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Tales of Monkey Island
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| Name: | Tales of Monkey Island |
| Genre: | Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2010/11 |
| Publisher: | Daedalic Entertainment |
| Entwickler: | Telltale Games |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Hardware: | 2Ghz, 512MB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/Vista/Windows7, DX8 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Deutsch/Englisch |
| Serie: | ja |
| Bemerkung: | Auch als PC-Download, für PSN und Wii Ware |
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20 Jahre ist es her, dass Adventurespieler erstmalig in die Rolle von Guybrush Threepwood
schlüpfen durften, der sich nichts sehnlicher wünschte, als Pirat zu werden. Was 1990 als Point
& Klick-Adventure auf der Insel Mêlée Island begann, wurde zu einem unvergesslichen Piratenabenteuer
für viele Adventureliebhaber. Nach dem Erstling folgte nur ein Jahr später die grandiose Fortsetzung
"LeChuck’s Revenge" gefolgt von "Fluch von Monkey Island". Weitere drei Jahre später
der Versuch die Serie mit "Flucht von Monkey Island" in die 3. Dimension zu hieven, was allerdings
mit "Flucht von Monkey Island" nicht bei allen Fans der Reihe so gut ankam.
3D-Wahn, Onlinemodi, lukrativere Möglichkeiten im Action- und Shooter-Genre und der Abgang
der kreativen Köpfe bei Lucas Arts sorgten leider erst einmal für eine längere Auszeit für Guybrush
Threepwood. Fast 10 Jahre mussten Fans warten, bis sich Telltale Games der Serie annahm. Der
Entwickler hat schon Jahre zuvor auf die digitale Häppchenvermarkung von Adventures gesetzt
und mit Bone, Sam & Max und Wallace & Gromit's einiges an Erfahrung gesammelt, bevor sie auf
der E3 2009 ein Wiedersehen mit Guybrush, Elaine und LeChuck in Form der Episoden-Umsetzung
"Tales of Monkey Island" ankündigten. Ende des Jahres kamen die einzelnen Episoden auch in die
digitale Onlinedistribution, doch fast ein Jahr verging, bis schließlich am 9. November 2010
auch an Offline-Gamer, Online-Verweigerer und Spieler gedacht wurde, die gerne eine dt. Übersetzung
und Vertonung wollten. Fasziniert ein neues Abenteuer mit Guybrush Threepwooh auch heutzutage
noch so sehr, wie die Oldies, HD-Remakes und andere, moderne Adventures? Das folgende Review
gibt Auskunft.
In der kleinen Euro-Box mit Prägung und Klappcover befindet sich eine ganz normale DVD-Verpackung
mit Anleitung und Spieledisk und nicht nur einfach eine lose DVD. Neben einer sehr knappen Beschreibung
der Gameplayelemente, Steuerung und Installation beinhaltet das mitgelieferte, farbige Booklet
primär eine kleine Einführung in die Geschichte und die wichtigsten Figuren der Monkey Island-Saga.
Auf der DVD befindet sich neben der komplett deutsch lokalisierten Fassung auch das englische
Original. Erfreulicherweise muss die Disk nach der Installation auch nicht mehr im Laufwerk
sein und es gibt als Bonus einige Goodies in Form von Screens, Artworks, Wallpapers, Trailern
und englische Videokommentare zu den einzelnen Episoden mit jeweils 20 bis 30 Minuten Laufzeit,
die allerdings keine dt. Untertitel spendiert bekommen haben.
