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Mortyr
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 | Info |
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| Autor | | 3+ |
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| Gesamt (29 votes) | | 3 |
 |   | | 1.7 |
 |   | | 1.2 |
 |   | | 1.4 |
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| Name: | Mortyr |
| Genre: | Egoshooter |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2001/03 |
| Publisher: | Midas Interactive |
| Entwickler: | Mirage |
| Hardware: | 200MMX-Mhz, 32MB RAM, 4MB 3D-Karte D3D, HD 490 MB |
| System: | Win 95/98/ME, DX6 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | ja |
| Serie: | ja |
| USK: | 18 |
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In den letzten Jahren war zu beobachten, dass die Beiträge von Programmierschmieden
aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks zum Bereich der PC-Spiele beständig
zunahmen.
Allein im Bereich der Shooter fallen mir spontan das kultige ukrainische
"Chasm - The Rift" (besonders beliebt wegen seiner an Monty Pythons "Schwarzen
Ritter" erinnernden Amputationsmöglichkeiten) oder das gerade durch den
Coop-Modus bei Netzwerkparties sehr beliebte "Serious Sam" (Kroatien)
ein. Ob der polnische Vertreter "Mortyr (2093-1944)" in dieser Liga qualitätsmäßig
mithalten kann, soll der folgende Test zu klären versuchen.
Die auf den ersten Blick eigenartige Jahreszahlenangabe führt uns schon
zum Kern der Story dieses Spiels. Erfahrene Trekkies werden natürlich
sofort an Brüche im Raum-Zeit-Kontinuum gedacht haben, die wohl jeder
Besatzung von Enterprise oder DS9 schon Kopfschmerzen bereiteten. Und
tatsächlich steht eine Zeitmaschine im Mittelpunkt der Handlung von "Mortyr".
In der deutschen Version des Spiels, die dem Test zugrunde liegt, tritt
in der Endphase des Zweiten Weltkrieges plötzlich eine "Chronotech Corporation"
genannte Organisation auf, die aus dem Nichts auf riesige, mit unheimlichen
Waffen ausgerüstete Söldnerarmeen zurückgreifen kann und mit ihnen 1947
endgültig die Weltherrschaft erobern kann. Nun muss ja ein Computerspiel
nicht zwingend realistisch sein, aber man könnte ja schon die Frage stellen
wie Chronotech anfangs ein Hersteller militärischer Computer(!)chips gewesen
sein soll (dies versucht uns nämlich das Handbuch weiszumachen, mit dem
Erfolg, dass Konrad Zuse im Viertelstundentakt in seinem Grab zu rotieren
beginnen wird) oder auch ob die Nazis denn dann zusammen mit den Alliierten
gegen die Chronotech gekämpft haben? Nun, die banale Antwort ist, dass,
wie schon oft geschehen, ein PC-Spiel nicht nur in seinem Brutalitätsgehalt,
sondern auch in seinem Storyrahmen konsequent für den deutschen Markt
zurechtgestutzt wurde, mit ähnlich fatalen Folgen für innere Logik und
Handlung wie bei Half-Life, wie gleich klar werden wird.
Zuvor noch einige Worte zum Helden des Spieles, dem namensgebenden Sebastian
Mortyr. Dessen Vater Jürgen (ein Sicherheitsoffizier bei Chronotec) versucht,
den am Ende des 21. Jahrhunderts vermehrt auftretenden und verheerenden
Naturkatastrophen auf den Grund zu gehen und findet die Ursache in der
nicht mehr richtig zu kontrollierenden Zeitmaschine, die 1944 erstmals
in Betrieb genommen wurde und es der Corporation ermöglichte, Soldaten
und Waffen aus dem 21. Jahrhundert zur Eroberung der Erde des 20. herbeizuschaffen.
Um dies rückgängig zu machen, soll Sebastian mit der Zeitmaschine zurückreisen
und sie zusammen mit der fatalen Zeitlinie zerstören. Nun stellt sich
die Frage, wieso er zu Beginn des Spieles beziehungsweise während des
gesamten ersten Teiles ausgerechnet gegen (trotz einiger grafischer Veränderungen)
relativ eindeutig zu identifizierbare deutsche Soldaten kämpft. Von Chronotech
weit und breit keine Spur, stattdessen feiern altbekannte braune und schwarze
Uniformen fröhliche Urständ´. Ein Blick auf das Originalspiel löst dieses
Paradoxon jedoch schnell auf, denn ursprünglich waren es die Nazis, die
mit Hilfe der Zeitmaschine den Krieg noch gewinnen und die Welt unterjochen
konnten.
Das konnte man offensichtlich hierzulande nicht durchgehen lassen, mit
den schon angedeuteten Kollateralschäden bei der Handlung des Spiels.
Neben der Rahmenhandlung wurden entsprechend auch graphische Details wie
Fahnen oder Bilder herausgenommen. Da Programmierern und Publishern aber
sicher keine andere Möglichkeit blieb, um das Spiel hier überhaupt auf
den Markt zu bringen, werde ich sie dafür auch nicht in der Wertung abstrafen.
