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Overlord
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| Gesamt (39 votes) | | 2+ |
 |   | | 1.6 |
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 |   | | 2.1 |
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| Name: | Overlord |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2007/06 |
| Publisher: | Codemasters |
| Entwickler: | Triumph Studios |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Hardware: | 2.4Ghz, 512MB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 4500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 1.4 |
| Bemerkung: | (amBX Unterstützung), auch für Xbox360 |
| USK: | 16 |
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| Overlord (review von ronin) |
"Zwerge sind lebendige Bärte die schwer gepanzert sind und ständig Bier trinken" "Für
Euuuch Meister!" "Es tut gut böse zu sein, nicht wahr Meister?" "ZERSTÖÖÖRÄÄN!" "Für den Overlord!!!"
Diese kleine Sammlung von Sprüchlein bildet nur die Spitze eines bitterbösen Eisberges an
Fantasyparodie. Zuletzt hat man eine solche Anhäufung von konsequenter Bösartigkeit nur bei
der Dungeon Keeper Reihe gesehen - und das liegt viele Jahre zurück. Umso mehr freute es mich,
endlich wieder hemmungslos böse sein zu dürfen. Schon die Demoversion von Overlord hatte es
mir sofort angetan und ich hoffte inständig, daß es den Entwicklern gelingen würde, dieses humorvolle,
erfrischend andere Gameplay über die gesamte Spielzeit hinweg aufrecht zu erhalten. Zwischen
den ganzen 0815-Hack&Slay Rollenspielen und den immer gleichen vor Pathos triefenden Herr der
Ringe-Klonen wirkt Overlord wie ein willkommenes schwarzes Loch im Meer der hobbitschen Glückseeligkeit.
Ob es den Entwicklern gelungen ist ihre innovativen Ideen vollends zu verwirklichen, oder ob
sie letztendlich aufgrund Gandalf´scher Intervention daran gehindert wurden, soll das folgende
Review zeigen.
Vorab wie immer die technische Seite.
Grafik
Als ich den ersten Spielbereich von Overlord betrat fühlte ich mich sofort an Fable
erinnert. Einerseits ähnelt der Grafikstil stark Lionheads "Spieleperle" und andererseits erschlägt
einen die fast schon übertrieben idyllische Landschaft mit ihren kitschigen Details. Man blickt
auf ein lauschiges Städtchen in dem die Welt noch in Ordnung zu seien scheint, blökende Schäfchen
hüpfen vergnügt auf den Feldern herum und das saftiges Grün der Wiesen verwöhnt das Auge. Doch
plötzlich - Cut! Gnar, unser herrlich böser und kriecherischer Berater, äußert angewidert: "Schaut
nur Meister, wie diese Luft mit dem Gestank von Leben angereichert ist, man kann ja kaum atmen.
Hoffentlich werdet ihr nicht krank." Sein erster Hinweis ist dann auch, die niedlichen Schäfchen
wegzumachen, um mehr Lebensenergie für die eigenen Untergebenen zu erhalten. Aber dazu später
mehr. Dieses eben beschriebene zwiespältige Bild ist typisch für Overlord. Alles wird parodiert
und überspitzt dargestellt. Die den Hobbits ähnelnden Halblinge tragen eine teuflische Miene
zur Schau und versklaven die Menschen, Zwerge sind alkoholabhängige Berserker, deren Machtgrundlage,
wie sollte es anders sein, ein riesiger Bierkessel ist und die Elfen sind eine Rasse von Weicheiern
die im Selbstmitleid versinkt und den ganzen Tag nur am Jammern ist...
Neben dem überzeichneten Grafikstil ist die ansonsten gezeigte technische Präsentation hervorragend.
Zaubereffekte sind toll in Szene gesetzt und besonders die verdrehten Animationen der Schergen
zaubern ständig ein bösartiges Grinsen auf das Gesicht des Spielers. Bisher kannte man den Wuselfaktor
nur aus Siedler und Co. In Overlord erschaffen die chaotischwütenden Schergen eine ganz eigene
Interpretation des Wuselns. Die Details sind es, die hierbei die Sympathien des Spielers wecken.