Probleme in fünf Akten
Mit Tales of Monkey Island bekommen Adventure-Spieler nicht einfach nur, wie es der Name
vielleicht vermuten lassen würde, eine Ansammlung loser Guybrush-Abenteuer, sondern eine in
sich geschlossene, abwechslungsreiche und interessant präsentierte Geschichte. Das Unheil nimmt,
wie schön öfters, seinen Lauf mit einer etwas unglücklich verlaufenden Befreiungsaktion. LeChuck
hat Elaine, ehemals Geliebte und inzwischen Ehefrau von Guybrush Threepwood, gefangen genommen
und macht sich gerade an einem mächtigen Voodoo-Zauber zu schaffen, als Rettung am Horizont
naht: Guybrush hat es geschafft den Zombie-Piraten auf See zu finden. Ausgerüstet mit einem
mächtigen, verzauberten Voodoo-Schwert soll der Untoten Plagegeist beseitigen werden. Nachdem
jedoch schon das Entermanöver nicht ganz nach Plan abgelaufen ist, gibt es auch beim Kampf einige
Komplikationen und das mächtige Anti-LeChuck-Gebräu muss durch eine schnell zusammengestellte
Notlösung ersetzt werden, was allerdings überraschende Auswirkungen mit sich bringt. So gerät
nicht nur ein Pulverfass in Brand, das eine gewaltige Explosion bewirkt, sondern Guybrush wird
auch von Elaine getrennt und erwacht am Strand von Flotsam Island mit einer merkwürdig grünen
Hand, die ein bösartiges Eigenleben abbekommen hat. Als wären das noch nicht genug Probleme,
so ist eine Flucht von der Insel unmöglich, da alle Winde nur in Richtung Flotsum wehen und
der Seeweg eine reine Einbahnstraße zur Insel darstellt...
Bis zum Finale in Episode 5 ist es ein weiter und langer Weg, auf dem der Held wieder zahlreichen
NPCs begegnet (und viele Aufgaben bewältigen muss). Mit dabei sind alte Bekannte der Serie,
wie die Voodoo Lady oder Stan, der wieder einmal das Gewerbe gewechselt hat. Aber auch neue
Widersacher, Verbündete und skurrile Figuren bevölkern die Inselwelt. Piraten gibt es in den
verschiedenen Variationen und Intelligenzabstufungen. Im Verlauf der Geschichte trifft Guybrush
auf die unterschiedlichsten Gewerbebetreibenden, Doppelbesetzungen (etwa ein Richter, der auch
gleichzeitig der Barkeeper der örtlichen Kneipe ist), Skelettpiraten und NPCs mit wechselnden
Gesinnungen, die dem Spieler gerne helfen, ihm später jedoch wieder verraten oder Probleme bereiten.
Die höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten kommen mit jeder weiteren Monkey Island-Episode
besser zur Geltung und haben oftmals mehr als nur einen kurzen Auftritt.
Episodenrätsel
Auf den Helden warten schon nach den ersten Spielminuten zahlreiche Probleme, die im weiteren
Verlauf der nächsten fünf Episoden / Kapitel gelöst werden müssen, aber gleichzeitig nur einen
Teil der zu bewältigenden Aufgaben darstellen. In typischer Guybrush-Tradition kommt mit der
Lösung eines Problems das nächste gleich hinterher, wobei die fünf Episoden recht geschickt
ineinander überleiten. Während Käufer zum Release 2009 das Abenteuer nur in Häppchen spielen
konnten und am Ende einer Episode mit einem Cliffhanger vertröstet wurden, geht es in der Komplettausgabe
fast direkt mit dem nächsten Kapitel weiter. Die einzelnen Abschnitte drehen sich dabei jeweils
um ein zentrales Problem, wie etwa in "Episode 1: Launch of the Screaming Narwhal", in der der
Held einen Weg von der Insel finden muss, was auch zeitnah gelöst wird. Andere Probleme, wie
etwa die grünen Pocken auf Guybrushs Hand, werden dagegen lediglich leicht angeschnitten und
erst im späteren Verlauf der weiteren Episoden "angegangen". So manche Lösung von Guybrush "rächt"
sich auch im späteren Spiel- bzw. Episodenverlauf. Da bekommt der Held zu spüren, was es heißt,
ein Schiff gekapert zu haben oder einem süchtigen Sammler eine gefälschte Spielzeugfigur unterzujubeln,
die dieser zwischenzeitlich auf "Ye Bay" versteigern wollte. Aber auch nicht jedes Bündnis hält
ewig und manch überlistete Piraten-NPCs sinnen auf Rache und warten nur auf den passenden Moment,
um Guybrush gerade dann in den Rücken zu fallen, wenn dieser meint. sein Ziel erreicht zu haben.
Da haben sich plötzlich die Gefangenen wieder befreit, die Insel wurde mit einer Blockade abgeriegelt
oder es stellt sich raus, dass Guybrush doch nicht ganz so ehrlich beim Aufnahmeritual gewesen
ist und nur hinter dem Gegenstand her war, den die Gruppe wie einen Augapfel beschützt(e).
