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Primal
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 | Info |
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| Autor | | 2+ |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 2.5 |
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| Gesamt (7 votes) | | 1 |
 |   | | 2 |
 |   | | 1.9 |
 |   | | 2.6 |
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| Name: | Primal |
| Genre: | 3rd Person Action Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2003/04 |
| Publisher: | Sony |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | Komponistenseite |
| Hardware: | Playstation2 |
| System: | Playstation2 |
| Sprache: | Multilingual |
| zensiert: | nein |
| USK: | 16 |
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Manchmal entgehen der eigenen Aufmerksamkeit die schönsten Spiele, weil man aktuell von
anderen gehypten Titeln abgelenkt wird oder dem Game vom Publisher zu wenig zugetraut wird und
es mit wenig Werbung und Medienpräsenz gestraft wird. Schlimmer noch, wenn die Werbeabteilung
nicht genau weiß, welche Zielgruppe sie ansprechen soll. Bei Filmen passiert dies recht häufig
und eigentlich anspruchsvolle Filme enden dann in einem dermaßen blödsinnigen Werbe- und Trailermüll
und lassen sie zur Slapstickkomödie verkommen, mit dem Ergebnis, dass die "komödienwilligen"
Besucher enttäuscht und die wirklich am Thema Interessierten sich nicht angesprochen fühlen.
Warum mir aber Primal nicht zum Release aufgefallen ist, kann ich gar nicht genau sagen, jedenfalls
ist es schnell nach dem Release im Preis gefallen und landete dann für 10 Euro im Media Markt
auf dem Grabbeltisch. Absolut zu unrecht, wie ich sagen kann und weil das Game jetzt noch einmal
aktuell für die Software Pyramide aufgelegt wurde, Grund genug, sich noch mal mit dem Titel
zu befassen. Den "Das will ich spielen Kick" gab es bei mir erst wesentlich später. Erst nachdem
ich die Soundtrack CD des Games, die ich schon lange hatte und zu schätzen wusste, in den PC
warf und mir dann den darauf befindlichen Trailer ansah, war mir klar, dass das ein Spiel ist,
das eine Menge Potential zu haben scheint, mehr, als mir mein obligatorisches "30 Minuten nach
Kauf Anspiel-Erlebnis" vermitteln konnte. Auch wenn dieser Erstkontakt damals schon viel versprach,
hab ich es dennoch auf die "Irgendwann-mal-Liste" verschoben. Ein schwerer Fehler, wie das nun
folgende Review hoffentlich beweisen wird.
Technik
Was das Sony Cambridge Team aus der mittlerweile doch schon betagten PS2 noch herauskitzeln
konnte, ist überwältigend und kann auch drei Jahre nach dem Release immer noch überzeugen. Dass
die PS2 immer noch für offene Münder sorgen kann, zeigte ja kürzlich noch God
of War. Ehrlich gesagt wissen manche PS2 Games in ihrer graphischen Gestaltung mehr zu überzeugen,
als viele PC Spiele, hinter denen wesentlich mehr Hardwarepower tickt. Die Locations werden
höchst stimmungsvoll auf den Bildschirm gebracht und die Sichtweite ist, bei ausgesprochener
Detailvielfalt, außergewöhnlich hoch. Atmosphärisch ist Primal von der Graphikpräsentation über
jeden Zweifel erhaben. Die vier unterschiedlichen Welten geben sofort das Gefühl, mittendrin,
statt nur dabei zu sein. Durch die unterschiedlichen Settings wird auch für ausreichend Abwechslung
gesorgt. So findet man sich im ersten Level in einer mittelalterlichen Zeit wieder, in der man
durch karge Wälder, verfallene Schlösser und eisige Landschaften streift, gefolgt von der Unterwasserwelt,
die man einfach gesehen haben muss, wenn man als Unterwasserwesen Undine durch die düsteren
Grotten taucht. Die Vampirwelt bietet dann den dekadenten Rokokostil im starken Kontrast zu
den Armenvierteln, bis man sich dann im finalen Level fast in die Pharaonenwelt versetzt fühlt.