Im ersten Bereich klagt ein paranoider Bauer darüber, daß er von seinen Kürbissen verfolgt wird
und diese ihm nachts schlechte Dinge ins Ohr flüstern. Er bittet uns, sein Kürbisfeld auf unkonventionelle
Weise abzuernten. Gesagt getan, ein Klick und meine Chaotenbande fällt über die hilflosen Kürbisse
her. Erstaunt mußte ich feststellen, daß sich meine braunen Schergen teilweise Kürbisse als
Helme aufgesetzt hatten und diese fortan als Kopfschutz mißbrauchten. Dies setzt sich durchs
gesamte Spiel fort. Mal tötet man schleimig grüne Schnecken und plötzlich hat mein Haufen Schneckenfühler
auf dem Kopf, oder sie eignen sich in der Zwergenmine die Grubenhelme der Arbeiter an. Traumhaft
schräg! Komme ich plötzlich an einem Tisch voller Bierkrügen vorbei, stürzen sich meine Mannen
darauf und laufen halbtrunken durch die Gegend, wenige Sekunden später urinieren sie glücklich
seufzend auf den Boden. Muhaa! Diese Details ließen sich ewig fortführend. Auch die Umgebungsdetails
der Landschaften und Städte sind liebevoll, abwechslungsreich und oftmals parodiert dargestellt.
Neben dem genannten Hobbingen, kommt man in eine typisch spätmittelalterliche Stadt, verzauberte
Elfenwälder, Wüsten, Schneelandschaften etc. Die Palette ist umfangreich und bis zum Schluß
einfallsreich. Alles in allem gibt es an der Grafik wenig auszusetzen, auch wenn sie auf der
höchsten Detailstufe etwas hardwarehungrig erscheint.
Sound
Die musikalische Untermalung wird in Overlord dezent und angenehm eingesetzt. Wo es nötig
ist kommt es zu orchestral bombastischen Auftritten Marke Herr der Ringe, allerdings hat man
eher das Gefühl, daß auch hier alles ein wenig auf die Schippe genommen wird. Vor allem, wenn
man sich die Zwischenbosse anschaut, die doch alle etwas beknackt daher kommen. Die Begegnung
mit dem korrumpierten Paladin Ferdinand (haha) wird choralartig eingeleitet, man bekommt ein
Gefühl von Reinheit, Kraft, dem Guten eben. Was kommt, belehrt allerdings eines besseren. Der
eher an ein zu groß geratenes Kind erinnernde Ferdinand hält eine nymphomanische Prinzessin
gefangen, die sich beschwert, daß "Ferdi" nie in ihr Schlafgemach kommt. Klasse! Klar, daß ich
die frustrierte Ehefrau mit in meinen Turm nehme und ihre Vorgängerin (die brave Gouvernante,
die ständig betont noch Jungfrau zu sein) per Fußtritt hinausbefördere. Aber zurück zum Thema.
Neben der guten musikalischen Umsetzung unterstützt besonders die Sprachausgabe die eigenartige
Atmosphäre von Overlord. Vor allem Gnar und die Schergen sind hervorragend gelungen. Das manisch-untertänige
Tun meiner Schergen kommt durch die professionellen Sprecher hervorragend zur Geltung. Wenn
meine Untertanen glückseelig grinsend zu mir gelaufen kommen und mir einen Beutel mit Gold übergeben,
sagen sie immer ganz Gollum-like: "Für Euch, Meister!!" Schickt man sie los, um die eigenen
Befehle ohne zu hinterfragen auszuführen, schreien sie: "Zerstöören!!" Die Schergen tun alles
ohne zu hinterfragen, sie opfern sich ohne zu klagen und lassen sich vor Glück grinsend in der
hauseigenen Schmiede zu Waffen verarbeiten. Aber auch die anderen skurrilen Charaktere sind
gut synchronisiert, wenn auch deren Sprecher teilweise etwas überzogen motiviert wirken. Letztendlich
macht aber gerade die tolle Soundkulisse die Atmosphäre in Overlord so einzigartig und läßt
den Spieler über so manche Länge im Spielverlauf hinwegsehen.
