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Okami
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 | Info |
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| Autor | | 1+ |
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| Team (2 votes, siehe hier) | 1+ |
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| Name: | Okami |
| Genre: | Action Strategie |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2007/02 |
| Publisher: | Capcom |
| Entwickler: | Clover Studio |
| Offiz. Sites: | Game |
| Hardware: | Playstation2 |
| System: | Playstation2 |
| Sprache: | Multilingual |
| Bemerkung: | auch für Wii |
| USK: | 12 |
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In der Gestalt eines weißen Wolfes stehe ich auf einem grünen Hügel und schaue in das dunkle
Tal, das von düsteren Nebel durchzogen vom Bösen heimgesucht scheint. Verdorrte Bäume und giftige
Nebelschwaden kennzeichnen die Grenze, hinter der Dämonen regieren, dessen Plan es ist, sich
Stück für Stück die noch blühende Landschaft einzuverleiben. Doch das darf nicht sein. Geschmeidig
und mit graziösen Bewegungen nehme ich Fahrt auf und durchschneide die hier noch grünen Auen
wie ein Pfeil, während Kirschblütenblätter langsam zu Boden schweben und im Dunstschleier meiner
Bewegungen Blumen und Gras emporspriessen. Das ist alles erscheint wie in einem Traum...
Der Regisseur John Milius sagte einmal, dass ein guter Film einem Traum sehr nahe kommen
sollte. Gleiches kann man dann auch auf ein Spiel übertragen, was zugegebenermaßen bis dato
höchst selten vorkam. Okami kann diese These, wie kaum ein anderes Spiel bisher, bestätigen.
Und damit haben wir die Katze den Wolf schon fast aus dem Sack gelassen. Okami ist eines
der beeindruckendsten und schönsten Spiele der letzten Jahre geworden. Der Ausdruck Gesamtkunstwerk
ist hier sicher nicht Fehl am Platze. Warum Okami zu einem der außergewöhnlichsten Spielerlebnisse
der letzten Jahre gehört, wird das Review hoffentlich vermitteln. Da schmerzt es schon, als
bekannt wurde, dass das Entwicklerstudio Clover Studios kurz nach Fertigstellung des Games von
Besitzer Capcom geschlossen wurde. Es wundert aber schon, wie die Macher der Viewtiful Joe Reihe
so dermaßen über sich hinauswachsen konnten.
Technik
Okami geht beim Graphikstil einen höchst unkonventionellen Weg, der selbst noch den von vielen
Spielern verpönten Comiclook von Nintendos Zelda Wind
Wakers übertrifft. Die Entwickler haben zur Umsetzung den Stil japanischer Aquarell- und
Tuschezeichnungen gewählt. Kaum vorstellbar, sollte man meinen, doch nach den ersten Spielminuten
kann man sich kaum noch vorstellen, dass Okami in irgendeiner anderen Form so hätte realisiert
werden können. Das ist sicher nicht das, was NextGen Jünger mit dem Anspruch auf pseudorealistische
Darstellung erwarten würden, doch das Ergebnis, das die Graphikdesigner hier erreichen konnten,
ist wirklich atemberaubend schön. Die Welt besteht aus sanften Pastellfarben, die auf dem immer
noch durchschimmernden Struktur des Papiers Form annehmen, was die Phantasie des Spielers sicher
mehr anregt, als ein bis ins letzte Detail umgesetzter Pixel, der kaum noch Raum für Eigenes
lässt. Die Figuren sind minimalistisch, dennoch aber ausreichend detailreich umgesetzt und ihre
Animationen erreichen die Ausdruckskraft der Pantomime. Selten hat man bisher einen so künstlerischen
Gesamtansatz in einem Computerspiel finden können. Doch Okami ist trotz des auf die Kunstform
der Aquarellzeichnungen beschränkten, dennoch eine absoluter "Hingucker" geworden. Wenn sich
die Heldin in Wolfsgestalt z. B. in anmutiger Bewegung über die Wiesen bewegt und hinter ihr
ein Dunst von Blüten und Blättern entsteht, wenn die Kirschblütenblätter durch die Luft schweben
und Windböen über die Hügel und Meere tanzen. Das alles sieht so großartig aus, dass man sich
kaum daran satt sehen kann, es ist erstaunlich, was aus der "alten" Playstation 2 noch herausgeholt
werden konnte. Erstaunlich deswegen, weil die Menge an Objekten auf dem Screen sehr hoch werden
kann und es niemals Performanceprobleme gab. Dies wird dann auch in den mit der Engine erzählten
Zwischensequenzen mehr als deutlich, wenn die Heldin durch ihre Zauberkraft eine vormals verdörrte
Landschaft in ein wahres Blumenmeer verwandelt. Die Kamera rast über die Landschaft und die
vorher noch düstere Landschaft wird von wachsenden Blumen und sprießenden Gräser zum Leben erweckt.
