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Pate, Der
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| Gesamt (24 votes) | | 4+ |
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| Name: | Der Pate |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2006/03 |
| Publisher: | Electronic Arts |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | Zoetrope |
| Links: | Mario Puzo |
| Hardware: | 1.4Ghz, 256MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 5000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/2000, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur/ Joystick/ Gamepad |
| FFeedback: | ja |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | nein |
| Bemerkung: | auch für PS2, Xbox |
| USK: | 18 |
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| Der Pate (review von yak) |
Lizenzspiele zu aktuellen Filmen zu entwickeln, ist nicht zwingend eine Erfolgsgarantie.
Konnten früher noch echte "Spielperlen" unters Volk gebracht werden, nur weil ein bekannten
Name auf der Packung zu lesen war, sind diese glorreichen Zeiten scheinbar vorbei. Aber immer
noch lassen sich Verkaufserfolge zu Gurkentiteln wie "Enter
the Matrix" nicht erklären, was jedoch auch mit dem Erfolg des Films an der Kinokasse zu
tun hat. Was aber, wenn der Film an der Kinokasse floppt? Wer will schon ein mittelprächtiges
Spiel zu einem Film, den keiner sehen wollte? Da haben gescheite Managersuperhirne sicher überlegt,
wie man diesen Fall(out) im Vorfeld umgehen kann. Ganz einfach, man kauft sich eine Lizenz zu
einem Filmklassiker, der ohne Zweifel finanziell und auch künstlerisch überzeugen konnte und
so vielleicht auch noch ein paar Gelegenheitsspieler mit dem bekannten Namen hinter dem Ofen
hervorlocken zu können. Wenn man dann noch renommierte Schauspieler aus der Filmversion
zum Face- und Voicecasting verpflichten konnte, (von denen der normale User sicher denkt, dass
sie bei keinem &§$"%&-Spiel mitmachen würden, das nicht einen Qualitätsmindeststandard erfüllt),
sollte dies schon für glückliche Publisherkonten sorgen. Die Wahl von EA traf Francis Ford Copolla's
"Der Pate" aus dem Jahre 1972. Ein ganz schönes Kaliber, sollte man meinen. Verpflichten konnte
man viele der Originalschauspieler, die ihre Stimme und ihr Aussehen den virtuellen Figuren
liehen, damit auch richtig Atmosphäre ins Spiel kommt. So sitzen Marlon Brando (zum Teil ergänzt
durch einen anderen Schauspieler, da Brando gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, die Arbeit
zu beenden), Robert Duvall und James Caan vor dem Mikro und nur Al Pacino hat abgelehnt, weil
er den Film für seinen wichtigsten künstlerischen Beitrag hält und ihn durch die Versoftung
nicht verwässert sehen will (Was ihn aber nicht davon abhielt, seine "Textur" für das kommende
Scarface Spiel zu verhökern). EA hat also weder Kosten noch Mühen gescheut, die Verfilmung von
Mario Puzos Roman in ein Spiel zu verwandelt. Die Chancen standen gut...
Wie immer macht man sich während der ausgiebigen Reviewphase Notizen, in denen man festhält,
was nicht gefällt, buggy oder sehr gelungen umgesetzt wurde. Im normalen Fall wird es bei mir
ca. eine halbe DIN A4 Seite. Der Pate brachte es direkt auf zwei, dazu noch eng geschrieben.
Ob nun zum Guten oder Schlechten, soll der folgende Text zeigen.
Technik
Schon früh gab es eindrucksvolle Screenshots, auf denen die Umsetzung der Schauspieler zu
sehen waren, Marlon Brando sah mit seinen ausgestopften Backen so "mafios" aus, wie im Film
und sollte man in allen Bereichen diese Qualität halten können, sollte von graphischer Seite
nicht viel zu befürchten sein. Doch es kam anders. Die Antwort auf die Frage, ob es an der Multiplattformentwicklung
mit dem kleinsten Nenner namens PS2 lag, schlummert sicher irgendwo mit einen schicken Zementblock
an den Füssen auf dem Grund der Etatmappen der Produzenten, die scheinbar nach all den Ausgaben
für die Originalbesetzung auf die Bremse treten mussten. Zeitgemäß ist die Graphik für einen
solchen Vorzeigetitel jedoch sicher nicht mehr. Vielleicht hat man sich die Graphikschmankerl
für die kommende Xbox360 Version aufgespart, wenn sie dann noch kommt. Bis auf die Gesichter
der Hauptfiguren sieht "Der Pate" in allen anderen Bereichen um Längen schlechter aus, als das
mittlerweile fast 4 Jahre alte Mafia.
