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Silverfall - Gold Edition
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| Name: | Silverfall - Gold Edition |
| Genre: | Action Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2008/03 |
| Publisher: | Flashpoint |
| Entwickler: | Monte Cristo |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Hardware: | 2Ghz, 512MB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 16000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/Vista, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| Sprache: | Deutsch |
| Addon: | ja |
| Patch: | 1.17 |
| Bemerkung: | "Beinhaltet das Standalone-AddOn ""Wächter der Elemente""" |
| USK: | 16 |
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Sparfüchse haben es in der heutigen Zeit wirklich gut. Nicht nur die Preise der Spiele sinken
meist schon nach kurzer Zeit, auch Neuauflagen in Form von Gold-Editions sind keine Seltenheit.
Diese Fassungen sind gerade dann beliebt, wenn das fast schon obligatorische AddOn nachgereicht
wurde. Zudem sind Spiele oft von Beginn an nicht immer so bugfrei, wie noch vor fünf oder zehn
Jahren. Im Fall des Actionrollenspiel "Silverfall" vom Entwickler Monte Cristo hat es gerade
mal etwas über ein Jahr gedauert, bis die "Gold Edition" die Händlerregale erreicht. Ausgestattet
mit dem Hauptspiel "Silverfall" und "Silverfall: Wächter der Elemente" bekommt der Spieler gleich
die doppelte Portion Rollenspielkost serviert. Da Blizzard zumindest offiziell noch kein Diablo
3 angekündigt hat, Iron Lore (Titan Quest) die Pforten schließen musste und Sacred 2 noch ein
Weilchen auf sich warten lässt, wäre das Silverfall-Doppelpack vielleicht durchaus einen Blick
wert. Was am Coop-RPG-Titel Spaß macht und an welchen Stellen die Entwickler leider nicht auf
die Verbesserungswünsche der Fans gehört haben, wird das folgende Review ein wenig genauer durchleuchten.
Ausgeliefert wird die Gold-Edition in einer kleinen Eurobox mit Klappcover. Der Inhalt entsprich
genau dem, was auch Käufer vom Hauptspiel + Standalone Addon erhalten. Die zwei DVDs beinhalten
die Spieldaten, wobei es auch möglich ist, nur das AddOn zu installieren, wenn man lediglich
die Inhalte der Erweiterung nutzen möchte. Dazu gibt es auch noch die beiden Handbücher, die
mit jeweils 60 Seiten (schwarzweiß) recht umfangreich ausgefallen sind. Darin werden nicht nur
die Gameplaygrundlagen erklärt, sondern auch Skills und Fähigkeiten detailliert aufgelistet.
Auf der jeweiligen Handbuchrückseite sind zudem die wichtigsten Tastatur-Shortcuts abgedruckt,
was bei der Erweiterung allerdings ein klein wenig ungünstig gelöst wurde. Hier befindet sich
ein Teil der Tastaturkürzel auf der Innenseite. Für den kompletten Spielspaß, sprich die Installation
von Hauptspiel und Erweiterung, brauchen Action-RPG-Fans satte 16 GB Speicherplatz für insgesamt
über 40.000 Dateien. Massive technische Probleme in Form von Abstürzen gab es im Spielverlauf
weder unter Windows XP noch unter Vista, allerdings brauchte der Kopierschutz einige Zeit, bis
das Spiel endlich startete und auch beim Beenden dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis sich der
Rechner wieder "beruhigt". Zudem kam es beim Beenden unter Vista öfters dazu, dass die Anwendung
aufgrund eines Fehlers geschlossen wurde. Auswirkungen auf die Savegames oder die Spieldateien
(Beschädigungen, etc.) waren dabei jedoch nicht festzustellen.
Probleme in Silverfall
Ohne große Vorwarnung oder Einleitung beginnt das actionreiche Abenteuer in der Welt von
Silverfall. Urplötzlich wird die schöne und friedliche Stadt von einer Horde Monster angegriffen.
