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Sniper
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 | Info |
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| Gesamt (18 votes) | | 4 |
 |   | | 1.2 |
 |   | | 0.9 |
 |   | | 0.8 |
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| Name: | Sniper - Path of Vengeance |
| Genre: | Egoshooter |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2003/02 |
| Publisher: | Xicat |
| Entwickler: | Mirage |
| Hardware: | 600Mhz, 128MB RAM, 16MB 3D-Karte D3D, HD 1200 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX8 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Englisch |
| Patch: | 2.23 |
| USK: | 18 |
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Von den polnischen Entwicklern des für seine Zeit in Teilen erträglichen
Mortyr
erreichte uns kürzlich ein neues Spiel namens "Sniper - Path of Vengeance".
Der Titel deutet schon an, dass es sich hierbei wohl kaum um einen weiteren
Tetrisklon, sondern vielmehr wieder um einen Shooter handelt, dessen Spielinhalt
nicht wirklich die von Psychologen so geforderten vielfältigen Problemlösungsmöglichkeiten
anbietet.
Der Held des Spieles geht dem zweifelhaften, aber wahrscheinlich ziemlich
einträglichen Beruf des Auftragskillers nach. Das Game beginnt logischerweise
auch mit einer entsprechenden Szenerie, Dominick, so der Name des Snipers,
trifft unter einer Brücke einen Auftraggeber, der ihm ein Gewehr und den
Standpunkt seiner Zielperson übergibt. Diese steht, warum auch immer,
von einigen Polizisten bewacht an einer nahegelegenen Tankstelle herum.
Nachdem der Auftrag erledigt ist, versucht er sich natürlich so schnell
wie möglich vom Tatort zu entfernen, wird dabei jedoch von der Polizei
geschnappt und ins Gefängnis gesteckt. Schnell wird klar, dass dahinter
ein Komplott verschiedener Unterweltgrößen steckt und nachdem Dominick
sich aus dem Gefängnis befreit hat und herausfindet, dass er selbst unter
eine Droge gesetzt wurde, mit der eben diese Verbrecher sich eine Armee
von Supergangstern schaffen wollen, befindet der Killer sich logischerweise
auf dem namensgebenden Rachefeldzug.Nebenbei wäre auch ein Gegenmittel
ganz hilfreich, denn die Droge wirkt irgendwann tödlich.
Klingt recht an den Haaren herbeigezogen und ist es auch. In Teilen frech
geklaut von SiN, dabei allerdings befreit von innerer Logik, versehen
mit einer mysteriösen weiblichen Helferin, die Dominick in der Mitte des
Spieles einen Hinweis gibt und auch in der Endszene auftaucht, ohne dass
irgendwie klar wird, was sie eigentlich mit der ganzen Sache zu tun hat,
"vorangetrieben" durch einige wenige Gespräche mit ebenso mehr oder weniger
überflüssigen Leuten, so ungefähr stellt sich die Handlung des Spieles
dar.
Nun kann man einwenden, dass Shooter nicht immer durch eine überzeugende
Story getragen werden müssen, obwohl sich das in letzter Zeit doch eher
zum Positiven verändert hat. Leider sieht es aber auf anderen Gebieten
kaum besser aus.
Laut Packung basiert "Sniper" auf Lithtechs Jupiter-Engine, die ja beispielsweise
auch NOLF2
zugrundeliegt. Ich habe keine Ahnung, was Mirage mit dieser Engine gemacht
haben, oder ob sie sich vielleicht nur eine illegale Version aus den Monolith-Servern
gehackt haben, auf jeden Fall macht das Spiel grafisch durchweg einen
furchtbaren Eindruck und erinnert nirgendwo auch nur in Ansätzen an die
eigentlich wirklich gute Qualität dieser Engine, selbst die Urversion,
wie sie bei Shogo/ No One Lives Forever/ Blood 2 / Kiss
Psycho Circus verwendet wurde, sieht um Längen besser aus. Dazu kommt
noch, dass man nur Auflösungen bis 1024x768 einstellen kann, was ich mir
wiederum auch nicht erklären kann, da normalerweise mehr möglich sein
müssten. Die Texturen sind fast durchweg verwaschen, dreckig-grau und
von mieser Qualität, Gegenstände wie Schränke, Türen oder selbst Autos
sehen aus wie bei Duke Nukem. Einige wenige Ausnahmen stellen eine Art
Landsitz und einige chinesische Gebäude dar, aber auch da gibt es nur
ganz billige 08/15-Räume oder Außenwände. Ich kann mich des Eindrucks
nicht erwehren, dass die Entwicklung von "Sniper" durch Epic (Unreal,
Unreal Tournament) finanziert wurde, um sich eine lästige Engine-Konkurrenz
vom Hals zu schaffen, denn was hier präsentiert wird, ist fast schon eine
Rufschädigung für Lithtech. Selbst das schon einige Jahre alte Mortyr
sah in den ersten Leveln wesentlich besser aus.