Steuerung
Hier scheiden sich erfahrungsgemäß die Geister. Der Multi-Plattformtitel ist per Tastatur/Maus-Steuerung
und Gamepad steuerbar. Da ich ersteres bevorzuge und die PC Version spielte, kann ich lediglich
über diese Bedienungsweise "herziehen". Den Overlord selbst steuert man wie seine Rollenspiel-Pendants
in Gothic, Fable oder Oblivion. Per WASD-Tasten und Third-Person-Ansicht läuft man durch die
Landschaft und greift auch selbst immer mal wieder zum Morgenstern. Die Schergen werden mit
der linken Maustaste aufgeschickt und mit der rechten Taste zurückgerufen. Sie rennen prinzipiell
in die Blickrichtung des Overlords und führen verfügbare Funktionen aus. Will man zum Beispiel
ein spezielles Objekt anwählen, kann man das Ziel durch drücken von Shift fixieren und gezielt
einzelne Schergen hinschicken. Außerdem ist es möglich, seine Chaotenbande per Gedrückthalten
beider Maustasten direkt zu steuern. Mit schwammigen Mausbewegungen manövriert man die wie volltrunken
wirkende Bande über besonders schwieriges Terrain. Außerdem können durch Wegpunkte einzelne
Schergengruppen taktisch sinnvoll im Level verteilt werden. Manchmal, vor allem im fortschreiten
Spielverlauf, wird es nötig, die Schergen zu verteilen. Die grünen, schurkenähnlichen Schergen
tarnen sich zum Beispiel, wenn man sie an einer Stelle per Wegpunkt aufstellt. Sobald ein Gegner
vorbeikommt, springen sie auf dessen Kopf und machen kurzen Prozeß. Viele Endbosse sind anders
gar nicht zu besiegen. Soviel zur Theorie. Was verhältnismäßig komplex wirkt, ist letztendlich
reine Übungssache. Da Overlord den Spieler behutsam und gut ins Spiel integriert, an die einzelnen
Steuerungsmöglichkeiten heranführt, erlernt man den Umgang mit seinen Untergebenen recht schnell.
Leider ist die direkte Schergenkontrolle ausgesprochen mißlungen. Viel zu schwammig und träge
sind die Bewegungen per Maus, so daß in zeitkritischen Situationen oftmals mein ganzer Schergentrupp
jämmerlich im Wasser ersoff (die kleinen Stinker können fast alle nicht schwimmen ;-) ). Wahrscheinlich
fällt diese Steuerungsform per Analogstick am Gamepad leichter - was es für mich allerdings
nicht angenehmer machte.
Auch die Wegpunkte in Kombination mit der direkten Schergensteuerung führen immer wieder
zu kleinen Katastrophen. Ein Beispiel: Eine Seeschlange steht als unüberwindliches Hindernis
vor mir. Theoretisch muß ich lediglich meine blauen Schergen, die durchs Wasser laufen können,
zur Seeschlange manövrieren, wodurch sie ihren Kopf senkt. Über einen kleinen Vorsprung können
nun meine restlichen Schergen auf die Seeschlange einknüppeln. Praktisch lief die Hälfte meiner
direkt gesteuerten blauen Mannschaft nicht da entlang, wo sie sollte, weswegen ein Teil von
der Schlange verspeist wurde. Gleichzeitig sollte der Rest auf die Schlange einschlagen. Ein
Teil hopste allerdings nicht auf ihren Kopf, sondern lief den gleichen Weg wie die blauen Schergen.
Nur leider war dort Wasser, was zu einem sofortigen Exitus führte. Das Ende vom Lied war ein
stark geschrumpfter Untergebenhaushalt, sowie verknotete Finger. Das Fixieren mit Wegpunkten
vereinfachte die Sache nicht, denn per Rückruf werden alle Wegpunkte wieder aufgelöst und man
kann von vorn beginnen. Es ist leider schwer in Worte zu fassen, was für ein unkontrollierbares
Chaos bei komplexeren Manövern herrscht. Die Schlange habe ich letztendlich mit meinem Knüppel
erledigt ;-).
Man beschränkt sich im weiteren Spielverlauf daher auf zwei Aktionen: Offensive und Defensive.
Die Braunen und grünen Schergen werden vorgeschickt und die roten und blauen bleiben bei ihrem
Meister und ballern von hinten mit rein. Schade, hier hätte man sich eine einfacherer Steuerungsmöglichkeit
ausdenken können. Wie bei so vielem wurde hier nicht zu Ende gedacht.