Während die Bewohner zu entkommen versuchen, stellt sich der Erzmagier der Stadt den Angreifern
in den Weg. Wer sonst, außer dem Spieler, wäre besser geeignet, als mächtiger Magier den Kampf
gegen die Unholde zu bestreiten? Doch ganz so leicht lassen sich die finsteren Mächte nicht
besiegen. Während der Held noch glaubt, gewonnen zu haben, zeigt sich, dass der Feind noch nicht
alle Karten auf den Tisch gelegt hat: Der Erzmagier wird von einem mächtigen Energiestrahl getroffen…
Nichts ahnend von diesen Geschehnissen schwenkt die Handlung nach diesem kurzen, actionreichen
Tutorial zu einer kleinen Siedlung, die die Flüchtlinge im nahe gelegenen Sumpf errichtet haben.
Ohne Nahrungsmittel, teils verletzt, hilflos und ohne ihre Habseligkeiten, stehen die wenigen
Überlebenden kurz vor dem Ende. Sie haben zwar den Angriff überlebt, aber auch im Sumpf wimmelt
es nur so vor feindlichen Kreaturen und fiesen Untoten. Doch ein junger, mutiger Kämpfer hat
die Flucht überlebt. In der Rolle des anfänglich schwachen Recken darf sich der Spieler zuerst
darum kümmern, dass die Flüchtlinge überleben und Hilfe von benachbarten Freunden bekommen,
bevor im Anschluss daran die Suche nach dem vermissten Erzmagier begonnen werden kann, um die
Dinge wieder ins rechte Lot zu bringen…
Wie gut und wie spannend so eine Geschichte dann am Ende auch rüberkommt, wie sehr sie fesselt
und wie gerne man sich auf die Suche nach dem Oberschurken macht, hängt zum nicht unerheblichen
Teil davon ab, wie gut die ganze Sache präsentiert wird. Diablo 2 hatte zwar keine überragende
Handlung, aber diese wurde durch die Videos einfach klasse erzählt. Bei Silverfall haben sich
die Entwickler leider dafür entschieden, den Spieler nur durch Ingamegespräche im Spielverlauf
von einem Schauplätz zum nächsten zu schicken und weitere Storyhäppchen zu verraten. Während
es beim Hauptspiel zumindest noch eine knappe Einleitung gibt, startet die Erweiterung dagegen
direkt mitten im Spiel. Wer jedoch die Geduld hat, der kann aus den zahlreichen und meist auch
längeren Gesprächen mit den NPCs einiges an Infos und Hintergrundinformationen bekommen. Auch
darf sich der Spieler immer mal wieder zwischen unterschiedlichen Antworten/ Reaktionsmöglichkeiten
entscheiden, um etwa einen Auftrag abzulehnen, das Gespräch abzukürzen oder mehr oder weniger
freundlich aufzutreten.
Solide Actionkost
Schon die ersten Spielminuten in der virtuellen Welt von Silverfall zeigen, dass es sich
um ein waschechtes Actionrollenspiel im Stil von Diablo, Sacred oder Titan Quest handelt. Der
Held zieht dabei von Schauplatz zu Schauplatz, nimmt unterschiedliche große und kleine Aufgaben
an, um Leuten einen Gefallen zu tun, bessere Items oder einen Hinweis zu erhalten, wo es weitergeht.
Auf dem Weg durch die Welt stellen sich dem Spieler dabei zahlreiche Feinde in den Weg, die
neben Gegenständen und Geld auch jeweils Erfahrungspunkte bringen. Wurden genügend Punkte gesammelt,
dann steigt der Charakter einen Level auf und der Spieler kann Skills und Fähigkeiten steigern.
Der Charakter wird dadurch nicht nur stärker, hält mehr Treffer aus, sondern lernt den Umgang
mit Bögen, Zaubern und kann sich noch weiter als Kämpfer, Magier oder Bogenschütze spezialisieren.
