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Micky Epic
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 | Info |
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| Autor | | 4+ |
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| Gesamt (4 votes) | | 3 |
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| Name: | Micky Epic |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2010/11 |
| Publisher: | Disney Interactive |
| Entwickler: | Junction Point |
| Offiz. Sites: | Game |
| Hardware: | Wii |
| System: | Wii |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | nein |
| USK: | 6 |
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 | | Herstellerscreens |
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| Micky Epic (review von yak) |
Fehlende Zeit zum Spielen und Schreiben und der Mangel an guten Games haben dafür gesorgt,
dass es bei yiya etwas gemächlicher mit der Reviewausbeute zugeht. Wenn wir früher auch ein
mittelmäßiges Game zu Ende gespielt haben, um eine Rezension dazu zu schreiben, fehlt heute
die Zeit und die Nerven dazu. Da schreiben wir lieber was zu schönen Spielerlebnissen oder völlig
untergegangenen Games, die aber trotzdem Beachtung finden sollten. Ok, Ausnahmen bestätigen
die Regel.
Meine Wii führt mangels ansprechender Titel ein Schattendasein, da kommt es gerade recht,
dass ein Spiel von Licht und Schatten, Farbe und Dunkelheit, die Spinnweben der Wii-Mote lösen
sollte. Die Zutaten hören sich vielversprechend an: Ein klassischer Disneycharakter, ein düstere
unheimliche Welt jenseits der bunten Cartoonfiguren in einen Spiel von Warren Spector, der uns
schon mit Ultima Underworld, System Shock, Cybermage, Thief und Deus
Ex zeigte, wie gute Spiele auszusehen haben.
Ein finanzstarkes Unternehmen wie Disney sollte zudem Garant dafür sein, dass ein Spiel in
der bestmöglichsten Form zu Ende entwickelt wird, besonders dann, wenn der wichtigste Disneycharakter
Held der Geschichte ist. Ob die Vorschusslorbeeren und Messeauszeichnungen jedoch zum fertigen
Spiel Bestand haben, soll unser Review zeigen.
Die Entwickler haben für die Umsetzung die allbekannte Gamebryo Engine genutzt, die das Geschehen
auch mehr als ansehnlich auf den Bildschirm bringt. Trennen muss man sich aber von dem Gedanken,
dass man eine Disney typische bunte Heile-Gänschen-Welt zu Gesicht bekommt, schon Story bedingt
ist das nicht gegeben. Mickey Epic (im englischsprachigen Raum Epic Mickey, warum auch immer
diese unsinnige Deutsch-Stellung) spielt in einer düsteren Umgebung, mehr oder weniger die Schattenseiten
des Disney-Universums, in dem die vergessenen Figuren ihr Dasein fristen. Schuld daran ist aber
unser allseits beliebter und neugieriger Micky, der im Labor eines Magiers unvorsichtig war
und dort Verdünner über eine Modellstadt verschüttet hat, die aber keine Modelstadt war, sondern
der einst wunderschöne Lebensraum für die auf's Abstellgleis verfrachteten und in Vergessenheit
geratenen Figuren. Allen voran der Hase Oswald, der dort das Sagen hat. Jahre ziehen ins Land
und Mickey wird zum Star, doch eines Nachts wird er in die Schattenwelt gezerrt und muss sich
dem Stellen, was er vor Jahren verursacht hat … und das Hase Oswald nicht unbedingt zu seinen
Freunden zählt, dürfte klar sein.
Die Engine vermag es gut, die teilweise vom Verdünner ausgemergelte Welt mit ihren teils
verätzt und gealtert aussehenden Gebäuden, teils aber auch comicbunten Bereichen darzustellen,
das wurde gut und ansprechend umgesetzt. Abwechslung wird ebenso geboten, denn Mickys Reise
führt durch die unterschiedlichsten Umgebungen, von Pirateninseln, Geisterschlössern und Dschungelpfaden,
bis hin zu einer Zukunftsstadt. Die Figuren wurden ebenso liebevoll umgesetzt und gut animiert,
Micky bewegt sich so, wie aus den Cartoons gewohnt und die Bewohner der Orte kennt man aus den
Schwarz-Weiß-Uralt-Filmen, was aber zugleich deren Variationsreichtum einschränkt. Faktisch
sehen alle gleich aus, mit Ausnahme einiger Schlüsselfiguren und Bosse, wie z.B. Kater Karlo,
Smee oder Captain Hook. Was mir nicht gefallen hat, sind die Comicbuch-artig eingebundenen Zwischensequenzen.
