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Tony Tough
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 | Info |
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| Team (2 votes, siehe hier) | 2+ |
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| Name: | Tony Tough - and the Night of the Roasted Moths |
| Genre: | Adventure |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2003/11 |
| Publisher: | dtp |
| Entwickler: | Prograph Research |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | Toneworx |
| Hardware: | 350Mhz, 128MB RAM, keine 3D-Karte nötig, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX8 |
| Steuerung: | Maus |
| Sprache: | Deutsch |
| USK: | 16 |
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| Tony Tough - and the Night of the Roasted Moths (review von look) |
Das Leben kann ja so hart zu einem sein, unverstanden von dem Pöbel und
als Sonderling gebrandmarkt, fristet man sein Dasein in der Gewißheit,
dass der überragende Intellekt, mit dem man bedacht wurde, sich irgendwann
mal auszahlen würde... ganz klar, einem so überlegenden Subjekt muß die
Aufmerksamkeit zuteil werden, die es verdient.
Rückblende: Schon in seiner Jugend war der kleine Bambino Anthony
C. Tough ein verkanntes Genie ;-), gepiesackt von Nachbarsjungen war das
Grauen zurückgekehrt- wie jedes Jahr. Stumpfsinn befiehl die Massen, Halloween
brach übers Land, Umweltverschmutzung und Vandalismus aller Orten in Form
von Kürbissen und Luftschlangen, brrr - und die Meute zog von dannen,
um raubend und brandschatzend ihren Wegezoll in Form von Süßigkeiten entgegen
zu nehmen, doch sollte der Zufall sich dieses mal am Nachbarsjungen bitterlich
rächen...
Heute der 31. Oktober, Halloween: Anthony C. Tough, aka Tony Tough -
ein kleiner, im "modischen" Trenchcoat steckender, Mitropaaschenbecher
als Brille tragender, dank seiner Körpermerkmale mit Komplexen behafteter
und dies durch neunmalkluge, besserwisserische Kommentare kompensierende
Sonderling (auch Klugscheißer genannt) - arbeitet nun schon seit 10 Jahren
in der Privatdetektei Wallen&Wallen, einem respektablen Unternehmen, mehr
oder weniger erfolgreich, an seinen eher abstrusen und paranoiden Fällen.
Doch dieses Jahr, da war er sich sicher, wird er den Fall knacken, ja
er wird beweisen, dass die seit Jahren anhaltende Raubserie, bei der den
Kindern in der Halloween-Nacht die Süßigkeiten entwendet werden, ein viel
größeres Ausmaß hat - feindliche Aliens bedrohen die Erde und benötigen
die ungeheuren Glukosemengen um ihre Invasion vorzubereiten, ähm, oder
so ähnlich. Jahre hat er damit verbracht die Indizien zusammen zu tragen,
aber dieses Jahr bestand kein Zweifel, er würde erfolgreich sein und das
Geheimnis lüften.
Sein treuer Begleiter in allen Lebenslagen Pantagruel, ein violetter,
ähm, Hund, würde ihm hilfreich zur Seite stehen, also auf geht's. Die
vielen Jahre des Studiums unzähliger SciFi-Serien, pseudowissenschaftlicher
Manuskripte und detektivischer Literatur werden hilfreich sein, ganz bestimmt,
schließlich weiß man nun um den unverzichtbaren Gebrauch von Perücken.
Doch wie soll es anders sein, wenn ein Charakter nur wenig Text hat, klar,
irgend etwas Unvorhergesehenes muss mit ihm geschehen, besonders wenn
man ihn allein ins obere Stockwerk schickt - pff, als ob das nicht klar
war, das Prinzip läßt sich bis in die 60iger zurück verfolgen, damals
als die Menschen in die ungeahnten Weiten des Weltraums vordrangen ;-).
Was ist passiert? Nach gründlicher Untersuchung des Tatortes wurde klar,
Pantagruel wurde entführt - steht ja auch unmißverständlich in dem Bekennerschreiben.
Dieses legte Tony "schonend" nahe, doch in den Halloween-Park zu kommen,
wenn er seinen Pantagruel lebend wiedersehen wolle, also auf geht's, Rettung
naht...
