 |
Turning Point: Fall of L.
|
|
 |
 | Info |
|---|
| Autor | | 4+ |
 |   | | 2 |
 |   | | 1 |
 |   | | 1 |
 |  |  |  |
| Gesamt (5 votes) | | 4 |
 |   | | 1.5 |
 |   | | 1 |
 |   | | 1 |
|
| Name: | Turning Point: Fall of Liberty |
| Genre: | Egoshooter |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2008/03 |
| Publisher: | Codemasters |
| Entwickler: | Spark Unlimited |
| Offiz. Sites: | Game |
| Links: | Komponist Michael Giacchino |
| Hardware: | 3Ghz, 1GB RAM, 256 MB PixelShader3, HD 6000 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/Vista, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur/ Gamepad |
| Multiplay: | Lan/ Internet |
| FFeedback: | ja |
| Sprache: | Deutsch |
| zensiert: | ja |
| Bemerkung: | (amBX Unterstützung), auch für Xbox360, PS3 |
| USK: | 18 |
|
|
| Turning Point: Fall of Liberty (review von yak) |
Alternative Geschichtsschreibung mit dem großen "Was wäre wenn?" eignet sich immer für waghalsige
Spekulationen. Was wäre, wenn die Russen zuerst auf dem Mond gelandet wären, was, wenn den Galliern
der Himmel auf den Kopf gefallen, Varus Legionen am Teutoburger Wald vorbei marschiert wären,
JFK in der Schweinebucht ertrunken, Julius Caesar Brutus nie zum Freund gehabt hätte, Moses
nicht mehr vom Berg herunter gekommen, Bill Gates sich in der Garage hauptsächlich mit Laubsägearbeiten
oder Schmuddelheften beschäftigt hätte, Star Wars ein Flop und der Verkaufserfolg von Crysis
nicht durch die bösen Raubkopierer vermiest worden wäre? Oder viel profaner: die Deutschen
nicht den Zweiten Weltkrieg verloren hätten. Und genau das passiert im Egoshooter Turning Point:
Fall of Liberty.
Winston Churchill fällt 1931 einem Autounfall zum Opfer und somit gab es für die Deutschen
keinerlei Widerstand im Zweiten Weltkrieg von Seiten der Briten. Das Reich streckte seine Finger
immer weiter aus und sollte bald den ganzen Globus beherrschen... Thematisch dem Buch "Vaterland"
von Robert Harris also sehr ähnlich. Ob das Rezept von Storymixtur, mit dem nach Marktanalysen
scheinbar immer noch interessanten Nazithema, und dem Egoshooterspielprinzip aufgeht, soll unser
Review zeigen.
Technik
Entwickler Spark lizenzierte die neuste Unreal Engine Technologie, um die Expansionspläne
des Dritten Reiches auf den Screen zu bringen. Graphisch macht Turning Point: Fall of Liberty
daher auch einen guten und detaillierten Eindruck. Insgesamt hat man sich sehr viel Mühe gegeben,
die Schauplätze realistisch und mit viel Detailarbeit umzusetzen, auch wenn einiges davon viel
zu statisch wirkt. So gibt es wie am Boden festzementierte Einrichtungsgegenstände und letztendlich
kommt man sich so vor, nur wieder durch Kulissen zu stampfen. Ein Problem, das Spiele auf Basis
der Unreal Engine, ob gewollt oder ungewollt, immer noch haben. Vergleicht man die Technik hier
mit einigen Graphikengines aus Osteuropa (wie z.B. Hellforces),
in denen man fast jeden Gegenstand bewegen kann, scheint das bei den Next Gen Entwicklern im
Land der (un)begrenzten Möglichkeiten zumindest keine zu sein. Aber das nur mal am Rande bemerkt.
Schade ist es jedoch, dass sich die Graphikdesiger sehr viel Mühe gegeben haben, aber diese
Mühe wahrscheinlich nur selten Beachtung findet, da Fall of Liberty mehr oder weniger ein Durchmarschshooter
ist. Da haben die Graphiker wahrscheinlich ewig daran gesessen, einen Straßenzug zu designen,
in dem man dann in zwei Minuten durch ist und ihn nie wieder zu Gesicht bekommt. So ist es kein
Wunder, dass Shooter in der Spielzeit immer kürzer werden. Das graphisch Gebotene ist jedoch
abwechslungsreich. Man darf eine Stippvisite in London machen, das Weiße Haus stürmen, durch
Wolkenkratzerschluchten hechten, während Panzer über die Straßen rollen und einen Zeppelin unsicher
machen, nur das eigentlich fast genreübliche alte Nazischloss in den Bergen vermisst man :-).
