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Witcher, The
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 | Info |
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| Autor | | 2+ |
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| Gesamt (153 votes) | | 1 |
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| Name: | Witcher, The |
| Genre: | Action Rollenspiel |
| Produkt: | Vollversion |
| Release: | 2007/10 |
| Publisher: | Atari |
| Entwickler: | CD Projekt |
| Offiz. Sites: | Game, Demo |
| Hardware: | 2.4Ghz, 1GB RAM, 128 MB D3D T&L&PixSha., HD 8500 MB, Sound: DX zertifizierte Soundkarte |
| System: | Win XP/Vista, DX9 |
| Steuerung: | Maus/ Tastatur |
| Sprache: | Multilingual |
| zensiert: | nein |
| Patch: | 1.5 |
| USK: | 18 |
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| Witcher, The (review von ronin) |
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge denke ich an meine erste Begegnung mit den polnischen
Entwicklern von The Witcher zurück. Damals lief unsere kleine yiya-Truppe - Exoten unter den
ganzen hippen Online-Redakteuren und den Möchtegern-Großen der "Szene" - durch den Business-Bereich
der Leipziger Spielemesse. Ähnlich einem orientalischen Marktschreier sprach uns in gebrochenem
Englisch ein junger vor Energie sprühender Mann an, von dem wir nachträglich erfuhren, dass
er CD Projekt angehörte. Er bezeichnete uns schmeichelhaft als "smart guys", überreichte uns
seine Karte und lud uns zu einer "ganz besonderen" Spielepräsentation ein. Eher amüsiert als
interessiert wimmelten wir den Herrn ab - zu Unrecht muss man nachträglich eingestehen. Bei
der Präsentation handelte es sich um nichts weniger als The Witcher, welches Ende 2007 endlich
auf den Markt kam und eine ähnliche Überraschung wie seiner Zeit Gothic 1 darstellte. Nach umfangreichem
Test und langem Warten auf Patch 1.2 soll nun endlich das Review zeigen, wie den "smart guys"
das ungewöhnliche Rollenspiel schlussendlich gefallen hat. Vorab wieder ein paar Worte zur technischen
Präsentation.
Klone aus Polen?!
Auf den ersten Blick ist die Optik von The Witcher über jeden Zweifel erhaben. Selten erlebt
man solch stimmige und Atmosphäre fördernde Lichtspiele. Der Tag- und Nachtrhythmus ist eine
Klasse für sich und die schaurig schöne Beleuchtung in den düsteren Katakomben oder Kloaken
vermittelt Gänsehautfeeling. Auch die Umgebungsdetails in den frühneuzeitlichen Städten im Fachwerkstil,
dem Sumpf oder den Dörfern sind erstklassig umgesetzt. Oft passierte es mir, dass ich während
der beginnenden Dämmerung andächtig die Szenerie bewunderte. Der Sonnenuntergang an den Gestaden
der Herrin vom See sucht seines gleichen. Erstaunlich, was die nicht mehr ganz frische Aurora-Engine,
welche schon bei Neverwinter Nights zum Einsatz kam,
zu leisten vermag. Aber es gibt auch einiges zu bemängeln. Besonders störend sind die immer
gleichen Modelle der NPCs. Manche Quest relevanten Charaktere erkennt man nur am grünen Markierungstext.
Besonders spaßig war das richtige Herausfiltern eines Ansprechpartners aus einer Gruppe von
acht Druiden. Erstens sahen alle gleich aus und zweitens hießen sie entweder lapidar Druide
oder eben älterer Druide. Ich tippe auf Zeit- und Geldmangel was die Modelle betrifft, anders
lässt sich dieses schon als gravierend zu bezeichnende Inzuchtproblem innerhalb der Witcher-Welt
nicht erklären. Ein Problem an dem übrigens auch Gothic
3 litt. Ein zweites gravierendes Manko ist die Schauplatzarmut. Man bewegt sich von Akt
1 - 3 ausschließlich in einer überschaubaren Stadt, einem Dörfchen nebst Umland und einem Sumpf.