Dabei wirkt alles wie aus einem Guss: die alten gotischen Gebäude, das marode Mauerwerk, dass
nur von im Wind flackernden Fackeln erleuchtet wird. Oft verharrt man einfach im Spiel, um von
einer Brücke das entferne Vampirschloss auf dem Berggipfel zu betrachten. Ein Nachladen gibt
es nur zum Levelbeginn, ansonsten werden die Daten unbemerkt vom Spieler gestreamt. Lediglich,
wenn man zwischen den beiden Spielfiguren hin und her schaltet und sie weit auseinander stehen,
kann es vorkommen, das kurz geladen werden muss. Die Charaktergestaltung und die Animation der
Figuren ist tadellos. Die Heldin ist glaubwürdig umgesetzt, ihr Begleiter, Scree, ein Gargoyle
ist zu einer ungewöhnlich charmanten und auch ausreichend schrägen Figur geworden, die man gleich
ins Herz schließt. Die Gegner wurden mit ebensoviel Aufand umgesetzt, seien es die normalen
Vasallen, denen man sich entgegenstellen muss oder die Levelbosse, die es zu besiegen gilt.
Unterstützt wird die äußerst gelungen Charakterrealisierung noch durch stimmige Ingame Sequenzen.
Auch bei den Spezialeffekten geizt Primal nicht, vermeidet es aber, zu überzogen zu wirken,
was der Atmosphäre eher schaden würde. So gibt es nette Spiegelungen auf dem blitzblanken Schlossboden
oder stimmige Feuer- und Schatteneffekte. Highlights sind aber ohne Zweifel die Verwandlungen
von Jen in die jeweilige Dämonenform, es sieht atemberaubend aus, wenn sie übergangslos von
einer zur nächsten Form transformiert und aus den Hörnern wieder Haare werden oder aus den Armen
Schwimmflossen.
Soundtechnisch zieht Primal alle Register. Angefangen bei den guten Geräuschen, die für jede
Welt eine ganz eigene akustische Atmosphäre aufbauen. Die Spiel DVD ist multilingual und liefert
alle gängigen europäischen Sprachversionen, die scheinbar alle auf gleich hohem Niveau synchronisiert
wurden. Die deutsche und englische Fassung ist jedenfalls tadellos! Gute Sprecher geben somit
dem Spiel den letzten Schliff und hauchen den Charakteren Leben ein, was nicht zuletzt an der
guten und zum Charakter passenden Stimmauswahl liegt. Die Heldin Jen wirkt jugendlich und tough,
bietet aber dennoch genügend Raum, nicht als absolute Obercoole zu wirken, was zusätzlich durch
die Geschichte und die guten Dialoge eine wirklich runde Charakterdarstellung erlaubt. Ebenso
Scree, der zwar im Prinzip ein Gnom ist, dessen Stimme aber etwas Durchdringendes und auch Autoritäres
hat, wirklich gelungen. Im Original wurde Scree vom leider bereits verstorbenen US Schauspieler
Andreas Katsulas gesprochen, der
vielen als G'Kar aus Babylon 5 bekannt sein dürfte. Dass man Primal mit sehr viel Aufwand und
Qualität umsetzten wollte, wird dann im Bereich Sound auch bei der Musik mehr als deutlich.
Bob & Barn haben dazu einen vollorchestralen Soundtrack komponiert, der mit dem The
City of Prague Philharmonic, großem Chor und Sopran eingespielt wurde. Einfallsreiche Themen,
die weder vor monumentalen Passagen noch intimeren Solopassagen Halt machen, sorgen für ein
grandioses musikalisches Erlebnis. Der Soundtrack, der bei Silva
Screen erschienen ist, gehört in jede Sammlung. Demostücke zum Reinhören gibt
es auf der Komponistenseite. Nicht
ganz so glücklich bin ich jedoch mit den (Punk-)Rock Passagen, die jedes mal, wird die Heldin
in einen Kampf verwickelt, aus den Boxen schallen. Das ist zwar nicht meine Musikrichtung, dennoch
muss man eingestehen, dass es vom Konzept her passt. Die Gruppe 16Volt lieferte dazu Titel aus
ihren Alben und komponierte auch neues Material.
