. Ein "Durchspielen"
besteht somit aus fünf Missionen. In der Summe gibt es damit 15 Missionen, dazu kommen noch
zwei weitere und Sandkastenmaps (ohne Ziel), die man neben den Kampagnenmissionen in der Liste
der Szenarien auswählen kann. Meist startet das Spiel ohne irgendwelche Gebäude und es gilt
von "Null" das Ziel zu erreichen. Mal gilt es einfach "nur" eine große Pyramide zu bauen, in
anderen Missionen müssen eine bestimmte Anzahl an Adligen-Gebäuden in einer bestimmten Ausbaustufe
vorhanden sein, Festungen errichten, Plünderer vertreiben oder Rohstoffe exportiert werden.
Meist sind es ein bis drei Ziele. Wer keine Story, wie sie heutzutage eigentlich in fast allen
RTS üblich ist, braucht, der wird sich bei den Missionen ansonsten nicht beklagen. Es sind lediglich
immer Aufbaumissionen, man zieht also nie mit irgendwelchen Helden über die Karte. Auch wenn
sich das Spielprinzip im Laufe der Zeit immer wiederholt, so sorgen allein die unterschiedlichen
Maps, die Weltkarten mit Händlern, Festungen, etc. immer wieder für ein anderes Spiel und insgesamt
braucht man schon eine ganze Weile, bis man alle Szenarien erfolgreich abgeschlossen hat. Da
kann man durchaus ein oder zwei Nachmittage für eine Mission verbringen. Kinder des Nils
ist nichts für ein schnelles Spiel zwischendurch, sondern was für längere Sitzungen. Was da
eigentlich noch fehlt, ist ein Kartenzufallsgenerator, wie es ihn damals schon bei Empire Earth
gab, auf dessen Engine "Kinder des Nils" beruht.
Steuerung und Handhabung der Siedlung
Bei der Steuerung orientiert sich das Spiel an bekannten Elementen. Auf der linken Seite
gibt es eine Reihe an Kategorien, wie Häuser, Dienstleistungen, Infrastruktur, etc. worunter
man die jeweiligen Bauten findet. Diese müssen dann lediglich auf der Karte platziert/ gedreht
werden, um den Rest kümmern sich die Leute. Auch ein "Rückgängig" Button hat es ins Spiel geschafft,
was insbesondere im etwas hakeligen, weil ungenauen Straßenbau recht hilfreich ist. Die Geschwindigkeit
kann jederzeit zwischen Pause und 2,5fachem Speed reguliert werden. Am unteren Rand gibt es
die obligatorische Karte und sehr detaillierte Infos über den ausgewählten Bürger/ Gebäude.
Außerdem kann man sich hier eine ganze Reihe sehr informativer und hilfreicher Statistiken und
Infos einblenden lassen. Wie viele Priester hat man? Wie sieht die Laune der Bauern aus und
was ist mit den Nahrungsvorräten. Einzig nicht ganz optimal gelöst ist die genaue Lokalisation
von Problemen. Da beschweren sich gehobene Bürger darüber, dass sie keine/ kaum Luxusgüter haben,
doch die Läden in der Nähe haben was oder auch wenn die Pest überwunden ist und sich keiner
mehr im Krankenhaus aufhält, beklagen viele die medizinische Versorgung. Umfangreiche Hilfe
bekommt man jederzeit über das Fragezeichen. Die Ansicht kann frei gedreht werden, wobei man
jedoch dabei schnell über den Kamerawinkel hinausschießt. Ein Autosave sorgt dafür, dass man
sich ums Speichern nicht groß kümmern muss und sich so ganz aufs Spiel konzentrieren kann.
Grafik & Sound
Seit den Tagen von Caesar und Co hat sich einiges getan. "Kinder des Nils" nutzt
die Empire Earth Engine, um das ägyptische Reich ansehnlich auf den Monitor zu zaubern. Man
kann genau sehen, wie die Leute ihrem Tagewerk nachgehen, der Pharao herumgetragen wird, Gebäude
langsam errichtet werden, die Überschwemmung kommt und viele weitere Details. In der Nahansicht
könnten zwar die Texturen noch etwas besser sein, doch da man sein Reich sowieso überwiegend
aus einer größeren Distanz betrachtet und plant, geht dies vollkommen in Ordnung. Dank der 3D
Engine sind die Hardwareanforderungen nun auch alles andere als gering. Zwar sollen 800 MHz
und eine 32MB Graka reichen, doch gerade wenn die Siedlung größer wird, sollte man gut 2, besser
um die 3 oder mehr GHz haben. Akustisch gibt es nicht so viel zu sagen. Die Sprachausgabe beschränkt
sich auf einige Kommentare der Bevölkerung und ein Vorlesen der Missionseinleitung. Dazu gibt
es passende Hintergrundgeräusche und einen atmosphärischen Soundtrack, der wunderbar zum ägyptischen
Setting passt.
Meinung
Beindruckend und mutig, was Tilted Mill hier abliefert. Beeindruckend, wie sie es geschafft
haben, die "alten Klassiker" wunderschön ins 3D Zeitalter zu bringen. Mutig, weil es in der
heutigen Zeit wohl leider nicht auf den Massenmarkt abzielt. Hier stehen Komplexität, einfache
Bedienung und das Feilen & Tüfteln an der Siedlung im Mittelpunkt. Damit kann man ganze Abende
füllen. Auch wenn es keine Storykampagne ist, so sind die Missionen sehr abwechslungsreich.
Dank des Editors sollte auch der Nachschub gesichert sein. Wer sich auch nur ansatzweise für
Aufbaustrategiespiele begeistern kann, findet nichts Besseres. Vielleicht kann ja auch die Demo
den einen oder anderen Zweifler noch bekehren, so dass nicht ein weiteres gutes Spiel zum Verkaufsflop
wird, wie es in der Vergangenheit leider immer wieder passierte.
Geschrieben am 03.04.2005, Testkonfiguration: AMD64-3500+, 1GB, GeForce 6800GT, SB Audigy2ZS
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