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Tron 2.0
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 | Info |
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| Autor | | 2 |
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| Gesamt (63 votes) | | 1 |
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 |   | | 1.6 |
 |   | | 2.4 |
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| Name: | Tron 2.0 |
| Genre: | Egoshooter |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2003/08 |
| Publisher: | Buena Vista Interactive |
| Entwickler: | Monolith |
| Hardware: | 500Mhz, 256MB RAM, 32 MB D3D T&L, HD 2400 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win 98/ME, 2000, XP, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | nein |
| Patch: | 1.042 |
| Bemerkung: | nur auf DVD Rom |
| USK: | 12 |
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| Tron 2.0 (review von yak) |
"Glaubst du an deinen User?"
Diese Frage stellten sich die Programme damals im Film Tron, eingekerkert
von den Schergen des Master Control Programmes (MCP) in elektronisch verriegelten
Zellen und vom Bösewicht Sarg unterdrückt, gedemütigt und zu einer Art
Gladiatorenspiele gezwungen, um von ihrer falschen Religion und dem Glauben
an ihren User abzulassen, um nur noch einem zu dienen- dem MCP.
Der Film Tron aus dem Jahre 1982 war zusammen mit The Last Starfighter
(1984) der erste Hollywood-Gehversuch, die Computeranimation auf die Kinoleinwand
zu bringen. Tron ging jedoch noch viel revolutionärer vor, indem man das
"Innenleben" eines Computers zur "real" existierenden Welt erklärte. Vielleicht
für die damalige Zeit etwas zu revolutionär, denn Tron war nur ein mäßiger
Erfolg im Kino. Jedoch wuchs er mit der Zeit zu einem Kultfilm heran,
vielleicht auch deswegen, weil viele der damals noch als Fiktion belächelten
Ideen mehr und mehr Gestalt annahmen. Aber auch die graphische und künstlerische
Gestaltung des Filmes, den Vektorgraphikspielen der früheren Generation
sehr ähnlich, erreichte eine zeitlose Qualität und macht den Film, zudem
mit einer soliden Story ausgestattet, auch heute noch sehenswert.
"Glaubst du an deinen User?"
Jedenfalls glaubt Buena Vista Interactive/Disney an die User da draußen,
als sie tief in ihrer Franchise-Kiste gruben und sich entschieden, aus
Tron ein neues Computerspiel zu machen. Sicher keine schlechte Idee, einen
Shooter auf Basis eines Kultfilmes zu erstellen, auch wenn die junge Spielegemeinschaft
sich größtenteils vielleicht gerade bei ihren Eltern in der Planungsphase
oder bestenfalls in der Pre-Alphaphase befanden, als Tron im Kino uraufgeführt
wurde. Somit ist der Kultbonus eher auf Spieledinos der ersten Generation
anwendbar, was die jüngeren jedoch nicht davon abhalten sollte, Tron 2.0
zu spielen. Eine gute Lizenz braucht ein gutes Entwicklerteam und Buena
Vista traf eine gute Wahl. Monolith, die bereits auf Spiele wie No
One Lives Forever 1&2, Alien
vs. Predator 2, Blood 2, oder Aiken's
Artifact zurückblicken können, wurden beauftragt, die digitalen Welten
aus Tron auf Versionnummer 2.0 zu trimmen. Ob das Update sich gelohnt
hat, soll unser Review zeigen.
Für die technische Realisation griff Monolith natürlich auf die
Hauseigene Jupiter Engine zurück, die schon in No
One Lives Forever 2 ihr Können unter Beweis stellte. Um aber den einzigartigen
Look nachzuempfinden, der den Kinofilm auszeichnete, musste die Engine
ein wenig getuned werden, um das Leuchten und Fluoreszieren der Figuren
und Umgebung, die an "glühende" Leiterbahnen erinnern sollten, angemessen
umsetzen zu können. Das ist auch ausgesprochen eindrucksvoll gelungen
und so sieht das Spiel insgesamt aus, wie eine 1:1 Umsetzung der Filmsets.