Die Steuerung mit dem Pad geht leicht von der Hand, etwas zickig zeigte sich zum Teil nur
die Kamerasteuerung, jedoch ist sie nicht so schwer zu handhaben, wie es einige andere Reviews
erscheinen lassen, da gibt es weitaus schlimmere Vertreter in diesem Genre. Lediglich in engen
Räumen oder Gängen gab es bei den Kämpfen oder beim Tauchen in schmalen Tunnelpassagen ein wenig
Probleme, jedoch hat der Spielspass darunter nie gelitten.
Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt es nicht. Gespeichert werden kann, mit Ausnahme
von Bossfights, jederzeit. Fairerweise wird ein bevorstehender Bossfight rechtzeitig angekündigt,
so dass man dort vorher speichern kann. Jedoch sollte man diesen angebotenen Speicherpunkt dort
nutzen, beginnt man nach dem Laden direkt beim Levelboss, zurück kann man dann nicht mehr, um
evtl. noch Energie aufzutanken. Hier empfiehlt es sich, vor dem automatischen Speicherangebot
ein Savegame anzulegen.
Gameplay
Jen, die ungewollte Heldin der Geschichte, beginnt ihr Abenteuer auf der Intensivstation
eines Krankenhauses, als ein recht unkonventioneller Besucher ihren Astralkörper in die Welt
Oblivion entführt. Jen hate gerade mit ihrem Freund eine Diskothek verlassen, als sie von einem
furcherregenden Wesen überfallen wurden, das praktisch aus dem Nichts zu kommen schien und ihren
Freund mit in eine andere Dimension riss. Scree, so nennt sich der Gargoyle, klärt Jen über
das Reich Oblivion auf und über die Abenteuer, die ihnen bevorstehen. In ihrer Geisterform reist
sie in den Nexus, dem Zentrum Oblivions, um dafür zu sorgen, dass die Welt der Sterblichen und
die der Dämonen nicht dem Machtspiel des Dämonen Abaddons unterliegt und dem Untergang anheim
fällt. Scree, der fortan Jens Begleiter auf der Reise wird, klärt sie über die Machtspiele
in der Dämonenwelt auf und spricht auch über die verheerenden Auswirkungen auf die Welt Mortalis,
Jens Welt, der Erde. Es kann nur eine Rettung für beide Reiche geben. Dämonen selbst können
nichts gegen die Übermacht Abaddons ausrichten - Menschen jedoch auch nicht und so klärt Scree
Jen über ihre Herkunft auf. Dachte sie bisher, dass ihre Eltern kurz nach ihrer Geburt bei einem
Autounfall ums Leben kamen, erfährt sie, dass sie ein Hybrid ist, halb Dämon und halb Mensch
und nur Hybriden können durch ihre speziellen Kräfte der Macht von Abaddon etwas entgegenstellen.
Die Zeit ist knapp und lange können die vier Dämonenreiche nicht mehr dem Ansturm Abaddons entgegenwirken.
Die Reiche und ihre Führer scheinen schon vom Bösen korrumpiert. Der Nexus und dessen Zeitwächter
Chronos sind in Gefahr und der Kampf zwischen Arella, der Hüterin der Ordnung, dessen Diener
Scree ist und Abaddon geht in die entscheidende Schlacht.
Das Team Jen und Scree wird sicher als eines der gelungensten Duos in die Gamegeschichte
eingehen, wenn sie gemeinsam ihre Fähigkeiten einsetzen, um den Untergang der Welten zu verhindern.
Ein ins Spielgeschehen eingebundenes Tutorial erklärt Jen ihre Fähigkeiten in der Dämonenwelt,
die sich zudem durch neue Gestaltwandlungen, die sie im Spielverlauf erlernt, ständig erweitern.
Primal präsentiert sich jedoch nicht als ein einfaches 3rd Person Game, in dem man sich lediglich
durch Monsterhorden schnetzelt, um bis zum Levelboss zu gelangen und ihm den Gar auszumachen.