Sie wirken stilistisch überhaupt nicht passend, weil sie eher den Cartoonstil der 60-70 Jahre
präsentieren und nicht dem ansonsten 30er Look des Games. Die mit der Engine erzählten Zwischensequenzen
sehen hier viel stimmiger aus.
Negativ bei der technischen Umsetzung fällt auch auf, dass das Spiel viel zu dunkel daherkommt.
In dunklen Passagen, von denen es eine Menge gibt, sieht man einfach nichts. Da das Spiel keine
eigenen Einstellungen für Helligkeit oder Gammawert besitzt, umso ärgerlicher, wenn man seinen
mühevoll kalibrierten High-End LCD umstellen muss, nur um ein Spiel ordentlich spielen zu können.
Musik und Sound stimmen und unterstützen die Spielstimmung gut, auch wenn es hier einige
Einschränkungen gibt. Warum muss man in der Piratenwelt unbedingt den "Fluch der Karibik Sound"
nachaffen? Der Disneyfundus bietet hier sicher passendere Vorbilder. Dass das funktioniert,
zeigt der Komponist ja, wenn er z. B. auf der Mean Street das aus den Freizeitparks bekannte
"It's a small world" Thema integriert. Dennoch gibt es hier nichts zu beanstanden und die Soundumsetzung
ist als ausgesprochen gelungen zu bezeichnen - besonders im Finale kommt dann der herzerwärmende
Disneysound vollends zur Geltung.
Das Spiel hat keinen wählbaren Schwierigkeitsgrad und speichert automatisch, leider ein wenig
zu oft, denn es kam häufiger vor, dass man in Situationen kam, an denen man gerne einen Checkpunkt
vorher erneut spielen würde, dann nämlich, wenn man nicht mehr in den vorherigen Bereich zurück
kann oder sich bei der Lösung eines Rätsels für einen anderen Ansatz entscheiden will. Das geht
dann leider nicht mehr, denn der Spielstand wird ständig überschrieben. Für Secretsucher eine
echte Pein. Die Steuerung wird diesmal im Bereich Gameplay besprochen, deswegen, weil er sich
extrem auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt und zudem auch das größte Defizit Spieles darstellt.
Doch wie spielt sich nun das 3rd Person Action Adventure Micky Epic ? Ein ordentlich gemachtes
Tutorial, das Micky auch gleich mit einem seiner Widersacher bekannt macht, erklärt die notwendigsten
Manöver. Micky wird mit der grundlegenden Bewegungsoptionen vertraut gemacht und erlernt kurze
Zeit später auch den Umgang mit dem magischen Pinsel, den er, gesteuert über den Zeiger der
Wii-Mote, auf den Screen punktgenau palzieren kann. Damit kann er unmittelbar sein Umfeld beeinflussen.
Ausgelaugte Gegenstände kann er mit Farbe auffrischen und im Gegensatz dazu ihnen mit Verdünner
die Farbe wieder abwaschen und so auch ihre Form verändern. So kann er defekte Brücken wieder
herstellen oder auch wieder zerstören, entsprechende Mengen Farbe oder Verdünner vorausgesetzt.
Nachschub findet er in umliegenden Gegenständen wie Fässern oder Kisten, die er mit einer Wirbelattacke
öffnen kann, ebenso hinterlassen erlegte Gegner Nachschub.