Tron 2.0 ist, wie die Screenshots schnell verraten, kein Spiel, das ultrarealistische
Ortschaften simulieren will. Vielmehr geht es genau den Weg, wie es damals
der Film schon recht experimentell tat. Phantasiereich, grell und bunt
findet man sich im Inneren eines Großcomputers wieder, rast mit Lichträdern
über Matrixfelder, findet sich in einer Firewall, in Netzwerkknoten, Internet
City, einem Desktop PC oder einem kleinen PDA wieder und der "Himmel"
besteht aus Drahtgittermodellen mit leuchtenden Leiterbahnen. Realitätsfanatiker
werden sicher abwinken, aber für mich ist die graphische Gestaltung von
Tron 2.0 großartig umgesetzt. Die Figuren sind gelungen animiert und die
Effekte der Waffen und die Spezialeffekte lassen keine Wünsche offen.
Wer einmal vor der immer näher rückenden "Formatierungsgrenze" davon rennt,
weiß, was gemeint ist. Insgesamt ist Tron 2.0 für mich eine graphischer
Meilenstein, wie einst der Film im Jahre 1982 war und auch heute immer
noch ist.
Die gute Synchronisation mit bekannten Sprechern (ja, auch Lara
ist mal wieder dabei ;)) und eine eindrucksvolle Geräuschkulisse runden
das Bild ab. (Schade nur, dass man keine multilinguale Fassung mit auf
das DVD Rom gebannt hat, dann hätte man Schauspieler Bruce
Boxleitner erneut in seiner Filmrolle zu Gehör bekommen). Ein weiterer
positiver Effekt ist, dass es die Originalkomposition des Filmes mit ins
Spiel geschafft hat, was bei den neueren Star Trek lizenzierten Spielen
bisher nie der Fall war und der nicht zu unterschätzende Wiedererkennungsbonus
damit im Raum verpufft. In Tron 2.0 hört man die mehr als gelungene Komposition
von Wendy
Carlos (Shining/ Clockwork Orange (noch als Walter Carlos)) und auch
die Neukompositionen orientieren sich am Stil des Originals. Die Musik
ändert sich zudem dynamisch zum Spielgeschehen und ist mehr als hörenswert,
wenn auch die Themenvielfalt zuerst etwas eingeschränkt wirkt, rafft sie
sich dann aber im letzten Drittel des Games noch einmal auf. Übrigens
schaffte es die hörenswerte Musik zum Film erst 2002 zum Release der Deluxe
DVD auf CD.
Gespielt wird genreüblich in Kombination Maus/Tastatur, die auch frei
konfigurierbar ist. Leider vermisse ich bei der Steuerung die in vielen
anderen Shootern übliche und für mich mehr als komfortable Funktion des
Zoomens mittels des Mausrades in Doppelfunktion mit dem Waffenwechsel.
Bei Tron kann man diese Doppelbelegung leider nicht konfigurieren, was
bedeutet, dass man Zoom In/Out und Waffenwechsel nicht auf die gleiche
Belegung programmieren kann.
Kommen wir zum Gameplay: Vor 20 Jahren gelang es, das MCP daran
zu hindern, die Welt zu beherrschen, was Tron 1.0 nur mit Hilfe des Programmierers
Kevin Flynn schaffte, der damals vom MCP mittels Digitalisierungstechnik
von der realen Welt in den Computer "entführt" wurde. Alan Bradley, Schöpfer
von Tron 1.0, schaffte es erst 20 Jahre später, diese Technik wieder herzustellen,
mit der es möglich war, Menschen in den Computer zu befördern. Die sensiblen
Daten lagen nun gut versteckt in der künstlichen Intelligenz namens Ma3a,
die zudem noch die Korrekturalgorithmen besaß, die den gefahrlosen Menschen-Transport
in den Rechner gewährleisteten. Doch eine mehr oder weniger ruchlose Firma
namens fCon will Alans Firma übernehmen und speziell ausgebildete Personen,
den sogenannten Datenvampiren, mittels der Digitalisierungstechnik Zugang
zu allen Computern der Welt verschaffen, um diese dann zu infiltrieren.
Doch plötzlich verschwindet Alan spurlos und sein Sohn Jet, selbst ein
talentierter Programmierer, wird wie einst Flynn digitalisiert und landet
in der Computerwelt, um das Verschwinden seines Vaters und die üblen Machenschaften
von fCon aufzuklären. Vorbei die Zeiten, in denen man wie damals in Activisions
"Little
Computer People" an die Glasscheibe klopfte, eine Schallplatte auflegte
oder dem im Computer lebenden kleinen Geschöpf per virtueller Post ein
Geschenk zukommen lies - in Tron 2.0 sagt man den Programmen den Kampf
an, wie es sich für einen ordentlichen Egoshooter gehört.