Gameplay
Das Spiel beginnt mit einem grinsenden Schergengesicht. Wiederbelebt, erwacht der noch junge
Overlord im Keller eines verfallenen Turms voller stinkender, wuselnder und brabbelnder Schergen.
Gnar, mein teuflischer Berater, führt mich behutsam in meine Aufgaben (Turm aufbauen, böse sein,
der ultimative Herrscher werden etc.) als zukünftiger Schreckensverbreiter ein. Meine erste
Aufgabe: Vertrimme den Hofnarr. Nach mehreren Anläufen liegt der freche Gesell wimmernd am Boden:
"Ein böser Oberlord braucht einen bösen Hofnarr ... bitte nicht mehr weh tun!" Fortan ist man
damit beschäftigt, ganz Rollenspiel-like Quests zu erfüllen, seinen Turm wieder aufzubauen,
Schätze zu sammeln und zum Oberbösewicht Nummer Eins aufzusteigen. Das Ganze ist durch eine
anfangs recht wirre, gegen Ende hin aber doch ganz nette Geschichte verknüpft. Die eigentliche
Motivation ist das Erforschen der relativ großen Levelbereiche, die anfangs nicht komplett zugänglich
sind, weil bestimmte Schergentypen fehlen oder einfach irgendwo ein Schalter betätigt werden
muß. Das führt dazu, daß man besonders im ersten Drittel etwas verwirrt durch die schon besuchten
Areale rennt und sich verloren vorkommt. Mit dem Erhalt aller Schergenarten wird der Ablauf
allerdings straffer. Trotzdem ist Overlord kein streng lineares Spiel. Zwar ist der Weg zum
Ziel immer vorgegeben, aber es lohnt sich auch abseits der Wege nach verborgenen Gimmicks zu
suchen. Mehr Lebenskraft für den Overlord, riesige Goldsäcke, neue Zauber oder ein höheres Schergenmaximum
erleichtern das weitere Vorgehen enorm. Auch hat sich der Entwickler Triumph Studios bemüht,
neben den Hauptaufgaben auch einige Nebenaufträge einzubauen. Nachdem ich die von den "Hobbits"
als Sklaven mißbrauchten Menschen befreit und deren Nahrungsmittelvorräte sichergestellt hatte,
behielt ich letztere lieber für mich und veranstaltete ein grausig schönes Gemetzel unter der
protestierenden Einwohnerschaft (es hätte ja sowieso nur die Hälfte genügend Nahrung gehabt!)
Als Resultat bettelten die Rauschinger um Gnade und boten mir eine Jungfrau an. Allerdings betonte
diese rigoros, eben dies nicht mehr zu sein. Um meinem Namen als grausamer Herrscher gerecht
zu werden schnappte ich mir weitere zehn "Jungfrauen" als Dienerinnen für meinem Turm. Der Nutzen
dessen? Gleich null, aber ab sofort tummelten sich ein Haufen Frauen in meinem Turm ;-). Anhand
dieses Beispiels erkennt man schon, daß dem Spieler recht häufig Entscheidungen überlassen werden.
Es ist prinzipiell möglich, den Overlord in eine gute Richtung agieren zu lassen. Allerdings
ist dieses Moralsystem eher schlecht als recht ins Spiel integriert. Hier hätte man mehr Einfallsreichtum
walten lassen können. Zwar hat man eine nichtssagende Moralstatistik, aber letztendlich spielt
es kaum eine Rolle, ob man als Vernichter der Elfen, bzw. deren Retter gefeiert wird. Wahrscheinlich
äußert sich dies am Ende in zwei unterschiedlichen Schlußsequenzen - ich habe lediglich die
böse Variante gesehen ;-).
Wo wir gerade von nicht zuende gedacht sprechen. Letztendlich scheitert das schöne Spiel
an zu vielen unausgegorenen Ideen, die schlußendlich keine wirklich sinnvolle Funktion haben.
