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SpellForce2 Scoring
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 | | Conny Kollet auf der GC 2005 (Photo von T.Boecker) |
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Dass unsere Seite die Dinge ein wenig anders angeht, als andere Publikationen, sollte den
Stammlesern mittlerweile bekannt sein. Umso mehr freut es uns, dass ein schon länger von
uns geplantes Projekt Gestalt angenommen hat. Die Rede ist von Gastartikeln, in denen wir versuchen
wollen, interessante Themen aus der Sicht der kreativen Köpfe, die dahinter stehen, den
Lesern näher zu bringen. Und noch mehr erfreut es uns, dass der erste Artikel sich auch
einem unserer Lieblingsthemen widmet, der Spielemusik. Hierfür konnten wir den Komponisten
Tilman Sillescu von Dynamedion, die wir schon einmal in einem Interview
vorstellen durften, gewinnen. Und unser Premierenthema ist zugleich auch eine Premiere der ganz
besonderen Art. Der erste vollorchestrale deutsche Spielesoundtrack zu einer deutschen Produktion:
SpellForce 2.
Damit übergeben wir auch sogleich an Tilman Sillescu und danken herzlich für die
Mühe und Arbeit, die er investiert hat, um uns das Thema Musik und deren Entstehung näher
zu bringen. Dank natürlich auch an alle Beteiligten, die die Musik zum Leben erweckt haben.
Erfahrungsbericht über die Aufnahmesession für den Soundtrack von "SpellForce2 - Shadow
Wars"
Der erste deutsche Spiele-Soundtrack mit echtem Orchester: Seit Pierre Langer und ich orchestrale
Soundtracks für Computerspiele erstellen, arbeiten wir nicht ausschließlich mit programmierten
Samples, sondern versuchen, so viele Live-Instrumente wie möglich in unsere Musik zu integrieren,
um der Musik etwas mehr "Leben" einzuhauchen. Aufgrund von mangelnden Budgets wurde im Bereich
Computerspiele-Soundtracks nämlich bisher meistens auf rein programmierte Musik zurückgegriffen,
das heißt, der orchestrale Sound wird mit Hilfe von Samples virtuell nachgebildet, was natürlich
nicht immer zu optimalen Ergebnissen führt. Unsere Ideal-Vorstellung war natürlich schon immer,
einen orchestralen Soundtrack mit einem echten Orchester aufzunehmen, was eigentlich logisch
klingt und z. B. in der Filmbranche auch üblich ist; der epische und lebendige Sound eines echten
Orchesters steigert das emotionale Erlebnis eines Kinofilms auf einer unterbewussten Ebene;
hier werden die großen Gefühle erzeugt.
Mit den Verhandlungen für die Vertonung des Soundtracks zum Spiel "SpellForce2 - Shadow Wars"
ist es uns dann tatsächlich gelungen, das Entwicklerteam Phenomic Game Developement sowie den
Publisher, JoWooD, vom Potential eines echten Orchestersoundtracks zu überzeugen. Wir konnten
klarmachen, dass ein deutsches Orchester durchaus bezahlbar ist, wenn man es geschickt anstellt.
Als wir grünes Licht hatten, buchten wir das deutsche Orchester Gera-Altenburg auf Empfehlung
des Soundtechniker-Teams "Genuin", mit dem
wir schon 2004 eine kürzere Orchesterproduktion für den US-Sender Fox
(NFL Superbowl Maintheme) durchgeführt hatten. Als Aufnahmetermin waren der 10. und 11. Mai
2005 vorgesehen, mit Holger Busse von Genuin als Aufnahmeleiter und dem Dirigenten Bernd Ruf,
der uns mit seiner großen stilistischen Bandbreite am geeignetsten für solch ein Projekt erschien.
Unser Orchestrator wurde Marco Jovic, den wir aus der früheren Produktion ebenfalls in sehr
guter Erinnerung hatten.
Erstellen der Musik
Die gesamte Musik komponierten wir in einem Zeitraum von etwa 4 Monaten im Winter 2004/05.