In Primal ist vielmehr Gehirnschmalz gefragt. Verstärkt wird dies zudem dadurch, da man
beide Hauptfiguren gemeinsam voran bringen und ihre jeweiligen Spezialfähigkeiten einsetzen
muss. Dabei erübrigt sich ein Blick ins Handbuch, da das Spiel die Handhabung gelungen im Spielverlauf
erklärt. So beginnt das ungleiche Paar die Reise in einer mehr als feindlich erscheinenden
Welt. Eine Höhle, die von gefährlichen Wesen bevölkert ist, scheint für Jen eine Todesfalle
zu sein, nicht jedoch für den steinigen Scree, es sei denn, die Monster wollten sich an ihm
die Zähne ausbeissen. Sie fürchten Feuer, sagt Scree zu Jen und sogleich schaltet man auf den
freundlichen Gargoyle um, um ihn unbeschadet durch die Höhle ins Hinterland zu führen,
wo eine Fackel zu finden ist. Ein wenig später wird Scree auch fündig und so gewappnet kehrt
er mit der Fackel zu Jen zurück, damit sie unbeschadet an den Monster vorbei kommt, die sich
dann auch aus Angst vor dem Feuer gleich vom Acker machen. Hier wird schon recht früh klar,
dass Primal auf intelligent eingesetztes Teamplay setzt. Es ist notwenig, die Level genau zu
erkunden, damit man weiter kommt. Dazu kommen noch die speziellen Eigenschaften, die die beiden
Hauptfiguren mit sich bringen. Scree ist kein Freund des Kampfes und so verwandelt er sich kurzerhand
in eine Steinsäule, sollten Gegner auftauchen, dann liegt es an Jen, die Messer zu zücken und
Tritte auszuteilen. Scree dagegen kann dafür an geeignetem Mauerwerk die Wände entlang klettern
und so sonst nicht zu erreichende Levelabschnitte erreichen. Dann klettert er an Mauern, Fels
oder Häuserwänden empor, um für Jen eine Türe zu öffnen oder Hebel und Mechaniken in Gang zu
bringen. Oftmals helfen auch nur vereinte Kräfte, um zum Beispiel Metallgitter hochzuschieben
oder schwer gängige Hebel zu bewegen. Dabei können die beiden Figuren nicht zwingend den gleichen
Weg zum Ziel nutzen. Während Scree einfach an der Felswand einer tiefen Schlucht entlang klettert,
muss Jen sich an einem schmalen Sims in schwindelerregender Höhe vorarbeiten. Dabei braucht
der Spieler sich aber keinerlei Gedanken um die Steuerung zu machen, die höchst innovativ und
Zelda-like abläuft. Trifft Scree auf eine Mauer, die er emporklettern kann, dann macht er das
auch sofort, kann Jen an einer Erhöhung oder über einen Abhang springen, passiert dies von alleine.
"Abstürzen" kann man daher nicht und somit entfallen frustige Jump & Run Einlagen.