Bleiben wir hier gleich bei den Spielcharakteren, die ab der Halskrempe abwärts die Polygonzahl
von Miss Lara Croft aus einem ihrer früheren Teile zu haben scheinen. Eckige Arme und Hände
wie Schnitzfiguren aus dem Erzgebirge. Dazu sieht fast ein Gegner so aus wie der andere. Hier
bietet das Spiel die schnauzbärtige untersetzte Mario-Klempner Variante mit hohen Wiedererkennungswert
und die schlanke unscheinbare Italoversion, die jedoch zum Vorteil hat, dass man sie nicht bewusst
so oft wahrnimmt wie das Dickerchen. Die Klonkriege sind nichts dagegen. Das kratzt merklich
an der Atmosphäre und verleiht so manches Deja Vu oder den Glauben an Reinkarnation. Das "Dich
hab ich doch jetzt schon locker 20 Mal abgemurkst Gefühl" wird jeder angehende Consiglieri schon
nach den ersten Spielstunden bemerken und das hat nicht zu bedeuten, dass Ausländer für "Inländer"
alle gleich aussehen. Die Animationen sind in den Zwischensequenzen von höchst unterschiedlicher
Qualität, von äußerst gelungen bis Augsburger Puppenkiste. Viele Szenen sind dank Motion Capture
lebensnah umgesetzt, in Nahaufnahmen wirkt die Mimik höchst eindruckvoll und Don Vito Corleone
wirkt in der Computerversion Marlon Brando sehr ähnlich. Sein besonderer Schauspielstil wird
hier sehr intensiv ausgedrückt. Dann gibt es aber auch unverzeihliche Ausrutscher, wenn die
Computerversion von Sonny alias James Caan den Helden umarmt und in die Luft hebt, besitzen
seine Arme ungefähr soviel Bewegungsfreiheit wie eine Rohrzange. Generell kommt auch hier sehr
schön James Caans immer viel zu übertriebene Darstellung genauso schlecht zur Geltung, wie in
seinen Filmen. Ich glaube es war Regisseur John Frankenheimer, der sagte, dass er James Caan
nicht einmal für eine Rolle besetzten würde, wenn der Film "James Caan - Mein Leben" heißen
würde:-) Kein Vergleich zu dem immer erstklassigen Robert Duvall. Überwiegend sind die Animationen
in den Zwischensequenzen jedoch gelungen, was man aber nicht von denen im eigentlichen Spielablauf
sagen kann. Der Held, der vorwiegend rennt, sieht bisweilen fast komisch aus und Passanten springen
wie Frösche zur Seite, um sich vor Autos in Sicherheit zu bringen. Das hat fast Slapstickcharakter.
Die Umgebungsgraphik ist zwar sehr stimmig und sicher auch mit viel Recherchen umgesetzt worden,
doch mangelt es an Details. Häuserwände haben keine Struktur und bestehen - dazu noch in niedriger
Auflösung - aus einer Texturtapete (aber das kennt man ja auch aus Half
Life 2). Hotels unterschieden sich kaum, die Räume sind spartanisch ausgestattet und sehen
nach Copy & Paste ohne Wiedererkennungswert aus. Das Haus von Don Vito macht dazu den Eindruck,
als ob er gerade ein- oder ausziehen würde. Eine einsame Standuhr und 2 Betten und vielleicht
noch ein Schreibtisch sorgen kaum für eine gelungene Umsetzung von heimischen gemütlichen
Gefilden. Ganz schlimm sind die Hinterhöfe, hier kommt man sich fast vor wie im guten alten
Duke Nukem 3D. Ein wenig Stimmung gibt es dann aber durch herumwehende Zeitungen, die jedoch
die Menge der Tagesauflage der New York Times locker überschreiten dürfte. Dazu dann noch ein
paar Taubenschwärme. Schön hat man jedoch die Auslagen in einigen Geschäften gestaltet, die
zeitgenössisch und authentisch wirken. Die Weitsicht hätte man bei der PC Version sicher etwas
höher schrauben dürfen, denn es kommt zu unschönem "Aufpoppen" und man sieht den Schatten von
Fahrzeugen, bevor das Fahrzeug in Sicht kommt, dafür ist aber einiges auf den Strassen los,
reger Verkehr und massig Passanten beleben die Stadt. Vergleicht man aber die Fahrzeuge mit
denen aus Mafia, wirkt das graphische Defizit in "Der Pate" noch extremer. Die Autos sind polygonarm,
ohne Details, Fensterscheiben sind allesamt schwarz gefärbt, so dass man keinen Blick ins Innere
werfen kann. In Mafia konnte man alles im Auto, einschließlich des Fahrers, sehen. Auf einen
Effekt von einem Scheinwerfer bei Nachtfahrten muss man ebenso verzichten. Er geht zwar an,
beleuchtet das Umfeld jedoch nicht. Gelungen sind hingegen die Explosionen, wenn ein Auto in
Brand gerät oder man den Feinden eine Dynamitstange zum Aperitif serviert. Graphisch wirkt "Der
Pate" insgesamt aber veraltet und das sagt jemand, bei dem Graphik sicher nicht an erster
Stelle steht.
Der Sound macht jedoch einiges besser. Im Original konnte man die meisten Sprecher verpflichten
und so sichern James Caan, Robert Duvall und Marlon Brando (teilweise) dafür, dass hier für
ordentlich Atmosphäre gesorgt wird. Auf die deutsche Spiel-DVD haben es die US-Sprecher aber
nicht geschafft, auch wenn der Datenträger noch genug Platz geboten hätte. Das ist bei einem
solchen Vorzeigetitel, bei dem man solch bekannte Schauspieler verpflichten konnte, schon mehr
als peinlich und unverzeihlich. Die freischaltbaren Filmausschnitte "durften" dafür im Orignal
mit deutscher Untertitelung verbleiben, was aber nicht wirklich tröstet. Spieler, die Marlon
Brandos letzte künstlerische Aktion genießen wollen, müssen auf das US-Original ausweichen.
