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Mass Effect  

Rückseite ]

Info
Autor 2+
 2
 1.5
 2.5
Gesamt (73 votes) 1
 1.7
 1.6
 2.6
Name:Mass Effect
Genre: Action Rollenspiel
Produkt: Vollversion
Release: 2008/06
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: BioWare
Offiz. Sites: Game
Hardware: 2.4Ghz, 1GB RAM, 256 MB PixelShader3, HD 15000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte
System: Win XP/2000/Vista, DX9
Steuerung: Maus/ Tastatur
Sprache: Deutsch
Serie: ja
Patch: 1.02
Bemerkung: auch für Xbox360, Onlineaktivierung nötig
USK: 16
Mass Effect (review von ronin)

Vor fast einem Jahr veröffentlichte BioWare ein hierzulande kaum bekanntes Rollenspiel mit dem unscheinbaren Namen Jade Empire. Konsoleros kamen zwar schon eher in den Genuss dieses Kleinodes, aber PC Spieler durften etwas länger warten, mit dem Unterschied, dass es ein paar nette Verbesserungen und ansehnlichere Grafik gab. Das Rollenspiel ging für das Genre eher ungewöhnliche Wege und folgte nicht der klassischen Linie von BioWares großen Werken wie Baldurs Gate oder Knights of the old Republic. Zum einen war das in der asiatischen Mythologie angelehnte Setting eher ungewöhnlich für die europäisch-amerianische Spielerschaft und zum anderen erinnerte das Kampfkonzept mehr an alte Spielhallen-Beat'em-Ups, als an die würfelwerfende Gemächlichkeit handelsüblicher RPGs. Nichtsdestotrotz war Jade Empire ein grandios erzähltes und eigenwilliges Rollenspiel. Nun fragt sich der gewillte Leser was das nun bitte mit Mass Effect zu hat?! Ganz einfach, bei Letztgenannten kann man eine fast gleichartige Entwicklung beobachten. Ende 2007 veröffentlichte man das SciFi-Rollenspiel erst für die XBox 360 und nun, wenige Monate später, erscheint der Titel etwas aufpoliert und mit wenigen neuen Inhalten für den PC. Auch hier geht BioWare wieder einen eigenen Weg und lässt Shooter und Rollenspiel miteinander verschmelzen. Was zeigt uns das? Nunja, erst einmal eine konsequente und eigenwillige Linie des Entwicklers mit einer ordentlichen Portion Mut im Spielezeitalter der immer krasser um sich greifenden Anspruchslosigkeit und des Genre-Einerleis, auch weiterhin etwas Neues zu versuchen. Aber belassen wir es vorerst bei dieser Blog-Format annehmenden Einleitung und kommen zum eigentlichen Reviewt.

Ich hab´ da was im Auge …

Kurz ein Wort zur Überschrift. Das Spiel besitzt eine Filteroption, wodurch eine Art körniges Muster über die Grafik gelegt wird. Dadurch entsteht der Eindruck eines alten Kinofilms, zumindest steht das so in der Beschreibung. Die erste Hälfte des Spiels, und bei über 30 Stunden Spielzeit ist das eine ganze Weile, spielte ich mit diesem Filter. Ich hatte mich auch schon weitestgehend mit dieser, meines Erachtens nach, Schwäche des Spiels abgefunden, als ich die Einstellung im Grafikmenü fand und diesen furchtbar verwaschenen Effekt abstellte. Ich dachte immer, dass damit grafische Ungereimtheiten kaschiert werden sollten, aber ohne den Filter wirkt das Spiel weitaus ansehnlicher und vor allem schärfer! An der Grafik an sich gibt es wenig auszusetzen. Typisch für BioWares Titel sind die grandiosen Charakteranimationen, die bei der Vermittlung von Gefühlen (Achtung Wortspiel) unglaublich glaubwürdig erscheinen. Man hat das Gefühl mit echten Personen zu kommunizieren, was die tolle Atmosphäre des Spiels natürlich weiter vertieft und letztendlich auch ausmacht. Das eigenwillige Aliendesign verdient Bewunderung und zeigt, dass es Bioware gelungen ist, neben Giganten wie Star Wars oder Star Trek, etwas Eigenes zu kreieren. Besonders die massiven Kroganer und die tückischen Turianer fand ich toll designed. Problematisch wird es erst, wenn man sich große Texturen wie Wände oder Fußböden genauer anschaut. Diese wirken oftmals etwas zu blass und eintönig. Den größten Kritikpunkt muss sich Bioware aber im Design der Planeten und der dort begebaren Stationen und Höhlen gefallen lassen. Nach dem intensiven Erlebnis auf dem Citadel Hauptplaneten fällt die grafische Präsentation, was die Kreativität betrifft, merklich ab. Die mit dem so genannten Ma(n)ko (auf dieses für Masochisten konstruierte Fahrzeug gehe ich noch genauer ein) befahrbaren Planenten sind an Leblosigkeit und Eintönigkeit nicht zu überbieten und die drei verschiedenen Stationsmodelle (Mine, Lagerhalle, Forschungsstation) sind im Aufbau immer gleich. Lediglich die Gegneranordnung unterscheidet sich marginal. Hier hat man bei Bioware untypisch geschlampt. Aber zum eintönigen Nebenquestdesign komme ich später noch.

