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Tempel d.el. Bösen
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 | Info |
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| Autor | | 2+ |
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 |   | | 1.5 |
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| Gesamt (64 votes) | | 2 |
 |   | | 1.8 |
 |   | | 2 |
 |   | | 1.7 |
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| Name: | Tempel des elementaren Bösen |
| Genre: | Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2003/12 |
| Publisher: | Atari |
| Entwickler: | Troika Games |
| Links: | Greyhawk Chronicles |
| Hardware: | 700Mhz, 128MB RAM, 32MB 3D-Karte D3D, HD 800 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch |
| Patch: | 3.0 engl. |
| USK: | 12 |
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Fantasie braucht Regeln. Klingt zunächst wie ein Paradoxon, wird aber
verständlich, wenn man es auf Spiele bezieht, die zwar in rein virtuellen
Sphären stattfinden, jedoch ohne eine gewissen Systematik eben kaum funktionieren.
Zusätzlich zur erstmaligen vollen Verwendung des aktuellsten "Advanced
Dungeons & Dragons 3.5 rule set" dürfte auch der Gesamthintergrund von
Tempel des elementaren Bösen für Pen&Paper-Rollenspieler älterer
Semester besonderen Erinnerungswert besitzen. Er entspricht nämlich einem
ursprünglich vom Godfather der Drachenschlächter Gary
Gygax (netter Gag während eines Gastauftritts in "Futurama" beim Zusammentreffen
mit dem Helden der Serie Fry: "Es ist mir eine..[rollt Würfel]...Freude,
dich zu sehen":-)) höchstselbst entwickelten Szenario rund um das Dorf
Hommlet. Nachdem die Anwendung der 3rd Edition Regeln bei "Pool of Radiance2"
schon wegen der Grundproblematik dieses Spiels (es war eine Zumutung)
nicht so recht geklappt hat und einige andere Titel etwas freiere Interpretationen
verwendeten, überzeugen Troika, die Entwickler von Arcanum
sowie Fallout
(zumindest einige im Team waren daran beteiligt) mit einer sehr originalgetreuen
Umsetzung des neuesten Regelwerks. Dies wird bereits bei der anfänglichen
Charaktererstellung sichtbar, bei der Interessierte einige Stunden verweilen
können. Die erste zu treffende Wahl betrifft die "spirituelle" Ausrichtung
der künftigen Party, und bereits die Eingangsszene wird davon beeinflusst,
ob man eher der guten oder der dunklen Seite zuneigt. Danach beginnt die
eigentliche Schöpfungsphase, in der die insgesamt 5 Charaktere erstellt
werden, mit denen man das Spiel in der Regel bestreitet, es sei denn,
man nimmt später noch die Option auf bis zu 3 weitere NPC´s wahr.
Bereits an diesem Punkt zeigt sich eine der -je nach Standpunkt- Stärken
und evtl. gleichzeitig auch Nachteile des Spiels bzw. der Regelumsetzung,
denn die Vielfalt der Möglichkeiten und Optionen wird einem mit der D&D-Materie
weniger vertrautem Spieler sicher genauso viel Kopfzerbrechen bereiten,
wie es gestandene Rollenspieler in Entzücken versetzen dürfte. Tempel
des elementaren Bösen ist gerade wegen der Treue zum grundlegenden
System zweifellos für Einsteiger nicht unbedingt eine gute Wahl, die wahrscheinlich
nur mit weniger optimalen Charakteren aus dem Dschungel der Fähigkeiten
und Eigenschaften wieder ins Tageslicht kriechen werden. Das Handbuch
ist zwar recht ausführlich und auch im Spiel selbst gibt es eine Hilfefunktion,
dennoch wäre es sicher ratsam gewesen, optional vorgefertigte Charakterwege