Hat man den Verlust um die fehlende englische Sprachausgabe verdaut, darf man sich aber auf
eine ausgezeichnete deutsche Synchronfassung aus dem Hause Toneworx
freuen. Hier konnte man, soweit die alten Synchronsprecher noch unter uns weilen, bzw. zur Verfügung
standen, alle Figuren mit der Filmsynchronstimme hören und im Gegensatz zur US Version darf
man auch den damaligen Sprecher Lutz Mackensy als Michael Corleone hören, auch wenn seine Stimme
aufgrund der Werbespotübervermarktung kaum noch zu ertragen ist, spätestens seit Miami Vice
und der schlimmsten Synchronbesetzung als Doc Brown in den "Zurück in die Zukunft" Folgefilmen.
Spieler, die noch mit Europa-Hörspielkassetten aufgewachsen sind, kennen ihn ohnehin. Insgesamt
aber eine tolle Synchronisation, auch wenn einige Texte der Passanten mehr als dämlich wirken,
besonders, wenn nebenan geballert wird und man sich Gedanken macht, was es noch einzukaufen
gibt. Die Geräusche sind ansonsten passend, jedoch auch unspektakulär. Besondere Mühe gab man
sich bei diesem Lizenzdeal mit der Musik und man konnte die Hauptthemen (das Liebesthema und
den Godfather Walzer) von Nino Rota einbauen. Da die
original Filmmusik (wie eigentlich auch der Film) wenig Balleraction, Straßenrennen und Ähnliches
besitzt, ist es auch kein Wunder, dass hier entsprechende Musikthemen für die Spielumsetzung
fehlen. EA hat dazu u.a. den Filmkomponisten und Oskargewinner Bill Conti (Der Stoff aus dem
die Helden sind, Rocky, Fackeln im Sturm, Denver Clan) beauftragt, die Themen von Nino Rota
neu zu verpacken und zusätzliches Material zu komponieren. Das ist ihm auch einmalig gelungen,
wobei er dem Stil der Originalmusik treu bleibt. Conti ist ein Könner in allen Bereichen
und das zeigt er auch bei den Verfolgungsszenen im Straßenwirrwarr von New York. Vollorchestrale
Action steht auf dem Programm. Leider gibt es aber auch einen kleinen Ausrutscher. So gibt es
ein etwas ruhigeres Thema, das nicht so ganz in das italienische Umfeld zu passen scheint und
eher an eine Eifelturm-Tour erinnert. Hier wirkt die Musik eindeutig zu sehr nach französischem
Ursprung. Ansonsten aber eine mehr als gelungene musikalische Umsetzung. Leider fehlen jegliche
Soundoptionen und so kann man weder die Musik leiser stellen oder Dialoge lauter.
Gesteuert wird wahlweise über Maus/Tastatur oder über ein mit 2 Analogsticks ausgestattetes
Gamepad, was ich als beste Variante empfehlen kann. Die Maus/Tastatursteuerung scheint mir zu
überladen, das Spielen mit Pad ist da bequemer. Die Steuerung kann zudem beliebig konfiguriert
werden. Ärgerlich ist nur, dass sich im Tutorial Hilfetexte grundsätzlich auf die Tastatursteuerung
beschränken und daher öfters ein Blick ins Handbuch notwenig wird.
Es steht lediglich ein Schwierigkeitsgrad zu Verfügung, gespeichert wird ausschließlich an
Savepunkten in einem Unterschlupf, ebenso kann auch nicht in allen Missionen zwischengespeichert
werden. Diese müssen erst erfüllt werden, ansonsten verliert man die bisher erfüllten Aufgaben.
Der Pate lief nicht vollkommen bugfrei und stürzte während der Gesamtspielzeit 5-6 mal ab, ärgerlich,
wenn dies bei einer langen Mission passierte, in der es keine Zwischenspeichermöglichkeit gab.
Auch kam es vor, dass manche Waffen und Ausrüstungsgegenstände plötzlich falsche Namen trugen,
so wurde die Maschinenpistole zum Molotowcocktail. Sollte man diesen Effekt bemerken, ist es
empfehlenswert, schnell einen Speicherpunkt aufzusuchen, denn danach hat sich das Spiel meistens
verabschiedet.
Gameplay
Wie schlägt sich nun der Don im Bereich Gameplay. Kann er gewillten Spielern ein Angebot
machen, das sie nicht abschlagen können? Und dabei fängt die Geschichte ebenfalls ganz furchtbar
an. Als angehender Kleinverbrecher muss der junge Protagonist mit ansehen, wie sein Vater von
einer verfeindeten Familie ermordet wird. Don Vito Corleone nimmt sich der Halbwaise an und
verspricht ihm die Chance, sich später dafür rächen zu können. Doch bevor es losgeht kann man
sich in einem erfreulich umfangreichen Charaktergenerator seinen Mafiosi zusammenbasteln. Hier
bleiben wirklich keine Wünsche offen. Die Charaktergenerierung stellt viele Rollenspiele in
den Schatten, auch wenn bei der "Rassenwahl" verständlicherweise wenig Optionen zur
Verfügung stehen. Italiener muss er wohl schon sein, dafür kann man aber alles andere einstellen,
Haarlänge, Frisur, Bauchumfang, Mundwinkel, Lachfalten wo und wie viele, Augenbrauen leicht
gezupft oder schick streng wie Spock, hohe Wangenknochen, Grübchen hier und Narbe da, kein Problem.