Dass die Wirbelattacke wie gewohnt mit dem Hin und Her schütteln der Wii-Mote erfolgt ist
mittlerweile wohl auf der Wii ein Steuerungszwang, um den Motionaspekt zu unterstützen. Ich
empfinde das als unnötig und ärgerlich, zumal man dann auch nicht zeitgleich mit dem Farbmarkierer
agieren kann und somit die WiiMote um weitere Steuerungsmöglichkeiten beschneidet. Warum die
Entwickler immer noch, selbst nach 5 Jahren, diesen dummen Fehler machen, kann ich nicht verstehen,
warum nicht einfach Button X für einen Angriff nehmen, andere Attacken gibt es ohnehin nicht.
Damit beschneidet man nur den Gamefluss, da jetzt nicht mit Farbe oder Verdünner Gegner angegriffen
werden können. Dass man beim Hin und Her Rütteln gleichzeitig nicht mit der WiiMote zielen
kann, sollte jedem klar sein, vom Tennisarm einmal ganz abgesehen.
Doch zurück zum Färben und Entfärben. Im Prinzip ist das "Terraforming" seit Red
Faction nichts Neues mehr, nur hat es hier einen neuen Namen und sieht zugegebenermaßen
auch schön aus. Jedoch sind die umformbaren Gegenstände stark begrenzt, zumindest die, die sich
spielrelevant auswirken, ansonsten geht nur etwas Lack von der Fassade ab.
Micky bekommt zu Beginn des Spiels einen Begleiter an die Seite gestellt, der ihn durch das
Tutorial begleitet und weiterhin mit Tipps versorgt. Kobold Gus hilft ihm, wenn es darum geht,
die Schwachstellen der Gegner zu erkennen. Im Prinzip hat Micky bei fast allen Gegnern die Option,
sie zu seinen Freunden zu machen, indem er ihre vom Verdünner verseuchten Körper mit Farbe auffrischt,
worauf hin sie ihm dann zur Seite stehen - oder er schlägt sich auf die Dunkle Seite der Macht
und löscht ihnen das Cartoonlicht mit Verdünner aus, und sie enden als Farbsuppe auf dem Boden.
Im weiteren Spielverlauf bleibt es aber nicht so einfach, es gibt Gegner, deren Panzer erst
mit Verdünner geknackt werden muss und sollte man Farbe auf sie spritzen, erneuert sich die
schützende Hülle. Dann gibt es fiese Besen aus Fantasia, die selbst Verdünner ausspeien und
so das Umfeld einschmelzen oder bereits befreundete Gegner wieder entfärben. Levelbosse müssen
etwas trickreicher angegangen werden, doch auch hier hat Mickey die Option, sie mit Farbe zu
Freunden zu machen oder sie mit Verdünner zu erledigen.
Hat Micky die ersten Hürden und den Tutorial Level überstanden, landet er auf der Mean Street,
dem Verbindungsknoten zwischen den einzelnen Ortschaften des Universums. Hier geht es vorerst
friedlicher zu, er kann mit den Bewohnern sprechen, die ihm kleinere Aufgaben stellen und, sollte
er sie erledigen, mit besonderen Gegenständen und ein paar E-Tickets, der Währung im Spiel,
entlohnen. Er kann den Eisladen besuchen, ein Detektivbüro, das Museum oder auch Kater Karlo
im Rathaus einen Besuch abstatten. Doch bei den kleineren Dienstleistungen auf der Mean Street
kann es nicht bleiben, denn es gilt weiterhin, die Welt vor dem Untergang zu retten. Daher muss
Micky sich Zugang zum nächsten Ort verschaffen, aber die Projektionsleinwand, die als Verbindungsportal
dient, ist defekt. Doch der freundliche Kobold kann sie mit ausreichenden Energieknoten wieder
in Gang bringen. Das ist im Prinzip auch das Schema, um weiter im Spiel voran zu kommen. Hat
man genügend Energieknoten gesammelt, repariert der Kobold ein entsprechend neues Portal. Durch
die kleineren Gefälligkeiten auf der Mean Street und dem Kauf eines Energieknoten im Einkaufsladen
kann Micky genügend Energieknoten aufbringen, damit der Kobold das Portal aktivieren kann. Damit
geht es dann für Micky in die nächste Stadt namens Oz Town.