Ja, das ist die epochale, fast episch wirkende Geschichte mit viel Pathos,
um die es in diesem klassischen Point&Click Adventure geht, dutzendfach
kopiert und nie so gut umgesetzt wie hier, mhh, mag vielleicht daran liegen,
daß das Entführungsopfer keine Silikonprinzessin ist (oder ist dies ein
Nachteil?), sondern ein südamerikanisches Knuddeltapir und der Held, eher,
na ja, sagen wir es so, wenn Woody Allen mal ein Rambofilm dreht, war
Tony das Vorbild :-), klar ein Geistesblitz in wohlklingende Worte verpackt,
ist tödlicher als jede Waffe - jedenfalls für das Zwerchfell. Für wahr,
der Plot wird niemals einen Preis für das beste Drehbuch erhalten (aber
für den besten Hauptdarsteller), dafür bietet das Spiel andere Spezialitäten
an, die einem so lange nicht mehr geboten wurden.
Tony Tough ist ein Point&Click Adventure der alten Schule und das in
allen Belangen, am ehesten dürfte es wohl mit so unvergesslichen Klassikern
wie Monkey Island vergleichbar sein, was jedoch nicht bedeutet, es wäre
altbacken und auf DOS angewiesen *g*, sondern dass es den gleichen Charme
versprüht und mit den gleichen liebevollen Attributen ausgestattet ist.
Wie schon bei Runaway (siehe
Review) kam auch dieses Kleinod erst mit einer mehrjährigen Verspätung
auf den deutschen Markt, dank dem uneigennützigen Fingerzeig einer hier
nicht genannten Person ;-).
Worauf ich anspiele, ist die Atmosphäre des Spieles, insbesondere der
Humor, der wohl das markanteste Merkmal ist. Ein so überaus intelligenter
Protagonist hat natürlich für jede Gelegenheit auch den passenden und
äußerst eloquenten Ausspruch parat. So wird einem das Betrachten eines
Kuhrektums mit dem Ausspruch "Das ist eine Art Krawatte für das Hinterteil"
versüßt, das Untersuchen einer Rüstung führt zu der Erkenntnis, das diese
eine frühe Form des Dosenfleisches war und der Versuch des "Nehmens" einer
Tür wird nicht rüde mit "das geht nicht", oder "So funktioniert das nicht"
abgewürgt, statt dessen bekommt man eher so etwas wie "Die Menge der Intelligenz
auf der Erde bleibt konstant, während die Bevölkerung ständig zunimmt"
zu hören. Das große Plus ist wohl, dass es keine Standardfloskeln gibt,
mit denen man bedient wird, sondern das jeder mögliche oder unmögliche
Versuch der Interaktion auch einen entsprechenden Kommentar bereit hält,
denn wer wollte nicht schon mal mit einem Brunnen über die mathematische
Grundprobleme einer Funktion mit Variabelenverschränkung disputieren oder
sich mit einem Clown über Dopplereffekte unterhalten. Dabei ist eines
ganz deutlich spürbar, je verzwickter die Lage wird, um so sarkastischer
werden die Kommentare, besonders in bezug auf das Unvermögen des Spielers.
Man beginnt so langsam zu verstehen, warum solcherlei Klugscheißer mit
geltungsbewußt-partizipierter Verbaldiarrhö eine so hohe Sterblichkeitsrate
in der realen Welt haben. Mit anderen Worten, man gewinnt ihn langsam
richtig lieb, schließt ihn in sein Herz ;-) und erwischt sich dann immer
wieder dabei, unmögliche Aktionen zu verlangen, nur um einen weiteren
Kommentar zu hören. Aber diese angeborene Gabe des "Sich-beliebt-Machens",
ist natürlich nicht nur auf die Handlungskommentare beschränkt. Insbesondere
hervorzuheben sind die Interaktionen mit den NPCs im Spiel. Diese werden
im Multiple Choice Stil abgehalten und sind integraler Bestandteil zur
Lösung der Rätsel, bzw. überhaupt nötig, um weiter zu kommen. Dabei kommen
dann so unglaublich sinnentleerte Gesprächsfetzen zustande, wie der Versuch,
sich über seine Hammersammlung mit dem Hau-den-Lukas-Budenbesitzer zu
unterhalten oder Einwände der Art, ob das Lesen von Druckerzeugnissen
wie "Fredericks of Hollywood" mit all den tollen Miezen nicht zu schweren
sexuellen Identitätskrisen führe, man hätte auch 500 Gründe erfahren können,
warum eine Perücke besser ist als eine Frau. Dass die Sprüche nicht immer
jugendfrei sind, läßt sich auch daran fest machen, daß das Spiel mit einer
USK 16 in den Handel kam und das ohne irgendwelche Blutorgien oder Myriaden
von Frags. Einige der Andeutungen gehen eindeutig, ähm, unter die Gürtellinie.