Tron 2.0 ist aber im Grunde kein genreüblicher Shooter. Es bietet einiges
an neuen Optionen, mit denen man im Tutorial ausführlich vertraut gemacht
wird. So lernt unser Held Jet schnell, wie man sich mit der wichtigsten
Waffe im Spiel, dem Diskus, vertraut macht, wie man Bits befreit, die
einem helfen, Programme zu starten und so z. B. bestimmte Routinen, spricht
Türen zu aktivieren. Tron 2.0 bietet aber, im Gegensatz zu anderen Shootern
die Möglichkeit, die Fähigkeiten des Heldens und der Waffen auszubauen
und erinnert hier ein wenig an den ersten Teil von Jedi Knight, wobei
Tron 2.0 das System ein wenig komplexer gestaltet. Jet findet auf der
Reise durch die örtlichen Mainboards, Platinen und Hubs neue Subroutinen
und Updates, die er in seinem Systemspeicher "laden" kann. Doch steht
ihm in seinem Speicher nicht beliebig Platz zur Verfügung, jede Subroutine
aktuell verfügbar zu haben. Das System ist einem Inventar ähnlich, wie
man es aus Rollenspielen her kennt. So nehmen Subroutinen dort einen gewissen
Platz ein und je niedriger die Versionsnummer der Routine, desto mehr
Systemspeicher frisst sie, was im Vergleich zu den Betriebssystemen aus
dem Hause Microsoft ein wenig anachronistisch scheinen mag :). Dies bedeutet,
dass Jet je nach der Speicherplatzvorgabe, die sich schon mal beim Betreten
eines neuen Sektors ändern kann, seine Subroutinen neu anordnen muss und
evtl. aufgrund mangelnden Platzes von einigen Routinen trennen muss, um
sie in der "Bibliothek" abzulegen, jedoch jederzeit darauf zurückgreifen
kann.
Es gibt vier verschiedenen Arten von Subroutinen. Da wären zuerst die
Kampfsubroutinen, sprich Waffen, die in vier Variationen angeboten werden.
Diskus-Variationen, Nahkampfwaffen bis hin zu Blastern stehen wortwörtlich
auf dem Programm. Verteidigungssubroutinen dienen der Panzerung von Jet
und auch der Abwehr vor Virenattacken. Utility-Subroutinen verbessern
die Eigenschaften. So kann Jet mit bestimmten Routinen besser und höher
Springen, sich leise Fortbewegen, ein Fernglas erhalten oder die Schadenswirkung
von Waffen erhöhen. Als Standardeinrichtung erhält Jet noch Wartungs-Prozeduren
dazu. Diese ermöglichen ihm, beschädigte Subroutinen zu reparieren, unbekannte
Subroutinen für das eigene System zu portieren und virenverseuchte Programme
zu desinfizieren.
Für die Subroutinen Kampf, Utility und Verteidigung gibt es drei verschiedenen
Optimierungsstufen. Von Alpha, Beta bis hin zur Goldversion verstärken
sich ihre Eigenschaften und werden effektiver in der Anwendung, nehmen
weniger Arbeitsspeicher ein, kosten in ihrer Anwendung jedoch auch mehr
Energie. Aber nicht nur Subroutinen können modifiziert werden, sondern
auch Jets Eigenschaften wie z. B. sein Gesundheits- und Energiecache. Der
Energiecache nimmt eine zentrale Rolle ein, ist er doch für viele Funktionen
notwendig. Will Jet z. B. ein Bit aktivieren, kostet ihn dies Energiepunkte.
Datenblöcke zu lesen, um dort z. B. Emails abzurufen oder neue Subroutinen
"downzuloaden", muss ebenso mit Energie vergütet werden, vorausgesetzt
aber, man hat die entsprechende Genehmigung gefunden, überhaupt Zugriff
auf den Datenblock zu bekommen. Genehmigungen für gesperrte Datenblocks
findet man in bereits zugänglichen Datenpaketen oder in den elektronischen
Überresten von Gegnern, die auch meist einen kleinen Energie- oder Gesundheitshappen
für uns hinterlassen. Sollte unser Energie/Gesundheitszustand kritische
Formen annehmen, empfiehlt es sich, schnellstmöglich eine Patchroutine
zu finden, die unseren Durst an Energie stillen sollte.