Damit Micky die Stadt aber erreicht, muss er erst in die Projektorwand springen und durch
einen alten Cartoon, der in Form eines mehr als einfach gestrickten 2D Jump & Run Level präsentiert
wird, reisen. Ich empfinde das als einen unnötigen Stilbruch, von der recht ansehnlichen, identifikationsleichteren
3D Ansicht in einen Old-School 2D Jumper zu wechseln. Hier kann man zwar ein paar E-Tickest
und Filmrollen für weitere Boni sammeln, spielerisch bringt das aber nicht viel zum Gesamtempfinden
und nervt durch die missratene Steuerung mehr, als es gut tut. Zudem muss man, jedes Mal, wenn
man die Ortschaften wechseln will, wieder durch diese Level - und man wird oft, mehr als oft,
für kleine Dienstbotengänge von den Bewohnern der einzelnen Ortschaften, dazu gedungen. Das
törnt mehr ab, als es Spaß macht. Oh, Klarabella will ein Eis aus der anderen Ortschaft? Was,
Blumen aus Oz Town in die Piratenwelt? Oh, das geht ja nur über die Mean Street, also gleich
viermal durch die 2D Jump & Run Level. Ich habe es dann nachher gelassen, jeden kleinen Auftrag
zu erfüllen.
Die 3D Level, die sich den Ortschaften anschließen, machen da schon mehr Spaß. Man muss defekte
Fahrgeschäfte reparieren, indem man Ersatzteile findet oder mit Verdünner deaktivierte Zahnräder
mit Farbe wieder herstellen, Kobolde befreien, die Micky weiterhelfen, Türen öffnen oder Mechanismen
wieder instand setzen. Es gibt hier einige wirklich schöne Knobeleien, besonders wenn man es
darauf anlegt, alle Aufgaben in einem Level zu erledigen, was nicht einfach ist. Es gibt gut
versteckte Gegenstände, die unter Einsatz vom Verdünner entdeckt werden wollen, wie z. B. die
Teile von mechanischen Ebenbildern von Mickys Freunden. So warten Roboter-Versionen von Goofy,
Donald und Daisy auf ihre Instandsetzung. Dabei handelt es sich aber vielmals um Zusatzaufgaben,
die nicht notwendigerweise für den Spielplot gelöst werden müssen. Um die Aufgaben und Rätsel
anzugehen, ist es jedenfalls notwendig, den Level genau zu erkunden und überall mal ein wenig
Verdünner zu entleeren, vielleicht findet man ja etwas oder aktiviert dadurch ein Ereignis.
Micky bekommt auf seiner Reise zudem auch noch ein paar Gadgets. Ihm stehen Wächter zur Seite,
die er, einmal aufgenommen, auf die Feinde hetzten kann und sie ihm im Kampf unterstützen. Sie
gibt es in zwei Versionen. Wächter auf Basis von Farbe und von Verdünner, die entsprechend gleichlautenden
Schaden verursachen. Ebenso erhält Micky später noch drei zusätzliche Items. Einen TV, den er
im Umfeld platzieren kann, um Stromversorgungen zu aktivieren oder einfach nur, um Gegner mit
dem TV Programm kurzzeitig abzulenken. Ein Amboss kann dazu benutzt werden, um ihn auf Gegner
zu werfen, Bodenschalter zu aktivieren oder als Gegengewicht zu dienen. Ebenfalls ist noch eine
Stoppuhr dabei, die die Zeit für Gegner und Umfeld verlangsamt. Diese Items sind jedoch auf
eine bestimmte Anzahl limitiert und können nicht unbegrenzt eingesetzt werden. Im Prinzip braucht
man sie allesamt sicher nur 4-5 Mal für das Hauptquest, ansonsten sind sie kaum notwendig.