Zwar ändern sich Quests und NPC-Standpunkte mit den laufenden Akten, aber etwas mehr Abwechslung
hätte dem Spiel hier gut getan. Ab Akt 4 ändert sich das und der Spieler erlebt noch viele schöne
Stunden in abwechslungsreichen Gefilden. Eine bessere Umverteilung zwischen den Spielabschnitten
hätte hier gut getan, zumal die Spielumgebung recht linear ist, da es fast überall Levelgrenzen
gibt, die das Areal bedeutend einschränken. Aber dazu später mehr. Auch fallen die Grüfte und
Innenbereich von Häusern sehr eintönig aus und wiederholen sich im Aufbau doch stark. Hier fällt
einem spontan das Wort editorlastig ein. Sehr positiv hervorzuheben sind die Animationen Geralts.
Der charakterstarke weiße Wolf schnetzelt sich mit immer ausgefalleneren Kampfchoreografien
durch Gegnerscharen, dass es eine wahre Freude ist, zuzuschauen. Dabei bleibt anzumerken, dass
besonders "Finishing Moves" effektreich und brutal ausgefallen sind. Aber The Witcher ist schließlich
ein 18er Titel.
"Professionelle Ungeheuertöter?!"
Die Ambiente-Sounds sowie die orchestrale musikalische Untermalung sind hervorragend gelungen.
Dabei wird vor allem die Musik nicht überstrapaziert. Die Themen sind sehr situationsbetont
und fördern damit die an sich schon großartige Atmosphäre. Die unbeschwerten Melodien im Gasthaus
oder beim Würfelspielen stellen einen angenehmen Kontrast zu den aufpeitschenden Klängen während
der actionreichen Kämpfe dar. Auch die beklemmende Atmosphäre, wenn man durch düstere Katakomben
wandert, wird musikalisch sehr gut unterstützt. Durchwachsen fällt die Sprachausgabe aus. Von
deutschen Stilblüten wie dem Ausdruck "Geralt ist ein professioneller Ungeheurtöter!" einmal
abgesehen, schwankt die Qualität von sehr gut bis unmotiviert. Es passiert leider häufig, dass
der oder die Sprecher den völlig falschen Ton für die jeweilige Situation anschlagen. Aber alles
in allem kann man die Sprachausgabe als gut bewerten.
Ein Fall für Den Haag
Die wohl schlimmste Schlappe fährt The Witcher in diesem Bereich ein. Was sich CD Projekt
hier bei der Inventarfunktion geleistet hat, grenzt schon an Verletzung der Menschenwürde. Aber
immer schön der Reihe nach. Die Steuerung von Geralt hängt von der gewählten Kameraperspektive
ab. Man kann einmal ähnlich wie in Neverwinter
Nights 2 aus einer Art Vogelperspektive wählen, bei der man Geralt ähnlich einem Echtzeitstrategiespiel
durch die Gegend klickt. In Kämpfen ist hier die Übersicht recht gut, aber alles in allem konnte
ich mich mit dem seltsamen Mix aus Maus und Tastatur nicht anfreunden. Die zweite Ansicht ähnelt
der ersten, nur, dass man näher an der Spielfigur dran ist. Die dritte und mir sympathischste
ist die klassische Third-Person-Ansicht. Man schaut über Geralts Schulter und fühlt sich einfach
mehr mitten drin als nur dabei. Aber auch hier leidet vor allem in Kämpfen die Übersicht. Schlussendlich
ist keine der drei Perspektiven wirklich optimal ausgefallen. Hier hätte man sich auf eine beschränken
und diese konsequenter umsetzen sollen. Die Steuerung im Kampf fällt ungewöhnlich und zugleich
erfrischend anders aus.
Denkt man zu Beginn noch, dass das exakt zu timende Geklicke auf Dauer nicht ausreichend
fordert, wird man im weiteren Spielverlauf eines besseren belehrt. Der Spieler klickt nicht
aktiv einzelne Schwertbewegungen, sondern muss richtig getimt die Taste für Angriff betätigen.