Das sind richtige Gänsehautszenen, die das Spiel hier einmalig inszeniert bietet.
Über Abwechslung der Szenerien kann man sich ebenfalls nicht beschweren. Mit grünen Auen,
schneebedeckten Bergregionen, düsteren Tempelanlagen, Städten, Inseln und sogar einer Unterwasserstadt
bietet Okami eine weitreichende Palette und ein wunderschön und stimmig umgesetztes großflächiges
Spielareal. Dass der Aquarellstil nicht nur für die Darstellung der schönen Umgebung mehr als
geeignete ist, sondern auch dafür sorgt, dass die Bösewichte passend in Szene gesetzt werden,
wird spätestens beim ersten Dungeon und den riesigen Endbossen klar. Gigantische Spinnen, vielköpfige
Drachen und mechanische Ungetüme stellen sich dem Spieler in den Weg.
Der Sound steht der graphischen Umsetzung nicht nach. Passende Geräusche und eine wunderschön
komponierte Musik, die das japanisch mythologische Setting unterstützen, sorgen dafür, dass
man sich auch akustisch gleich nach Nippon versetzt fühlt. Ein Kritikpunkt, den Okami sich jedoch
gefallen lassen muss, ist, dass die "Phantasiesprache", wie man sie bereits aus vielen Computerspielen
her kennt, etwas missraten ausfällt. Zelda macht eine gute Umsetzung vor, Okami leider
nicht, denn hier fallen, auch aufgrund der oft recht langen Dialoge, die kurzen Phantasiesilben
negativ auf, die sich dauernd wiederholen. Das hört sich insgesamt zu künstlich an, wenn ein
langer Dialog aus nur drei verschiedenen Silben zu bestehen scheint, die zudem etwas zu schrill
klingen und schon fast nerven. Hier hätten mehr Variationen gut getan. Das ist aber auch wirklich
schon alles, was man Okami an technischer Umsetzung, wenn man es sehr kleinkariert sieht, vorwerfen
könnte. Technisch und künstlerisch ist Okami ein richtiges Kleinod geworden.
Die Steuerung geht leicht von der Hand und wurde innovativ umgesetzt. Probleme mit der automatischen
Kamera (die jedoch auch manuell gesteuert werden kann) traten so gut wie niemals auf. Einen
wählbaren Schwierigkeitsgrad gibt es nicht, gespeichert werden kann an entsprechenden Savepoints,
die in ausreichenden Abständen verfügbar sind, beliebig oft.
Gameplay
Oh Gott, womit fange ich bloß an? Vorweg ist zu sagen, dass Okami sicher das Spiel auf der
PS2 ist, das dem Zelda Gameplay am Ähnlichsten ist. Etwas, worauf PS2 only Besitzer sicher
schon Jahre gewartet haben. Dass Okami dann auch gleich qualitätsmäßig als "Erstlingswerk" in
der ersten Reihe tanzt, war aber kaum zu erwarten. Vom Gameplay lässt sich Okami entsprechend
als ein 3rd Person Action Adventure mit Charakterupgrade beschreiben. Angefüllt mit unzähligen
Nebenquests, einer spannenden Geschichte, liebevoll entwickelten Figuren und innovativen neuen
Gameplayideen ist es ein kleines Mekka für Liebhaber dieses Genres und solchen, die es werden
wollen.