An dieser Stelle kam schon richtig Hoffnung auf, dass die Entwickler hier was Vernünftiges vorhatten.
Unlogisch ist es nur, dass die Charaktergenerierung erst nach dem Intro erfolgt und der junge
Protagonist dort schon ein vorgefertigtes Aussehen hatte, das durch die dann erst folgende Charaktergenerierung
völlig anders aussehen kann.
Damit man auch zu Beginn seiner Verbrecherlaufbahn die grundlegenden Kenntnisse erlernt,
gibt es die harte Schule von Luca Brasi, vor dem selbst der mutigste Mafiosi ins Zittern gerät.
Luca Brasi ist sozusagen des Patens Endlösung für alle Probleme. Und so lernt der Mafiosianwärter,
wie man mit den Feinden umgeht. Gegner können "gelockt" werden und sind dann Ziel weiterer Aktionen.
Einmal in den Nahkampf verwickelt, kann man Faustschläge austeilen, selbst Schlägen ausweichen
oder den Gegner würgen, zurückschleudern oder hin und her schütteln. Viele Möglichkeiten, die
man im Tutorial erlernt, erweisen sich aber im normalen Spielverlauf als überflüssig und vor
allem auch nutzlos, es sei denn, bestimmte Handlungsweisen werden für eine erfolgreiche Questerfüllung
vom Programmablauf gefordert. Wenig später wird noch der Dienst an der Waffe erklärt und wie
man aus der Deckung angreifen kann, dazu gesellt sich noch die Option, außerhalb des automatischen
Anvisierens Präzisionsschüsse ausüben zu können. Hier kann dann per "Feinjustage" auf bestimmte
Körperteile des Gegners gezielt werden, um ihn so z. B. durch einen Schuss in den Arm zu entwaffnen
oder ihn per Knieschuss bewegungsunfähig zu machen. Aber wie schon bei vielen Nahkampfoptionen
sind diese Aktionen viel zu fummelig und finden auch kaum einen sinnvollen Einsatz, das Spiel
erfordert dies zu selten und es ist effektiver, den Gegner einfach mit der Tommy-Gun umzublasen.
Luca Brasi führt den Neuen aber auch in die geschäftlichen Angelegenheiten ein, so z. B., wie
man Schutzgelder kassiert und neue Kunden vom besseren "Service" der Corleone Familie überzeugt.
Dazu kann man die Ladenbesitzer ansprechen und anhand ihres eingeblendeten Statusbalkens erkennen,
wie sie "drauf" sind. Bei manchen reicht es schon, sie ein wenig hin und her zu schütteln oder
die Ladeneinrichtung zu demolieren, bis der "grüne Balken" die Stressgrenze überschreitet und
sie willig ihr Schutzgeld abtreten. Andere haben härtere Nerven und fangen sogar, falls man
sie zu sehr reizt, selbst ein Schlägerei an oder die bisher für diesen Laden tätige "Schutztruppe"
der anderen Familie greift ein. Manchmal sind die harten Burschen aber aufnahmefähiger für gute
Rat-"Schläge", wenn man ihre Kundschaft ein wenig verprügelt. Ein einmal übernommener Laden
sichert dem neuen Schutzpatron dann ein geregeltes Einkommen und in manchem Laden verbirgt sich
noch ein illegales Geschäft, das nach Übernahme schreit. So darf man illegale Wettbüros oder
Spielcasinos übernehmen. Das hört sich interessant an, ist es aber nicht, denn der Handlungsspielraum
und die Abwechslung sind äußerst gering. Dialogoptionen gibt es nicht und so endet eigentlich
jedes Gespräch mit "kräftig eins in die Fresse". Was mich generell auch furchtbar geärgert hat
ist die gesamte Aufmachung dabei, die äußerst atmosphäretötend ist. Jeder NPC kann anvisiert
werden und bekommt dann wie in einem Echtzeitstrategiegame einen Aktionskreis angezeigt, ebenso
"tragen" alle Figuren ein Zeichen über dem Kopf, an dem ihr Status zu erkennen ist, so gibt
es questrelevante Personen, die das "Patenzeichen" (Die Hand mit den Marionettenkreuz) über
ihrem Haupt tragen. Mit ihnen kann bzw. muss man reden. Atmosphäre kommt dabei nicht auf, denn
man bekommt jederzeit dieses "Simulationsfeeling". Das ist ungefähr so einfallslos umgesetzt,
wie die nervigen Informationskästchen, die bei C&C
Renegade die Gegner umrandeten.
Hat der angehende Jungunternehmer seine Lektionen gelernt, kann es auch schon losgehen. Mit
jedem erfüllten Auftrag gewinnt er Respektpunkte, die ihm nach Überschreitung einer gewissen
Punktzahl erlauben, seine Fähigkeiten auszubauen. So kann er z. B. in Waffenfertigkeiten, Tempo,
Cleverness, oder Gesundheit investieren. Sein Handlungsrevier ist dabei großzügig angelegt und
er kann Jobs in verschiedenen New Yorker Stadtteilen erledigen, von Mid Town über Brooklyn bis
Little Italy. Natürlich braucht er das nicht alles zu Fuß erledigen, dazu gibt es schließlich
Autos. Der Pate bietet parallel zu storybezogenen Missionen auch eine Menge freie Aufgaben,
die optional erfüllt werden können. Dazu gehören z. B. Auftragsmorde, die Übernahme von illegalen
Geschäften usw. Jedoch sind diese Missionen prinzipiell alle gleich aufgebaut und hat man 2-3
Auftragsmorde erledigt, reizt es weniger, sich zusätzliche zu besorgen, dazu ist zuviel unnötige
Fahrerei notwendig und die Belohnungen sind nicht so großzügig, als dass es sich wirklich lohnt.