Wer "Simon
the Sorcerer" kennt, dürfte den Humor erkennen, nicht alles kommt
feinsinnig daher, die Holzhammermethode um eine Pointe zu setzen, ist
dem Spiel nicht fremd - daher die Warnung, wer einen besonders speziellen
Humor hat und über Monthy Python nicht lachen konnte, sollte nicht all
zu viel verlangen.
Ein Grossteil der Atmosphäre wird über die Charaktere und ihre Ausarbeitung
erzielt, klar unser Tony ist natürlich die Hauptfigur, aber ohne passende
Gegenparts ist ein Held ja nichts, wie man aus dem Kino weiß, weshalb
die "Nebenrollen" in Starbesetzung daher kommen. Besonders gefallen haben
mir in dem Zusammenhang der Clown, dessen Zauberstücke nicht sonderlich
ankamen und deren cholerische Neurose durch einen geeigneten Zuschauer
geheilt werden konnte. Welch überaus anspruchsvolle Kunst er doch beherrschte,
minutenlang konnte man sich neben ihn stellen, um zu sehen, was er als
nächstes aus seinem Ballon fertigte, darunter waren so illustre Sachen
wie eine Zigarette, Salami, oder eine Säule, mhh, wenn ich mir das jetzt
Recht überlege, sahen die alle irgendwie gleich aus ;-). Und was wäre
ein Vergnügungspark ohne nach Fisch stinkenden Piraten mit seinem Schiff
"der schlappe Wal", natürlich nur echt mit dem obligatorischen "Harrrr"
und den abenteuerlichsten Geschichten, wie man das Bein verlor. Arme Kreaturen
diese Piraten, gestrandet und verkauft, zum Tränen erweichend, kein Wunder,
dass die deprimierte Mannschaft emotionale Probleme hat. Ca. 40 mehr oder
weniger handlungsintensive Nebencharaktere bietet dieses Spiel, die allesamt
sehr liebevoll und detailreich animiert und synchronisiert wurden, von
der bärtigen Dame, über den Wachmann mit seinem beißwütigen Chinchilla,
oder dem Wahrsager, bis hin zu der exotischen Tänzerin in der Torte- alle
haben sie den typischen B-Rummelplatzcharme.
Grafisch ist das Spiel in der heutigen Zeit ein Sonderfall, was wohl
auch der Verspätung des Releases in Deutschland zuzuschreiben ist. Wurden
bei Runaway nur die Hintergründe in zeichnerischer Filigranarbeit erstellt
und die Charaktere im Comiclook 3D animiert, ist dies bei Tony Tough ein
anderer Fall. Dieses Spiel ist zu 100% 2D Handarbeit, ähnlich dem älteren
Jack Orlando (siehe
Review) und ebenfalls im Comiclook gehalten. Leider bietet die feste
Auflösung von 640x480 nicht viel Spielraum, weshalb man sich für die deutsche
Version nochmals ransetzte und den Hintergründe einer Generalüberholung
zukommen lies. Wirkliche Verbesserungen sieht man freilich nicht, weshalb
es eher als Schönheitskur anzusehen ist, um gewisse Treppenartefakte abzumildern.
In diesen Teilbereich fällt auch der zuschaltbare Anti Aliasing Filter,
der aber keine merkliche Besserung bringt. Ein Novum dürfte der Graustufenfilter
sein, der das Spiel in eine Schwarz/Weiß Szenerie taucht, so wie ihn verblichene
alte Filme haben. Damit ist stilechte Unterhaltung im 50iger Jahre Look
garantiert und erinnert in der Machart an "I was a Atomic Mutant" (siehe
Review). Trotz der antiquiert anmutenden Technik in der heutigen Zeit
ist das Ergebnis mehr als ansehnlich, für Puristen und Liebhaber der 2D
Adventure im Grunde das beste, was einem passieren kann, sind diese Spiele
doch noch seltener wie ein Actiongame ohne Releasepatch. Daß das Alter
seine Spuren hinterläßt, dürfte klar sein, an Runaway kommt es nicht ran,
trotzdem, die Animationen der Charaktere und die detailverliebten Entwürfe
der eher puristischen Locations wie z. B. die Alienausstellung oder der
Voodooladen (deren Falltür ich nie aufbekam) sind es, die überzeugen können
- nennt es Verklärtheit, aber mir hat die Grafik bei weitem besser gefallen,
als so manche Technikdemo einiger Shooter heutzutage.