Zur Geschichte soll nicht zuviel verraten werden, damit nichts von der packend inszenierten
Story gespoilert wird. Die Reise beginnt der Spieler als weiße Wolfsgöttin Amaterasu, kurz Ammy
genannt. Damit das Abenteuer nicht zu wortkarg verläuft und Wölfe bekanntlich nicht sprechen
können, gibt es einen mehr als redseligen Begleiter dazu, den man Ammy wortwörtlich wie einen
Floh in den Pelz gesetzt hat. Der erbsengroße Knirps Issun wird zum treuen Begleiter und Ratgeber,
kann seine vorlaute Schnute kaum bändigen und sorgt für so manch witziges Gespräch. Issun und
Ammy werden somit zu Dreamteam in der Welt von Nippon und müssen gegen die dunkle Bedrohung
bestehen, die das Land überschwemmt. Parallelen zu Twilight
Princess, in denen Link als Wolf und die Twilightprinzessin als Begleiter fungierte, sind
nicht von der Hand zu weisen. Das Team Ammy und Issun gefällt mir aber mit frecheren Dialogen
ein Stück besser, als das Zwilichtgespann.
Ein böser Dämon namens Orochi hat nach 100 Jahren Tiefschlaf erneut das Land überfallen und
hüllt es in Düsternis. Die Bäume sind verdorrt und alles sieht dem Untergang geweiht aus. Zeit
für eine Göttin, die versucht, ihre alten Kräfte wiederherzustellen, für Ordnung zu sorgen.
Das geht zunächst auch recht gemächlich mit einem Tutorial los und Ammy erhält ihre ersten Kräfte
zurück, womit wir auch schon bei dem höchst innovativen Gameplayelement wären: der Pinseltechnik.
Okami sieht nicht nur aus wie ein Aquarell, es muss auch im Spiel der Pinsel entsprechend geschwungen
und die Tinte aufs Papier gebracht werden. Dazu kann in den Pinselmodus gewechselt werden, der
die Spielszene praktisch in ein Stilleben verwandelt, das jetzt retouchiert werden will. Eine
defekte Brücke wird fertig gemalt, ein Fluß wird wieder mit Wasser versehen oder der kleinen
Oma im Dorf wird eine Wäscheleine gezeichnet, damit sie ihre Wäsche wieder aufhängen kann. Hier
merkt man schon, dass Okami ein bisher unverwechselbares Gameplay bietet. Mit Hilfe des kleinen
Issun, der Ammy immer mit Rat und Tat zur Seite steht, erlernt sie ihre alten Fähigkeiten wieder,
während sie das Land vor dem Unheil bewahrt und gefangene Gottheiten befreit, um als Dank ihre
Eigenschaft zu erhalten. Die Pinseltechnik wird damit zum elementaren Spielelement, sei es für
das Rätsellösen oder im Kampf. Über ein Dutzend vielfältige Techniken stehen der tapferen Wölfin
bis zum Ende des Spiels zur Verfügung. Eine der schönsten ist sicherlich die Macht, Ödes
und Verdorrtes wieder mit Leben zu erfüllten. Ein Kreis um das entsprechende Objekt gezeichnet,
sorgt für wahre Wunder. Aus einem verdorrten knöcherigen Baum wird wieder ein in voller Blüte
stehender Kirschbaum. In Sekunden sprießen die Blätter wieder hervor, Blüten öffnen sich und
danken es mit einem Farbenmeer. Das sieht so großartig aus und macht dermaßen Spaß, dass man
sich kaum daran satt sehen kann, besonders dann, wenn man eine ganze Region und den dazugehörigen
Wächtersprössling befreit hat und eine Welle an Grün wie ein frisch aufkommender Wind die gesamte
Landschaft in Farbe versetzt. Vergiftete Böden, erkennbar an den dort liegenden Tierknochen,
verwandeln sich in kleine grüne Oasen und locken neue Waldbewohner an, auch ein Mensch freut
sich, wenn Ammy ihn mit dem Kreis des Lebens umschließt und sie muss sich dann nicht wundern,
wenn sie aus Dankbarkeit abgeknutscht wird. Eine andere Technik ist der Pinselstreich, mit ihm
kann man Holzbarrieren zerstören, um weiter in den Arealen voran zu kommen, Steine zersprengen,
Geschosse zurückschleudern oder Gegner in den Kämpfen Einhalt gebieten.
