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Turok
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 | Info |
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| Autor | | 3+ |
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| Gesamt (5 votes) | | 3+ |
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 |   | | 2 |
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| Name: | Turok |
| Genre: | Egoshooter |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2008/06 |
| Publisher: | Disney Interactive |
| Entwickler: | Propaganda Games |
| Offiz. Sites: | Game |
| Hardware: | 2.4Ghz, 1GB RAM, 256 MB PixelShader3, HD 15000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/Vista, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur/ Gamepad |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| FFeedback: | ja |
| Sprache: | Multilingual |
| zensiert: | nein |
| Serie: | ja |
| Bemerkung: | auch für Xbox360, PS3 |
| USK: | 18 |
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Turok begann seine Karriere bereits vor über 50 Jahren in einer Comicserie - in einem hermetisch
von der Außenwelt abgeschnittenen Land, das durch kosmische Anomalität ein anderes Zeitgefüge
besaß. In dieser Anomalität wurden die Dinosaurier von der teuflischen Mothergod mit bionischen
Implantaten, die ihre Intelligenz und Kraft steigerten, ausgestattet. Nach dem Kampf gegen Mothergod
wurde Turok, gemeinsam mit einigen Bionisauriern, aus der Anomalität in die Gegenwart geschleudert
und wurde dort zum Dino-Hunter.
In den 90'er übernahm der Videospielpublisher Acclaim den Comicverlag Valiant und schickte
den Indianer 1996 in sein erstes Computerspielabenteuer. Rückblickend muss man sagen, dass Turok
ein gutes Spiel war, aber den Zahn der Zeit nicht so gut überstanden hat, wie einige andere
Nintendo64 Titel. Es gab zwar ein recht offenes, sternförmiges Leveldesign, in dem der Spieler
eingeschränkt wählen konnte, mit welchem Abschnitt er weiter macht, doch dahinter verbirgt sich
keine richtige Vernetzung. Spielt man Turok heute erneut, klingen hier wohl mehr nostalgische
Momente durch, statt ein wirklich ausgeklügeltes Gameplay. Nichtsdestotrotz war Turok damals
ein gelungenes und unterhaltsames Game. Es wäre aber sicher ein Fehler anzunehmen, dass man
mit den Zutaten von damals in der heutigen Zeit ein packendes Spielerlebnis realisieren könnte.
Dazu hat sich auf Seiten der Technik, dem Gameplay und der Erwartungshaltung der Spieler einfach
zuviel getan und somit macht es Sinn, dass man das Spielkonzept Turok im neusten Teil neu zu
definieren versucht, auch wenn viele Anhänger der alten Titel dem neusten Teil vorwerfen, zu
wenig "Turok" zu beinhalten.
Nach dem Konkurs von Acclaim sicherte sich Disney unter ihrem Label Buena Vista Games/ Touchstone
die Rechte am Dinojäger und beauftragte Propaganda Games mit der Umsetzung für Next-Gen Konsolen
und PC. Zwar ist von den vielen Ankündigungen, wie z. B. eine völlig offene Welt zu realisieren,
nichts geworden, aber wenn man das als Kriterium mit in die Endbewertung eines Titels einfließen
lassen würde, dürften Titel von Peter Molyneux kaum höhere Wertungsbereiche erreichen. Ob Turok
dennoch für spannende Spielstunden sorgen kann, versucht das Review zu zeigen.
Technik
Turok wurde mit der neusten Unreal Engine umgesetzt und sieht auch entsprechend gut aus.
Ich kann den momentanen "Übergraphikhype" in aktuellen Diskussionen nicht mehr nachvollziehen.