Die Hauptmissionen sind dagegen mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Ob man nun eine Forschungsstation auf einem Eisplaneten von Aliens säubert, oder in alten protheanischen Ruinen herumstreunt, immer findet man Neues zu entdecken. Die Grafikeffekte, was Biotiken (quasi die SciFi-Zaubersprüche) und Waffen betrifft, sind ordentlich umgesetzt worden und wirken nicht so maßlos übertrieben, wie bei so manchem Action-Shooter. Alles in allem wirkt die Grafik, vor allem die Charakterdesigns, sehr Atmosphäre fördernd und stimmig. Lediglich die Nebenquests stechen hier unschön hervor.

Commander Shepard, die Domina der Zukunft!

Im Bereich Sound fällt mir weiß Gott wenig ein, was es zu bemängeln gibt. Die deutschen Sprecher sind fast immer auf absolutem Topniveau und damit fester Bestandteil der grandiosen Atmosphäre des Spiels. Es ist eine Wonne meiner Commander Shepard (ja, ich spielte in weiblicher Form) im befehlsgewohntem Tonfall zuzuhören. Einer Stimme, von der man nicht genug bekommen kann. Auch die anderen Sprecher leisten sich kaum Schwächen, lediglich hier und da gibt es ein paar situationsunpassende Kommentare, ansonsten setzt Bioware ihren konsequenten Kurs fort: Qualität über Quantität, denn die Sprecher wurden bei manchen NPCs mehrfach verwendet (wie bei Oblivion oder Gothic auch). Die Musik wird Geschmackssache bleiben. Der eher elektronische Tenor der einzelnen Titel wird nicht jedem gefallen (*zu yak schiel*). Ich war begeistert, ist es doch mal etwas anderes, als die üblichen orchestralen Bombastmeisterwerke. Auch wird die Musik sehr, sehr dezent und vorsichtig eingesetzt, umso mehr bewegt es den Spieler, wenn wichtige Storypassagen auf ihn wirken sollen. Ein gutes Beispiel war die Ansprache des Captains (das war natürlich meine Commander *ichhabdiegeilstestimme* Shepard). Je nach Entscheidung und Emotion passte sich die schon fast pathetische Musik meiner Rede an. Es war bewegend! Toll, welches Spiel kann so etwas von sich behaupten.

WASD soll ich drücken?!