Dies wird durch Sound und Grafik angezeigt. Den Rest macht Geralt von selbst. Das mag einfach
klingen, lässt aber durch verschiedene Angriffstypen und Schwertarten ausreichend Platz für
Taktik und Abwechslung. Dabei läßt sich der Kampf jederzeit pausieren, um in den doch recht
hektischen Scharmützeln nicht den Überblick zu verlieren, denn obwohl die vielen Kämpfe actionreich
choreographiert wurden, führt, vor allem in der ersten Hälfte des Spiels, die richtige Wahl
des Schwertstils und der Tränke zum Sieg. Gefallene Gegner hinterlassen in ihren "Überresten"
(kleine Haufen aus Knochen, die etwas an die unfreiwillig komischen Zensurmaßnahmen aus der
Commandos-Reihe erinnern) vornehmlich Geld und Alchemiezutaten. Durch Drücken von ALT lässt
sich dabei jedes benutzbare Objekt hervorheben. Apropos Alchemie. Das Brauen von Tränken stellt
im Witcher-Universum eine wichtige Größe dar, die man, im Gegensatz zu anderen Rollenspielen,
nutzen sollte. Umso ärgerlicher ist die Bedienung dieses Features. Es passiert häufig, dass
Questgegenstände "verbraut" werden und man im nicht sortierbaren Inventar, welches vor kaum
unterscheidbaren Alchemiezutaten überquillt, völlig den Überblick verliert. Eine eigene Kräutertasche
mit klarer Ordnung nach Bestandteilen wäre hier sinnvoll gewesen, zumal The Witcher kein Spiel
der großen Zahlen ist. Die Anzahl der verschiedenen Waffen und Rüstungen übersteigt gerade mal
den einstelligen Bereich. So passiert es viel zu häufig, dass der Spieler aus der tollen Atmosphäre
des Spiels gerissen wird, weil er sich umständlich durch das Inventar quälen muss.
Und wieder mal ist einer auf den Kopf gefallen…
Die Idee ist nicht neu, nicht sehr kreativ, aber ausgesprochen praktisch, zumal der Hexer
auf einer Romanvorlage des polnischen Fantasyautors Andrzej Sapkowski beruht und dadurch für
Spieleentwickler immer diverse Probleme auftauchen (Storyentwicklung, Vorkenntnisse des Spielers
etc.) Aus diesem Grund sei der Gedächtnisverlust verziehen. Zur Geschichte von The Witcher soll
nicht viel gesagt werden. Geralt, der weiße Wolf, ist ein Mitglied der Hexer - mutierte, unfruchtbare
"Ungeheuertöter" mit besonderen Kräften. Dabei sind sie weniger Magier, sondern vielmehr Kampfzauberer
mit großem alchemistischem Verständnis. Der Hauptprotagonist des Spiels ist dabei ein besonders
starkes Exemplar und im Land sehr bekannt - nur leider weiß er davon nichts. Anzumerken sei,
dass Hexer vornehmlich für Geld arbeiten. Schon hier merkt der aufmerksame Spieler das Fehlen
von rechtschaffenden guten Helden in blitzenden Rüstungen. Von den saftig grünen Hügeln des
Auenlandes, den zarten, esoterischen Elfen und den Pathos beladenen Geschichten eines Herr der
Ringe sollte sich der Spieler schnell verabschieden. Das Königreich Temerian ist erschreckend
rau, unmoralisch und damit durchaus aktuell und realistisch. Es geht um Rassismus, Drogen- und
Kinderhandel, Prostitution und politische Intrigen. Es ist einfach ein erfrischend anderes Szenario
und zieht den gewillten Spieler unweigerlich in seinen Bann. Das Spiel unterscheidet sich so
maßgeblich von den sauberen, moralisch durchgespülten Fantasywelten eines Tolkien und seiner
Spieleableger. Selbst der namenlose Held aus Gothic wirkt neben Geralt wie ein Moralapostel.
Der Hexer passt als Figur hervorragend in diese raue Welt. Er ist ein Schürzenjäger sondergleichen,
nimmt wirklich jede mit, die ihm vor den "kleinen Hexer" läuft, egal ob Mensch, Elf oder Dryade.
Dabei nehmen Frauen keine Opferrolle ein. Mit einem unangenehmen Gefühl denke ich an meine Liaison
mit der Herrin des Sees zurück. Sie klagt darüber, dass ihre treuen Ritter, die mittlerweile
alle durch ihre Suche nach dem heiligen Gral verschollen sind (Na, wer kennt die Story nicht
;-) ?), immer nur Ehrerbietung für sie übrig hatten. Mit eindeutigen Anspielungen macht sie
Geralt klar, dass sie sich nach mehr sehnt. Geralt startet nun eine ähnlich erfolglose Triade
aus Komplimenten, mit dem Resultat, dass die Herrin meint, er solle doch frei heraus sprechen.