Ob Crysis jetzt besser aussieht, als
Assassin's Creed oder die Figuren in
Lego Indiana Jones unrealistisch und
nach Plastik aussehen ? Für mich haben die meisten neueren Spiele eine Graphikqualität angenommen,
die mir vollkommen ausreicht und in der Lage ist, das Geschehen glaubwürdig und atmosphärisch
darzustellen. Die Zeit von Pixelzählen ist eindeutig vorbei und ob wirklicher Photorealismus
anstrebbar ist, stelle ich hier mal in Frage. Turok kann mich daher von der gestalterischen
Seite auch überzeugen. Die Figuren sehen glaubwürdig aus, haben ihre Ecken und Kanten und somit
auch ein sehr individuelles Aussehen. Die Dinosaurier sehen phänomenal aus und wenn z. B. ein
riesiger T-Rex den Screen ganz wie in Jurassic Park beben lässt, haushoch vor dem eingeschüchterten
Spieler seine Zähne fletscht und das Brüllen einem halben Orkan gleichkommt, dann wünscht man
sich, dass der letzte Speicherpunkt in nicht allzu weiter Ferne liegt. Die Animationen der Dinos
sehen wirklich beeindruckend aus, wenn sie brachial oder auch schon mal elegant und katzenhaft
geschmeidig durch die Landschaft fegen. Etwas schlechter kommen dagegen die menschlichen Animationen
weg, sie wirken manchmal etwas hölzern. In den mit der Engine erzählten Zwischensequenzen ist
davon aber nichts zu merken.
Die Locations sind, soweit das thematisch möglich ist, höchst abwechslungsreich und vor allem
auch atmosphärisch umgesetzt. Dichte Vegetation im tiefsten Urwald, die eine Orientierung erschwert,
Nebelschwaden, die die Sicht behindern, unterirdische Höhlensysteme, Fabrikanlagen, Truppenstützpunkte
und verlassene Forschungseinrichtungen. Das alles fügt sich in der Verbindung mit der Story
zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Vermisst habe ich im Nachhinein vielleicht ein wenig vom
"alten" Turok. Ein paar alte mystische Tempelanlagen hätten dem neuen "Hightech"-Turok ganz
gut zu Gesicht gestanden.
Der Sound ist erstklassig. Gute Synchronsprecher (in der englischen Version u. a. mit Ron
Perlman besetzt) bringen ihre Zeilen glaubwürdig zu Gehör, das Sauriergebrüll lässt das Mark
erschaudern und die weitere Geräuschkulisse tut ihr übriges. Überall knackt und knarrt es, Rascheln
ist im Unterholz zu hören, so daß man immer damit rechnen muss, gleich angegriffen zu werden.
Die Sounddesigner haben es ohne Zweifel einmalig geschafft, dass der Spieler alleine schon durch
den Sound ständig auf Hochspannung gehalten wird. Dazu kommt noch, das die Ortung der Geräusche
extrem gut umgesetzt wurde und man sich praktisch nach jedem kleinen Geräusch umsieht, um nicht
vom Feind überrascht zu werden. Hervorzuheben sind auch noch die stimmigen Kommentare der Feinde
und Begleiter, sie passen zu den Aktionen am Bildschirm und wiederholen sich nur selten, so
dass ein höchst authentischer Eindruck entsteht. Da kommt schon mal beim Durchforsten eines
Dschungelabschnittes Smalltalk auf, wenn der Begleiter über die guten alten Zeiten sinniert.
Turok bietet damit seit langen für mich wieder ein Spiel, in dem die Soundkulisse einen erheblichen
Anteil an der Spielatmosphäre ausmacht, also am besten mit 5.1 Anlage oder Surroundkopfhörer
genießen. Die Musik ergänzt die gelungene Soundumsetzung weiter. Brachiale Rhythmen begleiten
den Spieler auf seinen Abenteuern. Hier ist eindeutig Percussion angesagt. Es gibt aber leider
auch ein paar "Suspense-Loops" die sich unnötig lange wiederholen und dabei letztendlich an
Spannung verlieren. Insgesamt aber eine völlig gelungene musikalische Umsetzung. Fans des Originals
werden jedoch den "I am Turok" Schrei vermissen, der, ehrlich gesagt, in der neuen Erzählweise
auch deplatziert wirken würde.