Zum Beispiel die Schmiedefunktion. Im weiteren Spielverlauf findet man immer bessere Schmiedeöfen,
wodurch Helm, Harnisch und Waffe verbessert werden können. Zusätzlich kann man Schergen opfern
- je nach Art der Untergeben mit verschiedenen Fähigkeiten - um die Eigenschaftswerte der Rüstung
zu verbessern. Da die dafür benötigte Schergenmenge aber so exorbitant hoch ist, lohnt es sich
nicht einmal ansatzweise, hier das wertvolle Fußvolk zu opfern. Ein nettes Feature, das leider
zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Auch die Ausstattung des Turmes, um meine nymphomanische Mätresse
zu verwöhnen, erfüllt keine praktische Funktion. Ok, es sieht nett aus, aber spieltechnisch
bringt es nichts. Wenn ich mein Wohnzimmer einrichten will, spiele ich die Sims. Natürlich bleibt
es Geschmackssache, aber mit etwas mehr Aufwand hätte man diese Ausbaufunktion spielrelevanter
gestalten können. Besonders gravierend fielen mir die zahlreichen Zauber auf, die ich häufig
nicht einsetzte. Die wenigen schergenspezifischen Zauber erschienen mir dabei noch am sinnvollsten.
Einerseits kosten die Zerstörungszauber zuviel Mana, um wirklich effektiv zu sein und andererseits,
warum einen teuren Feuerball für Standardgegner verwenden, wenn meine Schergen viel effektiver
sind. Das Balancing stimmt hier einfach nicht.
Aber erst einmal genug gemeckert. Wie spielt sich Overlord eigentlich? Durch den Mix aus
Rollenspiel mit einem Hauch "Echtzeitstrategie" (ich schreibe es extra in Ausführungszeichen
;-) ) spielt sich Overlord ausgesprochen innovativ und erfrischend. Die Schergen, von denen
es vier verschiedene Arten gibt, haben diverse Fähigkeiten und Funktionen. Je nach Gegnerart
und Hindernis müssen diese geschickt eingesetzt und kombiniert werden. Mein Weg wird zum Beispiel
von einer Flammenwand versperrt. Die roten Schergen können diese löschen. Gleiches gilt für
einen Schalter, der hinter einem Flußlauf liegt. Meine blauen Schergen können durch Wasser laufen
und aktivieren so eine Brücke. Im Kampf sind meine braunen Schergen die stabilsten. Sie bilden
das Fundament meiner Macht (haha!). Fällt einer von ihnen im Kampf, schicke ich meine blauen
Schergen aus und lasse ihn wiederbeleben. Außerdem werfen meine roten Kumpanen aus der Distanz
Feuerbälle und meine grünen greifen aus dem Hinterhalt an und machen enorm viel Schaden. Die
vier Arten sind völlig ausreichend und machen das Spiel spannend und abwechslungsreich. Zwar
verwendet man die kämpfenden Truppen häufiger als etwa die Fernkämpfer, aber durch die vielen
Rätsel kommt keine Art zu kurz. Vor allem die von mir anfangs als nutzlos abgestempelten grünen
Schergen werden im zunehmenden Verlauf unverzichtbar. Die Ausrüstung für seine Untergeben erhält
man durch das maßlose Plündern der Landschaft. Allein das macht bis zum Ende einen aberwitzigen
Spaß. Voller zerstörerischer Freude stürzen sich meine Chaoten auf Pilze, Sonnenblumen, Häuser
und hilflose Stadtbewohner. Wuseln einmal anders. Leider kann man das wilde Treiben nur schlecht
per Screenshot einfangen, man muß es einfach in Aktion erleben. Besonders witzig fand ich immer
die Animationen, wenn ich einen der Endgegner erledigt hatte und sich meine Schergen auf deren
Überreste stürzten. Wie Gollum wiegten sie die Habseeligkeiten der besiegten Feinde in ihren
Händen: "Mein Schaaatz!!" Fortan trugen meine Mannen die viel zu große goldene Krone des Zwergeskönig
mit sich herum. Apropos Endgegner. Besonders bei großen Zwischengegnern und den Bossen haben
sich die Entwickler ins Zeug gelegt. Der riesige, fette Wilfried (ich würde meinen er ähnelte
Sam Gamdschie nach einer Fresskur) rollt sich wie eine Kugel durch den Raum oder läßt sich auf
den Boden plumpsen, weswegen ein gut getimter taktischer Rückzug meiner Schergen nötig war.