Um die unzähligen Hindernisse zu beseitigen, die sich dem Spieler im Laufe des Abenteuers
in den Weg stellen, gilt es - wie es sich für ein Adventure gehört - geschickt Gespräche zu
führen, Puzzles zu lösen und Gegenstände sinnvoll miteinander oder mit der Umwelt zu verwenden.
In einigen Fällen kann das Gegenüber mit den richtigen Worten überzeugt werden, dem Charakter
zu helfen, ein bestimmtes Objekt zu geben oder den Weg zu weisen. Außerdem gibt es wieder viele
Themen und Fragen, über die sich Guybrush abseits des Lösungsweges mit anderen unterhalten kann.
In einigen Fällen taucht die richtige Antwort, etwa das korrekte Passwort, nur auf, wenn der
Held die notwendige Information schon bekommen hat, ein hilfreicher Gegenstand (mit der Lösung)
entsprechend untersucht wurde oder die richtige Frage gestellt wurde. So gilt es den NPC anhand
der richtigen Antworten zu überzeugen und in den mehrfach vorkommenden Frage-Antwort-Spielen
/ Beleidigungsgesprächen die passende Erwiderung zu wählen.
Neben Dialog-Rätseln gibt es auch eine ganze Reihe klassischer Adventure-Knobelleien. Wie
es sich gehört, so hat der Spieler natürlich nicht immer gleich Geld in der Tasche, sondern
muss sich dies im Zweifelsfall verdienen oder suchen. Aber auch Tausch und Täuschungsgeschäfte
prägen den Piratenalltag. Defekte Geräte müssen repariert, Schätze wiedergefunden, Apparaturen
ausgerichtet und Duplikate erstellt werden. Tarotkarten müssen richtig gelegt, geheime Wege
gefunden und Abdrücke angefertigt werden. Es gilt unzerbrechliches Glas zu zerstören, leuchtende
Objekte zu dirigieren und den richtigen Weg durch ein Waldlabyrinth zu finden. Überall in der
Welt gibt es diverse Objekte, von der Bombe für Frauen über Sekretflüssigkeit bis hin zu ganz
normalen Sachen, wie einem Eimer, zu finden oder zu ergaunern. Nicht jedes Objekt lässt sich
widerstandlos ins Inventar befördern. Einige werden von NPCs "bewacht", andere müssen erst abmontiert
werden und nicht alles ist immer sofort ersichtlich oder vorhanden. Allerdings tauchen neue
Gegenstände, mit denen interagiert werden kann, nur dann auf, wenn es wirklich Sinn macht und
sich etwas verändert hat oder der Spieler länger weg war. Glücklicherweise steht der Spieler
fast nie unter Zeitdruck, sondern kann die gestellten Aufgaben in Ruhe angehen und die Welt
stressfrei erkunden. Lediglich an einigen wenigen Stellen kommt es auf Geschwindigkeit an. Etwa
wenn Guybrush mit einer geschmolzenen "Masse" unterwegs ist und diese rechtzeitig in eine Form
gießen muss, was allerdings nur klappt, wenn der Charakter den richtigen Weg wählt, der zumindest
in einem Fall nicht ganz so naheliegen ist. (Zumindest wenn man das Runterschütten der Flüssigkeit
über eine Klippe in eine kleine Form 20 Meter tiefer als nicht ganz so naheliegend ansieht.).
Im Grunde hätte es dem Spiel auch nicht geschadet, wenn der Spieler einfach unbegrenzt Zeit
für solche Sachen gehabt hätte, aber nach einigen Versuchen klappen auch solche Passagen. Da
Guybrush unsterblich ist, gibt es auch kein Game Over.
Neben der sinnvollen Anwendung von Gegenständen gibt es auch einige Kombinationsaufgaben
zu bewältigen, bei denen Gegenstände im Inventar aufeinander angewendet werden müssen.