Insgesamt lief das Spiel stabil, auch wenn es sich zweimal mit einer Fehlermeldung verabschiedet
hatte, weil eine Graphikdatei nicht gefunden wurde. Hin und wieder gab es ein paar Slowdowns,
aber ansonsten war Turok gut spielbar. Etwas nervig sind jedoch die recht langen Ladezeiten.
Gespeichert wird lediglich an vom Spiel vorgegebenen Speicherpunkten, die zum Teil schon mal
recht weit auseinanderliegen können. Insgesamt aber wurden sie mit 2-3 Ausnahmen recht fair
platziert. Gespielt werden kann in drei Schwierigkeitsgraden. Normal und Hart stehen zu Beginn
zur Verfügung, während Brutal erst nach einmaligem Durchspielen gewählt werden kann. Der normale
Schwierigkeitsgrad sollte auch geübte Spieler ausreichend fordern.
Gespielt wird vorzugsweise mit frei konfigurierbarer Maus und Tastatur, wobei auch Gamepads
unterstützt werden und dabei auch die Force Feedbackfunktion unterstützt wird. Kleiner Tipp,
aber nicht lachen: Da ich bei solch atmosphärischen Spielen ungern auf die wirklich stimmigen
Force Feedback-Effekte verzichte, einen Shooter aber nicht mit Gamepad spiele möchte: einfach
das angeschlossene Gamepad auf den Stuhl oder, wenn vorhanden, dicken Bierbauch legen: Wirkt
Wunder ;-) !
Das Spiel liegt europaweit in einer multilingualen Fassung vor und verschlingt alsdann auch
gleich 15GB Festplattenplatz. Entsprechend sind die Fassungen auch inhaltgleich und "uncut",
wobei der Gorefaktor sich generell nur auf die Dinos bezieht, menschliches Blut fließt ganz
"Disney-like" in keiner Fassung, was aber kaum stört. Der Atmosphäre hat das nicht geschadet.
Gameplay
Turok ist zurück, jedoch in neuem Gewand. Vorbei die Zeit des Lendenschutz bewährten Ureinwohners:
Der neue Turok ist ein gestandener Soldat einer Spezialeinheit, mit dem Auftrag, einen Rebellenanführer
auf einem fernen Planeten zur Strecke zu bringen. Ebenso hat sich das Setting geändert. Dschungel
mit einem gehörigen Anteil industrieller Düster-SciFi regieren jetzt den Screen. Das passt auch
ziemlich gut zusammen, auch wenn es ein wenig an Starship Troopers mit Dinos erinnert. Die kernigen
Marines machen sich dann auch zum Landeanflug auf besagten Planeten bereit, doch daraus soll
nichts werden. Ein Angriff vereitelt den Plan und das Raumschiff stürzt ab. Mitten im tiefsten
Dschungel macht sich Turok, gemeinsam mit ein paar Überlebenden auf, den Auftrag dennoch zu
erfüllen.
Nicht nur vom Setting weicht der neuste Teil vom Vorgänger ab. Auch beim Gameplay gab es
Änderungen. Der neuste Turok Teil ist mehr Shooter, also zuvor. Kletter- und Hüpfpassagen sind
ebenso wie die kleineren Rätsel- und Schaltereinlagen passé. Der neue Turok konzentriert sich
mehr auf's Eingemachte. Für mich, auch als alter Turok Fan, ist das aber kein Problem, da einige
der alten Spielelemente von Turok heute kaum noch die Faszination ausüben könnten, wie sie es
damals taten. Und so liefert der neue Teil hauptsächlich Action und Adrenalin pur. Noch ohne
Waffe geht es also nach dem Absturz los, die verschollenen Kameraden zu finden. Mitten im dichtesten
Urwald, in einer fremden und irgendwie auch angsteinflössenden Welt beginnt das Abenteuer. In
Begleitung eines Kameraden marschiert man dann auch durch das Dickicht, überall herum hört man
die Geräusche des Urwaldes, deren Ursprung- und ob es sich um eine Bedrohung handelt- man noch
nicht einschätzen kann. Doch das soll sich rasch ändern, als der Begleiter unter markerschütternden
Schreien von einer Kreatur ins Dickicht gezogen wird und man alsdann von kleinen, höllisch schnellen
Dinosauriern angegriffen wird. Also schnell die Waffe schnappen und draufhalten., wenn man diese
wieselflinken Mistviecher überhaupt erwischt oder sie im kniehohen Gras ausmachen kann. Eines
ist klar, die Fauna auf diesem Planeten ist eindeutig nicht auf unserer Seite...