In fast jedem Abschnitt findet Jet auch Updatenotizen, die dafür sorgen,
dass seine "Versionsnummer" verbessert werden kann. Überschreitet die
Zahl der gefunden Notizen eine gewisse Grenze, kann Jet seine Fähigkeiten
verbessern. So darf er nach einem Versionsupdate seine Performancewerte
wie Gesundheit, Energiewert, Waffeneffizienz oder auch die Transferrate
verändern, die die Downloadgeschwindigkeit von Subroutinen verringert.
Ebenso kann er die Prozessorgeschwindigkeit verbessern, was die Bearbeitungszeit
der Subroutinen für das Desinfizieren, dem Portieren oder Defragmentieren
verkürzt. Gut versteckt tummeln sich auch manchmal kleine Codeoptimierungsprogramme,
die man dafür nutzen kann, Subroutinen eine Versionummer höher zu schrauben.
Tron bietet somit viele Möglichkeiten, den Charakter und die Waffenstärke
auf die eigenen Vorlieben hin zu gestalten. Jump & Run Fans werden natürlich
sofort alles investieren, um die Gold Version der Sprungroutine zu erreichen.
Schleichfetischisten tendieren eher in Richtung Leisetreter, Angsthasen
stopfen alles in die Panzerung und wer die geballte Ladung der Waffen
sprechen lassen will, verfüttert das Codeoptimierungsprogramm sofort an
den Präzisionsstab.
Tron ist aber kein einfacher Baller-alles-platt-Shooter, sondern auch
mit kleineren Aufgaben gefüllt, die es notwendig machen, mit den NPCs
im Spiel zu interagieren. So kann man viele der NPCs ansprechen und Informationen
von ihnen erhalten, die für das Weiterkommen notwendig sind. Mit ihrer
Hilfe erfährt man, wie man einen Rechner ordentlich übertaktet, soviel
Energie im System vergeudet, damit die Sicherheitbarrieren heruntergeschaltet
werden oder wie man eine Firewall so konfiguriert, damit man sie ohne
Probleme passieren kann. Die Aufgaben in Tron veranlassen oft zu einem
breiten Grinsen, das noch durch die witzigen Dialoge und Anspielungen
der empfangenen Emails verstärkt wird. Programme die sich über die User
unterhalten, Gegner, die einem Zurufen, dass man sich nicht verstecken
kann, weil man all unsere Hotkeys kennt und Schlachtrufe der Gegner wie
"Für den Kernel" sind da nur einige Beispiele. So wundert es auch
nicht, wenn man die große weite Welt von Internet City betritt, man sogleich
mit Spam-Mails zugeschüttet wird, die uns versprechen, unser doch sehr
störendes Speichelflussproblem in den Griff zu bekommen oder einen Sack
Bohnen gratis. Wer die Welt der Bits und Bytes für ein anonymes Universum
hält, wird, sofern die notwendige Subroutine aktiv ist, eines besseren
belehrt. In Tron hat jedes Programm seinen eigenen Name und so treffen
wir auf antispam.exe, kernelsupport.api oder andere "bekannte"
Gesellen.
Der Levelaufbau und die gebotenen Szenarien lassen einen schnell in
die Welt von Tron 2.0 eintauchen. Wer kann schon von sich sagen, dass
er in einem Spiel schon mal vor der alles vernichtenden, nahenden Sektorformatierunggrenze
die Flucht ergriffen hat, Programmen wie Norton.exe das Leben in einer
von Viren befallenen, untergehende Welt rettete, als es von den Schergen
des bösen Kernel bedrängt wurde. Alte, ausrangierte Programmen uns beibrachten,
dass die Panzerprogramme nicht vernichtet werden können, weil es "Nur-Lese-Programm"
sind. Hat man genug Mut in seinen Leiterbahnen, sich den Datenvampiren
zu stellen oder sich in das mysteriöse Gebiet der Ressourcenfresser zu
wagen? Wie lenkt man in der Bar den Kunden des High End Compiler ab, um
den eigenen Code compilieren zu lassen?