Leider gibt es aber ein paar technische Probleme. Das Nachladen zwischen Levelabschnitten
sollte "on the Fly" passieren, woraus jedoch leider, auch mit ausreichend Systemspeicher, nichts
wird und zu furchtbaren Lags führt, die das Bild zum Teil für einige Sekunden einfriert. Ärgerlich,
wenn diese Nachladepunkte in den Leveln dann noch so ungünstig platziert sind, dass sie sich
genau in einem Abschnitt befinden, in denen Gegnertechnisch viel los ist und man so diese Nachladestelle
durch ständigen notwendigen Vor- und Rückzug durchschreiten muss, was Dauerlags erzeugt, in
denen die Gegner einen schon gerne mal erwischen.
Soundtechnisch ist das Spiel mehr als gelungen. Gute Soundeffekte, bombastische Explosionen
und ordentliche Sprecher sorgen für eine stimmige Soundkulisse. Allen voran aber die hervorragende
Musik vom Komponisten Michael Giacchino. Stilistisch ist die Musik mit den Kompositionen von
John Williams aus den 80er Jahren vergleichbar. Zum Teil lyrisch und auch dem Americanastil
von Aaron Copeland ähnlich, behält aber ausreichend eigene Handschrift von Giacchino, der es
gekonnt versteht, einen bestimmten Stil nachzuahmen, aber dennoch genug eigenes einbringt, um
nicht als Plagiat zu wirken. Das konnte man bereits an seinem hervorragenden Soundtrack zu "Die
Unglaublichen" hören, der mehr als Hommage an den Bond-Film Komponisten John Barry erinnert,
als an ein simples Nachahmen. Natürlich gibt es auch bombastische Actioneinlagen im Score. Insgesamt
eine Musik, die man sich gerne auf CD wünschen würde und eigentlich viel zu gut für das
Spiel ist. Aber schon manche gute Filmkomponisten haben einige ihrer besten Arbeiten für mittelmäßige
Filme abgeliefert.
Die Steuerung ist frei konfigurierbar und lässt sich im Rahmen der Games für Windows
Serie auch problemlos mit dem Xbox360 Pad spielen. Etwas ärgerlich ist, dass man bei der Tastenbelegung
zum Bomben scharf machen komischerweise auf die Farbbezeichnung des XboxPads (Tasten Y,B,R,G)
ausweichen muss.
Gespeichert wird automatisch an speziellen Checkpoints und nach jedem Level. Gespielt werden
kann in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden, von denen der normale für Shootergeübte ausreichend
Herausforderung darstellt.
Das Spiel wurde graphisch zensiert, wobei sich die Zensur auf NS Symbolik beschränkt. Blut
spritzt auch in der original englischsprachigen Version nicht. Zudem wurden auch die Texte angepasst.
Die Nazis werden in der deutschen Fassung nur noch "die Deutschen" genannt. Nazis gibt es praktisch
gar nicht - auch eine Art von Vergangenheitsbewältigung, womit also klargestellt wäre, dass
alle Deutschen Nazis waren! Spätestens hier fühlt man sich als deutscher Spieler von den deutschen
Zensurbehörden diskriminiert.
Gameplay
Turning Point: Fall of Liberty ist leider nur ein recht gradliniger und zudem kurzer Egoshooter
geworden, der es nicht schafft, den Spieler in den Bann zu ziehen. Das hat mehrere Gründe und
beginnt bereits damit, dass der Entwickler nicht in der Lage war, den Spieler schon von Beginn
an zu fesseln. Viel zu oft wird man storytechnisch ins kalte Wasser geschmissen und man baut
keinerlei Bezug zum Hauptcharakter auf. Alles wirkt zusammengeschustert und die einzelnen Kapitel
hätten in beliebiger Reihenfolge präsentiert werden können, womit klar wird, dass es erzähltechnisch
mit Ausnahme vielleicht der letzten Episode, keinerlei Spannungsbogen in der Hauptstory gibt.
Das fängt schon damit an, dass die Story ohne eine Art Einleitung losgeht. Als Bauarbeiter Dan
Carson wird man am 10, November 1953 Zeuge, wie die Deutsche Invasion in den Vereinigten Staaten
beginnt. Statt den Spieler erst einmal ein wenig auf dem Baugerüst kraxeln zu lassen, einen
derben Scherz mit seinen Kollegen auszutauschen und die Ruhe vor dem Sturm zu präsentieren,
wie auch mit dem Charakter bekannt zu machen, geht es gleich in der ersten Sekunde richtig los.