bzw. Spezialisierungen anzubieten, wie inzwischen eigentlich üblich. Dies
gilt nicht für die Schöpfungsphase, wo man bereits gezeugte Helden adoptieren
kann, sondern in erster Linie für die Levelaufstiege. Alle, für die Charaktererstellung
bereits ein wesentlicher Teil des Spieles ist, können hier zweifellos
Stunden verbringen, um aus den vielen Feats und Attributen ein Karrierefundament
zu mauern. Sei´s drum, Troika zielt offensichtlich in erster Linie auf
erfahrene Spieler ab und das ist angesichts vieler in dieser Hinsicht
vereinfachter Titel wie "Neverwinter
Nights" oder "Knights
of the Old Republic" schon ein ehrenwertes Unterfangen. Ganz böse
kann es allerdings enden, wenn man bei der Wahl des Schwierigkeitsgrades
anstatt des normalen den Ironman-Modus auswählt. Hier ist der Name Programm
und ich wundere mich, dass man doch so gnädig war, dem Spieler einen automatischen
Speicherpunkt beim Verlassen des Spieles zuzugestehen und nicht verlangt,
dass er es komplett am Stück bewältigt. Das ist aber auch schon das einzige
Zugeständnis, ansonsten fallen alle nervenberuhigenden Sicherungen für
Speicherfanatiker wie mich weg. Erschafft man einen Charakter, ist der
erste Wurf der einzige, es gibt keine Würfelorgien. Überlebt die Party
eine brenzlige Situation nicht, nützt auch der eine Speicherstand nix
mehr - man muss das Spiel ganz neu beginnen. Und brenzlige Situationen
gibt es in Tempel des elementaren Bösen jede Menge (ich könnte auf
Anhieb wenigstens EINE Stelle nennen, auf die ich bei einer Wette um einen
eventuellen Totalausfall der Party alles setzen würde :-)) der Schwerpunkt
liegt eindeutig auf Dungeon-Crawl und Kampf. Kurz: es gibt einen von Bösem
beherrschten Tempel, der genau davon zu reinigen ist. Das war´s. Mehr
oder weniger zumindest, sicher, man hat noch einige obligatorische Quests
aus den Gegenden außerhalb des Tempels, aber im Prinzip hetzt man von
Kampf zu Kampf, was allerdings keineswegs als Kritik verstanden sein soll.
Man kann mit einiger Berechtigung sagen, dass Tempel des elementaren
Bösen wohl die komplexeste Umsetzung der Pen&Paper-Vorlagen darstellt.
Auch die Art und Weise der Kampfsteuerung unterstreicht diese Einschätzung.
Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln verzichtet man auf eine Pausentaste,
vielmehr hält das Spiel automatisch an, sobald sich ein Kampf anbahnt
und die Initiativwürfe festgelegt haben, in welcher Reihenfolge Monster
und Partymitglieder am Zug sind. Analog zu dieser Ordnung kann der Spieler
dann die jeweiligen Schritte des Charakters vorgeben, wobei eine Anzeige
in Ampelfarben über die noch vorhandenen "Aktionspunkte" informiert. Spezielle
Attacken, Zauber usw. kosten dabei natürlich mehr Handlungszeit als die
bloße Bewegung. Zaubert der Magier einen Spell, kann er sich danach eben,
wenn überhaupt, nur noch ein kleines Stück bewegen und umgekehrt genügt
dem Bogenschützen vielleicht ein Schritt zur Seite, um ein bestimmtes
Ziel anzuvisieren und, zeigt die "Ampel" immer noch grün, danach trotzdem
noch einen Spezialschuss abfeuern zu können. Wie es sich gehört, muss
man mit Flächenzaubern behutsam umgehen, um nicht die Mitspieler zu rösten
und Fernkämpfer sollten natürlich ein freies Schussfeld bekommen. Heiltränke
trinken und rasten sind allerdings recht schwere Unterfangen, weil man
bei beidem sehr oft unterbrochen wird, es gibt auch sehr wenig wirklich
sichere Zufluchtsorte im Tempel.