Wichtig ist natürlich auch das Erkunden des Levels, um möglichst alle
Datenpakete aufzuspüren, und jedes Programmupdate mitzunehmen, um seinen
Charakter auf die bestmögliche Entwicklungsstufe zu bringen.
Tron ist also kein reinrassiger Shooter, sondern bietet mit der Interaktion
der Figuren und den kleineren Rätseln genügend Abwechslung, die auch noch
durch zwei weitere Spielinhalte ergänzt wird. So findet man zudem noch
einige kleine Jump & Run Einlagen und vor allem aber die aus dem Film
so bekannten und beliebten Rennen auf den Lichträdern, in denen es darum
geht, in einer Art Arena den Gegner auszumanövrieren und ihn entweder
gegen eine Wand zu drängen oder in die hinterlassene Spur eines Lichtrades
schmettern zu lassen. Bestimmte aufnehmbare Power-Ups wie Mauerspike,
Turbo oder Raketen erleichtern das Vorhaben ungemein.
Der Kampf mit den Gegnern ist in Tron 2.0 nicht unbedingt shooterlike,
was auch an den zur Verfügung stehenden Waffen liegt, denn man wird schnell
feststellen, dass die wichtigste Waffe der Diskus ist (der zudem in der
Basisversion auch keine Energie "frisst"). So steht einem seltener
die Dauerfeuerfunktion der üblichen Shootgun zur Verfügung, sondern ein
Schuss muss gezielt ausgeübt werden und ein bedachtes Vorgehen wird zur
Pflichtübung, denn verfehlt ein Schuss das Ziel, muss man erst die
"Rückkehr" der Disk abwarten, was sich zudem sehr negativ auswirken kann,
wenn der Wurf einem Schuss ins Blaue gleicht, denn dann ist die Rückkehrzeit
entsprechend länger und man ist gezwungen, Deckung einzunehmen oder schnell
auf eine andere Waffe auszuweichen. So stellt man seine Angriffstaktik
schnell auf eine effektive Kampfweise um, was bedeutet: erst genau zielen,
dann werfen, bzw. immer eine Wand im Rücken des Gegners zu haben, was
zudem strategisch den Vorteil hat, dass der Diskus evtl. noch auf dem
Rückweg den Gegner trifft. Ebenso sollte man die Option des Wurfes über
Bande mit in seine Überlegung einfließen lassen, denn so lassen sich Gegner
überwältigen, die sich mit einem Schutzschild vor uns aufbauen und somit
nur von der Seite oder von hinten verletzbar sind, es sei denn, man wechselt
zu den Waffen, die Energie verbrauchen und mehr Durchschlagskraft besitzen,
wie z. B. der Clusterdisk.
Weiterhin gibt es noch so interessante Waffen wie einer Energiekralle,
die den Gegner "aussaugt", einem Streuballwerfer oder dem Prankster Bit,
einer Art Fernlenkwaffe. Natürlich gibt es auch für alle Waffen Sekundärfunktionen
und mit einer entsprechenden Subroutine kann auch der Diskus zur Abwehr
von Geschossen eingesetzt werden, ganz wie man es aus dem Film kennt.
Die Hau Ruck Methode ist aber selten erfolgsversprechend, denn gegen
eine Vielzahl von Gegnern hat man kaum eine Chance. Man sollte möglichst
vorsichtig vorgehen und versuchen, die Wache auszuschalten, ohne von anderen
bemerkt zu werden. Sollte dies denoch der Fall sein, fordern diese an
bestimmten Terminals Hilfe an und uns steht ein kleine Invasion bevor.
Also lieber versuchen, leise von hinten mit einer Nahkampfwaffe der Sache
Herr zu werden. Es ist vor allem wichtig, das Gebiet vorsichtig auszukundschaften
und vorhandene Beobachtungsdrohnen zu eliminieren.