Der Kompositionsvorgang war für uns zwar mit harter Arbeit verbunden, doch in anderer Hinsicht
auch recht entspannt; denn unsere Entwickler haben uns nicht nur sehr viel kreativen Spielraum
gegeben, sondern uns auch viel Vorvertrauen entgegengebracht. Um den Entwicklern eine Vorstellung
der Musik zu vermitteln, die ja noch nicht eingespielt war, haben wir mit Hilfe von Samples
so genannte Mockups erstellt, das heißt "Vorversionen" der einzelnen Musikstücke. Einige sehr
komplexe oder virtuose Passagen klangen im Mockup verständlicherweise noch sehr suboptimal,
so dass die Entwickler uns teilweise "blind" vertrauen mussten. Wir haben dann erklärt, dass
das alles am Ende super klingen wird, wenn es das echte Orchester spielt und dass man es eben
nicht mal so am Computer programmieren kann. Nachdem die Musik fertig erdacht war, haben wir
unsere virtuellen Orchesterpartituren als Pdf-Files zu unserem Orchestrator, Marco Jovic, geschickt.
Dazu natürlich die Mp3-Dateien mit dem Mockup zum Anhören, damit auch er sich eine exaktere
Vorstellung unserer Musik machen konnte. Er hatte die Aufgabe, unsere Partituren zu vervollständigen,
eventuelle Fehler zu korrigieren, und schließlich die Einzelstimmen für die 70 Musiker zu layouten,
mit Details wie Lautstärkeangaben, Legatobögen und Artikulationszeichen.
Vorbereiten der Aufnahmesession
Nachdem wir die Pdf-Dateien von Marco Korrektur gelesen und die finalisierten Versionen zugesendet
bekommen haben, ging es daran, das gesamte Notenmaterial auszudrucken und in einzelne Mappen
für jeden Musiker einzuordnen; dazu kamen noch Gesamtpartituren für den Dirigenten, den Tontechniker
und nicht zuletzt für uns. Insgesamt kamen über 2500 Seiten zusammen, die wir frühzeitig in
zwei Riesenpaketen an das Orchester losschickten, damit diese sie sich hoffentlich vor der Session
schon mal anschauen sollten und schwierige Stellen üben konnten (was natürlich so gut wie nie
der Fall ist :-).
Nachdem wir dann am Abend vor dem Aufnahme-Termin in unser Hotel in Gera eingecheckt hatten,
trafen wir uns vorab mit Holger Busse, unserem Tontechniker, im großen Saal des Theaters Gera-Altenburg,
wo die Aufnahme stattfinden sollte. Zu unserer großen Freude schallten uns von der Bühne bereits
Teile unserer Musik entgegen: die Harfenistin des Orchesters war anwesend und ging auf ihrem
Instrument noch mal einzelne Passagen durch. Auf unsere Nachfrage hin lobte sie uns für das
gut lesbare Notenmaterial, es sei aber "nicht alles so leicht spielbar, wie es aussieht". Auf
der Bühne war schon fast alles aufgebaut, Mikroständer, Multicore, Monitorbox für die Kommunikation
mit dem Dirigenten, auch standen die weniger mobilen Orchesterinstrumente wie Pauken, große
Trommel, und eben Harfe schon auf der Bühne. Außerhalb des Saals war ein Aufnahmezimmer eingerichtet
mit Computer, Abhörboxen, Mischpult und Vorverstärkern, alles edles Zeug. Hier schraubte Holger
noch an einigen Geräten herum, er war aber schon fast fertig mit allen Vorbereitungen. Wir besprachen
noch ein paar Details und tranken noch einen Absacker an der Hotelbar.