Das alles klingt und ist auch etwas komplizierter als die bisherigen
Steuerungen, aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist es ohne Probleme
zu meistern und auch sehr praktisch. Wesentlich unhandlicher gestaltet
sich da der Zugriff auf die einzelnen Skills, hier wird ähnlich wie bei
Neverwinter Nights ein mit Rechtsklick aufrufbares Kreismenü verwendet,
das sich schnell etwas unübersichtlich verästelt, ganz besonders bei höheren
Auflösungen. Hotkeys lassen sich dabei zwar zuweisen, aber bei der Vielzahl
der Wahlmöglichkeiten bleibt Tempel des elementaren Bösen im Vergleich
doch nur zweiter Sieger. Dazu addierte sich zumindest bei mir noch ein
trotz verschiedenster Versuche unlösbares Problem, da die gesamte Schrift,
sowohl in den Menüs als auch die der Unterhaltungen nur sehr schwer lesbar,
weil irgendwie verschwommen war. Das ist aber auch schon der nahezu einzige
Kritikpunkt, den ich auf grafischer Seite zu bieten habe. Ansonsten sieht
das Spiel nämlich über weite Strecken wirklich großartig aus und kann
zweifellos als Schritt in die Zukunft für diese Art der RPG´s angesehen
werden. Sind die Hintergründe nach wie vor wunderschön und detailliert
zweidimensional gezeichnet, bewegen sich die Figuren als echte 3D-Kleiderständer
durch die Wälder, Wiesen und Höhlen. Das sollte man nicht ganz so wörtlich
nehmen, denn faktisch lebt die Party 95% der Zeit als Quasi-WG im namensgebenden
Tempel, der sich über mehrere Level erstreckt. Viele freundliche Nachbarn
oder Vormieter darf man allerdings nicht erwarten, im Gegenteil, sie verteidigen
buchstäblich mit Zähnen und Klauen ihr Gold und ihre Wertgegenstände gegen
die Neuankömmlinge. Neben dem üblichen Bestiarium sind die Anhänger der
verschiedenen Elementarkulte bemerkenswert, die untereinander um die Gunst
des Oberbösewichtes buhlen und sich wohl auch ein wenig gegeneinander
ausspielen lassen. Aber wozu Wert auf Diplomatie legen, solange man die
Probleme auch mit roher Gewalt lösen kann und letztlich sowieso meistens
muss? Die wenigen Subquests, die man eventuell verliert, fallen kaum ins
Gewicht. Bei der Struktur dieses Tempels fühlte ich mich zunächst ein
weiteres Mal an Pool of Radiance 2 erinnert, irrte ich doch auch da schier
nicht enden wollende und -gefühlte- Jahre durch das ewig gleiche Szenario
um die immer wiederkehrenden Monster zu erschlagen. Dies ließ zunächst
nicht viel Gutes erhoffen, aber weit gefehlt! Die Entwickler haben es
tatsächlich geschafft, jeder der Ebenen ein eigenes Leben einzuhauchen,
fast alle Wiederholung zu vermeiden und immer wieder optische Leckerbissen
durch Farbgebung und Spiel mit Licht und Schatten zu präsentieren. Auch
die Animation steht dem in nichts nach. Schlurft der Kämpfer mit seiner
schweren Zweihandaxt doch recht behäbig durch die Gegend, scheint der
elfische Bogenschütze fast zu fliegen. Meinem Mönch wurden sogar kleine
Tänzchen beigebracht und natürlich gilt das Lob genauso auch für die restlichen
NPC´s und Gegner. Gerade bei einem so kampflastigen Spiel können die Darstellungen
der Zaubersprüche und Spezialangriffe dazu beitragen, dass möglichst keine
Langeweile aufkommt. Und auch hier finde ich, dass man sich gar nicht
satt sehen kann an Spinnennetzen, Feuerbällen, schwirrenden Pfeilen und
allen anderen Dingen, die dem Abenteurerauge mehr bieten als die doch
meist viel zu züchtig bekleideten Dirnen in diversen Hafenviertelspelunken.
Etwas vergällt wurde mir dieser Spaß leider durch die das ganze Spiel
hindurch präsenten Ruckelorgien. Selbst komplett neue Hardware konnte
das Ausmaß dieses Problems nur etwas verringern, aber nicht gänzlich abstellen.
Gerade während der zahlreichen und langen Kämpfe war es stellenweise eine
Tortur, jeden eigenen Spielzug mit einer kurzen Unterbrechung zu beginnen,
die zwar nur Bruchteile einer Sekunde in Anspruch nahm, aber eben STÄNDIG
auftrat. Auch beim Bewegen auf der Karte, zusätzlich erschwert durch fehlerhafte
Pathfinding-Routinen, waren die Aussetzer ein ständiger ungewollter Begleiter.
Ebenso hatte ich bei manchen Gebieten das Gefühl, dass sich hier eigentlich
noch mehr befinden müsste als tatsächlich vorhanden. Man kämpft sich in
einen tollen Thronsaal mit Banketttisch vor, es hängen Bilder an den Wänden,
die Kerzenständer flackern und man denkt einfach, dass es sich doch hier
um einen potentielles Zentralraum handeln müsste. Aber man trifft nur
eine lächerlich einfache Ratte und die einzige Kiste im Raum ist leer.
Auch in den Räumen des Endgegners war offensichtlich ursprünglich noch
mehr vorgesehen, als es letztlich ins Spiel geschafft hat (es gibt übrigens
mehrere verschiedene Enden), das Areal war um einiges größer als der für
den Finalkampf entscheidende Raum. Fazit für diesen Bereich: grafisch
insgesamt sehr gut gelungen, aber doch mit einigen unschönen technischen
Problemen behaftet.