Das Spiel beginnt noch relativ gemächlich, keinesfalls jedoch langweilig. Somit wird gewährleistet,
dass sich der Spieler an die Spielmechanik gewöhnt, die Kämpfe erlernt und vor allem auch von
der epischen Geschichte gefangengenommen wird. Jede der Spielwelten bietet fast den Inhalt eines
eigenständigen Spieles, was fast auch für die Spielzeit jeder Episode gilt, die locker pro Welt
zwischen 5-8 Stunden liegt und gesamt sicher nicht unter 25-30 Stunden zu bewältigen ist. Die
einzelnen Episoden bieten eine unglaublich dichte und packende Atmosphäre, wenn z. B. der alte
König der Ferai auf der Suche nach seinem Sohn ist und man Teil der Intrigen am Hof der gehörnten
Kreaturen wird und versucht, den verlorenen Sohn aus der Gefangenschaft zu befreien und das
Königreich zu retten. Die Schauplätze sind einmalig umgesetzt und die Levelgröße ist fast monumental,
man fühlt sich fast ein wenig wie in Gothic, wenn man von einem Ende des Landes der Ferai, durch
das Schloss, die Stadt, die Armenviertel und in den Untergrund gelangt, um das Abenteuer zu
bestehen. Dabei sind die Level immer so offen gehalten, dass man immer das Gefühl hat, sich
in einer relativ frei begehbaren Welt zu befinden, jedoch wirken sie nie zu groß, um unübersichtlich
zu werden. Insgesamt haben alle Leveln eine phantastische Levelarchitektur. Richtig zur Sache
geht es jedoch erst, wenn Jen erlernt, Dämonenformen anzunehmen. Pro Dämonenreich erlernt sie
die Fähigkeit, sich in die Dämonenform des jeweiligen Landes zu verwandeln und damit erhält
sie auch die spezifischen Eigenschaften. Im Land der Ferai wird sie zur gehörnten Kampfmaschine,
die ordentlich austeilen kann und u.a. auch höher Springen und schneller Laufen kann. Durch
diese Fähigkeit kann Jen Orte erreichen, an die sie vorher nicht gelangen konnte. In der Welt
der Undine kann sie sich in eine Unterwasserform verwandeln und so beliebig durch die Tiefen
der Meere und in Seen tauchen. Die Welt der Wraith verwandelt sie in eine vampirähnliche Form.
Sie kann mit Energiepeitschen kämpfen und sich auch schneller Bewegen und damit ihr Umfeld in
Zeitlupe versetzen. Die Djinn Form verwandelt sie in ein Schwert bewaffnetes Ungetüm, das entweder
mit Doppelklingen oder einem Riesenschwert ordentlich die Gegner dezimiert, sogar mit Instant-Kill.
Die Formwandlungsfähigkeiten beschränken sich aber nicht nur auf die Kämpfe, sondern sind
elementarer Bestandteil der Rätsel im Spiel, gemeinsam in Kombination mit dem Einsatz beider
Hauptfiguren. So ist es z. B. in der Unterwasserwelt notwendig, sich mit Scree auf den Meeresgrund
(wie ein Stein :-) ) fallen zu lassen, um den Strömungen zu entgehen, denen Jen in der Undine
Form nichts entgegenzustellen hat. Scree rollt einfach den nächsten großen Stein vor den Ursprung
der Strömungen und Jen kann passieren. Den Designern ist es außerordentlich gut gelungen, beide
Figuren stimmig in den Spielablauf einzubinden. Jen kann die Turmspitze nicht erreichen? Kein
Problem, Scree sucht sich ein Seil, lässt es am Turm herunter und verwandelt sich zum Stein,
wodurch er zu einer sicheren Befestigung für das Seil wird, an dem Jen jetzt nach oben gelangen
kann. Das Schöne daran ist, dass man auch wirklich in drei Dimensionen denken muss, um die Rätsel
zu lösen, da Screes Fähigkeiten an Wänden emporzuklettern, vielfach mit in die Aufgabenstellung
integriert wurde. Scree hat aber noch eine andere außergewöhnliche Fähigkeit. Er kann bestimmte
Statuen beherrschen, wenn er genügend Kraftsteine gefunden hat. Damit kann er den Geist der
Statue übernehmen und gegen Monster kämpfen, denen sie sonst nichts entgegenzustellen hätten.
Aber er kann auch Statuen einfach umwerfen, die dann nur als Brücke benutzt werden, damit die
Reise nicht vor einem Tiefen Abgrund ein Ende findet. Jens Fähigkeiten in der Wraith Form sorgen
dafür, dass sie z. B. unbeschadet durch einen brennenden Ölvorhang gelangen kann, der nur für
Sekundenbruchteile passierbar ist. Zeit für die Beschleunigungsfähigkeit, die alles in Zeitlupe
versetzt. Die Notwendigkeit der Formwandlung beschränkt ihren Einsatz jedoch nicht auf einen
Level, vielmehr muss dies sehr geschickt in allen Bereichen eingesetzt werden. So in der Vampirwelt,
um das Schloss zu erreichen. Hier geht es nur durch ein unterirdisches Gefängnis, dass zum Teil
unter Wasser steht. Der richtige Einsatz der notwendigen Dämonenform ist hier der Schlüssel
zum Erfolg, ganz davon abgesehen, wie atmosphärisch dies alles umgesetzt wurde, wenn man tief
unter der Erde in einem Verlies auch noch durch die unter Wasser stehenden Zellenblöcke taucht.