Die KI der Gegner ist dabei unser größter Feind, sorgt sie doch dafür,
dass sie nicht zu normalem Kanonenfutter degenerieren. Sie gehen geschickt
in Deckung, holen Hilfe oder wehren Angriffe ab. Unser Held trifft böse
Scripte, Datenvampire, Resourcenfresser und sonstigen der Formatierung
würdigen Datenmüll, der uns das Lebensbit mit Null überschreiben
will. Die Gegner gehen geschickt mit dem Diskus und Energiewaffen um und
wären in der "realen" Welt sicher als Cheater mit Auto-Aim
vom Server gekickt - sprich - sie zielen meisterhaft. Absolut gelungen
und innovativ für einen Shooter ist die Möglichkeit der Gegner, uns mit
Viren zu infizieren. Verseuchte Gegner können mittels ihrer Attacken Viren
in unseren Arbeitsspeicher einschleusen und sich so langsam auf unser
gesamtes System einschließlich der Subroutinen ausbreiten. Schutz bietet
da eine gut ausgerüstete Subroutine, die uns vor Virenattacken schützt,
aber dennoch kein Allheilmittel darstellt. So kann ein Gegnerangriff z. B.
unsere Waffe infizieren. Breitet sich das Virus weiter aus, kann es auf
danebenliegende Subroutinen übergreifen und diese lahm legen. Hier ist
also schnelles Handel gefragt, damit nicht das ganze System verseucht
wird und notwendige Subroutinen nicht mehr funktionstüchtig sind. Jetzt
kommt es darauf an, schnell in die Systemkonfiguration zu wechseln, betroffene
Programme zu desinfizieren und evtl. angrenzende Programme solange aus
dem Arbeitsspeicher zu entfernen, damit sie nicht auch infiziert werden
können, denn es kann nur jeweils eine Subroutine "behandelt"
werden. Besonders die Levelbosse, von denen es einige gibt, nutzen den
Angriff mit Virenattacken sehr effektiv, was bedeutet, dass man schnell
ein relativ sicheres Eckchen finden muss, um das System vor einer kompletten
Infektion zu bewahren.
Gelungen ist auch die Einstellung, dass man durch das Ausschalten von
NPCs das Spiel mit der Meldung "Programm illegal geschlossen" verliert,
was uns zumindest dahingehend erzieht, nicht unschuldige Programme (gib
es die?) grundlos auszuschalten und vor allem auch nicht sinnlos in die
Menge zu ballern, nur weil sich dort ein paar Feinde befinden.
Tron 2.0 bietet zu dem mehr als zufriedenstellenden Singleplayerpart
auch noch einen Multiplayerpart, der jedoch den Nachteil hat, dass man
die Lichtrad-Rennen nur im LAN und nicht im Internet spielen kann (ein
geplanter Patch soll dieses Defizit jedoch beseitigen). Auf 16 Rundkursen
kann man das Lichtrennen im Single- wie auch im Multiplayer wagen und
sich durch Erreichen des nächsten Kurses neue Räder freischalten. Der
im Internet spielbare Part ist die Diskus Arena und das Diskus Turnier.
In der Diskus Arena treten Teams gegeneinander an. Der Spieler verliert,
wenn er sozusagen den Boden unter den Füssen verliert oder vom gegnerischen
Diskus getroffen wird. Wie auch im Singleplay kommt es hier auch auf Taktik
an, z. B. bestimmte Barrieren zu deaktivieren oder den Gegner mittels Bandenwurf
zu erwischen. Die Variante Turnier macht aus dem Spiel eine Art Meisterschaft,
indem unterschiedliche Teams versuchen, an die Spitze zu kommen. Sehr
gelungen sind einige der Maps. So kann man, wenn man nicht selbst am Spiel
teilnimmt, von oben durch eine Art Glaskuppel das Treiben in den verschiedenen
Kampfarenen beobachten und so die Taktik der Kontrahenten studieren. Leider
gibt es zur Zeit nur wenig aktive Server.
Es gibt aber auch ein wenig Kritik, die sich jedoch im Grenzen
hält. Angefangen bei ein paar Bugs, die trotz aufgespieltem aktuellen
Patch auftraten. So gab es in der Mission, in der man in das PDA von Thorne
eindringen musste, um es dort zu überlasten, den Fehler, dass die Mission
sich mitten im Spiel als abgeschlossen zurückmeldete, obwohl noch einige
Aufgaben zu erledigen waren.