Doch am Anfang steht erst einmal, wie in fast jedem Rollenspiel, die Qual der Wahl bei der Charaktererstellung
auf dem Programm. In Silverfall kann der Spieler nicht nur als Mensch in den Kampf ziehen, sondern
auch als Elf, Troll, Goblin, Zwerg oder Echse. Neben einem optischen Unterschied zwischen weiblichen
und männlichen Helden, unterscheiden sich die einzelnen Rassen ansonsten merklich in den jeweiligen
Stärken und Schwächen. Während ein menschlicher Charakter eine gute Balance zwischen (Nah-)
Kampf und Magie darstellt, so sind Trolle ideale Nahkämpfer. Die Elfen dagegen beherrschen am
besten die Magie und greifen die Feinde gekonnt mit dem Bogen an. Immer wenn der Spieler eine
Stufe aufsteigt, können einige Punkte in die Charakterentwicklung (Stärke, Vitalität, Intelligenz
und Beweglichkeit) und in verschiedene Skills investiert werden. Diese Skills sind noch einmal
in unterschiedliche "Skill-Trees" unterteilt. Zur Auswahl stehen Kampf und Magie, die jeweils
in drei weitere Gruppen unterteilt sind. Hier kann sich der Spieler etwa zwischen Nahkampf und
Schießen entscheiden und in den Magieuntergruppen aus unterschiedlichen Magiearten (Elementarmagie,
sowie Schwarze und Weiße Magie) wählen. In maximal 10 Stufen lassen Fähigkeiten, wie Kampf mir
zwei Waffen, Angriffskombinationen (Wirbelwind), Umstoßen, Feuer-, Blitz- und Eisangriffe, Heilung
sowie Nekromantie, lernen. Bei allen Rassen lassen sich diese "Basis-Fähigkeiten" erlernen,
wobei allerdings nicht alle Rassen gleich gut mit den jeweiligen Fähigkeiten umgehen können.
Ein Troll kann zwar Magie lernen, wird aber nie einer Magieklasse (Elf) das Wasser reichen können.
Doch es gibt noch mehr Skills in Silverfall. Jede Rasse hat außerdem fünf spezielle Fähigkeiten,
welche die schon vorhandenen Stärken des Charakters noch weiter ausbauen. Der Troll kann so
beispielsweise den angerichteten Schaden noch weiter steigern oder die Trefferchance erhöhen.
Außerdem gibt es im späteren Spielverlauf noch eine Stelle, an der sich jeder Charakter einmalig
entscheiden muss, ob er eine Einstellung zur Natur oder zur Wissenschaft bevorzugt. Diese Entscheidung
bestimmt, welcher der beiden letzten Fähigkeitenbäume genutzt werden kann. Während Natur-Spieler
eine wilde Bestie herbeirufen können, greift die Wissenschaft auf mechanische Diener zurück.
Doch damit nicht genug: Auch einige Waffen lassen sich nur von Natur oder Wissenschaftsspielern
nutzen und manche NPC reagieren, je nach Gesinnung, unterschiedlich. Leider erfolgt diese Wahl
jedoch recht abrupt und es gibt zu wenig Infos an dieser Stelle, welche Entwicklungsmöglichkeiten/
Skills die beiden Richtungen bieten. So kommt zwar die Frage "Sind sie sicher, dass sie XY nehmen
wollen?", aber bei der Antwort "Nein", wird dann automatisch die andere Möglichkeit genommen.
Sorgen, dass man sich im Spielverlauf verskillt, muss sich der Spieler dagegen nicht machen.
In jeder größeren Siedlung gibt es einen freundlichen Herrn, der - gegen eine geringe Gebühr
- Skillpunkte auch wieder entfernen kann, so dass diese in andere Fähigkeiten investiert werden
können. Dadurch kann alles ohne Gefahr einfach mal ein wenig ausprobiert werden und ungünstige
Entscheidungen haben keine so große Auswirkung (Das nötige Kleingeld allerdings vorausgesetzt.).