Deckung suchen, hervorlugen, mit einem Rechtsklick heranzoomen und immer feste drauf. Nein ich bin nicht im Test verrutscht, es handelt sich nicht um eine Neuauflage eines Reviews von "Call of Duty12: Showdown in Eva Brauns Sekretariat". Mass Effect spielt sich eben wie ein Shooter, das muss jedem Rollenspieler, vor allem den Neverwinter Nights Fans, klar sein. Zwar gibt es per Druck auf die Leertaste eine Pausefunktion und marginale Möglichkeiten seine maximal zwei Begleiter zu steuern, aber ein ruhiges taktisches Vorgehen steht eher im Hintergrund. Fakt ist, an das viele Geballer muss man sich gewöhnen. Mir fiel dies besonders zu Anfang schwer, da man hier gleich mitten ins Geschehen geworfen wird. Aber nach einer gewissen Eingewöhnung geht die Steuerung sehr leicht und intuitiv von der Hand. Die WASD-Tasten sollten mittlerweile jedem bekannt sein, ebenso die Ausrichtung eines Fadenkreuzes auf die jeweiligen Gegner. Anzumerken sei, dass zwar kein perfektes Zielen nötig ist, aber das Gegner markierende Dreieck sollte man sich schon vornehmen. Aber selbst Grobmotoriker werden damit klar kommen. Die Begleitersteuerung ist sehr einfach gehalten. Sammeln, Angreifen und Deckung suchen. Den Rest machen die Jungs und Mädels größtenteils alleine, wobei man auch die einzelnen Fähigkeiten wie Biotiken oder Tech-Talente manuell auslösen kann. Die KI funktioniert meistens ganz gut, aber manchmal blieben die Begleiter an unsichtbaren Hürden hängen, oder ließen sich gar nicht mehr steuern. Ein Neuladen war hier die einzige Möglichkeit, meine Kumpane zu erneuter Mitarbeit zu bewegen. Auch mit dem Inventar bin ich nicht sonderlich glücklich. Zwar leistet man sich keine völkerrechtlichen Schnitzer Marke The Witcher, aber das Handling hätte mit ein paar sinnvolleren Filtern und Vereinfachungen weitaus besser ausfallen können. So ist der Vergleich von Items unnötig umständlich und das Inventar quillt nach wenigen Stunden Spielzeit regelmäßig über. Auch hier wird der galaktische Held erstmal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und darf, ganz der brave Buchhalter, minutenlang das Inventar umstrukturieren. Schade, mir fällt spontan kein Rollenspiel ein, welches die Inventar-Frage zufriedenstellend lösen konnte.

Abschließend der Supergau des ganzen Spieles: der Mako, von mir auch liebevoll Manko oder Flummi genannt. Letzteres fasst die Eigenschaften dieses jämmerlichen Gefährtes hervorragend in wenigen Worten zusammen. Die an sich schon eintönigen optionalen Planeten werden durch das "Manko" zur zusätzlichen Geduldsprobe. Irgendeinem ganz schlauen Kopf bei Bioware muss die Idee gekommen sein, dem Spieler ein Spider-Man-ähnliches Gefährt zur Hand zu geben. Anders lassen sich die ständigen Freeclimbing Aktionen an 90° steilen Berghängen nicht erklären. Es lässt sich kaum in Worte fassen wie grauenhaft eine Bergtour mit dem "Manko" ausfällt. Wie es im Inneren nach so einer Tour aussieht, will ich mir nicht einmal im Ansatz vorstellen! Neben dieser Kletterei hopst, schwebt und bockt das Teil wie verrückt über jede kleine Unebenheit, was zu ständigen 180° Drehungen im Flug (wohlgemerkt der Mako ist ein Bodenfahrzeug) führt. Auch die dumme Kanone lässt nur einen bestimmten Winkel beim Zielen zu, was dazu führt, dass man Gegner, wenn man auf einer erhöhten Position steht, nicht treffen kann. Das mag realistisch sein, aber die Karre ist an sich eine technische Unmöglichkeit, weshalb dann bitte eine solch unpraktische Waffe aufmontieren? Man sieht, das "Manko" weckt auch nach dem Spiel noch unschöne Erinnerungen. Hätte man die Steuerung nicht dermaßen versaut und auch die Fahrpassagen etwas weniger ausschweifend verwendet, würde das ganze Debakel nicht so sehr ins Gewicht fallen. Nichtsdestotrotz, bis auf den Flummi und das Inventar gibt's an der Steuerung nichts zu meckern.