Auf dem Weg kann etwa eine Tablette in einen Trank gemischt, mit einem Flaschenöffner ein Gefäß
geöffnet und Flüssigkeiten in Abdruckformen gegossen werden. Aus unterschiedlichen Gegenständen
bastelt sich der Spieler eine Lupe, vertauscht bei zwei Büchern jeweils Umschlag und Buchinhalt
oder stellt sich einen Voodoo-Gegenstand zusammen. Außerdem kann mit einer Lupe im Inventar
jeder Gegenstand genauer untersucht werden. Während Guybrush überwiegend recht frei in der Welt
des jeweiligen Kapitels rumlaufen kann, so gibt es immer mal wieder eingestreute Szenen, die
sehr kompaktegehalten sind und der Spieler den Bereich erst wieder verlassen kann, wenn die
Aufgabe gemeistert wurde.
Im Laufe des Abenteuers muss sich Guybrush mehrfach aus unglücklichen Situationen befreien,
sei es, weil der Held - wieder einmal - im Gefängnis sitzt, gefesselt wurde oder sich verteidigen
muss. Zudem sind immer mal wieder Schwertkämpfe stimmungsvoll und abwechslungsreich ins Gameplay
eingebunden. In einem Fall muss sich Guybrush behaupten und wird dabei über das ganze Schiff
gescheucht und in einem anderen Fall gilt es einen Streit zu beenden. Die Lösungen fallen sehr
unterschiedlich aus. Mal gilt es eine Apparatur richtig zu bedienen, um zu entkommen, sich im
Wortduell zu behaupten oder sich mit Manipulation der Umgebung einen Vorteil im Kampf zu erschaffen.
Insgesamt betrachtet bekommt es der Spieler mit einer breit gefächerten Palette am Aufgaben
zu tun, bis alle Kapitel erfolgreich beendet wurden. Alle klassischen Adventure-, Puzzle- und
Monkey Island-Elemente tauchen in der einen oder anderen Form auf. In einigen Fällen in Form
kleiner Andeutungen, neuen Varianten oder Problemlösungen aus einem ganz anderen Blickwinkel.
So gib es nicht nur ein kurzes Wiedersehen mit einer neuen Form von Beleidigungsduellen, sondern
mit Grimassen-Duellen auch eine neue Piraten-Kampf-Variante. Es gilt im Spielverlauf Verbündete
zu gewinnen, NPCs zu überzeugen, die richtigen Antworten auf Lager zu haben und Gegenstände
überwiegend logisch geschickt miteinander zu verwenden. Hilfestellungen und Hinweise gibt es
dabei in ähnlich reichhaltiger Form. Andere Piraten geben Hinweise, Guybrush gibt Hilfestellung
und durch Ausprobieren bekommt man schon oftmals eine grobe Andeutung, was sich jeweils anstellen
lässt. Übertrieben haben es die Entwickler lediglich in zwei Bereichen: Labyrinthen und langen
Laufwegen im letzten Kapitel, wodurch das Gameplay nicht nur gestreckt wirkt, sondern das selber
finden einer Lösung zur Geduldsprobe wird. Wenn man nicht genau weiß, was passiert / wie es
weitergeht und man ein wenig experimentieren muss, dann ist es schon ungünstig, wenn zwischen
Aktion und sichtbarem Ergebnis etliche Bildschirme liegen. In Tales of Monkey Island verläuft
man sich zwar nicht so einfach im Wald, aber "Labyrinthrätsel" im Wald sind nicht so schön,
wenn diese mehrfach hintereinander im gleichen Wald vorkommen, auf Anhieb nicht ganz so ersichtlich
und für Einsteiger im 1. Kapitel dann doch etwas zu viel sind. Ansonsten schafft es das Spiel
aber einen guten Mix aus einleuchtenden, spaßigen und unterhaltsamen Rätseln zu bieten, die
einen recht gesunden Mittelweg zwischen einfach und schwer darstellen. Dadurch, dass das Gameplay
mal offener und mal auf kleinerem Raum abläuft, irrt der Spieler nie so lange ohne roten Faden
und ohne sichtbaren Fortschritt durch die Welt.