Der Ideenreichtum der Entwickler ist hier wirklich einmalig und so kommen noch weitere, sehr
verschiedene Kräfte, hinzu, die man sich jedoch erst verdienen muss. Waren weite Wasserwege
anfangs noch unüberwindliche Hindernisse, erlaubt die Kraft, Seerosenblätter zu zeichnen, diese
Hürde jetzt zu überwinden, indem Ammy sich eine Brücke aus Blättern baut. Wasser kann später
manipuliert werden, um Fontänen aus bestimmten Stellen emporschießen zu lassen und wie auf einen
Fahrstuhl so auf höhere Ebnen gelangen zu können. Feuer und Blitze können umgeleitet, Bomben
gezeichnet, Windböen losgelassen oder Ranken an speziellen Blumen wie ein Seil genutzt werden.
Diese Kräfte lassen sich selbstredend auch kombinieren. Warum nicht mal ein Seerosenblatt zeichnen,
darauf Platz nehmen und einen Wind - die richtig gezeichnete Windrichtung vorausgesetzt- malen,
um dann über die Meere segeln? Eine Sonne zeichnen, um die Nacht zu beenden oder einen Mond,
um nachts auf Geisterjagd oder Schatzsuche zu gehen? Kein Problem, Okami bietet hier fast unerschöpfliche
Möglichkeiten für Secretsucher und Experimentierfreudige, die auch entsprechend für ihre vielfältigen
Versuche entlohnt werden.
Die Pinseltechniken werden wie bereits erwähnt für den Rätselteil, wie auch im Kampf eingesetzt.
Eine gemalte Kirschbombe hilft dabei eine Felswand zu sprengen, um das dahinter liegende Secret
zu finden, aber ebenso auch, einen Feind zu zerschmettern. Wind kann eingesetzt werden, um düstere
Nebel zu vertreiben oder um auf einem Seerosenblatt zu segeln, ebenso ist es aber bei einigen
Gegnern notwendig, ihre Abwehrtechnik zu umgehen. So gibt es böse Gesellen, die sich hinter
ihren japanischen Schirmchen verbergen und alle Angriffe blocken. Aber nicht, wenn man ihren
Schirm zur Schwäche macht, indem man dahinter einen starken Wind erzeugt und sie damit empor
schleudert, so dass sie von der Wucht gegen die Wand prallen und kurzzeitig wehrlos an Boden
liegen. Die Macht, die Zeit kurzfristig anzuhalten, kann bei besonders schnellen Gegnern Wunder
wirken, ebenso aber auch dazu genutzt werden, sich schnell an Wachen vorbeizuschleichen. Levelbosse
sind ebenfalls nie auf die einfache Hau-Ruck Methode zu besiegen, eine riesige Spinne lässt
sich nicht so leicht aufs Kreuz legen, es sei denn, man nutzt die Kraft der Ranken entsprechend
und befestigt diese so geschickt an ihren Beinen und an den Blüten, dass man sie praktisch damit
aufs Kreuz legt. Dann streckt sie für kurze Zeit die Glieder von sich und zeigt sich anfällig
für andere Attacken. Doch die Kraft des Malens reicht nicht für immer. Ammy muss damit haushalten
und dafür Sorge tragen, dass immer genug Tinte vorrätig ist. Sinnlos drauf los zeichnen ist
nicht, denn die Tinte regeneriert sich nur langsam wieder. Hier ist schon ein wenig Planung
gefragt.
Die Kämpfe finden bei Okami grundsätzlich in kleinen Arenen statt. Kämpfe kann man, sollten
es keine "Pflichtbegegnungen" sein, jederzeit selbst beginnen. Man erkennt Gegneraufkommen an
großen schwebenden Schriftrollen oder Dämonentoren. Berührt man diese, geht der Kampf los. Ammy
muss nicht nur auf ihre Pinseltechniken vertrauen, denn sie kann auch auf Waffen und Kampftechniken
zurückgreifen, die sie während des Spielens erhält, bzw. erlernen kann. Dazu gibt es Shops und
Lehrmeister, die gegen entsprechend Bares, dass in den Leveln zu finden oder durch besiegte
Gegner verdient wird, Ammy mit neuen Techniken versorgen. Spezialangriffe aus der Luft, Doppelschläge,
Ausweichsprünge usw., stehen auf dem wölfischen Lernplan. Sogar eine "Pinkelattacke",
um den Gegner anständig einzuschüchtern und die Drops erhöht. Dazu gibt es auch
Eigenschaften, die für das Weiterkommen in den Leveln notwendig sind, wie z. B. der Doppelsprung.