Und hier zeigt sich auch ein grundlegendes Problem am Spieldesign von Micky Epic, es enthält
viele Optionen, nutzt sie aber nicht relevant. Man erhält für das Lösen kniffliger Aufgaben
unzählige Medaillen und Auszeichnungen, spielrelevant sind sie jedoch nicht, sie sind lediglich
ein statistischer Wert. Hier fehlt der Zusammenhang zum Spiel völlig. Das einzige, was sich
Charakter-technisch auswirkt, ist das Einsammeln der Filmrollen in den 2 D Leveln, hierfür bekommt
man am Kino der Mean Street Boni freigeschaltet, wie z. B. zwei alte Originalcartoons und vor
allem aber auch Verbesserungen für den Helden, wie zusätzliche Lebensherzen oder erhöhte Tragfähigkeit
von Items. Das ist es aber dann auch schon. Schöner wäre es doch gewesen, wenn man für eine
tolle Heldentat einen Bonus erhalten hätte und nicht für das stupide Einsammeln von Gegenständen
in den 2D Jump & Run Passagen.
Micky Epic wäre noch befriedigendes Spielerlebnis gewesen, gäbe es da nicht das absolute
No-Go: die Steuerung und die Kameraführung. Das Jump & Run und 3rd Person Action Adventure ist
ja seit jeher mein Metier und ich habe daher auch ausreichend Vergleichsmöglichkeiten. Wie es
ein solches AAA Produkt mit diesen Mängeln durch die Qualitätssicherung und Probespielersessions
geschafft hat, ist mir ein Rätsel. Die Kamerasteuerung von Mickey Epic gehört eindeutig zu den
schlechtesten aller Zeiten, und ich rede hier nicht von den letzten paar Jahren, sondern wirklich
von den Ursprüngen der 3D Games. Hier haben die Ursprünge der 3D Games wie Mario 64, die sicher
auch ihre Probleme hatten, dennoch die Nase um Längen weiter voraus als das hier vorliegende
Micky Epic. Es scheint, dass die Entwickler hier einen Modus integriert haben, damit man die
besten Screenshoots machen kann, sicher aber nicht, um dem Spieler die notwendige Übersicht
zu verschaffen. Es ist wirklich kaum zu glauben, aber die Kamera nimmt selbstständig fast immer
die absolut ungünstigste Position ein. Gegner werden nicht richtig gesehen, Fallen und Abgründe
ebenso wenig, so dass man oft gezwungenermaßen einfach auf gut Glück springen muss. Man wird
praktisch das ganze Spiel über dazu gezwungen, die Kamera selbst immer manuell auszurichten.
Das wäre ja noch vertretbar, aber oft kann die Kamera an bestimmten Stellen nicht selbst gesteuert
werden - und das sind zumeist Stellen, an denen es am notwendigsten wäre. Was hat man davon,
wenn der Bereich, in den man springen will, sich am unteren nicht sichtbaren Bildschirmbereich
befindet, dafür aber der gesamte Hinterbereich den Screen einnimmt, aus dessen Richtung man
kommt? Sich mit Gegnern in engen Räumen oder Gängen ein Gefecht zu liefern, endet zwangsweise
im Chaos. Die Kamera spielt verrückt, dreht sich, man verliert die Orientierung oder sieht gar
nichts mehr, weil die Spielfigur und die Gegner verdeckt werden. Die Gegneraufschaltung bringt
hier ebenso wenig Übersicht. Das Spiel zwingt den Spieler förmlich dazu, seine Scharmützel dort
auszutragen, wo man mit den wenigsten Kameraproblemen zu rechnen hat, was bedeutet, im freien
Feld. Wobei dadurch strategische Punkte wie Felsvorsprünge oder Kisten meist gemieden werden,
weil es nicht richtig funktioniert. Dieser Effekt tritt zwar nicht immer auf, doch dominiert
er sicher den gesamten Spielverlauf. Weitere Beispiele: Micky muss Generatoren ausschalten,
die Roboter produzieren. Also muss er erst den Roboter erledigen, damit die empfindliche Stelle
des Generators beim Öffnen und Freilassen eines neuen Roboters beschädigt werden kann. Klasse!