Geralt: "Herrin, ihr habt den schönsten Arsch der Gegend!" Zack, Geralt kommt zum Beischlaf
mit einer Wassernixe. Besonders toll war das Gespräch danach, in dem der erfolgsverwöhnte Frauenheld
mit dem lapidaren Kommentar in seine Schranken gewiesen wird: "Grämt euch nicht, so schlimm
war es auch wieder nicht." Herrlich! Ich gebe zu ich schweife ab, aber es fällt schwer dem Zauber
dieses Spiels zu beschreiben. Die ganze Art der Erzählung, das raue und doch so vertraute Ambiente,
all das wirkt wie eine willkommene Abwechslung zu den Standartstorys der großen Rollenspielmeilensteine
wie Oblivion, Gothic,
oder Neverwinter Nights. Der Spieler wird ständig auf seine Aussenseiterrolle hingewiesen. Wenn
Geralt durch die Straßen des Elendsviertels läuft erntet er regelmäßig Spott und Ablehnung "Was
war denn das für einer, so eine Missgeburt hab ich ja noch nie gesehen *fiesesLachen*." Beim
Eintritt in eine Schenke fällt häufig ein Kommentar über Geralts angebliche Mutter, die irgendwas
mit den Geschlechtsteilen von Zwergen macht. Die Welt wird dadurch sehr glaubwürdig und vermittelt
gut das Klima eines ständig schwelenden Konfliktes.
Dabei ist Geralt kein wirklicher Bösewicht im klassischen Stil. Er lebt und wirkt einfach
in einer Welt in der es kein Schwarz und Weiss gibt. Jede seiner Entscheidungen hat bis zum
Ende des Spiels gravierende Auswirkungen auf ihn und seine Umwelt. Beispiele gibt es genug,
eines der ersten stellt die Entscheidung dar, ob man den Elfen eine Waffenladung überlässt,
oder sie daran hindert. Ich half ihnen und das Ergebnis war ein Massaker an unschuldigen Dorfbewohnern.
Die Elfen sind nicht besser und nicht schlechter als ihre Gegenparts vom Orden der roten Flammenrose.
Jede Fraktion hat einfach ihre eigenen Ziele, Probleme und Sorgen. Geralt steht immer wieder
vor solchen schwierigen Situationen, es ist unmöglich (ich habe es ehrlich versucht!) neutral
zu bleiben. Das typische Rollenspielverhalten - so viele Quests für möglichst alle Parteien
erfüllen und Erfahrung einheimsen - funktioniert hier nicht. Diese richtungsweisenden Storyentscheidungen
finden dabei nicht nur innerhalb der Hauptquests statt, auch viele Nebenquests wirken dabei
mit. Die Questqualität ist allerdings schwankend. Während die Hauptaufgaben durchweg spannend
und abwechslungsreich ausfallen, hätten die Entwickler mehr Sorgfalt bei den Nebenquests walten
lassen können. Oftmals nimmt man Kopfgeldaufträge an, in denen eine bestimmte Menge Zutaten
von Ungeheuern gesammelt, bzw. ein bestimmtes Bossmonster getötet werden muss. Diese Aufgaben
erledigen sich zwar größtenteils nebenbei, aber wirklich einfallsreich sind sie nicht. Außerdem
verschlimmern diese Kopfgeldverträge das Chaos im Inventar um ein gehöriges Maß. Jeder Auftrag
wird aufgelesen und im Inventar einzeln" aufbewahrt. Nichtsdestotrotz ist man mit The Witcher
locker zwischen 60 - 80 Stunden, je nachdem wie sorgfältig man die Nebenaufträge erfüllen mag,
beschäftigt.
Einen gehörigen Atmosphäredämpfer bringt allerdings die häufige Nachladerei mit sich. Eine
in sich geschlossene Welt ohne Nachladezeit wie etwa in Gothic gibt es bei The Witcher nicht.
Für jede noch so kleine Hundehütte wird nachgeladen. Die ersten drei Akte spielte ich noch mit
Patch 1.1a und habe dann einfach aufgehört, da mir das viele Rein- und Rausladen gehörig auf
den Geist ging, und dabei ist mein PC durchaus als Highend zu bezeichnen. Seit Patch 1.2 wurde
hier aber gehörig nachgebessert. Das Nachladen dauert nicht mehr annähernd so lang und auch
das Speichern geht zügig von der Hand. Apropos speichern. The Witcher legt für jeden! Speichervorgang
ein neues Savegame an. Bei einer Spielstandgröße von über 5 MB kann sich jeder vorstellen wohin
das mit der Zeit führt. Zusätzlich wird häufig automatisch gespeichert, was das Problem noch
verschärft. Mein Savegameordner war nach der halben Spielzeit auf fast 2 GB angewachsen.