Die Aufnahmesession
Am Morgen der Aufnahme stellte sich bei uns endlich so etwas wie echte Nervosität ein: die
Orchestermusiker betraten die Bühne, spielten sich warm; der Dirigent traf ein, wir spürten,
dass es jetzt tatsächlich ernst wurde. Zur Begrüßung des Orchesters holte uns der Dirigent auf
die Bühne und wir erklärten dem Orchester so gut wir konnten das Projekt: Soundtrack nicht für
Film, sondern für Computerspiel, das erste Mal Live-Orchester für ein deutsches Spiel, die Story
des Spiels grob umrissen, das musikalische Grundkonzept, wie wir uns die Musik wünschen, auf
gute Zusammenarbeit, etc.
Dann wurde die gesamte Musik durchgeprobt; wir hörten zum ersten Mal unsere selbstkomponierte
Musik, live gespielt von einem 70-Mann-Orchester. Natürlich waren noch einige Fehler zu hören,
denn die Musiker spielten die Musik komplett vom Blatt, außer der Harfenistin, die ja gestern
noch geübt hatte. Wir waren sofort beruhigt, denn wir hörten bereits beim ersten Durchspielen
der Musik, dass unsere Ideen funktionierten: der Orchesterklang war gut ausbalanciert und klang
nach großem Kino, die solistischen Passagen kamen gut durch, die dramatischen Stellen klangen
wuchtig, die Actionmusiken krachten; genau so, wie wir es uns erhofft hatten. Erstaunlich war,
mit wie viel Selbstverständnis die Musiker instinktiv alle epischen und lyrischen Stücke genau
in unserem Sinne interpretierten; die rhythmisch groovigen Action-Cues dagegen mussten natürlich
länger geprobt werden. Allerdings merkten wir schnell, dass der in moderner Rhythmik sehr versierte
Dirigent das Konzept dieser Musiken gut vermitteln konnte und sehr professionell mit dem Orchester
arbeitete. Nur bei wenigen Stücken mussten wir unsere musikalischen Vorstellungen präzisieren
und das emotionale "Ziel" eines Tracks erläutern (z. B. an die Blechbläser: "…es geht an dieser
Stelle um das Lager der Orks; diese sind alles andere als gebildet oder kultiviert, also sollte
das Blechbläserthema hier auch nicht zu kultiviert gespielt werden, sondern rau und brutal,
es darf ruhig ordentlich scheppern und "rotzen"). Das Orchester arbeitete insgesamt mit sehr
viel Engagement und zeigte sich auch am zweiten Aufnahmetag in allerbester Spiellaune: wir genossen
die Session mehr und mehr und sahen unsere Erwartungen am Schluss über die Maßen erfüllt.
Die Post-Produktion
Nach der Recording-Session wurden die Aufnahmen im Studio der Tontechniker von Genuin geschnitten,
die besten Takes ausgewählt und am Gesamt-Sound wurde immer wieder gefeilt. Trotz der fertigen
Orchesteraufnahmen waren wir noch nicht ganz am Schluss: Im heimischen Studio in der Nähe von
Frankfurt nahmen wir noch einige Overdubs mit Einzelinstrumenten auf, um den Soundtrack noch
abwechslungsreicher zu machen: Ethnische Instrumente wie Shakuhachi, Xiao-Flöte und Perkussion,
sowie einige Chor-Passagen kamen aufs Band und als Höhepunkt schließlich die Stimme der Sängerin
Talia (alias Conny Kollet), die unser Titelstück "Shadowsong" und später noch einige Vocals
für die Elfenmusiken mit Hingabe einsang. Der Shadowsong wurde übrigens später auf dem Eröffnungskonzert
der GC im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt, gespielt vom FilmHarmonic Orchestra Prag und natürlich
live gesungen von Talia (großen Dank an dieser Stelle an Thomas
Boecker, der das Konzert und die Proben in Prag organisiert hat). Mittlerweile ist der gesamte
Soundtrack fertig gemastert und wir hoffen und glauben, dass die sinfonische Musik entscheidend
zu einem tollen Spielerlebnis für "SpellForce2
- Shadow Wars" beitragen wird.
Tilman Sillescu (Lead Composer Dynamedion)
Hörprobe aus dem SpellForce
2 Soundtrack Shadowsong
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