Dazu gibt es recht dämliche Bonusziele, wie z. B. das Mordopfer in einen Backofen zu werfen.
Wenn man sich ein paar Einnahmequellen gesichert hat, dann lässt man die optionalen Aufgaben
links liegen, denn das Geld braucht man ohnehin nicht zwingend. Man darf sich zwar ein paar
nette Kleidungsstücke zu recht überzogenen Preisen kaufen, die je nach Luxus auch neue Respektpunkte
mit sich bringen, aber das ist vom Spielbalancing zu schlecht ausbalanciert, um viel Gewichtung
zu haben. Man beschränkt sich daher nach den ersten paar Spielstunden hauptsächlich auf den
Storymodus, der die Handlung des ersten Paten-Filmes im Groben nacherzählt und man an einigen
Schlüsselszenen teilhaben darf. So wird es zur Aufgabe des neuen Familienmitgliedes, den angeschossenen
Don Vito schleunigst ins Krankenhaus zu bringen, später dafür zu sorgen, dass die Attentäter
im Krankenhaus keine erneute Chance bekommen, die Waffe für Michael Corleone in der Toilette
verstecken, Sorge tragen, dass der Pferdekopf den richtigen Absender erreicht oder später die
Oberhäupter der anderen Familien ausgeschaltet werden. Das haben die Entwickler zum Teil auch
recht geschickt umgesetzt und so setzen einige Aufgaben kurz vor oder nach Schlüsselszenen des
Films ein und spinnen hier ihre eigene Geschichte ein wenig weiter, auch wenn dies nicht immer
ganz Buch und Film konform geschieht. Inkonsequenzen gibt es hier eine Menge. Man würde kaum
jemanden eine so vertrauensvolle und wichtige Aufgabe anvertrauen, wie z. B. das Deponieren
der Waffe für Michael. Im Film kam dafür nur der alte Familienfreund Clemenza in Frage. Im Spiel
muss der Spieler dies erfüllen, merkwürdig, weil er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal
das volle Vertrauen der Familie geniest und später selbst sogar noch für einen Verräter gehalten
wird. Hier hätten die Storyverantwortlichen sich auf die doch für die Umsetzung eines solchen
Klassikers bestehenden Rahmenbedingungen halten sollen. Diese werden aber auch an anderen Stellen
nicht berücksichtigt. Mafiaregeln, die im Buch und im Film ausgiebig erklärt werden, finden
keine Berücksichtigung. Der Don gibt niemals selbst Aufträge an die ausführenden Organe. Hier
wird die entsprechende Familienhirachie eingehalten, damit der Don nicht durch "kleine" Verräter
ans Messer geliefert werden kann. Sprich: der Don würde nie mit einem kleinen "Soldaten" reden
und ihn mit einem Mord beauftragen. Im Spiel führt Michael Corleone, als er bereits zum Don
aufgestiegen ist, fröhlich einen Plausch am Telefon (noch ein "Vergehen") mit dem noch in unteren
Chargen arbeitenden Spielcharakter. Ebenso hätten es die Familien kaum geduldet, dass in
einer Kirche mit Waffen gehandelt wird, denn dort fand man u.a. auch einen der in der Stadt
verteilten Dealer. Das hört sich zwar alles recht kleinkrämerisch an, aber hier hätte man auf
solche Detailfragen achten müssen. Ebenso sollten die Macher Don Corleones Abneigung gegen Prostitution
und Drogenhandel kennen (Die eigentlich ja auch Grund für das Attentat auf ihn sind). Im Spiel
haben die Corleones merkwürdigerweise dennoch ihre Hände in diversen Bordellen. Dann gibt es
noch weitere unpassende Storyausrutscher, in denen der Don darüber redet, dass einige Personen
einfach danach schreien, umgebracht zu werden und das es dafür auch sicher jemanden geben wird
-den Spieler. Das passt nicht so ganz zum eigentlichen Charakter des Don Corleone, der eigentlich
immer soweit möglich versucht hat, Blutbäder zu vermeiden. Nicht umsonst macht er vorher allen
ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. Hier hört sich das aber nach einer ausgesprochenen
Killermaschine im Blutrausch an. Mehr als unpassend. Leider spielt sich "Der Pate"
aber auch so und vom Charme des Filmes wird wenig ins Gameplay gerettet. Die Probleme beginnen
bereits beim Missionsdesign. Wie gesagt finden sich einige nett gemachte Parallelhandlungen
zum Film wieder, die auch spannend in Szene gesetzt wurden, doch sind sie eindeutig in der Minderheit,
beim Großteil hängt jedoch leider der Haussegen schief. So gibt es viel zu viele Missionen,
in denen man einfach nur von einem Ende der Stadt zum anderen geordert wird, nur um sich dort
den Satz anhören zu müssen, dass der nächste Auftrag ganz in der Nähe des ursprünglichen Startgebietes
liegt. Hier fährt man einfach nur sinnlos durch die Strassen, um die nächste Aufgabe freischalten