Aber auch der Tod hat keine so große Auswirkung, zumindest wenn Spieler auf dem normalen Schwierigkeitsgrad
und mit installierten AddOn spielen. In dem Fall sind die "Lebensversicherungen", die einen
immer mit voller Ausrüstung in der nächsten Stadt wiederbeleben, nämlich gratis. Wer nur das
Hauptspiel installiert hat oder auf schwer spielt, wird für jeden Tod zur Kasse geben und das
nicht gerade knapp.
Im Spielverlauf werden nicht nur unzählige Gegner ausgeschaltet, sondern auch Massen an Gegenständen
aufgesammelt, beim Händler verkauft oder erworben. Wie man es aus anderen Rollenspielen kennt,
existieren diverse Qualitätsstufen eines Objekts. So gibt es Schwerter, die lediglich einige
Schadenspunkte verursachen, andere frieren den Feind zusätzlich ein, steigern die Lebenspunkte
des Helden und noch die Angriffsgeschwindigkeit. Aber der Held kann nicht nur den Hammer im
Kampf gegen die Feinde schwingen, sondern auch als virtueller Schmied arbeiten und selbst Hand
an die Ausrüstung legen. Hierfür stehen zahlreiche Gegenstände zur Auswahl. Aus einem Basisobjekt
+ "Zutaten" können mächtige Gegenstände (Schwerter, Rüstungen, Schilde, Schuhe, etc.) geschmiedet
werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die nötige Fähigkeitsstufe im Skilltree Handwerk
erlernt wurde. Eine durchaus interessante Sache, die allerdings nicht nur ein wenig fummelig
ist, sondern auch unglaublich viele Skillpukte verbraucht, die man doch meist lieber in andere,
Kampffähigkeiten investiert.
Eine Welt, zwei Geschichten
Egal ob der Spieler das Hauptspiel beginnt oder direkt mit dem AddOn einsteigt, in beiden
Fällen beginnt er in Silverfall. Für Einsteiger gibt es gleich zu Beginn ein hilfreiches Tutorial,
wobei - wenn die Erweiterung installiert ist - auch gleich Infos zu den neuen Möglichkeiten
des AddOns bzw. den überarbeiteten Funktionen - angezeigt werden. Der kleine Haken daran ist,
dass gleich zu Beginn unglaublich viele Infos auf den Spieler einprasseln. Entsprechend ist
ein wenig Geduld und Einarbeitung gefragt. Doch spätestens nachdem die ersten Aufträge in der
Sumpflandschaft erledigt wurden, worin sich die Überlebenden von Silverfall zurückgezogen haben,
sollten alle Feinheiten des Spiels verstanden worden sein. Das weitere Abenteuer führt einen
dann durch die abwechslungsreiche Welt von Silverfall. Außenareale, wie Graslandschaften, Friedhöfe,
einer Stadt in den Wolken und Wüstengegenden wechseln sich mit allerlei Untergrundhöhlen/-abschnitten
ab. Fast überall gibt es einen kleinen "Abstieg", ein Loch oder einen Eingang. So geht es durch
die Kanalisation, Zwergenminen, überflutete Ruinen, einen Palast und durch eine reichlich belebte
Krypta. Meist in den größeren Städten, aber ab und zu auch in der Landschaft, befinden sich
unterschiedliche NPCs mit kleinen und großen Sorgen. Manche der Aufträge, etwa die Beschaffung
einiger Rohstoffe, sind optional und bringen lediglich einige Erfahrungspunkte, während andere
Quests zwingend erforderlich sind, um die Hauptaufgabe voranzubringen. So müssen Bedrohungen
in der Nähe ausgeschaltet werden, eine Zwergenrevolte beigelegt und spezielle Gegenstände beschafft
werden. Ein wenig geht es dabei von Pontius zu Pilatus, um durch Infohäppchen zum nächsten Schauplatz
zu kommen. Eine Schnellreisefunktion erleichtert dabei die Rückkehr an bekannt Orte. Neben Aufgaben
von unbekannten NPCs, die irgendwo in der Welt herumstehen, haben auch die im späteren Spielverkauf
möglichen Begleiter einige Quests in petto.