Klasse statt Masse - auf Gedeih und Verderb?
Essenziell für ein gutes Rollenspiel sind die Charakterentwicklung sowie die Ausrüstung.
Letztere ist bei The Witcher sehr beschaulich ausgefallen. Gerade einmal drei verschiedene Rüstungen
sind im gesamten Spiel erhältlich. Ringe haben hauptsächlich Schmuckcharakter und auch Waffen
sind rar gesät. Geralt setzt mehr auf Klasse statt Masse. Es gibt prinzipiell zwei Waffentypen.
Stahl- und Silberschwerter. Ersteres eignet sich vornehmlich für menschliche Gegner, letzteres
für alle Arten von Ungeheuern und unnatürlichen Erscheinungen. Zusätzlich existieren noch Zweitwaffen
wie Beile, Hämmer und Dolche. Allerdings war mir deren Funktion schleierhaft, da mit diesen
Waffen die ausgebauten Hexerkampfstile nicht funktionierten und diese damit keine Alternative
darstellten. Schade, hier wäre mehr Sorgfalt nötig gewesen. Durch Runen und Meteoritenerz können
allerdings neue, bessere Hexerwaffen beim Schmied hergestellt werden. Auch findet man so manches
scharfe Schmuckstück in stinkenden Kloaken. Sammelwütige Spieler werden bei The Witcher allerdings
enttäuscht. Das schon angesprochene Kampfsystem bezieht seinen Reiz aus der gewählten Waffe
und dem Kampfstil. Bei vielen Gegnern eignet sich der Gruppenkampfstil, einzelne schnelle Angreifer
benötigen eine schnelle Angriffsart und Bossen sowie schwer gepanzerten Gegnern sollte man mit
dem starken Kampfstil entgegentreten. Zusätzlich nutzt man noch Geralts Magiefähigkeiten. Relativ
schnell stehen die fünf Zauberrunen zur Verfügung. Feuerattacken, Furcht verbreiten oder Gegner
wegschleudern sind durchaus mächtige Angriffsformen. Allerdings muss einem klar sein, dass der
Schwerpunkt auf dem Kampf liegt. Die sehr beschränkte Zauberauswahl passt meiner Meinung nach
sehr gut zum Charakter von Geralt. Er ist halt kein Stab- sondern ein Schwertschwinger - zumindest
in Kampfsituationen. Allerdings hätten die Runen doch etwas essenzieller ausfallen können. Bis
auf den einen oder anderen Feuerball und die Bodenwelle, fand ich die verbleibenden drei Runen
zu schwach, um wertvolle Punkte zu investieren. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.
Apropos Skillsystem. Das zu Beginn sehr umfangreich erscheinende Skillsystem ist meiner Meinung
nach eine kleine Enttäuschung. Anfänglich erhält man lediglich Bronzetalente pro Levelaufstieg,
später kommen Silber- und Goldtalente dazu. Im Endeffekt bleibt nur die Entscheidung, ob man
eher kampf- oder zauberlastig spielen mag. Die beiden Wege lassen hiernach wenig Spielraum zu.
Man steigert einerseits erst alle Bronzetalente in den Kategorien wie Stärke, Ausdauer oder
Intelligenz (was die passiven Fähigkeiten betrifft) und anderseits die Kampfstile (Gruppe, stark,
schnell) in den beiden Schwertkategorien. Danach ist Silber dran und schlussendlich Gold. Mich
persönlich störte diese Einschränkung weniger, aber experimentierfreudige Naturen kommen hier
nicht auf ihre Kosten.
Wein, Weib und Gesang
Noch ein paar Worte zu den im Spiel enthaltenen Minispielen. Man kann Würfel spielen und
in Schänken boxen, was sich auch als konstanter Questplot durch die Geschichte zieht. Leider
ist vor allem das Boxen ziemlich anspruchslos ausgefallen. Selbst der letzte Boxchampion war
so einfach und schnell besiegt, dass mir das ganze Prozedere lediglich als leichte Erfahrungssammelei
vorkam und weniger als ein forderndes Zwischenspiel. Das Würfeln ist ähnlich simpel ausgefallen,
aber es macht mehr Spaß, zumal so die prinzipiell knappe Geldbörse etwas aufgefrischt werden
konnte. Auch der Schwierigkeitsgrad stellt ein etwas delikates Problem dar. Wird man anfangs
noch gemächlich mit Steuerung und Umfeld vertraut gemacht, zieht der Schwierigkeitsgrad im zweiten
Akt, wenn der Spieler erstmals den Sumpf betritt merklich an. Zum ersten Mal rannte ich weg!