zu können. Das mag zu Beginn schon notwendig sein und bringt dem Spieler auch gleich die Gegend
etwas näher, so dass man die Hauptstrecken besser kennen lernt, aber irgendwann ist das Thema
einfach ausgereizt und es fühlt sich nach reiner Spielzeitverlängerung an. Ab und zu gibt es
dann mal eine Verfolgungsjagd, insgesamt bleibt es aber eher ein fades Erlebnis, zumal das Handling
der Fahrzeuge eher mit einem Funracer zu vergleichen ist, übertriebene Physik, schwammige Steuerung
und es ist nicht einmal möglich, eine bestimmte Geschwindigkeit zu halten. Hier kann man nur
den Button drücken, um zu beschleunigen oder bremsen. Eine konstante Fahrgeschwindigkeit gibt
es daher nicht und so muss man dies mehr oder weniger gezielt mit getimten Betätigen des Beschleunigungsknopfes
verrichten. Ein "Tempomat" wäre hier sicher nicht verkehrt. Zur Krönung gibt es dann auch noch
vereinzelte Rampen, die man wie in einem Stuntracer benutzen kann. Ein funktionierendes Verkehrssystem
mit Ampeln und vernünftigen Passanten gibt es nicht, hier hatte zumindest Mafia ja ansatzweise
den Versuch gestartet, auch wenn es zu kilometerlangen Staus kam. In "Der Pate" spielt
dies alles keine Rolle. Schlimmer noch, dass bei dem leichten Anticken einer Mülltonne die Passanten
schon in voller Panik wegrennen und Hechtsprünge veranstalten, die nicht selten vor dem
Auto landen, so dass ich im Straßenverkehr mindestens so viele Opfer hatte, wie mit der Schrotflinte
in den "Familiengeschäften". Autos haben weder spezielle Eigenschaften und es gibt trotz Havok
Physik kaum großartig unterschiedliche Verhaltensweisen der Gefährte. Sie lassen sich eher in
lahm, flott und schnell unterteilen, das wars dann auch schon, dass ein Polizeiauto in einer
Mission dennoch den schnellsten Schlitten abhängt und sobald man es selbst fahren will, nicht
in die Schläuche kommt, kennen wir ja ohnehin aus Mafia. Kleiner Tipp: Es fährt sich als Geisterfahrer
wesentlich bequemer, die entgegenkommenden Autos sind nicht so zahlreich und ihnen kann man
besser ausweichen, als dem trägen Verkehr auf der rechten Seite, das gilt ebenso für Autobahnen
und Abfahrten :-), also keine Angst vor dem Gegenverkehr. Wundern sollte man sich auch nicht
darüber, dass man so ziemlich alles platt fahren kann, ohne dafür von der Polizei verfolgt zu
werden, die tut nichts, außer in einer speziellen Mission. Knöllchen oder Verkehrskontrollen
bleiben damit außen vor. Über einen eigenen Fuhrpark oder ein eigenes Fahrzeug verfügt der Held
ebenso wenig. Er muss sich jedes Auto klauen, sollte es nicht gerade eins auf dem Anwesen der
Corleone Familie sein. Ansonsten sammelt man Minuspunkte und erhöht das Aufmerksamkeits-Punktekonto
bei der Polizei im entsprechenden Bezirk, aber nach all meinen Schandtaten und Diebstählen gab
es kein Problem damit. Von Vorteil ist diese Lösung, wenn auch spielerisch absolut unbefriedigend,
weil man massig Autos, auch wegen der schwammigen Steuerung und dem unvorsichtigen schnelleren
Fahren in Zeitmissionen, zu Schrott fährt und sie dann nach ein wenig Motorbrand eindrucksvoll
in die Luft fliegen, hier sollte man seinen Allerwertesten rechtzeitig herausschaffen. Das Spiel
"Der Pate" gibt dem Wort Garagenwagen zudem auch eine neue Bedeutung. Es gibt nämlich
in einigen Häusern Garagen, doch erfreulicherweise können sie weder geöffnet, noch kann man
die Fahrzeuge nutzen. Viele Missionen bestehen in der Aufgabe, ein von einer anderen Familie
"betreutes" Geschäft zu übernehmen. Auf der Karte kann man sehen, welche Familie dort Schutzgebühren
kassiert. Vor den entsprechenden Läden patrouillieren dann auch immer 3-4 gut bewaffnete Gesellen,
die, sollte man den Ladenbesitzer bedrängen, auch schnell die Waffen sprechen lassen. Hier zeigt
sich auch gut das zusammengeschusterte Gameplay und die schlechte KI. Das Einfachste ist, direkt
im Auto sitzen zu bleiben und mit ihnen ein wenig Wenden in zwanzig Zügen zu spielen, bis sie
keinen Mucks mehr von sich geben. Hat man alle plattgefahren - im Auto ist man relativ sicher
- geht man in den Laden und übernimmt ihn fast problemlos. Andere Variante, die auch bei Mafia
funktionierte: Sollte der Laden einen Hintereingang besitzen, einfach vorne die Haupttüre zuparken
und hinten rein. Ein unüberwindliches geistiges Hindernis. Das Autofahren in "Der Pate"
ist aber zum Glück ökologisch vollkommen vertretbar, denn die Fahrzeuge verbrauchen keinerlei
Sprit. Tanken ist nicht vorgesehen. Auch das ging bereits in Mafia.