Turok enthält entsprechend auch allen Egoshooterzutaten - mit ein paar neuen Gewürzen.
Natürlich stehen dem Helden eine Reihe an Waffen zur Verfügung, die allesamt mit einer alternativen
Feuermöglichkeit ausgestattet sind. So kann man z. B. mit der Schrotflinte auch einen Lichtmarker
abfeuern, der die Dinobiester anlockt. Schlimm für den, der eine solche Markierung abbekommt
und schlimmer noch, wenn er dabei noch lebt. Auf seine alten Waffen braucht der Indianer ebenso
wenig verzichten. Sein Messer und sein Bogen sind bald wieder vertraute Freunde. Der Bogen hat
dazu auch ein kleines Hightech Upgrade erhalten und kann jetzt Explosivpfeile verschießen. Das
Messer ist besonders für den Nahkampf gedacht. Ist Turok damit ausgerüstet, wird er für viele
Gegner zur ultimativen Begegnung. Er kann, mit dem Messer ausgerüstet, schneller laufen, als
mit einer schweren Handfeuerwaffe und die Gegner zudem geräuschlos ausschalten, wenn er sich
von hinten an sie ranschleicht. Auch Raptoren und andere Dinos sollten sich vor Turok vorsehen,
wenn er das Messer gezückt hat, denn er mutiert so ausgestattet zur wahren Kampfsau. Und hier
findet sich dann auch einer der größten Kritikpunkte. Mit dem Messer ausgerüstet stimmt das
Balancing überhaupt nicht mehr. Nähert sich Turok einem Feind, wird per Icon angezeigt, wann
er zu einem Special-Move in der Lage ist - und einmal ausgeführt, endet der für den Gegner in
einer tollen und auch brutalen Animation immer mit dem Ableben. Selbst Dinos, die sonst nur
mit einigen Schrotladungen auf die Knie gebracht werden können, haben dem nichts entgegenzustellen.
Und so schnappt Turok sich dann in einer selbstablaufenden Animation den Dino, rammt ihm das
Messer ins Auge oder in den Schädel, schneidet ihm die Kehle durch oder lässt sich noch andere
kreative Messertricks einfallen. Allein mit dem Messer ausgerüstet kann er, eine Höhle voll
aggressiver Raptoren besser säubern, als mit brachialer Schußwaffengewalt. Hier hätte
man zumindest das Balancing etwas anpassen können, so dass nicht jeder Dino gleich beim ersten
Angriff stirbt oder er auch mal entkommen kann. Doch dem Spaß mindert das nicht, denn man fühlt
sich mit dem Messer trotzdem irgendwie "nackter", als mit einer fetten Wumme, was wohl an der
jahrelangen Shooter-Konditionierung liegen mag. Es prickelt aber schon ein wenig in den Fingern,
wenn man den Dino erst auf sich zurasen lassen muss, um ihn dann mit dem Messer attackieren
zu können. Mit einer Waffe lassen sich die Kreaturen besser auf Distanz halten.
Mit dem Bogen kann Turok aus Entfernung Feinde unbemerkt ausschalten, so dass dort in der
Nähe befindliche Gegner davon nichts merken. Er kann sich so unbemerkt an ihnen vorbeischleichen,
was auch manchmal keine schlechte Option darstellt. Zudem kann er warten, bis die Dinos im Feindeslager
etwas aufgeräumt haben oder umgekehrt, um so das Ablenkungsmanöver zu nutzen und nicht selbst
im Zentrum des Gefechtes zu landen. Die Gegner KI gefällt mir ausgesprochen gut, was sicher
auch daran liegt, dass man das bewährte AI Implant verwendet hat, das schon beim Shooter Alpha
Prime zeigen konnte, wie gut Wegfindungsroutinen und Gegnerverhalten umgesetzt werden können.