Der Einsatz der bestimmten Fähigkeiten erinnert nicht von ungefähr an Shadowman.
Die Rätsel bleiben dabei aber immer fordernd und frisch. So müssen verschiedene Hebel dafür
sorgen, dass in der Unterwasserwelt ein bestimmter Wasserpegel erreicht wird oder Scree muss
auf den morschen Holzfußboden genug Gewichte deponieren, damit er durchbricht. Nie fühlt man
sich als Spieler vorgeführt oder von Wiederholungen gelangweilt. Die Entwickler haben es gut
verstanden, den Spieler bis zum Ende bei Laune zu halten und aus dem Fähigkeiten-Repertoire
ausreichend neue Rätselansätze zu schaffen. Sehr schön und spoilerfrei können Spieler, die nicht
so recht wissen, wo es weiter geht, die Ingame Karte nutzen, um das nächste Ziel zu finden.
Spieler, die lieber selber herausfinden wollen, ignorieren die Karte am einfachsten und experimentieren
drauf los, was auch durch viele Secrets und Boni belohnt wird. So ist in jedem Fall gewährleistet,
dass Profis und Anfänger gleichermaßen Ansporn haben. Damit die groß angelegten Level nicht
unnötige Beinarbeit erfordern, sind gut verteilte Portale in den Leveln aufgestellt, die Jen
und Scree aktivieren können und die sie umgehend durch die Welten befördern. Graphisch ist dies
eindrucksvoll präsentiert, der Übergang von einer Dimension in die nächste ist fließend. Wichtig
sind die Portale auch, wenn Jen sterben sollte, denn dann "flieht" ihr Geist zurück in die Welt
der Sterblichen und Scree muss umgehend ein Portal erreichen, damit er Jen mit Hilfe von Arella
zurück ins Dämonenreich holen kann.
Dämonenformen können jedoch nicht beliebig lange benutzt werden. Sie verbrauchen für Spezialkräfte
Energie und bei Treffern der Gegner reduziert sich diese ebenfalls. Im Gegensatz zur normalen
menschlichen Form, die sich selbsständig regeneriert, muss für die Dämonen entsprechende Energie
aufgesammelt werden. Dazu bietet Primal ein recht kleveres Energiemanagement. Scree ist sozusagen
der mobile Akku für Jen. Er speichert die Energie besiegter Gegner und kann auch von Energiesteinen
selbige bis zu einem bestimmten Grad absorbieren. Verliert Jen Energie, muss sie sich Scree
nähern und kann von ihm die Energie erhalten. Jede Dämonenform hat dazu ein eigenes "Konto",
ist dies aufgebraucht, verwandelt sich Jen wieder in ihre menschliche und auch viel empfindlichere
Form zurück. Ein höchst interessantes Feature, dass im späteren Spielverlauf auch noch ein wenig
Strategie einfordert. Der Schwierigkeitsgrad in den Kämpfen steigert sich dabei sehr kontinuierlich
und die erste Hälfte scheint für geübte Spieler fast ein wenig zu einfach, auch die Levelbosse
sind nicht so schwer, dennoch bleibt es die gesamte Zeit über ein forderndes Spielerlebnis.
Die zweite Hälfte zieht da eindeutig an und mit der reinen Hau-Drauf Methode ist kein Blumentopf
mehr zu gewinnen. Die richtig gewählte Dämonenform für bestimmte Gegner ist wichtig, so kann
man Angreifern, die im Nahkampf viel Schaden anrichten, am besten mit der Wraith Form und der
Peitsche auf Abstand halten. Angriff und Abwehr wird wichtig und härtere Gegner sind zudem nur
mit einem Final-Move ins Jenseits zu befördern, wenn ihre Energie fast am Ende ist und sie nur
noch taumeln. Die richtige Kampfposition und das Umfeld sollte ebenso bedacht werden, damit
man nicht von allen Seiten gleichzeitig umzingelt werden kann - auch ein Rückzug mit einem Energienachladen
bei Scree wird später zum wichtigen Kampfstil gehören, um möglichst unversehrt den Sieg zu bestreiten.