Guybrush in 3D, Versuch #2
Auf den ersten Blick fallen bei Tales of Monkey Island zwei Dinge auf: Telltale hat, wie
bei den vorherigen Episoden-Adventures, auf eine 3D-Darstellung im Comic-Stil gesetzt und der
3D-Guybrush sieht auf den ersten Blick ein wenig ungewohnt aus. So wirkt er nicht nur dürr und
abgemagert, sondern auch die Haare hinterlassen einen etwas "kuriosen" Eindruck und erinnern
ein wenig an die Figuren-Katastrophe im Monkey Island-Remake. Das ist allerdings recht schnell
vergessen und die Telltale-Version wirkt nach einiger Zeit recht sympathisch. Obwohl das Spiel
optisch nicht gerade ein Grafikfeuerwerk veranstaltet, so steckt sehr viel Liebe zum Detail
in der Optik. Egal ob der Spieler nun mit dem Helden durch die Tropenidylle auf einer Insel
schlendert, eine Kneipe aufsucht, die Voodoo-Lady um Rat bittet, einen der vielen Abstecher
auf See unternimmt, den Meeresgrund erforscht, bekannte Schauplätze plötzlich bei Nacht erneut
besucht, eine Lavahöhle betritt oder ein Wiedersehen mit dem Grog-Automaten feiert, Piraten-
und Monkey Island-Feeling kommt sofort auf. Die Texturen sind zwar nicht auf Crysis-Niveau,
einige Aktionen haben etwas grobe Animationsübergänge und mit Physik und Explosionen hat es
das Spiel auch nicht so. So gibt es nur einen kurzen Knall, etwas Rauch und plötzlich ist die
Kanone, die getroffen wurde, beim gegnerischen Schiff weg. Das ist nicht "optimal", aber der
Rest des Spiels gleicht solche Schwächen locker wieder aus und dafür sieht man einmal, wie ein
Gummimast eine Kanonenkugel abprallen bzw. zurückschleudern kann. Wer zudem auch nur einmal
die Hemd-Textur von Stan in Episode 4 gesehen hat, der verzeiht jede andere Texturschwäche.
Das ist Fanservice, nett anzusehen und spaßig, wie so manches Detail im Hintergrund. Auch mit
wenigen Polygonen lässt sich eine stimmige Welt gestalten und viele Kleinigkeiten und Anspielungen
einbauen. Stellvertretend sei da nur einmal eine Vorfahrtsskizze für Schiffe genannt, die widerspiegelt,
wie gut die Entwickler auch im neusten Teil unzählige Anspielungen auf die heutige Welt eingebaut
haben.
Da Monkey Island auch sehr stark auf Dialoge und Interaktion setzt ist es erfreulich, dass
Mimik und Gestik in den Gesprächen mehr als hervorragend umgesetzt wurde. Die Figuren gestikulieren
während sie reden, schauen sich an und auch die Kämpfe sind stimmig umgesetzt. Mehr als ein
Lob hat auch die deutsche Übersetzung und Vertonung verdient. So wurden nicht nur die unzähligen
Gags, Anspielungen, Wortspiele und Witze gekonnt umgesetzt, sondern auch etliche Texturen so
umgeändert, dass auf Zetteln, Plakaten und Schildern die deutschen Begriffe stehen. Hier und
da (etwa auf einem Sack an einer Mauer, der auf dem Kopf steht), ist noch ein englischer Begriff
zu finden, aber zum Großteil wurden die Texturen schön umgewandelt. Gleiches gilt auch für die
Sprachausgabe, die das Warten auf die lokalisierte Disk-Version mehr als berechtigt. Zu Beginn
klingt die Stimme von Elaine nicht ganz optimal und leicht anders, als in den Vorgängern, aber
das ändert sich schon recht bald und erreicht in Kapitel 4 einen Höhepunkt, wenn die gute Elaine
wutentbrannt einmal so richtig aufzählt, was sie mit Herrn Threepwood in den letzten Jahren
erlebt hat bzw. durchmachen durfte. Außerdem befindet sich das englische Original ebenfalls
mit auf der Disk. Allerdings kann man leider nicht direkt im Spiel umschalten, sondern muss
Tales of Monkey Island neu installieren und dann beim Installationsvorgang die andere Sprache
auswählen. Etwas unschön, wie auch der Umstand, dass es am Ende einer Episode nicht automatisch
weitergeht. Hier muss erst das Spiel beendet und manuell aus dem Startmenü die nächste Episode
geladen werden. An einer Stelle fehlte zudem bei einem Satz die Sprachausgabe und an einer anderen
Stelle ist ein Brocken englischer Sprachausgabe in der Deutschen Version enthalten. Aber das
sind Kleinigkeiten.