Wir gegen den Rest der Galaxis

Durch die Entdeckung so genannter Massenportale gelingt es der Menschheit in ferner Zukunft aus dem bescheidenen Sonnensystem herauszutreten und zum Globalplayer im Mix der galaktischen Kulturen aufzusteigen. Dieses schnelle und entschlossene Vorgehen wirkt auf viele Rassen zu forsch und führt zu Reibereien die in Rassismus, Gezänk und kleineren militärischen Scharmützeln münden. Zwar wird die galaktische Allianz (ähnlich unserer EU heute, ein Hühnerhaufen der sich ständig uneins ist) weiterhin aufrechterhalten, aber die diplomatischen Verhältnisse lassen sich bestenfalls als kühl bezeichnen. In dieser Atmosphäre tritt ein sogenannter Spectre auf den Plan und macht mächtig Ärger mit seiner synthetischen Armee der Geth. Keine Sorge, der Spoiler ist hier quasi nicht vorhanden, da diese Informationen weitestgehend schon im Intro erklärt werden. Der Spieler legt bereits bei der Charaktererstellung fest, mit welcher Grundeinstellung man in diesen Konflikt startet. Gilt man als Kriegsheld oder als knallharter, gefühlsloser Profi. Auch die Herkunft wird immer mal wieder in den Dialogen eine wichtige Rolle einnehmen. Schon hier merkt man, wie viel Wert Bioware auf storyrelevante Entscheidungen des Spielers legt. Dies setzt sich im weiteren Verlauf fort. So bieten sich in den umfangreichen Dialogoptionen prinzipiell drei Grundarten von Antworten an. Freundlich, neutral und aggressiv. Je nach Wahl füllt sich daraufhin einer von zwei Balken für vorbildliches oder abtrünniges Handeln. Leider ist diese Anzeige völlig funktionslos und nur als Indikator für das eigene Verhalten zu sehen. Bis auf vergrämte NPCs wirkt sich diese moralische Haltung nicht auf den Spielverlauf aus. Eine helle oder dunkle Seite wie in Knights of the Old Republic sollte man hier nicht erwarten. Schade, eine verschenkte Option. Nichtsdestotrotz macht es unglaublichen Spaß in der Dialogwahl eine solche Freiheit zu genießen.

Schon die Ansprache Shepards an die Mannschaft ist sehr intensiv und atmosphärisch. Entscheidet man sich für eine auf Menschen zugeschnittene, eher rassistische Ansprache, in denen die anderen Alienvölker schlecht wegkommen, oder eher für eine gemäßigte Form mit toleranterem Muster. Solche Möglichkeiten gibt es oft im Spiel und die Entscheidungen werden immer einschneidender. Welches Teammitglied soll ich opfern, kann ich eventuell beide retten? Durch Talente können auch die Dialogoptionen weiter verbessert werden. Mit Einschüchtern oder Schmeicheln lassen sich dadurch weitere Möglichkeiten aktivieren. Im Vergleich mit hauseigenen Titeln hat Bioware in Mass Effect aber leider nicht das volle Spektrum ihrer Möglichkeiten erschöpft. Ich hätte mir bei den typischen Beziehungen zwischen den Teammitgliedern mehr Spielraum gewünscht. Leider kann man nur auf dem Kommandoschiff weitergehende Gespräche mit der Besatzung führen. Es ist deshalb ziemlich egal, welche Teammitglieder man auf die einzelnen Außenmissionen mitnimmt, da man sowieso nur auf der Normandy die Beziehung zum auserwählten Mitglied aufbauen kann.

Für amerikanische Verhältnisse muss man an dieser Stelle die Möglichkeit von allen Geschlechterkombinationen erwähnen. Ob Frau / Mann oder Frau / Frau, es spielt keine Rolle. Lediglich der klobige Norn-Verschnitt Wrex (der Typ an der Bar in DS9 ;) ) dürfte es im Beziehungskarussell nicht leicht haben. Meine Commander Sheperd schnappte sich letztendlich die liebliche Asari, in deren Gesellschaft das Geschlecht sowieso keine Rolle spielt. Die darauf folgende erotische Szene war äußerst sittsam und dürfte die durch Bravo und Co. geschulte Jugend nicht sonderlich vom Hocker reißen. Auch sind die Dialoge was diesen Themenbereich betrifft, als äußerst brav einzustufen. Nicht vergleichbar mit der zwielichtigen Sprachgewalt eines Gerald von Riva. Trotzdem hätte mir die Möglichkeit, während der laufenden Missionen mit den Teamkameraden zu sprechen, sehr gefallen, zumal dies in anderen BioWare-Titeln kein Problem war.