Im Verlauf des Abenteuers bekommt es der Held nicht nur mit sehr vielen, sondern auch sehr
unterschiedlichen Gegnern zu tun. Zu den bekannteren Widersachern zählen diverse RPG-Monster,
wie Zombies, Skelette, Goblins, Ratten, Banditen und andere menschliche/ menschenähnliche Angreifer
in unterschiedlichsten Konstellationen. Von Rittern über Reiter bis hin zu Nekromanten ist alles
dabei. Aber auch größere Brocken, Pflanzen, Wasserspinnen, Baumdrachen, Schlammquappen und einige
Zwischengegner wollen dem Spieler ans Leder. Gerade die Zwischengegner sind nicht so schnell
klein zu bekommen und haben meist mehrere Kampfphasen. So gilt es etwa erst den Reiter von seiner
monströsen Kreatur zu "kloppen", um diesen danach im Nahkampf endgültig in die Knie zu zwingen.
Mal stellen sich dem Spieler menschliche Feinde, gigantische Kampfroboter oder einfach nur eine
riesige Kreatur in den Weg.
Wer nicht erst Silverfall (ggf. erneut) durchspielen möchte, der muss mit installiertem AddOn
nicht zwangsweise wieder bei Null, sprich Level 1 beginnen, sondern kann bei der Charaktergenerierung
auch gleich einen Helden der Stufe 45 erstellen. Mit diesem geht es dann direkt in die neue
Welt. Wie auch schon im Hauptspiel, so kann der Spieler auch in der Erweiterung maximal zwei
Gefährten an seiner Seite haben. Die Mitstreiter lassen sich mit Waffen und Rüstungen ausstatten,
benötigen Tränke, können sterben und kämpfen natürlich auch mit dem Spieler gegen die zahlreichen
Angreifer. Sehr viele Möglichkeiten das Kampfgeschehen zu beeinflussen, hat der Spieler zwar
nicht, aber durch rudimentäre Anweisungen ("Greif den stärksten Gegner an", "Greif den Gegner
an, den ich angreife", etc.) geht das Gameplay überwiegend einfach von der Hand. Wer zudem freundlich
zu seinen Begleitern ist, kann diese auch dazu bewegen, die Gesinnung (Natur/ Technik) zu wechseln
und ggf. bessere Gegenstände zu nutzen. Mit der Zeit steigen die Mitstreiter auch im Level auf,
um es mit den immer stärker werdenden Gegnern aufnehmen zu können. Stellenweise sind die computergesteuerten
Mitstreiter eine wirklich große Hilfe, gerade wenn der Held allein ein wenig zu schwach für
die Monster ist. Trotzdem ist das Balancing insgesamt nicht ganz so ausgewogen, wie man es gerne
hätte. Es gibt stellenweise recht starke Schwankungen in der Balance und auch die Gegnerpositionierung
und das Gegnerverhalten ist suboptimal. Normalerweise sind die Feinde in lauter kleine Gruppen,
bestehend aus zwei bis fünf Einheiten, in der Welt verteilt. Um also nicht im "Kugelhagel" einer
wilden Horde unterzugehen, gegen die der Spieler in den meisten Fällen keine Chance hätte, gilt
es einen kleinen "Trupp" nach dem andern auszuschalten. Das Rollenspiel wird somit zu einer
etwas stockenden Stop-and-Go-Partie. Teilweise ist es möglich, mit einem Fernangriff genau ein
oder zwei Gegner herauszulocken, während die anderen wenige Meter daneben stehen bleiben und
nichts unternehmen. Aber auch ein Kampf einige Meter neben einem Feind stört diesen nicht. Mitunter
haben sich auch einige Zwischengegner erstaunlich wenig gewehrt und ließen sich einige Zeit
ohne Gegenwehr verprügeln, was stellenweise wohl an der Wegfindungsroutine leigt.