Das wirkt dann auch, je nach Levelarchitektur, sehr glaubwürdig, wenn die Gegner in Deckung
gehen und sich langsam nach vorne arbeiten, wenn man die ersten Reihen dezimiert hat. Sie gehen
gezielt in Deckung, wechseln die Position, bleiben auch mal versteckt und kommen erst hervor,
wenn man vorbeigeht oder sie rufen Kameraden zu Hilfe. Besonders das Nachrücken der Gegner
aus hinteren Levelregionen hat mir gefallen. In anderen Shootern "kleben" die Gegner
oft in ihrer Region per Skript fest. Die Dino-KI funktioniert da schon anders, denn sie sind
eher darauf ausgerichtet, etwas zu fressen und was, ist egal. Sie unterscheiden nicht zwischen
Freund, Feind und manchmal auch nicht zwischen Artgenossen. Angeschossen weichen sie auch mal
zurück, um dann von anderer Seite erneut anzurücken. Insgesamt bietet Turok ein sehr positives
KI-Erlebnis.
Zwischendurch gibt es dann noch ein paar der mittlerweile so beliebten Quicktime-Events,
die hier aber viel weniger aufgesetzt wirken, als in vielen anderen Games. So kann Turok aus
dem Hinterhalt von einem Dino angesprungen werden und er muss ihn mit schnellen Tastenbetätigen
loswerden. Seine Quicktimefähigkeiten müssen dafür herhalten, verschlossene Türen aufzustemmen.
Das Spiel lebt aber eindeutig von seiner Atmosphäre und der Story und diese Komponenten heben
es aus dem Shootereinerlei positiv hervor, wenn auch die eigentlichen Gameplayelemente nicht
mehr als Egoshooterstandard bieten. Ich habe in einen Shooter schon lange nicht mehr so ein
"Prickeln" gehabt, wie bei Turok. Durch eine dunkle Höhle zu schreiten, links und rechts kleine
Höhleneingänge, vor denen Knochen und blutige Fetzten liegen und ein angsteinflössendes Geknurre
daraus zu hören ist. Hier will ich eindeutig NICHT vorbei. Langsam, Schritt für Schritt geht
es näher, die Gegend wird ausgespäht, um sichere Bereich ausfindig zu machen, die Schutz bieten
könnten, so wie ein hohler Baustamm, der vorher schon gute Dienste leistetet, als man fast schutzlos
ein Raptorenfeld überqueren musste. Schutz gibt es hier in der Höhle jedoch nicht, einzig der
helle Höhlenausgang in der Ferne könnte hier neue Möglichkeiten bieten, aber der Weg dahin ist
weit. Und hier rattert es dann auch im Kleinhirn (was nicht bedeutet, dass der Rezensent auch
ein Großhirn besitzt). Die Beine in die Hand nehmen und durchrennen, in der Hoffung, dass man
schnell genug ist, oder besser langsam vorpirschen, und eventuell einzeln auftretende Gegner
erledigen? Aber das könnte eine ganze Horde aufschrecken. Und sollte man dann im Rennen von
hinten von einem Raptoren angesprungen werden, hat man ohnehin schlechte Karten, den Ausgang
lebend zu erreichen. Vor solchen Situationen steht man in Turok öfters und das zeigt, das die
Entwickler es verstanden hat, den Spieler von der Umgebung und der Situation gefangen zu nehmen.
So etwas habe ich beim Zocken lange nicht mehr erlebt. Denkt man in anderen Games nur, wie schön
doch das wiegende Gras graphisch umgesetzt wurde, denkt man bei Turok eher daran: Moment mal,
das Gras da bewegt sich, da lauert was! Oder man wird plötzlich ohne Vorwarnung von einem
Dino angesprungen, der in einem Gebüsch oder auf einem Vorsprung lauerte. Es gab stellen,
da hab ich mich so erschreckt wie seinerzeit in Dino Crisis oder Resident Evil.