Micky steht direkt vor dem offenen Generator, doch der Zeiger der Wii-Mote lässt sich von dieser
Position nicht direkt auf den Generatorkern lenken, die Kamera weigert sich ein paar Zentimeter
darunter einfach, weiter nach oben zu fahren! Sprich: neuer Versuch, denn nach dem Einnehmen
einer neuen Position hat sich das Tor bereits wieder geschlossen.
Zu der absolut missratenen Kamera gesellt sich dann auch noch eine suboptimale Steuerung
der Figuren, von dem bereits erwähnten WiiMote-Rüttel-Angriff ganz zu schweigen. Micky Epic
hat ein Steuerungsproblem, dass schon unzählige Uralt-Jump & Runs aufweisen: Komisches Sprungverhalten.
Es zu beschreiben ist nicht ganz einfach, wer das Problem aber kennt, dem wird es schnell bewusst.
Die Sprungkurve der Figur und die Kollisionsabfrage am Plattformrand bewirken, dass Micky oft
einfach gegen die Kante oder darunter prallt, um wieder unten zu landen. Unpräzise und schwabbelig,
so dass gefühlt jeder dritte Sprung nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Wer Tomb Raider
1 kennt, ahnt ungefähr, was auf ihn zukommt, ich finde es aber bei Micky noch schlimmer ausgeprägt.
Tomb Raider war da zumindets berechenbarer. Micky bleibt zwar auch an Vorsprüngen hängen und
zieht sich hoch, aber meistens kickt er einfach gegen die Wand und zurück. Hier fehlt wirklich
eine ordentliche Feinabstimmung und gut Steuerbarkeit sollte bei einem Produkt der heutigen
Zeit ein Muss sein. Hinzu kommt noch die selbstständig drehende Kamera und die Notwendigkeit,
die Sprungrichtung mit der Kamerabewegung zu synchronisieren, denn der Blickwinkel beeinflusst
die Laufrichtung. Das bedeutet: im Sprung die Richtung nachkorrigieren. Sowas endet dann leider
viel zu oft in Try & Error, als es einem lieb ist und bedenkt man, dass Disneyspiele eine zielgruppengerechte
leichte Zugänglichkeit als Pflichtvorgabe enthalten sollten, wiegt dies doppelt so schwer.
Try & Error ist nicht nur bei den auswendig lernen der Sprungpassagen Pflicht. Es gibt auch
genug andere Spielfeatures, die das einfordern. So z. B. gegen Ende des Games, wo es einen Turm
zu erklimmen gilt. Unter Micky brechen dann z. B. Treppen weg, die ihr Zusammenbrechen jedoch
nicht ankündigen bzw. so schnell unter ihm einstürzen, dass man sich auch mit schneller
Reaktion nicht in Sicherheit bringen kann. Hier heißt es einfach, auswendig lernen, wo man später
hintreten darf und wo nicht. Ein weiteres Beispiel von fehlendem Feintuning: Eine Orgel muss
repariert werden und das geschieht durch das Springen auf die vorgegebene Orgeltaste. Erreicht
man diese nur Sekundenbruchteile zu spät, darf man neu anfangen, das Lied nachzuspielen. Dazu
ist zu erwähnen, dass die Tasten weiter auseinanderliegen und sollte man nicht schon vor dem
Blinken der Taste in die entsprechende Richtung laufen, kann man es zeitlich nicht mehr schaffen.
Das bedeutet, dass man das Rätsel nie im ersten Anlauf, bei noch so guten Reaktionen schaffen
kann, sondern nur durch herantasten und auswendig lernen. Hinzu kommt natürlich noch die hierfür
zu unpräzise Steuerung, so dass man gerne mal auf zwei Tasten landet.
Einmal durchgespielt kann man eine neues Spiel starten, bei dem man die bereits erhaltenen
Auszeichungnen behält und versuchen kann, die restlichen zu finden. Als letztes sollte
noch das inflationäre Geldsystem erwähnt werden. Man kann in Shops z.T. nicht erhaltene
Gegenstände nachkaufen. Wenn man z.B nicht mehr in den Level zurück kann, um z. B.