Meiner Ansicht nach ein absoluter Fehler im Spieldesign. Und so greifen unmittelbar Flugzeuge
an und man muss versuchen, lebend das Stahlträgergerüst zu verlassen, um sich den Weg nach unten
zu bahnen. Dabei lernt man zugleich die wichtigsten Steuerungselemente, während man schnell
Besitzer einer Waffe wird und versucht, die deutschen Fallschirmjäger gleich in der Luft zu
erledigen. Das ist alles auch recht packend inszeniert, bleibt aber dennoch irgendwie, wohl
mangels der nötigen Identifikation mit der Hauptfigur, zu anonym. Und genau das ist es auch,
was der Atmosphäre, die vom Setting her sicherlich möglich gewesen wäre, dem Shooter am meisten
schadet und wo er auch am meisten Defizite hätte ausbügeln können, denn spieltechnisch bewegt
er sich auf ziemlich ausgelatschten Wegen. Es gibt praktisch nichts, was Turning Point aus der
Masse der Shooter heraushebt, dafür ist das Leveldesign zu einfach gestrickt, der Spielablauf
so wie bei jedem anderen normalen Egoshooter und die Gegner KI entspricht dem Bild, das die
Amerikaner scheinbar schon immer von deutschen Soldaten hatten. Und so kam es oft vor, dass
einen Gegner in nächster Nähe nicht wahrnehmen. Dazu kommt noch das spannungstötende Selbstheilungsprinzip
der Konsolenshootergeneration. Einfach irgendwo in einer stillen Ecke warten, bis man sich regeneriert
hat. In den seltensten Fällen wird man hierbei von Gegnern überrascht.
Die Gameplayelemente, die Turning Point hätten interessant machen können, finden jedoch so
gut wie keine Verwendung. Die Sprint Funktion, in der man sich schneller fortbewegen, dabei
jedoch nicht schießen kann, habe ich niemals benutzt. Ebenso wenig die Option, dass man Gegner
greifen und zum Schutzschild umfunktionieren kann. Der Nahkampf kam dann auch nur zum Einsatz,
wenn man mal wieder an Munitionsarmut keine andere Option hatte oder von einem Gegner überrascht
wurde. Prinzipiell fährt man besser, wenn man die Gegner aus ausreichender Entfernung erledigt.
Das Waffenarsenal deckt das übliche Sortiment ab. Von Mauser, Maschinenpistole, Präzisionsgewehr
bis hin zum Raketenwerfer steht alles bereit. Es können nur zwei Waffen gleichzeitig getragen
werden, was oft zu Munitionsengpässen führen kann, wenn die Gegner nur andere Munitiontypen
hinterlassen und man so gezwungen ist, eventuell eine nicht bevorzugte Waffe zu nutzen. Turning
Point spielt sich, wie ein Shooter aus den ersten Generationen. Ankommende Gegner erledigen,
"Raum" reinigen und zum nächsten. Hin und wieder mal Platz hinter einem Geschützturm nehmen,
eine Bombe scharf machen, mit dem Snipergewehr eine Strasse sichern und dann hat es sich auch
schon. Vom Spielablauf kommt Turning Point leider nicht über Hausmannskost hinaus, auch wenn
es graphisch zum Teil beeindruckend aussieht, wenn man unter der Tower Bridge gegen Sturmboote
antritt oder sich durchs Weiße Haus kämpft, um einen verräterischen, von den Deutschen an die
Macht gebrachten, US Präsidenten erledigen soll.
Hin und wieder muss man ein paar Schalter betätigen, wobei es hier oft zur Geduldsprobe wird,
bis man durch richtige Positionierung des Fadenkreuzes das Hand-Symbol sieht, das es ermöglicht,
den Gegenstand zu aktivieren.
Zusätzlich zur Storykampagne enthält Turning Point auch einen Mehrspielerpart, der aber zum
Zeitpunkt des Testens knapp 3 Monate nach Release nicht mehr verfügbar war, da es keinerlei
offene Server gab. Das ist aber sicherlich zu verschmerzen.
Einmal durchgespielt erhält man Zugang zu einigen Bonusfeatures, die Konzeptzeichnungen zum
Spiel enthalten.
Fazit
Turning Point: Fall of Liberty hätte was werden können, ist es aber leider nicht, denn scheinbar
hat man soviel vom ursprünglichen Konzept zusammengestrichen, das nicht mehr als ein 08/15-Shooter
mit nettem Szenario und einer kurzen Spielzeit von ca. 6 Stunden geblieben ist. Dem Spiel fehlt
es einfach an spannenden Momenten, Höhepunkten und einer mitreißenden Story. Es schmerzt schon,
wenn man nach dem Spiel die Bonusfeatures betrachtet und feststellen muss, dass die Konzeptzeichnungen,
untermalt von der hervorragenden Musik von Michael Giacchino, mehr Atmosphäre haben, als das
eigentliche Spiel. Hier sieht man, was die Designer für Ideen und Schauplätze im Sinn hatten
und was sie letztendlich für die finale Version nur umsetzen konnten. Ob es nun Zeitmangel,
der Publisher oder das liebe Geld waren, bleibt dahingestellt, Fakt ist aber, dass Turning Point
nicht über den Status "netter Zeitvertreib" für Shooterspieler hinauskommt, die derzeit keine
anderen Titel zur Auswahl haben. Lediglich als Budgetversion, auch aufgrund der kurzen Spielzeit,
für Genrefans oder Shooterkomplettisten zu empfehlen, mehr aber leider nicht.
Geschrieben am 14.06.2008, Testkonfiguration: Intel Dual Core E6600, Geforce 8800GT, 4GB RAM, Creative X-Fi Extreme
|