Hinzu kommt hier noch die meiner Meinung nach richtige Entscheidung, mit Speicherpunkten
zu arbeiten, denn hier überlegt man sich vorher genau, was man macht, denn die Option, es alles
wieder mit der "Quickloadtaste" gerade zu rücken, besteht nur bedingt. Turok war teilweise für
mich so nervenaufreibend, dass ich freiwillig das Spiel beendet habe, um den Puls mal wieder
etwas runterzubringen, besonders die Sondkulisse hat mir da arg zugesetzt- aber vielleicht werde
ich auch einfach nur alt :-).
Und so geht man in Turok mit Bedacht vor. Man versucht zuerst, sich einen Überblick über
den Levelbereich zu verschaffen, mögliche Wege zu erkunden, um dann die optimale Route und Strategie
für sich festzulegen. Was machen, wenn ein riesiger T-Rex in der Nähe ist? Wo verstecken, wo
gab es Munitionsnachschub? Besser den Feind mit dem Sniper oder Bogen ausschalten oder warten,
bis die Dinos ihn erlegt hat? Die Entwickler halten den Spannungsbogen durch die gesamte Spielzeit
aufrecht und sie bieten eine ganz schöne Achterbahnfahrt. So z. B. wenn man in ein Höhlensystem
abstürzt und zwangsweise immer tiefer ins Bergmassiv absteigen muss, während hinter einem die
Tunnel zusammenbrechen und die Gänge immer enger und bedrohlicher werden. Hier kommt richtig
Platzangst auf, überall bröckelt die Decke ab und das Knacken und Knistern lässt einen drohenden
Totalzusammenbruch der Höhle befürchten. Und wenn die Spannung ihren Zenit erreicht hat, bekommt
man zumeist noch einen fetten Endboss vor die Flinte.
Bisher präsentiert sich Turok als ein recht stimmiges Game. Einige Kritikpunkte gibt es aber
dennoch. Etwas negativ fällt die Levelverbindung aus. Man kann nicht beliebig im Level zurücklaufen,
sondern "verlässt" den vorherigen Bereich durch einen Sprung in den nächsten Abschnitt. Hinaufklettern
ist an solchen Stellen ein "No-Go". In Turok gibt es keine Gesundheitspacks, er regeneriert
sich selbstständig wieder, was für meinen Geschmack jedoch ein wenig zu schnell passiert und
sich negativ auf manche Spielsituationen auswirkt. So war die Regenerationszeit beim Raketenangriff
eines Endgegners schneller, als die Feuerrate. Das bedeutet, dass bereits wieder volle Gesundheit
hatte, wenn der nächste Treffer ankam. Wie bei vielen Spielen mit neuen Features, hier
z. B. das Feinde markieren oder Dinos gegen Feinde hetzten, liest sich diese Option in der Spielbeschreibung
zwar gut, wird aber beim Spielen kaum den Einsatz finden, den die Designer sich erhofft haben.
Oft ist das "Arrangieren" solcher Situationen schwieriger, als die konventionelle
"Ich-niete-alles-um-Methode". Hier müssen die Spieleentwickler allgemein noch
daran arbeiten, damit diese Features auch Vorteile gegenüber den konventionellen Methoden
besitzen. Noch sind sie weit davon entfernt.
Ein von vielen anderen Rezensionen erwähnter Kritikpunkt ist für mich genau das Gegenteil.
Wenn man in Turok getroffen oder von einem Dino angesprungen wird, verliert man kurzzeitig völlig
die Orientierung, wenn man zu Boden geworfen wird und besitzt auch nicht die gleiche Blickrichtung
wie zuvor. Das hat oft horrende Auswirkungen, denn man muss sich komplett neu orientieren, wo
man überhaupt steht und wo sich Gegner befinden. Eine völlig neue Erfahrung und es bedarf auch
guter Reaktionen, sich der neuen Situation anzupassen. Im Prinzip ist das ja auch viel realistischer.