Wie schon angeklungen, besteht das Spiel aus zwei großen Teilenl, in
der ersten Hälfte bewegt man sich größtenteils in mittelalterlichen und
monumentalischen Burgen oder Friedhöfen, später dann ausschliesslich in
futuristisch designten Gegenden.
Auch die Waffen werden diesen Gegebenheiten angepasst, darf man zunächst
mit Stabhandgranaten, Mauser und Flammenwerfer operieren, wechselt man
später dann zu Lasergewehren um die dann auch oft aus Robotern bestehenden
Gegnermassen zu pulverisieren. Die Steuerung ist meines Erachtens etwas
schwammig, ausserdem ließ sich die mittlere Maustaste nicht belegen (was
nicht jeden so sehr wie mich stören wird) und man vermisst vor allem eine
interne Gammaregelung, denn speziell auf neueren Grafikkarten ist das
Spiel unglaublich dunkel. Neu ist, dass man mit jeder Schusswaffe snipen
und Healthpacks oder Armor auf Vorrat mitnehmen kann. Bei Bedarf lässt
sich dann mit ihnen die Rüstung und die Lebensanzeige wieder auffüllen.
Die KI der Gegner lässt leider, wie so oft, zu wünschen übrig, wenn man
einen aus der Ferne erschiesst, beginnen die Nebenmänner nur wie angestochen
in der Gegend herumzurennen. Einige Seitwärtsschritte oder -rollen beherrschen
sie allerdings, ein gesteigerter Schwierigkeitsgrad äußerst sich jedoch
nur darin, dass sie viel genauer schießen und gerade mit den schweren
MP´s machen sie so viel Schaden, dass man sich doch sehr schnell wieder
in die von Katastrophen heimgesuchte Zukunft zurückwünscht.
Auch sind die Animationen aller Kreaturen recht hölzern, was uns zum
graphischen Aspekt des Spiels bringt. Hier muss man, wie meines Erachtens
überhaupt nötig, zwischen den beiden Hälften des Spieles unterscheiden.
Im ersten finden sich einige wirklich gut gelungene Level, die eigens
für das Spiel entwickelte Engine kann speziell bei Lichteffekten und Spiegelungen
durchaus überzeugen, gerade bei den kirchenähnlichen Räumen in den Burgen
des ersten Teils finden sich eine ganze Reihe nett anzuschauender Details,
von einem kaputten Panzer namens Rudy (!) bis hin zu Schneefällen und
monumentalen Statuen. Später wird es aber meines Erachtens ganz furchtbar,
die Level, die in der Zukunft spielen, sind sehr langweilig und lieblos
gemacht, das Spielen wird mehr und mehr zur Qual, was nicht zuletzt auch
am Spielprinzip liegt. Das besteht ausschliesslich im Finden von Schlüsseln
(speziell hier wird die Anlehnung an das auch thematisch vorbildliche
Shooter-Frühwerk von ID mit dem tierischen Namen eindeutig übertrieben)
oder Bestandteilen der Zeitmaschine. Animierte Zwischenszenen findet man
keine, auch die Endsequenz ist ein Witz und besteht nur aus einem kurzen
Film, über dessen das Spiel abschliessenden "Inhalt" ich aber aus Pietätsgründen
lieber schweigen möchte.Die Handlung wird nur durch ein paar Stimmenhinweise
und aufgefundene Bücher vorangetrieben.
Der Sound ist auch eher dürftig, einige der deutschen Soldaten rufen
beispielsweise ihre Texte wie "Halt" stellenweise mit sichtbar englischem
Akzent. Die Musik ist ebenso kaum erwähnenswert.
Mortyr ist in erster Linie ein Singleplayerspiel, wobei auch ein Coop-Modus
und einige Multiplayer-Maps enthalten sind, für die man allerdings kaum
Server findet.
Positiv wäre zu erwähnen, dass mir keine schwerwiegenden Bugs begegnet
sind, für ein auf einigen Systemen auftretendes Problem mit dem CD-Laufwerk
existiert ein kleiner, aus einer *.dll bestehender Patch.
Eine abschliessende Wertung fällt nicht so leicht. Wollte ich allein
die deutsche Version bewerten, könnte ich viel mehr als eine 3 kaum verantworten,
da nur die Hälfte des Spieles einigermaßen ansehnlich und interessant
war und auch sonst keine besonders herausragenden Elemente feststellbar
sind. Da es in der Originalversion aber einige Details gab, die zumindest
Leute mit etwas abseitigem Humor lustig finden könnten und ich für die
Kastrierung letztlich nicht Mirage die Schuld geben kann oder will, ringe
ich mich zu einer 3+ durch. Da "Mortyr" jetzt als Budgetversion erhältlich
ist, können Shooterfans für ein paar Euro ihre Sammlung komplettieren,
wenn sie kein Genrehighlight erwarten. Freunde anspruchsvollerer Spiele
sollten ihr Geld jedoch lieber in die ebenfalls günstig erwerbbaren Deus
Ex oder System Shock 2 investieren.
Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version meines Reviews, der bereits
auf der Seite GUN veröffentlicht wurde.
Geschrieben am 01.10.2001, Testkonfiguration: Duron850, GeForce2 MX, 256MB Ram
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