Auch die riesige Feuerwalze des Zwergenkönigs erforderte einiges an Geschick. Im Raum verteilte
Bomben mußten per Schergen zum Ziel gelotst werden, um das riesige gepanzerte Ding letztendlich
knacken zu können. Zwar erreichen die Endbosse nicht das Niveau mancher Konsolentitel, aber
die Entwickler haben sich bemüht die Fähigkeiten der Schergen sinnvoll einzubauen.
Abschließend noch ein paar Worte zum üblichen Spielablauf. Neben den Kämpfen - mit leider
nicht sehr unterschiedlichen Gegnertypen- benötigt man die Schergen vor allem zum Bedienen von
Drehrädern, dem Tragen von schweren Dingen und Wegschieben von Hindernissen. Auch das Aufsammeln
einer Bombe, um ein besonders hartnäckiges Tor zu knacken, gehört zu den Alltagsdingen meiner
Mannschaft. Leider wiederholen sich diese wenigen Spielelemente ständig. Zwar ändert sich die
Konstellation und der Schwierigkeitsgrad, aber das Grundprinzip bleibt immer gleich. Was anfangs
eine einfache Bombe ist, wird später eine Kombination aus mehreren gewohnten Elementen. Mußte
ich anfangs lediglich einzelne Bomben befördern, gilt es im späteren Verlauf das Ei eines Sprengkäfers
zu entführen, um ihn so zu der zu sprengenden Tür zu lotsen. Anspruchsvoll (vor allem wegen
der schwammigen Direktkontrolle) aber leider nicht sehr einfallsreich. Oftmals gilt es auch
einen defekten Schalter zu reparieren, indem man die nötigen Teile findet. Nichtsdestotrotz
machen die Rätsel Spaß und lockern das actionreiche Gameplay willkommen auf.
Fazit
Overlord ist ein kleiner Überraschungserfolg geworden. Begünstigt durch das Sommerloch und
den nach neuen Spielen lechzenden Zockern, macht die ungewöhnliche Kombination aus Action-Rollenspiel
mit innovativen Strategieelementen (ich bin so kühn diesen Genremix so zu bezeichnen ;-)) einfach
Spaß. Der grandiose Humor, der das überstrapazierte Rollenspielgenre ordentlich auf die Schippe
nimmt, die tolle technische Präsentation mit ihren professionellen Sprechern und das ungewöhnliche
Gameplay heben das Spiel aus der Masse des Einheitsbreis hervor. Die Idee verschiedener Untertanen,
die den Hauptteil der Arbeit übernehmen, mit Actionelementen und diversen Rätseln zu kombinieren
ist innovativ und wirkt größtenteils stimmig. Auch die verhältnismäßig hohe Spielzeit von 20+
Stunden (je nachdem, ob man alles erforschen und die Nebenquests erfüllt) kann Overlord auf
der Habenseite verbuchen. Leider haben die Entwickler viele gute Elemente, wie das Verbessern
der Waffen oder das Aufwerten des Turms, ungenutzt gelassen. Gleiches gilt für das Missionsdesign.
Keine Frage, die Rätsel sind nett gemacht und motivieren anfangs ganz gut, leider wiederholen
sich diese im weiteren Spielverlauf immer wieder, was stark an der Motivation kratzt. Allerdings
gelingt es letztendlich, vor allem wegen des unverbrauchten Humors, den Spieler bis zum Schluß
bei der Stange zu halten. Es macht einfach wahnsinnigen Spaß die Schergen mordend und plündernd
auf hilflose Pilze, Kürbisse und Sonnenblumen loszulassen. Allein wegen der frechen Animationen
hat man ständig gute Laune beim Spielen dieser Softwareperle. Auch Spielern die um solche Genres
einen großen Bogen machen, würde ich Overlord empfehlen, allein des Humors wegen. Aufgrund der
genannten Mängel kann ich dem Spiel allerdings "nur" eine 2 geben. Wenn es die Entwickler schaffen,
im zweiten Teil mehr Abwechslung in den Spielverlauf zu bringen und die vielen Ideen zu einem
ausgegorenem Ganzen zusammenzufügen, steht einer höheren Wertung nichts mehr im Wege.
Geschrieben am 15.08.2007, Testkonfiguration: Athlon 64 3700+, 2GB Ram, Geforce 7800GT, SB Live 5.1
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