Ich kann nicht verstehen, wie andere Rezensenten auf der einen Seite sagen, Turok hätte zuviel
"OldSchool" und wenn sie etwas Neues versuchen, wird es kritisiert. "Gefallen" hat mir das Orientierungslos
sein auch nicht, also hab ich versucht so zu spielen, dass es nicht passiert :-).
Zusammengehalten wird der Shooter neben der Atmosphäre von einer straff inszenierten Story,
die sicher keinen Pulitzerpreis gewinnen wird, aber gut und vor allem spannend in das Gesamtgeschehen
und die Shooterpassagen integriert wurde und deshalb auch sehr glaubwürdig erscheint. Also nicht
nicht so, wie viele Shooter der letzten Zeit mit aneinander gereihten episodenhaften Patchworklevel
ohne Zusammenhang. Turok wirkt hier wie aus einem Guss. Hinzu kommt die gute Integration der
Begleiter, die nicht einfach als Kanonenfutter nebenher laufen, sondern sich zu richtigen Kameraden
entwickeln, wenn sie von alten Zeiten erzählen, sie einem den Rücken freihalten oder
man sie aus den Klauen eines Levelbosses befreien muss.
Multiplay
Turok besitzt einen Mehrspielerpart, der jedoch im Netz auf wenig Beliebtheit stößt. Während
der Spielzeit habe ich immer mal wieder versucht, offene Server zu finden und die sind leider
mehr als rar. Dabei sind die Zutaten des Multiplayerparts gar nicht so übel. Geboten werden
jedoch nur Genrestandards, von Deathmatcharten bis zu CTF und einer Coop-Variante. Gimmick dabei
ist, dass in den Mehrspielerpartien vom Computer gesteuerte Dinos auf beide Parteien losgelassen
werden und so den "normalen" Deathmatchbetrieb empfindlich stören.
Die Konsolenurspünge des Games erkennt man noch an den freispielbaren Achievments. Hier
erhält man Punkte, wenn man bestimmte Bedingungen im Einzel-/ Mehrspielerpart erfüllen
konnte. So z. B. das Besiegen des T-Rex ohne Shotgun.
Wer die PC Version von Turok in Erwägnung ziehen sollte, kann sich das Spiel zur Zeit am
günstigstem im Ausland besorgen, In England ist der Titel, im Gegensatz zu Deutschland als PC
Version direkt als Mid-Price Version für knapp 20 Euro erschienen. Bis auf eine knappe Installationsanleitung
muss man aber auf ein Handbuch verzichten, das leider auch nicht als PDF auf dem Datenträger
verfügbar ist. Die Konsolenversionen sind derzeit auch bereits für unter 30 Euro erhältlich.
Fazit
Turok ist zwar seinen Ursprüngen nicht ganz treu geblieben, aber es ist dennoch ein sehr
spannendes und packendes Spielerlebnis geworden, auch wenn mich die Demo anfangs überhaupt nicht
begeistern konnte. Insgesamt erhält man einen Shooter, der zwar das Genre nicht neu definiert,
aber dank packender Inszenierung bis zur letzten Minute gelungene Unterhaltung bietet. Abwechslungsreiche
Szenarien, gute Graphik, riesige Dinos, eine absolut grandiose Sounduntermalung, gelungene KI,
Endbosse, stimmige Gesamtspielzeit und ein noch unverbrauchtes Thema, das sich gekonnt von den
Hunderten Weltkriegsshootern unterscheidet. Ein paar Balancing Probleme und das übermächtige
Messer reduzieren zwar etwas das positive Gesamtbild, aber das verhindert keinesfalls, dass
man nicht gemeinsam mit dem Dinohunter auf die Jagd gehen sollte. Ganz knapp an der Note 2 vorbei
platziert sich Turok daher mit einer ausgesprochen guten 3+.
Geschrieben am 16.07.2008, Testkonfiguration: Intel Dual Core E6600, Geforce 8800GT, 4GB RAM, Creative X-Fi Extreme
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