Zusammengehalten wird das an sich schon mitreisende Spielprinzip aber eindeutig von der spannend
inszenierten Geschichte und den charmanten, witzigen Dialogen in der ungleichen Zweierbeziehung
unserer Helden, wenn Jen Scree liebevoll Rocky nennt oder ihm bei einem kleinen Missgeschick
ein Steinohr abtrennt und er darüber lamentiert, dass er dadurch jetzt bis an sein Lebensende
Schlagseite hat. Köstlich! Die Story, die hinter jedem Dämonenreich steckt, ist fast schon als
episch zu bezeichnen, so packend wurden sie in Szene gesetzt. Der König auf der Suche nach seinem
Sohn, die vom verseuchten Wasser mutierten Undine, die dem Untergang geweiht scheinen, das Dorf,
das von den Vampiren heim gesucht wird und nur durch Opfergaben verschont wird. Die Geschichten
sind vielschichtig und es gibt einmalige Charaktere und Handlungsstränge, die jede Episode zu
einem spannenden Film werden lassen. Das verschmähte Kind des Vampirkönigpaars, die im Weinkeller
versteckten Menschen, die so versuchen, sich den Opferungen zu entziehen. Jens Gefangenname
durch den Vampirfürst, der Vampirball, die auf Spießen aufgereihten Köpfe des enthaupteten Adels
im Verlies, die sich selbst in dieser Form noch das Leben schwer machen oder die mysteriöse
Rasse der Djinn, die tief unten im Vulkan leben. Primal ist ein wirkliches Erlebnis.
Aufgewertet wird das Spielerlebnis noch durch freischaltbare Boni, die ein "Making of", etwas
zu den Sprach und Musikaufnahmen enthalten usw. Dazu kann man noch spezielle Items wie Tarotkarten
finden, die zumeist gut versteckt sind und, sollte man alle finden, zusätzliche Boni freischalten,
was den ohnehin schon hohen Wiederspielwert noch erhöht.
Zu kritiseren gibt es eigentlich nicht viel. Die manchmal etwas störrische Kamera, die etwas
unterrepräsentierte Option, sich an Feinde anzuschleichen oder die später etwas zu lang wirkende
Animation der Dämonenumwandlung, die nicht abbrechbar ist, trüben keinesfalls ein wirklich stimmiges
Gesamterlebnis.
Fazit
Primal ist ein außergewöhnliches Spielerlebnis und sollte in keiner Sammlung fehlen. Eine
grandios inszenierte Story entführt den Spieler in atemberaubende Schauplätze, ein ausgezeichnetes
Gameplay, das perfekt Action mit Rätselanteil im Gleichgewicht hält und durch die verschiedenen
Dämonenformen, die die Heldin annehmen kann, stets fordernd und frisch bleibt. Die Möglichkeit,
mit zwei höchst unterschiedlichen Charakteren die Abenteuer zu bestehen und ihre speziellen
Eigenschaften zu nutzen, wurden ausgezeichnet in das Gameplay integriert. Als Undine durch die
Wasserlandschaft zu schwimmen oder als Wraith in Zeitlupe durch die Gegnerhorden zu eilen, mit
Scree an die Turmzinnen des Vampirschlosses zu klettern oder in der Djinnwelt die Maschinen
mit Feuer anzutreiben, das alles macht unendlich viel Spaß - und für langanhaltenden Spaß wird
auch durch die wirklich großzügige Spielzeit von über 25 Stunden gesorgt. Tolle Graphik, eindrucksvoller
Sound, ein stimmiger Schwierigkeitsgrad, durchdachtes und forderndes Gameplay und eine grandios
erzählte Geschichte sorgen für ein rundum gelungenes Spielerlebnis. Mehr davon!
Geschrieben am 25.08.2006, Testkonfiguration: Playstation2
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