Spätestens mit der besseren Rüstung, die man sich für 5000 Orens kaufen kann (eine beträchtliche
Summe Geld), fällt der Schwierigkeitsgrad rapide ab. Ab der Mitte von Akt 3 empfand ich kaum
noch Herausforderung bei den Kämpfen. Selbst die Bosse waren erstaunlich schnell besiegt und
dabei nutze ich kaum die Möglichkeit im Kampf auszuweichen oder exzessiv Tränke zu nutzen. Der
Schwierigkeitsgrad ist übrigens in drei Stufen einstellbar (ich spielte auf normal).
Um das Thema Sex und Gewalt kommt man in The Witcher nicht herum, deshalb hierzu noch ein
paar Worte. Zur rauen Welt von The Witcher gehören diese Themen einfach dazu. Das Kampfgeschehen
fällt deshalb sehr blutig aus. Abgetrennte Köpfe und harte "Finisher" gehören zu Geralts Tagesgeschäft.
Auch die Darstellung nackter Damen (ich meine wirklich nackt - mit einem wolligen Schauer denke
ich an die schöne Dryade aus dem Druidenhain zurück ;-) ) stellt für die polnischen Entwickler
kein Problem dar. Die einschlägigen Szenen werden allerdings verschwommen dargestellt und man
erhält lediglich eine Art Trophäenkarte zum nachträglichen Anschauen. Für mich machten diese,
in Spielen heutzutage problematischen Elemente, einen wichtigen Bestandteil des Spielerlebnisses
aus. Da der Titel sowieso nichts in Kinderhänden zu suchen hat, sehe ich deshalb an dieser Stelle
kein großes Problem. Letztendlich muss jeder Spieler selbst entscheiden, ob ihm dies zusagt
oder nicht.
Weniger Ungeziefer als befürchtet
Auch The Witcher erschien mit einem Releasepatch und hatte, neben den langen Ladezeiten,
mit so manchem Problem zu kämpfen. Erstaunlicherweise lief das Spiel bei mir größten Teils unproblematisch.
Plotstopper oder ähnliche Spielspaßkiller traten überhaupt nicht auf. Lediglich mit Patch 1.2
kam es zu sporadischen Abstürzen, was nur durch das Abschalten der Feldschärfe in den Grafikoptionen
behoben werden konnte. In Foren wird über ähnliche Abstürze geklagt. Ein zukünftiger Patch hilft
hier hoffentlich.
Fazit
CD Projekt hat mit diesem Kleinod das für mich beste Rollenspiel der letzten vier Jahre auf
den Markt gebracht. Fernab von Itemsammelwut, Tolkien-Pathos und verquerer amerikanischer Moralvorstellungen
haben es die polnischen Entwickler geschafft, ihr "Baby" ihrer Vorstellung entsprechend zu verwirklichen.
Die erschreckend dem Zeitgeist entsprechende aber auch enorm reizvolle Geschichte zieht den
Spieler unweigerlich in seinen Bann und verlangt von ihm mehr als bloßes Schwarz-Weiss-Denken.
Der interessante, vielschichtige Charakter lässt den Spieler mitfiebern und sich mit ihm auf
eine Weise identifizieren, die kein Rollenspiel bisher erreicht hat. Natürlich offenbart auch
The Witcher unnötige Schwächen. Das Inventar- und Alchemiesystem ist eine mittlere Katastrophe,
die Itemarmut wird so manchen Rollenspieler schockieren, die Ladezeiten reißen viel zu oft aus
der stimmigen Fantasywelt und die Balancingprobleme beim Schwierigkeitsgrad hätten vermieden
werden können. Aufgrund genannter Mängel schaffte es leider auch The Witcher nicht, die Bestnote
zu kassieren. Allerdings vergebe ich ruhigen Gewissens eine gute yiya´sche 2+. Kein Rollenspieler
und auch Genrefremde, die auf große Charaktere und tolle Geschichten stehen, sollten an diesem
Spiel vorbeigehen. Gratulation CD Projekt, ihr habt es der westlichen Konkurrenz erfrischend
gezeigt, ich freue mich auf ein baldiges Addon und Teil 2.
Geschrieben am 19.01.2008, Testkonfiguration: Intel Dual Core E6750, 4GB, GeForce 8800GTS
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