Zur Soundkulisse ist nicht viel zu sagen, sie ist passend für das Genre
und für jede einzelne Szenerie variiert worden, sehr unaufdringlich und
meist kaum bemerkbar. Hintergrundgeräusche sind zwar vorhanden, wie z. B.
plätscherndes Wasser oder knarrende Bohlen, aber Fahrgeschäftslärm und
der typische Trubel eines Rummelplatzes wurden außen vor gelassen, wofür
ich doch dankbar bin. Das Hauptaugenmerk liegt dementsprechend auch auf
der Sprachausgabe, bzw. der Synchronisation der vielen Charaktere. Hierbei
wurde nicht der Fehler einiger eher mittelprächtiger Spiele gemacht und
die Atmosphäre durch unmotivierte Sprecher zerstört, der Publisher DTP
hat sich nicht lumpen lassen und Toneworx an diesen Part gelassen. So
wurden die Texte ordentlich übersetzt und die vielen Wortspielereien und
witzigen Kommentare an den deutschen Sprachgebrauch angepaßt, wodurch
vielleicht einige originale Statements nicht mehr vorhanden sind, aber
besser so, als dass daraus unverständliche Worthülsen werden, weil die
Übersetzung den Wortwitz eliminierte. Zusätzlich ging man aufs Ganze und
besorgte sich eine Sprecherriege, die vom Fach zu seien scheinen - Marco
Rima und Monty Arnold seien als Vertreter genannt. Es gibt keinen Ausreißer
in der Synchronisation und die Stimmen wurden den Spielcharakteren scheinbar
auf den Leib geschneidert (oder andersrum), allein dafür lohnt es sich
eigentlich. Zusätzlich gibt es auch noch ein paar Neuerungen, die man
sich nicht entgehen lassen sollte und die selbst im Original nicht vertont
wurden - ich rede hierbei vom Monolog im Festsaal der bärtigen Frau und
der Gesangseinlage Tonys, beim Anblick eines wuscheligen Schafes.
Einen Fauxpas gibt es aber in der technischen Umsetzung, zum einen stotterte
der Hintergrundsound bei einigen Spielern, was aber mit einer Einstellung
in Windows schnell abgestellt werden konnte (Start/Ausführen/dxdiag/Sound
Hardwarebeschleunigung auf Minimum). Viel wichtiger, weil nervtötend bis
zum Ende und die Atmosphäre zerstörend ist die Tatsache, dass selbst bei
der normalen Installation die Sounddaten auf der CD verbleiben, was folgt
kann man sich vorstellen, bei jeden Gespräch, oder Locationwechsel, sprang
das vermaledeite CD-Laufwerk an. Wer das Glück hat, es mit CD-Bremse leise
stellen zu können, wird davon gar nichts mitbekommen, aber wehe denen,
die ständig einen Düsenjet anlaufen hören, bei einem Spiel was eh
etwas ruhiger ist und gewisse Momente des Nachdenkens erfordert, ist diese
Lösung die wohl schlechteste Möglichkeit der Speicherplatzreduktion.
Die Steuerung ist genretypisch nur auf die Maus beschränkt, die alle
Interaktionen ermöglicht. Hierbei ist jedoch eine in der heutigen
Zeit kaum noch verbreitete Art der Aktionswahl integriert worden. Anders
als bei den neueren Vertretern wie Syberia
oder Salambo,
wo sich der Cursor der möglichen Aktion grafisch anpaßt und man nur noch
klicken muss, wurde bei Tony Tough noch ein Münzinterface, auch Coin-Steuerung
genannt, benutzt. Die möglichen Ansprechpartner, aufnehmbaren Gerätschaften
etc. werden einem bei der Anvisierung mit dem Cursor angezeigt, sprich
eine Beschreibung des Gegenstandes oder der Name des NPCs erscheint, nicht
jedoch die Aktionsmöglichkeit. Diese ist mit einem Rechtsklick aufrufbar,
es erscheint ein Aktionsmenü, wo Tony und Pantagruel abgebildet sind.