Als musikalischer Hintergrund fungiert durchweg nervige Synthiemusik,
von deren Qualität die Entwickler aber sehr überzeugt gewesen sein müssen,
denn er lässt sich immer nur für die jeweilige Spielsitzung abstellen.
Startet man "Sniper" erneut, ist der entsprechende Schalter
wieder auf "On", einer der zahllosen Bedienungsfehler des Spieles. Die
Waffensounds und auch -skins sind ok, Dominick gibt hin und wieder einige
Kommentare zum Spielgeschehen ab und auch die an einer Hand abzählbaren
Gespräche sind halbwegs vernünftig synchronisiert.
Das generelle Gameplay, man ahnt es schon, schließt sich nahtlos an den
durch Story, Grafik und Sound gesetzten Trend an. Waffen einsammeln, ein
paar Knöpfe drücken um eine Tür zu öffnen und alles abknallen, was einem
im Weg steht...mehr gibts nicht. Die Level sind vollkommen linear und
simpel aufgebaut, Rätsel gibt es keine, ein einziges Mal muss man einen
bestimmten Gegenstand "suchen", nämlich eine Statue, in der die Droge
und das Gegenmittel versteckt sein sollen. Komischerweise kommt in der
Schlusszene die oben angesprochene Dame angerannt und hat das Gegenmittel
in einer Spritze, obwohl man die Statue die ganze Zeit selbst mit sich
herumgeschleppt hat....nun ja.
Da für die Gegner im Spiel die Bezeichnung KI zu schmeichelhaft wäre,
verwende ich lieber die Eigenkreation AS (Artificial Stupidity). Sie laufen
ein bißchen im Kreis, machen ein oder zwei Schritte zur Seite, kommen
aber ansonsten immer recht brav herangelaufen und stürzen sich mehr oder
weniger in die Waffe des Helden. Aber halt, Mirage wollte es uns dann
doch nicht zu einfach machen und hat ihren bösen Kreationen von Anfang
an den NoClip-Cheat mit auf den Weg ins virtuelle Leben gegeben. Das wirkt
sich dann so aus, dass sie beständig durch ganz klar geschlossene Türen
hindurchgehen, ohne dass diese sich öffnen, oder hin und wieder auch durch
Wände schießen. Auch ganz nett ist es, dass sie mehr oder weniger unvermittelt
und aus dem Nichts hinter dem Spieler erscheinen, nachdem man durch den
Tod eines anderen Gegner dieses Ereignis ausgelöst hat. Wieder andere
ignorieren einen allerdings komplett, so dass man im ersten Moment glaubt,
jemanden gefunden zu haben, mit dem man reden muss, allerdings passiert
nichts, selbst wenn man sich frontal vor die Figur stellt. Erst wenn man
dann einige Schritte weiter den nächsten Gegner erledigt, wachen die anderen
aus ihrem scheintoten Zustand auf. In der Regel treffen sie auch relativ
schlecht und stellen für halbwegs geübte Spieler, abgesehen von ihren
Cheats, keinerlei Gefahr dar, außerdem gibt es nur 3 oder 4 Grundmodelle,
die immer mal Klamotten mit anderen Farben besitzen, um so Vielfalt vorzutäuschen.
Erwähnte ich schon, dass es während des gesamten Spiels -abgesehen von
Anfang und Ende- genau eine Cutscene gibt (man fährt mit einem gelben
Bus durch eine Gefängsnistür)? Oder dass die Shotgun jedem CS-Spieler
das Herz höher schlagen lassen dürfte, da man mit ihr auf ca. 5 km Entfernung
die Feinde mit einem Schuß erledigen kann? Oh, bevor ich es vergesse,
man sollte sich auch nicht zu früh über die im Handbuch aufgeführten Alternativmodi
der Waffen (auch hier nichts Besonderes, das übliche Sammelsurium aus
Pistolen und MP´s) freuen, da sie in ca. 50% der Fälle schlicht nicht
vorhanden sind, obwohl sie es eigentlich sollten. Nur beim Snipergewehr
konnte man alternativ zoomen und bei zwei der Maschinenpistolen ein zusätzliches
Licht am Lauf einschalten, mit dem man aber absolut nichts erhellen kann.
Anscheinend, um ein wenig mit der Zeit zu gehen, gibt es auch bei Sniper
"einzigartige Elemente zur Figurenerstellung, mit denen Sie Ihren perfekten
Killer erschaffen können" (Zitat von der Verpackung).