Auf der Straße top, im freien Feld eher hop…

Natürlich kommt man in Biowares Galaxis allein mit Reden nicht voran. Die umfangreiche Hauptstory schickt den Spieler quer durch die Galaxis und verstrickt ihn immer weiter in die Machenschaften von Saren, schon erwähnten bösen Spectre. Durch abwechslungsreiche Schauplätze und interessante Entscheidungsmöglichkeiten gestalten sich die Missionen um den Hauptplot sehr unterschiedlich und damit auch spannend. Immer paranoider werdende Kolonisten wollen gerettet und illegale Forschungsstationen vor entlaufenen Kreaturen befreit werden. Zwar wird auch in den Hauptmissionen viel geballert, aber die ganze Gestaltung ist weniger monoton als etwa in den Nebenaufträgen. Es gibt mehrere Wege zum Ziel und auch verschiedene Möglichkeiten die Missionen zu erfüllen. Auch die wenigen, aber gut gemachten Begegnungen mit Boss-Gegnern, waren intensiv umgesetzt. Die Begehbarkeit ist BioWare typisch arg eingeschränkt, wobei man hier erneut ein sehr gutes Maß an Freiheit und gezielter Lenkung des Spielers gefunden hat. Es macht Sinn auch die letzten Winkel in der Hauptstadt zu erkunden, da immer mal wieder Ausrüstungsschränke winken. Mir gefällt diese Art von Spielwelt, da man sich nicht, wie etwa in Gothic3, in riesigen Landschaften verirrt, in denen es rein gar nichts zu finden gibt. Aber auch hier gilt: Geschmackssache!

Ein ganz anderes Bild zeichnen die vielen Nebenquests. Ist man zu Beginn noch in der Hauptstadt mit teils lustigen, teils einfallsreichen Aufträgen beschäftigt (zum Bespiel eine verrückt gewordene Maschinenintelligenz zur Vernunft zu bringen) wird man mit der Freischaltung der Galaxiskarte in die öde Leere entlassen. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Mit dem Kommandoschiff kann man jetzt frei und ohne Vorgaben die vielen Sternensysteme abklappern. Manche Planeten kann man nur scannen, wodurch man seltene Gas- oder Erzvorkommen findet und manche sind per Mako erkundbar. Aber hier findet man meist die immer gleichen Optionen vor. Eine öde Planetenoberfläche soll mit einer katastrophal steuerbaren Wackelkiste an den sich immer wiederholenden Punkten abgesucht werden. Mal findet man eine abgestürzte Sonde in der ein paar Items versteckt sind, mal Minenkomplex Nummer 47, durch dessen Aufbau man sich mittlerweile blind bewegen kann. Schade, dass Bioware nach dem tollen Auftakt auf Citadel nur mit solchen gammeligen Aufträgen herhalten konnte. Dabei ist der Storyhintergrund nicht einmal schlecht. So passierte es mir, dass ich mal wieder ein System besuchte und direkt bei der Ankunft eine Nachricht erhielt, dass auf einem nahen Planeten Geth-Aktivitäten registriert wurden. Ich sollte die dortigen Forschungseinrichtungen untersuchen und nachschauen, was vor sich geht. Gesagt getan. Ich kämpfte mich durch einen Forschungskomplex und erhielt an einem Terminal die nötigen Informationen über den Ursprung der Geth-Plage. Ende vom Lied war das weitere säubern von drei exakten Kopien der ersten Forschungsstation und etwas Erfahrung am Ende. Schade.

Trotz dieser Aussetzer im Missionsdesign spielt sich Mass Effect den Hauptplot hindurch sehr abwechslungsreich und spannend. Dieser Aspekt gepaart mit den tollen Dialogen macht das Spielerlebnis letztendlich auch aus. Natürlich kommt auch die Charakterentwicklung mit Talenten, Fähigkeiten, Rüstungen und Waffen nicht zu kurz. Was für eine Überleitung ;-).

Rüstung Nr.7, Waffe Nr. 8 und Aufsatz Nr. 12…

Die Klassenauswahl bleibt bis zum Ende des Spiels sehr überschaubar. Es gibt prinzipiell drei Klassen, die jeweils miteinander mischbar sind. Die Entscheidung was man werden will, trifft der Spieler schon zu Beginn. Allerdings erhält man im Laufe des Spiels weitere Spezialisierungen und damit auch erweiterte Klassentalente. Es gibt Soldaten, Techniker und Bioten als Grundkategorien. Meine Miss Shepard spielte als biotischer Soldat und konnte deshalb, neben einem besseren Umgang mit Waffen, auch Gegner durch die Luft wirbeln, oder sich selbst per Barriere vor Angriffen schützen. Die fehlenden Klassen füllt man dann jeweils mit den Teammitgliedern auf. Nach den recht schnell erfolgenden Levelaufstiegen verteilt man dann Punkte auf die einzelnen Fähigkeiten und schaltet eventuell neue frei. Das ganze System ist sehr simpel gehalten, da Statuswerte wie Geschick oder Ausdauer nicht beeinflussbar sind. Auch die Fähigkeiten werden über die gewählte Klasse entschieden. Problematisch fand ich hier, dass durch die Wahl der Soldatenklasse eigentlich fast nur passive Talente erworben werden können. Man hat im Kampf also wenig zu tun, außer zu ballern. Als Biot darf man zwar immer mal einen "Zauber" einwerfen, aber so richtig viel "Arbeit" hat man nicht. Die Shooter-Anleihen werden hier besonders deutlich.