Kommen wir zu ein paar Negativbeispielen in den Fußmissionen. Hier geht es meistens nur darum,
bestimmte Orte von Feinden zu säubern, mal im Alleingang, mal mit prominenter Unterstützung,
aber im Prinzip immer gleich. Einen Drahtzieher finden, verhören oder umlegen, am Spielprinzip
ändert das nicht viel, außer man empfindet "schüttel den Gegner bis er gesteht" und "ballern
auf den Gegner bis er stirbt" als abwechslungsreich. Im Ansatz gibt es Versuche, das Prinzip
ein wenig aufzulockern, aber die Umsetzung scheitert. Das liegt aber auch an dem unglaublich
bescheuerten Storyaufbau der Mission, der überhaupt nicht nachvollziehbar ist. In der Mission,
in der es darum geht, den Pferdekopf ins Bett des Filmproduzenten zu legen, muss man sich erst
an den Wachen vorbeischleichen, um unbemerkt in den Stall zu kommen. Hat man den Pferdekopf
geht es zurück, doch jetzt mit der Aufgabenstellung, die Wachen auszuschalten. Was soll der
Blödsinn, wenn man ohnehin später die Wachen ausschalten soll, warum dann nicht gleich zu Beginn?
Genauso unverständlich ist die streng vorgegebene Art, einen Mafiaboss umzulegen, indem man
ihn in den Krematorium-Ofen wirft. Leichter gesagt, als getan, denn oft verreckt er schon vorher
durch das viele Hin- und Herwerfen, bis man ihn endlich dort hat, wo er hin soll. Stirbt er
nicht im Ofen, scheitert die Mission. Vielleicht hätte man den Designer mal sagen können, dass
es auch durchaus möglich ist, eine Leiche zu verbrennen, um die Spuren zu verwischen. Dazu muss
man nicht unbedingt lebendig verbrannt werden. Das passiert auch in Missionen, in denen man
keine Zeugen für den Mord haben soll. Tötet man das Ziel vor den Augen andere, hat
man Zeugen, auch wenn man die Zeugen danach sofort erledigt. Blödsinn! Genau hier wird
auch eine weitere Schwäche des Games klar. Der Pate ist recht blutiges Massenmetzeln und weniger
subtiles Vorgehen. Eine Mischung aus Splinter Cell und Hitman wäre für die Umsetzung wesentlich
geeigneter. Heimlich ins Haus schleichen, den Gegner überraschen und versuchen, die Leiche mit
dem Auto wegzuschaffen, um sie dann in einem See zu versenken. Das wäre doch was! "Der
Pate" bleibt ein viel zu oberflächliches Actiongame, das zudem die Stadt einfach nur als
untätige Kulisse erscheinen lässt. Es hat zwar im Vergleich zu Mafia die Option, bestimmte Stadtbezirke
zu übernehmen, doch Spaß bringt das nicht, da es sich immer gleich spielt. Hier ein Lagerhaus,
da ein Tabakladen usw. Eine interessante Option wurde leider nur halbherzig umgesetzt. Wenn
man z. B. zu viele Personen der gegnerischen Familie auf dem Kerbholz hat, kommt es zum Bandenkrieg
in diesem Bezirk. Hier wird man dann zum Freiwild, es sei denn, man kann vor Ablauf des Timers
einen FBI Agenten bestechen oder einen gegnerischen Laden in die Luft jagen. Im Endeffekt ist
das nur wieder eine verkappte Mission, in der man vor Ablauf einer bestimmten Zeit wieder einen
bestimmten Ort aufsuchen muss. Darauf läuft es meistens hinaus. Man fühlt sich eher als Pizzabringdienst,
statt als Teilnehmer in einer spannenden Mission. Genauso machen die vorab angekündigten "tollen"
Bestechungsoptionen ebenso wenig Sinn, Polizisten sollen für einen netten Betrag wegsehen, aber
das kam nur einmal in einer vorgeskripteten Mission vor. In der offenen Spielwelt machte das
mit Ausnahme des FBI Agenten wenig Sinn. Selbst Orte erkunden, um z. B. Polizisten oder FBI
Agenten zu finden, ist ebensowenig nötig, die sind später alle auf der Karte zu sehen. Und damit
das Game dann auch noch das "notwendige" Konsolenflair erhält, darf man noch Bonusgegenstände
in Form von Filmrollen aufsammeln. Hallo liebe Designer, das ist "Der Pate" und sollte
eine ernsthafte Umsetzung werden und nicht Mario & Don Vito Brothers! Die Entwickler haben auch
weiterhin für einige Überraschungen gesorgt. Dass italienische Väter ein Auge auf ihre Tochter
halten, ist allgemein bekannt, das merkt man dann, wenn man die Tochter des Beerdigungsunternehmers
vor ein paar zu aufdringlichen Verehrern in Schutz nimmt. Fröhlich ruft sie noch aus der ersten
Etage, doch eigentlich war sie gar nicht in Gefahr, denn Papas Haus hat dank der Leveldesigner,
wie man nach Betreten des Hauses feststellen muss, gar keine Treppe zur oberen Etage.