Klickt man dort nun z. B. auf die Brille Tonys, ist dies gleichbedeutend
mit untersuchen. Die Waffe ist für eine Handlung gedacht, die Hände Pantagruels
für das Nehmen und der Kopf unseres Freundes für das Reden. Eine wie ich
finde, mißverstandene und als antik abgewertete Interaktionsmöglichkeit,
da man hier nicht alles auf dem Silbertablett präsentiert bekommt und
auch ungeahnte Aktionen ruhig mal ausprobieren kann (nur um sich den dummen
Spruch anzuhören, der darauf folgt). Das Inventar kann im Hauptmenü eingestellt
werden, entweder es ist immer sichtbar oder wird nur eingeblendet, wenn
man den Cursor nach unten bewegt. Dieses ist nicht aufnahmebeschränkt
und die Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Gegenständen funktioniert
ähnlich dem des Münzinterfaces. Um sich die zu gehenden Wege etwas zu
verkürzen, wurde eine Karte ins Spiel integriert, mit derer man sich einiger
Abkürzungen bedienen kann, angezeigt wird diese über das Notizbuch im
Inventar.
Gespielt wird aus einer Art 3rd Person Sicht, mit starren Kameras, die
die ganzen Szenerien von vorne zeigt. Das Speichern ist jederzeit möglich
und man dürfte genug Speicherslots zur Verfügung haben, um das Spiel auch
dreimal durchzuspielen. Die Einstellungsmöglichkeiten im Hauptmenü beschränken
sich nicht wie üblich nur auf die Grafik oder Soundoptionen, sondern haben
noch andere Möglichkeiten der Anpassung parat, so kann man die Laufgeschwindigkeit
von Tony anpassen, ebenso die Untertiteleinblendung einstellen oder wie
lange diese angezeigt werden sollen. Leider fehlt die Beschreibung im
Spiel zu den einzelnen Optionen, aber diese werden im ausführlichen Handbuch
erklärt (vielleicht eine Masche damit man dieses auch mal benutzt?).
Zudem kommt das Spiel mit zwei Schwierigkeitsstufen daher - Babymodus
für Anfänger (gezeigt wird Tony als Baby) oder der Normalmodus. Im Anfängermodus
sind einige Rätsel schon gelöst oder Objekte einfacher auffindbar, all
zu viele Hilfestellungen bietet dieser Modus nicht, mehr als eine Handvoll
Erleichterungen darf man da nicht erwarten.
Endlich, wurde ja auch Zeit, nun den, was bietet denn der Rätselteil
des Spieles, schließlich ist dies ein Adventure? Der Rätselpart ist mit
wenigen (um genauer zu sein mit einem) Minispielchen versetzt worden und
hat eine gute Handvoll von Situationen, wo man mal zeitlich beschränkt
wird. Ansonsten kann man sich soviel Zeit lassen wie man möchte. Die Rätselkost
kann man ruhigen Gewissens als schwer bezeichnen, na ja schwer ist übertrieben,
eher unlogisch in einigen Fällen. Ist das als Tutorial anmutende Anfangsrätsel,
um in den Park zu kommen, noch verhältnismäßig einfach, kann man dabei
auch sogleich feststellen, dass die Rätsel getriggert sind, sprich: hat
man eine Vorbedingung nicht erfüllt, weiß aber, was zu tun ist, kann man
diese Aktion solange nicht ausführen, bis die Vorbedingung freigeschaltet
wird. Am Anfang wäre dies z. B. das Aufnehmen des Zettels im Vorraum der
Treppe und das Aneinanderfügen der Zettelhälften im Besenschrank, um das
Kostüm, welches man benötigt, zusammen zu stellen. Bei der Kombination
gewisser Gegenstände ist auch die Vorgehensweise wichtig - leider, die
Reihenfolge macht die Musik, was ein wenig schade ist, denn die Lösung
ist ja die selbe. Diese am Anfang noch verhältnismäßig logischen Rätselteile
verschwinden mit der Zeit aber völlig aus dem Spielprinzip. Der größte
Teil sind Objekt- und Inventar-Kombinationsrätsel a la "Benutze Zwiebel
an Schwertfisch". Ein geringerer, wenn auch nicht unwichtiger Teil
der Rätselkost fällt auf die richtigen Gesprächsführungen, um so an Details
zu kommen, die eine Rätsellösung ermöglichen. Dabei sind diese schon schräg