Da wir gerade über leere Kisten sprechen: es gab nach meinem Empfinden
viel zuwenig gute Gegenstände und Waffen (die außerdem oft schlecht zu
sehen und aufzuheben sind), auf der positiven Seite ist zu vermerken,
dass sich bei den Charakteren die veränderte Ausrüstung auch im Aussehen
deutlich erkennbar widerspiegelt. Dem Mangel an guten Gegenständen kann
man ein wenig durch das implementierte Crafting-System begegnen. Magisch
begabte Charaktere können durch Einsatz von Gold und Erfahrungspunkten
entsprechende Items herstellen. Dieser Bereich ist natürlich wieder sehr
der Regeltreue geschildert, ich muss gestehen, dass ich inzwischen durch
Spiele wie Dungeon
Siege oder Diablo
einfach zu sehr an Unmengen von Drops gewöhnt bin und sich dadurch meine
Sicht wahrscheinlich etwas verzerrt. :-) Da die Kämpfe zumeist recht schwer
sind und man auch nur bis maximal Level 10 levelt, kann die Hinzunahme
eines oder mehrerer NPC´s sinnvoll sein. Ich bin allerdings ohne sie ausgekommen,
nur zu Testzwecken habe ich einige mitgenommen und aus irgendeinem Grund
mochten sie es nicht, wenn man sie wieder aus der Party entlässt. Selbst
eine von mir vorher gerettete Zigeunerin konnte es nicht lassen, mich
nach der Kündigungsfrist anzugreifen, was mich schon etwas gestört hat,
denn schließlich wollte ich sie ja nicht töten. Für eine gute Party stellt
das natürlich ein schweres moralisches Problem dar :-), aber auch böse
ausgerichtete Charaktere sollten bei Tempel des elementaren Bösen
auf ihre Kosten kommen. Normalerweise stellt sich ja immer ein wenig die
Frage, wieso man in diesem zweiten Fall die Welt oder Gegend eigentlich
"retten" soll, aber gerade durch die Allianz mit einem der oben erwähnten
Elementartempel kann hier ein wenig Abhilfe und Selbstbestätigung als
"evil guy" verschaffen.
Die soundtechnische Seite bewegt sich im soliden Mittelmaß. Die Musik
ist nett und passt sich problemlos in die Fantasystimmung ein, ohne vom
Hocker zu reißen. Die Sprachausgabe hält sich in Grenzen, da wie gesagt,
die Zahl der Quests doch vergleichsweise übersichtlich ist und die Charaktere
sich auch untereinander anschweigen. Die meisten Sprecher der englischensprachigen
Version verwenden einen stark englisch-distinguierten Sprachstil, was
gerade zu den vornehmen Personen und Geistlichen ziemlich gut passt.
Der Tempel des elementaren Bösen ist meines Erachtens zumindest
im Hinblick auf eine sich möglichst eng an der Vorlage befindliche Variation
des Regelwerks für D&D-Fans eine der besten Empfehlungen überhaupt. Durch
sehr gute Grafik und den immer noch über dem Durchschnitt befindlichen
Aspekten Sound und Gameplay sollten auch die eher "klassischen" Ansprüche
von gelegentlichen RPG-Spielern für wenigstens 20 Stunden erfüllt werden.
Letztere sollten allerdings dem Handbuch ein wenig mehr Zeit einräumen,
um durch die Komplexität nicht erschlagen zu werden. Für Einsteiger gibt
es wahrscheinlich geeignetere Spiele, die auch mit dichterer und epischer
Story oder Anfängerfreundlichkeit punkten können (bspw. die Baldur's
Gate-Serie oder Neverwinter
Nights). Abgesehen von den erwähnten Rucklern sind mir auch wenig
technische Mängel, es sei denn, die Tatsache, dass mein Fighter trotz
aller Fokussierung auf entsprechende Skills mit seiner Axt nur eine lausige
Trefferquote hatte, war einem Bug zu verdanken. :-) Trotz verschiedener
Anfänge und Enden würde ich wegen der begrenzten Zahl von Quests und Arealen
sowie der daraus folgenden limitierten Backgroundgeschichte den Wiederspielwert
relativ gering veranschlagen, ein Multiplayerpart fehlt leider gänzlich.
Aber auch das hängt natürlich von den persönlichen Vorlieben des Spieles
ab, für professionelle RPG-Bastler stellt Tempel des elementaren Bösen
quasi das OBI der Genres dar. :-)
Geschrieben am 29.04.2004, Testkonfiguration: AMD2000+, GeForce 4, 512 MB Ram, SB Audigy
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