Goofy Ersatzteile zu suchen. Das aber kostet eine Menge. 1000 E-Tickets pro Teil und mit der
Vergabe ist man nicht gerade verschwenderisch. Ich habe vielleicht das gesamte Spiel über
2500 E-Tickets gesammelt (abzüglich der notwendigen "Rechnungen" für Questgeber).
Pro Durchlauf eines 2D Levels erhält man vielleicht so um die 40-50 Tickets. Da kann man
sich ausrechnen, wie lange man "farmen" muss.
Bugtechnisch machte sich nur ein kleiner Fehler negativ bemerkbar. In einem Quest sollte
man mit Verdünner unsichtbar gemachte Pflanzen wieder herstellen. Hat man aber bereits vor Questannahme
ein paar Pflanzen mit Farbe hergestellt, hat der Zähler diese nicht mit berücksichtigt. Das
Quest konnte aber dennoch beendet werden.
Fazit
Ich hab mich echt auf Micky Epic gefreut. Ich mag die Disney Charaktere, das Setting hörte
sich interessant an und der Name Warren Spector lies Gutes hoffen. Doch Micky Epic ist für mich
eine Enttäuschung geworden. Die absolut unzulängliche Kamera und die Steuerungsdefizite lassen
in den ca. 15 Spielstunden so viel Frust aufkommen, dass das eigentliche Spiel darunter verloren
geht. So mag es vielleicht auch unfair klingen, aber rückblickend bedauere ich, das Spiel gespielt
zu haben, weil zu viel Negatives in Erinnerung bleibt. Die Schwelle das Negative mit dem Positiven
abzuwägen wird hier eindeutig von den negativen überschattet. Micky Epic wäre aber ohne die
Defizite als Spiel nicht gut genug, um sich mit solchen Mängeln arrangieren zu können,
dafür enttäuscht es auf zu vielen Ebenen. Die Erkundungsfreiheit wird eingeschränkt, da man
nicht mehr an alle Orte zurück kann, die schlecht gemachten 2D Jump & Run Teile und die Comic-Zwischensequenzen
sind ein Stilbruch, der den Spieler aus der Atmosphäre reißt, zu viel Kleinkram-Dienstbotenquests
verwässern die Story und Belohnungen wirken sich meist nur statistisch aus. Was mich aber vor
allem enttäuscht ist, dass mich das Spiel nicht mitgerissen hat. Der Funke springt nicht über
und es wirkt eher wie eine herzlose Auftragsarbeit um nach Strichliste Features abzuhaken, was
jedoch durch das ständige Aufregen der miesen Kontrolle herrühren mag. Wenn ich an die PS2-
Teile der Kingdom Hearts Serie denke,
die den Spieler gleich von Anfang an mitgerissen haben, weiß ich, was ich an Micky Epic vermisse.
Die Figuren, ihr Charme, die Settings und gewählten Disneycharaktere kamen hier viel besser
zur Geltung. Freundschaft und Aufopferung, ein Thema bei Micky Epic, wird praktisch erst im
finalen Abspann genutzt, das zwar dann ganz nett in Abhängigkeit davon, ob Micky Gegner verschont
oder Freunde gerettet hat, aber das reicht nicht, um das Spiel insgesamt mit Atmosphäre zu versorgen.
Ich weiß auch nicht, ob die miese Kamera und unzulängliche Steuerung das Spielempfinden bei
mir so drückt, dass ich das eigentliche Game darunter nicht wahrgenommen habe, aber auch wenn
dem so ist, haben die Designer ihr Ziel verfehlt. Ich würde Micky Epic auch mit besserer Steuerung
nicht mehr als ein Befriedigend geben. Im jetzigen Zustand reicht es nur für eine 4+. Das im
Text mehr gemeckert wird als über den Spielablauft trifft es daher ganz gut, denn so passt
der Text anteilmäßig zumindest zum Spielempfinden. Es gibt nicht unwahrscheinliche
und nachvollziehbare Gerüchte, dass Nintendo zum Japan-Release des Spiels den Entwicklern bei
der Kameraüberarbeitung aushelfen will - nötig wäre es.
Geschrieben am 20.06.2011, Testkonfiguration: Wii
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