Ausrüstung gibt es im Mass Effect Universum reichlich. Fünf verschiedene Waffengattungen, nebst diversen Aufsätzen und Munition, unterschiedliche Rüstungsmodelle, unterteilt in die einzelnen Alien-Rassen, Universalwerkzeuge, Granaten, Bioverstärker und, und, und. Problem sind hier einerseits die Übersicht im Inventar, da man irgendwann kaum mehr zwischen Pistole I - XX unterscheiden kann und andererseits die Austauschbarkeit. Die Items sind völlig gesichtslos. Das mag seltsam klingen, aber durch die unglaubliche Menge geht viel an Reiz verloren. Bei The Witcher freute man sich noch, wenn man nach vielen Spielstunden endlich sein gutes altes Silberschwert durch ein neues mit besseren Runen ersetzen konnte, in Mass Effect passiert das alle paar Minuten. Aber das bleibt letztendlich Geschmackssache.

Um der Item-Flut entgegen zu wirken, kann man die Sachen verkaufen, oder in soenanntes Universalgel umwandeln. Ersteres führt relativ früh im Spiel zu inflationären Verhältnissen auf dem Bankkonto und letzteres hatte für mich kaum Sinn. Dieses Gel benötigt man für Mako-Reparaturen (was selten nötig war), oder dem Kurzschließen von Sicherheitstüren ohne manuelle Überbrückung. Diese erfolgt übrigens per Minispiel, was nach wenigen Versuchen schnell langweilt. Letztendlich sind viele der hier benannten Kritikpunkte Geschmackssache. Man muss sich als Rollenspieler sowie so an die Shooter-Lastigkeit dieses Spieles gewöhnen.

Abschliessend sei noch zu erwähnen, dass der Kopierschutz eine Onlineaktivierung notwenig macht.

Fazit:

Mass Effect ist ein rundum gelungener Rollenspiel-Shooter-Mix geworden, besonders in der derzeitigen Saure-Gurken-Zeit. Vor allem der Mut der Entwickler weiterhin Neues zu versuchen, muss an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gelobt werden. Zwar wird sich der gewillte Spieler auf die eigenwillige Mischung erst einlassen müssen, denn das viele Geballer und die doch recht simple Charakterentwicklung werden so manchen Rollenspieler viel Toleranz abringen, aber es lohnt sich auch mal in Genre-fremden Gewässern zu fischen. Auch die tollen Dialoge, mit all ihren Möglichkeiten, die grandiose Sprachausgabe und die hübsche Grafik verdienen Anerkennung. Leider hinterlässt Mass Effect, wie so fast jedes Rollenspiel der letzen vier Jahre, einen unangenehmen Beigeschmack. Die Fahrzeugteuerung wird meiner Meinung nach zu erhöhtem Herzinfaktrisiko bei den Spielern führen, die Inventarlösung machte mich auch nicht sehr glücklich und das viel zu langweilige Nebenquestdesign mit Editor-lastigen Gebäuden sind ganz klare Kritikpunkte. Vergleicht man die Vorgängerspiele von BioWare, so erkennt man einen leichten Drall hin zur Massentauglichkeit. Derzeit verzeihe ich das noch, da Shooter weniger Raum für Komplexität geben, aber wenn sich dieser Kurs vorsetzen sollte, wäre es äußerst schade. Nichtsdestotrotz bekommt Mass Effect noch eine 2+. Es ist eine knappe, aufgrund der genannten Mängel, aber ich lege diesen Titel jedem Spieler ans Herz, der einerseits nicht vor komplexen Dialogen zurückschreckt und andererseits auch fähig ist, sich auf das Shooter-Konzept einzulassen.


Geschrieben am 03.07.2008, Testkonfiguration: Intel Dual Core E6750, 4GB, GeForce 8800GTS
 



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