Auch Skills sind nicht unbedingt für alle Rassen gleich gut. Hier macht sich ein wenig unschön
bemerkbar, dass die grundlegenden Skilltrees (Kampf & Magie) bei allen Rassen gleich sind. Der
Versuch einer Kämpfer-Magier-Mischung mit einem Menschen war beispielsweise nicht wirklich von
so großem Erfolg gekrönt und spielte sich recht zäh. Selbst mit der maximalen Punktzahl bei
einigen Zaubersprüchen bestand nicht wirklich eine gute Chance gegen die Gegner, die sich sonst
mit einigen Schwertschlägen besiegen ließen. Zudem krankt der Schwierigkeitsgrad ein wenig mit
dem Übergang vom Hauptspiel zum AddOn. Wer sich einen Helden über das Hauptspiel "Silverfall"
hochlevelt, um im Anschluss "Wächter der Elemente" zu spielen, wird vermutlich in der 55-Level-Region
und damit viel zu stark sein. Spieler, die sich einen neuen Level 45-Helden für die Erweiterung
erstellen, werden es dagegen reichlich knackiger haben. Leider fallen auch die von Gegnern hinterlassenen
Gegenstände in das nicht wirklich gelungene Balancing. Wenn man nicht gerade auf schwer spielt,
sind wirklich gute/ außergewöhnliche Gegenstände nahezu nicht zu finden. Aber zumindest Hardcore-Zocker
dürften dadurch mehr als einen zusätzlichen Anreiz für einen erneuten Durchlauf haben.
Wer zudem nicht immer nur allein oder mit CPU-Begleitern spielen möchte, kann sich auch im
LAN oder Internet austoben. Wahlweise kann dabei entweder die Geschichte im Coop-Modus gespielt
werden oder der Spieler tritt gegen bis zu sieben Kontrahenten an. Der Charakter aus dem Einzelspielermodus
darf auch in den MP übernommen werden und der notwendige Onlineaccount wird mit einem Klick
direkt über per Spieloberfläche erstellt. Insgesamt funktioniert das Onlienspiel zwar, allerdings
trüben einige Einschränkungen, Bugs und technische Mängel das Bild. Ein Problem des „Freien
MP-Modus“ besteht darin, dass einige Trigger – etwa bei Türen – nicht funktionieren und so der
Übergang zum nächsten Bereich versperrt bleibt. Abhilfe schafft hier der Umweg über die Karte
des Einzelspieler-Modus, um das Gebiet ansteuern zu können. Die größte Enttäuschung werden Mehrspieler-Freaks
ansonsten darin erleben, dass es fast keine Server und noch weniger Spieler in der Onlinewelt
gibt.
Knackpunkt: Steuerung
Bis zu dieser Stelle wäre Silverfall durchaus ein schönes, unterhaltsames und spaßiges Action-RPG
für die etwas erfahreneren Zocker. Doch leider trübt eine Schwäche den Spielspaß ganz gewaltig.
Wie es die Unterüberschrift schon andeutet, folgt nun reichlich Kritik an der Steuerung. Mit
der Erweiterung "Wächter der Elemente" haben die Entwickler zwar schon das Interface ordentlich
überarbeitet und die einzelnen Menüs und HUD-Elemente können jetzt individuell platziert werden,
aber die Kamera ist noch immer so störrisch, wie eh und je. Die Ansicht viel zu dicht am Geschehen
und ermöglicht teilweise kaum Überblick, auch die Steuerung der Ansicht ist ein Krampf. Immer
wieder kippt oder dreht das Bild in eine Richtung, die man nicht haben möchte. Die Richtung,
wohin man schauen will, lässt sich weder mit Maus noch mit der Tastatur befriedigend einstellen.
Optimal wäre es, wenn man sich als Spieler bei solchen Actionrollenspielen gar nicht um die
Kamera kümmern müsste, aber ohne manuelles Eingreifen geht gar nichts und dann auch nur sehr
schwammig. Auf der Tastatur etwa dreht die Ansicht immer gleich in 90°-Schritten und es wird
oft viel verdeckt bzw. der Kamerawinkel ist völlig unbrauchbar. Ganz besonders schlimm wird
es, wenn der Held dann auch noch durch die Welt laufen soll (muss). Während in Außengebieten
die Ansicht höchstens mal an größeren Objekten hängt, wird daraus in Innenarealen ein wildes
und hektisches Dauergedrehe. So lange der Charakter dann geradeaus in eine Richtung laufen kann,
geht es ja noch, aber spätestens beim schnellen Rückzug oder einer Abzweigung endet der Spaß.