Andere Fertigkeiten erlauben die bessere Jagd nach Geheimnissen, wie die Fähigkeit, auch in
steinigem Untergrund graben zu können.
Ammy kann sich mit jeweils zwei Waffen ausrüsten, einer Haupt und einer Nebenwaffe. Für die
unterschiedliche Waffengattung und Kombination können wiederum spezielle Fertigkeiten erlernt
werden. Zwei ausgerüstete Spiegelwaffen erlauben spezielle Kombomoves, einige Waffen können
Angriffe reflektieren oder blocken usw. Damit Ammy ihre Fähigkeiten verbessern kann, wird sie
durch das Erfüllen von Quest und dem Begrünen der Umwelt entsprechend entlohnt. Sie erhält dafür
Glückskugeln. Füttert Ammy z. B. Tiere, erledigt sie Subquests oder erweckt einen Baum wieder
zu Leben, fliegen ihr die wertvollen Glückskugeln zu. Hat sie genügend gesammelt, kann sie ihre
Lebensenergie verbessern, das Tintenfass oder den Magen (für eine Wiederbelebung) vergrößern
oder eine dickere Geldbörse erhalten, die es ermöglicht, mehr Bares einzusammeln.
Geld ist auch im Land der Mythen ein wichtiger Faktor, da die Lehrmeister und Händler für
ihre Tätigkeiten entsprechend entlohnt werden wollen, wenn sie Ammy neue Waffen, Knochen zum
Auffüllen der Lebensenergie oder unterschiedliche Futtersäcke für die hungrigen Tiere anbieten.
Im Ausgleich kann Ammy aber auch dort die gefundenen Schätze zu Geld machen.
Die Story ist dramatisch, packend in Szene gesetzt und hat durch die witzigen Kommentare
von Issun genügend Schwung, um den Spieler auf Dauer bei Laune zu halten, ehrlich gesagt wären
mir einige der Dialoge schon ein wenig zu lang (-weilig) geworden, wäre da nicht Issun, der
die Gespräche oft vor dem Belanglosen rettet. So muss man sich nicht wundern, wenn der
kleine weibstolle Kerl beruhigt feststellt, dass der netten Dame und ihren "beiden Freunden"
unterwegs nichts passiert ist. Dazu muss erwähnt werden, dass die Dame alleine losgezogen ist
;). Ammy kommentiert dies zumeist mit stoischer Ignoranz oder kickt den kleinen Knirps schon
hin und wieder mal - sie sind jedenfalls das erfrischendste Spielduo seit Rayman
3.
Die Spielwelt, die in den ersten Spielstunden noch eingeschränkt ist, eröffnet später jedoch
ihr volles Potential und erlaubt es die groß angelegte Welt recht frei zu erkunden, wobei der
rote Faden dennoch nicht verloren geht und Sidequests erledigt werden können. Und so reisen
Ammy und Issun durch das Land Nippon, um gegen den bösen Drachen Orochi anzutreten, die Wälder
wieder zum Leben zu erwecken, Hunde aus den Fängen böser Ungeheuer zu befreien, einen kleinen
Piepmatz vor einer bösen Hexe zu retten, durch Schrumpfmagie in den Schlund des Kaisers zu springen,
um ihn vor einer geheimnisvollen Krankheit zu retten, eine Unterwasserstadt zu besuchen, auf
einem Wal über die Meere zu reisen, Seite an Seite mit neuen Freunden gegen Levelbosse zu bestehen,
Fische zu fangen oder sich als Dämon verkleidet in die Höhle des Löwen zu wagen. Okami bietet
solch ein vielfältiges Gameplay, dass es niemals langweilig wird. Die Oberwelt zu erkunden,
nach Schätzen und verborgenen Perlen zu suchen oder im Minigames zu bestehen, reicht alleine
schon, um Okami zu einem außergewöhnlichen Titel zu machen.