Der eigentliche Kritikpunkt ist die Steuerung, die nervig ist und einen nicht so entspannt
spielen lässt, wie man es gerne hätte. Statt den Helden mit einem Mausklick zum Ziel zu schicken,
muss die rechte Maustaste gedrückt gehalten werden, wodurch ein "360-Grad-Bewegungsring" um
die Figur herum erscheint. Durch bewegen der Maus lässt sich nun, fein abgestuft, die Gehrichtung
bestimmen, was in der Praxis nicht zufriedenstellend funktioniert und extrem schwammig ausfällt.
Als Alternative gibt es noch die Steuerung über WASD, um den Held durch die 3D-Kulissen zu dirigieren.
Das geht schon besser, allerdings ist das keine so entspannende Handhabung für ein Adventure
und zudem bleibt Guybrush gerne und leicht an kleinen Vorsprüngen und Hindernissen in der Welt
hängen. Ein Ärgernis, was es auch mit der Maussteuerung gibt. Zudem fehlt es an Komfortfunktionen.
So kann man den Screen nicht jederzeit einfach per Doppelklick oder Tastendruck verlassen, eine
Karte gibt es nur an bestimmten Punkten, interaktive Objekte lassen sich nicht hervorheben und
die Inventarsteuerung ist auch suboptimal. So lässt sich das Inventar nur öffnen, wenn man mit
der Maus an den rechten Bildrand geht, was in einigen Situationen ungewollt das Inventar öffnet,
obwohl man eigentlich nur ein Objekt am rechten Rand anklicken wollte und das Kombinieren von
Gegenständen wirkt auch leicht antiquiert. So müssen zwei Gegenstände in zwei bestimmte Fächer
gelegt und ein Kombinationsbutton gedrückt werden, statt einfach nur einen Gegenstand zu nehmen
und damit auf den anderen zu klicken.
Meinung
Als Tales of Monkey Island angekündigt wurde, da haben mich Episoden, Downloads und ein
merkwürdig aussehender Guybursh überhaupt nicht angesprochen. Doch das Ergebnis kann sich wirklich
sehen lassen, wie die Disk-Version nun zeigt. Was Telltale aus der Lizenz rausgeholt hat, ist
über weite Strecken ein wunderschönes Monkey Island mit frischen Ideen, Puzzles und all den
Elementen, die man an einem Piratenabenteuer mag und erwartet. Ohne Gummihuhn mit Rolle, aber
dafür mit Sekret und gefälschter Porzellan-Power-Pirate-Ninja-Figur im Inventar, geht es als
liebenswerter Pirat auf große Reise. Neue Charaktere fügen sich stimmig ins Monkey Island Gesamtbild
ein und alte Bekannte feuern ein sehr gelungenes Comeback. Sehr viel Lob hat auch die deutsche
Übersetzung und Vertonung verdient, die das fast rundum gelungene Spiel abrunden. Zwischen vielen
Dialogen stecken unzählige, meist stimmige Rätsel und eine schön präsentierte Geschichte mit
Wendungen und Überraschungen. Wirklich störend fällt im Spielverlauf fast nur die Steuerung
auf. Die Bewegung ist mit der Maus eine Zumutung und mit der Tastatur etwas hakelig. Da sich
Tales of Monkey allerdings stressfrei (und zu 99% ohne Zeitdruck) durchspielen lässt, kein so
großes Manko, sich das ansonsten rundum gelungene Abenteuer von Guybursh entgehen zu lassen.
Sowohl Einsteiger als auch Fans bekommen einen spaßigen und unterhaltsamen Titel, der in keiner
Adventuresammlung fehlen sollte und mit gut 15 bis 20 Stunden auch einiges an Spiel fürs Geld
beinhaltet. Monkey Island ist erfolgreich in die Adventure-Welt zurückgekehrt. Danke Telltale
Games!
Geschrieben am 31.12.2010, Testkonfiguration: AMD X2 6000+, 4GB, GeForce 8800GTS, SB Audigy2ZS
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