Jetzt stellst sich fast nur noch die Frage, ob die Kämpfe das Spiel noch halbwegs retten
können. Leider trifft auch das nicht zu. Die künstliche Intelligenz ist geskriptet und die Gegner
laufen immer wieder die vorgegebenen Pfade ab, bzw. suchen hinter den gleichen Positionen Deckung.
Meistens konnte man dann auch die Gegner in engen Treppenhäusern so abpassen, dass die anderen
nicht durchkamen und man sie nacheinander einfach per Würgegriff erdrosselte, das ging bisweilen
schneller, als mit der Waffe. Ich habe sicher genauso viele Gegner erwürgt, wie erschossen.
Das Spiel wäre auch locker mit dem Titel "Der Würger von Brooklyn" durchgegangen.
Außerdem ist Würgen für den eigenen Charakter auch wesentlich gesünder, als z. B. eine Dynamitstange
(die übrigens ewig brennt und man sie auch wieder ins Inventar stecken kann, ohne zu explodieren)
ins nächste Zimmer zu werfen. Die meisten Stangen schaffen es nicht mal durch die Tür und landen,
von der Türzarge abprallend, öfters vor den eigenen Füßen, statt bei den Gegnern. Damit die
Kämpfe aber dennoch nicht so uninteressant sind, gibt es genügend unfaire Stellen. Öffnet man
eine Tür, kann es sein, dass man sofort mit einem Gewehr erschossen wird. Deckung gibt es nicht,
da sich die Tür nur frontal öffnen lässt. Dazu sorgen Clippingfehler oft genug dafür, dass
Gegner durch verschlossenen Türen und Wände schießen können. Das Dahinscheiden lässt den Spieler
jedoch immer im nächstliegenden Krankenhaus erwachen.
Ein weiteres wirkliches Ärgernis ist, dass im normalen Spielverlauf für die Handlung wichtige
Sequenzen fehlen. So bekommt man nichts von der Handlung mit, die letztendlich das Attentat
auf den Don verursacht hat und selbst der Tod des Paten wird nur mit einem Satz erwähnt. Keine
Zwischensequenz führt den Handlungsfaden fort. Es werden zwar originale Filmausschnitte freigeschaltet,
die diese Sequenzen enthalten, jedoch werden sie nicht im Spiel selbst gezeigt, dazu muss man
erst das Spiel verlassen, auf Spiel laden gehen und nur hier kann man die Videos betrachten.
Dümmer geht es kaum. Wer unterbricht schon ein laufendes Spiel, muss zudem dafür einen
Speicherort aufsuchen, um dann umständlich das zu sehen, was eigentlich als Selbstverständlichkeit
innerhalb des Spielablaufs präsentiert werden sollte. Ärgerlich ist auch, dass einige wichtige
Personen aus dem Film keinen Auftritt haben. So sucht man die Tochter des Don Connie (Talia
Shire im Film) oder Johnny Fontaine vergebens. Nach ca. 12 Stunden hat man dann einige der Bonusmissionen
und den Storymodus durch, spielt vielleicht noch ein paar der Zusatzaufgaben und hat dann aber
eindeutig genug gesehen.
Fazit
Mit dem Spiel "Der Pate" hat man sicher recht ambitioniert versucht, einen Klassiker als
Spiel umzusetzen. Die Originalschauspieler dafür zu gewinnen und die Anstrengungen, das Setting
inkl. alter Filmmusik und aufwendiger Neukomposition, sind beachtlich - der finanzielle Produktionsaufwand
zudem sicherlich enorm. Doch das Ganze fügt sich nicht zu einem stimmigen Gesamten zusammen.
Das Gameplay ist konstruiert und repetiv, die Fahrzeugsteuerung wirkt wie aus einem Funracer
und die versprochenen unterschiedlichen Handlungsoptionen enden meist immer in roher Gewalt.
Und wenn den Missionsdesigner nun gar nichts mehr einfällt, kommt die wie immer obligatorische
zeitlimitierte Aufgabe hinzu. Das hat alles insgesamt wenig mit den Originalvorlagen gemein,
weil es überwiegend in übertriebenen, zudem spielerisch wenig anspruchsvollen, Gewaltorgien
endet. Ich bin kein bekennender Fan des Spieles Mafia, aber es hat, was Atmosphäre und Gameplay
betrifft, die Nase vor der "Original-Lizenz", auch was die graphische Realisation angeht. Diese
ist im vorliegenden Spiel alles andere als zeitgemäß. Am Thema Interessierte sollten sich besser
das Buch und die drei DVDs kaufen, die bieten als Paket zum gleichen Preis und mit längerer
"Spieldauer" eindeutig die bessere Unterhaltung. Kein Wunder, dass sich Coppola von dem Spiel
distanziert hat, vielleicht sollten sich einige Spieldesignern besser darauf besinnen, neue
Filme umzusetzten, das ist wesentlich leichter, weil es auch hier meist um unnötiges Ballern,
unrealistische Stunts, wenig Dialoge und Action ohne Sinn und Verstand geht.
Geschrieben am 13.05.2006, Testkonfiguration: P4-3Gig, GeForce 6800GT, 2GB Ram, Creative X-Fi Extreme
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