Je nachdem, an welchen Objekten, Kanten und sonstigen Hindernissen die Spielfigur hängt, gerne
auch mal ein wenig nach vorn, dann nach hinten und danach wieder nach vorn läuft oder einfach
den Weg nicht findet, wechselt munter die Ansicht. Schon ein wirklich kleiner Hügel oder minimale
Decos können für Frust oder das Ableben des Spielers sorgen. Gerne läuft die Figur auf einen
"Minihügel" hoch, kommt aber auf der anderen Seite nicht wieder runter und bleit somit einfach
stehen. Wer dem Rechner zu wenig Zeit lässt und schnelle Klicks ausführt, der kann erleben,
wie zwei unterschiedliche Wegberechnungen den Helden abwechselnd in die entgegengesetzte Richtung
laufen lassen. Doch auch das (überarbeitete) Interface ist nicht frei von Mängeln. Das neue
HUD ist zwar schon deutlich übersichtlicher und es gibt viele hilfreiche Popup-Infos (etwa Waffenvergleich
oder Fähigkeitenbeschreibungen ), aber andere Stellen sorgen nur für Ärger. So gibt es zwar
eine Lebensanzeige für den anvisierten Gegner, doch diese hat keine feste Position, sondern
"springt", je nach Kamerablickwinkel und Gegnergröße "wild" herum. Mal gibt es die Infos "unter"
dem Gegner, irgendwo in einer oberen Bildschirmecke oder an der Seite. Mehr als eine Taste mag
das Spiel nicht und so ist es nicht möglich einen Trank zu nehmen während noch eine andere Aktion
per Tastatur ausgeführt wird. Fähigkeiten können zwar per Zifferntaste ausgewählt werden, gelten
dann aber nur für den Angriff auf das anvisierte Monster und stellen keine dauerhafte Umstellung
für die rechte Maustaste dar. Mitunter legt der Held auch mal einfach eine Pause im Kampf ein
und der Gegner muss erneut als Ziel angewählt werden.
Dabei fällt dann auch immer wieder sehr unschön auf, dass die Trefferberechnungen teilweise
unglaublich ungenau sind. Selbst wenn der Spieler schon einige Meter entfernt ist, kann der
Angreifer trotzdem noch Treffer landen. Klappt bei Monstern auch, aber zerstört irgendwie ein
wenig das Kampfsystem. Außerdem sorgt das Inventar für einige Kuriositäten. Jeder Gegenstand
nimmt nur einen Platz ein und zur besseren Übersicht werden die Gegenstände auch gleich entsprechend
sortiert, was an sich nicht schlecht ist. Allerdings kann man nur eine feste Anzahl an z. B.
Waffen aufnehmen und wenn die "Plätze" voll sind, geht nichts mehr, selbst wenn in den zahlreichen
Rüstungsplätzen noch alles frei ist. Leider sind die Gegenstände auch nie gleichzeitig zu sehen,
wodurch immer umgeschaltet werden muss. Besonders ärgerlich wird es zudem, wenn der Spieler
Gegenstände im Inventar hat, die noch nicht verwendet werden können. Die kleinen Icons sind
so schon klein genug, dass man genau hinsehen muss. Aber Gegenstände, die nicht verwendet werden
können, werden mit einem durchgestrichenen Kreis gekennzeichnet, so dass der Spieler dann gar
nichts mehr erkennt und anhand der Einblendung nachschauen muss, worum es sich eigentlich handelt.
Bei den vielen Items, die im normalen Spielmodus auch nur sehr wenig Gold einbringen, ist es
eine Qual, das Inventar auszumisten oder nach einem besseren Gegenstand zu schauen.