genug, z. B. wenn ich mich als Parapsychologe ausgebe und ein Experiment
mit der Haushälterin mache, nur um an ihr Putzzeug zu kommen. Getoppt
werden diese skurrilen Lösungen nur durch die noch schrägeren Rätsel,
die das Prädikat "Häh des Jahres" verdienen. Wer auf die Idee kommt, ein
Geschöpf Gottes der cryogenen Schockfrostung zuzuführen, nur um an einen
Schlüssel zu kommen, dürfte schon ziemlich um die Ecke denken können,
aber auch hier wird irgendwann der Wahnsinn vor der Tür stehen und anklopfen,
spätestens wenn man versucht einen Gesichtsabdruck auf dem Boden mit einer
Füllmasse zu versehen und sich diese als Auswurf eines zuvor erst mal
mit einer Erkältung bedachten Individuums heraus stellt, oder die Austauschbarkeit
von Kaffee mit einer eher unappetitlichen Flüssigkeit des Pudels Kern
ist, wird all die sonst übliche Kontemplation bei der Lösung von Adventurern
über Bord geworfen und zum schon in Vergessenheit geratenen Wahnsinn in
Monkey-Island-Art zurück gekehrt. Trotz allem machen die Rätsel Spaß und
sind auch lösbar, die Frage ist nur wann die Schmerzgrenze erreicht ist
und man sich die Haare ausreißt. Das dümmliche Grienen auf dem Gesicht
und das Glücksgefühl bei der erfolgreichen Lösung eines Rätsels, ist aber
Ansporn genug, schließlich will man ja das Unmögliche auch möglich machen.
Die Anzahl der Rätsel dürfte ausreichend sein, um einen gestandenen Abenteurer
mit genug unkonventionellem Einfühlungsvermögen für ca. 20 Stunden zu
fesseln, für jene mit weniger Erfahrung dürfte sich die benötigte Spielzeit
etwa auf 30 Stunden einpendeln.
Als Resümee kann man dem Spiel eines attestieren, wäre es früher heraus
gekommen, hätte es wohl schon den Status eines unvergesslichen Klassikers
aufgedrückt bekommen, jedenfalls was die Kopfnüsse anbelangt. Auch wenn
die Grafik etwas älter ist, brauch sie sich mit der hervorragenden Synchronisation
nicht hinter neueren Spielen verstecken. Die Vielzahl der Dialoge, die
Umsetzung derselben und die Integration der liebevollen Charaktere sind
auf alle Fälle spielenswert. Der Humor ist dabei die Triebfeder, die das
Spiel voran treibt und in dem Konglomerat an sinnigen, sinnentleerten
und völlig schrägen Kommentaren findet sich so manche Perle, die in die
Zitatensammlung jedes "Nerds" gehört. Einziger Wermutstropfen ist die
unschöne Begleiterscheinung der Installation und dem daraus resultierenden
Ruhestörung. Probleme mit dem Kopierschutz konnte ich nicht ausmachen,
ebenso waren bis auf den kleinen Soundbug auch keine Käfer mehr vorhanden,
schon gar keine Stabilitätsprobleme. Weniger gefallen hat mir die Umverpackung,
es war von DTP nach Runaway eigentlich nicht anders zu erwarten, als dass
sie das Spiel wieder in einer Euroverpackung mit enthaltener DVD-Box ausliefern,
nur warum mußte man das Cover so dermaßen mit halbseidenen Werbesprüchen
verunstalten, es ist kein Vergleich zu den schönen Runawayverpackung und
erhält damit auch keinen Sonderplatz in der Sammlung des schönsten Covers.
Zu empfehlen ist dieses Adventure-Kleinod eigentlich jedem, der sich für
das Genre interessiert und gerne Rätsel löst und dies mit Humor garniert
serviert bekommt. Ein wenig Flexibilität beim Querdenken vorrausgesetzt
ist es auch für Einsteiger empfehlenswert, lässt sich doch in der Neuzeit
mal ein Blick auf das werfen, was gestandene Abenteurer als Klassiker
bezeichnen, mir hat es jedenfalls mehr "intellektuelle" Befriedigung verschafft,
als so manches Äquivalent der letzten Jahre.
Geschrieben am 13.02.2004, Testkonfiguration: AMD1100, GeForce4 4200, 512MB Ram, SB Live 5.1
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