Es soll sich wohl, auch wenn sich meine Finger sträuben, dies zu schreiben,
um Anlehnungen an Rollenspiele handeln. Nach einer bestimmten Anzahl erledigter
Feinde (andere Aufgaben gibts ja nicht) steigt man ein Level auf und bekommt
1 (in Worten: einen) Punkt, den man entweder auf Stärke (sinnlos, da sie
nur die Tragfähigkeit erhöht), Stamina (reicht auch so) oder Lebenspunkte
(man startet bereits mit 100 und steigt vielleicht 30mal auf) verteilen
kann. Nötig oder wirklich wichtig ist das nicht.
Noch schwachsinniger ist die Tatsache, dass man diesen einen Punkt außerdem
noch zur Erhöhung der Fertigkeiten im Umgang mit den verschiedenen Waffen
verwenden kann. Diese werden allerdings auch durch die bloße Benutzung
der Waffe gesteigert und das sehr viel schneller. Anstatt dort einen Punkt
zu verschwenden gibt man lieber 3 Schüsse ab und bekommt dasselbe Ergebnis.
Die Steuerung erfolgt über Tastatur und Maus, aber auch hier gibt es
einige Überraschungen zu erleben. Zunächst mal ist der Sensitivitätsregler
für die Maus eine Attrappe, zumindest bei meiner ergab sich überhaupt
kein Unterschied, egal in welcher Stellung er sich befand. Desweiteren
funktionierten einige der zu vergebenden Tastaturbefehle nicht, beispielsweise
konnte ich auf keinen meiner Keys die manchmal ja ganz nützliche Nächste/Vorherige
Waffe-Funktion vergeben. Auch das Mausrad verweigerte hier seinen Dienst
und so blieben nur die Zahlentasten übrig.
Angesichts der zahlreichen beschriebenen Bugs, die noch ergänzt wurden
duch die üblichen Abstürze beim Laden und Starten des Spieles, machte
ich mich auf die Suche nach einem Patch und wurde auch schnell fündig,
da Sniper inzwischen durch ein 42 MB (!!) großes Update auf Version 2.33
gebracht werden kann. Man stelle sich jedoch meine Überraschung vor, als
ich bemerkte, dass ich bereits die ganze Zeit mit dieser aktuellen Variante
gespielt hatte, da die im Moment in Deutschland erhältlichen Sniper-Ausgaben
offensichtlich bereits aktualisiert sind. Ich möchte wirklich nicht wissen,
wie die Urfassung ausgesehen hat bzw. sich spielen ließ.
Ein ganz spezielles Schmankerl haben sich Mirage übrigens für den Schluss
des Spieles aufgehoben, den ich angesichts meiner festen Überzeugung,
dass sowieso kein normaler Mensch so weit spielen wird, mal kurz spoilern
will: Sniper endet in einem klassischen Showdown zwischen Dominick und
dem letzten der Unterweltbosse und zwar dergestalt, dass letzterer einfach
viel mehr Gesundheitspunkte und eine etwas stärkere Waffe besitzt und
auf einem übelst langen Flur ständig vor seinem Verfolger flüchtet. Hat
man ihn dann entscheidend geschwächt, startet eine Endsequenz, in der
die beiden Gegner in Matrix-Optik zeitlupenartig zu Boden gehen. Dummerweise
haben die Entwickler jedoch vergessen, den beiden in diesem Film Waffen
in die Hand zu geben, so dass sie leere Hände vor sich hinhalten und damit
einen Shootout quasi simulieren. Vielleicht sollte es aber auch nur als
humoristischer Rausschmeißer gedacht sein. Ich habe allerdings schon besser
gelacht, vor allem, wenn ich an die vorher vergeudeten ca. 6 Stunden meines
Lebens denke.
Sniper - Path of Vengeance ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Shooter
im Jahre 2003 NICHT sein sollte. Schwächen auf einem der für den Spielspaß
relevanten Gebiete hat fast jedes Game, wenn eines jedoch überall absolut
unterdurchschnittlich ist bzw. die Grenze des Erträglichen überschreitet,
bleibt nur eine faire und damit schlechte Bewertung übrig. Wer sein Erspartes
lieber in Budgetversionen von SiN, Requiem und Blood 2 investiert, hat
damit gleich 3 Spiele, die älter, um Längen besser und lustiger sind und
immer noch Geld für eine große Pizza übrig. Ich hoffe für Mirage, dass
dieses Spiel nicht den Maßstab für das bald erscheinende Mortyr 2 darstellt,
denn dann wird mich auch eine weitere Hitler-Veräppelung nicht mehr dazu
bringen, ein Auge zuzudrücken.
Geschrieben am 15.03.2003, Testkonfiguration: AMD2000, GeForce3, 512MB Ram
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