Präsentation
Optisch gehört Silverfall - auch ein wenig bedingt durch das Alter des Hauptspiels - nicht
ganz zur Spitze der Action-Rollenspiele. Insgesamt sieht die Welt allerdings trotzdem ganz passabel
und vor allem recht abwechslungsreich aus. Wüsten, Tümpel, Tunnel, Städte und Friedhöfe sind
überwiegend nett gestaltet, wobei in den Außengebieten der Landschaftsuntergrund ab und zu wie
mit einem Zufallsgenerator generiert aussieht. Jedoch sind auch immer wieder Wiederholungen
in der Landschaft und den Dungeons zu sehen. In den Städten haben sich die Entwickler sehr
viel mehr Mühe gegeben.Ebenso bei den Effekten. Figuren, Gegner und die Umgebung spiegeln sich
im Wasser, es gibt schön anzusehende Lichteffekte, und einen Tagesablauf. Je näher man jedoch
an das Geschehen heran zoomt, desto mehr fallen Schwächen wie Texturen oder Weitsicht ins Auge.
Gerade mit gekippter Kamera wird es in der Ferne schnell sehr unschön. Auch nicht mehr ganz
zeitgemäß ist die strikte Unterteilung in meist rechteckige Areale, die teilweise merkliche
Ladezeiten haben. Mit der Erweiterung wurde es zwar ein wenig besser, aber trotzdem ist Silverfall
noch immer ein unglaublicher Hardwarefresser. Auf dem Testsystem kam es immer mal wieder zu
merklichen Einbrüchen und so etwas darf bei der Optik eigentlich nicht sein. So viele (unterschiedliche)
Gegnertypen tummeln sich nun nicht auf dem Bild und wenn drei Zombies aus dem Untergrund "hochploppen",
dürfen die Frames nicht mal eben merklich einbrechen.
Besser sieht es dagegen schon bei der akustischen Untermalung aus. Die Musikstücke sind meist
recht stimmig und decken unterschiedliche Aspekte der Welt ab. Neben düsteren Beats der technologischen
Ausrichtung gibt es auch andere Tracks, die mehr auf natürliche Klänge setzen. Auch die Sprachausgabe
ist insgesamt recht ordentlich gelungen, nur leider sind nicht alle Passagen des Spiels vertont,
so dass der Spieler auch öfters mal Texttafeln mit recht kleiner Schrift durchlesen muss.
Meinung
Auch mit der Erweiterung bzw. der Gold Edition ist Silverfall leider noch um einiges von
der Konkurrenz entfernt. Dabei sind es eigentlich gar keine so großen Probleme. So schwer sollte
es nicht sein, eine brauchbare Kamera zu integrieren, die Steuerung zu verbessern oder am Balancing
zu arbeiten. Die meisten Probleme hätten schon recht früh in der Produktionsphase auffallen
müssen. Hardwarehunger lässt sich im Nachhinein meist schlecht ausbessern, aber wenn das Gameplay
einem sonst weniger Knüppel zwischen die Beine werfen würde, könnte man darüber durchaus hinwegsehen.
Die Ansätze und Ideen des Spiels sind ja auch durchaus ganz nett. Mit der Gold-Edition bekommen
Action-Fans reichlich Futter, es gibt unzählige Items, Fähigkeiten und unterschiedliche Charaktere.
Dazu wurde ein Level-Editor herausgegeben und es gibt Coop-Support. Die Voraussetzungen sind
da und wenn man sich ein wenig eingearbeitet hat, dann bleibt durchaus ein lohnenswerter Titel
für Rollenspieler, die schon ein wenig Erfahrung haben und über unschöne Schwächen hinwegsehen
können. Alle anderen sind mit Titan Quest,
Loki, Sacred
oder dem Action-Oldie Diablo 2 besser
bedient.
Geschrieben am 18.05.2008, Testkonfiguration: AMD X2 6000+, 4GB, GeForce 8800GTS, SB Audigy2ZS
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