Dazu kommen dann noch die genreüblichen Dungeons, in denen als Finale jeweils ein Levelboss
wartet, den es zu bestehen gilt. Die Dungeons fallen im Verhältnis zu den Zeldateilen jedoch
etwa kleiner und weniger komplex aus, Spaß machen sie jedoch ohne Zweifel, denn hier ist ebenso
der geschickte Einsatz der Kampftechniken, wie auch die richtige Pinseltechnik gefragt. Türmechanismen
lassen sich nur öffnen, wenn man eine riesige Waage ins Gleichgewicht bringt. Also schnell ein
paar Baumsamen darauf platzieren und die Kraft des grünen Daumens wirken lassen, damit sie wachsen
und Gewicht auf die Waage bringen. Eine Eiskugel, deren Berührung zum Einfrieren führt, muss
auf einen druckempfindlichen Schalter platziert werden, also müssen die richtigen Winde in Gang
gebracht werden. In einem verwunschenen Schiff steigt das Wasser nur bei Mondlicht? Also entsprechend
den Mond in den Himmel zeichnen. Dabei bleiben die Aufgaben aber jederzeit überschaubar.
Der Schwierigkeitsgrad von Okami ist recht einfach gehalten, so dass selbst Spielanfänger
ihre Freude daran haben werden, ohne das Pad gefrustet in die Ecke zu werfen. Gut umgesetzt
wurde in Okami jedoch die Motivationskurve ebenso für Spielprofis, die bei den Kämpfen sicher
wenig Probleme haben werden. Es macht aber dennoch Spaß, auszuknobeln, wie die Gegner zu besiegen
sind, denn das ist im Prinzip die Kunst, Okami richtig zu spielen. Dabei beisst man selten ins
Gras, muss aber schon herum experimentieren, wie man den Gegnertypus oder den Levelboss besiegen
kann. Okami befriedigt in ersten Linie daher auch die Spielernaturen, die gerne experimentieren,
forschen, sammeln und nach Secrets suchen - und genau das erlaubt das Spiel großzügig mit moderatem
Schwierigkeitsgrad. Hier wird man nicht gleich für ein falsches Vorgehen mit dem Tode abgestraft,
so dass man kaum noch Lust verspürt, bei der nächsten Konfrontation noch etwas anderes zu probieren.
Okami lässt dem Spieler hier ausreichend Freiraum. Das wird zudem auch dadurch unterstützt,
dass man fast beliebig viele "Gesundheitsknochen" mitnehmen kann. Sollte sich ein Gegner dann
doch mal als zu schwer erweisen, kann man dies mit entsprechenden Items kompensieren. Eine Vergeltungsrolle
oder ein stärkender Trank helfen da schon aus heiklen Situationen.
Nach dem Beenden bietet das Spiel die Möglichkeit, eine Speicherdatei anzulegen, mit der
man ein neues Spiel starten kann, bei dem man dann einige der Ausrüstungsgegenstände und Levelups
behält und sich auf die Suche nach den bisher nicht gefunden Secrets machen kann. Motivation,
es erneut zu spielen, ist ohne Zweifel vorhanden.
Fazit
Okami ist eines der schönsten Spiele der letzten Jahre geworden - und das Altersklassen übergreifend.
Eigenwilliges Design, liebevolle Charaktere, eine mitreißende Story und innovative neue Gameplayelemente
sorgen für ein rundum gelungenes Spielerlebnis, das für mehr als 50 Stunden begeistert. Allein
das Konzept, dass man das Spielumfeld wieder in eine blühende Landschaft verwandelt, vermittelt
ein wunderbares Spielgefühl. Man erschafft, statt zu vernichten - und das mit einem ganz eigenartigen
Hochgefühl. Humorvoll, dazu packend mit der japanischen Mythologie verknüpft, erlebt der Spieler
abwechslungsreiche Abenteuer und Kämpfe, während er den Zauberpinsel schwingt, um Gutes
zu erschaffen und Böses zu verbannen. Ein Feuerpinselstrich lässt Eis schmelzen oder bringt
die Gegner zur Weißglut, Windböen vertreiben Giftwolken und eine gemalte Sonne am Firmament
läutet den Tagesbeginn ein. Hier zeigt sich nochmal eindeutig, dass es keiner NextGen Konsole
bedarf, um erstklassig unterhalten zu werden. Für mich hat Okami die Nase eindeutig vor dem
neusten Zelda-Teil und ist, auch wenn man nicht die Rolle einer Wolfsgöttin spielen würde, ohne
Zweifel ein göttliches Spielerlebnis.
Geschrieben am 10.05.2007, Testkonfiguration: Playstation2
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