Die Kamerasteuerung in den Lichtrennen ist nicht besonders übersichtlich
und erschwert so ein geplantes Vorgehen. Die Option einer Draufsicht bzw.
eine weitere Entfernung der Kamera zum eigenen Lichtrad wäre hier weitaus
günstiger.
Gewünscht hätte ich mir auch ein etwas freieres Fahren mit den Lichträdern,
wie in etwa bei einem Motorrad- Game, das nicht nur auf das Spieleraster
beschränkt wäre und somit eher an die Verfolgungsszene aus dem Film erinnert
hätte, auch etwas weniger Linearität des Spielverlaufes hätte
in Verbindung mit den Eigenschaftsfertigkeiten für mehr Abwechslung
sorgen können - eine Prise "Deus Ex" hätte nicht geschadet
:-)
Der Schwierigkeitsgrad ist allgemein recht hoch und Anfänger sollten
sich daher nicht scheuen, auch im gleichnamigen Modus zu spielen. Für
viele sehr frustrierend erscheinen die Lichtrennen innerhalb des Singleplayerspiels.
Der aktuelle Patch jedoch macht es möglich, diese beim Scheitern zu überspringen-
aber mal ehrlich- das ist ja wohl eher was für Moorhuhn.exe Spieler ;).
Es besteht jedoch jederzeit im laufenden Spiel die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad
zu ändern.
Gestört hat mich auch, dass man beim Transport auf den gleiterähnlichen
Datentransfermodulen zur Bewegungslosigkeit erstarrt und sich nur noch
drehen kann. Da man in diesen, wenn auch selten vorkommenden Sequenzen,
angegriffen werden kann, ist ein Ausweichen nicht möglich.
Leider gab es einige Bereiche, die man, obwohl die Architektur dies zulassen
sollte, nicht begehen konnte. Ärgerlich besonders beim Endgegner, da man
dort einen Block nicht überspringen konnte, der eigentlich begehbar erschien.
Etwas spärlich fallen zudem die Speicherslots auf, die auf 10 begrenzt
sind.
Vielleicht ein gewollter Bug der Programmierer, um zu zeigen, dass es
kein 100% fertiges Programm gibt, ist die Tatsache, dass trotz der Aufnahme
aller angezeigten Updatenotzien am Spielende nur 98 von 100 auffindbar
waren (oder es handelt sich um nicht dokumentierte Features bzw. meine
Unfähigkeit ;)) . Gewünscht hätte ich mir auch, dass die Updatenotizen
ein wenig besser versteckt gewesen wären.
Das Spielende kommt mir auch ein wenig zu unspektakulär daher. Überlegungen
zu einer Fortsetzung oder einem AddOn scheinen daher nicht ganz abwegig.Vermisst
habe ich jedoch einige der Schlüsselelemente des Kinofilms. Auf ein Wiedersehen
mit dem Solar-Segler oder den Deaktivierern muss man leider verzichten.
Warum man allerdings die Seriennummer auf die Pappkarte der Tastaturbelegung,
statt ins Handbuch oder ins Innere der DVD Hülle gedruckt hat, scheint
mir etwas unüblich und unpassend. Auch hätte man, wenn man schon die DVD
als Medium benutzt, einige Boni mit auf die Scheibe pressen können, zumindest
eine multilinguale Version käme dem Medium DVD eher gerecht.
Insgesamt ist Tron 2.0 eine gelungene Überraschung. Ein Spiel, das die
genreüblichen Must-have-Elemente eines ordentlichen Shooters besitzt,
jedoch darüber hinaus genügend Neuerungen und Ideen aus anderen Genres
fließend mit ins Gameplay einzubinden versteht. Eine packende Story in
einer zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigen aber mehr als beeindruckenden,
technisch perfekt umgesetzten Spielewelt, bannen den Spieler für gute
15-18 Stunden vor den Screen. Wer also auf einen Shooter der etwas anderen
Art steht, kann mit Tron 2.0 nichts falsch machen. Eines steht jedenfalls
fest: Es hat noch nie soviel Spaß gemacht, eine Firewall zu überlisten
oder einen Rechner so zu übertakten, dass er in die Knie geht :)
Geschrieben am 22.09.2003, Testkonfiguration: AMD2100+, Radeon 9500 Pro, 512MB Ram, SB Audigy
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